Review Warrant – Metal Bridge

Während die Ankündigung, dass die deutsche Speed-Metal-Band WARRANT ihr erstes Studioalbum seit 1985 zu veröffentlichen gedenkt, wohl gerade bei den älteren Kuttenträgern der Szene diverse Hoffnungen geregt hat, kann ich es nicht verheimlichen, dass ich als Reunion-gebeuteltes Kind der 2000er-Jahre mich eher gefragt habe, ob das wirklich Not tut. Auch der Blick auf das Cover von „Metal Bridge“ – das sich mir in seiner allegorischen Dimension leider immer noch etwas entzieht – ließ den Eindruck nicht schwinden, dass man hier gezielt auf vergangene „Glanztage“ anspielt, findet sich der Herr mit Kapuze und Axt doch bereits auf dem Erstwerk der Band. Ist „Metal Bridge“ also nur ein lauwarmer Nachschlag einer Band, deren Karriere mehr von Schweigen als von Musik geprägt gewesen ist?

Kurz: nein. Im Gegenteil, „Metal Bridge“ klingt dermaßen frisch, wild und einfallsreich, dass man sich doch ernsthaft fragen muss, warum dieses Album nicht schon früher das Licht der Welt erblickt hat. WARRANT gelingt es, nahezu bruchlos einen Anschluss an ihre frühere Aktivphase zu finden, was vor allem daran liegt, dass das Trio (nur noch Sänger und Bassist Jörg Juraschek ist aus der Urbesetzung übrig geblieben) völlig unverkrampft klingt. Frei von sämtlichen „Wir müssen uns was beweisen“-Allüren ist es der Band gelungen, eine Handvoll irre guter Speed-Metal-Songs aufzunehmen, die die Frage nach der Berechtigung des Wiedererscheinens auf der musikalischen Bildfläche eindrucksvoll beiseite schieben.

Dabei kommt es der Musik auf „Metal Bridge“ enorm zugute, dass man nicht versucht hat, das Material in ein überholtes old-school-Klanggewand zu pressen; das Ergebnis ist eine Produktion, die absolut sauber und vor allem unheimlich wuchtig ist und gerade bei höherer Lautstärke für ein krachendes Klangbild sorgt. Tja, und mit diesem Sound im Rücken hämmern WARRANT dann ihre Songs herunter, die zwar kein Geheimnis aus ihrer Orientierung an der Tradition des Speed Metals der 80er-Jahre machen, die aber in puncto Riffing und Melodiearbeit eine deutlich modernere Handschrift aufweisen. Stücke wie „Asylum“, „Come And Get It“, „All The Kings Horses“ oder „Immortal“ geraten so zu einer überaus hörenswerten Symbiose von Damals und Heute. Und wenn die Band sich dann doch mal kleine Anspielungen auf ihre eigene Geschichte gönnt, wie dies in „Face The Death“ geschieht, dann hat das irgendwie etwas Charmantes. So wie die gesamte CD eine charmante, gelöste und positive Atmosphäre ausstrahlt. So klingt man wohl nur, wenn man sich zu 100% mit dem identifiziert, was man tut.

WARRANT haben mit „Metal Bridge“ eine wirklich gelungene CD aufgenommen, die man Heavy-Metal-Fans jeder Couleur empfehlen kann. Die Band hat es vermieden, einfach die Klangwelten der 80er zu reanimieren und ist damit konsequent der Falle der Selbstkopie aus dem Weg gegangen. Das mag zu erhobenen Zeigefingern selbsternannter Traditionshüter führen – aber wen kümmert’s?! Willkommen zurück, WARRANT. Bleibt zu hoffen, dass man auf einen etwaigen Nachfolger nicht wieder annähernd 30 Jahre warten muss.

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Wertung: 8.5 / 10

Publiziert am von Manuel Förderer

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