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Praise The Plague – Antagonist II (EP)

Ein Jahr nach ihrem 2018 erschienenen Debüt „Antagonist“, das mit seiner nicht einmal halbstündigen Laufzeit seinem Umfang nach eher einer EP entsprach, legen die deutschen Blackened-Doom-Metaller PRAISE THE PLAGUE mit „Antagonist II“ eine EP nach, die eigentlich ebenso gut eine Single sein könnte. Zwei Tracks zu je sieben Minuten enthält die Fortsetzung ihres Erstlingswerks – mit groß angelegten Veröffentlichungen haben es PRAISE THE PLAGUE also wohl nicht so. Aber Qualität geht ja bekanntlich über Quantität und erstere war auf „Antagonist“ in durchaus respektablem Maß vorhanden. Was also können die beiden Songs auf „Antagonist II“?

Die ausgehend vom Titel und Artwork der EP naheliegende Antwort lautet: im Grunde genommen das Gleiche wie „Antagonist“. Wie schon den einen oder anderen Track ihres Debüts leiten PRAISE THE PLAGUE den Opener „Torment“ mit beklemmenden Dark-Ambient-Sounds ein, die hier allerdings noch vor dem Einsatz der wuchtigen Metal-Instrumentierung von markerschütternden Screams durchstoßen werden, was diese sogar noch eindringlicher klingen lässt – ein durchaus starker Auftakt.

In weiterer Folge stützt sich die Band erst mal primär auf ihr schwarzmetallisches Repertoire und lässt bösartige Growls, finsteres Tremolo-Riffing und heftige Blast-Beats über den Hörer hereinbrechen. Nach ein paar getrageneren Abschnitten im ersten Song fokussieren sich PRAISE THE PLAGUE im anschließenden „Woe“ vollends auf Doom Metal und musizieren fortan überwiegend in qualvollem Schneckentempo. Nur für einen kurzen Part gegen Ende weichen die trostlos langgezogenen Leads, desolat verhallenden Clean-Gitarren und schleppenden Drums noch einmal einem explosiven Black-Metal-Ausbruch.

Stilistisch und auch produktionstechnisch geben sich PRAISE THE PLAGUE hier so treffsicher wie auf ihrer Full-Length-Platte. „Antagonist II“ klingt demnach genau so wuchtig und unheilvoll, wie man es von einer Band dieses Genres mit diesem Bandnamen und Albumtitel erwarten würde. Zugleich haben die Blackened-Doom-Metaller ihre beiden neuen Songs gefühlt eine Spur einprägsamer arrangiert, obwohl es sich dabei sogar um ihre bislang längsten Stücke handelt.

Das gewisse Etwas fehlt PRAISE THE PLAGUE zwar immer noch, konkrete Fehltritte haben die Deutschen auf ihrer EP jedoch keine begangen. Vielmehr hat sich die fünfköpfige Truppe sogar geringfügig weiterentwickelt, sodass die allenfalls folgende zweite LP zwar sicherlich keinen plötzlichen Hype auslösen wird, zumindest für Fans des Debüts aber auf alle Fälle interessant sein dürfte. Vielleicht werden PRAISE THE PLAGUE bis dahin ja doch noch ihre eigene musikalische Identität gefunden haben.

Fellwarden – Wreathed In Mourncloud

Obwohl Fen sich über die Jahre eine recht ansehnliche Fangemeinde erspielen konnten, ist es den Briten bislang doch nie gelungen, das volle Potential ihres stimmungsvollen, naturverbundenen Post-Black-Metals auszuschöpfen. Waren die Frühwerke noch zu holprig auf den Beinen, so fiel „Winter“ (2017) zu langatmig und „The Dead Light“ (2019) schlicht zu gediegen aus. In ihrem parallel ins Leben gerufenen Projekt FELLWARDEN schienen Frontmann The Watcher und Drummer Havenless hingegen endlich den Dreh rauszukriegen. Mit „Oathbearer“ (2017) brachten die beiden ein hervorragendes Debütalbum zustande. Dass FELLWARDEN nicht bloß eine kurzlebige Nebenbeschäftigung ist, belegt das Duo nun mit einem weiteren Album: „Wreathed In Mourncloud“.

Wie das abermals wunderbar malerische Artwork vorab vermuten lässt, gehen FELLWARDEN den auf ihrem ersten Album beschrittenen Pfad weiter, nehmen dabei aber auch den einen oder anderen beschaulichen Umweg. Als Duo musizieren The Watcher und Havenless weiterhin gemächlicher und ein wenig unnahbarer als in ihrer „Hauptband“, fangen damit jedoch denselben zeitlosen, beinahe romantischen Geist ein. Kernige, bisweilen leise gehaucht klingende Screams, kühl dahinrauschende Gitarrenriffs, träumerische Clean- und Akustikgitarren sowie getragenes Schlagzeug verschwimmen hier zu einer trüben und doch ausgesprochen schönen Klanglandschaft.

Schwerelose Keyboardflächen, wie sie auf „Oathbearer“ noch recht subtil eingearbeitet wurden, nehmen auf „Wreathed In Mourncloud“ deutlich mehr Raum ein und stehen im vierminütigen Interlude „A Premonition“ sogar ganz für sich allein. An interessanten Ideen hat es FELLWARDEN beim Schreiben der Platte gewiss nicht gemangelt, wie man etwa am überraschend bodenständigen Riffing in „An Elder Reckoning“ erkennt. Bei der Umsetzung dieser Einfälle agiert das Zweigespann diesmal jedoch leider ähnlich ungeschickt wie auf den ersten Fen-Platten. Angefangen bei der verwaschenen Produktion, die im Gegensatz zu der Vorgängerscheibe jedweden Biss vermissen lässt, ziehen sich auch zahlreiche Schwächen durch das Songwriting und die Performance.

Wenn FELLWARDEN mit den Keyboards zu dick auftragen oder in „An Elder Reckoning“ in einer Clean-Gitarren-Passage auf die banalste und plumpste Weise immer wieder denselben Ton wiederholen, fühlt man sich leider unsanft aus der vorherrschenden besinnlichen Stimmung herausgerissen. Auch mit der nicht durchwegs fehlerfreien Darbietung der Lieder und den schiefen, unscharf abgemischten Klargesängen, die auch schon Fen allzu oft zum Verhängnis geworden sind, tun FELLWARDEN weder sich noch ihrer Hörerschaft einen Gefallen.

„Wreathed In Mourncloud“ hat durchaus seine schönen Momente. Vor allem wenn FELLWARDEN die unverzerrten Gitarren nutzen, um eine Atmosphäre der Melancholie und Weltvergessenheit zu erschaffen und die Rhythmik durch einige gut platzierte Drumrolls eine urtümliche Kraft ausstrahlt, gelingt es den Post-Black-Metallern, den Zauber ihres Debüts aufleben zu lassen. Ähnlich wie etwa Fens „The Malediction Fields“ (2009) krankt das zweite Album der Band jedoch an seiner mäßigen Realisierung. Über den zahnlosen, undefinierten Sound, die ungenaue Performance und die nicht immer ganz schlüssigen Arrangements kann man insbesondere mit dem wesentlich besser abgerundeten Vorgänger im Hinterkopf bedauerlicherweise nur schwer hinwegsehen.

Sedna – The Man Behind The Sun

Schon auf ihren ersten zwei Alben – „Sedna“ (2014) und „Eterno“ (2016) – sind SEDNA nicht davor zurückgeschreckt, Großes zu versuchen: Beide Platten beinhalten Songs mit einer beeindruckenden Länge von rund 20 Minuten. In dieser Hinsicht zeigen sich die Italiener, die in ihrer Musik Elemente von Black, Sludge und Post-Metal verarbeiten, auf ihrer dritten LP sogar noch ambitionierter. „The Man Behind The Sun“ besteht ausschließlich aus dem gleichnamigen Song, der sich über satte 34 Minuten erstreckt – ein gewagtes Unterfangen, bleibt SEDNA so doch gar keine andere Wahl, als umso gewissenhafter dafür zu sorgen, dass das Album wie aus einem Guss und zugleich durchwegs spannend ist.

Zumindest Ersteres gelingt SEDNA durchaus ohne Probleme. Im Verlauf des gut halbstündigen Tracks fließen harsche Noise- und sphärische Ambient-Klangflächen sowie brachiale Gitarrenriffs, wuchtiges Drumming und zumeist heisere, manchmal auch eher beißende Screams auf stimmige Weise ineinander. In den Kompositionen steckt ein gewisser Einfallsreichtum, der sich insbesondere darin äußert, wie das Quartett das Schlagzeug in den atmosphärischen Passagen teilweise in den Vordergrund stellt, um diesen Abschnitten mehr Griffigkeit zu verleihen.

Auch das homogene Klangbild kommt dem Charakter des Albums als zwangsläufig am Stück zu hörendes Gesamtkunstwerk zugute. Die ruhigeren (obgleich nicht unbedingt sanften) und die lauteren, wilderen Teile stoßen sich nicht voneinander ab, sondern existieren als zwei Hälften ein und derselben, auf überwältigende Weise bedrückenden Grundstimmung. Eine spannende Dynamik lässt sich in diesem Auf und Ab allerdings nicht ausmachen – mag die raue Produktion an sich dem Song auch durchaus genug Raum für seine Entfaltung geben.

Obwohl SEDNA offensichtlich mit ihren Instrumenten umzugehen wissen, mangelt es ihrem Songwriting grundlegend an Prägnanz. Kein Stück von „The Man Behind The Sun“ reißt einen voll und ganz mit sich, kaum ein Arrangement bleibt auch nur in Erinnerung und auf das Payoff, das sich in den leiseren Momenten anzukündigen scheint, wartet man vergebens. Letztlich führt der Weg, den SEDNA dem Hörer mit ihrer Musik zu Füßen legen, nirgendwohin, sodass sich das Album trotz seiner an sich nicht besonders herausfordernden Laufzeit gefühlt stark in die Länge zieht.

Dass es alles andere als leicht ist, ein Album aus nur einem einzigen, überlangen Track aufzubauen, haben beispielsweise Insomnium mit „Winter‘s Gate“ (2016) demonstriert. Leider ist es SEDNA mit „The Man Behind The Sun“ tatsächlich nicht geglückt, ihre an sich passable Mischung aus Black, Sludge und Post-Metal auf derart packende Weise umzusetzen, dass der Track als Ganzes überzeugt. Womöglich ist es sogar die Notwendigkeit eines schlüssigen Flows, die SEDNA daran gehindert hat, aufregende Teilstücke zustande zu bringen. Stilistisch Vergleichbares haben beispielsweise Downfall Of Gaia mit „Ethic Of Radical Finitude“ (2019) jedenfalls deutlich interessanter hervorgebracht.

Auch Necrophobic mit neuem Album und neuem Song

NECROPHOBIC melden sich mit „Dawn Of The Damned“ am 09. Oktober zurück. Produziert wurde die Scheibe von Frederik Folkare, das Cover stammt erneut von Kristian “Necrolord” Wåhlin. Die erste Single „Mirror Black“ gibt es bereits heute inklusive Video.

Tracklist:

  1. Aphelion
  2. Darkness Be My Guide
  3. Mirror Black
  4. Tartarian Winds
  5. The Infernal Depths of Eternity
  6. Dawn of the Damned
  7. The Shadows
  8. As the Fire Burns
  9. The Return of a Long Lost Soul
  10. Devil’s Spawn Attack
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Ancst: Neues Album, erste Single

ANCST kündigen ihr neues Album „Summits Of Despondency“ für September 2020 an. Mit „Inferno“ gibt es auch gleich die erste Single auf die Ohren.

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Agrypnie

Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

In Teil 11 der Serie unterhalten wir uns mit Torsten Hirsch, Gitarrist von AGRYPNIE und ANOMALIE (sowie Sänger von NOCTE OBDUCTA).

Wann hast du angefangen, Gitarre zu spielen?
Das müsste mit 15 Jahren gewesen sein. Ich hatte aber schon als Kind eine kleine Akustikgitarre, die ich allerdings mehr zum Unsinnmachen als zum wirklichen Spielen verwendet habe.

Was hat dich damals dazu gebracht, dass du Gitarre lernen willst?
Ich glaube, am Anfang wollte ich einfach nur die Songs nachspielen können, die ich rauf und runter gehört habe. Mit der Zeit kam dann der Drang, auch eigene Songs schreiben und spielen zu wollen.

Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt (oder erlernen müssen)?
Nein.

© Stefanie Mohlfeld

Weißt du noch, welches Modell deine erste Gitarre war?
Die Kinderakustikgitarre war sicherlich ein No-Name-Modell. (lacht) Meine erste richtige E-Gitarre war eine Strat der Marke „Vester“. Damals war es extrem schwierig, eine E-Gitarre für Linkshänder zu bekommen, weshalb ich sehr viele Jahre dieses Modell gespielt habe.

Wie viele Gitarren/Bässe besitzt du?
Ich besitze acht Gitarren und einen Bass.

Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für unterschiedliche Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
Absolut! Meine Schecter Damien Elite verwende ich ausschließlich für Studioaufnahmen. Für ANOMALIE und AGRYPNIE besitze ich jeweils eine Hagstrom Ultra Swede, da wir mit unterschiedlichen Stimmungen spielen. Die Hagstrom, die bei AGRYPNIE auf der Bühne zum Einsatz kommt, verwende ich neben der Schecter ebenfalls für Studioaufnahmen. Die restlichen Gitarren sind bei AGRYPNIE auf der Bühne oder einfach zu Hause im Einsatz … oder wurden aus purer Sammelwut gekauft. (lacht)

Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du zufrieden bist?
Ich bin zugegeben nicht der große Techniker, wenn es um die Spezifikationen einer Gitarre geht. Sie muss sich gut spielen lassen, muss gut klingen, darf – bezogen auf den Liveeinsatz – nicht sackschwer sein und sich natürlich nicht ständig verstimmen. Ich bin kein Verfechter der Ansicht „Je teurer eine Gitarre, desto besser“. Ich würde darüber hinaus auch mit keiner 1000-Euro-Gitarre auf Tour gehen, da ich ständig die Befürchtung hätte, es könnte was drankommen.

© Afra Gethöffer

Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
Nein, eine spezielle Verbindung zu meinen Gitarren habe ich nicht. Allerdings wäre ich natürlich auch ziemlich angepisst, würde eine davon wegkommen oder kaputtgehen. Ich bin ein Fan von Hagstrom-Gitarren und besitze verschiedene Modelle, die ich zum Teil nur aus Sammelwut gekauft habe. Bei mir kommt der Umstand mit dem Linkshänder hinzu, weshalb ich sehr empfänglich für gebrauchte Gitarren bin, die es sonst nicht mehr käuflich zu erwerben gibt, da etwa die Auflage im Vergleich zum Rechtshändermodell kleiner war. Meine zwei Hagstrom-Ultra-Swede-Gitarren sind meine beiden Faves.

Hast du daran spezielle Modifikationen vorgenommen oder ist es sowieso ein Custom-Modell? Kannst du uns hier die technischen Details nennen?
An einer Hagstrom Ultra Swede wurden die Standard-Tonabnehmer durch EMGs getauscht. An meiner Harley Benton TE-90FLT habe ich die Mechanik ausgetauscht. Darüber hinaus befindet sich meine Hagstrom F200P für einige Umbaumaßnahmen beim Gitarrenbauer. Alle anderen Gitarren sind ohne Modifikationen, ein Custom-Modell besitze ich nicht.

© Afra Gethöffer

Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
Nein, nicht wirklich.

Und womit spielst du deine Gitarren – welche Plektren verwendest du und warum diese?
Ich spiele mit Dunlop Jazz III XL. Ich schneide mit ’nem Teppichmesser zusätzlich Rillen rein, damit mir das Plek beim Spielen nicht aus den Fingern rutschen kann. Und warum ich die spiele? Ich habe verschiedene Sorten, Stärken und Größen ausprobiert und finde die einfach am besten.

Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
Ich besitze einen Vox MV 50 Clean für Live und einen Vox VT 40+.

Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
Ich habe phasenweise auf einzelne Tretminen gesetzt, aber mittlerweile Abstand davon genommen und verwende ein Multieffektgerät.

Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
Ich verwende eine Line 6 Relay G30 Funkanlage, da ich Gitarrenkabel auf der Bühne nicht ausstehen kann. Der Empfänger geht in meinen Line6 HX Stomp. Dieser geht in meinen Vox MV 50 Clean Verstärker, der in eine Gitarrenbox geht. Ein zweiter Ausgang meines Stomps geht per DI in die PA. Für das Umschalten zwischen den verschiedenen Sounds kommt ein Behringer MIDI-Fußschalter zum Einsatz. That’s it. Es hat lange gedauert und einige Fehlkäufe gekostet, bis ich zu dieser Lösung gefunden habe. Ich hatte keine Lust mehr auf einzelne Tretminen und große, schwere Verstärker. Ich muss mit dem Equipment in einen Flieger steigen können, ohne zusätzliches (Sperr-)Gepäck aufgeben zu müssen. Ein Kemper war mir zu teuer, viele andere digitale Verstärker/Multieffektgeräte taugen meiner Meinung nach nichts oder sind ebenfalls zu teuer oder zu groß … ich hasse Multieffektgeräte mit 125 verschiedenen Fußschaltern. Line 6 kenne ich seit deren Anfängen und der Stomp ist für mich die absolut perfekte Kombination aus Preis, Größe, Sound und Funktionalitäten. Klingt wie eine Werbeveranstaltung, aber ich bekomme leider keine Provision. (lacht)

© Christoph Emmrich

Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
Da ich sowieso nur mit einem auf der Bühne stehe, wäre es dann wohl der Stomp. (lacht)

Benutzt du ein Noise-Gate – warum (nicht)?
Ja, verwende ich. Dieses ist aber so schwach eingestellt, dass ich die Gitarre auf der Bühne noch koppeln lassen kann.

Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
Definitiv fertig. Sollte der Vox MV 50 Clean irgendwann mal abrauchen, was ich nicht hoffe, würde ich vielleicht einen anderen „Miniamp“ ausprobieren.

Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
Sucht euch ein kostengünstigeres Hobby. (lacht)


Im nächsten Teil der Serie kommt Adrian „Ady“ Vogel von DIE APOKALYPTISCHEN REITER zu Wort!


Die bisherigen Teile der Serie findest du hier:

Helfró – Helfró (Re-Release)

Seitdem dezidiert zwischen Black und Death Metal unterschieden wird, gehört es sozusagen zum Extreme-Metal-Basiswissen, dass ersterer im Allgemeinen darauf ausgelegt ist, eine bestimmte Atmosphäre aufzubauen, während in letzterem Brutalität und Technik das Maß aller Dinge sind. Es gibt aber auch Ausnahmen von der Regel – man denke hierbei nur an die vertrackten Kompositionen von Emperor oder Enslaved, die schiere Aggression von Marduk und die obskuren Klangräume von Ulcerate oder Ævangelist. Dass Black Metal nicht immer an spielerischer Präzision vermissen lassen muss, bezeugen auch HELFRÓ mit ihrem selbstbetitelten, ursprünglich 2018 in Eigenregie herausgebrachten Debüt, das inzwischen über Season Of Mist neuerlich veröffentlicht wurde.

Dass der Re-Release von „Helfró“ trotz Beigabe eines neuen Opening-Tracks („Afeitrun“) mit einer knackigen Laufzeit von 37 Minuten auskommt, trägt nicht unwesentlich zur Effektivität der Platte bei. Mit seinem außerordentlich rabiaten und zugleich punktgenau eingespielten Songmaterial gestaltet sich das bislang einzige Album des ursprünglich von Ragnar Sverrisson als Ein-Mann-Band geführten, inzwischen zu einem Duo angewachsenen Projekts nämlich durchaus herausfordernd. Hier jagt ein rasantes Riff das nächste, Double-Bass und Blast-Beats rattern beständig in Höchstgeschwindigkeit und ein einzelner Track enthält hier mehr Breaks als so manche Black-Metal-LP als Ganzes.

Eiskalte Leads und monotone Gitarrenwälle hört man von HELFRÓ selten bis gar nicht, stattdessen drücken sich die Isländer primär über brachiales, aber stets klar definiertes und vielfach variiertes Tremolo-Picking aus. Entsprechend manisch ist Sverrissons Gesangsperformance, im Zuge derer er in Sekundenschnelle von gekreischten Screams zu ungeschlachten Growls wechselt. Manchen der Tracks verpassen HELFRÓ mithilfe von geisterhaften Clean-Vocals, für die Gastsänger Gísli S verantwortlich zeichnet, und ominösen, aber doch griffigen Keyboards zudem einen leicht unheimlichen Touch („Hin Forboðna Alsæla“).

Davon abgesehen spielt die Atmosphäre auf „Helfró“ jedoch eine untergeordnete Rolle, was sich insbesondere in dem von Stephen Lockhart (Svartidauði, Sinmara etc.) kreierten Klangbild bemerkbar macht. Im Gegensatz zu dem schemenhaften, surrealen Sound, den man von dem isländischen Produzenten gewohnt ist, werden die einzelnen Töne hier ebenso detailgetreu wiedergegeben, wie sie zuvor von HELFRÓ eingespielt wurden. Auf verklärende Halleffekte und andere derartige Spielereien hat man hier zugunsten eines gestochen scharfen, modernen Klangs weitgehend verzichtet.

Mit ihrem Debüt haben HELFRÓ sich nicht nur als eine der wenigen Black-Metal-Combos, die ihr Hauptaugenmerk auf komplexe Arrangements und gezielte Schlagkraft legen, zu erkennen gegeben, sondern auch unter Beweis gestellt, dass sie sich ausgesprochen gut auf diese Herangehensweise verstehen. Nichtsdestotrotz ist es ein wenig schade, dass die fraglos talentierten Newcomer es nicht für nötig befunden haben, die wenigen stimmungsvollen Parts weiter auszubauen – zumal die Kompositionen noch ein paar zusätzliche Höhepunkte gebrauchen hätten können, um sich besser einzuprägen. So haben HELFRÓ ein nüchtern betrachtet beeindruckendes, jedoch nicht über die Summe seiner Teile hinauswachsendes Album geschaffen.

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Bezwering – Aan De Wormen Overgeleverd

Dass der niederländische Metal-Underground einige Perlen zu bieten hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Eine davon waren Wederganger, die mit ihrem Debüt „Halfvergaan Ontwaakt“ (2015) sowie verschiedenen Splits – zuletzt mit Urfaust – von sich reden machten. Umso erfreulicher ist, dass auf die Auflösung von Wederganger 2018 noch im gleichen Jahr die Gründung von BEZWERING folgte.

Unter diesem Namen gehen immerhin zwei Drittel der Belegschaft den Weg von Wederganger dort weiter, wo diese die Flinte ins Korn geworfen haben. So begeistert das BEZWERING-Debüt mit dem niederländischen Titel „Aan De Wormen Overgeleverd“ ebenfalls mit dreckigem Black-Sludge im Midtempo, der dank rockiger Riffs mit viel Eingängigkeit punktet. Der griffige Sound mit einem deutlich herauszuhörenden, kraftvollen Bass wirkt da zudem Wunder.

Doch BEZWERING sind eben nicht nur eine weitere räudige Knüppelband: Alfschijns Klargesang, den man nicht nur von Wederganger, sondern vor allem von seinen anderen Bands Knoest, Gaistaz und :Nodfyr: her kennt, verleiht auch den Songs von BEZWERING einen extravaganten Touch: Der Gesangsstil weckt zunächst Urfaust-Assoziationen, lässt dann konkret aber eher an Gaahl denken („Terror Terroris“). Die Gesangslinie in „Geen Bloemen Op Mijn Graf“ könnte wiederum ebenso gut einem Wanderlied entstammen – ergänzt den dreckig-wuchtigen Sound der Gitarren aber gerade deshalb perfekt.

Auch kompositorisch gehen BEZWERING insgesamt deutlich gefühlvoller zu Werke, als man das in dem Genre erwarten darf. Exemplarisch sei dafür der Song „Nagezeten“ genannt: Dieser startet im Stile norwegischen Black Metals und wird nach einem Einwurf in besagtem Urfaust-Gesangsstil auf schleppendes Tempo und dann weiter auf einen Break mit einer einzigen, verlorenen Gitarre und Spoken-Word-Vocals gedrosselt. Zum Abschluss drücken BEZWERING das Gas nochmal durch: Das Schlagzeug prügelt los und der Song verglüht in einem wahren Black-Metal-Inferno. Im Kontext von „Aan De Wormen Overgeleverd“ bleibt dieses starke Dynamik-Arrangement erfreulicherweise kein Einzelfall.

Wer Wederganger mochte, findet in BEZWERING einen mehr als gleichwertigen Ersatz für die 2018 aufgelöste Truppe. Genauso gilt andersherum: Wer gleichermaßen rohen wie durchdachten, kratzbürstigen und zugleich auf seine Art gefühlvollen Black Metal schätzt, sollte sich nicht nur „Aan De Wormen Overgeleverd“ von BEZWERING, sondern auch Wedergangers „Halfvergaan Ontwaakt“ zulegen und vielleicht sogar gleich noch Alfschijns andere Projekte auschecken.

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