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Nature Morte – NM1

Um das Logo einer Black-Metal-Band entziffern zu können, benötigt man entweder eine Menge Kreativität oder jahrelanges Insiderwissen – beides dürfte aber nicht helfen, um die zwei Worte auf dem oben abgebildeten Cover entschlüsseln zu können.

Des Rätsels Lösung lautet NATURE MORTE, der Name einer französischen Post-Black-Metal-Band. Entgegen der wörtlichen Übersetzung ihres Namens, Stillleben, gehen die drei Franzosen auf ihrem Full-Lenght-Debüt, unkreativ als „NM1“ betitelt, wesentlich grober vor.

Mit dem Opener „Through The Perfection Of Your Nothing“ eröffnen NATURE MORTE das vier Songs umfassende Debüt im typischen Post-Metal-Stil: Ausschweifende Passagen von Steigerung und Entschleunigung treffen aufeinander, das dynamische Riffing von Gitarrist Stevan rückt dabei unweigerlich in den Vordergrund der Ohrmuschel.

Nicht etwa, dass Drummer Vincent es nicht ebenso gut beherrscht, seine sanften Anschläge am Beckenrand oder die furiose Doublebass dem Motiv der jeweiligen Passagen anzupassen; nur wirkt das Schlagzeug folgend und die Gitarre führend. Unterstützt wird dieses stets homogen abgestimmte Spiel von Sänger und Bassisten Chris, dessen kratzige Screams zur düsteren, Black-Metaldesken Atmosphäre verhelfen.

NATURE MORTE geben auf „NM1“ nicht unbedingt die neusten Anstöße zum Songwriting, hierfür ist das Post-Genre mit seinen gut zwei Dekaden auf dem Buckel schlichtweg zu etabliert. Vielmehr ist es die fließende, harmonische Verquickung von Spannungsbögen und deren Auflösung die einen zehnminütigen Track wie „Black Pram“ von Beginn an abwechslungsreich, aber nicht zu überladen sowie mitreißend, aber nicht zu kitschig klingen lassen.

Wobei an dieser Stelle nochmals zu betonen sei, dass das mit dem tragenden Element des Post-Black-Metals, der Gitarre, steht und fällt: Sind die Riffs fad, werden zehnminütige Songs zur Tortur. Beinhaltet das Gitarrenspiel zu viele Motivwechsel, kann dies auf Kosten der Atmosphäre geschehen.

Oder anders gesagt: Wer wissen möchte, wie man es nicht macht, legt „Thrice Woven“ ein, wer gleich mit einem guten Beispiel für Post-Black-Metal beginnen möchte, sollte sich dieses Album von NATURE MORTE holen. Dass es sich hierbei um das Debüt handelt, macht „NM1“ nur noch sympathischer, denn wie gut kann da bitte der Nachfolger werden?

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Midnight kredenzen neuen Song „Rising Scum“

Die U.S.-amerikanischen Black/Thrash Metaller MIDNIGHT haben mit „Rising Scum“ einen weiteren Song von ihrem kommenden Album „Rebirth By Blasphemy“ veröffentlichtl. Die CD soll am 24. Januar 2020 über Metal Blade Records in den Handel kommen.

MIDNIGHT-Bandleader Athenar kommentiert: Es markiert eine Veränderung im Leben und Neuerfindung, indem man tut, was auch immer man will, und abwartet, was sich daraus ergibt. Es geht um Bejahen, ums Ausschöpfen von Möglichkeiten und den verdammten Mut zum Risiko.

 

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01. Fucking Speed and Darkness
02. Rebirth by Blasphemy
03. Escape the Grave
04. Devil’s Excrement
05. Rising Scum
06. Warning from the Reaper
07. Cursed Possessions
08. Raw Attack
09. The Sounds of Hell
10. You Can Drag Me Through Fire

Das Cover von "Rebirth By Blasphemy" von Midnight

Avslut – Tyranni

Einige Jahre lang wirkte es, als könnte der unermüdliche Quell an hochwertigen Black-Metal-Bands aus dem hohen Norden versiegen. Wie um dem entgegenzuwirken, kommen gerade in der klassischsten Spielart des Genres – dem schnellen, düsteren Black Metal – zuletzt wieder vielversprechende Newcomer nach. Nordjevel etwa, oder AVSLUT die mit ersteren zusammen im Mai die Split Förslavad / Krigsmakt veröffentlicht hatten. Mit „Tyranni“ bringen AVSLUT nun ihr zweites Album heraus.

Obwohl das Werk keine zwei Jahre auf das Debüt „Deceptis“ folgt, kann von einem Schnellschuss nicht die Rede sein: Schon (und gerade) der Opener und Titeltrack weiß als furioser, aber melodischer Black-Metal-Song auf ganzer Linie zu überzeugen. Dark Funeral klingen hier ebenso durch wie die norwegischen Troll, denkt man sich deren symphonische Elemente weg. Aber auch ein Einfluss der neue Black-Metal-Schule – im Stile von AVSLUTs Landsmännern Posthum etwa – lässt sich heraushören. Man soll mit Superlativen ja stets sparsam umgehen – aber ob in dem Genre 2019 ein stärkerer Song vorgestellt wurde, ist zumindest fraglich.

Entsprechend stehen AVLSUT allerdings etwas unter Zugzwang. Dass das Album „Tyranni“ in den folgenden gut 40 Minuten der Qualität des Songs „Tyranni“ etwas hinterherläuft, ist nur beim ersten Hören enttäuschend. Denn betrachtet man das Album losgelöst von unerfüllbaren Erwartungen, stellt man schnell fest, dass die anderen acht Stücke ebenfalls auf verdammt hohem Niveau rangieren.

Angetrieben von einer auf enormem Tempo quasi durchlaufenden Doublebass bieten AVSLUT mal rabiates Riffing („Likvidering“), mal schleppendes („Allt Förgås“). Früher oder später zücken die Schweden jedoch stets ihre Wunderwaffe: im Tremolopicking gesägte Melodien von wirklich ausgesuchter Schönheit. Wenngleich AVSLUT sicher nicht in jedem Detail nach Dark Funeral klingen, ist der Vergleich zu diesen bei Stücken wie „Underjordens Apostlar“ schlicht unausweichlich: Selbst zwischen dem Gesangsstil von Sänger Christian Jönsson Baad alias C. und jenem von Masse Broberg alias Emperor Magus Caligula finden sich erstaunliche Parallelen.

Vielleicht ist „Tyranni“ nicht das Über-Album, das man sich nach der Vorab-Single erhofft hatte – aber definitiv nicht weit davon entfernt. Für eine Band, die erst seit drei (!) Jahren aktiv ist, sind AVSLUT mit zwei EPs und nun zwei Alben nicht nur extrem schnell, sondern auch extrem versiert: Schnellen, melodiereichen Black Metal hat man besser gemacht lange nicht gehört. Und wer weiß, zu was die Herren noch in der Lage sind, wenn sie jetzt die nötige Unterstützung erhalten? In unser aller Sinne: Kaufbefehl!

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Kharnath – The Downfall

In Zeiten, in denen die bekanntesten Bands gefühlt alle gleichzeitig ihre hochglanzpolierten, neuen Alben auf den Markt werfen, gelüstet es den einen oder anderen vielleicht mal wieder nach gutem, altem Underground-Black-Metal. Jenen dürfte mit „The Downfall“ der Salzburger Combo KHARNATH geholfen sein.

Doch wer beim Wort „Untergrund“ zusammenzuckt, weil er es mit „Krach“ und „so schnell und laut wie möglich“ verbindet, sei beruhigt: Bei KHARNATH handelt es sich um ernsthafte Musiker, die alle bereits Erfahrungen in anderen Bands gesammelt haben und denen Qualität und Atmosphäre in ihrer Musik sehr wichtig sind.

So eröffnet der erste Track „Solitude“ die EP als schweres, packendes Midtempo-Konstrukt. Man spürt sofort die Liebe zum Black Metal: Sogleich versuchen KHARNATH, eine Klangumgebung zu schaffen, in die der Hörer sich fallen lassen kann, bevor knochiges Growling dem Ganzen den letzten Schliff gibt. Die Gitarrenlinien ziehen den Hörer in die Musik und erinnern in kurzen Passagen ganz entfernt an Dissection. Ohne, dass das Material in sich dadurch weniger stimmig würde, setzen KHARNATH doch auf Abwechslung: So ist das Growling mal mit viel Hall unterlegt, während die Gitarren es melodisch umgarnen, dann wieder sorgt das Schlagzeug für Schub, bevor eine andere Melodielinie die Oberhand gewinnt. Man lässt der schöpferischen Kraft hier also freien Lauf, was etwa „Solitude“ auch entsprechend lang, aber nicht langweilig macht. Auch mit dem beinahe „poetisch gegrowlt“ gesprochenen Part in „Voices“, dem eine dichte Gitarrenwand folgt, schaffen KHARNATH eine diabolische Stimmung, die der starken Aura der Kompositionen guttut.

Trotzdem ist „The Downfall“ nicht perfekt: So irritiert die abrupte Eröffnung des zweiten Stücks, die wirkt, als hätte man beim Mixing die Eröffnungmomente einfach abgeschnitten. Auch gibt es Soundmakel, die es bei größeren Produktionen natürlich nicht gegeben hätte. Das kommt aber wiederum der rohen Underground-Atmosphäre zugute.  Alles in allem werden Black-Metal-Fans auf dieser EP von KHARNATH gut unterhalten, und wer über den einen oder anderen holprigen Moment hinwegsehen kann, darf sich voll und ganz dem ansteckenden, kompromisslosen Charakter der „The Downfall“-EP hingeben.

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Ihsahn: EP und neuer Song

IHSAHN hat für den 14. Februar 2020 eine neue EP angekündigt. „Telemark“ wird die erste von zwei EPs sein, wobei die erste die dunkle Seite IHSAHNs in den Fokus stellt. Mit „Stridig“ gibt es nun den ersten Song zu hören.

Die „Telemark“-Tracklist:

1. Stridig
2. Nord
3. Telemark
4. Rock ‘n’ Roll Is Dead (Lenny-Kravitz-Cover)
5. Wrathchild (Iron-Maiden-Cover)

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Maïeutiste – Veritas

Maieutik, der altgriechische Begriff für Hebammenkunst, bezeichnet die von dem Philosophen Sokrates angewandte Methode des Dialogs, nach welcher man seinem Gegenüber durch gezielte Fragen zur Erkenntnis verhilft. Dass sich die französischen Black-/Doom-Metaller MAÏEUTISTE nicht nur nach ebendiesem philosophischen Ansatz benannt, sondern ihre erste Demo gar „Socratic Black Metal“ getauft haben, mag prätentiös erscheinen – ihre hoch angesetzten Ambitionen konnte man der Band nach ihrem selbstbetitelten Debüt jedoch nicht mehr absprechen. Bei der Umsetzung ihrer Vision übernahmen sich MAÏEUTISTE allerdings noch ein wenig, sodass die Platte zwar viel Abwechslung bot, jedoch einen roten Faden vermissen ließ und nicht die vollen 76 Minuten ihrer beträchtlichen Spielzeit hindurch für Begeisterung sorgte. Mit „Veritas“ folgt nunmehr vier Jahre danach das zweite Album, auf dem sich die Franzosen etwas fokussierter zeigen.

Dies fängt schon beim Umfang der Veröffentlichung an. MAÏEUTISTE haben ebendiesen hier auf 54 Minuten gekürzt, von denen wiederum acht Minuten – Achtung, Spoiler! – auf die Stilleperiode entfallen, die den eigentlichen Abschlusstrack „Veritas II“, in welchem MAÏEUTISTE das melodische Motiv des eröffnenden Titeltracks auf kohärente Weise wieder aufgreifen, von dem „geheimen“ Stück im Stück abgrenzt. Ob es sich lohnt, so lang auf ein kurzes Dark-Ambient-Outro zu warten, sei freilich dahingestellt. Grundsätzlich haben die Black-/Doom-Metaller jedoch gut daran getan, sich bei der finalen Auswahl des verwendeten Songmaterials de facto mit einer guten Dreiviertelstunde zu begnügen – auf diese können MAÏEUTISTE nämlich umso stolzer sein.

Wie bereits erwähnt hat es das Duo diesmal geschafft, seinen progressiv angehauchten Mix aus Black und Doom Metal konsistenter zu gestalten, sodass die Anleihen aus gänzlich anderen Genres nicht länger deplatziert erscheinen und sich sogar ein 15-minütiges Doom-Monstrum von einem Track wie „Vocat“ weder überladen noch zerfahren anfühlt. An Vielseitigkeit mangelt es „Veritas“ jedenfalls wirklich nicht: Das mächtige „Infinitus“ erinnert mit seinem Mahlstrom aus Growls, Gitarren und Drums an Opeth, im anmutigen Interlude „Spiramus“ versprühen MAÏEUTISTE mittels Akustikgitarre und Geige einen auch im Artwork zum Ausdruck kommenden, geschmackvollen Barock-Flair und „Veritas II“ beginnt mit lieblichen Post-Rock-Gitarren, die selbst Alcest kaum besser hinbekommen hätten.

Hinsichtlich der den Großteil der Laufzeit ausmachenden Black-Metal-Parts überraschen MAÏEUTISTE zum Teil mit groovenden Riffs und Rhythmen sowie mit zwischendurch eingestreuten, theatralischen Clean-Vocals, die sogar ICS Vortex Konkurrenz machen könnten, im Mix allerdings leider etwas zu kurz kommen. Von diesem kleinen Manko abgesehen überzeugt das Album aber auch bezüglich der kraftvollen, ausdifferenzierten Produktion.

Sieht man MAÏEUTISTE ein paar kleinere Fauxpas wie den etwas zu leise abgemischten Klargesang und den überflüssigen „Hidden-Track“, auf den es sich nicht wirklich zu warten lohnt, nach, kann man „Veritas“ problemlos als rundum gelungenes Album bezeichnen. Die Franzosen haben darin zahlreiche interessante Einfälle verarbeitet und dadurch ihre bis dato spannendsten Kompositionen hervorgebracht, sodass selbst die längsten Songs der Platte nie ihre Wirkung verfehlen. Ihre dramatische Mischung aus ungestümem Black Metal, niederschmetterndem Doom Metal und dezenten Prog-, Klassik- und Post-Rock-Einflüssen haben MAÏEUTISTE hiermit zur vorläufigen Vollendung gebracht. Wer nach dem überdimensionierten Debüt in Bezug auf die Band noch skeptisch war, sollte ihr nun definitiv noch eine Chance geben.

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Tobias Solbakk

  • Englische Version

    Sometimes you hear a name that doesn’t ring a bell, although you might have seen this person live on stage already. We would like to introduce some interesting musicians to you. Let’s start with drummer Tobias Solbakk, that many of you might have seen as IHSAHNS live drummer during the last tour in 2018. An interview about drumming, his countless bands and the corresponding tour experiences of the young Norwegian.

     

     

     

    How did you start playing drums?
    I started out the same way a lot of young drummers do, with rolled up newspapers as sticks and kitchenware as drums. After a while my parents asked me if I wanted to get a teacher at around age six. I was never sure if I wanted to be a professional drummer until I started studying music in high school though. Then I took lessons for a long time, I owe my teachers a great deal!

    What other instruments have you learnt and do you still practice?
    In addition to drums, I would say keys (to some extent) and laptop. I use a lot of technology and synths in the bands I play in, and I often end up with a little too much responsibility for things like this. It is always on my own initiative though, so I must like it in some way!
    I practice each day if I can, it helps keep the hands and feets sharp. There are periods when this becomes harder to keep up (touring, traveling etc.), and I always start to feel it pretty quickly if I haven’t done it in a little while.

    Some other instrument that you would like to learn in the future?
    I definitely want to become a better pianist, it would benefit the music I write a lot to be able to think and play out ideas instead of programming them. I also have just started to do some backing vocals in a couple of bands, so I will have to practice that as well.

    What bands/ projects are you working for right now? Which of those have your priority?
    It is hard to say what has priority, I kind of butterfly between bands in different periods and end up spreading out my energy pretty evenly to be honest.

    Kubbi – electronic music, chiptune. Awesome project that I get to play with live, writing this on the plane from Portugal after a show there!
    VIAN – electronic pop, synth heavy stuff with blissful vocals in the Norwegian tongue.
    Frukt – progressive metal, inspired by Opeth and Karnivool. Working on the second album now! Just got home from a writing session, the new stuff is going to be smacking, loving the sound of it. Looking forward to doing it live!
    Tobias Solbakk – I have my own solo project where I make weird electronic songs. Working on and off on the second album now.
    In Vain – progressive/extreme metal. Super fun band, a loooot of double bass stuff, I get my workouts mostly here.
    Ihsahn – black/progressive metal, great music and lovely people all around, always fun to work with him!
    Runar Nørsett Trio – jazzy and playful, one of the bands I get to use a small drum kit with.
    DUALISTIC – crazy jazz-metal band full of grand piano and drums, spearheaded by the former keyboard player of Shining, Bernt Moen.
    Alroys Pipedream – awesome acid/prog rock, driven by distorted organs and weirdness. Working on the first album now!
    Rendezvous Point – been doing some sporadic substituting for Baard Kolstad in his band Rendezvous Point. Super tough gig, a great challenge for sure!

    I also do a lot of freelance gigs and substituting with projects that come and go, choosing not to include them in this list. I have a lot of exciting things coming up, but I can’t say any more for now.

    These styles are pretty wide spread. So, to which musical style does your heart belong most?
    I have wondered a bit about this myself. If I have to pick a style, I would say both new and old school progressive rock. King Crimson, Porcupine Tree, Tool, Opeth, stuff like that. It is some of the first music my parents showed me, I am thankful for that!

    Which of the bands you work for is the musically most challenging for you regarding the level of difficulties and enhancement?
    Good question! The substitute work in RENDEZVOUS POINT comes to mind immediately, Baard writes some crazy drum parts that always freaks me out when I realize I have to learn them. Learning that stuff always vastly improves my skills (and makes for a great deal of frustration!)
    IN VAIN is also pretty heavy for me regarding endurance, there is a lot of long double bass parts in the songs.
    Musically, I feel that there is a good challenge with all the bands I play in. There is always something that demands focus and attention, if it is blasting a festival with Ihsahn or playing “Living On A Prayer” at 3 a.m. in front of a wasted crowd.

    Which of all the songs you played live in the past (including those as guest drummer) is the most difficult to play for you and why?
    “Para” by RENDEZVOUS POINT is pretty high up there. It uses quintuplets as a subdivision, something I hadn’t worked on a lot when I first learned it. It took weeks and weeks to play it with anything resembling flow and musicality.
    “Universal Chaos” from their second album is also pretty heavy, I just don’t have the double bass game (yet!) to play it well. Working on that as we speak, got some tips from Dan Presland, the drummer from NE OBLIVISCARIS during the last tour with IHSAHN.

    Are you taking part in drummer contests or drum festivals as a solo drummer or anything special like this?
    I did a few scholarship contests when I was a bit younger, but not in recent years, no. I love drum solo stuff though, perhaps this is something to pursue a bit?

    Who are your heroes/ favorite drummers and why?
    Benny Greb is a huge influence for me. He’s a German drummer well known in the drummer community, he has an awesome groove and a super awesome sound. I have been fortunate enough to spend a couple of weeks with him in Germany through his masterclass-program.
    Dan Mayo, Jojo Mayer, Vinnie Colaiuta, Mark Gulliana, Gavin Harrison, Nate Smith…. the list goes on and on.

    Are you endorsed by any sponsors?
    Not any of the big ones, but I have a pretty clear dream list:
    1.) Zildjian or Istanbul Agop for cymbals. I have a lot of different brands that I own and like, but these are the ones that are special to me.
    2.) Vic Firth for sticks. Since childhood, I always come back to this brand.
    3.) Remo for drumheads. Same as Vic Firth, lovely feel and tone, hard to use anything else.
    I don’t really have a favourite drum manufacturer, but if I had to choose it would probably be Craviotto, Ludwig, A&F or Gretsch.

    Must you use different drum sticks for different styles in music?
    Actually yes! For pop, rock and the heavier stuff I use Vic Firth 55A, a stick with a bit more heft to it than the standard 5A. I am a huge guy with big hands, so it is nice to have a bit more to hold on to.
    For jazz and softer stuff I use thinner sticks like the Vic Firth AJ3, they are a bit more bouncy and a bit more playful, I find it easier to improvise and play delicate things with them.

    How do you prepare yourself before a show?
    A good night’s sleep, practice and warmup. I tend to be a pretty boring guy on tour because I sleep a lot, but I feel that I need it to be able to perform. I also have to rehearse a lot by myself, so I can play the songs with confidence and feeling, as opposed to only focusing on remembering how the song goes.

    What kind of routines do you work on when you practice? Do you practice with a metronome?
    A lot of different stuff, mostly on drum pads since I live in a flat nowadays. I often try to find new stuff or make my own routines from existing ones, but it can be challenging to figure out where to start. Books can be super helpful here! Coordination is a recurring theme for my routines, I still have a long way to go there.
    I almost always practice with a metronome, often with only one click per bar or every other bar, just to internalize my sense of time. A lot of stuff I do is on tracks, so it is very vital for me to be able to play effortlessly with a metronome.

    Do you use triggers in the studio or live? What’s your opinion on triggers and drum modules?
    No, not for now at least. I think triggers have their purpose, especially in the faster genres. If Dan Presland of NE OBLIVISCARIS would not use triggers, the kicks would be super muddy live, the music is just too fast. If you look at the physics of a bass drum, you are moving a lot of air inside a big cylinder. If you do it too fast, it will just be a mess no matter how you’ll mic it.
    So, the short answer is, as long
    as I ́m not playing suuuper fast, I won’t be using triggers.

    You have toured with IHSAHN in the past. What are your highlight memories so far? How does it feel to work for a living legend?

    Yes, and will continue to do so thankfully!
    One of the biggest highlights of my career so far is the first show I did with him. We headlined a festival after PAIN OF SALVATION (childhood heroes of mine) in Romania. I was pretty new to the metal scene at that point, so to play in front of a crowd of ten thousand was absolutely mind blowing. In addition, Einar Solberg (LEPROUS) and Øystein Landsverk (former LEPROUS) joined this gig, and we played Ihsahn’s song “Celestial Violence” live for the first time ever. What a night!
    It feels really fun and weird at the same time to work with a name like IHSAHN. I never was a part of the black metal community, so I first came to know him just as Vegard when he called me. I still sometimes forget how big his name is in the metal world.

    Which are your favourite Ihsahn songs?
    „My Heart Is Of The North“ (I also love playing it live, it has this awesome groove) and „Celestial Violence“.

    What makes a good drummer (besides rehearsing of course and besides the love for the instrument)?
    Good question! I think, actually listening to the music is a key point that we drummers tend to forget. We rely a lot on muscle memory because of the coordination aspect of the instrument, so it is easy to forget about the music and just play what feels good for the body. I really have to think and listen to be able to react to the little things that changes from gig to gig; dynamics, improvisation, tempo and so on. I usually sleep very well after gigs because I am so exhausted afterwards!

    Nowadays it seems to be hard for bands to find a good drummer. What do you think is the reason for this?
    I don’t think I have noticed this trend too much, finding good drummers all over the place!
    It is a bit of a hassle to learn the drums for sure, it requires a big instrument and a room that can handle a lot of sound over an extended period of time. Despite all of this, I find that the drums are one of the more popular instruments to learn along with vocals and guitar, at least in Norway.

    How many offers of bands to become their drummer did you already have to decline?
    I don’t have an exact number, but there have been some declines yes. I generally say yes to as much as possible, if I feel I have the energy for it and I find it fun.

    Did you ever have a plan B instead of becoming a professional drummer? What profession can you imagine doing once your physics don’t allow you to drum anymore?
    Not really! Maybe something involving programming and computer engineering? I love the use of technology in music, so I do a lot of stuff like that already.
    I will do my best to be able to play drums for as long as possible. Fortunately, there are a lot of jobs in music that do not require the physicality of drumming. Producing, teaching, composing, researching and engineering are all things I like to do that I can keep on doing no matter what happens!

  • Deutsche Version

    Manchmal hört man einen Namen und kann damit gar nichts verbinden, obwohl man diesen Musiker vielleicht sogar schon einmal live gesehen hat. Heute möchten wir euch deshalb Tobias Solbakk vorstellen, einen der beiden Live-Schlagzeuger von IHSAHN. Ein Gespräch über das Schlagzeugspiel, seine unzähligen Bands und die entsprechenden Tour-Erfahrungen des jungen Norwegers.

     

     

     

    Wie kamst du zum Schlagzeugspielen?
    Ich habe genauso wie wahrscheinlich schon viele andere vor mir angefangen: mit zusammengerollten Zeitungen als Drumsticks und mit Küchenutensilien als Ersatz für das Schlagzeug. Als ich etwa sechs Jahre alt war, fragten mich meine Eltern, ob ich denn gerne richtigen Schlagzeugunterricht nehmen möchte. Ich war mir damals eigentlich lange Zeit nicht sicher, ob ich professioneller Drummer werden möchte. Das kam dann erst, als ich in der Oberstufe richtig anfing, Musik zu studieren. Danach habe ich lange Zeit Einzelunterricht bekommen. Ich verdanke meinen Lehrern unglaublich viel.

    Welche anderen Instrumente hast du gelernt?
    Zusätzlich zum Schlagzeug habe ich Keyboard gelernt. Aber auch der Laptop war quasi ein Musikinstrument, denn ich benutze viele Technologien und Synthesizer-Sounds in den Bands, für die ich spiele. Am Ende bin ich dann immer derjenige, der die Verantwortung für diesen Teil aufgebrummt bekommt. Aber da das immer auf meine Initiative hin passiert, muss ich es wohl irgendwie mögen. Ich übe jeden Tag, sofern ich kann. Das hilft, die Hände und Füße beweglich zu halten. Manchmal ist es natürlich schwieriger, das aufrecht zu erhalten, zum Beispiel auf Tour, oder wenn man anderweitig verreist. Und dann merke ich es ziemlich schnell, wenn ich mal ein paar Tage lang nichts gemacht habe, weil man vieles schnell verlernt.

    Gibt es noch Instrumente, die du in Zukunft gerne lernen würdest?
    Ich würde gerne das Klavierspielen richtig lernen. Das wäre auch hilfreich in Bezug auf die Musik, die ich komponiere, denn dann könnte ich die Ideen, die ich habe, auf dem Klavier spielen, anstatt sie im Computer zu programmieren. Neuerdings habe ich ja auch angefangen, bei einigen Bands Background-Gesang zu machen, das bedarf natürlich auch weiterer Übung.

    In welchen Bands/Projekten bist du denn jetzt überall involviert und welche davon hat Priorität?
    Das ist tatsächlich schwer zu entscheiden, welche Priorität hat. Ich flattere wie ein Schmetterling zwischen den einzelnen Bands hin und her und lasse meine Energie dort, wo sie gerade gebraucht wird. Hier die Bands:
    1. KUBBI – Elektronische Musik, Chiptune. Das ist ein spannendes Projekt, für welches ich live spiele.
    2. VIAN – Elektronischer Pop/Synthie, nicht ganz einfache Musik mit Gesang auf Norwegisch.
    3. FRUKT – Progressive Metal, der von Opeth und Karnivool inspiriert wurde. Wir arbeiten gerade am zweiten Album. Das neue Material wird viel intensiver reinhauen. Ich liebe den Sound. Das wird live großartig werden!
    4. TOBIAS SOLBACKK – Ich habe mein eigenes Solo-Projekt, mit welchem ich abgespacte, elektronische Musik mache. Je nachdem, wann ich mal Zeit habe, arbeite ich weiter am zweiten Album.
    5. IN VAIN – Progressive/Extreme Metal. Diese Band macht richtig Spaß, denn es gibt Unmengen an Double-Bass-Passagen in der Musik, das ersetzt mir das Fitness-Studio.
    6. IHSAHN – Black Metal/ Prog, großartige Musik und immer tolle Musiker mit auf Tour, es macht so viel Spaß, dabei zu sein!
    7. RUNAR NØRSETT TRIO – Stimmungsvoller Jazz, hierbei brauche ich nur ein kleines Drumkit.
    8. DUALISTIC – Eine verrückte Jazz-Metal-Band mit Flügel und Schlagzeug, angeführt von Bernt Moen, dem früheren Keyboarder der Norwegischen Band Shining.
    9. ALROY’S PIPEDREAM – Ein unglaubliches Acid/Prog/Rock-Projekt mit verzerrten Sounds und anderen Verrücktheiten. Wir arbeiten gerade am ersten Album.
    10. RENDEZVOUS POINT – Ich springe immer mal wieder als Ersatz-Schlagzeuger für Baard Kolstad ein, es ist ja seine Band. Mit Sicherheit sind sie live sehr anspruchsvoll. Eine großartige Herausforderung!
    Des Weiteren spiele ich viele Auftritte als Freiberufler, mische also hier und da in verschiedenen Projekten mit. Aber das wäre zu ausufernd, sie hier alle aufzuzählen. Es sind viele aufregende Projekte, die demnächst anstehen, leider darf ich nicht über alle reden.

    Das ist ja ein ganz schön wilder Stil-Mix! An welchem Genre hängt dein Herz denn am meisten?
    Das habe ich mich selbst auch schon gefragt. Wenn ich wählen müsste, würde ich mich wohl für den Progressive Rock der alten Schule entscheiden. King Crimson, Porcupine Tree, Tool, Opeth, sowas in der Art. Das war die erste Musikrichtung, mit der meine Eltern mich konfrontiert hatten, und dafür bin ich dankbar.

    Welche der oben genannten Bands stellt denn die größte Herausforderung dar, was den Schwierigkeitsgrad betrifft?
    Da kommen mir sofort meine Gastauftritte für RENDEZVOUS POINT in den Sinn. Baard Kolstad hat sich dafür ja ein paar verrückte Schlagzeug-Parts ausgedacht. Das treibt mir jedes Mal den Angstschweiß auf die Stirn, wenn ich daran denke, dass ich das einüben muss. Das ist manchmal ganz schön frustrierend, aber es verbessert am Ende auch mein Können. IN VAIN sind auch ganz schön hart, was das Durchhalten betrifft. Da gibt es viele lange Double-Bass-Parts. Musikalisch sind ansonsten alle Bands eine gute Herausforderung, denn es gibt immer etwas, worauf man sich konzentrieren muss oder beachten muss, ganz egal, ob man ein großes Festival mit IHSAHN spielt oder um 3 Uhr nachts auf einer Privatparty „Living On A Prayer“ vor Betrunkenen.

    Und welcher Song speziell ist am schwierigsten zu spielen?
    “Para” von RENDEZVOUS POINT ist ganz oben auf der Liste. Daran musste ich verdammt lange arbeiten, nachdem ich es das erste Mal gehört hatte. Es dauerte Wochen, bevor ich es einigermaßen annehmbar spielen konnte, so dass es einen guten Flow hatte. „Universal Chaos“ von ihrem zweiten Album ist auch ziemlich knifflig. Zum Glück half mir Dan Presland bei den Double-Bass-Parts. Er ist der Schlagzeuger von Ne Obliviscaris, die als Support mit IHSAHN getourt sind.

    Nimmst du an irgend welchen Schlagzeug-Wettbewerben teil?
    Ich habe an ein paar Schul-Wettbewerben teilgenommen, als ich jünger war. Aber in den vergangenen Jahren nicht. Ich liebe es, Schlagzeug-Solos zu spielen. Vielleicht wären wären Wettbewerbe eine gute Gelegenheit dafür.

    Wer sind deine Vorbilder unter den Schlagzeugern?
    Benny Greb beeinflusst mich sehr. Er ist ein deutscher Schlagzeuger mit einem einzigartigen Groove. Ich durfte einmal ein paar Wochen mit ihm verbringen in einem seiner Meisterklasse-Programme. Dann sind da noch Dan Mayo, Jojo Mayer, Vinnie Colaiuta, Mark Gulliana, Gavin Harrison, Nate Smith…. eigentlich könnte die Liste immer weitergehen.

    Wirst du gesponsort?
    Nicht von irgend welchen bekannten Firmen. Aber ich habe natürlich eine Traum-Liste: Zildjian oder Istanbul Agop für die Becken. Ich habe eine Menge verschiedener Becken von diversen Firmen, aber diese sind die besten. Vic Firth für die Drumsticks. Seit meiner Kindheit lande ich immer wieder bei dieser Marke. Remo für die Trommelfelle. Genau wie bei Vic Firth ist es schwer, etwas Besseres zu finden. Ich habe keine Lieblingsmarke für die Trommeln, aber wenn ich wählen müsste, wäre es sicher Craviotto, Ludwig, A&F oder Gretsch.

    Musst du für die verschiedenen Musikstile verschiedene Drumsticks verwenden?
    Ja, tatsächlich. Für Rock/Pop oder die schwereren Gangarten benutze ich Vic Firth 55A, einen Drumstick mit etwas mehr Gewicht als der Standard-Stick 5A. Ich bin ein großer Typ mit großen Händen, da ist es besser, wenn man etwas mehr Gewicht in der Hand halten kann. Für Jazz und die sanfteren Klänge benutze ich die dünneren Sticks wie Vic Firth AJ3, die federn leichter zurück. Damit kann man virtuoser sein und besser improvisieren in heiklen Passagen.

    Wie bereitest du dich auf einen Auftritt vor beziehnungsweise bleibst auf Tour fit?
    Tatsächlich ist guter Schlaf über Nacht wichtig. Dann Übung und Aufwärmen. Auf Tour bin ich eher ein langweiliger Typ, denn ich schlafe tatsächlich sehr viel. Aber ich fühle, dass ich das brauche, um dann gut spielen zu können. Außerdem muss ich viel für mich selbst üben, damit ich die Songs später selbstbewusst und voller Gefühl spielen kann, und nicht nur damit beschäftigt bin, mich zu erinnern, wie man die Lieder spielt.

    Wie probst du zuhause? Mit oder ohne Metronom?
    Da ich in einer Wohnung lebe, muss ich darauf achten, dass es nicht zu laut wird, somit muss ich mit allerhand Tricks arbeiten, die die Lautstärke dämpfen (etwa Bücher vor den Trommeln). Ich versuche, meine Routinen oftmals zu durchbrechen, als Herausforderung. Immer wieder muss ich allerdings an meiner Koordination arbeiten. Ich habe noch eine Menge Übung vor mir. Fast immer benutze ich ein Metronom. Manchmal minimiere ich die Klicklaute, um mein Taktgefühl zu schärfen.

    Was hältst du von Triggern und Drum-Modulen beim Schlagzeugspielen?
    Nein, sowas benutze ich nicht. Natürlich haben Trigger ihre Daseinsberechtigung, speziell bei den schnelleren Stilrichtungen. Wenn etwa Dan Presland (von NE OBLIVISCARIS) keine Trigger benutzen würde, würde alles ziemlich schlammig klingen. Um es kurz zu machen: Solange ich nicht super schnell spielen muss, werde ich keine Trigger benutzen.

    Du hast mit IHSAHN getourt. Gibt es schöne Erinnerungen? Wie fühlt es sich an, mit einer lebenden Legende zu touren?
    Ja, habe ich und werde ich auch weiterhin, zum Glück! Einer der herausragendsten Höhepunkte meiner bisherigen Karriere war mein erster Auftritt mit IHSAHN. Wir waren Headliner bei einem Festival in Rumänien, bei dem auch meine Helden Pain Of Salvation auftraten. Ich war damals noch relativ neu in der Metal-Szene. Insofern war es überwältigend, vor Zehntausenden von Zuschauern zu spielen. Zusätzlich kamen dann auch Einar Solberg (Leprous) und Øystein Landsverk (ehemaliger Leprous-Gitarrist) mit auf die Bühne, um gemeinsam „Celestial Violence“ von Ihsahn zu spielen, welches privat einer meiner Lieblingssongs von IHSAHN ist. Was für eine Nacht! Es fühlt sich eigenartig an, mit einem so bekannten Namen wie IHSAHN aufzutreten. Ich war ja vorher kein Teil der Metal-Szene und er wurde mir damals einfach nur als Vegard vorgestellt. Ich vergesse manchmal, was für einen großen Namen er in der Metal-Szene tatsächlich hat.

    Was macht einen guten Schlagzeuger aus (neben der Liebe zum Instrument und neben viel Übung natürlich)?
    Gute Frage. Ich denke, manchmal vergessen wie Schlagzeuger, uns die Musik erst mal richtig anzuhören. Wir konzentrieren uns darauf, wie der Schlagzeugsound klingen soll, ohne vielleicht eher zu erfühlen, was die Musik benötigt, um aufzuleben. Manchmal sollte man richtig zuhören und sich hineindenken, und dann auch auf Kleinigkeiten reagieren, denn die können von Gig zu Gig anders sein: Dynamik, Improvisation, Tempo, und so weiter. Ich schlafe echt gut nach Live-Gigs, weil ich so ausgelaugt bin danach.

    Heutzutage scheint es für Bands schwierig zu sein, einen guten Schlagzeuger zu finden. Oder wie siehst du das?
    Ich habe das gar nicht gemerkt. Ich kenne viele gute Drummer. Natürlich ist es ein besonderer Aufwand, es zu lernen, da das Instrument so viel Platz benötigt und man einen Übungsraum braucht, wo man mit dem Lärm niemanden stört. Aber ich finde, heutzutage ist es eher populär, Schlagzeug zu lernen. Natürlich neben Gesang und Gitarre, zumindest hier in Norwegen.

    Wieviele Angebote von Bands musstest du schon ausschlagen?
    Ich habe natürlich keine genaue Angabe, aber es gab schon einige Absagen. Ich versuche, zu so vielen wie möglich „Ja“ zu sagen, wenn ich noch Energie dafür übrig habe und denke, dass diese Musikrichtung mir Spaß bringen wird.

    Hattest du jemals eine Plan B, außer Schlagzeuger zu werden?
    Nicht wirklich. Allerhöchstens etwas mit Programmierung oder Computern könnte ich mir noch vorstellen. Ich mag es ja auch, am PC zu komponieren und das zu programmieren. Insofern bin ich ja bereits in der Materie drin.Aber ich werde mein Bestes geben, um so lange wie möglich als Schlagzeuger arbeiten zu können. Zum Glück gibt es ja auch viele Jobs in der Musikbranche, wo man nicht unbedingt physisch anwesend sein muss: Produktion, Musiklehrer, Komponist, Techniker und so weiter. Daran werde ich mich halten, solange ich kann.

Dieses Interview wurde persönlich geführt.

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Fotos von: Uta A. (Gastredakteurin)

Flykt – Charnel Heart

Aus Bloodshed wurden Rev 16:9, aus Rev 16:9 wurden FLYKT? Ganz so einfach ist die Geschichte dieser 2016 gegründeten schwedischen Formation vermutlich nicht. Wer jedoch versucht, die personellen Überschneidungen und Verstrickungen dieser schwedischen Black-Metal-Bands zu entwirren, scheitert nicht nur daran, dass FLYKT ihr Lineup (noch) erfolgreich geheim halten.

Bekannt ist nur, dass FLYKT aus Mitgliedern von Valkyria und besagten, 2012 nach zwei starken Alben aufgelösten Rev 16:8 bestehen. Und tatsächlich sind FLYKT stilistisch gar nicht so weit von Rev 16:8 und Valkyrja entfernt: Vergleichsweise komplexes Riffing trifft auf eine Prise Black-’n‘-Roll-Ambiente, kraftvolles Schlagzeugspiel und fiesen Gesang, der zumindest mutmaßen lässt, es könnte sich um S.Wizen handeln.

Mit diesen Stilmitteln veranstalten die Schweden ordentlich Wirbel: Schon der Opener „Compendium Of Sacrifice“ enthält von fiesem Blastbeat über groovige Bass-Lines zu rockigem Riffing, schneidende Gitarrenleads und herrlich heiserem Gekeiffe alles, was man sich von schwedischem Black Metal wünschen kann. Zugegebenermaßen nichts davon klingt ungehört, selbst in der Kombination nicht (Watain, Ondskapt und Konsorten lassen grüßen) – aber gut gemacht.

Die tatsächliche Qualität von „Charnel Heart“ steckt aber darin, dass FLYKT sich damit nicht begnügen. Stattdessen probieren sie sich erfolgreich im Midtempo („The Great Assessination“) oder sogar im schleppenden Downtempo, etwa in der ersten Hälfte von „The Great Collapse“, ehe sie zu den eingangs erwähnten und gezeigten Tugenden traditionell schwedischen Black Metals zurückkehren. Mit „Cadaver Of Doubt“ ist dann auch noch ein echter Black-’n‘-Roll-Song (fetzt!) auf „Charnel Heart“ zu finden – während der achtminütige Titeltrack und Rausschmeißer „Charnel Heart“ mit viel Melodie nochmal so richtig „schwedisch“ klingt.

Dass bei FLYKT erfahrene Musiker am Werk sind, merkt man „Charnel Heart“ nicht nur in den technischen Aspekten (Instrumentbeherrschung, Sound etc.) an, sondern auch und gerade im Songwriting: Das Album klingt atmosphärisch wie aus einem Guss und musikalisch zugleich so vielseitig, wie es genrekonformer schwedischer Black Metal nur sein kann. Damit treten FLYKT vielleicht noch nicht aus dem Schatten der etablierten Bands, zumindest aber in die Fußstapfen von Rev 16:8.