CD-Review: Vindkast - Archaic Collapse (Re-Release)

Besetzung

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Tracklist

01. A Lament Beneath The Fiery Sky
02. Under This Dying Sun
03. Archaic Collapse
04. Unto The Earth
05. Death’s Other Kingdom


Insbesondere in seinen Anfangstagen war der Black Metal etwas Obskures, umgeben von einer gewissermaßen mystischen Aura. Inzwischen ist das einstige Underground-Phänomen schon längst im Mainstream angekommen und die Menschen, die dahinterstecken, sind viel greifbarer, „normaler“ geworden. Doch der Untergrund existiert nach wie vor und somit auch Bands, die den Hörern genau so Rätsel aufgeben, wie es ihre Vorläufer in den 90ern getan haben. VINDKAST ist ein solches Projekt: Davon abgesehen, dass deren auf eine Auflage von 100 Kassetten beschränktes 2015er Album „Archaic Collapse“ nun einen Re-Release erfahren hat, findet man selbst im Internet nur sehr wenig über die deutsche Atmospheric-Black-Metal-Entität – zum Beispiel über die involvierten Personen oder andere Hintergrundinformationen.

Musikalisch betrachtet ist das vermeintliche Debüt von VINDKAST ebenso kryptisch wie seine Rahmenbedingungen. Nach dem vierminütigen Ambient-Intro „A Lament Beneath The Fiery Sky“ folgt mit dem Longtrack „Under This Dying Sun“ erst mal kein schwarzmetallisches Inferno. Stattdessen macht das 14 Minuten lange Ungetüm das, was eigentlich die Aufgabe des Intros gewesen wäre: Es baut sich mit erhabenen Gitarren und verheißungsvollen Bassdrums langsam auf, bis nach einem sphärischen Clean-Abschnitt schließlich Tremolo-Picking und Blast-Beats folgen.

Dass VINDKAST dazu imstande sind, eindrucksvolle Leadmelodien zu schreiben und unverzerrte Gitarren auf stimmungsvolle Weise einzusetzen, haben die deutschen Black-Metaller damit schon mal bewiesen. Was ihnen jedoch offensichtlich nicht gelingt, ist es, diese monumentalen Klänge mit spacigem Ambient in einem stimmigen Kontext zu setzen, sodass ihre überwiegend instrumentalen Tracks trotz Überlänge spannend bleiben. Genau das sind sie nämlich nicht. Black Metal wie Ambient, die hier meist getrennt nebeneinander stehen, werden auf „Archaic Collapse“ viel zu eintönig praktiziert.

VINDKAST ziehen ihre Melodien und Sounds übertrieben in die Länge (beispielsweise im Titeltrack), die ausufernden, kratzigen Noise-Elemente sind komplett überflüssig und ein paar der 40 Minuten Spielzeit bestehen buchstäblich nur aus Stille. Neben diesen kompositorischen Fehlentscheidungen ist es vor allem die Produktion, die der Platte ihren Reiz nimmt. Screams, Leads und allen voran die Drums sind viel zu leise abgemischt, der Sound ist insgesamt furchtbar kraftlos. Dadurch gehen sogar die an sich beeindruckenden Passagen so weit unter, dass es geradezu anstrengend ist, zu versuchen, sie herauszuhören.

Eigentlich gibt es einiges, das „Archaic Collapse“ zu einem interessanten Album macht. Da wären zum Beispiel die lyrischen Verweise auf T. S. Eliot und Timo Kölling und natürlich die erwähnten, bedeutungsschwangeren Gitarrenmelodien. In puncto Ambient und Noise sollten sich die aufstrebenden Schwarzmetaller jedoch etwas zurücknehmen und die Strukturen ihrer Songs weiter überdenken. Denn obwohl VINDKAST es immer wieder schaffen, eine eindringliche Atmosphäre zu erzeugen, entgleitet ihnen diese umso mehr, je länger ihre Songs werden. Darum ist „Archaic Collapse“ unglücklicherweise eine ziemlich ermüdende Angelegenheit, deren Wiederhörwert kaum nennenswert ist.

Bewertung: 5 / 10

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