CD-Review: Ulvik - Cascades

Besetzung

Jade Fadel
George Allen

Tracklist

01. Baaltis
02. Nokhur
03. Hius Clos
04. Allmächtiger Gott! Lössch’ Aus
05. Salt Of The Earth


Ein Buch soll man bekanntlich nicht nach seinem Einband beurteilen. Obwohl die inneren Werte zweifellos wichtiger als Äußerlichkeiten sind, ist die visuelle Ästhetik gerade in der Kunst jedoch keineswegs irrelevant. Wie ein Artwork gestaltet ist, gibt oft Hinweise darauf, was man von dem davon repräsentierten Album in musikalischer Hinsicht erwarten darf. Und ganz ehrlich: Wer will sich schon eine Platte an prominenter Stelle ins Musikregal stellen, wenn sie dem Auge nicht gefällt? Vor diesem Hintergrund haben ULVIK mit dem Bild, das „Cascades“ ziert, alles richtig gemacht: Das lavendelfarbene Motiv schürt mit seiner verwilderten, desolaten und doch irgendwie schönen Stimmung die Neugier auf die Musik der Kanadier.

Wer mit dem bisherigen Output des Duos vertraut ist, muss sich indes nicht auf eine Überraschung gefasst machen. Wie zuletzt auf dem von den Eindrücken der COVID-19-Pandemie gezeichneten „Isolation Motifs“ (2020) mischen ULVIK Cascadian Black Metal, Post-Rock und Folk und lassen dabei an Bands wie Agalloch und Falls Of Rauros denken. Obwohl die grundsätzliche Ausrichtung der bloß 32 Minuten langen Platte gespannt aufhorchen lässt, merkt man jedoch allzu bald, dass das Zweigespann noch einiges lernen muss, um den Assoziationen mit den oben genannten Vorzeigegruppen gerecht zu werden.

In ihrem Aufbau fehlt es den von unheilvollem Riffing und polternden Blast-beats dominierten Songs an Prägnanz. Vor allem die eigenartigen, scharrenden Geräusche, die in den ruhigeren Passagen zum Vorschein kommen, werfen die wenig schmeichelhafte Frage auf, ob ULVIK ihre Stücke wirklich absichtlich so klingen lassen wollten. Wenn die Band das herkömmliche Black-Metal-Schema hinter sich lässt, indem sie etwa in „Allmächtiger Gott! Lössch‘ Aus“ (sic!) Kirchenchöre und in „Salt Of The Earth“ Akustik- und Clean-Gitarren erklingen lässt, machen die Umbrüche oft einen arg plumpen Eindruck.

Das schwächste Glied auf „Cascades“ ist allerdings die Produktion. Dass die Songs spröde wie das auf dem Artwork abgebildete Unterholz wirken, liegt nicht bloß an den recht grob zusammengezimmerten Kompositionen, sondern an dem unausgewogenen, rohen Sound, von dem vor allem die Screams immer wieder verschluckt werden. Von mit ULVIK vergleichbaren Bands hat man zwar schon Schlimmeres gehört, aber eben auch schon wesentlich Besseres.

„Cascades“ ist eines jener Alben, die man nur zu gerne mögen würde. Das ansprechende Coverbild und einige der in den Tracks verarbeiteten Ideen lassen hier großes Potential erahnen. Mit ihrer Entscheidung, nach dem Fund von Massengräbern bei kanadischen Umerziehungsinternaten für indigene Kinder die Hälfte der durch das Album erwirtschafteten Einnahmen an die „Indian Residential School Survivors Society“ zu spenden, setzen ULVIK zudem ein starkes politisches Zeichen – eine im Black Metal leider viel zu selten gesehene Wohltat. Bei allem guten Willen lässt sich jedoch kaum abstreiten, dass die Platte an einem eklatant Mangel an kompositorischer und klanglicher Eleganz leidet. Bei ULVIK ist also noch viel Luft nach oben.

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Bewertung: 4 / 10

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