Review Trelldom – …By The Word…

Saxophone sind die Rache Satans an der Schöpfung und hängen im Bestiarium der Musikinstrumente gleich neben anderen Scheußlichkeiten wie der Panflöte. Es erscheint also nur logisch, dass, wer die Musik des Teufels spielt, sich eines dieser Werkzeuge aussucht und einsetzt. Also das Saxophon. TRELLDOM wählen das Saxophon. Es kreischt uns an, es scheppert und wimmert, es ersetzt, da Gaahl nun gar keinen sonst so BM-typischen Kreischgesang mehr einsetzen will, eben dieses sonst so spezifische Stilmittel und wird somit teils zum gleichberechtigten „Gesangs-“ Partner. Nur dass es mit Gaahl natürlich kein „Schöne und das Biest“-Duett geben wird.

TRELLDOM, einst obskures True-BM-Outfit aus Gaahls dunklen Vergangenheit, haben bereits mit ihrem „Rückkehr“-Album „…By The Shadows..“ vor zwei Jahren für entsetzt-verwirrte Ohren bei ihrem Publikum und bei jenen gesorgt, die sich um die schriftstellerische Einordnung des Gehörten bemühen sollen. Dieser Überraschungs-, bzw. Überwältigungsmoment ist auf dem Nachfolger natürlich nicht mehr zu erwarten; wir wissen in etwa, was kommen wird.

Was kommt ist vor allem eines: kauzig. Neben dem bereits erwähnten Blasinstrument aus der Hölle finden sich auf „…By The Word…“ jazzige Akkordfolgen, die an die Norweger Virus erinnern, ein Schlagzeug, das darauf aus ist, den unerwarteten leeren Raum zwischen den eigentlich zu erwartenden Rhythmen zu füllen, immer wieder anklingende Ambientausflüge (die Enden von „This Moment The Life A Memory“ und „The Word Choose To Vanish“ stehen exemplarisch für diese Grenzexpeditionen an den Rand der Musik), dazu schamanistische Beschwörungen von Meister Gaahl („By The Word“). Mitunter hat es den Anschein, als spielten zwei Songs verfeindet gegeneinander, doch ab und an findet die Musik zusammen und geht auch mal überraschenderweise flott-groovend voran (ausgerechnet „The Word Choose To Vanish“), dann wieder reichen zwei coole, dissonante Ideen um einen ganzen Song spannend zu halten (trotz Saxophon: „Folding The Mind“), aber oft genug zieren sich die Songs fast, einen simplen Ausbruch zu wagen, sondern halten die Spannung gewollt zäh wie beim Zuschauen einer Elefantengeburt.

Der Sound hierzu ist fuzzig und knurztrocken, so gar nicht BM-genretypisch, aber auch eben nicht retrowarm. Endlich gibt es einmal wieder ein wirklich interessantes Schlagzeug zu hören – eine Wohltat nach all den totproduzierten Exrem-Metal-Schiessbuden die den heutigen Metal so gleichförmig und langweilig machen. Das Album klingt, als wäre es als Livetake in einem Bunker aufgenommen, den findige Geschäftsläute zu einem Jazzclub ausgebaut haben. Und ebenso fühlt sich „..By The Word…“ auch an: Wir sind zu Gast in einem ziemlich abgeranzten, dabei aber natürlich hochgradig elitären Jazzclub irgendwo unter den Eingeweiden der Stadt und eigentlich wollen wir die Musik cool finden und der Ort hat was, ja sehr viel sogar, aber alle Barhocker sind von arroganten Kunststudenten Mitte 20 besetzt, die abschätzig auf uns Neuankömmlinge blicken und uns mit jeder Sekunde spüren lassen, dass wir nicht dazu gehören. Das alles ficht die Band nicht an und außerdem ist das ein sehr spezieller Jazzclub, seltsame Dinge geschehen und keiner, weder Studenten noch wir, wird diese Nacht überleben. Aber das alles passiert schon lange nachdem wir festgehalten haben, dass dieses Album sich in seiner beschriebenen Kauzigkeit mit allen verfügbaren Gliedmaßen dagegen wert, gemocht zu werden. Dass ihm das gelingt und dennoch die Repeattaste fast erzwingt, ist eine Widersprüchlichkeit, die aufzulösen TRELLDOM sehr wahrscheinlich nicht die geringste Absicht haben. Und eben das macht den Reiz der Platte aus.  Sie hört sich nicht „schön“, kaum ein Wort wäre unpassender. Aber sie hört sich warm. Mitunter sehr warm sogar. Wenn nur dieses verdammte Saxophon nicht wäre…..

 

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Wertung: 7.5 / 10

Wenzel Widenka

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