NIN The Downward Spiral Redux Artwork

Review Various Artists – The Downward Spiral (Redux)

Das kleine, aber feine Label Magnetic Eye Records hat sich in den letzten Jahren durchaus einen gewissen Kultstatus erarbeitet. Allerdings weniger durch klassische Albumveröffentlichungen (der Fokus des Labels liegt hier definitiv auf den Genres Stoner und Doom, zu den bekannteren Bands im Roster dürften YEAR OF THE COBRA oder auch HOWLING GIANT gehören), sondern aufgrund der einzigartigen Redux-Serie, die inzwischen um die 16 Teile umfasst (die vorliegende NINE-INCH-NAILS-Veröffentlichung sowie eine ebenfalls neue „Best Of“ mitgezählt).

Das Konzept ist schnell erklärt: Musiker und Bands (anfangs vornehmlich aus dem Stoner- und Doom-Sektor) covern Songs von legendären Alben, die sie beeinflusst haben. Manchmal in Form einer Best-Of-Compilation, manchmal wird ein komplettes Album neu eingespielt – oder sogar beides. Die ersten Veröffentlichungen deckten naheliegenderweise Künstler wie BLACK SABBATH, JIMI HENDRIX oder auch PINK FLOYD ab, darauf folgten dann im Laufe der Jahre mit HELMET, SOUNDGARDEN oder ALICE IN CHAINS auch modernere, wenn auch nicht weniger stilprägende Interpreten. Nun also NINE INCH NAILS: Ein ambitioniertes Unterfangen, da die Gruppe um Trent Reznor stilistisch doch ziemlich weit weg vom Kerngeschäft des kleinen Labels ist.

The Downward Spiral“ aus dem Jahr 1994 ist ein einzigartiges Industrial-Rock-Album, welches sich einerseits durch sein kreatives und innovatives Sounddesign, andererseits durch eine extrem intensive Atmosphäre und emotionale Authenzität auszeichnet. Zu den bekanntesten Songs dürften ohne Frage „Closer“ („I wanna fuck you like an animal…“) und das bereits 2002 von JOHNNY CASH fantastisch gecoverte „Hurt“ gehören. In der Gesamtheit alles andere als Easy Listening, aber dahingehend interessant, dass das massiv drogengeschwängerte und eigentlich überhaupt nicht massentaugliche Werk bereits die kompositorischen Qualitäten des inzwischen mehrfachen Filmmusik-Oscargewinners Trent Reznor aufzeigt („A Safe Warm Place“ lässt grüßen – hier übrigens wirklich toll von der argentinischen Post-Metal-Band IAH interpretiert) – und in den USA dreifachen Platin-Status erreichen konnte.

Im Wesentlichen kann man die Songs und Künstler auf allen Redux-Compilations in zwei Kategorien einteilen: Diejenigen, die so nah wie möglich am Original bleiben, und diejenigen, die den ausgewählten Song neu interpretieren, sodass man ihn vielleicht nur noch an der Gesangsmelodie oder am Text erkennt. Letzteres ist in tatsächlich allen Fällen spannend, da gerade die Cover in klassischer Bandbesetzung spürbar anders als die Originale daherkommen – Shout Out an die „armen“ Gitarristen, die in Ermangelung von klassischen Riffs in NIN-Songs immer wieder „gezwungen“ sind, mit ihren sechs Saiten eine komplex modellierte Synthesizerspur zu emulieren.

So machen BLACK TUSK und SANDRIDER aus „Mr. Self Destruct“ und „March Of The Pigs“ überzeugend mitreissende Hardcore-Punk-Nummern, während HIGH TONE SON OF A BITCH im Outro von „Ruiner“ echte Queens-Of-The-Stone-Age-Vibes bieten (danke fürs die Eins-zu-Eins-Übernahme des völlig kaputten Gitarrensolos im Mittelteil). THIEF bleiben sehr am Original von „Piggy“, überraschen aber mit einem coolen Oldschool-Drum’n’Bass-Finale. Aus „Closer“ eine Stoner-Doom-Nummer mit Frauengesang zu machen, erscheint auf den ersten Blick gewagt – aber Mut wird belohnt, die Version von DAEVAR ist ein echter Ohrwurm. „The Becoming“ von DREADNAUGHT startet entspannt loungig und endet als lärmende Progressive-Noise-Rock-Nummer, die ABRAMS-Post-Metal-Version von „Eraser“ (sehr nah am Original) kommt noch fetter daher.

Dass sich AUTHOR & PUNISHER das maschinelle „Reptile“ herausgepickt haben und das Ergebnis mehr als ansprechend ist, überrascht weniger als der Umstand, dass die „Hurt“-Version von BETWEEN THE BURIED AND ME völlig in Ordnung ist und niemandem wehtut (wobei sie weit weniger emotional dargeboten wird als die Original- oder die Cash-Version). Last but not least ein kleines Dankeschön an PALEHORSE PALERIDER, die dem schmalbandig gefilterten, eigentlich fettem Hauptriff im Titeltrack endlich die verdiente Bandbreite in Form eines kompletten Frequenzspektrums mit Höhen und Bässen spendieren – etwas, dass sich so einige Neunziger-Jahre-Kinder seit Erscheinen der Platte gewünscht haben. Ausfälle gibt es also wirklich keine zu verzeichnen, objektiv betrachtet kann man zumindest dem musikalischen Ansatz jeder Version etwas abgewinnen. Aber alle Compilationbeiträge im Detail anzusprechen, würde definitiv den Rahmen sprengen.

Das Experiment ist tatsächlich geglückt: „The Downward Spiral (Redux)“ ist ein würdiges Denkmal für ein zeitloses Album, welches sicherlich die Zeit überdauern wird – und reiht sich als vorläufiger Höhepunkt in die durchgehend gute Redux-Reihe von Magnetic Eye Records ein. Wie auch auf den anderen Teilen gefallen manche Versionen subjektiv sicherlich besser oder schlechter als andere – man kann den Verantwortlichen aber nicht vorwerfen, einen lieb- und konzeptlosen Flickenteppich zusammengedrömmelt zu haben, um ein paar Dollar zu machen, während NINE INCH NAILS mit ihrem Comeback-Soundtrack zu „Tron: Ares“ nach längerer Zeit mal wieder im Rampenlicht stehen. Die rund 70 Minuten lange Zusammenstellung ist auf jeden Fall Pflichtprogramm für geneigte und musikalisch offene Zuhörer*innen, die etwas für kreative Coverversionen und eben Trent Reznor und seine Truppe übrig haben.

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Wertung: 9.5 / 10

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