CD-Review: Through Your Silence - The Zenith Distance

Besetzung

Daniele Grassi – Gesang
Marco Tafuri – Gitarre
Fabio Curci – Gitarre
Enrico Pilla – Bass
Mattia Jay Giambini – Schlagzeug

Gastmusiker:
Roberto Palermo – Keyboard
Oddleif Stensland (Communic) – Gesang
Stefano Fiori (Graveworm) – Gesang

Tracklist

01. Obscurity Unveiled
02. Nameless Clouds
03. Ablaze The Psalms
04. Mind Collapses
05. A Distant Reflection
06. Worthless
07. Through The Mouth Of This Crater
08. Sinful Centuries
09. Dead Existence
10. Their Portraits Forever


(Black Metal / Melodic Death Metal / Metalcore / Symphonic Metal) THROUGH YOUR SILENCE haben eine große Gemeinsamkeit mit Sardellenpizza: Beides kommt aus Italien und schmeckt mir nicht. Ist irgendwie wie ’ne Party in meinem Mund, auf der alle kotzen. Harte Worte gleich zu Beginn, denen ich dann aber doch etwas den Wind aus den Segeln nehme und zugebe: So schlimm ist „The Zenith Distance“ der fünf Mailänder auch wieder nicht. Nichtsdestoweniger ist die Auswahl und Vermischung der Zutaten, die das Quintett für sein zweites Album ausgewählt hat, nicht gerade optimal, und das liegt nicht an einer Geschmacksverirrung meinerseits, wie ich euch im Folgenden etwas näher zeigen werde.

Es ist nicht untertrieben, diese Platte als einen musikalischen Trip ins Hirn eines schizophrenen ADHS-Patienten zu bezeichnen. Die eingangs erwähnten Genres, die in „The Zenith Distance“ Einzug erhalten, hätte ich noch beliebig weiter fortführen können. Leider verschmelzen diese einzelnen Elemente nicht zu einem harmonischen, Sinn ergebenden Ganzen, sondern prasseln wild auf den Hörer ein. Es wird geblastet, geknüppelt, Tempowechsel gibt’s en masse, stets unterlegt mit symphonischen Synthie-Klangteppichen. Die Produktion ist absolut bombastisch, wirkt dabei jedoch auch total überladen und nicht zuletzt durch das Orchester aus der Konserve kalt und steril. Die Songstrukturen sind dabei – zumindest auf der ersten Albumhälfte bis zum Interlude „A Distant Reflection“ – konfus und wirr. Die Songs der zweiten Hälfte sind dann nicht mehr so orientierungslos, sondern durchschaubarer, eingängiger und damit auch zugänglicher. Dabei wird weniger geknüppelt und die Melodic Death-Schlagseite tritt in den Vordergrund.

Nicht falsch verstehen, gegen Gruppen wie Iwrestledabearonce klingen die Italiener fast schon konservativ. Ohnehin würde ich sie eher in die musikalische Nachbarschaft von Dimmu Borgir und Heaven Shall Burn rücken. Das ändert jedoch nichts an dem Gesamteindruck, dass THROUGH YOUR SILENCE weder Fisch noch Fleisch sind; zu schwarzwurzelig für Core-Knaben, zu modern und untrue für die Black Metal-Fraktion. Bleiben natürlich noch Legionen von aufgeschlossenen, unvoreingenommenen Metal-Fans. Wenn da nur nicht dieser Gesang wäre.

Der fängt nämlich sehr schnell an, einfach nur tierisch zu nerven. Vielleicht mag es auch daran liegen, dass mir solche typischen Screamo-Vocals generell auf den Keks gehen, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich irgendjemand diese Mischung aus Mastschwein mit Kehlkopfentzündung und der letzten Asthmaattacke meines Mitbewohners allen Ernstes länger als ein paar Minuten anhören kann, ohne sich mit einem Schraubenzieher im Gehörgang herumbohren zu wollen. Warum sagt dem Jungen am Mikrofon denn niemand, dass er nicht growlen kann, ohne unfreiwillig komisch zu klingen? Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass mit Oddleif Stensland und Stefano Fiori zwei sehr kompetente Sänger ans Gastmikrofon geholt wurden – hier wurde wohl der Versuch unternommen, das unsägliche Gutturalgekotze von Daniele Grassi gesangstechnisch aufzuwerten. Das ist allerdings höchstens bedingt gelungen, immerhin ist er als Leadsänger auf dem Album allgegenwärtig. Auch der spärlich eingestreute, aber gekonnte Beitrag einer Sängerin, die unbekannt bleibt, reicht lediglich für eine Randnotiz.

Man muss THROUGH YOUR SILENCE zugutehalten, dass sie einen einzigartigen Sound haben und auch an ihren Instrumenten absolute Könner sind. Das große Minus auf „The Zenith Distance“ ist der Gesang und die ziellosen Strukturen, die sich in der zweiten Albumhälfte jedoch etwas einpendeln. Hätten der Fünfer klare Vorstellungen vor Augen (danach klingt es hier nämlich definitiv nicht), könnte mit dem Talent durchaus was Interessantes auf die Beine gestellt werden. Wie dem auch sei, hier sind eine Menge Stile zusammengewachsen, die nicht zusammengehören – zu viele Köche verderben eben den Brei. Mein Respekt vor allen, die sich DAS hier in Albumlänge geben und dabei auch genießen können. Wer noch nicht weiß, dass überproduziertes, reizüberflutendes Chaos auch gut klingen kann, dem sei Strapping Young Lad ans Herz gelegt.

Bewertung: 5 / 10

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