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Forlorn Citadel – Songs Of Mourning / Dusk (Compilation)

Dass sich ein Metal-Musiker das Pseudonym Solace (zu deutsch „Trost“) anheftet, mag ein Kuriosum sein – die Musik, die der besagte Australier in seinem Soloprojekt FORLORN CITADEL hervorbringt, könnte hingegen typischer nicht sein. Nachdem die Ein-Mann-Band auf ihrer Debüt-Demo „Dusk“ astreinen Dungeon Synth gespielt hatte, schlug man auf der nächsten Demo „Songs Of Mourning“ den Weg des Epic Black Metal ein. Es muss also mal wieder der allzu abgenutzte Vergleich mit Summoning herhalten. Wer dennoch oder sogar gerade deswegen neugierig auf FORLORN CITADEL geworden ist, hat nunmehr die Möglichkeit, sich anhand einer Compilation aller bisheriger Tracks eine fundierte Meinung über das Projekt zu bilden.

Eine Epic-Black-Metal-Veröffentlichung mit Summoning zu vergleichen, ist zwar in etwa so spitzfindig wie die Feststellung, dass Wasser flüssig ist, doch bei kaum einer Band drängt sich die Assoziation derart penetrant auf wie bei FORLORN CITADEL. Einfach alles auf „Songs Of Mourning“ schreit förmlich nach den österreichischen Genre-Vorreitern: die kratzigen Screams, die unscharf im Hintergrund rauschenden Gitarren und selbstverständlich auch die synthetische Orchestrierung mitsamt erhaben voranschreitender Perkussion.

Solace hat offensichtlich kein Interesse daran, zu verheimlichen, aus welcher Quelle er seine Einfälle für FORLORN CITADEL bezieht. So hätten etwa das heroische „Battle“ mit seinen simulierten Bläsern oder das mit melancholischen Pianotönen aufwartende „Loss“ problemlos auf Alben wie „Oath Bound“ gepasst, ohne dabei aus dem Rahmen zu fallen. Wer Wert auf künstlerische Einzigartigkeit legt, ist bei FORLORN CITADEL folglich an der völlig falschen Adresse. Die Akkuratesse, mit welcher der australische Newcomer seinen Idolen nacheifert, ist jedoch zweifellos eine lobende Erwähnung wert. Nicht nur aufgrund der identen Stilmittel könnte man FORLORN CITADEL leicht mit Summoning verwechseln, auch in qualitativer Hinsicht muss sich die Kopie nicht vor ihrem Original verstecken.

Wirklich interessant wird die Sache allerdings in erster Linie auf „Dusk“, wenn die Metal-Elemente und der Gesang pausieren. Die signifikant kürzeren, schlicht mit römischen Ziffern betitelten Instrumental-Tracks beinhalten praktisch alles, was man sich von stimmungsvollem Dungeon Synth wünschen kann. Hier gelingt es FORLORN CITADEL tatsächlich, mit ganz einfach gestrickten Tonfolgen eine einnehmende, urige Atmosphäre zu kreieren, die durch die lupenreine Produktion ungetrübt zur Entfaltung kommt. Insbesondere die Anmut der künstlichen Harfenklänge drückt in Kombination mit den marschierenden Rhythmen eine sonderbare, für das Genre jedoch charakteristische Erhabenheit aus („II“).

Wie es um die Daseinsberechtigung von FORLORN CITADEL bestellt ist, wenn es bereits Dutzende etabliertere Bands vom selben Schlag gibt, die schon seit Jahren hervorragende Platten herausbringen, ist sicherlich diskutabel. Trotzdem lässt sich nicht abstreiten, dass es sich bei „Songs Of Mourning“ und „Dusk“ um durchwegs konsistente, tadellos umgesetzte Veröffentlichungen handelt, insbesondere für Demo-Verhältnisse. Wer für Summoning, aber auch für alte Neoklassik-Kapellen wie Die verbannten Kinder Evas und Dargaard schwärmt, sollte an der halbstündigen Compilation auf alle Fälle Gefallen finden und dem für 2019 angekündigten Debüt-Full-Length mit Vorfreude entgegenblicken.

Shelob’s Lair – Nightfall In Heaven (Demo; Re-Release)

Ausgehend von der allzu gängigen Major-Label-Praktik, vielversprechende Newcomer-Bands zu pushen und alsbald wieder fallen zu lassen, kann man wohl davon ausgehen, dass es vielen Entscheidungsträgern primär ums Geld und erst danach um die Musik selbst geht. Anders verhält es sich bei den meisten Underground-Label-Betreibern, deren Herzen merklich für die Kunst schlagen und die zuweilen auch selbst von der Muse geküsst zum Instrument greifen. Torsten Süß etwa, Gründer und Betreiber des deutschen Labels Northern Silence, spielte vor der Gründung seiner Firma unter dem Pseudonym Norgash in der Black-Metal-Band SHELOB‘S LAIR. Die einzige Veröffentlichung des Quartetts, die 2000er Demo „Nightfall In Heaven“, wird nun auf Süß‘ eigenem Label wiederveröffentlicht.

Wer einen ungefähren Überblick über die Bands, die sich in den Reihen von Northern Silence tummeln, hat, kann unter Umständen bereits einschätzen, welche Sorte Musik SHELOB‘S LAIR damals gespielt haben und für welches Instrument Norgash zuständig war. All jene, denen dieser Hinweis noch zu vage ist, seien zur Orientierung an Eldamar, Emyn Muil und Caladan Brood verwiesen. Süß‘ offensichtliche Vorliebe für Keyboard-lastigen Black Metal lässt sich somit schon zu seiner ersten und bis dato einzigen, eigenen Band zurückverfolgen.

„Nightfall In Heaven“ steht voll und ganz in der Tradition des skandinavischen 90er-Jahre-Black-Metals. Mittels stark verzerrtem, bisweilen sogar recht griffigem Gitarrenspiel, kernigen Screams und zügellosen Schlagzeugattacken sowie gleichermaßen mystischen wie kauzigen Keyboards reproduzierten SHELOB’S LAIR auf überzeugende Weise den Geist der Second Wave. Während an einer solchen stilistischen Reminiszenz prinzipiell nichts auszusetzen ist, lässt sich hinsichtlich des Sounds leider kaum beschönigen, dass dieser schon vor zwei Dekaden nicht mehr zeitgemäß war.

Die unausgeglichene, rohe Produktion, welche die Hi-Hats und Becken viel zu sehr in den Vordergrund rückt, wodurch diese die anderen Instrumente unangenehm übertönen, mag für eine Demo noch akzeptabel sein – fast zwanzig Jahre nach dem Original-Release werden sich davon allerdings wohl nur noch die nostalgischsten Traditionalisten angesprochen fühlen. Dass man sich dazu entschieden hat, die Demo bis auf das Artwork völlig unverändert zu lassen, ermöglicht zwar einen ungefilterten Blick auf SHELOB’S LAIR, beraubt die Songs jedoch des Potentials, das sie in nicht zu unterschätzenden Maß in sich getragen hätten.

„Nightfall In Heaven“ macht als erste Veröffentlichung einer jungen Band durchaus einiges her und untermauert den Eindruck, dass es ausgesprochen interessant gewesen wäre, zu beobachten, wohin sich SHELOB’S LAIR in Zukunft noch entwickelt hätten. Vermutlich wäre der Katalog von Northern Silence um einige hervorragende Platten reicher, hätten sich die Black-Metaller damals nicht von ihrem Drummer und zugleich von ihrem einzig verfügbaren Proberaum trennen und sukzessive auflösen müssen. Letzten Endes bleibt von SHELOB’S LAIR somit leider nur eine überschaubare Sammlung von Tracks, deren solides Songwriting bedauerlicherweise durch die technischen Mängel überschattet wird.

Karg – Dornenvögel

Während Harakiri For The Sky schon längst zu den ganz großen im Post-Black-Metal gehören, ist KARG, das Soloprojekt des Leadsängers J.J., bisher nicht über den Status eines Geheimtipps hinausgewachsen – ein bedauerlicher Umstand, musiziert der Österreicher im Alleingang doch mindestens genauso hervorragend wie mit seinen Bandkollegen. Zwei Jahre nach dem emotional zerrüttenden „Weltenasche“ folgt mit „Dornenvögel“ nun das sechste Album, das abermals mit einer opulenten Spielzeit von über 70 Minuten aufwartet. Insbesondere die vorab angekündigten Gastsänger, die J.J. aus namhaften Bands wie Lunar Aurora, Downfall Of Gaia, Ellende und Ancst rekrutieren konnte, ließen die ohnehin schon hohen Erwartungen diesmal regelrecht durch die Decke schießen.

Entgegen des ersten Eindrucks, den das untypisch makabre, altmodische Artwork erweckt, klingt KARG auf „Dornenvögel“ ganz wie gewohnt. Viele der Songs werden von zarten, verhallenden Clean-Gitarren eingeleitet, die sich auch später immer wieder ihren Weg in die Kompositionen bahnen und ihnen einen wehmütigen, manchmal sogar fast schon tröstenden Touch verleihen („Advent“). Abseits dieser feinfühligen Einsprengsel vermitteln die größtenteils über acht Minuten langen Stücke jedoch ein Gefühl blanker Tristesse. Die heiseren Screams, die trostlosen Leadgitarren und nicht zuletzt die Texte sprechen ohne Beschönigung von Verlust, Hoffnungslosigkeit und Resignation.

Allerdings wirken die sanftmütigen Klänge zu keiner Zeit deplatziert, sondern durchdringen selbst die intensivsten Ausbrüche auf höchst stimmige Weise. Selbiges lässt sich über die Beiträge der Gastsänger sagen, die KARG nicht einfach nur des Name-Droppings wegen in die Songs integriert, sondern um damit ihr Ausdrucksvermögen zu erweitern. Es funktioniert tatsächlich: Während etwa die Hardcore-Shouts dem rastlosen Charakter von „Heimat bist du tiefster Winter“ Rechnung tragen, kündigen die knorrigen, tieferen Screams im abschließenden „Advent“ das eher gemäßigte und dadurch passende Ende der Platte an.

Trotz seiner Stärken und Stiltreue reicht „Dornenvögel“ jedoch nicht an seinen Vorgänger heran. Es mag zum Teil daran liegen, dass die Songs diesmal inhaltlich für sich zu stehen scheinen, wohingegen „Weltenasche“ in lyrischer Hinsicht einen gewissen roten Faden hatte, wodurch die Texte umso bedeutungsvoller wirkten. Der Hauptgrund dürfte jedoch eher in der Tatsache zu sehen sein, dass KARG hier schlichtweg auf die kleinen Besonderheiten verzichtet, die Tracks wie „Le Couloir Des Ombres“ oder „Spuren im Schnee“ so mitreißend werden ließen.

Da die Lieder auf „Dornenvögel“ weitgehend einheitlich aufgebaut sind, lassen sich Höhepunkte wie das getragene „F 19.5“ nur sehr vereinzelt ausmachen. Die Folge ist, dass KARG die ausufernde Laufzeit der Platte leider nicht mehr so gut rechtfertigen kann wie noch auf seinem 2016er Album. Zwar bringen die Gastsänger einiges an Abwechslung in den Gesangspart ein, Clean-Vocals gibt es diesmal jedoch nur kurz auf „Meine Freiheit war ihr Tod“, wo sie unglücklicherweise etwas uninspiriert rüberkommen. Auch die eher kleinlauten Sprach-Samples entfesseln nicht dieselbe emotionale Wirkung wie noch auf „Weltenasche“. Ein gutes Album ist „Dornenvögel“ trotzdem noch, zumal die Produktion ein Stück organischer klingt als zuvor.

Voodus – Into The Wild

Die Floskel „For fans of …“ wird zu Promozwecken so gerne eingesetzt wie sie überstrapaziert wird. Aus einem Newcomer-Debüt wird dann schnell der neue, heiße Tipp „For fans of Dissection, Ophthalamia, and Watain“. Wer kann schon ahnen, dass dieser hochtrabende Vergleich im Fall von VOODUS durchaus berechtigt ist?

Doch „Into The Wild“, das ersten Album der bereits 2004 als Jormundgang gegründeten Band weckt tatsächlich Assoziationen zu besagten Bands: Während der eiskalte Gesang und so manches Leadgitarre in der Tat an frühe Dissection denken lassen, sind die Riffs unverkennbar zwischen Tribulation und Watain („The Golden“) angesiedelt. Mischt man dann noch etwas von der getragenen Epik früherer Imperium Dekadenz dazu („Gnothi Seauton“), kommt man dem Stil von VOODUS schon sehr, sehr nahe.

Allerdings kommen auch VOODUS selbst ihren (vermuteten) Idolen sehr, bisweilen sogar etwas zu nahe: Etwa, wenn ausgerechnet in „Gnothi Seauton“ („erkenne dich selbst“) in Riff und Solo unverhohlen Mayhems „Freezing Moon“, nun, sagen wir: zitiert wird. Oder wenn die Clean-Gitarre in „The Golden“ der in Lord Belials „Desolate Passage“ zum verwechseln ähnelt. Oder der Titeltrack sich gegen Ende doch stark an Dissections „Storm Of The Lights Bane“ anlehnt.

Allen Parallelen zum Trotz ist die kompositorische Leistung von VOODUS nicht kleinzureden: In den bis zu 14-minütigen Songs („The Terrain Of Moloch“) fangen die Schweden perfekt ein, wofür schwedischer Black Metal weltberühmt ist: Eiskalte Atmosphäre, griffiges Riffing und packende Melodik.

Dass „Into The Wild“ 2018 ähnlichen Flair verströmt wie „Storm Of The Lights Bane“ und Konsorten, liegt nicht zuletzt am Sound: Authentisch wie lange niemand, nähern sich VOODUS hier mit objektiv betrachtet einen Tick zu dünnen Gitarren, einer etwas zu weit in den Hintergrund gerückten Doublebass, vielleicht eine Nuance zu dominantem Gesang an Standards längst vergangener Tage an. Doch auch hier muss man VOODUS Respekt zollen: Wie schon beim Songwriting, gelingt es den Schweden auch beim Sound, schlichtweg authentisch zu klingen.

Vergesst Profanica, vergesst Thulcandra, vergesst Tribulation. Wer tatsächlich noch einmal dem Geist von Dissection nachspüren mag, ohne auf deren unterbliche Werke zurückzugreifen, ist bei VOODUS goldrichtig. Gewiss mag (wie bei den anderen genannten Bands) die Grenze zwischen „inspiriert“ und „kopiert“ hier fließend verlaufen. Im Hinblick auf die gebotene Qualität, die Stärke der Kompositionen, die kann – ja: muss – man darüber jedoch geflissentlich hinwegsehen.

Kwade Droes – De Duivel En Zijn Gore Oude Kankermoer

Auf dem Cover prangt eine grotesk deformierte Figur, zu ihren Füßen steht in Schräglage die geradezu absurd lange Buchstabenfolge „De Duivel En Zijn Gore Oude Kankermoer“ und über alledem ein seltsamer Schriftzug, in dem man kaum den Bandnamen herauszulesen vermag: KWADE DROES machen keinen Hehl daraus, dass es sich bei ihrem Debüt um eine höchst experimentelle Angelegenheit handelt. Zwar beginnt die musikalische Expedition der Niederländer eindeutig im schwarzmetallischen Hafen, doch sie führt den aufmerksamen Zuhörer im Verlauf von einer guten halben Stunde an so manch sonderbare Destination. Ob wohl am Ende eine lohnenswerte Entdeckung winkt?

Mit überraschend wundersamem Klavierspiel und einer merkwürdigen Geräuschkulisse nimmt der Eröffnungstrack „De Teerling Is Geworpen“ seinen Anfang. Es dauert jedoch nicht lang, bis das ahnungsvolle Staunen dem blanken Entsetzen weicht. In diesem abrupten Umschwung enthüllen KWADE DROES ihr wahres Antlitz: Mit dröhnenden, melodiearmen Gitarrenriffs, chaotischem Drumming und schizophren kreischendem Screaming erschaffen die Flachländer eine unwirkliche Welt des Grauens. Einzelne Noten in dem verwaschenen, undefinierbaren Geschrammel zu erkennen, gestaltet sich in den stürmischen Abschnitten als geradezu unmöglich, was den albtraumhaften Charakter der Platte unterstreicht.

Allerdings hat auch die Produktion einen großen Anteil an der surrealen Grundstimmung – leider nicht unbedingt in einem guten Sinne. Davon abgesehen, dass das von KWADE DROES auf „De Duivel En Zijn Gore Oude Kankermoer“ Gespielte oft völlig verschwommen klingt, mangelt es der Scheibe unverständlicherweise an klanglichem Volumen. Wer sich nicht dazu bequemt, den Lautstärkeregler um zwei bis drei Stufen höher zu drehen, kann es auch gleich ganz sein lassen.

Glücklicherweise können sich die wahnwitzigen Vocals vergleichsweise gut hervortun, diese bilden nämlich eindeutig den verstörendsten und zugleich beeindruckendsten Aspekt des Albums. Einzeln betrachtet haben KWADE DROES sogar durchaus noch mehr zu bieten, so zum Beispiel das zum Staunen einladende Piano im Interlude „De Wrange Boodschap“ oder die herrlich fiesen Riffs im Rausschmeißer „De Satan Allerheiligst“, der das Album mit kirchlichen Chören und Orgeln beschließt. Letztlich will jedoch vieles in diesem skurrilen Kuriosum nicht wirklich zusammenpassen.

Dass KWADE DROES schon mit ihrem ersten vollwertigen (wenn auch ziemlich kurz gehaltenen) Album etwas Außergewöhnliches geschaffen haben, ist nicht zu bestreiten. Die – gelinde gesagt – bescheidene Klangqualität und die unzusammenhängenden Stilbrüche, die die Niederländer zwischendurch immer wieder aus dem Nichts hervorzaubern, gehen jedoch leider auf Kosten der Atmosphäre. Wieso einem zwischen angsterfülltem Wimmern, boshaftem Geschrei und infernalischer Black-Metal-Instrumentierung plötzlich Frieden im auf positive Weise rätselhaften Klavierspiel vergönnt wird, bleibt fraglich. Sollten KWADE DROES in Zukunft genauer auf den Sound und auf konsistente Songstrukturen achten, wäre ein hörenswerter Nachfolger nicht undenkbar.

Tannöd – In dunkler Stunde

Es gibt sie noch: Black-Metal-Bands, die sich nicht für ein möglichst obskures oder provokantes Image interessieren, sondern einfach nur ehrliche Musik machen wollen. Wo Thüringen Mosaic hat, hat Bayern nun TANNÖD. Die Musiker sehen sich selbst als ein Künstlerkollektiv und wollen komplett anonym bleiben und nur die Musik sprechen lassen. Bis dato kann das Projekt eine Split vorweisen und veröffentlicht dieser Tage das erste Album mit dem Titel „In dunkler Stunde“ via Black Blood Records.

Musikalisch gesehen spielen TANNÖD eine Mischung aus Oldschool-Black-Metal mit ein paar Keyboard-Parts und folkigen Melodien. Klingt jetzt nicht neu oder besonders, wird aber auf „In dunkler Stunde“ auf hohem Niveau dargeboten. Der mit „Intro“ betitelte Einstieg in die Scheibe gestaltet sich als eine stimmungsvolle Reise in die Natur, unterlegt mit Akustik-Gitarren. Mit dem ersten richtigen Track „Bis zum letzten Tag“ schaffen TANNÖD dann eine gelungene Symbiose aus klirrendem Black Metal und dem bereits im Intro angedeuteten Folk-Einfluss, der in diesem Fall aus einer melancholischen Flötenmelodie besteht. Diese Mischung behalten TANNÖD die ganze Spielzeit über bei und verleihen Songs wie „Ohne Wiederkehr“ oder „Herbst“, die teilweise nicht mit den originellsten Riffs daherkommen, einen spannenden und tiefgründigeren Touch.

Definitiver Anspieltipp des Debüts ist das abschließende „Traumverloren“, dass in knapp zehn Minuten den Hörer auf eine Reise in die wilde, gleichzeitig aber auch wunderschöne Natur entführt. Ruhige, meditative Momente, aggressive Gitarren, Spoken-Word-Passagen und keifender Gesang verbinden sich zu einem monumentalen Opus ganz ohne übertriebenen Pathos oder Kitsch.

Würde „In dunkler Stunde“ nicht an einigen Debüt-Krankheiten leiden, wäre es wirklich nah an der Perfektion. Schade ist, dass das Schlagzeug sehr blechern und kraftlos klingt. Das liegt aber nicht am Talent des Drummers, sondern an der mauen Produktion der Platte. Auch die Vocals können hier und da noch ausgebaut werden, schrammt der Sänger doch teilweiße harscharf am auf die Nerven gehen vorbei.

Dennoch bestechen TANNÖD durch eine ehrliche und rein auf die Musik fokussierte Herangehensweise an ihr Debüt. „In dunkler Stunde“ ist definitiv ein kleiner Geheimtipp für alle Fans von klassischem Black Metal mit naturverbundenen Texten.

Svartidauði – Revelations Of The Red Sword

Obwohl SVARTIDAUÐI seit ihrer Gründung im Jahr 2002 in typischer Underground-Black-Metal-Manier erst ein paar EPs und eine einzige Langrille mit dem Titel „Flesh Cathedral“ veröffentlicht haben, konnten die Isländer bereits einiges an Aufsehen erregen. Zusammen mit Deathspell Omega und den ebenfalls isländischen Carpe Noctem zählt das Trio zu den nennenswertesten Interpreten jener Black-Metal-Variante, die sich durch ihre dissonanten, scheinbar chaotischen Kompositionen auszeichnet. Ganze sechs Jahre nach ihrem Debüt legen SVARTIDAUÐI mit „Revelations Of The Red Sword“ endlich wieder ein vollumfängliches Album nach, das den Stereotypen ihrer Stilrichtung abermals den Kampf ansagt.

Obwohl SVARTIDAUÐI die auf ihrer EP „Hideous Silhouettes Of Lynched Gods“ begonnene Entwicklung hin zu kürzeren Songs auch auf ihrem zweiten Album weiter fortsetzen, kann hier von Anbiederung an den Mainstream nicht die Rede sein. Nicht nur aufgrund seiner Sonnen-Thematik und seiner entsprechend warmen, organischen und kräftigen Produktion steht „Revelations Of The Red Sword“ den im Black Metal vorherrschenden Standards und Erwartungen entgegen, auch das Songwriting gehen SVARTIDAUÐI auf ihre ganz eigene Weise an.

Anstatt sich auf die mehrmalige Wiederholung einer Handvoll monotoner Riffs zu beschränken, springen die Isländer in geradezu manischen Anfällen von einer Melodie zur nächsten und behalten nie allzu lange einen bestimmten Flow bei, sodass es richtiggehend schwerfällt, den Songs gedanklich zu folgen. Dennoch kommt hier kaum jemals der Eindruck auf, SVARTIDAUÐI würden schlicht in planloser Raserei ihre Instrumente misshandeln – alles ist akkurat eingespielt und macht Sinn. Wer jedoch hofft, die Struktur des Albums in ihrer Gesamtheit durchschauen und sich einprägen zu können, muss sich darauf einstellen, als Hörer gefordert zu werden.

Bis auf ein paar der unheilvollen Riffs („Burning Worlds Of Excrement“), die gelegentlichen Soli und verschrobenen Clean-Gitarren („Sol Ascending“) brennen sich fast keine konkreten Parts ein. Die an sich stimmigen (wenn auch eher schwer zu erfassenden) Arrangements leiden daher doch unter einer gewissen Beliebigkeit, die sich auch darin äußert, dass SVARTIDAUÐI in puncto Brutalität nie allzu sehr über die Stränge schlagen.

„Revelations Of The Red Sword“ beeindruckt mit seiner ganz eigenen Verbindung von Komplexität und ungezähmter Energie, die man in dieser Form bei praktisch keiner anderen Band geboten bekommt. Erneut stellen SVARTIDAUÐI darauf unter Beweis, dass sie das Chaos auf unnachahmliche Weise beherrschen, ohne dabei einen berechnenden Eindruck zu machen. Dass Carpe Noctem mit „Vitrun“ im naheliegenden Vergleich trotzdem besser abschneiden, liegt lediglich daran, dass SVARTIDAUÐI die musikalischen Extreme nicht ganz so überwältigend auf die Spitze treiben und dennoch sperriger agieren. Für sich betrachtet ist „Revelations Of The Red Sword“ jedenfalls definitiv eine beachtenswerte Veröffentlichung.

Farsot / Coldworld – Toteninsel (Split)

FARSOT und COLDWORLD sind beides Bands, die man kennt, die sich jedoch auch nicht aufdrängen: Immer wieder haben beide Formationen längere Pausen eingelegt, immer wieder mit großartigen Alben begeistert. Nun also eine Split der beiden deutschen Bands: „Toteninsel“. Der Name kommt nicht von ungefähr: Erklärtes Ziel beider Bands war es, das entsprechend betitelte Gemälde von Arnold Böcklin zu vertonen, das in logischer Konsequenz (in einer entfremdeten, schwarzmetallenen Version) auch das Titelbild ziert.

Den Anfang machen FARSOT mit „I“ und „II“ und insgesamt knapp einer Viertelstunde Musik. Von der Dramaturgie her hätte man es nicht schöner aufziehen können: Ruhige Cleangitarren, die an Nocte Obducta denken lassen, seichte Brandung und dezente Mövenschreie versetzen den Hörer quasi direkt vor die düsteren Gestade des malerischen Eilands. Dass das Stück rein instrumental bleibt, macht bei dem gelungenen Arrangement, das fast schon sanft zum Black Metal überleitet, gar nichts. Dennoch gibt es dem FARSOT-Teil nochmal einen Kick, als im von fast schon Dornenreich’schen Cleangitarrenen getriebenen zweiten Teil auch Gesang auftaucht – zunächst „evigaesk“ geflüstert, in den schwarzmetalleneren Parts dann auch geröchelt.

Auch COLDWORLD setzen auf Ruhe und Atmosphäre: Wie FARSOTs Einstieg ist auch „I“ rein instrumental gehalten – von der atmosphärischen Tiefe seines Pendants ist der schöne, auf Dauer aber etwas uninspirierte Song jedoch weit entfernt. So wirkt das Stück, wenngleich zwei Minuten kürzer, nicht etwa kurzweiliger – im Gegenteil. Das finale „II“ setzt da zwar als einzige waschechte Black-Metal-Nummer der Veröffentlichung Kontraste. Ob es für die überschaubare Anzahl der hier präsentierten Ideen jedoch wirklich stolzer acht Minuten bedurft hätte, sei zumindest in Frage gestellt: Selbst für COLDWORLD entwickelt sich das Stück einen guten Zacken zu langsam, sodass dem im Einzelnen hübsch gemachten Song leider schnell jeder Schwung verloren geht. Geradezu lieblos wirkt dann das Fadeout, das dem schlussendlich doch recht drögen Song an scheinbar willkürlicher Stelle ein Ende bereitet.

Während FARSOT in ihren beiden Songs mit Abwechslungsreichtum, Atmosphäre und herrlichen Harmonien aufwarten, enttäuschen COLDWORLD mit ihrem Beitrag leider sehr: Mit zu wenig Motiven in zu viel Spielzeit und musikalisch äußerst austauschbar zieht sich der tatsächlich kaum längere zweite Teil der „Toteninsel“-Split doch merklich. So bleibt diese Gemeinschaftsarbeit zweier renommierter Bands zwar leider etwas hinter den hohen  Erwartungen zurück, kann aber zumindest FARSOT-Fans als hörenswertes Kleinod dennoch ans Herz gelegt werden.