Review Theatre Of Tragedy – Last Curtain Call

Und wieder tritt eine Legende ab. Als solche kann und muss man die Norweger THEATRE OF TRAGEDY sicher bezeichnen, auch wenn ihre Musik nicht immer Jedermanns Sache war. Andererseits haben sie über eineinhalb Jahrzehnte den Gothic Metal ebenso geprägt, wie sie ihn quasi in dieser Form erst selbst erfunden haben. Spätestens mit „Velvet Darkness They Fear“ und dem nicht so ganz klischeefreien Clubhit „Tanz der Schatten“ haben sie das Engelchen-Teufelchen-Spiel etabliert.

Wie es sich für eine Band dieser Größenordnung gehört, erfolgt der Rücktritt nicht heimlich, still und leise, sondern mit einem finalen Output, konsequenterweise mit „Last Curtain Call“ betitelt. Und wenn der letzte Vorhang ruft, dann sind natürlich alle Hits zur Stelle. Warum es dann unbedingt eine Doppel-CD sein musste, weiß ich nicht, 80 min hätten wohl auch auf eine Scheibe gepasst bzw. wenn schon noch so viel Raum war, hätte man sicher auch noch ein paar Nummern mehr bringen können. Aber seis drum, Freunde der Band werden zwar so manchen Song vermissen, sich aber andererseits am vorhandenen Liedgut erfreuen. Interessant könnte dies auch für Neulinge sein, denn der Sound der Liveaufnahmen ist aufwendig nachbearbeitet worden, so dass man nicht einmal mehr merkt, dass es keine reine Studioproduktion ist. Wobei dann natürlich die Frage gestattet sein sollte, warum man sich die Mühe macht und nicht einfach eine Best-Of-Zusammenstellung auswählt und noch einmal neu einspielt. Aber egal, solche Feinheiten sollten nicht über eine schöne Auswahl mit wirklich ordentlichem Sound hinwegtäuschen. Unter dem Strich kann man mit dem Resultat wirklich zufrieden sein.

Tja, was soll man sagen; auch wenn ich die Band spätestens seit „Aegis“ aus verschiedenen Gründen aus dem Blick verloren habe – generell scheint es trotz regelmäßiger Veröffentlichungen eher ruhig um THEATRE OF TRAGEDY geworden zu sein – ist es beim Hören der alten Lieder doch irgendwie schade, dass man sich nicht mehr motivieren konnte weiter zu machen. Ob es alleine die zeitliche Belastung war oder ob vielleicht doch der allmählich ausbleibende Erfolg die Laune schmälerte, sei mal dahin gestellt. Sicherlich wäre es auch für Szenevorreiter keine schlechte Idee gewesen, den Stil über die Jahre noch etwas mehr weiter zu entwickeln. So hinterlässt man neben der vorliegende Best-Of-Live-CD auch noch insgesamt sieben Studioalben, eine weitere Live-CD und eine EP. Genug Material also, um sich über das Ende der Band hinweg zu trösten. Fans und Neunentdecker können bei „Last Curtain Call“ bedenkenlos zuschlagen.

Wertung: 7 / 10

Publiziert am von Jan Müller

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