Das Cover von "Psychedelic Enigma" von Them

Review Them – Psychedelic Enigma

Ursprünglich als KING-DIAMOND-Tribute gegründet, schreiben THEM seit 2014 eigene Musik und sind damit auch angemessen erfolgreich. Innerhalb eines Jahrzehntes brachte es die deutsch-amerikanische Band um Sänger KK Fossor auf immerhin vier ausgewachsene Alben, die bei ihrer wachsenden Gefolgschaft zunehmend gut ankamen. Drei Jahre nach ihrem letzten Full-Length „Fear City“ und ein Jahr nach der EP „The Goblin Sessions“ steht mit „Psychedelic Enigma“ die nächste Platte der Truppe in den Läden – übrigens die erste, auf der ihr neuer Drummer David De Liniers zu hören ist.

THEM spielen US-Metal, allerdings nicht im Stile der Genre-Veteranen der mittleren 80er. Die deutsch-amerikanische Truppe orientiert sich eher an moderneren Vertretern der Sparte, wobei vor allem ICED EARTH als Vorbild herausstechen. Schon „Catatonia“ erinnert dank schneidender Riffs und Gesang an Jon Schaffer und seine Mannschaft und auch in Nummern wie „Reverie“ und „Evil Deed“ liegt der Vergleich nahe. Dass dabei nicht allzu viel eigenen Identität entsteht, liegt auf der Hand, aber es hat durchaus seinen Reiz. Gemessen an der Bekanntheit von ICED EARTH gibt es nur sehr wenige Bands, die sich an der Truppe orientieren – und da füllen THEM durchaus eine Marktlücke.

Auch ansonsten hört man den Songs auf „Psychedelic Enigma“ zumeist an, welche Formation als Vorbild diente: „The Scarlett Remains“ etwa ruft mit seiner kompromisslosen Wucht die Kollegen CAGE ins Gedächtnis und das düster-melancholische „Echoes Of The Forgotten Realm“ wurde zweifelsohne von NEVERMORE inspiriert. Wie gesagt ist das durchaus stark umgesetzt, denn THEM haben unüberhörbar verstanden, aus welchen Bauteilen dieser Sound besteht und wissen sie authentisch zu reproduzieren. Wie bereits angesprochen leidet die eigene Identität der Band darunter jedoch massiv, denn letztendlich klingt die Formation vor allem nach anderen Genre-Vertretern.

Technisch kann man THEM dabei keinerlei Vorwürfe machen. Die Herren zocken ihre Riffs mit geradezu chirurgischer Präzision und auch die Leadgitarren fallen durch die Bank beeindruckend aus. In ihren besten Momenten, wie z. B. „The Silent Room“, gelingt es der Gruppe sogar, dank dichter Atmosphäre an ihr Idol KING DIAMOND heranzureichen. Umso schwerer fällt es ins Gericht, dass der Sound von „Psychedelic Enigma“ den Songs der Platte eher im Wege steht, als sie zu unterstützen. Vor allem die schwachbrüstigen Gitarren und das extrem dünne Schlagzeug nehmen den Rasiermesser-Riffs einen großen Teil ihrer Schlagkraft – die Platte klingt stimmig, aber sie klingt auch schwach.

Auf der Haben-Seite steht bei THEM definitiv, dass sie ihr Augenmerk auf eine derzeit eher selten gehörte Facette des US-Metal richten. Damit hebt sich die multinationale Truppe auf jeden Fall von anderen Bands der Sparte ab und auch ihre technische Finesse spricht für die Mannschaft. Sonderlich charakteristisch klingt die Band allerdings trotzdem nicht, denn „Psychedelic Enigma“ kann in erster Linie als Hommage an die angesprochenen Vorbilder betrachtet werden. Zudem fühlt sich die Produktion wie dünnes Plastik an und die reichlich klischeebeladene Konzept-Story sorgt in ihrer trashigen Umsetzung ein ums andere Mal für Augenrollen. Unterm Strich bleibt so ein solides US-Metal-Album der härteren Gangart, das eigentlich viel besser sein müsste.

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Wertung: 6.5 / 10

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