CD-Review: Verheerer - Maltrér

Besetzung

BST
SMN

Tracklist

01. Oratio
02. Kultyst
03. Vertigo
04. Maltrér
05. Anima Sola
06. Nachtfall
07. Heimgang


In dem schier uferlosen Meer an musikalischen Veröffentlichungen – allein schon im Black-Metal-Sektor – kann es leicht passieren, dass einem das eine oder andere Kleinod unbemerkt wie ein Sandkorn durch die Finger gleitet. Dies könnte man auch auf VERHEERER beziehen, die zehn Jahre nach ihrer Gründung mit „Maltrér“ heimlich, still und leise ihr Debüt herausbringen. Dabei handelt es sich um ein knapp 50 Minuten langes Schwarzmetall-Manifest, das so vielseitig wie in sich stimmig ist – leider aber auch nicht ganz ohne Makel. Dennoch sollte man die Musik des deutschen Duos nicht schon an dieser Stelle abschreiben.

Wer trotz aller Hinweise, die etwa der martialische Bandname oder das mysteriöse Artwork liefern, noch nicht abschätzen kann, mit welcher Inkarnation des schwarzen Genres man es bei VERHEERER zu tun hat, sollte bereits im Zuge des Intros erleuchtet werden. „Oratio“ leitet das Album mit trübsinnigen Clean-Gitarren und sakralen Chören ein und verbannt damit vorab jede etwaige Assoziation mit der Vorsilbe „Post“. Fürwahr, VERHEERER spielen Black Metal wie aus den „guten, alten Tagen“ mit allem, was dazugehört. Mächtiges Tremolo-Picking, rohes Schlagzeugspiel mit einer gehörigen (aber auch nicht übersättigenden) Portion Double-Bass und Blasting und natürlich teuflischer Schreigesang bilden das Fundament, auf dem „Maltrér“ aufgebaut ist.

Obwohl die Black-Metaller jedem dieser Stilmittel allerlei verschiedene Facetten entlocken – insbesondere den mal garstig keifenden, dann wiederum beschwörend rufenden Vocals – wäre diese doch ziemlich gewöhnliche Konstellation wohl nicht genug, um VERHEERER von der grauen Masse abzuheben. Wirklich interessant werden die spannend arrangierten Tracks vor allem, wenn die Deutschen ihre blasphemischen Texte mit Kirchenmusik-Elementen wie Chorgesang oder Orgel kontrastieren. Im Titeltrack erinnert dieser Gegensatz in Verbindung mit den trockenen, unverzerrten Gitarren sogar etwas an Batushka.

Aber auch das rockige „Anima Sola“, das zum Ende hin völlig dissonante „Kultyst“ und die Abschlussnummer „Heimgang“, die mit einem Sample des Serienkillers John Doe aus dem Film „Sieben“ stimmig beginnt, legen Zeugnis über die sprudelnde Kreativität der zweiköpfigen Truppe ab. Der einzige Grund, aus dem „Maltrér“ letztlich nicht zu einem Underground-Meisterwerk avanciert, ist die allzu eklatante Schlampigkeit, mit der VERHEERER ihr Debüt eingespielt haben. Besonders im Titeltrack hört man so manch geradezu unverzeihlichen Schnitzer heraus.

Dass nicht jeder einzelne der Einfälle, die VERHEERER auf ihrem Erstlingswerk in die Tat umsetzen, voll und ganz aufgeht, ist wirklich kaum der Rede wert. Sowohl der aufregende, konsistente Aufbau der Songs als auch die wunderbar organische Produktion sind definitiv Merkmale, die das deutsche Duo vielen seiner Kollegen voraus hat. „Maltrér“ scheitert in letzter Konsequenz praktisch nur an der spieltechnischen Umsetzung. Die Hoffnung auf ausgefeiltere zukünftige Veröffentlichungen macht VERHEERER jedoch zu einem Geheimtipp mit großem Potential, den man nicht aus den Augen verlieren sollte.

Bewertung: 6.5 / 10

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6 Kommentare zu “Verheerer – Maltrér”

  1. Simon Bodesheim

    Also musikalisch find ich’s eher unspektakulär, aber mich wundert, dass du so auf einer angeblichen Schlampigkeit beim Einspielen rumreitest. Ich hab zwar nur stellenweise reingehört, aber das klang für mich soweit größtenteils tight und sauber aufgenommen. Da fand ich einige Sachen, die du sehr gelobt hast, wesentlich unsauberer/schlampiger eingespielt, sodass es mich richtig gestört hat. Hier stört mich höchstens, dass ich die Musik nicht so spannend finde. Hast du mal ein paar Beispielstellen, wo dir die Musik nicht gut genug eingespielt ist? Nur damit ich verstehe, worauf du dich beziehst. Den Titeltrack hab ich mir mal ganz gegeben, aber abgesehen davon, dass der Sänger manchmal bisschen off ist (was aber bei anderen Bands z.T. um ein Vielfaches schlimmer ist), die Gitarren nicht 100% gestimmt klingen und der Sound mir persönlich zu dünn ist, hört sich das für mich alles sauber eingespielt an, da hätte ich wirklich nichts auszusetzen.

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Tatsächlich? Ich hatte beim Hören eigentlich immer wieder das Gefühl, dass da nicht so präzise gespielt wurde. Am auffälligsten fand ichs im Titeltrack, in etwa bei 6:00. Das kann doch unmöglich so gewollt sein. Und wenn doch, dass liegt das Problem halt nicht beim Einspielen, sondern beim Komponieren. Die Stelle ist für mich ziemlich missraten. Das Solo am Ende des Tracks klingt für mich auch ein wenig unsauber. Wie gesagt, den Eindruck hatte ich während der Platte mehrmals. Allerdings nicht in einem Maße, das es mir unmöglich machen würde, daran Gefallen zu finden, zumal Black Metal ja ruhig auch mal etwas ungeschliffen sein darf.
      Aber unsere Meinungen gehen im Black Metal ja öfters mal auseinander, da wundert es mich auch nicht, dass mir die Platte stilistisch mehr zusagt als dir.

  2. Simon Bodesheim

    Huch, die Stelle hab ich beim ersten Mal tatsächlich nicht bemerkt. Die ist in der Tat komisch, bin mir allerdings nicht sicher, ob das Absicht war (immerhin ist die Gitarre beim 2. Durchlauf genau ne 8tel verschoben), aber so oder so ist es tatsächlich schlampig eingespielt und funktioniert so auf jeden Fall nicht, da geb ich dir Recht. Gut, dann nehm ich das zurück, da werden ja dann wahrscheinlich noch mehr solche Stellen sein, wenn du das explizit erwähnst. Dann hab ich beim Reinhören wahrscheinlich die saubereren erwischt.

    1. Stephan Rajchl Post Author

      Ja, wie gesagt, ich war mir auch nicht ganz sicher, obs eh so gedacht war, aber es klang in jedem Fall nicht gut. Aber ich muss sagen, dass das die „schlimmste“ Stelle ist. Ansonsten sinds eher nur Kleinigkeiten, wie man sie bei vielen BM-Platten zu hören bekommt. Ich hatte auch überlegt, mit der Wertung ein Stückchen hochzugehen, aber da mich ohnehin nicht jeder Track restlos überzeugt hat, dachte ich mir, dass es so doch passen würde. Wie gesagt, finde es in vielerlei Hinsicht ziemlich cool, aber eben nicht begeisternd. Für ein Underground-Release aber wirklich solide.

  3. Vlurxtrznbnaxl

    Ich hatte bei der Scheibe echt das Gefühl, dass ein paar junge, unerfahrene Instrumentalisten auf dem Dachboden Rohaufnahmen zu einem unvollendeten BM-Album gefunden hatten und sich im Suff dazu entschieden, es fertig zu stellen. Die Scheibe strotzt einerseits vor Energie und Spaß an der Freude, dass das Schwarzbier nur so sprudelt, aber zugleich ist das Eingespielte teils so lächerlich amateurhaft, dass ich mich in der Tat frage ob das Absicht war. Das beginnt bereits mit der Sologitarre im Intro, und geht weiter mit unzähligen repetitiven Ein-Akkord-Riffs, die sich durch das gesamte Album ziehen.
    Das Endresultat ist etwas, dem ich absolutes Potential zum „best worst album of 2018“ zuschreiben würde (und das ist durchaus nicht spöttisch gemeint, denn Spaß macht die Scheibe allemal), wenn es nicht teils doch etwas zu sehr im uninspirierten Mittelmaß versumpfen würde.

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