CD-Review: Vordemfall - Gravity Problems

  • Veröffentlichung: 2019
  • Label: Slowing
  • Spielart: Rock
Besetzung

Monika Saint-Oktobre – Gesang, Gitarre, Bass, Orgel
Markus Sternberg – Schlagzeug

Tracklist

01. Dog Song
02. Smile
03. Meteor
04. The Secret Of Bruxism
05. I Tried Apnea And It Didn’t Work
06. My Name Is Who


Es gibt Alben, da fragt man sich bereits nach wenigen Minuten: „Was zur Hölle?“ Das deutsche Duo VORDEMFALL aus Berlin legt mit „Gravity Problems“ ein genau solches Album vor, dass in seinen sechs Songs jede nur mögliche und unmögliche Art von Wahnsinn, Verfall und Schmerz transportiert. Wer dachte, Slipknots „Iowa“ hat keine Songstrukturen und Asbest aus der Schweiz klingen wie der pure Wahnsinn, wird von VORDEMFALL eines besseren belehrt und bekommt aufgezeigt, wie schmerzhaft Musik wirklich sein kann.

Schon der Opener „Dog Song“ hat keinen Bock langsam auf das kommende vorzubereiten, sondern verwirrt gleichmal mit merkwürdig anmutenden Harmonien und einem zähen Tempo. Zu jeder Sekunde stehen dabei Fronterin und Bandchefin Monika Saint-Oktobre und ihr Bass im Mittelpunkt der Musik. Die Dame schwankt zum einen immer hart an der Grenze zu purem Lärm und keift, brüllt und schreit zum anderen Texte voller Wut über Ungerechtigkeiten und Missstände hinaus. Ihr Gesang, oder besser ihre Textdarbietung sprengt dabei die Grenzen zwischen Musik und Spoken Word oder gar einer Kampfrede. Schonungslos und offen haut Monika dem Hörer ihre Ansichten zu Themen wie dem Konflikt von persönlicher Freiheit und Beschränkungen durch Staat oder das Privatleben um die Ohren. Oft unbequem und immer gerechtfertigt.

Dennoch hat man an der musikalischen Darbietung des Duos ordentlich zu knabbern. Von „Smile“ abgesehen, übertreffen sich alle anderen Kompositionen in Sachen Abgedrehtheit. Einzig das Drumming von Markus Sternberg versucht noch so etwas wie Ordnung in die Songs zu bringen, scheitert aber meist bei so viel schrägen Bass-Rythmen und dissonanten Tönen. Definitives Highlight in Sachen Wahnsinn ist „My Name Is Who“. Beginnt der Track noch einigermaßen nachvollziehbar düster, so peitscht sich das Stück innerhalb von Momenten in einen manischen, wütenden Rausch. Und das ganze auch noch in Überlänge.

Wer Lust auf schonungslose und schmerzhafte Musik hat, wird VORDEMFALL sofort in sein kaputtes Herz schließen. Der Rest wird sich schwer tun an „Gravity Problems“ gefallen zu finden. Wahnsinn kann ja ganz unterhaltsam sein, kann einem aber auch gehörig auf die Nerven gehen.

 

Bewertung: 5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: