CD-Review: Will Haven - The Hierophant

Besetzung

Jeff Jaworski - Gesang
Jeff Irwin – Gitarre, Keyboards
Mike Martin - Bass
Mitch Wheeler – Schlagzeug

Tracklist

01. Grey Sky At Night
02. King’s Cross
03. Helena
04. Hierophant
05. Caviar With Maths
06. Landing On Ice
07. Skinner
08. Handlebars To Freedom
09. A Day Without Speaking
10. Singing In Solitary
11. Sammy Davis Jr‘s One Good Eye
12. Firedealer
13. Dark Sun Sets


Sechs Jahre hat sich die Postcore Truppe aus Sacramento Zeit gelassen, um ein neues Zeichen ihres kreativen Schaffens in die Welt zu setzen. In dieser Zeit hat sich einiges getan. Der einschneidenste Punkt ist hierbei sicherlich der Wechsel am Mikrophon: Grady Avenell wurde 2006 durch Jeff Jaworski (Red Tape) ersetzt, eine Änderung die von vielen in der Szene sehr kritisch beäugt wurde. Doch der erfolgreiche Weg der Band, welcher mit dem gefeierten letzten Album „Carpe Diem“ seinen bisherigen Höhepunkt hatte, wird mit „The Hierophant“ konsequent fortgesetzt. Jaworski passt sich perfekt in das düstere Klangbild der Band ein und brüllt sich seine schwarze Seele aus dem Leib als hätte er nie in einer anderen Band gespielt. Auch die übrigen hardcorelastigen Trademarks sind durch die Bank erhalten geblieben: aggressive Emotionen schleppen sich auf sperrige Weise in das Ohr des geneigten Hörers. Dabei wird nicht sinnlos drauf los gestürmt, sondern intelligent und gelegentlich zu kopflastig jede Möglichkeit genutzt um aus der Geradlinigkeit auszubrechen. Wuchtig tiefe Gitarren und dröhnende Bässe walzen in schwerfälligem Midtempo alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellt.

Die Produktion ist passenderweise mindestens so progressiv gehalten wie die Musik an sich. Von keinem Geringeren als Chino Moreno (Deftones) produziert klingt das ganz deutlich schlechter als man von einem so prominenten Produzenten erwarten kann. Der viel zu basslastige und unstrukturierte Klang unterstützt nochmal das anstrengende Hörerlebnis – eine Tatsache, die mich auch schon an den Vorgängeralben immer wieder gestört hat.

Durch den geschickten Einsatz von ruhigeren Elementen wie gesprochenen Parts oder sogar Keyboardteppichen („Landing On Ice“) bietet sich dem Hörer zwar immer wieder Gelegenheit um Luft zu holen, doch schaffen es WILL HAVEN auch mit diesem Output nicht, mich vollends zu überzeugen. In meinen Augen bleiben sie einfach eine Band, die Live unschlagbar ist (die großen Namen, mit denen sie ihre Tourhistory schmücken können sprechen dabei für sich) auf Platte aber leider immer noch nicht den richtig großen Wurf gelandet haben, auch wenn sie sich beständig weiterentwickeln. Wer die älteren Platten schon im Schrank hat, kann hier wieder getrost zugreifen und auch der interessierte Postcore-Hörer, der mit WILL HAVEN bisher nicht in Berührung kam, sollte mal ein Ohr riskieren. Genrefremde Musikfreunde werden sich dagegen wohl nur sehr schwer mit dieser eher eckig als runden Dampfwalze anfreunden können.

Bewertung: 7 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: