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Heir – Au Peuple De l’Abîme

Wer düsteren Post-Black Metal hören will, ist dieser Tage gut beraten, sich durch den Roster von Les Acteurs De l’Ombre Productions zu hören: Qualität statt Quantität lautet bei den Franzosen die Devise – echte Enttäuschungen finden sich unter den Releases des Labels bislang kaum. Auch „Au Peuple De l’Abîme“ – nach nur einer Demo und einer Split (mit Spectrale und In Cauda Venenum) das erste Full-Length der erst 2015 gegründeten Formation HEIR – ist, wenn es auch noch ein paar Schwächen offenbart, alles andere als ein Fehlkauf.

HEIR bieten – und dass man das so direkt sagen kann, ist vielleicht das größte Manko des Albums – dem Hörer düsteren Post-Black-Metal: Mal etwas schneller, mal etwas böser, und gelegentlich durch stimmungsvolle, ruhige Parts aufgelockert. Im Großen und Ganzen jedoch Post-Black-Metal, wie man ihn nicht nur bei den Label-Kollegen von Au-Dessus, sondern auch bei diversen anderen Bands bereits in aller Ausführlichkeit gehört hat.

Das ist insofern schade, als HEIR durchaus Talent zu mehr hätten: Die Ideen, die hier zwischendurch aufblitzen, verleihen nicht nur den Songs das nötige Etwas, um sich bereits jetzt vom absoluten Einheitsbrei abzusetzen, sondern zeigen, welches Potential eigentlich in der Band steckt: Gerade das finale „Cendres“ ist hierfür ein gutes Beispiel. Von furiosem Riffing über einen atmosphärischen Cleanpart mit Chorgesang bis hin zu rockig angehauchten Leads und groovigen Drums ist hier alles drin. Was fehlt, ist höchstens noch ein Quäntchen mehr Spannung im Songaufbau, der so doch sehr stark nach Schema A-B-C abläuft.

Mit „Au Peuple De l’Abîme“ legen HEIR ein starkes Debüt, aber definitiv noch nicht das Album vor, das ihnen zu großer Bekanntheit verhelfen wird. Müssen sie aber auch nicht: Für ein erstes Lebenszeichen ist das Werk absolut in Ordnung. Für alles weitere wird die Zeit und die damit einhergehende, quasi unvermeidbare Entwicklung sorgen. Fazit: HEIR sind eine der Bands, die man jetzt unterstützen und für die Zukunft im Auge behalten sollte.

Auch Xternity mit neuer Musik

Die Black-Metaller von XTERNITY präsentieren mit „Drachensaat“ den ersten neuen Song seit zwei Jahren. Er stammt vom wohl Anfang 2019 erscheinenden neuen Album der Band und wurde von Niemand geringerem als Markus Stock abgemischt.

Nortt – Endeligt

Fragt man das dänische Ein-Mann-Projekt NORTT nach dem Stil, in dem die bisherige Diskografie einzuordnen ist, erhält man eine Antwort, welche die Vielfalt des oftmals als Gekreisch ausgeschimpften Genres Metal verdeutlicht: Pure Depressive Black Funeral Doom Metal. Was nach übertrieben viel Charakteristika klingt, bringt die Essenz des Comeback-Albums „Endeligt“ allerdings mehr als treffend auf den Punkt.

NORTT veröffentlichte sein Debüt 2003 und im Zwei-Jahres-Rhythmus folgten noch zwei weitere Platten, ehe ab 2009 dieser Zyklus unterbrochen wurde und NORTT fortan verstummte. Zehn Jahre nach „Galgenfrist“ und passend zur trüben Musik im Dezember herausgebracht, meldet sich das Projekt mit dem vierten Album zurück. Darin steckt so viel NORTT, als hätte die vergangene Dekade keinerlei Einfluss auf Mastermind Nortts musikalische Visionen gehabt.

Mehr noch: „Endeligt“ scheint diese Zeit zur Reife verwendet zu haben, denn die neun Tracks ergeben in Summe den wohl düstersten Soundtrack, der zu keinerlei cineastischen Veröffentlichung gehört. Ähnlich wie im Falle von Ævangelist oder auch Gnaw Their Tongues kreiert NORTT keine sensationellen Riffes, keine im Ohr bleibenden Hooks, keine Melodien für die Ewigkeit, sondern Atmosphäre, eine einnehmende Atmosphäre. Allerdings anders als bei den beiden genannten Bands verzichtet das dänische Projekt auf den Einsatz von Samples oder einer ausgefalleneren Instrumentierung. Stattdessen wird diese greifbar kühle, sich aufbauende und dabei eher anmutig denn monströs erdrückend wirkende Stimmung durch vereinzelte Akkorde und den ausgebreiteten Klangteppich des Pianos geschaffen.

Passend zur dieser musikalischen Gestaltung bleibt Nortt auch textlich weiterhin dieses Kind von unsagbarer Traurigkeit, welches seine Todessehnsucht noch immer in seinen Lyrics verarbeitet; diese inhaltliche Schwärze ist das in Worte-Fassen der Musik, für die NORTT steht. Düster, bedrückend, schleppend – auch wenn dies nicht die typischen Beschreibungen für ein Hörerlebnis darstellen, schafft „Endeligt“ den Spagat zwischen Trübsinn und Lust auf Mehr. Nachdem das Album nach knapp 40 Minuten durchgelaufen ist, fühlt sich der Hörer zwar ermattet, aber nicht so niedergeschlagen, dass eine weitere Runde NORTT den persönlichen Seelenfrieden gefährden könnte (was im Falle eines „Hymns For The Broken, Swollen And Silent“ schnell geschehen kann).

Kurzum: Zehn Jahre Wartezeit auf ein Album dieser Güte kann die Fans von NORTT nur versöhnlich stimmen. Außerordentlich stimmungsvoll und vereinnahmend spielt sich „Endeligt“ zügig in die Herzen von Anhängern der Funeral- und Depressive-Bewegung innerhalb des Black Metals.

Marduk

28 Jahre, 14 Alben. Das ist die beeindruckende Bilanz der schwedischen Kriegsmaschine MARDUK. Zur Veröffentlichung des neuesten Streichs, „Viktoria“, sprachen wir mit Gitarrist, Song- und Textschreiber Morgan Håkansson über so ziemlich alles – von Weltkriegs-Lyrics bis Weltmeisterschaft.

Kurz bevor „Viktoria“ erschienen ist, wart ihr schon auf Europatour. Wieso in dieser Reihenfolge?
Nun, ich wollte das Album eigentlich schon im Mai veröffentlichen, aber das Label hat länger gebraucht. Sie wollten drei Monate Zeit, nachdem wir die fertigen Tracks abgeliefert hatten. Aber wir hatten das schon so geplant, also haben wir uns dafür entschieden, schon mal die erste Runde durch Europa zu drehen, quasi als Vorab-Promotion. Wir haben ja auch nur zwei Songs des Albums live gespielt, weil es eben noch nicht raus war. Aber warum auch nicht? Warum immer erst auf Tour gehen, wenn das Album draußen ist? Warum nicht als Vorankündigung? Wir werden mit dem Album im Gepäck ja auch nochmal touren. Das war einfach mal ein anderer Ansatz. Es war Zeit, wieder loszuziehen – wir waren dahingehend einfach ausgehungert. Also hat es sich ganz logisch angefühlt, mit einer Europatour anzufangen.

Wart ihr mit der Tour insgesamt zufrieden?
Ja, es war eine gute Tour, ein starkes Band-Package, es lief gut, wir haben an vielen tollen Orten gespielt. Das war ein guter Anfang, um wieder reinzukommen. Jetzt geht es ja dann erst richtig los.

Das neue Album heißt „Viktoria“. Warum ist das der perfekte Name für das Werk?
Nun, er ist kurz und stimmig. Er bedeutet jedem viel und kann doch viel bedeuten. Ich meine, „Viktoria“, der Sieg … jeder strebt nach dem Sieg. Es ist ein Konzeptalbum über Krieg, und jeder, der in den Krieg zieht, will ihn gewinnen. Aber es hat auch andere Bedeutungen. Derjenige, der immer gewinnt, der Sieger, ist immer der Tod.

Das Artwork ist sehr puristisch, fast minimalistisch – ein ganz neuer Ansatz im MARDUK-Kontext, nachdem ihr oft sehr vollgepackte Bilder, manchmal auch Fotos, verwendet hattet. Was war hier das Konzept?
Über die Jahre hatten wir wirklich viele verschiedene Stile. Normalerweise werden die Layouts ja immer umfangreicher, mehr Bilder, mehr von allem. Aber das Album und der Titel sind sehr hart und kalt, das wollten wir in der Optik auch widerspiegeln. Deswegen haben wir uns für diesen Stil mit seinem „Old-School-Touch“ entschieden, wie ich es umschreiben würde. Es ist sehr direkt, es hat diese „Propaganda-Atmosphäre“. Es funktioniert deswegen sehr gut im Kontext mit der Musik. Es ist ein Cover, von dem wir wussten, dass es nicht jedem gefallen würde – die Leute wollen dieses Überladene. Aber für mich hat es eine starke Symbolik und ich glaube, an das Bild werden sich mehr Leute erinnern als an all das andere Zeug, das du siehst und dann direkt wieder vergisst. Es hat einen kalten, starken Ausdruck – das mag ich, das spiegelt das Album gut wider. Wir wollten auch nicht immer das Gleiche machen. Wir hatten ja schon viele Kriegsbilder.

Würdest du denn sagen, dass auch das Album als solches „old-school“ ist?
Das habe ich nicht gesagt – zunächst finde ich, dass vor allem das Layout so aussieht, wie ein typisches Metal-Album von vor 25 Jahren ausgesehen hat. Was Musik und Texte angeht, kommt eben heraus, was herauskommt. Wir gehen nicht mit einer konkreten Vorstellung ins Studio, wie das Resultat klingen soll. Wir schreiben die Musik und die Texte, das bedingt sich dann gegenseitig.

Ich finde das Album aber in der Tat etwas schneller und härter als „Frontschwein“ – würdest du zustimmen, dass es den Vibe der letzten Alben mit dem Stil der alten Alben verbindet?
Vielleicht. Für mich ist es ein kontinuierlicher Prozess, aber wenn du das so siehst, kann ich das auch nachvollziehen. Bei mir hat sich das Material noch nicht wirklich gesetzt, um es ernsthaft mit etwas vergleichen zu können. Für mich fühlt es sich immer noch so frisch an. Du arbeitest mit der Musik und den Texten, aber wirklich vergleichen kannst du Alben eigentlich immer erst ein paar Jahre später.

Wenn du sagst, dass ihr, bevor ihr ins Studio geht, keinen konkreten Plan habt, wie das Album klingen soll – was bedeutet das für die Produktionsphase?
Wir sind schon so lange im gleichen Studio – wir wissen mittlerweile eigentlich, wie wir es haben wollen. Was den Aufnahmeprozess angeht, investieren wir zunächst viel Energie, um einen starken Schlagzeugsound hinzubekommen. Das fehlt vielen Alben! Oft klingen sie vollkommen künstlich und kaputtgetriggert. Das ist wirklich das Wichtigste. Und dann werden die anderen Spuren dazu eingespielt. Bass und zwei Gitarrenspuren. Ich finde, gerade weil es so einfach gehalten ist, wird es so dynamisch: Da ist keine ganze Wand aus Gitarren, sondern es sind eben nur zwei Spuren. Dahingehend ist es ein sehr „simples“ Album – aber es ist auch ein Spiegelbild dessen, worum es bei MARDUK als Band im Ganzen geht.

Damit stellt ihr euch sehr bewusst gegen dem Trend zu einer immer aufwändigeren Produktion. Was hältst du von derart herausgeputztem Black Metal?
Mich interessiert nicht, was andere Leute machen, das ist kein Teil meiner Welt. Von all den tausenden Bands im Black Metal gibt es vielleicht zehn, die mich interessieren, die ich bewundere und deren Arbeit ich wirklich schätze. Was die anderen Leute machen, ist mir egal. Mir ist wichtig, was wir machen. Wenn andere symphonisches Zeug verwenden wollen und das sonst wie produzieren wollen, ist mir das auch egal. Mir geht es um meine Arbeit. Wir haben den Sound, von dem ich denke, dass er sehr gut den Geist dessen reflektiert, worum es bei MARDUK geht. Die anderen können machen, was sie wollen.

Mit „The Blond Beast“ war auf „Frontschwein“ ein echter „Hit“, der deutlich aus dem Album herausgestochen ist – das gibt es diesmal nicht. War das Absicht?
Ich glaube, uns war damals nicht bewusst, dass der Song so hervorsteht. Was den Song „besonders“ macht, ist der ungewöhnliche Schlagzeug-Beat. Hätten wir da ein anderes Schlagzeug gewählt, wäre der Song gar nicht so anders geworden. Aber nimm zum Beispiel „Werwolf“ – das war die erste Single, die wir von „Viktoria“ veröffentlicht haben. Und die Leute waren verwirrt. Genau deswegen haben wir diesen Song gewählt, weil wir wussten, dass die Leute darauf reagieren würden … einige würden ihn lieben, andere hassen. Weil er eben auch etwas anders ist. Aber eigentlich ist es mir egal. Mir geht es darum, das zu tun, woran man glaubt. Das ist das Wichtigste. Wie das dann klingt, ist eine andere Geschichte.

Als ihr angefangen hattet, an dem Album zu arbeiten, hattet ihr drei verschiedene Textkonzepte ausgearbeitet – ein spirituelles, ein historisches und das Konzept zum Zweiten Weltkrieg, für das ihr euch schlussendlich entschieden habt. Wie hätte ein spirituelles MARDUK-Konzept ausgesehen, worum wäre es gegangen?
Das werde ich mir für die Zukunft aufheben, weil wir es vermutlich irgendwann auf einem MARDUK-Album verwenden werden. Das Gleiche gilt für das historische Thema. Aber die Fortführung der „Frontschwein“-Geschichte war am weitesten ausgereift, das war einfach schon fast fertig, während die anderen noch Zeit brauchen, um zu wachsen. Aber wir werden sie definitiv auch irgendwann nutzen!

Texte zum Thema Zweiter Weltkrieg haben oft das Problem, dass sie als politische Zustimmung zum NS-Regime missverstanden werden. Habt ihr deswegen mit negativem Feedback gerechnet, und kam das schlussendlich auch?
Nun, wir bekommen immer auch negatives Feedback. Aber das ist uns egal, das war es immer schon, in den letzten 25 Jahren. Es gibt immer Leute, die das, das was du tust, falsch verstehen wollen und die versuchen, da eine politische Motivation hineinzuinterpretieren. Was sie auch machen können, das ist mir echt egal. Für mich ist der Punkt: Über ein historisches Thema zu schreiben kann nicht schlechter sein als einen Film darüber zu machen. Wenn die Leute ein Drama daraus machen wollen, bitte. Aber darum scheren wir uns nicht. Wir machen, was wir machen wollen.

Zum Teil sind die Texte allerdings tatsächlich sehr provokant – nicht so sehr in dem, was ihr geschrieben habt, sondern eher in dem, was ihr nicht geschrieben habt: „Equestrian Bloodlust“ beispielsweise liest sich eher wie eine Hommage an die SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“ denn wie eine historische Betrachtung des Massakers in den Prypjatsümpfen an 14.000 Juden zwischen dem 1. und 12. August 1941. Warum habt ihr euch genau dieses Geschehnis herausgesucht und es im Stil einer Heldengeschichte aufgezogen?
Ich würde nicht sagen, dass es eine Geschichte über Helden ist. Du musst ja eine bestimmte Perspektive wählen, es ist nur eine Beschreibung. Wer in Osteuropa einen Genozid begeht, ist für mich kein Held. Es ist einfach eine Beschreibung darüber, wie sich diese Division ihren Weg durch das Gelände gesucht hat. So sehe ich das. Wie bei jedem historischen Ereignis, das wir bislang thematisiert haben, musst du es ja auch hier irgendwie beschreiben.

Aber findest du, der Text reflektiert die Grausamkeit dieser Geschehnisse?
Ja, ich finde schon. Es ist eine fundierte Beschreibung, wie diese Division die schlimmsten Dinge tut, die sie damals im Osten getan hat. Das spiegelt die Wahrheit doch sehr gut wider.

Vor allem in Amerika hat der Black Metal momentan ein großes Problem mit linken Aktivisten, die versuchen, den Ruf einiger Bands zu zerstören, Veranstalter bedrohen und dafür sorgen, dass Touren abgeblasen werden. Wie stehst du dazu, beeinflusst diese Entwicklung euch als Band, denkt ihr beispielsweise derzeit zweimal nach, bevor ihr eine US-Tour bucht?
Ich würde mir nie von ein paar Leuten kaputtmachen oder wegnehmen lassen, was ich mache. Das ist eine kleine Ansammlung von Leuten, die gerne etwas zerstören. Und sie bekommen mehr Macht, als sie verdienen, weil die Leute ihnen die Macht geben. Manchmal musst du im Leben für die Freiheit, an die du glaubst, aufstehen und eben auch mal ein starkes Statement gegen solche Typen abgeben. Diese Leute geben immer vor, anti-dies oder anti-das zu sein, aber die echten Faschisten, die echte Gefahr für die Demokratie sind sie selbst. Das ist ziemlich verrückt und wenn die Leute diese Typen nicht haben wollen, müssen sie sich dagegen auch mal wehren. Ich würde mir nie von irgendjemandem erzählen lassen, worüber wir singen oder nicht singen sollen. Wenn ich über bestimmte historische Ereignisse schreiben will, dann tue ich das. Ich lasse mich nicht dafür bedrohen, dass ich über etwas schreibe. Ich glaube an mich, ich weiß, was ich tue, und da lasse ich niemanden sich einmischen und mir sagen, was ich zu tun habe – ich bin ein Künstler, ich schreibe, worüber ich mag.
Davon abgesehen werden viele Sachen auch unverhältnismäßig aufgeblasen, vor allem von den Metalfans selbst. Viele Leute verbreiten Gerüchte und dann wird darüber geredet. Wenn die Leute das einfach ignorieren würden, würden sie von alleine verschwinden. Aber die Leute machen immer ein größeres Problem daraus, als es eigentlich ist. Indem sie darüber sprechen, machen sie diese Typen zu etwas. Da sitzen drei Kerle vor dem Computer und reißen das Maul auf, und die bringen einen Stein ins Rollen. Gegen diese Scheiße muss man sich wehren! Das ist ein Sturm im Wasserglas, verstehst du? Ich befürchte aber, dass diese Typen immer größeren Einfluss bekommen, auch wenn wir dahingehend bislang noch keine großen Probleme hatten, vielleicht, weil die meisten Leute wissen, was wir machen.

Kein Wunder: 2020 wird MARDUK seinen 30. Geburtstag feiern – hättest du damit gerechnet, als ihr MARDUK gegründet habt?
Wohl nicht, als wir angefangen haben – das war damals schwer vorhersehbar. Die Black-Metal-Szene bestand damals aus vielleicht zehn Bands weltweit. Man kannte mehr oder weniger jeden. Dass das alles mal so explodiert und es die Alben in „richtigen“ Läden zu kaufen geben würde, dass man als Band dieses Genres solche Shows spielen und mit bestimmten Bands auf Tour gehen würde, war nicht absehbar. Aber unterwegs, wenn alles größer wird, wird auch deine Vision größer – und Dinge, von denen du früher nicht geträumt hättest, werden Realität. Wenn du es anders betrachtest, wirst du unbesiegbar, weil du siehst, wie sich alles entwickeln kann. 1990 hätte ich aber vermutlich nicht gesagt, dass wir 2020 noch da sein werden und dass wir die Sachen gemacht haben werden, die wir mittlerweile gemacht haben. Beispielsweise mit Bands gespielt zu haben, die man als Jugendlicher bewundert hat, die Musiker getroffen zu haben – damit rechnet man ja nicht. Aber die Dinge ändern sich im Leben …

An welche Bands denkst du da gerade konkret?
Ich meine, mit Motörhead gespielt zu haben, mit Lemmy gesprochen zu haben, mit Slayer gespielt zu haben … solche Dinge. Damit hätte ich nie gerechnet, als ich 16, 17 Jahre alt war und diese Bands gehört habe. Aber auch andere: Tom G. Warrior (Celtic Frost, Triptykon) zu treffen, hätte ich damals auch nicht erwartet, als ich mit 14 „To Mega Therion“ vergöttert habe. Das war ja nicht zu erwarten.

Hattet ihr einen bestimmten Punkt in eurer Karriere, an dem du das Gefühl hattest: Jetzt haben wir es geschafft?
Ich weiß nicht … wir haben immer sehr kontinuierlich, sehr hart gearbeitet. Vielleicht das letzte Jahr, in dem ich mal reflektiert habe, wie lange das jetzt schon geht. Wenn du Leute triffst, die noch nicht einmal geboren waren, als du dein erstes Album gemacht hast und die ersten guten Dinge in Aussicht waren. Manchmal fühlt es sich wirklich komisch an, dass ich nicht mehr 20, 22 bin. Das ist schwer, das zu verstehen. Die Zeit vergeht schon sehr schnell.

Du hast eure Konstanz angesprochen: Tatsächlich habt ihr nie länger als drei Jahre für ein Album gebraucht – wie habt ihr das gemacht, diesen Rhythmus aus schreiben, aufnehmen, veröffentlichen…
… und touren! Wir haben in den letzten Jahren mehr getourt als je zuvor.
Das auch noch, ja.
Nun, ich glaube an die Kraft der Musik. Für mich ist es interessant, zu schreiben – egal ob über spirituelle oder historische Themen –, Sounds zu kreieren … das ist für mich faszinierend. Viele historische Ereignisse sprechen mich dahingehend an, dass sie in meinem Kopf Musik erzeugen – was immer das dann genau ist. Deswegen finde ich es faszinierend, diese Dinge zu tun. Ich kann nur jedem empfehlen, sich zu erkunden. Es ist ein langer Weg, eine spirituelle Reise, mit vielen verschiedenen Aspekten. Aber ich bin auf all die Jahre stolz und auch darauf, dass wir in so vielen Ländern gespielt haben. Wir waren eine der ersten Black-Metal-Bands, die volle Touren in Südamerika gespielt haben. Das ist cool! Wir haben in 57 Ländern gespielt. Ich bin stolz darauf, all die Unterstützer überall auf der Welt erreicht, vor ihnen performt und zusammen mit ihnen Magie erschaffen zu haben. Das ist mir wichtig.

Das MARDUK-Lineup ist schon fast ungewohnt lang stabil – ist die aktuelle Konstellation die beste, die die Band bislang hatte?
Das ist schwer zu sagen, aber ich bin momentan sehr zufrieden, es fühlt sich stark an. Aber das Gefühl hatte ich bei früheren Besetzungen auch schon. An bestimmten Punkten hat es sich immer sehr gut angefühlt. Ich war auch auf alle vorigen Bandzusammensetzungen stolz, aber über die Jahre entwickeln sich die Dinge weiter, die Leute wollen andere Sachen machen, sind nicht mehr so hingebungsvoll … dann musst du etwas ändern. So ist es immer gelaufen. Ich hoffe allerdings, dass es jetzt so bleibt, da ich mit der aktuellen Truppe sehr glücklich bin: Aktuell ziehen vier Leute an einem Strang, darauf bin ich sehr stolz.

Haben all die Besetzungswechsel die Band, aber auch dich als Musiker, geprägt?
Ich habe viel daraus gelernt, aber alle Leute entwickeln sich verschieden. Manchmal wollen Leute einfach etwas anders machen, sind nicht mehr so fokussiert – dann wird es schwierig. Wenn drei Leute in eine Richtung wollen und einer auf die Bremse steigt, beispielsweise. Dann musst du etwas ändern. Natürlich lernst du, wenn du mit Leuten zusammenarbeitest. Ich habe in meinem Leben auch viele Fehler gemacht, wie jeder. Aber du lernst daraus und machst sie nicht noch einmal. Die Dinge ändern sich auch. Ich habe heute auch mit ehemaligen Bandmitgliedern, die wirklich sauer waren, als es hinsichtlich der Band auseinandergegangen ist, wieder ein gutes Verhältnis. Manchmal musst du einfach für ein paar Jahre auf Abstand gehen, und wenn du dich dann wieder triffst, siehst du manche Dinge auch wieder anders.

Plant ihr schon jetzt für euren Geburtstag, darf man mit Album Nummer 15 rechnen?
Das weiß ich noch nicht, es ist ja gerade erst dieses Album erschienen. Momentan fokussieren wir uns darauf, was momentan los ist – wir haben jetzt schon Europa betourt, nun kommen viele Sommerfestivals, dann geht es Ende August, Anfang September für eine komplette Tour nach Polen, zwischen September und Oktober sind wir für fast einen Monat in Südamerika, im November geht es nach Japan und anschließend kommt im Dezember nochmal Europa dran. Im Januar dann Russland, Asien kommt auch noch, vielleicht sogar eine US-Tour … du siehst, wir haben noch viel auf dem Programm, bevor wir uns dem widmen können. Aber ich bin mir sicher, wir werden uns etwas Besonderes einfallen lassen, wenn es so weit ist.

Hast du denn schon wieder angefangen, neue Musik zu schreiben? Schreibst du generell auch auf Tour oder nur daheim?
Das meiste schreibe ich für gewöhnlich, wenn ich wieder daheim bin. Ich arbeite immer an Ideen, nehme auch etwas auf, aber ich arbeite noch nicht an konkret an neuen Songs. Das dauert noch. Aber wie du ja weißt, hatten wir viele verschiedene Themen für „Viktoria“, insofern habe ich viel, woran ich derzeit textlich und geistig für die Zukunft arbeite.

Du hast ja eben euren umfangreichen Tourplan nachgezeichnet. Bist du immer gerne auf Tour oder nervt dich das auch manchmal?
Ich bin tatsächlich kein großer Fan von Herumreisen. Aber ich glaube noch an die Kraft der Musik, an das, was wir tun. Insofern ist es für mich jedes Opfer wert, um vor den Leuten live zu spielen, die uns unterstützt haben. Du reist eben sehr viel, um eine Show am Tag zu spielen. Aber es ist es trotzdem wert. Ich glaube an die Kraft der Musik.

Vielen Dank für das Interview! Zum Abschluss ein kurzes Brainstorming:
Deutschland:
Ein altes Land, das Herz Europas.
Das Spiel am Freitag, England vs. Schweden: Viktoria! (lacht)
Bist du also Fußballfan? Ich habe Fußball gespielt, als ich jung war, und ab und an mache ich es heute noch. Aber eigentlich bin ich ein größerer Hockey-Fan. Aber was die Länderspiele angeht, habe ich da natürlich schon ein Auge drauf … das ganze Land spielt ja verrückt. Insofern werde ich das Spiel definitiv schauen.
Donald Trump: Eine sehr kontroverse Figur. Jeder hat seine Argumente, warum er gut oder schlecht ist, beide Seiten sehen das sehr extrem. Ich weiß es nicht … ich habe noch nicht alles gesehen, was er gemacht oder nicht gemacht hat, und um amerikanische Innenpolitik schere ich mich nicht, das ist nicht mein Thema. Aber ich habe keine Meinung – ich würde nicht behaupten, dass ich genug Ahnung von Wirtschaft hätte, um beurteilen zu können, ob er seine Sache gut oder schlecht macht. Das sollen andere entscheiden.
Rammstein: Eine großartige Band, auch wenn ich nicht ihr größter Fan bin. Aber Teile ihrer Diskographie mag ich wirklich gerne. Es ist absurd, dass eine Band, die auf Deutsch singt, überall auf der Welt so einen Einfluss haben kann. Aber es ist eine sehr ehrliche, hart arbeitende Band, die auch live wirklich einzigartig ist.
Dein aktuelles Lieblingsalbum: Ich würde sagen … Sol Invictus – Necropolis!
MARDUK in zehn Jahren: Schwer zu sagen. Immer noch am Marschieren und Tun, woran wir glauben.

Vielen Dank für deine Zeit und Antworten! Die letzten Worte gehören dir – gibt es noch etwas, was du unseren Lesern mitteilen möchtest?
Danke dir. Beste Grüße an all unsere Fans, wir freuen uns schon, wieder bei euch on the road zu sein! Ach ja, und eine Geschichte noch, weil wir eben über Fußball geredet haben: Ich habe viele deutsche Freunde. Als Schweden von Deutschland geschlagen wurde, dachten alle, sie haben es geschafft – aber dann waren sie auf einmal nicht mehr besonders glücklich, als Deutschland geschlagen war. (lacht) Das ist aber auch hart für Deutschland, das hätte ich selbst ehrlich gesagt auch nicht erwartet.
Tja, wir hier in Deutschland auch nicht …
Das ist der Charme des Sports. Jetzt hoffe ich, dass wir England schlagen, das wäre cool.

Viel Erfolg und einen schönen Abend!
Danke, dir auch!

Immortal – Northern Chaos Gods

Neun Jahre. So lange hat es in der Vergangenheit der norwegischen Black-Metal-Legenden IMMORTAL noch nie gedauert, bis sie die Pforten zu Blashyrkh, dem fiktiven Reich, in dem sich die Texte der Band abspielen, in Form eines neuen Albums wieder geöffnet haben. Nun ist „Northern Chaos Gods“ jedoch nicht nur das erste Werk der Band, das derart lang auf sich warten ließ, sondern auch das erste ohne Mitbegründer Abbath. Dieser hat auf jedem der bisher acht Langspieler die Lyrics eingekrächzt, geht seit 2014 jedoch mit der Band getrennte Wege und betreibt stattdessen seine neue, selbstbenannte Gruppe. Übrig geblieben sind Gitarrist Demonaz, nun auch am Gesang tätig, und Schlagzeuger Horgh, die mit dem neunten Album „Northern Chaos Gods“ zu zweit einen nordischen Kältesturm entfachen.

„Gates To Blashyrkh“, „Called To Ice“, „Mighty Ravendark“. Schon allein die Songtitel könnten IMMORTAL-typischer kaum sein, sodass der langjährige Hörer sich beim Lesen der Tracklist sofort wie zu Hause fühlt. Ähnliches gilt für das spartanische Schwarz-Weiß-Artwork sowie, last but not least, die Musik selbst. So sehr man das Zerwürfnis zwischen Abbath und seinen Bandkollegen auch bedauern mag, jegliche Befürchtungen, IMMORTAL könne ohne ihn nicht mehr funktionieren, stellen sich glücklicherweise als vollkommen unbegründet heraus. Die Gruppe liefert auch ohne ihren Stamm-Fronter auf sehr hohem Niveau ab, was nicht zuletzt übrigens durchaus den neuen Vocals von Demonaz zu verdanken ist. Diese kommen derart kraftvoll und bissig daher, dass sie Abbaths Keifattacken wahrlich in nichts nachstehen. Diesen Umstand hätte man nicht unbedingt erwartet, die Platte profitiert nach dem Line-Up-Chaos jedoch enorm davon.

Dass Demonaz zudem für das Songwriting verantwortlich zeichnet, was ebenso auf die ersten vier IMMORTAL-Alben zutrifft, merkt man „Northern Chaos Gods“ schnell an. Im direkten Vergleich zu den Vorgängern ist das Werk im positiven Sinn wieder eine Spur chaotischer und wüster geraten, sodass hie und da Erinnerungen an Frühwerke wie „Diabolical Fullmoon Mysticism“ oder „Pure Holocaust“ wach werden – mit deutlich besserer Soundqualität, versteht sich. Produzent Peter Tägtgren (Hypocrisy, Pain), welcher auch den Bass bedient, hat hier mehr als nur ganze Arbeit geleistet. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass der teils etwas entschlackte, melodischere Charakter jüngerer Outputs wie „Sons Of Northern Darkness“ oder zuletzt „All Shall Fall“ völlig über Bord geworfen wird – frostig klirrende und dennoch eingängige Gitarrenläufe erheben sich, allen derzeit vorherrschenden sommerlichen Temperaturen zum Trotz, ohnehin in jedem Song.

Dass es derer nur acht Stück gibt, ist zum einen nichts Neues bei den Norwegern, zum anderen hält die Gruppe das Niveau konstant  im oberen Bereich. Songs wie der brachiale, im Vorab veröffentlichte Titeltrack oder das ebenfalls schnelle und bedrohliche „Into Battle Ride“ stellen sich dabei ebenso rasch als Highlights heraus wie getragenere Momente in Form des majestätisch galloppierenden „Where Mountains Rise“ oder des neunminütigen Abschluss-Songs „Mighty Ravendark“. Der Anteil schnell nach vorne peitschender Nummern dominiert, diese werden jedoch immer wieder mit Akustik-Einlagen angereichert. Dies mag, auch innerhalb des eigenen Schaffens, kein Novum darstellen, ergibt jedoch einen stimmigen Kontrast.

Bei „Northern Chaos Gods“ trifft Tradition auf Moderne und eisige Brutalität auf Anmut. Das neunte Album IMMORTALs stellt nicht nur ein hervorragendes Comeback, sondern in der Tat auch eines der bisher besten Werke der Band dar. Hut ab!

Deafheaven streamen komplettes neues Album

Obwohl „Ordinary Corrupt Human Love“ offiziell erst am 13.07.2018 erscheinen wird, streamen DEAFHEAVEN die Scheibe bereits jetzt über die „First Listen“-Aktion des National Public Radio.

Den Link zum Stream findet ihr hier.

Naglfar – Principium (Demo-Collection)

Ihr Debütalbum „Vittra“ schlug seinerzeit hohe Wellen. Bevor es jedoch überhaupt so weit war, veröffentlichten die jungen Schweden von NAGLFAR schon zwei Demos, die ihnen die Türen zu Wrong Again Records öffnen sollten – dem damals aufstrebenden Label, dem mit der Veröffentlichung von „Lunar Strain“ und „Black Earth“ die Entdeckung von In Flames und Arch Enemy zugeschrieben werden kann und aus dem später die renommierten Regain Records hervorgehen sollten.

Was die Labelgründer Per und Wez damals von NAGLFAR überzeugt haben könnte, ist nun – dem griechischen Label Floga Records sei Dank – für alle Fans der Band nachvollziehbar geworden: Unter dem Titel „Principium“, der Anfang, erscheinen dieser Tage besagte erste Demo-Tapes erstmals auf (einer) Scheibe. Doch neu sind nicht nur das Format (CD/LP statt Tape) und das Artwork, das vielleicht nicht so ganz zum NAGLFAR-Stil passen mag, in sich aber durchaus gelungen ist.

Neu ist auch und vor allem der Sound. Diesbezüglich hat Patrick Engel aus dem Bamberger Studio Temple Of Disharmony wohl tatsächlich ein kleines Wunder vollbracht. Denn ja, bei den Höhen gibt es bisweilen noch hörbare Schwankungen, und ja, es sind ein paar Soundartefakte zu hören – dafür, dass hier 23 Jahre alte Kassetten mit rohem Black Metal digitalisiert wurden, kann sich das Resultat mehr als hören lassen.

Das Gleiche gilt für das Material: Natürlich ist „Stellae Trajectio“ mit seinem etwas steifen Drumcomputer noch kein „Sheol“. Und auch die „Promo ’95“ lässt nur Fans, die mit der gesamten Diskographie und vor allem dem aus dem vorliegenden Material erwachsenen „Vittra“ vertraut sind, erahnen, wohin die Reise dieser Band dereinst gehen würde. Doch nicht nur für eine erste (und zweite) Studioaufnahme einer absoluten Newcomerband – und nichts anderes waren NAGLFAR 1995 – kann sich das auf „Principium“ gesammelte Material wirklich hören lassen.

Gleich „Enslave The Astral Fortress“ weiß zu begeistern. Melodische Riffs, hasserfülltes Krächzen und gelegentliche Keyboards ergänzen sich ohne sonstiges Brimborium zu einer schlichtweg packenden Atmosphäre mit – aus heutiger Sicht – ganz viel Oldschool-Charme: In Songs wie „Emerging From Her Weepings“ lebt der Geist des frostigen Schweden-Black-Metal der 90er-Jahre, der Meisterwerke wie „The Somberlain“ (Dissection), „Nord …“ (Setherial), „Enter The Moonlight Gate“ (Lord Belial), oder eben NAGLFARs „Vittra“ auszeichnete, für einige Momente nochmal auf.

Schon alleine wegen dieser ungeschliffenen Authentizität, der tiefen Verbeugung vor dem Geist der damaligen Zeit, lohnt sich die Anschaffung für jeden Liebhaber der schwedischen Black-Metal-Strömung. Überflüssig zu sagen, dass für NAGLFAR-Fans an dieser Sammlung rarer Aufnahmen kein Weg vorbeiführt.

Hegemone

  • Englische Version

    After the Polish black metal band HEGEMONE got 10/10 points for their current work „We Disappear“, it was of course a must to have an interview with the band. We talked to Kacper Jachimowicz about the new album, the Polish scene and plans for a tour.

    I suppose that most of our readers haven’t heard that much about HEGEMONE so far, so please introduce yourself.
    We are from Poznań, and we are doing metal since 2010. Just regular guys with same hobby. What more to tell.

    Is there a special meaning behind the Band’s name?                                                                                       I think yes. When we have been choosing that name, because all the meanings of word “Hegemone” suited us. It is quite funny because in next years we have learned many other meanings of this name. So if you are asking about special meaning of our name – this special meaning is a lot of meanings.

    Your latest record „We Disappear“ just has been released. What are your feelings about this? Are you satisfied?
    We were already satisfied when we have heard this album after the final mastering process.  Personally I like very much the form of release. Dehn Sora (who is author of all graphics on “We disappear”) has made a lot of fine work, which I personally admire. Also, I must say, that many people have put 200% of their heart, time and blood to make this album been released, so finally when it is “public”, we can open a special bottle of wine and say “we made it!”.

    Is there any special concept on that album. If there is, what`s the idea behind it?
    Yes, there is. But you know – telling all about that will be like telling the ending of the film. I think the listeners will realize themselves what feelings are in these tracks.

    You mix a lot of different genres and styles on the album. Where do your influences come from?
    Everyone of us is quite from a different story. All of our ideas are combined in this album. We have had more conceptual writing process in case of “We disappear” than in times of “Luminosity”. But if you are asking about the riffs, rythms and melodies – it is effect of situation I have mentioned before – that everyone of us is listening different kinds of music and have very wide inspirations, but of course we have much in common.

    The whole atmosphere on „We Disappear“ is quite dark and distressed and all those Keyboard-Sounds and Synthies add a spooky touch. Was that your intention?
    Intention was to make the saddest album ever made! But seriously, Yes –  Tomasz (our keyplayer) likes some kind of  “different” sounds. These melodies and sounds are totally his. I can say that keyboard parts are totally combined with his personality – it is just his own kind of playing.

    Let’s talk about the lyrics. What are they dealing with?
    Lyrics and vocals are participating in these tracks like another one instrument. This time we would like to made these vocal parts more differential than in “Luminosity”. So You have there some clean vocals, screams, growls etc. We would like to follow this path in the future I think.

    Karolina Sawicka from the polisch Trip-Hop/Post-Rock-Band Body Package contributed Guestvocals to the Song „Хан Тәңірi“. How did this cooperation come about?
    In the beginning of “Хан Тәңірi“ writing process, the only thing we knew was how it will end. We have choosen the lyrics to sing in this part of song, but we haven’t got any vocalist to sing it. The idea was to have a little change in this part of the album, so we would like to choose someone unusual. There was a time, that my friend showed me his band – and this band was Body Package from city of Opole. We were enchanted with Karolina’s singing style, so I decided to contact her. The question was, if she will handle this kind of singing style – I mean folk-like one. And of course the original language of this part. We have met on recording session, and she did what we have had in our minds perfectly. Last days we have had some rehearsals together with her, so there will be some shows with that vocal part live.

    The Cover of „We Disappear“ shows a monument or statue standing in something like a dessert. What is the meaning or intention behind this? Who made the artwork?
    Like I said before, Dehn Sora is the one who made it. Our idea was to place the album in some kind of steppe enviorment. So this “desert” you have noticed it is Dehn Sora’s variation of a steppe. This monument is actually Tengrist, the tree of life.

    You have released a video to the song „Raising Barrows“ which shows impressive landscape shots. Where was it filmed?
    These are landscapes of Bergen in Norway. This clip was made by “Woda i Pustka” from Kraków. He went there specially to film it.

    In the video we see a man in a mask walking through a forest. What is the story behind it?
    As You probably have noticed we do not like to tell stories about our releases and lyrics (laughs). This is just an impression by “Woda i Pustka” – and you should ask him about it.

    Are there already plans for a tour, possibly also to Germany?
    Before summer we will play some shows in Poland, but a greater tour will happen this autumn. And yes we would like to visit Germany, since we have not been playing there yet.

    What are your thoughts about the polish Metal-Scene?
    This is a big one. Last years Poland became a serious player in worlds metal scene. I think that we have many great bands. Many of them are unknown in Europe and sometimes even in their cities. Personally I’m a fan of many bands that have maybe 10 people on concerts. It is a shame sometimes that they not trying to record a full album.

    I would like to end the interview with the Metal1.info-Brainstorming. I’ll give you a few words and you’ll answer with the first one that comes to your mind.

    Black Metal – The most “opened” genre in all of metal styles?

    Your favorite Album in 2018 so far – Hard to say. Now I’m still in 2017 in this case so if you don’t mind I will mention some of 2017 that I’m into. For sure it will be “Immersion Trench Reverie” by Yellow Eyes. Also Blaze of Perdition’s “Conscious Darkness” is one of my favourite. In 2018 a good one is the second album by a polish group called Bleeding Moses – but this is not a metal thing. I recommend also an album called “Opia” recorded by MuN.

    Nergal – I have not met him in person so I don’t know.

    Germans – I know some guys from germany. Some I like, some I do not – like all people. I’m far from judging people by their nationallity. But I must say that German language is what I had problems with at school. And I still do not like it  (no offence guys!). Also I think that this is the most “unmusical” language in the world!

    HEGEMONE in 10 years – More albums and gigs. And no personal changes.

    Thanks again for your time!

  • Deutsche Version

    Nachdem die polnischen Black-Metaller von HEGEMONE für ihr aktuelles Werk „We Disappear“ satte 10/10-Punkte bekommen haben, war es natürlich ein Muss mit der Band ein Interview zu führen. Wir sprachen mit Kacper Jachimowicz über die neue Scheibe, die Szene in Polen und Pläne für eine Tour.

    Ich denke das HEGEMONE noch nicht vielen unserer Leser ein Begriff ist. Stell uns doch die Band bitte kurz vor.
    Wir sind aus Poznań, und wir machen Metal seit 2010. Nur normale Kerle mit dem gleichen Hobby. Was gibt es noch zu sagen?

    Verbirgt sich hinter eurem Bandnamen eine besondere Bedeutung?
    Ich denke, ja. Als wir diesen Namen gewählt haben, haben uns alle Bedeutungen des Wortes „Hegemone“ gefallen. Es ist ziemlich lustig, weil wir in den nächsten Jahren viele andere Bedeutungen dieses Namens gelernt haben. Wenn du also nach der besonderen Bedeutung unseres Namens fragst – diese besondere Bedeutung ist eine Menge von Bedeutungen.

    Euer aktuelles Album „We Disappear“ ist gerade erschienen. Wie fühlt ihr euch dabei? Seid ihr zufrieden?
    Wir waren schon zufrieden, als wir dieses Album nach dem letzten Mastering-Prozess gehört haben. Mir persönlich gefällt die Form des Releases sehr gut. Dehn Sora (der Künstler aller Grafiken zu „We disappear“) hat eine Menge gute Arbeit geleistet, die ich persönlich bewundere. Außerdem muss ich sagen, dass viele Leute 200% ihres Herzens, ihrer Zeit und ihres Blutes investiert haben um dieses Album zu veröffentlichen, so dass wir endlich wenn es „öffentlich“ ist, eine spezielle Flasche Wein öffnen und sagen können: „Wir haben es geschafft!

    Verfolgt ihr auf dem Album ein spezielles Konzept?
    Ja, aber weißt du, es zu verraten wäre wie das Ende eines Films zu verraten. Ich denke die Hörer werden selbst merken, welche Gefühle in den einzelnen Songs stecken.

    Ihr kombiniert eine Menge verschiedener Stile auf „We Disappear“. Woher stammen eure Einflüsse?
    Jeder von uns stammt von einer ganz anderen Geschichte. Alle unsere Ideen sind in diesem Album vereint. Wir haben auf „We Disappear“ mehr konzeptuelle Schreibprozesse gehabt als in Zeiten von „Luminosity“. Aber wenn Du nach den Riffs, Rhythmen und Melodien fragst – es ist der Effekt der Situation, die ich bereits erwähnt habe -, dass jeder von uns verschiedene Arten von Musik hört und sehr breite Inspirationen hat, aber natürlich haben wir viel gemeinsam.

    Die Atmosphäre von „We Disappear“ ist sehr dunkel und verzweifelt und die Keyboard-Sounds fügen dem Ganzen eine geisterhafte Seite hinzu. War das eure Absicht?
    Die Absicht war, das traurigste Album aller Zeiten zu machen! Aber ernsthaft, ja – Tomasz (unser Keyboardspieler) mag eine Art „anderen“ Sound. Diese Melodien und Klänge sind ganz und gar seine. Ich kann sagen, dass die Keyboard-Parts ganz mit seiner Persönlichkeit zusammenhängen – es ist seine eigene Art zu spielen.

    Lass uns ein wenig über die Lyrics reden. Welche Themen behandeln sie?
    Texte und Gesang sind in diesen Tracks wie ein weiteres Instrument vertreten. Diesmal möchten wir diese Gesangsparts differenzierter gestalten als auf „Luminosity“. Also hast du da ein paar saubere Vocals, Schreie, Growls etc. Diesen Weg wollen wir auch in Zukunft gehen.

    Karolina Sawicka von der polnischen Post-Rock/Trip-Hop-Band Body Package steuert Gastvocals zum Song „Хан Тәңірi“ bei. Wie kam diese Zusammenarbeit zustande?
    Am Anfang des Schreibprozesses zu „Хан Тәңірi“ war das Einzige, was wir wussten, wie der Song enden wird. Wir haben den Text für diesen Teil des Songs ausgewählt, aber wir haben keinen Sänger, der ihn singt. Die Idee war, in diesem Teil des Albums eine kleine Veränderung zu haben, also möchten wir jemand Ungewöhnliches auswählen. Es gab eine Zeit, da zeigte mir mein Freund seine Band – und diese Band war Body Package aus Opole. Wir waren verzaubert von Karolinas Gesangsstil, also entschied ich mich, sie zu kontaktieren. Die Frage war, ob sie diese Art von Gesangsstil beherrscht – ich meine folkloristischen. Und natürlich die Originalsprache dieses Teils. Wir haben uns bei den Aufnahmen getroffen, und sie hat das, was wir im Kopf hatten, perfekt gemacht. In den letzten Tagen hatten wir einige Proben zusammen mit ihr, so dass es einige Shows mit diesem Gesangspart live geben wird.

    Das Cover von „We Disappear“ zeigt eine Art Monument oder Statue in einer Wüste. Was bedeutet das Cover und wer hat es erschaffen?
    Wie ich schon sagte, Dehn Sora ist derjenige, der es geschaffen hat. Unsere Idee war es, das Album in eine Art Steppenlandschaft zu stellen. Diese „Wüste“ ist also Dehn Soras Variante einer Steppe. Dieses Denkmal ist eigentlich ein Tengristbaum des Lebens.

    Ihr habt ein Video zum Song „Raising Barrows“ veröffentlicht, in dem beeindruckende Landschaftsaufnahmen zu sehen sind. Wo wurde es gedreht?
    Das sind Landschaften aus Bergen in Norwegen. Dieser Clip wurde von „Woda i Pustka“ aus Krakau gemacht. Er ist extra dorthin gegangen um ihn zu filmen.

    Im Video sehen wir einen Mann mit Maske durch einen Wald laufen. Was ist die Geschichte dazu?
    Wie du wahrscheinlich bemerkt hast, reden wir nicht gerne über die Hintergünde unserer Veröffentlichungen und Texte (lacht). Das ist nur eine Impression von „Woda i Pustka“ – und du solltest ihn danach fragen.

    Gibt es schon Pläne für eine Tour, vielleicht auch nach Deutschland?
    Vor dem Sommer werden wir einige Shows in Polen spielen, aber eine größere Tournee wird diesen Herbst stattfinden. Und ja, wir möchten Deutschland besuchen, da wir dort noch nicht gespielt haben.

    Was denkst du über die polnische Metal-Szene?
    Das ist eine große Sache. In den letzten Jahren wurde Polen zu einem ernstzunehmenden Akteur in der Welt-Metall-Szene. Ich denke, dass wir viele tolle Bands haben. Viele von ihnen sind in Europa und manchmal sogar in ihren Städten unbekannt. Ich persönlich bin ein Fan von vielen Bands, die vielleicht 10 Leute auf Konzerten haben. Es ist manchmal schade, dass sie nicht versuchen ein komplettes Album aufzunehmen.

    Ich würde das Interview gerne mit einem Brainstorming beenden. Was fällt dir zu folgenden Begriffen ein?
    Black Metal – Das „offenste“ Genre aller Metal-Stile?
    Dein Lieblingsalbum 2018 bis jetzt – Schwer zu sagen. Ich bin noch in 2017 was das angeht, also wenn du nichts dagegen hast, werde ich einige von 2017 erwähnen in die ich mich verliebt habe. Sicherlich wird es „Immersion Trench Reverie“ von Yellow Eyes sein. Auch Blaze of Perdition’s „Conscious Darkness“ ist einer meiner Favoriten. Im Jahr 2018 ist ein gutes zweites Album der polnischen Gruppe Bleeding Moses erschienen – aber das ist keine Metal-Sache. Ich empfehle auch das von MuN aufgenommene Album „Opia“.
    Nergal – Ich habe ihn noch nicht persönlich getroffen, also habe ich keine Ahnung.
    Deutsche – Ich kenne einige Leute aus Deutschland. Einige mag ich, einige nicht – wie alle Menschen. Ich bin weit davon entfernt Leute aufgrund ihrer Nationalität zu beurteilen. Aber ich muss sagen, dass ich mit der deutschen Sprache Probleme in der Schule hatte und ich sie immer noch nicht mag (Nichts für ungut Leute!).
    HEGEMONE in zehn Jahren – Mehr Alben und Gigs. Und keine Line-Up-Wechsel.

    Danke nochmal für deine Zeit!

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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