Review Tsjuder – Legion Helvete (+)

  • Label: Season Of Mist
  • Veröffentlicht: 2011
  • Spielart: Black Metal

TSJUDER gehörten für mich schon immer zu dieser Fraktion Black Metal-Bands, von welchen man, ohne auch nur einen einzigen Ton je bewusst gehört zu haben, genau weiß, wie man sich Klangbild und Qualität vorzustellen hat: Hochklassig, aber nicht wirklich so eigenständig, dass man sich näher damit beschäftigen müsste. Da ich das folglich auch nicht tat, war ich über die Auflösung 2006 nicht weiter betrübt. Aber trotzdem irgendwie schön, dass man 2011 mit „Legion Helvete“ ins Business zurückkehrt.

Und TSJUDER klingen genau wie erwartet – manische, hektische Riffs , kehlige Screams, die totale Abwesenheit von Melodie und Presslufthammer-Schlagzeug. „Legion Helvete“ ist ein einfaches und verständliches Statement: 41 Minuten totale Zerstörung, keine Kompromisse, nur rasender Black Metal. TSJUDER erliegen aber glücklicherweise nicht dem Irrglauben, dass High Speed alleine bestimmt schon reichen würde, um in dieser Spielart überzeugen zu können. So finden sich auf „Legion Helvete“ eine Vielzahl an Tempowechseln, die sich zwischen dem natürlich durchaus vorhandenen Up Tempo und verschiedenen Varianten des Mid Tempo bewegen. Aufgrund des überschaubaren Anspruchs der Riffs, die den perfekten Mittelweg zwischen Kalkül und Primitivität finden, wird es dem Hörer aber selbstredend trotzdem nie zu bunt. Auch der klirrende, aber durchaus druckvolle Sound, der die sehr präzise eingespielten Instrumenten jederzeit gut hörbar macht schlägt in diese Kerbe und zeigt, wie man nach 2011 und trotzdem true klingen kann.

„Legion Helvete“ trägt seine Message definitiv nicht sehr subtil vor, aber so etwas wäre bei einer Band, die Alben mit Titeln wie „Kill For Satan“ oder „Desert Northern Hell“ aufgenommen hat, irgendwie auch nicht angemessen. TSJUDER hämmern akkurat und kombinieren Raserei effizient mit funktionierenden Songs und griffigen Riffs, ohne dabei je Zweifel aufkommen zu lassen, warum man Schnickschnack wie Experiment tunlichst Experiment sein lässt.
Wenn mit „Vårt Helvete“ dann auch noch ein Zehnminüter das Album beschließt, der nicht einen Hauch von Langeweile aufkommen lässt, weiß ich wieder, dass ich keine gestörte Wahrnehmung habe, wenn ich 95% aller aktuellen Releases dieses Sektors vollkommen daneben finde. „Legion Helvete“ zeigt, wie man Black Metal zu spielen hat, und dass 41 Minuten Geknüppel auch heute noch übel abgehen können, ohne nach „schon zu oft gehört“ zu klingen. Dafür machen TSJUDER ihre Sache einfach zu gut. Doch, schön, dass es Bands gibt, die ihrem Ruf noch gerecht werden.

Wertung: 9 / 10

Publiziert am von Marius Mutz

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.