CD-Review: Unseelie - Urban Fantasy

Besetzung

Anne-Emmanuelle Fournier - Gesang Marc Chevallereau - Gitarre, Bass, Keyboard, Programmierung

Tracklist

01. Strangers
02. Quantify Your Soul
03. The City Feeds On You
04. Frontier
05. Hunter´s Game
06. The White Passenger
07. Of Water And Dreams
08. Prometheus´ Pain
09. Beauty Is Our Only Saviour
10. Closer To Apotheosis


UNSEELIE ist ein symphonisches Gothic-Projekt aus Paris, welches mit „Urban Fantasy“ das erste Album vorlegt. Eingespielt wurde es nur von Marc und Anne-Emmanuelle, tatsächlich agiert man an sich aber in „Band-Stärke“. In den letzten vier Jahren war man hauptsächlich im Underground unterwegs, dieser Umstand soll mit dem Debüt nun geändert werden. Dafür hat man der Platte ein durchdachtes Konzept verpasst.

Durchdacht, aber nicht neu. Auf diesen Nenner könnte man die Ideen hinter „Urban Fantasy“ bringen, denn Geschichten zur postmodernen Gesellschaft mit all den Entfremdungen des Individuums hat man sicher schon diverse Male zu hören bekommen. Kein Drama, zum einen sind die Texte aller Qualität und allem Bestreben zum Trotz doch eher zweitrangig, zum anderen machen es UNSEELIE in diesem Bereich auch nicht übel. Natürlich kommt man um das eine oder andere Klischee nicht herum, insgesamt passt die lyrische Ausrichtung aber. Von der Musik kann man Ähnliches behaupten. Insgesamt bekommt der Hörer nicht viel Überraschendes geboten: durchgehend weiblicher Gesang, der auch mal die aggressive Schiene fährt, sonst regieren keyboardunterstützte Klänge, das eine oder andere Solo und Midtempo, so weit das Auge reicht.
Hieran krankt die Platte letztlich auch. Einerseits bleibt sie zu eindimensional, auch wenn der Wille zu abwechslungsreichem Songwriting klar erkennbar ist. Man kann auch nicht verleugnen, dass die Songs einen gewissen Wiedererkennungswert haben, trotzdem wären Ausbrüche sowohl nach oben wie auch nach unten schön gewesen, um die Gesamtdynamik etwas aufzulockern. Andererseits fehlt das letzte Quäntchen Konsequenz, das beste Beispiel ist da das prinzipiell kurzweilige „The City Feeds On You“. Noch besser wäre die Nummer gewesen, wenn man nach dem kurzen Intro mit der Kraft losgelegt hätte, die die seichten Klänge zum Eingang eigentlich implizieren. Stattdessen baut man ruhig auf und letztlich bleibt der „Bumms“, den man schon nach vielleicht zehn Sekunden erwartet hat, gänzlich aus. Eine weitere Schwachstelle liegt teilweise in der Verbindung der Texte mit der Musik. UNSEELIE versäumen es zu oft, die Songs einfach laufen zu lassen. Eine kurze Instrumentalpassage ist nicht immer verkehrt, denn nicht immer muss man nahezu jede Möglichkeit, den Liedern eine Geschichte zu verpassen, auch nutzen. So hätte es „Urban Fantasy“ durchaus gut getan, wenn die Band das eine oder andere Wort gekürzt hätte.

Auf ihrem Debütalbum zeigen die Franzosen, dass sie eine ernstzunehmende Band sein können. Trotzdem verschenken sie noch zu viel Potential, indem sie sich fast sklavisch an die eigenen Ansprüche klammern. Etwas mehr Stringenz und wir reden bei der nächsten Platte von einem richtig guten Ding. Bis dahin kann man UNSEELIEs „Urban Fantasy“ zumindest allen Genrefetischisten ans Herz legen, aber auch alle anderen, die symphonischem Gothic Metal etwas abgewinnen können, dürfen ruhigen Gewissens ein Ohr riskieren.

Bewertung: 7 / 10

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