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Das Album des Monats April …

… steht für nur so vor Kraft strotzenden Black Metal!

Zur Abwechslung allerdings mal nicht aus Norwegen oder Schweden stammend, sondern aus Belgien: WIEGEDOOD legen mit ihrem Drittwerk „De Doden Hebben Het Goed III“ ein so starkes Album vor, dass wir sogar über die etwas kurze Spielzeit hinweg sehen konnten.

Zum Review gelangt ihr durch einen Klick auf das Cover:

Glorior Belli – The Apostates

GLORIOR BELLI behalten ihr Tempo bei: Nur zwei Jahre nach ihrem letzten Werk melden sich die Franzosen bereits mit dem nächsten, ihrem nunmehr siebten Album, zurück. Und einmal mehr überraschen die Pariser mit einem eher unorthodoxen Artwork. Und nicht nur das.

Denn auch musikalisch haben GLORIOR BELLI nach ihrem sehr geradlinigen Black-Metal-Album Sundown (The Flock That Welcomes) gehen die Franzosen wieder einen Schritt in Richtung des Stils, der sie international bekannt gemacht hat: „Southern Black Metal“, wie GLORIOR BELLI es selbst nennen. Konkret bedeutet das, dass die immer noch klar als Black Metal erkennbaren Songs diesmal auch wieder einen Southern-Einschlag aufweisen, der sich vor allem in dem einen oder anderen Gitarrensolo manifestiert. Durch geschickt eingesetzte Tempo- und damit Stimmungswechsel sorgen GLORIOR BELLI für weitere Variabilität in ihrem Klangbild. So überzeugend „anders“ als das, was man sonst so zu hören bekommt, wie es noch „The Great Southern Darkness“ oder „Gators Rumble, Chaos Unfurs“ waren, ist das Album allerdings nicht.

Als Fan dieser Alben ist man allerdings vielleicht schon froh, dass der Southern-Rock-Flair, der diese Alben ausgemacht hat, überhaupt wieder zurück ist bei GLORIOR BELLI: Schließlich war der Vorgänger ein eher trues Black-Metal-Album, auch, was den Sound angeht. In diesem Punkt liegt der vielleicht größte Unterschied zum Vorgänger: Verglichen mit dem höhenlastigen Schnarren von „Sundown“ klingt „The Apostates“ wieder kraftvoll und mit einer gesunden Portion Mitten und Bass versorgt. Erst im abschließenden„Rebel Reveries“ trauen sich GLORIOR BELLI mit gefühlvollem Klargesang, stimmungsvollen Cleangitarren und einem lässigen Solo auch musikalisch einen echten Schritt vorwärts. Leider etwas zu spät, um „The Apostates“ als Gesamtwerk im wahrsten Sinne des Wortes „herausragend“ zu machen.

Objektiv betrachtet überraschen GLORIOR BELLI mit Album Nummer sieben nur in ihrem eigenen Kosmos: Absolut gesehen ist der etwas rockig angehauchte Black Metal, den die Franzosen über eine gute Dreiviertelstunde hinweg zelebrieren, zwar nicht schlecht, aber auch nicht wahnsinnig kreativ oder individuell. Zumindest innerhalb der eigenen Diskographie legen GLORIOR BELLI mit „The Apostates“ jedoch ein Album vor, das eine Entwicklung aufzeigt und den rockigen Stil, für den GLORIOR BELLI internationales Ansehen finden konnten, gelungen wiederbelebt.

Merrimack – Ashes Of Purification

Spätestens mit ihren letzten beiden Alben, „The Acausal Mass“ und „Omegaphilia“, konnten sich die Black-Metaller von MERRIMACK international einen wirklich guten Ruf erarbeiten. Nachdem das Interesse am Schaffen – und somit auch den Frühwerken – der Franzosen über die Jahre entsprechend gestiegen ist, veröffentlichen nach Nightmare Productions (2006) nun auch Season Of Mist deren Debütalbum „Ashes Of Purification“ in limitierter 500er-Auflage und (anders als Nightmare Productions) unter Verwendung des Original-Artworks neu.

Zielpublikum der Veröffentlichung sind entsprechend die über die Jahre dazugekommenen MERRIMACK-Fans, die für die auf 1000 Exemplare beschränkten Erstauflage zu spät kamen, aber ihrem Komplettierungsdrang nachgeben und auch dieses Album ihr Eigen nennen wollen. Denn wenn „Ashes Of Purification“ auch ein durchweg amtliches Debüt-Album ist, so handet es sich gewiss um keine genreprägende Veröffentlichung, die man aus musikalischer Sicht im Schrank stehen haben muss.

Sound wie Songs sind eher roh gearbeitet. Daran hat sich auch mit dem Re-Release nichts geändert. In Sachen Sound sind es vor allem die schnarrenden und quietschenden Gitarren und die nicht immer durchsetzungsfähigen Trommeln, die sofort auffallen – wenn auch nicht automatisch nur negativ: Einen gewissen Charme versprüht dieser Klang ja zugegebenermaßen. Musikalisch zeigen MERRIMACK für ein Debüt durchaus schon eine solide Leistung: Das Tempo wird hinlänglich variiert – mal geht der Furor mit ihnen durch, mal geht es eher im Midtempo zur Sache. Und gelegentlich verirrt sich sogar eine Clean- oder Akustikgitarre (oft, wie in „Blood“, auch etwas unvermittelt) ins ansonsten von harschen E-Gitarren dominierte Klangbild. Durch enorme Eigenständigkeit oder kompositorischen Witz, wie man ihn von den aktuellen Werken des in Paris ansässigen Quintetts her kennt, tut sich jedoch noch keiner der der insgesamt acht Songs hervor.

Die Wiederveröffentlichung von „Ashes Of Purification“ ist insofern klar ein Liebhaber-Release – wer seine MERRIMACK-Sammlung komplettieren will, kann dies nun endlich wieder ohne Probleme tun (wobei sich die Glaubensfrage stellt, ob eine Re-Release-Edition da überhaupt zählt?). Ansonsten ist „Ashes Of Purification“ allenfalls dem Black-Metal-Puristen, der sonst schon alles hat, zu empfehlen. Für alle anderen gibt es eine beträchtliche Zahl relevanterer Black-Metal-Platten, deren Erwerb vorzuziehen wäre.

Aorlhac – L’Esprit des Vents

Den Terminus Mittelalterlicher-Black-Metal hört man auch nicht allzu oft. Auf die neue Scheibe von AORLHAC passt er aber perfekt. Bevor jetzt aber Dudelsack- und Flötenallergiker entsetzt wegklicken sei gesagt, dass sich das Adjektiv mittelalterlich auf die Stimmung, die Melodien und die Texte auf „L’Esprit des Vents“ bezieht. AORLHAC existieren seit zehn Jahren, haben bis jetzt zwei Alben veröffentlicht und beenden nun nach sieben Jahren Wartezeit ihre 2007 angefangene Wind-Trilogie.

Die sieben Jahre Pause haben sich allerdings gelohnt, ist doch „L’Esprit des Vents“ ein absolut stimmiges und spannendes Album geworden. Textlich beschäftigt sich die Band mit ihren okzitanischen Wurzeln und unternimmt eine Reise durch die Geschichte Frankreichs, Spaniens und Norditaliens. Interessant dabei ist, dass die Texte nicht nur auf französisch, sondern teilweiße auch in okzitanischer Sprache verfasst sind. In perfektem Einklang dazu stehen die mittelalterlichen Melodien, dich sich durch das gesamte Album ziehen. In Kombination mit dem ansonsten recht harsch und rau gespielten Black Metal entsteht eine besondere Klanglandschaft, die erfrischend neu aber auch herrlich nostalgisch klingt.

Besonders die Stücke „La Révolte Des Tuchins“ und „Infâme Saurimonde “ sind Kompositionen der Extraklasse. Die Riffs sind kraftvoll und episch, die Melodien lassen stellenweiße an Iron Maiden-Leads denken und Sänger Spellbound legt so viel Emotion und Energie in seine Performance, dass man direkt Gänsehaut bekommt. Für Aufhorchen sorgt die Verwendung einer Drehleier im Mittelteil von „Infâme Saurimonde“. Sie gibt dem Song einen kurzen Moment der Ruhe und versetzt den Hörer noch mehr in eine mittelalterliche Welt.

AORLHAC beweißen mit „L’Esprit des Vents“ einmal mehr, wie stark französischer Black Metal ist. Das die Band über  Les Acteurs de l’Ombre Productions veröffentlicht verwundert da kaum. Die Band wandert auf dem schmalen Grad zwischen oldschooligen Black Metal und träumerischen Melodien, ohne einer der beiden Seiten den Vorzug zu geben. Nimmt man nun noch hinzu, dass sich AORLHAC keiner obskuren Form von Satanismus, Okklutismus oder Philosophie verschrieben haben, so hat man ein Album bei dem allein die Songs im Mittelpunkt stehen. In Zeiten von Bands, die sich in Sachen Theatralik und Image immer mehr übertreffen wollen eine echte Seltenheit.

Cultus Profano – Sacramentum Obscurus

Es gibt Dinge, die können einfach nicht kopiert werden. Dazu gehört auch der Sound von klassischen Black-Metal-Bands wie Darkthrone, Emperor oder Mayhem. Zu oft wurde schon versucht, diese Bands nachzuahmen und meistens endete das in einem Desaster. Deshalb lässt auch das Debüt von CULTUS PROFANO nichts Gutes erahnen.

Und tatsächlich glänzt „Sacramentum Obscurus“ nicht gerade durch Eigenständigkeit, neue Ideen oder Raffinesse. Stattdessen werden munter alle gängigen Must-Haves des klassischen 90er-Jahre-Black-Metals abgehakt. Einfache, rohe Riffs treffen auf wildes Drumming, gekreischte Vocals und Texte über Satan. Und natürlich darf auch schwarz-weißes Corpsepaint nicht fehlen. An sich spricht das alles nicht gegen CULTUS PROFANO, doch leider klingt jeder Song auf ihrem Debüt gleich.

Der Start in das Album mit „Under The Infernal Reign, Op. 10“ macht noch Hoffnung. Der Song ist schnell, brutal und überzeugt durch seine klassische Attitüde. Auch die nächsten ein bis zwei Nummern machen noch Spaß, doch bald nutzt sich das immer gleiche Songwriting ab. Beim Hören des Albums schweift man immer wieder ab und muss sich zwingen, wieder genau zuzuhören. Es fällt daher schwer, einzelne Highlights herauszustellen.

Eine Beurteilung von „Sacramentum Obscurus“ fällt dennoch nicht leicht. Klar ist das Songwriting monoton, einfallslos und in großen Teile eine bloße Kopie, aber man muss auch den Anspruch der Band beachten. CULTUS PROFANO wollen diese Art von Black Metal spielen und haben gar nicht die Ambitionen, darüber hinaus zu gehen. Somit stellen Nummern wie „Ignis Altare, Op. 5″ oder “ Awakening the Strzyga, Op. 1″ immer noch keine großen Erfolge dar, passen aber in das selbst gewählte Klangkorsett.

Festzuhalten bleibt, dass CULTUS PROFANO natürlich nicht an 90er-Jahre-Größen heranreichen. Weder in Sachen Songwriting noch im Hinblick auf die Produktion. Diese ist für ein traditionelles Black-Metal-Album zu warm und erdig ausgefallen. „Sacramentum Obscurus“ ist Durchschnitt, teilweiße sogar darunter. Fetischisten dieser rohen und primitiven Art von Metal werden dennoch sicherlich Gefallen an diesem Album finden.

DSKNT – PhSPHR Entropy

Die Hochzeiten des bitterbösen „Corpsepaint- & Nieten-Black Metal“ sind schon lange vorbei, und auch der Hype um melancholischen Post-Black-Metal scheint abzuebben. Im Trend hingegen liegt eindeutig „sinister und okkult“. Selbst wenn man es konzeptionell nicht so auf die Spitze treibt wie Batushka mit ihrem orthodoxen Black Metal, sind es derzeit die abgrundtief bösartigen Klänge, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Vornehmlich zeichnen für diese Bewegung Bands aus Island und Frankreich verantwortlich – doch auch die Schweiz hat mit DSKNT nun einen hörenswerten Vertreter dieser Riege hervorgebracht.

Bereits das düstere Artwork ihres Debüt-Albums „PhSPHR Entropy“ ist nichts anderes als die Einladung zu einer Reise in obskure Gefilde einer schwarzmetallenen Klangwelt: Schneidende Gitarren und ein furios bearbeitetes Schlagzeug bilden den Kern der Arrangements, die durch eingestreute noisige Elemente („Kr. Vy. Rites“) und die mal gefauchten, mal fast gegrowlten Vocals abgerundet werden. Die absolut stimmige, wenn auch hässliche Atmosphäre aber, die „PhSPHR Entropy“ bei dem knapp 40-minütigen Ritt aufbaut, verdankt das Album vornehmlich seinem Sound: Dreckig und ungeschliffen, zugleich aber kraftvoll und gerade differenziert genug, um sich von einer verwaschenen Underground-Produktion abzuheben, klingt „PhSPHR Entropy“, wie ein Black-Metal-Album klingen sollte: düster, geheimnisvoll und bedrohlich.

So speist sich die Atmosphäre des Albums auch weniger aus einzelnen, herausstechenden Songs oder Momenten denn aus der schlüssigen Gesamtheit des Werkes: Artwork, Sound und Songmaterial greifen Hand in Hand und entwickeln sich so – wie man es von einem gelungenen Album wünscht – zu mehr als der Summe ihrer Bestandteile. So gelingt es DSKNT, auch Songs mit Spielzeiten von um die zehn Minuten (wie den finalen Titeltrack) trotz eines mäßig abwechslungsreichen Arrangements packend zu halten: Das Chaos will durchdrungen und verstanden werden. Mit diesem Ansatz erinnern DSKNT an Bands wie die französischen Newcomer Au-Dessus, mitunter aber auch an die altgedienten Meister in Sachen vertontes Chaos, Mayhem (zu „Wolf’s Lair Abyss“- / „Chimera“-Zeiten).

Dass man „PhSPHR Entropy“ seine Geheimnisse deswegen stückweise und in einem gefährlichen Kampf entreißen muss, macht hier gerade den Reiz aus: DSKNT machen es dem Hörer nicht eben leicht, Gefallen an ihrem Debüt zu finden. Wer das, und damit „Easy Listening“, erwartet, sollte jedoch vielleicht seine Erwartungen an Black Metal hinterfragen.

DSKNTs Debüt „PhSPHR Entropy“ klingt nicht ungehört, nicht erfrischend neu – dafür aber authentisch düster, chaotisch, verschroben und unter Garantie weder in Richtung Post noch in Richtung Avantgarde Black Metal „verweichlicht“. Wer sich seinen Black Metal gerne erarbeitet, ist hier genau richtig. Alle anderen sollten vielleicht lieber die Finger davon lassen und sich dem nächstbesten, leichter zugänglichen „Mainstream-Black-Metal-Album“ zuwenden.

Außerwelt – Transitions

Manchmal stößt man auf Bands, die einen wirklich begeistern, die es schaffen, einen sofort in ihren Bann zu ziehen und deren Musik einen nicht mehr losläßt. Eine solche Band sind AUßERWELT aus Münster. Die Band ist erst seit 2011 aktiv, brachte 2014 eine erste EP heraus und tritt seit 2012 auch live auf. Nun liegt mit „Transitions“ ihre zweite EP vor. Nach eigener Aussage spielen AUßERWELT Post-Black-Metal, aber das, was auf „Transitions“ geboten wird, geht weit darüber hinaus.

Vergeblich sucht man nach den inzwischen leider für Post Black Metal typischen Laut-Leise-Spielchen, minutenlangen Ambient-Parts oder Songs die sich in der Bedeutungslosigkeit verlieren. Stattdessen servieren AUßERWELT eine gute Mischung aus Black Metal, Post Rock, Death Metal und einem gewissen Anteil Groove. Wie diese Aufzählung schon vermuten lässt, regiert vom Opener „Isolate The Sun“ bis zum abschließenden „Aphotic (Transition II)“ vor allem eines: Abwechslung.

Stellenweise sind die Breaks in der Musik zwar etwas überraschend („Isolate The Sun“), aber genau das macht die Musik von AUßERWELT so spannend. Ziemlich überraschend, ist auch der Klargesang in „Vernal Equinox“. Zum einen hat man nicht damit gerechnet, dass dieser auch zum Repertoire der Band gehört und zum anderen, ist der Klargesang wirklich gut. Hymnisch fast schon spirituell kommt er daher und bereichert den Song immens.

Auch die Produktion sei hier lobend erwähnt. Der Sound kommt druckvoll und klar aus den Boxen, erscheint aber nie zu glatt oder seelenlos. Man merkt, dass hier ein Fachmann an den Reglern saß. Produzent Dennis Koehne arbeitete schon mit Bands wie Sodom oder Melechesh zusammen.

Das Genre (Post) Black Metal braucht Bands wie AUßERWELT. Bands die nicht einfach nur die großen Vorbilder kopieren, sondern eigenständige Musik schreiben. Bleibt zu hoffen, dass die Truppe diesen Weg auch auf ihren weiteren Veröffentlichungen weitergeht.