CD-Review: Uniform & The Body - Everything That Dies Someday Come Back

Besetzung

Michael Berdan - Gesang, Elektronik
Chip King - Gesang, Elektronik
Ben Greenberg - Gitarre, Elektronik
Lee Buford - Schlagzeug

Gastmusiker:

Kennedy Ashlin - Gesang
Zac Jones - Percussion

Tracklist

01. Gallows In Heaven
02. Not Good Enough
03. Vacancy
04. Patron Saint Of Regret
05. Penance
06. All This Bleeding
07. Day Of Atonement
08. Waiting For The End Of The World
09. Contempt


[Noise-Rock / Industrial / Avantgarde] Wer sich mit etwas extremeren, elektronisch angehauchtem Metal beschäftigt hat, könnte dabei auch mal über den Namen THE BODY gestolpert sein: Ein Post-Industrial-Irgendwas-Duo aus Portland, Oregon, mit einer Vorliebe für Kooperationen – zum Beispiel mit Thou auf dem Roadburn-Festival oder eben hier mit dem Industrial-Noise-Irgendwas-Duo UNIFORM aus New York. Dabei ist „Everything That Dies Someday Come Back“ bereits das zweite Ergebnis der Zusammenarbeit nach dem 2018er Output „ A Mixed Tape Made By Uniform & The Body“. Und bereits nach den ersten zwei Minuten drängt sich folgende Frage auf: Wieviel Verzerrung kann der menschliche Verstand ertragen?

Ein Trademark, dass THE BODY auszeichnet, ist ohne Frage der extrem verzerrte Kreischgesang, der eigentlich auch seit jeher ziemlich nervt (und auch das 2018er Solo-Release „I Have Thought Against It, But I Can’t Any Longer“ trotz extem cooler Ideen und Momente ziemlich runtergezogen hat). Das muss man schon wollen. Vorteil auf „Everything That Dies Someday Come Back“: Chip King teilt sich die Vocal-Arbeit mit dem Uniformierten Michael Berdan, der seine Sache (auch ziemlich, aber nicht ganz so krass verzerrt) ziemlich gut macht und in Sachen Gesangsperformance ein wenig wie ein weniger verzweifelter, aber dafür umso wütenderer Alexis S. F. Marshall (Daughters) oder Alec Empire (Atari Teenage Riot) rüberkommt. Das sorgt für Abwechslung.

Instrumental betrachtet macht die personelle Zusammensetzung durchaus Sinn: Mal davon abgesehen, dass alle Projekt-Mitglieder gerne mit in vielen Fällen ausgesprochen destruktiv eingesetzter Elektronik herumspielen, kommt der eine oder andere aber auch mit Saiten – oder Schlaginstrumenten ganz gut klar. Das Ergebnis macht „Everything That Dies Someday Come Back“ zu einer ziemlich coolen Melange aus Noise-Rock und Industrial Metal, die sich fremden Einflüssen gegenüber keinesfalls verschließt. Ein roter Faden in den Kompositionen von UNIFORM und THE BODY sind sicherlich die zumeist verzerrten, stark komprimierten und somit ultrafetten Drums – in manchen Songabschnitten, wie dem Intro des Openers „Gallows In Heaven“, so deformiert, dass sie eher einem extrem modulierten Arppegio-Synth gleichen. Ebenso verzerrt und irgendwie kaputt geben sich Gitarren und Bässe. Man muss schon auch in der richtigen Stimmung sein, um sich das auf Albumlänge zu geben.

Inmitten dieses dunklen, kaputten Chaos blitzt aber auch ab und zu ein Funken Licht auf: Helle und reine Synthesizerflächen wie im Finale des großartigen „Not Good Enough“ oder in der groovenden EBM-Wave-Nummer „Penance“, welches fast wie die Nemesis eines Depeche-Mode-Songs wirkt. Die musikalische Bandbreite auf „Everything That Dies Someday Come Back“ ist hoch und reicht von Atari-Teenage-Riot-artiger Soundästhetik (die erste Hälfte von „Patron Saint Of Regret“) zu Hip-Hop-artigen Beats und Klängen (die zweite Hälfte von „Patron Saint Of Regret“ mit großartigen, sphärisch-ätherischen Vocals von Kennedy Ashlin oder auch „Day Of Atonement“ mit seinen Vocals-Samples). In letztgenannten, zumeist ruhigeren Momenten auch Witch-House-Kapellen wie Salem oder Unison nicht unähnlich. Das funktioniert ausgezeichnet und sorgt für die nötigen Atempausen.

In Sachen Tempo zeigen sich UNIFORM und THE BODY flexibel: „Vacancy“ geht mit seinem treibenden Beat ziemlich nach vorne und ist wie das etwas langsamer stampfende „Penance“ durchaus tanzbar. Ein weiterer roter Faden auf „Everything That Dies Someday Come Back“ ist zweifelsohne die Atmosphäre: Songs wie der großartige, schleppend-elektronisch-doomige Albumcloser „Contempt“ oder die ebenfalls mit Vocals von Kennedy Ashlin vereedelte Soundscape-Collage „Waiting For The End Of The World“ würden gut auf den Soundtrack eines dystopischen Zukunftsthrillers passen.

Wenn dieses unsägliche Gekreische von Chip King nicht mit erschreckender Regelmäßigkeit das Hörvergnügen merklich schmälern würde, wäre „Everything That Dies Someday Come Back“ ein verdammt geiles Album. So ist es jetzt halt nur ziemlich cool: Der instrumentale Unterbau in Verbindung mit den Vocals von Michael Berdan reißt wieder eine ganze Menge, aber eben nicht alles raus. Wer UNIFORM oder THE BODY cool findet, muss zugreifen. Fans der Daughters, FTR oder Alec Empires Arbeit sind ebenfalls eingeladen, ein Ohr zu riskieren.

Bewertung: 7 / 10

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