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Napalm Death: Erster Vorgeschmack auf Raritäten-Compilation

NAPALM DEATH werden am 30.03.2018 eine Compilation mit raren und inzwischen vergriffenen Tracks veröffentlichen.  „Coded Smears And More Uncommon Slurs“ wird 31 Stücke enthalten, eines davon präsentieren die Jungs jetzt schon. „Oh So Pseudo“ stammt aus den „Apex Predator-Easy Meat“-Sessions.

Haemorrhage – We Are The Gore

Es gibt diese Alben, bei denen schaut man sich das Front-Cover an und weiß bereits genau, was einen erwartet. Genau das ist bei „We Are The Gore“, dem siebten Werk der spanische Goregrind-Combo HAEMORRHAGE, der Fall. Die 1990 unter dem Namen Devourment gegründete Band verbindet auf ihren Alben dem von Lead-Gitarrist Luisma entworfenen Artwork entsprechende, comichaft überzeichnete Gewalt im Medizinerbereich mit fiesem, aber stets groovigem Grindcore und Death Metal.

Mit „We Are The Gore“ macht das Quintett da auch nach all der Zeit keine Anstalten, das zu ändern. Im Gegensatz zu den Vorgängern, ist ihr neues Werk allerdings merklich besser, moderner und klarer produziert und zielt damit offensichtlich auf ein breiteres Publikum ab. Keine schlechte Entscheidung, sind doch mies aufgenommene Alben heutzutage bei der fortgeschrittenen Technologie und dem verbreiteten Wissen kaum noch so entschuldbar wie noch vor 10-15 Jahren.

So legt dann „Nauseating Employments“ gleich angemessen brutal, schnell und merkwürdig eingängig los und eröffnet die etwa 35 Minuten lange Platte sehr energiegeladen. Wie bei den letzten Decapitated-Scheiben sind es auch auf „We Are The Gore“ die groovigen, fetzigen und klassisch Riff-lastigen Songs, die besonders positiv hervorstechen, während die regulären Grindcore-Stücke im Gegensatz dazu eher etwas untergehen. Mit dem donnernden Titeltrack, dem flotten „Transporting Cadavers“ oder dem auf den Punkt reduzierten „Bathed In Bile“ pfeffern die Spanier dem geneigten Grindcore-Fan gleich in der ersten Hälfte diverse Highlights der Platte in die Gehörgänge, wodurch in den ersten 15-20 Minuten kaum ein Fillermoment entsteht.

Leider hat das aber zur Folge, dass die Platte damit ihr Pulver ein wenig zu früh verschießt und in der zweiten Hälfte etwas aus der Puste kommt. Lediglich das rockige „Miss Phlebotomy“ weiß noch restlos zu überzeugen. Am Ende haben sich die fünf Musiker dann noch einen kleinen Scherz erlaubt, wenn sie nach dem letzten Track mit etwas Vorlaufpause versteckt noch eine A-cappella-Version von „We Are The World“ anstimmen – mit, ja, genau der Textänderung, die man bei diesem Albumtitel erwartet.

„We Are The Gore“ macht Spaß, so wie sich das für ein gelungenes Deathgrind-Album gehört. Natürlich kann man die trashigen, in mäßig gutem Englisch vorgetragenen Splatter-Texte mit Mediziner-Thematik zu keiner Sekunde ernstnehmen – soll man ja auch nicht. Musikalisch sind die 35 Minuten mit mitreißender, erfreulich Groove-Death-lastiger Musik gefüllt und können fast durchgehend bestens unterhalten. Was will man mehr?

Grog – Ablutionary Rituals

„Irgendwann ist immer das erste Mal.” Nicht umsonst handelt es sich bei diesem Spruch um eine Redewendung, die sich immer wieder auf Kalendern wiederfindet, denn sie trifft schlicht oft zu: So auch auf die aus Oeiras, einem Vorort der portugiesischen Hauptstadt Lissabon, stammenden GROG. Brutal Death Metal aus Portugal gibt es ja normalerweise in etwa so oft, wie in deutschen Bars Fado gesungen wird.

Die Band, die mit „Ablutionary Rituals“ im 26. Jahr ihres Bestehens ihr viertes Album veröffentlicht, setzt auf temporeiche Song-Strukturen, die immer wieder ins Blastbeat-Tempo übergehen. Hier und da streuen die Portugiesen auch coole Basssalven ein, wie im zweiten Song des Albus, „Uterine Casket“. Oft wird allerdings straight drauflos geballert: Das macht in „Savagery“ und „Vortex Of Bowelism“ ordentlich Laune. Der starke Sound tut sein Übriges: Die Becken krachen, der Bass knarzt, das Schlagzeug rummst und die Gitarrenleads sind mitsamt der vielen Harmonics trotz allem gut zu vernehmen. Ein echtes Highlight ist „Sarco Eso Phagus“ (by the way, cooles Wortspiel): Mit eingängigen Rhythmusgitarren und fetzigem Bass ballern GROG drauflos, um kurz das Tempo herauszunehmen und sodann wieder voll anzuziehen – hintendrauf ein Solo, Gang-Vocals und massig Groove. So macht Brutal Death Spaß. Letzteren scheint auch Frontsau Pedro Pedra zu haben, der sich mit Inbrunst durch die 14 Songs grunzt, quiekt, gurgelt und schreit.

Zwar hat „Ablutionary Rituals“ insbesondere im zweiten Drittel des Albums merkliche Spannungs-Durchhänger – es macht sich eine gewisse Eintönigkeit breit – , jedoch entschädigen „Gut Throne“ und „Of Leeches, Vultures and Zombies“ dafür ganz anständig. Für Liebhaber von Experimenten gibt es mit „Katharsis, The Cortex Of Doom And The Left Hand Moon“ noch ein Stück zu hören, das im ersten Teil doomig und im zweiten Teil von elektronischen Beats, seichten Gitarren und düsterem Gegrunze auf portugiesisch geprägt ist – eine willkommene Abwechslung in diesem GROG-Album, das trotz kleinerer Schwächen stets positive Gedanken an einen riesigen Moshpit in einem Underground-Schuppen am Hafen von Lissabon hervorzurufen im Stande ist.

Dying Fetus – Wrong One To Fuck With

Das Musikjahr 2017 ist dem US-amerikanischen Brutal Death Metal bislang mehr als wohlgesonnen: Mit Immolation und Suffocation meldeten sich zwei große Bands des Genres mit jeweils sehr starken neuen Platten zurück. Da lassen es sich DYING FETUS, die aus Annapolis stammenden Meister des brutalen Todesmetalls, ebenfalls nicht nehmen, mitzumischen – und das ist auch überfällig, denn fünf Jahre sind seit dem letzten, zu Recht fast durchweg positiv rezipierten Langspieler „Reign Supreme“ vergangen, eine Zeitspanne, die DYING FETUS ihren Hörern noch nie aufgebürdet haben. Aber gut Ding braucht oftmals eben Zeit.

Anlegen sollte man sich mit dem Drei-Mann-Trupp jedenfalls nicht. Das implizieren nicht nur der Titel des neuen Albums „Wrong One To Fuck With“ sowie sein morbides, blutiges Artwork (welches im Laden übrigens aus Zensurgründen durch einen Pappschuber mit der Aufschrift „Cover too explicit“ verhüllt wird), sondern auch und in erster Linie die darauf befindliche Musik – denn hier wird in bester DYING-FETUS-Manier alles und jeder eingestampft und gnadenlos dem Erdboden gleich gemacht. Zehn, den Bonustrack „Induce Terror“ eingerechnet elf Abrissbirnen sorgen dafür, dass von den rund 50 Minuten, auf die es der Silberling bringt, nicht eine einzige ruhig abläuft. Der Clou dabei: Ein Song ist besser als der andere! Wie verbissen man auch danach sucht, man wird auf „Wrong One To Fuck With“ nicht einen qualitativen Ausbruch nach unten finden. Hier jagt ein Mörderriff das nächste, massive Breakdowns hauen selbst den standhaftesten Todesmetaller aus den Schuhen und die biestigen Vocals klingen einmal mehr wie von einem zutiefst unmenschlichen Ding aus dem tiefsten aller Sümpfe. Großartig! All diese Elemente in ihrer Kombination sorgen dafür, dass die nicht unbedingt kurzen Nummern (nur „Panic Amongst The Herd“ unterschreitet die Vier-Minuten-Marke) stets spannend und mitreißend bleiben.

Die gleichbleibend hohe Qualität der Songs macht es umgekehrt schwierig, klare Höhepunkte zu benennen, denn seien wir ehrlich: Allzu sehr unterscheiden sich die Nummern bei den ersten Hördurchgängen nicht. Einzelne Songs wie „Ideological Subjugation“ mit seinem gekonnt abwechslungsreichen Gitarrenspiel oder „Weaken The Structure“, das mit einer fast sanften, nahezu schon wehmütig klingenden Gitarre beginnt, bevor es sich in die typische DYING-FETUS-Eruption entlädt, tun sich zwar hervor. Dennoch fällt es auch nach mehrmaligem Genuss der Scheibe schwer, bestimmte Nummern gegenüber anderen explizit positiv hervorzuheben. Vielmehr wirkt „Wrong One To Fuck With“ wie ein Sog, dessen Zugkraft man sich nicht entziehen kann, sobald man einmal hineingeraten ist. Das lohnt sich in jedem Fall ob der hohen Qualität des dargebotenen Materials, eine gewisse Bereitschaft, sich auf ein Album einzulassen, dessen Songs Zeit brauchen, muss man jedoch mitbringen. Echte Weiterentwicklung sollte ohnehin niemand erwarten, hier wird nicht mehr und nicht weniger als der unverfälschte DYING-FETUS-Sound geboten. Dieser ist es jedoch letzten Endes, auf den sich der Hörer einmal mehr blindlings verlassen kann und der das achte Album der Gruppe zu dem Highlight macht, das es ist.

Mit „Wrong One To Fuck With“ müssen sich DYING FETUS nicht hinter den überaus wertigen neuen Platten diverser Genrekollegen verstecken. Sie liefern ein Album ab, das sich hervorragend in die bisherige Diskographie einreiht und bei der Gruppe nicht die geringsten Ermüdungserscheinungen erkennen lässt. Brachial, gewaltig und mitreißend – das sind nur einige der Adjektive, für die diese Meisterleistung aus Übersee steht. So macht brutaler Death Metal Spaß!

Full Of Hell – Trumpeting Ecstasy

FULL OF HELL sind keine typische Grindcore-Band. Dafür steht der Fünfer aus Maryland, Pennsylvania zu stark in einer Hardcore- und Punktradition und arbeitet zur gleichen Zeit zu stark mit elektronischen Noise-Elementen und Stilbrüchen. Das Kollabo-Album mit der japanischen Noise-Legende Merzbow ist nur ein Beispiel für das ihnen häufig aufgeklebte Etikett „Avantgarde“. Auf ihrem dritten Album „Trumpeting Ecstasy“ liefern FULL OF HELL ein brachiales Stück Musik ab, das sich zwischen Grindcore, Brutal Death, Punk, Hardcore, Sludge, Black Metal, Noise und Industrial austobt und in 24 Minuten Spielzeit keine Gefangenen macht.

Entsprechend des Covers widmen sich FULL OF HELL auf „Trumpeting Ecstasy“ der Religion und den diesem Konzept innewohnenden gesellschaftlichen Unterdrückungen. Dabei warten FULL OF HELL mit etlichen Dynamikwechseln auf und wechseln teilweise nur 40 Sekunden langes Geknüppel („Digital Prison“) mit dreiminütigen Sludge-Brocken ab („Gnawed Flesh“). Auf den längeren Stücken können FULL OF HELL ihre Stärken besser ausspielen, viele der kürzeren Nummern („Fractured Quartz“) enden abrupt und gewaltsam. Immer wieder eingestreute Spoken-Word-Samples („Deluminate“) und Noise-Elemente („Ashen Mesh“) intensivieren die verstörende Wirkung dieses hasserfüllten Klumpens Musik. Der Gesang von Dylan Walker pendelt zwischen tiefem Gegrunze und wüstem Gekeife hin und her. Beide Stile passen hervorragend zur Musik von FULL OF HELL, das Grunzen klingt allerdings stellenweise doch arg gepresst.

Zum nihilistischen und überwältigenden Eindruck von „Trumpeting Ecstasy“ trägt, neben dem durchgehenden Albumfluss divergenter Stile, auch die dreckige und gleichzeitig mächtige Produktion von Kurt Ballou bei. Auch inhaltlich lassen FULL OF HELL immer wieder Anleihen an die Hauptband des Produzenten erkennen: In „The Cosmic Vein“ überschlagen sich rasende Gitarrenmelodien und schwindelerregende Breaks, ganz wie es auch bei Converge der Fall ist. Auch der sechsminütige Abschluss „At The Cauldron’s Bottom“ (immerhin fast ein Drittel der Spielzeit von „Trumpeting Ecstasy“) führt als Bastard aus allen Genres härterer Gitarrenmusik die Songwriting-Fähigkeiten von FULL OF HELL noch einmal vor Augen. Die experimentelle Seite der Band kommt am deutlichsten im Titelsong zur Geltung, der schon fast Industrialzüge annimmt und mit lieblichem Frauengesang regelrecht Angst einjagt, bevor Störgeräusche und tiefes Gebrüll das Lied atonal nach vorne schieben.

Auch wenn sich einige zu stumpfe Parts einschleichen, reißen FULL OF HELL auf „Trumpeting Ecstasy“ mit ihrem brachialen Mix aus harten Genres mit. Ihr drittes Album stellt einen weiteren Eintrag im Bereich durchdachter und experimenteller extremer Musik dar, das den Ausnahmestatus der Band weiter zementiert.

Benighted

Trotz der Tatsache, dass bis auf Sänger Julien Truchan seit dem letzten Album „Carnivore Sublime“ die komplette Band abgesprungen ist und durch neue Bandmitglieder ersetzt wurde, ist das neue BENIGHTED-Werk „Necrobreed“, erneut ein Sahnestück in Sachen Brutal Death Metal geworden, bei dem ein Killer-Track den nächsten jagt. Truchan gibt im Interview Auskunft über den Entstehungsprozess des Albums, Schizophrenie, nervige gehypte Musiker und seine Vorliebe für die deutsche Sprache.

Hallo Julien. Gratulation zu eurem neuen Album, es ist wirklich super geworden. Bist du auch damit zufrieden?
Vielen Dank! Wir haben genau das mit dem Album erreicht, was wir uns vorgenommen haben, sei es in Sachen Songwriting, Produktion, Artwork oder Sound: Wir sind zu 100 Prozent zufrieden. Das Album ist gleichzeitig intensiv und düster, es erzählt eine morbide, aber echte Geschichte, die die harte, brutale Seite unserer Musik verstärkt.

Bis auf dich haben sämtliche Bandmitglieder die Band zwischen den letzten beiden Alben verlassen. Warum und wann ist das passiert, und wie geht es weiter?
Das Projekt BENIGHTED verlangt einfach extrem viel Zeit und es ist sehr schwierig, diesem Rhythmus zu folgen, wenn du nebenbei arbeitest und auch noch eine Familie hast. Das war auch der Hauptgrund für die vielen Besetzungswechsel in den letzten Jahren. Nachdem „Carnivore Sublime“ erschienen ist, haben Adrien und Alex, unser Gitarrist und Bassist, die Gruppe recht plötzlich und unerwartet verlassen, um sich ihrem Pop-Rock-Projekt zu widmen, da sie von der Musik leben können wollten – sie haben sich jedoch kurz darauf aufgelöst. Unser Drummer Kevin hat immer gesagt, dass er eine Band finden will, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann – er hat ein Angebot von Abbath bekommen, das er nicht ablehnen konnte, und die Gruppe verlassen. Ein echter Goldjunge und unglaublich guter Drummer. Ich wünsche ihm nur das Beste.

Inwiefern haben die Abgänge die Arbeiten an „Necrobreed“ beeinflusst?
Unser neuer Gitarrist Manu (Emmanuel Dalle, Anm. d. Red.) hat einen Großteil der Riffs geschrieben. Ansonsten sind es eher die Arbeit im Kollektiv und unsere jeweiligen Einflüsse, die diese Alchemie ausmachen, aus der sich BENIGHTED ergibt. Wir wissen immer genau, in welche Richtung es gehen soll und die neuen Bandmitglieder haben diese Bandphilosophie nicht nur verinnerlicht, sondern bereichern sie sogar durch ihre unbändige Energie und ihre frischen Ideen.

Wie viel Zeit habt ihr benötigt, um „Necrobreed“ fertigzustellen? Wann habt ihr begonnen, die Lieder zu schreiben und wie lange wart ihr im Studio?
„Necrobreed“ wurde in neun Monaten fertiggestellt, wie eine Schwangerschaft. (lacht) Wir sind drei Wochen im Kohlekeller-Studio gewesen, um aufzunehmen.

Nehmt ihr Ferien, um genug Zeit zu haben, das Album aufzunehmen? Oder macht ihr das immer am Wochenende, beziehungsweise abwechselnd abends nach der Arbeit?
Im Kohlekeller-Studio in Deutschland aufzunehmen ist schon wie Urlaub, da wir mit Kohle (Kristian Kohlmannslehner, Anm. d. Red.) seit langem befreundet sind. Es ist immer cool, ihn zu sehen. Da wir leider nicht ewig Ferien haben, sind wir für die Aufnahmen immer zu zweit ins Studio gegangen, damit es immer noch eine zweite Meinung gab, wenn während der Aufnahmen Fragen aufkamen.


Kannst du nochmal erklären, was das textliche Albumkonzept ist?
Klar: Es geht um einen Schizophrenen, der aufgrund eines sexuellen Traumas einen Wahn entwickelt, und sich deswegen tote Tiere, die er auf der Straße aufsammelt, an den Bauch näht, um sie „auszutragen“, bevor er sie in dem Moment gebärt, in dem er die Hitze, die auf seiner Haut durch die Infektion entsteht, mit der, die das wiederbelebte Tier vorgefunden hätte, verwechselt, und das Tier zu seinem Kind wird. Um den Tieren ähnlicher zu sehen, näht er sich in der Folge Fellstücke und Körperteile der Tiere an den Körper, damit alle auch Teil der selben Familie werden.

Das Album ist in meinen Augen weniger melodisch und gleichzeitig extremer ist als die Vorgänger (vor allem Lieder wie „Der Doppelgänger“ und „Leatherface“) – gehört das zum Albumkonzept?
Da gehen die Meinungen weit auseinander, manche finden das Album viel melodischer und eingängiger als die letzten… Ums dir genau zu sagen: Wir achten darauf eigentlich nicht wirklich, alles was wir wollten, war ein düsteres, intensives Album zu schreiben, das einerseits eine richtig finstere Atmosphäre und ultra-brutale Parts bietet, gleichzeitig aber auch Refrains, die dir beim ersten Hören im Ohr bleiben.

Was bedeutet das Wort „Necrobreed“? Ist es eine Art Synonym für „Totgeburt“?
Nein, es ist eher ein Synonym für „Aufzucht der Toten“, das Symbol der Erschaffung einer Familie durch Kadaver.

Was zeigt das Albumcover und wer hat es designt?
Der Hauptcharakter ist der schizophrene Mann, der nach und nach Attribute eines Tieres aufweist, um seinen Kindern ähnlich zu sehen, und die beiden Mannequins an seiner Seite sind Träger von Haut, die er anziehen kann, um seiner Familie noch näher zu sein. Das Cover wurde von Gary Ronaldson gezeichnet, er hat das auch für unser Live-Album „Brutalive The Sick“ gemacht. Das Cover ist düster und super detailreich, ich liebe es!

Sind diesmal auch wieder Gastsänger dabei, und wenn ja, bei welchen Liedern?
Ja klar, diesmal insgesamt drei. Zunächst Asphodel von der Band Chenille, die die Stimmen in „Hush Little Baby“ spricht. Sie passen perfekt zur „80er-Jahre-Horrorfilm-Stimmung“, die wir schaffen wollten, da „Necrobreed“ die Sünde und die Gewalt dieser Art von Filmen verkörpert. Sie hat ihre Sache wirklich perfekt gemacht. Dann wäre da unser Kumpel Trevor von The Black Dahlia Murder. Mit ihnen sind wir 2016 getourt, der Typ ist unglaublich, auf und abseits der Bühne. Als wir „Forgive Me Father“ geschrieben haben, haben wir sofort an ihn gedacht, und als ich ihn angerufen habe, war er so enthusiastisch, dass er gleich mal ein neues Studio-Mic gekauft hat, um auch sicherzugehen, dass das bestmögliche Resultat dabei rauskommt. Zuletzt noch Arno von Black Bomb A, der mit seiner unfassbaren Bärenstimme die Delikatesse „Cum With Disgust“ noch weit über ihren unendlich poetischen Songtitel hinweg veredelt hat.

Was ist dein Lieblingslied auf dem Album, und warum?
Es ist „Reeks Of Darkened Zoopsia“, wegen seines Intros, das ich unglaublich finde, und des coolen Refrains.


Wenn ich es richtig verstanden habe, ist nicht nur der Titel, sondern auch die Lyrics von „Der Doppelgänger“ auf Deutsch. Warum hast du dich dafür entschieden, einen Track mit deutschen Texten zu schreiben, und worum geht es in diesem Lied?
Ich benutze die deutsche Sprache sehr gerne. Ich hatte schon für einen Song auf „Asylum Cave“ damit experimentiert, und es ist auch eine Hommage an alle unsere deutschsprachigen Fans, die uns seit so vielen Jahren unterstützen. Es geht um den imaginären Doppelgänger, der dich kurz heimsucht, wenn du kurz vor dem Tod stehst. In der Geschichte des Albums passiert dies dem Hauptcharakter jedes Mal, wenn er ein neues Tier gebärt, er wird „neu geboren“.

Neben seines düsteren Titels hat „Mass Grave“ ja auch einen Black-Metal-Touch und erinnert mich an Anaal Nathrakh. Worum geht es in diesem Song?
Es geht um das letzte Kapitel der Geschichte, in der sich der Hauptcharakter der Tatsache bewusst wird, dass er nicht so ist wie seine Kinder und es nie sein wird. Er entfernt sie von seinem Körper, setzt sich auf einen Stuhl und legt sie im Kreis um sich ab, die Pistole ans Kinn gedrückt, und setzt sich gemeinsam mit ihnen in Brand, damit er mit ihnen auf dem Scheiterhaufen derart vereint sein kann, wie er es in fleischlicher Gestalt nie konnte.

Euer Gespür für Ohrwurmmelodien ist wirklich außergewöhnlich – hat jemand von euch eine musikalische Ausbildung gemacht oder ist das einfach nur Talent?
Vielen Dank! Wir haben keine musikalische Ausbildung, wir vertrauen da einfach unserem Bauchgefühl, ohne darauf zu achten, was „gerade in ist“ oder was die Leute von uns erwarten.

Ihr werdet bald in Europa, auch in Deutschland, auf Tour gehen. Gibt es einen Ort, auf den ihr euch ganz besonders freut?
Ich liebe es, in Deutschland zu spielen, auch in Holland, aber eigentlich haben wir überall völlig verrückte Fans, das ist super. Das letzte Mal, das wir in Rumänien und Bulgarien gespielt haben, waren die Shows ausverkauft und die Leute waren von vorn bis hinten voll dabei, unglaublich.

Hast du den Eindruck, dass die französische Metalszene größer wird? Man hört von dort echt immer nicht viel….
In Frankreich gehört Metal nicht so zur Kultur und wird es auch nie, glaube ich. Selbst riesige Gruppen wie Gojira haben Schwierigkeiten, irgendwo in der Öffentlichkeit und in den Medien in Erscheinung zu treten. Erst mit ihrem letzten Album ist ihnen das zum ersten Mal gelungen, obwohl sie seit vielen Jahren großartige Musik machen und dabei in ihrem eigenen Land weniger gehyped werden als jeder drittklassige Hanswurst, der Claude François (französischer Komponist und Chansonnier, Anm. d. Red.) neu interpretiert. Aber das ist nicht so schlimm. Solange es Leute gibt, die mit Leidenschaft dabei sind und die Leute ihre Ärsche zu Konzerten schwingen, werden wir unsere eigene Kultur haben, die viel persönlicher und aufrichtiger ist als die ganze andere Suppe, die man uns auftischt.


Was habt ihr außer Touren noch für das Jahr 2017 geplant?
Wir werden noch einen neuen Videoclip produzieren, um das Album zu promoten, und darüber nachdenken, wie wir nächstes Jahr das 20-jährige Bandbestehen feiern werden.

Zum Abschluss des Interviews möchte ich gerne mit dir das Metal1-Brainstorming machen. Ich nenne dir ein paar Begriffe und du sagst mir, was dir dazu einfällt:
Donald Trump: Ein Witz
Wahlen in Frankreich 2017: Ein Witz
Belgisches Bier: Tödlich
Franck Ribéry:
Ein Witz mit Sprachfehler
Crystal Meth: Scheiße
Metal 1.info: Leidenschaft zum Teilen!

Danke für das Interview. Die letzten Worte an die Leser gehören dir. Machs gut.
Danke für das Interview und wir sehen uns auf Tour, um euch zu zeigen, wie sich „Necrobreed“ live anhört. Spread The Sickness !

Das Album des Monats Februar …

… kommt aus Frankreich: BENIGHTED haben mit ihrem aktuellen Release „Necrobreed“ bewiesen, dass sie weiterhin zur Speerspitze des europäischen Extrem-Metals gehören: Wie schon die Vorgänger „Carnivore Sublime“ und „Asylum Cave“, das ebenfalls Album des Monats wurde, vereint das neue Album Härte, Eingängigkeit und Groove zu einem fulminanten Gesamtwerk, das Anhängern der Band erneut jahrelang Freude bereiten dürfte.

Zum Review gelangt ihr durch einen Klick auf das Cover:

Benighted – Necrobreed

Möchten Sie ihr Haus kostengünstig abreißen lassen? Wohnen Sie innerhalb Europas? Dann ist das neue BENIGHTED-Album „Necrobreed“ genau das Richtige für Sie: Dieses Rundumpaket kommt mit durchschnittlich 200 Beats pro Minute, apokalyptischen Gitarren, abgefahrenen Breakdowns und ohne störende Anwandlungen von Normalität aus. Auch die Vorgänger-Modelle „Carnivore Sublime“, „Asylum Cave“ und „Icon“ haben in diesen Kategorien bereits vollends überzeugt.

Seit Release des letzten Albums hat sich das Personalkarussell bei BENIGHTED ordentlich gedreht: So sind vom damaligen Line-Up nur Sänger Julien Truchan und Gitarrist Olivier Gabriel übrig geblieben. Gitarrist Adrien Guérin, Bassist Alexis Lieu und Schlagzeuger Kevin Foley haben die Band verlassen und wurden von Emmanuel Dalle, Pierre Arnoux und Romain Goulon ersetzt.

Geschadet hat das BENIGHTED jedoch in keinster Weise: So bietet „Necrobreed“ in gewohnter Band-Tradition ein Dutzend Abrissbirnen, von denen qualitativ keine nach unten, dafür einige nach oben ausbrechen: Folgend auf das Intro „Hush Little Baby“ blasten die Franzosen im genialen „Reptilian“ erstmal alles in Grund und Boden – mit seiner konstant hohen Geschwindigkeit, den coolen Hooks und den eingestreuten Midtempo-Grooves verfügt der Quasi-Opener über alle Qualitäten eines hochkarätigen BENIGHTED-Songs.

Die Franzosen haben es mit „Necrobreed“ erneut geschafft, ein vielfältiges, abwechslungsreiches und vollkommen unvorhersehbares Sound-Monster zu erschaffen. Dabei liegt der Fokus noch mehr als zuvor auf einer düsteren Grundstimmung, die BENIGHTED mit einer Mischung aus morbiden Gitarrenriffs, fiesen Breaks und krankem Geschrei erschaffen – insbesondere das „Triumvirat“ „Forgive Me Father“, „Leatherface“ und „Der Doppelgaenger“ ist hier hervorzuheben.

Während der Titelsong mit seinen weniger als zwei Minuten Spielzeit als sowas wie der „Spaß-Track” des Albums durchgeht, hauen BENIGHTED in Form von „Cum With Disgust“ noch eine fulminante Death’n’Roll-Nummer und mit „Versipellis“ alle verbliebenen Gehirnzellen raus – Letzterer ist ohne Zweifel der abgefahrenste aller „Necrobreed“-Tracks. Der Rausschmeißer „Mass Grave“ steht dem jedoch kaum nach: Das aberwitzige Finish aus fiesem Geschrei und düsteren Gitarrenriffs erinnert mit seiner Endzeit-Stimmung sehr an Anaal Nathrakh.

Tendenziell fehlen „Necrobreed“ ein wenig die Killer-Hooks der in Sachen Hitdichte unerreichten Alben der Band „Icon“ und „Asylum Cave“ – dennoch ist das neueste BENIGHTED-Album wieder ein Sammelstück voll cooler (Brutal-)Death-Metal-Songs, das man besser nicht verpassen sollte.