CD-Review: Ungfell - Mythen, Mären, Pestilenz

Besetzung

Menetekel – Gesang, Gitarre, Bass, zusätzliche Instrumente
Vâlant – Schlagzeug, Perkussion

Gastmusiker:
Kerberos – Gesang (Track 07)
Minarsk – Gesang (Track 08)
Chimael – Cello (Tracks 04 & 10)

Tracklist

01. Raubnest ufm Uetliberg
02. De Türst und s Wüetisheer
03. Oberlandmystik
04. Bluetmatt
05. Die Heidenburg
06. De Fluech vom Toggeli
07. Die Hexenbrut zu Nirgendheim
08. Guggisberglied
09. Der Ritter von Lasarraz
10. Raserei des Unholds


Den im klassischen Black Metal meistbesungenen Themenkreis bildet mit großer Wahrscheinlichkeit nach wie vor der Satanismus mitsamt allem Okkulten, was dazugehört. Ähnlich großen Anklang finden jedoch spätestens seit dem Aufkommen des Folk Black Metal auch Volkssagen und Mythen. Während sich ersteres bis auf wenige authentische Ausnahmen bereits weitgehend totgelaufen hat, gelingt es Bands, die sich in ihren Texten auf die Überlieferungen alter, landestypischer Geschichten beziehen, immer noch, sich mit einer gewissen Aura der Mystik zu umgeben. Genau diese Faszination ist es, die die Neugier auf „Mythen, Mären, Pestilenz“, das zweite Album des Schweizer Duos UNGFELL, bereits im Vorhinein schürt und hoffen lässt, dass der Inhalt dem Titel gerecht wird.

Den nicht nur sprichwörtlichen Reigen eröffnen UNGFELL mit dem feierlich-tänzelnden Akustik- und Flöten-Intro „Raubnest ufm Uetliberg“, das von der Stimmung her an Dornenreichs „Hofesfest“ denken lässt. So weit, so folkig – im nachfolgenden „Die Türst und s Wüetisheer“ entfesseln die Schweizer dann jedoch sogleich ihren Black Metal der alten Schule. Dieser Wechsel zwischen ungeschliffenen, schwarzmetallischen Liedern und akustischen Zwischenspielen ist, wie sich alsbald zeigt, bezeichnend für „Mythen, Mären, Pestilenz“.

Während erstere mit ihren garstig gekreischten Vocals, ihrem melodischen und zugleich rasanten Tremolo-Picking sowie ihren zügellosen Schlagzeugrhythmen eine passende Vertonung der von UNGFELL erzählten Schauermärchen darstellen, bringen vor allem letztere mit ihren melancholischen Akustikgitarren, Trommeln, Schellen und anderen Folk-Instrumenten den mittelalterlich-geheimnisvollen Flair der Platte zum Ausdruck. Doch nicht nur aufgrund seiner zwei stilistischen Gesichter handelt es sich bei „Mythen, Mären, Pestilenz“ um ein äußerst abwechslungsreiches Werk. Auch innerhalb ihrer vorrangig dem Black Metal gewidmeten Tracks spielen UNGFELL mit den verschiedensten Stilmitteln und vielfältiger Rhythmik und Melodik.

Bewusst verschrobene, fetzige Gitarrenmelodien („Der Ritter von Lasarraz“), schwermütiger Chorgesang („Die Heidenburg“) oder energetische, mehrstimmige Screams, die zusammen mit den flinken Riffs eine hektische Dramatik vermitteln („Die Hexenbrut zu Nirgendheim“) – jeder einzelne Song hat etwas Charakteristisches an sich, das sich zudem stimmig ins Gesamtkonzept einfügt. Darüber, dass UNGFELL ihre Instrumente (wie zum Beispiel den im Mix überaus präsenten, schnarrenden Bass) ein wenig holprig eingespielt haben und die überwiegend sehr hohen Screams in manchen Ohren wohl etwas Gewöhnung bedürfen, kann man bei derart einfallsreichem Künstlertum getrost außen vor lassen.

Wer aufgrund von chronischer Übersättigung schon keine Texte mehr über den Teufel oder die nordische Götterwelt hören kann, findet in „Mythen, Mären, Pestilenz“ eine wesentlich originellere Alternative zum sonstigen Black-Metal-Geschehen. Doch nicht nur die Schweizer Sagen, die UNGFELL auf ihrer zweiten Platte vertonen, sind es wert, Gehör zu finden. Auch rein musikalisch betrachtet begeistern die zehn Songs durch die Bank weg – seien es nun die wild tobenden Schwarzmetall-Hymnen oder die dazwischen eingeschobenen, mysteriösen Akustik-Interludes. In gewisser Weise geht von den mystischen Liedern sogar ein seltsames Gefühl der Vertrautheit aus, an dem insbesondere Oldschool-Hörer mit einem Hang zur Nostalgie Gefallen finden dürften.

Bewertung: 8.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: