CD-Review: Varsovie - Coups Et Blessures

Besetzung

Grégory Catherina – Gesang, Gitarre
Arnault Destral – Schlagzeug

Tracklist

01. Coups Et Blessures
02. Revers De L’Aube
03. Va Dire À Sparte
04. Killing Anna
05. Le Lac
06. Intersections
07. Discipline
08. Chevaux Échappés
09. Feux


Das französische Underground-Label Debemur Morti Productions ist in erster Linie für seine sperrigen, experimentellen Black-Metal-Zugpferde wie Blut Aus Nord oder Aevangelist bekannt. Zwischen den bizarren Klangkonstrukten, die man von den Bands des Labels sonst gewohnt ist (sofern hier überhaupt von Gewöhnung die Rede sein kann), finden sich im Dunstkreis des Labels jedoch immer wieder auch ein paar Veröffentlichungen, die sich zur zwischenzeitlichen Auflockerung eignen. Dazu kann man wohl auch „Coups Et Blessures“, die dritte Platte der Post-Punker VARSOVIE, zählen, die über das von Phil (Debemur Morti) und Vindsval (Blut Aus Nord) geführte Label Sundust erscheint. Auflockerung ist in diesem Fall jedoch relativ zu verstehen, denn mit seiner durch und durch pessimistischen Musik will das Duo aus Frankreich gewiss keine Gemüter aufhellen.

Nicht nur stilistisch, auch hinsichtlich ihrer experimentellen Ambitionen unterscheiden sich VARSOVIE von den meisten ihrer Kollegen bei Debemur Morti – das Zwiegespann macht bislang nämlich keinerlei Anstalten, aus den in ihrem Genre üblichen Schemata auszubrechen. „Coups Et Blessures“ ist im wesentlichen eine typische Post-Punk-Scheibe, die sich allenfalls durch ihren schnittigen, beinahe schon metallischen Klang von der eher im Trend liegenden Wave-Ausrichtung anderer Punk-Revival-Bands abhebt. Man bekommt also größtenteils unruhig drängenden Quasi-Sprechgesang, der nur vereinzelt etwas rotzig klingt („Revers De L’Aube“), schmissige, simple Gitarrenriffs, trippelnde Basslines und peppige Schlagzeugrhythmen zu hören.

Das Klangbild gestaltet sich äußerst homogen, obwohl VARSOVIE hin und wieder auf die Bremse steigen und dabei ihre selbst in den fetzigeren Tracks immerzu in den Untertönen rumorende Melancholie deutlicher artikulieren („Discipline“). Auch ohne halsbrecherisches Tempo funktionieren die meisten der Songs ausgesprochen gut, sei es aufgrund der dramatischen Gesangsperformance („Feux“), der eingängigen, trübsinnigen Hooks („Va Dire À Sparte“) oder der bisweilen sogar ziemlich unheilvollen Melodieführung („Killing Anna“).

In der zweiten Hälfte der Spielzeit macht es sich schließlich dennoch langsam bemerkbar, dass man auf „Coups Et Blessures“ keine großen Höhepunkte oder Überraschungen geboten bekommt. Selbst die schwächeren Nummern gehen problemlos als solide durch und viele Passagen prägen sich rasch und ohne Aufwand ein, dennoch lassen VARSOVIE auf Dauer das gewisse Je-Ne-Sais-Quoi vermissen, das eine großartige Veröffentlichung ausmacht.

Grundsätzlich kann man „Coups Et Blessures“ wirklich gut hören, ohne es hinterher zu bereuen. Die Songs lehnen sich in ihrem Stil und ihrer Stimmung aneinander an, sind aber dennoch ohne Probleme getrennt voneinander wiederzuerkennen und die eher schroffe Produktion entspricht dem Naturell der Platte. Allerdings braucht es eine Weile, bis man diesen Eigenschaften als Hörer etwas abgewinnen kann, denn zu Beginn macht das dritte Album der Post-Punker einen etwas zurückhaltenden Eindruck. Leider bleibt dieser Eindruck auf den letzten paar Tracks dauerhaft bestehen. VARSOVIE hätten manchen der Songs sicherlich noch etwas mehr Schneid verpassen und mehr aus ihnen herausholen können, dennoch kann man hier insgesamt ein größtenteils wohlwollendes Fazit ziehen.

Bewertung: 7 / 10

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