Archives

Verheerer – Maltrér

In dem schier uferlosen Meer an musikalischen Veröffentlichungen – allein schon im Black-Metal-Sektor – kann es leicht passieren, dass einem das eine oder andere Kleinod unbemerkt wie ein Sandkorn durch die Finger gleitet. Dies könnte man auch auf VERHEERER beziehen, die zehn Jahre nach ihrer Gründung mit „Maltrér“ heimlich, still und leise ihr Debüt herausbringen. Dabei handelt es sich um ein knapp 50 Minuten langes Schwarzmetall-Manifest, das so vielseitig wie in sich stimmig ist – leider aber auch nicht ganz ohne Makel. Dennoch sollte man die Musik des deutschen Duos nicht schon an dieser Stelle abschreiben.

Wer trotz aller Hinweise, die etwa der martialische Bandname oder das mysteriöse Artwork liefern, noch nicht abschätzen kann, mit welcher Inkarnation des schwarzen Genres man es bei VERHEERER zu tun hat, sollte bereits im Zuge des Intros erleuchtet werden. „Oratio“ leitet das Album mit trübsinnigen Clean-Gitarren und sakralen Chören ein und verbannt damit vorab jede etwaige Assoziation mit der Vorsilbe „Post“. Fürwahr, VERHEERER spielen Black Metal wie aus den „guten, alten Tagen“ mit allem, was dazugehört. Mächtiges Tremolo-Picking, rohes Schlagzeugspiel mit einer gehörigen (aber auch nicht übersättigenden) Portion Double-Bass und Blasting und natürlich teuflischer Schreigesang bilden das Fundament, auf dem „Maltrér“ aufgebaut ist.

Obwohl die Black-Metaller jedem dieser Stilmittel allerlei verschiedene Facetten entlocken – insbesondere den mal garstig keifenden, dann wiederum beschwörend rufenden Vocals – wäre diese doch ziemlich gewöhnliche Konstellation wohl nicht genug, um VERHEERER von der grauen Masse abzuheben. Wirklich interessant werden die spannend arrangierten Tracks vor allem, wenn die Deutschen ihre blasphemischen Texte mit Kirchenmusik-Elementen wie Chorgesang oder Orgel kontrastieren. Im Titeltrack erinnert dieser Gegensatz in Verbindung mit den trockenen, unverzerrten Gitarren sogar etwas an Batushka.

Aber auch das rockige „Anima Sola“, das zum Ende hin völlig dissonante „Kultyst“ und die Abschlussnummer „Heimgang“, die mit einem Sample des Serienkillers John Doe aus dem Film „Sieben“ stimmig beginnt, legen Zeugnis über die sprudelnde Kreativität der zweiköpfigen Truppe ab. Der einzige Grund, aus dem „Maltrér“ letztlich nicht zu einem Underground-Meisterwerk avanciert, ist die allzu eklatante Schlampigkeit, mit der VERHEERER ihr Debüt eingespielt haben. Besonders im Titeltrack hört man so manch geradezu unverzeihlichen Schnitzer heraus.

Dass nicht jeder einzelne der Einfälle, die VERHEERER auf ihrem Erstlingswerk in die Tat umsetzen, voll und ganz aufgeht, ist wirklich kaum der Rede wert. Sowohl der aufregende, konsistente Aufbau der Songs als auch die wunderbar organische Produktion sind definitiv Merkmale, die das deutsche Duo vielen ihrer Kollegen voraus haben. „Maltrér“ scheitert in letzter Konsequenz praktisch nur an der spieltechnischen Umsetzung. Die Hoffnung auf ausgefeiltere zukünftige Veröffentlichungen macht VERHEERER jedoch zu einem Geheimtipp mit großem Potential, den man nicht aus den Augen verlieren sollte.

Ihsahn: Neues Album kommt im Mai

IHSAHN wird am 04.05.2018 sein siebtes Soloalbum veröffentlichen. Das Werk trägt den Titel „Amr“ und erscheint über Candlelight/Spinefarm. Beim Song „Arcana Imperii“ ist Opeth-Gitarrist Fredrik Akesson zu hören.

Den Sound von „Amr“ beschreibt IHSAHN selbst so:

„Jedes Mal versuche ich, das düsterste Album aller Zeiten aufzunehmen. Ich nehme mir nie vor, ein melodischeres oder zugänglicheres Album aufzunehmen. Da ich aber mit dem Metal der Achtziger aufgewachsen bin, habe ich letztlich oft ziemlich unterschiedliche Elemente vereint. Das ist mein siebtes Soloalbum, also kommt es im Grunde auf Methoden und Perspektiven an, die dafür sorgen, dass ich begeistert bin und für meine Arbeit brenne. Wenn ich mich nicht dafür begeistere, kann ich das auch von sonst niemandem erwarten!“

Die Tracklist von „Amr“:

01. Lend Me The Eyes Of The Millenia
02. Arcana Imperii
03. Sámr
04. One Less Enemy
05. Where You Are Lost And I Belong
06. In Rites Of Passage
07. Marble Soul
08. Twin Black Angels
09. Wake

Harakiri For The Sky – Arson

Obwohl Österreich ein recht kleiner Staat ist, dessen Metal-Szene die Musikrichtung nicht so nachhaltig beeinflusst hat wie etwa jene in Norwegen oder Großbritannien, gibt es im Alpenland doch einige nennenswerte Bands, die in ihrem Subgenre zur Crème de la Crème gehören. HARAKIRI FOR THE SKY dürfen sich beispielsweise schon seit Jahren zu den renommiertesten Vertretern des Post-Black-Metal zählen. Seit 2012 hat das Duo pünktlich alle zwei Jahre eine neue Platte herausgebracht, sodass auf das in den Augen mancher etwas durchwachsene „III – Trauma“ mit „Arson“ nun der vierte Streich folgt. Es gilt somit herauszufinden, ob HARAKIRI FOR THE SKY damit eher Öl ins Feuer ihrer Kritiker gießen oder ob die Österreicher es geschafft haben, ihre Kreativität neu zu entfachen.

Abgesehen davon, dass die Drums diesmal von Kerim „Krimh“ Lechner (Septicflesh) eingespielt wurden, ist bei HARAKIRI FOR THE SKY so weit alles beim Alten: Die emotional aufgeladenen Lieder der Salzburger spielen sich nach wie vor im verwaschenen Mittelfeld zwischen Black Metal und Post-Rock ab und kratzen größtenteils an der Zehn-Minuten-Marke, was in einer satten Gesamtdauer von über einer Stunde resultiert. J.J.’s heisere, eher im Hardcore als im Black Metal angesiedelte Screams künden weiterhin von seinem Seelenschmerz, der in den melancholischen Tremolo-Riffs und Leads sowie den lieblichen Clean-Gitarren zutiefst nachvollziehbar zum Ausdruck kommt. Das energetische, aber keineswegs hyperaktive Schlagzeugspiel rundet den charakteristischen Sound ab, für den man HARAKIRI FOR THE SKY kennt und liebt.

Dass die Post-Black-Metaller auch diesmal keine großen Überraschungen parat haben, kann man ihnen in diesem Fall keineswegs zum Vorwurf machen. Schon das Hauptriff im getriebenen Opener „Fire, Walk With Me“ ist nämlich derart mitreißend, dass das Verlangen nach stilistischen Experimenten gar nicht erst aufkommt. HARAKIRI FOR THE SKY schaffen es auch so mühelos, ihre ausschweifenden Songs so dynamisch zu arrangieren, dass diese ihre emotionale Wirkung nicht verfehlen.

Seien es nun die erhabenen Melodien in „Tomb Omnia“ oder der abrupte, aber absolut stimmige Tempowechsel im anfangs noch gequält schleppenden „Stillborn“, nahezu alle Tracks können mit ihrem spannenden Aufbau punkten. Hin und wieder wagen es HARAKIRI FOR THE SKY außerdem doch noch, sich aus ihrem Stil-Korsett zu befreien – etwa in Form von sanften Akustikgitarren im beschwingten „Heroin Waltz“ oder gefühlvollem Frauengesang im Graveyard-Lovers-Cover „Manifesto“, das die Boxset-Version des Albums abschließt.

Zwei Kleinigkeiten kann man an „Arson“ zuletzt doch kritisch erwähnen: Einerseits fühlt es sich nicht ganz so schonungslos persönlich und ergreifend an wie „Weltenasche“, das letzte Album von J.J.’s Soloprojekt Karg, andererseits ist es trotz seiner praktisch durchgehend starken Tracklist ein wenig lang und sperrig ausgefallen. Vielleicht hätten HARAKIRI FOR THE SKY gut daran getan, ein bis zwei Songs auszusparen, zum Beispiel das etwas unspektakuläre „You Are The Scars“ oder „Voidgazer“. Schlussendlich lässt sich jedoch feststellen, dass die Österreicher auf ihrer vierten Platte alle ihre Stärken gekonnt ausspielen. Nach ein paar Anläufen ist man richtig gefesselt, sodass Fans der Vorgängeralben gewiss nicht enttäuscht sein werden.

Minas Morgul

MINAS MORGUL haben gerade ihr Album „Kult“ zum 20-jährigen Bandjubiläum veröffentlicht und beweisen darauf, dass sie in all der Zeit nichts von ihrem Biss und ihrer Energie verloren haben. Im Gegenteil, man spürt, dass sich die Band in den letzten fünf Jahren, in denen es still um sie war, trotz allem weiterentwickelt hat, und dass die Bandmitglieder am Leben gewachsen sind. Deshalb haben wir Frontmann und Texter 13R13 zum Interview gebeten, um noch ein wenig mehr über die Essenz von „Kult“ zu erfahren.

Ihr habt gerade erfolgreich euren Album-Release-Gig hinter euch gebracht. Wie war es? Gab es Gastauftritte? Wie waren die Reaktionen des Live-Publikums auf die neuen Songs? Oder wollte man lieber die alten Gassenhauer hören?
Wir hatten ja einen Doppelgig, wovon der erste der beiden leider erst so spät gestartet ist, dass einige entweder so voll waren, dass sie kaum noch krauchen konnten, oder aber so müde, dass echt ein paar eingeschlafen sind. Das war auch erstmal Premiere, hahaha. Der zweite Gig dann in Cottbus war echt brachial, die Leute sind abgegangen wie Schmidts Katze und haben eine geile Resonanz abgelegt. Sicher gab es auch einige Wünsche nach den ganz alten Dingern, aber wir haben uns vorgenommen, jetzt erstmal eine Weile überwiegend das Kult-Set zu spielen, weil es extremen Spaß macht, das Zeug live zu präsentieren und man sagen muss, dass es bombastisch aufgenommen wurde von den Fans. Einen Gastauftritt können wir für die beiden Gigs aber nicht vermelden, Robse war sehr eingespannt an dem Abend, aber das holt er sicher nochmal irgendwann nach.:)

Hat der Live-Auftritt noch genauso viel Spaß gemacht wie früher? Oder sogar mehr? Oder gibt es Anzeichen, dass ihr mit dem Alter eingerostet seid?
Spaß gemacht haben beide, das muss man sagen. Sicher macht es sich bemerkbar, dass wir älter geworden sind, andere Prioritäten haben, wie Kinder und Familie, was eben dazu führt, dass es schwieriger geworden ist, Termine zu finden, an denen mal alle gemeinsam proben können. An der Präsenz auf der Bühne hat dies wenig geändert, finde ich. Wir können uns immer noch bewegen, ohne danach gleich ins Koma zu fallen. Aber eine richtige Tour würde uns wohl ganz schön schlauchen.

Wie schwer ist es, nach längerer Zeit wieder in einen Songwriting-Prozess zu finden? Das neue Album schiebt ja ordentlich (siehe Review). Da scheint sich eine Menge Motivation angesammelt zu haben?
Naja, wir haben uns nie so wirklich aus dem Prozess herausbegeben, es stand nach der Ära“ noch einiges an Material, was wir verwendet haben und dadurch, dass wir uns wirklich viel Zeit gelassen haben mit Kult“, hatten wir einfach wirklich alle ein Auge auf die Entstehung jedes einzelnen Songs, haben gefeilt, haben verworfen, wieder neu gebastelt , bis alles so war, wie wir uns das gedacht haben. Am Ende ist meiner Meinung nach das abwechslungsreichste und dynamischste Werk entstanden und auch nach 1000 maligem Hören wird selbst uns das nicht langweilig. Ich für mich persönlich kann sagen, dass es dieses Gefühl bei keinem Album vorher gab und bin echt stolz auf das, was wir da geschaffen haben.

Auf dem Booklet findet sich eine Danksagung, dass die Fans euch all die Jahre die Treue gehalten haben. Wie hat sich das geäußert? Wie haltet ihr den Kontakt zu den Fans?
Das äußert sich immer und ständig, egal, wo wir spielen, fahren die Leute hunderte Kilometer weit, um uns zu sehen, geben uns Feedback und feiern mit uns die Gigs. Mit vielen haben wir auch immer wieder Kontakt über alle möglichen Medien, da kommen dann Fragen, die wir gerne beantworten. Auch sind wir eine jener Bands, welche sich vor und nach den Gigs unters Volk mischen und dort zusammen einen trinken, quatschen und die Sau raus lassen, das bindet natürlich auch und anders könnten wir uns das auch gar nicht vorstellen.

Sind Facebook & Co. diesbezüglich eher ein Fluch, oder ein Segen?
Ich glaube beides, es kann sowohl wahnsinnig viel bringen, gerade im Austausch mit Fans und Veranstaltern aber auch dazu führen, dass sich dann die Internetmaulhelden zusammenfinden, um Lügen und Halbwahrheiten in die Szene zu streuen, wo man leider aufgrund der Anonymität keinerlei Handhabe hat, dagegen vorzugehen. Das ist das schon sehr ätzend, früher war es nicht so einfach, sich hinter der Tastatur zu verstecken, da kam schnell ans Tageslicht, wer dahinter steckte und man konnte agieren.

Gab es nicht auch ungeduldige Fan-Anfragen, wann denn mal wieder ein neues Album rauskommt? Warum hat es überhaupt so lange gedauert?
Naja, das kann man gar nicht mal so sagen, wir sind so ein wenig in der Versenkung verschwunden, haben auch echt wenig Gigs gespielt, es wurde ziemlich ruhig um uns. Erstaunlich war dann echt, als es dann so langsam aufs Studio zuging, dass man da erst so richtig realisiert hat, dass echt schon wieder fünf Jahre dazwischen lagen. Warum es so lange dauerte, können wir glaube ich gar nicht so richtig sagen, eben wahrscheinlich, weil die Prioritäten auf neuem Nachwuchs, den Jobs etc. lagen, das wird’s gewesen sein.

War es geplant, Kult“ als Anniversary-Release rauszubringen, oder bot es sich quasi an, weil das neue Album eben genau in dem Jahr fertig wurde? Oder wie nahm das Album Form an?
Das war echt nicht geplant, hat aber gut gepasst, weil eben alles fertig war. Wie schon erwähnt, der Prozess ging so einige Jahre und ist im Resultat das bisher beste, was wir gemacht haben. Dann musste es aber auch schnell gehen, weil zwischen Aufnahme, Pressen und Veröffentlichung mal schnell ein halbes Jahr verstreicht aber es lief alles so reibungslos ab, dass es schon fast beängstigend war. Hier nochmal ein großes Lob an Falk und Dan, die sich für Aufnahme, Mixen und Mastering verantwortlich zeigen, sowie unser Label Trollzorn Records, welche uns immer unterstützt haben und alles so in die Wege geleitet haben, dass man sich absolut keine Sorgen um irgendwas machen musste.

Woher kam die Inspiration, in XX“ quasi subtil einen Rückblick auf die Bandgeschichte (bzw. die Verbindung zu den Fans) einzubauen? Oder geht es um etwas ganz anderes in dem Song?
Das ist sicher auch ein wenig Rückblick oder Hommage an unserer Fans und Wegbegleiter, die auch trotz der langen Schaffenspause, nie aufgehört haben, an uns zu glauben und uns zu unterstützen. Wie auch schon beim Vorgänger Ära, dem Titelgeber des vorangegangenen Albums geht es eben genau um diesen Zusammenhalt, und das kann man eben gar nicht oft genug festhalten bzw. wie in diesem Fall musikalisch verewigen.

Was waren rückblickend denn die schönsten Banderlebnisse?
Immer die, in denen wir den größten Spaß hatten, wo unsere Energie auf die Fans übergegangen ist, man also richtig was zurückbekommt. Aber auch die Zeiten vor und nach den Gigs, wo wir so unendlich viel zu lachen hatten, weil es einfach so abgefahrene Situationen gab, die man sich echt kaum vorstellen kann.

Und die furchtbarsten?
Furchtbar ist immer, wenn man erst spät loskommt, dann vielleicht noch im Stau steht und dann direkt aus dem Auto auf die Bühne gehen muss, man also gar nicht so richtig ankommen kann. Dann vielleicht noch ein Publikum hat, was die ganze Zeit mit verschränkten Armen dasteht, kaum zu animieren ist und wo man sich dann fragt, warum solche Leute überhaupt Geld für das Konzert bezahlen. Das macht dann eher Semispaß, aber kommt ein Glück nur selten vor.

Warum habt ihr gerade Robse (EQUILIBRIUM) gewählt für den Gastgesang in Nur eine Kugel“ , dem plakativsten Lied des Albums?
Der Song stand schon eine ganze Weile und live haben wir den schon öfter, auch vor Release, performt. Ich hatte Robse den dann vorgeschlagen, weil ich fand, dass sein Stil gut dazu passen würde, was sich ja dann auch als absolut richtig herausgestellt hat. Er hat das Ding in einem Take eingesungen und marschiert gesanglich regelrecht durch, was dem Ganzen gut zu Gesicht steht.

Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Robse? Ist es inzwischen so, dass man froh sein muss, wenn Robse noch ein bisschen Zeit für die alten Freunde übrig hat (diese Frage mit einem Augenzwinkern)?
Unkompliziert wie immer. Wir haben den Kontakt nie verloren, auch wenn Robse natürlich durch seine Arbeit in seinen Projekten sehr eingebunden ist. Es war auch sein Wunsch, sich mal auf einem Album von uns zu verewigen. Als es dann akut wurde, bekam er den Text, das Rohmaterial des Songs und kam dann ins Studio spaziert. Wie gesagt, ging das Ganze sehr fix und das Resultat ist bombastisch geworden. Also unkomplizierter geht es eigentlich gar nicht.

Was mir aufgefallen ist, sind die unfassbar großartigen Lyrics auf dem Album. Insbesondere der Song Leere“. Mich würde interessieren, ob es hier einen besonderen Moment der Inspiration gab, oder ob es lange aufgestautes Denken war, täglich, beim Anblick zielloser Menschen oder dergleichen?
Erstmal ein dickes Danke an dieser Stelle, sowas hört man natürlich gern. Wenn man mal die Entwicklung der Alben, also das rein Lyrische betrachtet, dann fällt sicher auf, dass der Hang zum Gesellschaftskritischen immer mehr Raum eingenommen hat. Das sind einfach Themen, die mich tagtäglich beschäftigen, mein Wohnort Berlin bietet mir genug Inspiration, um immer neuen Stoff zu verarbeiten. Also liegst du mit deiner Vermutung schon ganz richtig, es ist der tägliche Wahnsinn, dem man oftmals ein stückweit ausgesetzt wird, und den man dann irgendwie kanalisieren muss. Da bietet sich so ein Posten als Sänger ganz gut an und der Strom an neuem Input wird so schnell wohl nicht versiegen.

Auch andere Texte sind tiefgehend. Bei Ein Teil von mir“ ist natürlich klar, dass der Text durch Nachwuchs inspiriert ist. Aber viele Songs setzen sich auch direkt mit dem Tod auseinander und was denn bleiben wird. Da sicherlich noch keiner von euch dem Tode nahe ist, frage ich mich, warum das Thema recht dominant auf dem Album ist. Sind es auch die eigenen Kinder, die einen verstärkt zum Nachdenken über dieses Thema anregen?
Schlussendlich fragt man sich doch mit dem Älterwerden, was man schon geschafft hat, wo man noch hin möchte und was man der Nachwelt hinterlassen will. Der eigene Nachwuchs hält einem natürlich ganz oft den Spiegel der Vergänglichkeit vor Augen. Nie verging die Zeit schneller, Jahre gehen, Menschen gehen usw. Ich glaube, allen in der Band ist es wichtig, sich ein Stückweit unsterblich zu machen, sei es mit der Musik, dem Quell an Wissen, den man seinen Kindern vermittelt oder den Taten, welche ja immer etwas bewegen, egal in welche Richtung.

Und ich möchte eine Frage aus dem Song Leere“ an dich als Beantworter dieser Fragen zurückstellen: Wer willst du sein?
Jemand, an den man sich erinnert, wie ist in erster Linie erstmal egal, etwas was bleibt und nicht verblasst oder erst gar nicht da ist. Jemand, dessen Wort heutzutage noch etwas wert ist und dem eine Kraft innewohnt, die etwas bewirken kann und wie eine Fackel weitergegeben werden kann.

Was denkt ihr, müsste geschehen, damit die Menschen aufwachen und nicht mehr blind der Schafherde“ folgen und die Welt (durch falsches Tun oder gar Nichtstun) in den Abgrund stürzen lassen? Was könnte die Menschen denn erwecken? Immerwährendes Mahnen wirkt offenbar wenig, scheint mir.
Das scheint mir eine große Illusion zu sein, der Mensch lernt nur durch Schmerz und dieser ist noch zu gering, um flächendeckend eine Änderung zu bewirken. ABER, er wird kommen, wer sich intensiv mit dem Weltgeschehen auseinandersetzt, kann die Zeichen sehen, sie sind allgegenwärtig.

Wäre die Welt ohne Menschen nicht eigentlich besser dran?
Das ist wahrlich schwer zu beantworten aber wenn man sich mal in der Welt umschaut, die sichtlich verdummt, verroht und vor die Hunde geht, wäre das wahrscheinlich wirklich das Beste. Vielleicht ginge es auch etwas bergauf, nähme man den Menschen die Religionen, enteignete man den kleinen Anteil an Abschaum, der für sich allein 90 % des Gesamtkapitals in Anspruch nimmt, während sich anderswo die Menschen gegenseitig auffressen, verdursten und verhungern. Aber wenn man eines lernt im Laufe seines Lebens, dass es so etwas wie Gerechtigkeit nicht gibt und sich der Mensch selbst im größten Frieden nach Krieg sehnt.

Hattet ihr je das Gefühl, dass es (ohne Namen zu nennen!) Bands gibt, die Ideen von euch abkupfern (und wenn es beispielsweise nur ein ähnliches Cover-Design ist)? Wenn ja, sieht man es eher als Ehre, dass man als Vorbild“ wahrgenommen wird, oder nervt es, wenn andere keine eigenen Ideen haben?
Ja, hahaha, das gibt es natürlich und das ist dann von Beidem etwas. Man kann das schwer beschreiben irgendwie, es gibt schon so Bands, wo es so offensichtlich ist, dass es regelrecht nervt und auf der anderen Seite natürlich auch jene, wo es uns ehrt und wir gut damit umgehen können. Das ist dann einfach unsere eigene Haltung, die wir zu den jeweiligen Bands haben. Ansonsten ist es uns sicher auch mal so gegangen, dass man unbewusst oder auch bewusst ein wenig abkupfert, das bleibt ja auch nicht aus.

War dieses Album eigentlich ein Abschluss für euch? Oder dürfen die Fans in fünf Jahren wieder auf neue Musik hoffen?
Also, wir haben noch genug Ideen und Motivation, um uns noch zu steigern. Wir werden jetzt erst mal schauen, was das Jahr so hergibt an Möglichkeiten, unser Zeug live zu präsentieren. Dabei bieten sich sicher schon wieder viele Ideen und Impulse, die wir verarbeiten können. Also klares Nein zum Abschluss.

Hier noch das traditionelle Metal1-Spaß-Brainstorming. Was fällt dir als erstes ein, wenn du jeweils diesen Begriff hörst?
1.) Ragnarök-Festival: Warum meldet sich da nie einer zurück?
2.) Bücher: Gruber, Fitzek und Carter
3.) Unwort des Jahres: Sondieren
4.) Pfannkuchen: Och nee
5.) Bayern: Schön da!

Geschrieben am

Grift: Neue EP kommt im April

Das schwedische Ein-Mann-Projekt GRIFT, wird am 06.04.2018 eine neue EP veröffentlichen. Das gute Stück hört auf den Namen „Vilsna Andars Boning“ und erscheint über Nordvis. Darauf enthalten sind zwei Akustik-Songs, die Mastermind Erik sehr am Herzen liegen:

„This time I have chosen to record two acoustic songs. They are both related to Kinnekulle, the mountain whose nature, folklore and traditions are always present throughout Grift’s expression. But mostly I want to highlight the mountain as a metaphor for something unwavering and constantly attracting – a mirage which leads to imagination and escapism.“

Als Gast ist Disa von Draugurinn am Horn zu hören. Das Cover geht zurück auf eine Lithographie aus der Mitte des 18. Jh. Seht hier einen kurzen Teaser zur EP:

Auch Harakiri For The Sky mit neuem Song

Die österreichischen Black-Metaller von HARAKIRI FOR THE SKY, haben „Fire Walk With Me“ aus ihrem am 16.02.2018 erscheinenden neuen Albums „Arson“ bereits jetzt veröffentlicht. Damit sind nun insgesamt sechs Stücke dieses Albums vorab präsentiert worden.

Infestum – Les Rites De Passage

INFESTUM aus Weißrussland kommen genau zur rechten Zeit für die Hörerschaft, denen Industrial Black Metal à la Mysticum oder Blacklodge auf Dauer zu fad wird. Kranken viele Veröffentlichungen aus diesem Subgenre daran, dass der Industrial-Anteil auf Albumlänge an Spannung verliert oder die Songs in ein zu ähnliches Muster gepresst werden, beweisen die Weißrussen, dass sich diese Fehler auch vermeiden lassen.

Zur Beweisführung lässt sich das aktuelle Album von INFESTUM heranführen, „Les Rites De Passage“, die mittlerweile vierte Platte des Quartetts. Sie belegt die grundlegende Absicht der Weißrussen, Industrial Black Metal nicht in ausschließlich hämmernden Salven untergehen zu lassen, sondern der Songgestaltung noch eine gehörige Portion Kreativität hinzuzufügen. Im Ergebnis ist „Les Rites De Passage“ ein ambitioniertes Album, dem es erfrischenderweise nicht an Abwechslung mangelt, dafür allerdings – beinah schon Ironie – an Druck und Zugkraft. Also an dem, wovon bspw. ein „Planet Satan“ viel zu viel hat, wovon im Grunde genommen nahezu der Großteil der Industrial-Black-Metal-Platten nur so trieft.

Dennoch lässt sich dieses Manko vorerst gut verkraften, da INFESTUM ähnlich wie Diabolicum auf ihrem aktuellen Album „Ia Pazuzu (The Abyss Of The Shadows)“ keine Herausforderung scheuen, ihre Songs abwechslungsreich zu gestalten. Somit gelingt es dem Quartett, jedem ihrer neun Songs einen gewissen, wiedererkennbaren Charakter zu verleihen. Besonders das schleppende „Descant Of Yore“ sowie der preschende Opener „Fire Be My Name“ bilden einen hervorragenden Kontrast und verfügen ebenfalls über das, was alle Songs auf „Les Rites De Passage“ kennzeichnet: ein dichter, vielschichtiger Klang. Kranken die Veröffentlichungen aus diesem Genre mitunter daran, dass der Industrial-Anteil, die verwendeten Loops und Samples, zu sehr in Musik gepresst wirken, schaffen INFESTUM den nicht simplen Spagat, beides harmonisch zu verknüpfen.

Wie gesagt: Vorerst lässt sich das Manko von „Les Rites De Passage“ gut verkraften, allerdings tritt es immer stärker in Vordergrund, je häufiger das Album rotiert. Gewisse Längen schleichen sich ein. Mid-Tempo-Passagen, die ziellos wirken und den Eindruck erwecken, lediglich Füllmaterial zu sein, um den Track noch auszustaffieren. In diesen Parts geht INFESTUM die Stärke der Abwechslung verloren, der Song siecht in diesen Augenblicken nur vor sich hin. In diesen Fällen wünscht man sich das Gestampfe von bspw.  Throne Of Molok, wenigstens für einen kurzen Augenblick, um das Motiv aufzubrechen und für etwas Erfrischung zu sorgen.

Obgleich die Weißrussen mit ihrem vierten Album nicht vollends zu überzeugen wissen, spielen sie dennoch einen gewaltigen Trumpf aus, nämlich ihr Geschick zum unterhaltsamen Komponieren, was in diesem Subgenre eher Ausnahme anstatt Standard darstellt. Kürzen INFESTUM in Zukunft die Längen aus ihren Songs, dürfte ihnen das Gleiche bescheinigt werden: eher Ausnahme anstatt Standard.

Neuer Song von Cult Of Fire

CULT OF FIRE aus Tschechien präsentieren den ersten Song ihres kommenden Live-Albums „Kali Fire Puja“. Bis auf das Release-Datum, den 26.03.2018, ist bisher lediglich bekannt, dass die Veröffentlichung auf Vinyl und VHS erfolgt. Also schnell den alten Videorekorder entstauben!

Seht „Závěť Světu“ hier: