Und sonst so: Und sonst so… April 2018


Metal ist eines der der lebendigsten Genres, die es gibt. In der Folge ist es bei der mittlerweile enormen Zahl an Veröffentlichungen schier unmöglich geworden, sämtliche Alben in ausführlichen Reviews vorzustellen. In unserer Rubrik „Und sonst so …“ kommen deswegen in Form von Kurz-Kritiken ein paar der Alben zur Sprache, die trotz Zeitmangel und Überangebot nicht unter den Teppich fallen sollten.


Nigredo - Flesh Torn – Spirit Pierced

Genre: Black Metal

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„Man kann Black Metal spielen raw, man kann Black Metal spielen melodisch und man kann Black Metal spielen thrashig.“
(frei nach Peter Ludolf)

Letzteres macht das griechische, auch in die Blackened-Thrash-Formation Ravencult involvierte Musiker-Duo NIGREDO hier – und zwar unfassbar gut. Unter den acht Songs ist nicht ein einziger Fillertrack dabei. Das kommt in der Tat selten vor. Zugegeben, Black Metal mit Thrash Metal zu kreuzen ist inzwischen auch nichts Neues mehr, aber man stößt selten auf eine Band, die das so dermaßen gut hinbekommt wie NIGREDO.

[Simon Bodesheim]


Kalmah - Palo

Genre: Melodic Death Metal

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Die Melodeather aus Finnland sind zurück mit ihrem achten Studioalbum. „Palo“ klingt dabei einmal mehr nach Dragonforce meets Ensiferum meets Children of Bodom. Der Kitschfaktor ist dabei erneut auf Anschlag aufgedreht, zwischendrin ist die Musik aber schon immer mit genug Groove ausgestattet. Auch ein paar coole, extremere Ausbrüche servieren KALMAH in ihren zehn Songs. Das kann man als Fan von Kitsch-Melodeath schon anhören, zumal man merkt, dass die Formation ziemlich fit darin ist, solche Musik zu schreiben und zu spielen. Wem Düdelmelodien schnell auf die Nerven geht, sollte dagegen eher einen Bogen um die Platte machen.

[Simon Bodesheim]


Grá - Väsen

Genre: Black Metal

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GRÁ spielen recht klassischen Black Metal mit dezentem Dissection– und Thyrfing-Vibe. Es gibt da draußen unzählige Bands, die immer wieder demonstrieren, wie unglaublich langweilig diese altbekannte Art von Black Metal ist, wenn man als Band unmusikalisch und unkreativ ist. GRÁ sind eines der wenigen Gegenbeispiele. “Väsen” macht richtig Bock mit coolen Riffs, einer kalten Atmosphäre und vor allem fähigen statt dilettantischen Musikern. Dazu kommt noch ein altmodischer und trotzdem absolut perfekt ausgewogener Sound und ein tolles Coverartwork. Da verzeiht man auch gern, dass die zweite Albumhälfte nicht ganz mit der ersten mithalten kann. Wer übrigens beim Sänger die ganze Zeit das Gefühl hat, dass er einem bekannt vorkommt: Das ist Heljarmadr, der neue Fronter von Dark Funeral.

[Simon Bodesheim]


Inferi - Revenant

Genre: Technical / Progressive Death Metal

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INFERI klingen, als hätte man The Black Dahlia Murder Speed verabreicht (dass deren Fronter Trevor Strnad beim letzten Track als Gastsänger auftritt, ist sicherlich kein Zufall). Irgendwo zwischen Blastbeat-getriebenem Melodeath, Tech-Death und – ja, tatsächlich – Symphonic Black Metal im Stile von Carach Angren oder Dimmu Borgir ballern sich INFERI durch neun überwiegend mitreißende und fetzige Songs. Manchmal etwas zu verdüdelt, manchmal etwas zu anstrengend, ist den US-Amerikanern letztlich trotzdem unterm Strich ein richtig gutes Album gelungen. Freunde melodischer und dabei gleichzeitig sehr schneller und technischer Musik dürften hier voll auf ihre Kosten kommen.

[Simon Bodesheim]


Bleed From Within - Era

Genre: Metal- / Deathcore

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Auf „Era“ entfesseln BLEED FROM WITHIN ein derart energiegeladenes Spiel, dass es eine wahre Freude ist – wären da nicht die leider Genre-üblichen, hymnischen Kitsch-Refrains. Doch selbst die sind hier erträglicher und werden seltener eingesetzt als beim sonstigen Metalcore-Einheitsbrei. Darüber hinaus bewegen sich BLEED FROM WITHIN musikalisch auf einem merklich höheren Niveau als ihre Konkurrenz und erinnern mit ihren durchdachten Riffs und ihrer tatsächlichen, statt nur durch Breakdowns behaupteten, Brutalität mehr an Lamb Of God als an andere Metal- und Deathcore-Bands. Für Leute, die mit dieser Art von Musik sonst wenig anfangen können, ist „Era“ überwiegend empfehlenswert. Für alle Fans dieses Genres ist es sowieso ein Must-Have.

[Simon Bodesheim]


Shields - Life In Exile

Genre: Metal- / Deathcore

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Bereits mit dem Intro geben SHIELDS einen Einblick in ihre wuchtige Metalcore-Welt, die sie mit den folgenden Stücken noch intensivieren. Brachiale Riffwände vereinen sich mit geschmachtetem Klargesang, filigrane Gitarrenparts treffen auf schmetternde Schlagzeug-Arbeit. Alles wirkt in sich schlüssig und auf den Punkt gebracht. Vor allem wurden die Songs des Debüts mit dem nötigen Druck produziert. Die Briten bieten guten bis sehr guten Modern Metal, der dem im Januar verstorbenen Gitarristen George Christie ein doch würdiges Denkmal setzt – wenn auch eines ohne große Überraschungsmomente.

[Christian Denner]


Pennywise - Never Gonna Die

Genre: Punk / Punk Rock

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Seit mittlerweile 30 Jahren sind die kalifornischen Punk-Rocker PENNYWISE aktiv und gelten nicht nur als einer der Vorreiter des Melodic Hardcore. Mit „Never Gonna Die“ legen sie ihr mittlerweile zehntes Studioalbum vor und können so 2018 in zweierlei Hinsicht ein Jubiläum begehen. Musikalisch bietet die Band kurzweilige Songs, die meist nur knapp über der Drei-Minuten-Marke landen und mal mehr, mal weniger Ohrwurm-Potential besitzen. „Never Gonna Die“ ist zwar wenig innovativ, dafür aber rotzig und Old School genug, um die Punk-Fetischisten glücklich zu machen.

[Christian Denner]


Wesenwille - I: Wesenwille

Genre: Black Metal

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In nur fünf Songs, die aber zusammen auf 40 Minuten Spielzeit kommen, verbreitet das Musikerduo WESENWILLE aus den Niederlanden eine brachiale, düstere Atmosphäre. Hier gibt es gleichermaßen rasante Blastbeats des aktuellen Glorior-Belli-Live-Drummers D. Schermann wie auch doomig-sludgige Passagen zu hören. Das Ganze dann noch mit einer stimmigen Produktion veredelt – fertig ist das sicherlich nicht superinnovative, aber effektive Post-Black-Metal-Brett. Ein tolles Underground-Debüt. Diese Newcomer sollte man im Auge behalten!

[Simon Bodesheim]


Breaking Benjamin - Ember

Genre: Metal- / Deathcore

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BREAKING BENJAMIN sind eine der wenigen Metalbands, denen es gelingt, den (amerikanischen) Mainstream zu infiltrieren. 2015 konnte ihr letztes Album „Dark Before Dawn“ sogar Platz 1 der Billboard Charts erobern. Dieser Erfolg soll nun mit „Ember“ wiederholt werden. Dazu bedient man sich der gleichen Stilmittel, wie schon auf dem Vorgänger. Härtere Gitarren werden stets von schönen Melodien belgeitet und die vereinzelt eingestreuten Growls bzw. Screams sind immer nur als den Klargesang ergänzendes Element vorhanden. Klanglich landet man damit im Nickelback-Bereich, eben nur mit ein paar harten Gitarren. Ob das einem taugt, muss jeder selbst entscheiden, Erfolg werden die Amerikaner damit sicher erneut haben.

[Christoph Emmrich]


Bullet - Dust To Gold

Genre: Hard Rock

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Eine Band aus Schweden, die mit ihrer Mischung aus Hard Rock im Stile AC/DCs und ganz frühem Heavy Metal – hier sind Accept als Referenz zu nennen – die guten alten zeiten heraufbeschwört. Klingt bekannt? Kein Wunder, gibt es doch eine unheimliche Menge an Bands, auf die genau diese Beschreibung zutrifft. Was also hebt BULLET mit ihrem neuen Album „Dust To Gold“ aus der Menge gleichgearteter Truppen hervor? Zum einen ist es die Energie, die die zwölf Tracks ausstrahlen, zum anderen der Umstand, dass Sänger Hell Hofer genug Reibeisencharme in seiner Stimme hat, um den Hörer mitzureißen. Sicher keine Offenbarung, aber Spaß macht die Platte auf jeden Fall.

[Christoph Emmrich]


The Dead Daisies - Burn It Down

Genre: Hard Rock

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Mit „Burn It Down“ legen THE DEAD DAISIES ihr mittlerweile viertes Album seit der BAndgründung 2012 vor. Mit ehemlaigen Mitgliedern von Whitesnake, Thin LIzzy, Dio und MÖtley Crüe in ihren Reihen, kann man die Truppe ruhigen Gewissens als All-Star-Band bezeichnen. Neu in der Runde ist Deen Castrovnovo am Schlagzeug, der bereits ben Journey aktiv war. THE DEAD DAISIES bieten auch auf ihrer neuen Platte wieder soliden Hard Rock mit starker melodischer Schlagseite, die die Herkunft der beteiligten Musiker nicht zu verstecken sucht. Damit klingt das Ganze vertraut, verlässlich und dadurch bisweilen ein wenig zahnlos. Etwas mehr Dampf im Kessel würde den Nummern auf „Burn It Down“ helfen, dem Titel der SCheibe gerecht zu werden.

[Christoph Emmrich]


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