Archives

Full Of Hell – Trumpeting Ecstasy

FULL OF HELL sind keine typische Grindcore-Band. Dafür steht der Fünfer aus Maryland, Pennsylvania zu stark in einer Hardcore- und Punktradition und arbeitet zur gleichen Zeit zu stark mit elektronischen Noise-Elementen und Stilbrüchen. Das Kollabo-Album mit der japanischen Noise-Legende Merzbow ist nur ein Beispiel für das ihnen häufig aufgeklebte Etikett „Avantgarde“. Auf ihrem dritten Album „Trumpeting Ecstasy“ liefern FULL OF HELL ein brachiales Stück Musik ab, das sich zwischen Grindcore, Brutal Death, Punk, Hardcore, Sludge, Black Metal, Noise und Industrial austobt und in 24 Minuten Spielzeit keine Gefangenen macht.

Entsprechend des Covers widmen sich FULL OF HELL auf „Trumpeting Ecstasy“ der Religion und den diesem Konzept innewohnenden gesellschaftlichen Unterdrückungen. Dabei warten FULL OF HELL mit etlichen Dynamikwechseln auf und wechseln teilweise nur 40 Sekunden langes Geknüppel („Digital Prison“) mit dreiminütigen Sludge-Brocken ab („Gnawed Flesh“). Auf den längeren Stücken können FULL OF HELL ihre Stärken besser ausspielen, viele der kürzeren Nummern („Fractured Quartz“) enden abrupt und gewaltsam. Immer wieder eingestreute Spoken-Word-Samples („Deluminate“) und Noise-Elemente („Ashen Mesh“) intensivieren die verstörende Wirkung dieses hasserfüllten Klumpens Musik. Der Gesang von Dylan Walker pendelt zwischen tiefem Gegrunze und wüstem Gekeife hin und her. Beide Stile passen hervorragend zur Musik von FULL OF HELL, das Grunzen klingt allerdings stellenweise doch arg gepresst.

Zum nihilistischen und überwältigenden Eindruck von „Trumpeting Ecstasy“ trägt, neben dem durchgehenden Albumfluss divergenter Stile, auch die dreckige und gleichzeitig mächtige Produktion von Kurt Ballou bei. Auch inhaltlich lassen FULL OF HELL immer wieder Anleihen an die Hauptband des Produzenten erkennen: In „The Cosmic Vein“ überschlagen sich rasende Gitarrenmelodien und schwindelerregende Breaks, ganz wie es auch bei Converge der Fall ist. Auch der sechsminütige Abschluss „At The Cauldron’s Bottom“ (immerhin fast ein Drittel der Spielzeit von „Trumpeting Ecstasy“) führt als Bastard aus allen Genres härterer Gitarrenmusik die Songwriting-Fähigkeiten von FULL OF HELL noch einmal vor Augen. Die experimentelle Seite der Band kommt am deutlichsten im Titelsong zur Geltung, der schon fast Industrialzüge annimmt und mit lieblichem Frauengesang regelrecht Angst einjagt, bevor Störgeräusche und tiefes Gebrüll das Lied atonal nach vorne schieben.

Auch wenn sich einige zu stumpfe Parts einschleichen, reißen FULL OF HELL auf „Trumpeting Ecstasy“ mit ihrem brachialen Mix aus harten Genres mit. Ihr drittes Album stellt einen weiteren Eintrag im Bereich durchdachter und experimenteller extremer Musik dar, das den Ausnahmestatus der Band weiter zementiert.

Benighted

Trotz der Tatsache, dass bis auf Sänger Julien Truchan seit dem letzten Album „Carnivore Sublime“ die komplette Band abgesprungen ist und durch neue Bandmitglieder ersetzt wurde, ist das neue BENIGHTED-Werk „Necrobreed“, erneut ein Sahnestück in Sachen Brutal Death Metal geworden, bei dem ein Killer-Track den nächsten jagt. Truchan gibt im Interview Auskunft über den Entstehungsprozess des Albums, Schizophrenie, nervige gehypte Musiker und seine Vorliebe für die deutsche Sprache.

Hallo Julien. Gratulation zu eurem neuen Album, es ist wirklich super geworden. Bist du auch damit zufrieden?
Vielen Dank! Wir haben genau das mit dem Album erreicht, was wir uns vorgenommen haben, sei es in Sachen Songwriting, Produktion, Artwork oder Sound: Wir sind zu 100 Prozent zufrieden. Das Album ist gleichzeitig intensiv und düster, es erzählt eine morbide, aber echte Geschichte, die die harte, brutale Seite unserer Musik verstärkt.

Bis auf dich haben sämtliche Bandmitglieder die Band zwischen den letzten beiden Alben verlassen. Warum und wann ist das passiert, und wie geht es weiter?
Das Projekt BENIGHTED verlangt einfach extrem viel Zeit und es ist sehr schwierig, diesem Rhythmus zu folgen, wenn du nebenbei arbeitest und auch noch eine Familie hast. Das war auch der Hauptgrund für die vielen Besetzungswechsel in den letzten Jahren. Nachdem „Carnivore Sublime“ erschienen ist, haben Adrien und Alex, unser Gitarrist und Bassist, die Gruppe recht plötzlich und unerwartet verlassen, um sich ihrem Pop-Rock-Projekt zu widmen, da sie von der Musik leben können wollten – sie haben sich jedoch kurz darauf aufgelöst. Unser Drummer Kevin hat immer gesagt, dass er eine Band finden will, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann – er hat ein Angebot von Abbath bekommen, das er nicht ablehnen konnte, und die Gruppe verlassen. Ein echter Goldjunge und unglaublich guter Drummer. Ich wünsche ihm nur das Beste.

Inwiefern haben die Abgänge die Arbeiten an „Necrobreed“ beeinflusst?
Unser neuer Gitarrist Manu (Emmanuel Dalle, Anm. d. Red.) hat einen Großteil der Riffs geschrieben. Ansonsten sind es eher die Arbeit im Kollektiv und unsere jeweiligen Einflüsse, die diese Alchemie ausmachen, aus der sich BENIGHTED ergibt. Wir wissen immer genau, in welche Richtung es gehen soll und die neuen Bandmitglieder haben diese Bandphilosophie nicht nur verinnerlicht, sondern bereichern sie sogar durch ihre unbändige Energie und ihre frischen Ideen.

Wie viel Zeit habt ihr benötigt, um „Necrobreed“ fertigzustellen? Wann habt ihr begonnen, die Lieder zu schreiben und wie lange wart ihr im Studio?
„Necrobreed“ wurde in neun Monaten fertiggestellt, wie eine Schwangerschaft. (lacht) Wir sind drei Wochen im Kohlekeller-Studio gewesen, um aufzunehmen.

Nehmt ihr Ferien, um genug Zeit zu haben, das Album aufzunehmen? Oder macht ihr das immer am Wochenende, beziehungsweise abwechselnd abends nach der Arbeit?
Im Kohlekeller-Studio in Deutschland aufzunehmen ist schon wie Urlaub, da wir mit Kohle (Kristian Kohlmannslehner, Anm. d. Red.) seit langem befreundet sind. Es ist immer cool, ihn zu sehen. Da wir leider nicht ewig Ferien haben, sind wir für die Aufnahmen immer zu zweit ins Studio gegangen, damit es immer noch eine zweite Meinung gab, wenn während der Aufnahmen Fragen aufkamen.


Kannst du nochmal erklären, was das textliche Albumkonzept ist?
Klar: Es geht um einen Schizophrenen, der aufgrund eines sexuellen Traumas einen Wahn entwickelt, und sich deswegen tote Tiere, die er auf der Straße aufsammelt, an den Bauch näht, um sie „auszutragen“, bevor er sie in dem Moment gebärt, in dem er die Hitze, die auf seiner Haut durch die Infektion entsteht, mit der, die das wiederbelebte Tier vorgefunden hätte, verwechselt, und das Tier zu seinem Kind wird. Um den Tieren ähnlicher zu sehen, näht er sich in der Folge Fellstücke und Körperteile der Tiere an den Körper, damit alle auch Teil der selben Familie werden.

Das Album ist in meinen Augen weniger melodisch und gleichzeitig extremer ist als die Vorgänger (vor allem Lieder wie „Der Doppelgänger“ und „Leatherface“) – gehört das zum Albumkonzept?
Da gehen die Meinungen weit auseinander, manche finden das Album viel melodischer und eingängiger als die letzten… Ums dir genau zu sagen: Wir achten darauf eigentlich nicht wirklich, alles was wir wollten, war ein düsteres, intensives Album zu schreiben, das einerseits eine richtig finstere Atmosphäre und ultra-brutale Parts bietet, gleichzeitig aber auch Refrains, die dir beim ersten Hören im Ohr bleiben.

Was bedeutet das Wort „Necrobreed“? Ist es eine Art Synonym für „Totgeburt“?
Nein, es ist eher ein Synonym für „Aufzucht der Toten“, das Symbol der Erschaffung einer Familie durch Kadaver.

Was zeigt das Albumcover und wer hat es designt?
Der Hauptcharakter ist der schizophrene Mann, der nach und nach Attribute eines Tieres aufweist, um seinen Kindern ähnlich zu sehen, und die beiden Mannequins an seiner Seite sind Träger von Haut, die er anziehen kann, um seiner Familie noch näher zu sein. Das Cover wurde von Gary Ronaldson gezeichnet, er hat das auch für unser Live-Album „Brutalive The Sick“ gemacht. Das Cover ist düster und super detailreich, ich liebe es!

Sind diesmal auch wieder Gastsänger dabei, und wenn ja, bei welchen Liedern?
Ja klar, diesmal insgesamt drei. Zunächst Asphodel von der Band Chenille, die die Stimmen in „Hush Little Baby“ spricht. Sie passen perfekt zur „80er-Jahre-Horrorfilm-Stimmung“, die wir schaffen wollten, da „Necrobreed“ die Sünde und die Gewalt dieser Art von Filmen verkörpert. Sie hat ihre Sache wirklich perfekt gemacht. Dann wäre da unser Kumpel Trevor von The Black Dahlia Murder. Mit ihnen sind wir 2016 getourt, der Typ ist unglaublich, auf und abseits der Bühne. Als wir „Forgive Me Father“ geschrieben haben, haben wir sofort an ihn gedacht, und als ich ihn angerufen habe, war er so enthusiastisch, dass er gleich mal ein neues Studio-Mic gekauft hat, um auch sicherzugehen, dass das bestmögliche Resultat dabei rauskommt. Zuletzt noch Arno von Black Bomb A, der mit seiner unfassbaren Bärenstimme die Delikatesse „Cum With Disgust“ noch weit über ihren unendlich poetischen Songtitel hinweg veredelt hat.

Was ist dein Lieblingslied auf dem Album, und warum?
Es ist „Reeks Of Darkened Zoopsia“, wegen seines Intros, das ich unglaublich finde, und des coolen Refrains.


Wenn ich es richtig verstanden habe, ist nicht nur der Titel, sondern auch die Lyrics von „Der Doppelgänger“ auf Deutsch. Warum hast du dich dafür entschieden, einen Track mit deutschen Texten zu schreiben, und worum geht es in diesem Lied?
Ich benutze die deutsche Sprache sehr gerne. Ich hatte schon für einen Song auf „Asylum Cave“ damit experimentiert, und es ist auch eine Hommage an alle unsere deutschsprachigen Fans, die uns seit so vielen Jahren unterstützen. Es geht um den imaginären Doppelgänger, der dich kurz heimsucht, wenn du kurz vor dem Tod stehst. In der Geschichte des Albums passiert dies dem Hauptcharakter jedes Mal, wenn er ein neues Tier gebärt, er wird „neu geboren“.

Neben seines düsteren Titels hat „Mass Grave“ ja auch einen Black-Metal-Touch und erinnert mich an Anaal Nathrakh. Worum geht es in diesem Song?
Es geht um das letzte Kapitel der Geschichte, in der sich der Hauptcharakter der Tatsache bewusst wird, dass er nicht so ist wie seine Kinder und es nie sein wird. Er entfernt sie von seinem Körper, setzt sich auf einen Stuhl und legt sie im Kreis um sich ab, die Pistole ans Kinn gedrückt, und setzt sich gemeinsam mit ihnen in Brand, damit er mit ihnen auf dem Scheiterhaufen derart vereint sein kann, wie er es in fleischlicher Gestalt nie konnte.

Euer Gespür für Ohrwurmmelodien ist wirklich außergewöhnlich – hat jemand von euch eine musikalische Ausbildung gemacht oder ist das einfach nur Talent?
Vielen Dank! Wir haben keine musikalische Ausbildung, wir vertrauen da einfach unserem Bauchgefühl, ohne darauf zu achten, was „gerade in ist“ oder was die Leute von uns erwarten.

Ihr werdet bald in Europa, auch in Deutschland, auf Tour gehen. Gibt es einen Ort, auf den ihr euch ganz besonders freut?
Ich liebe es, in Deutschland zu spielen, auch in Holland, aber eigentlich haben wir überall völlig verrückte Fans, das ist super. Das letzte Mal, das wir in Rumänien und Bulgarien gespielt haben, waren die Shows ausverkauft und die Leute waren von vorn bis hinten voll dabei, unglaublich.

Hast du den Eindruck, dass die französische Metalszene größer wird? Man hört von dort echt immer nicht viel….
In Frankreich gehört Metal nicht so zur Kultur und wird es auch nie, glaube ich. Selbst riesige Gruppen wie Gojira haben Schwierigkeiten, irgendwo in der Öffentlichkeit und in den Medien in Erscheinung zu treten. Erst mit ihrem letzten Album ist ihnen das zum ersten Mal gelungen, obwohl sie seit vielen Jahren großartige Musik machen und dabei in ihrem eigenen Land weniger gehyped werden als jeder drittklassige Hanswurst, der Claude François (französischer Komponist und Chansonnier, Anm. d. Red.) neu interpretiert. Aber das ist nicht so schlimm. Solange es Leute gibt, die mit Leidenschaft dabei sind und die Leute ihre Ärsche zu Konzerten schwingen, werden wir unsere eigene Kultur haben, die viel persönlicher und aufrichtiger ist als die ganze andere Suppe, die man uns auftischt.


Was habt ihr außer Touren noch für das Jahr 2017 geplant?
Wir werden noch einen neuen Videoclip produzieren, um das Album zu promoten, und darüber nachdenken, wie wir nächstes Jahr das 20-jährige Bandbestehen feiern werden.

Zum Abschluss des Interviews möchte ich gerne mit dir das Metal1-Brainstorming machen. Ich nenne dir ein paar Begriffe und du sagst mir, was dir dazu einfällt:
Donald Trump: Ein Witz
Wahlen in Frankreich 2017: Ein Witz
Belgisches Bier: Tödlich
Franck Ribéry:
Ein Witz mit Sprachfehler
Crystal Meth: Scheiße
Metal 1.info: Leidenschaft zum Teilen!

Danke für das Interview. Die letzten Worte an die Leser gehören dir. Machs gut.
Danke für das Interview und wir sehen uns auf Tour, um euch zu zeigen, wie sich „Necrobreed“ live anhört. Spread The Sickness !

Das Album des Monats Februar …

… kommt aus Frankreich: BENIGHTED haben mit ihrem aktuellen Release „Necrobreed“ bewiesen, dass sie weiterhin zur Speerspitze des europäischen Extrem-Metals gehören: Wie schon die Vorgänger „Carnivore Sublime“ und „Asylum Cave“, das ebenfalls Album des Monats wurde, vereint das neue Album Härte, Eingängigkeit und Groove zu einem fulminanten Gesamtwerk, das Anhängern der Band erneut jahrelang Freude bereiten dürfte.

Zum Review gelangt ihr durch einen Klick auf das Cover:

Benighted – Necrobreed

Möchten Sie ihr Haus kostengünstig abreißen lassen? Wohnen Sie innerhalb Europas? Dann ist das neue BENIGHTED-Album „Necrobreed“ genau das Richtige für Sie: Dieses Rundumpaket kommt mit durchschnittlich 200 Beats pro Minute, apokalyptischen Gitarren, abgefahrenen Breakdowns und ohne störende Anwandlungen von Normalität aus. Auch die Vorgänger-Modelle „Carnivore Sublime“, „Asylum Cave“ und „Icon“ haben in diesen Kategorien bereits vollends überzeugt.

Seit Release des letzten Albums hat sich das Personalkarussell bei BENIGHTED ordentlich gedreht: So sind vom damaligen Line-Up nur Sänger Julien Truchan und Gitarrist Olivier Gabriel übrig geblieben. Gitarrist Adrien Guérin, Bassist Alexis Lieu und Schlagzeuger Kevin Foley haben die Band verlassen und wurden von Emmanuel Dalle, Pierre Arnoux und Romain Goulon ersetzt.

Geschadet hat das BENIGHTED jedoch in keinster Weise: So bietet „Necrobreed“ in gewohnter Band-Tradition ein Dutzend Abrissbirnen, von denen qualitativ keine nach unten, dafür einige nach oben ausbrechen: Folgend auf das Intro „Hush Little Baby“ blasten die Franzosen im genialen „Reptilian“ erstmal alles in Grund und Boden – mit seiner konstant hohen Geschwindigkeit, den coolen Hooks und den eingestreuten Midtempo-Grooves verfügt der Quasi-Opener über alle Qualitäten eines hochkarätigen BENIGHTED-Songs.

Die Franzosen haben es mit „Necrobreed“ erneut geschafft, ein vielfältiges, abwechslungsreiches und vollkommen unvorhersehbares Sound-Monster zu erschaffen. Dabei liegt der Fokus noch mehr als zuvor auf einer düsteren Grundstimmung, die BENIGHTED mit einer Mischung aus morbiden Gitarrenriffs, fiesen Breaks und krankem Geschrei erschaffen – insbesondere das „Triumvirat“ „Forgive Me Father“, „Leatherface“ und „Der Doppelgaenger“ ist hier hervorzuheben.

Während der Titelsong mit seinen weniger als zwei Minuten Spielzeit als sowas wie der „Spaß-Track” des Albums durchgeht, hauen BENIGHTED in Form von „Cum With Disgust“ noch eine fulminante Death’n’Roll-Nummer und mit „Versipellis“ alle verbliebenen Gehirnzellen raus – Letzterer ist ohne Zweifel der abgefahrenste aller „Necrobreed“-Tracks. Der Rausschmeißer „Mass Grave“ steht dem jedoch kaum nach: Das aberwitzige Finish aus fiesem Geschrei und düsteren Gitarrenriffs erinnert mit seiner Endzeit-Stimmung sehr an Anaal Nathrakh.

Tendenziell fehlen „Necrobreed“ ein wenig die Killer-Hooks der in Sachen Hitdichte unerreichten Alben der Band „Icon“ und „Asylum Cave“ – dennoch ist das neueste BENIGHTED-Album wieder ein Sammelstück voll cooler (Brutal-)Death-Metal-Songs, das man besser nicht verpassen sollte.

Brujera supporten Napalm Death

BRUJERA, Mexikos Death-Grind-Export Nr. 1, haben angekündigt, im April und Mai 2017 auf Tour durch Europa zu kommen. Während der Tour werden sie als Support von Napalm Death unterwegs sein und auch im deutschsprachigen Raum Halt machen. Die entsprechenden Daten sehen wie folgt aus:

BRUJERA
+ Napalm Death
+ Power Trip

28.04. D Flensburg – Roxy
29.04. D Magdeburg – Factory
01.05. D Köln – Underground
02.05. D Berlin – SO36
06.05. D Kassel – K19
07.05. D Saarbrücken – Garage
17.05. CH Genf – L’Usine
19.05. D Karlsruhe – NCO Club
20.05. D München – Backstage

Benighted: Gründungsmitglied geht, Ersatz schon da

Die Deathgrind-Größen BENIGHTED haben heute bekannt gegeben, dass Gründungsmitglied Olivier Gabriel die Band freiwillig verlassen hat und gaben gleichzeitig bekannt, dass Fack (Carnival In Coal, Infected Society) als neuer Gitarrist an Bord ist. Wie es dazu kam, haben alle drei Parteien in kurzen Statements geäußert.

Julien Truchan: „I now have to face the most difficult episode of our BENIGHTED adventure as my brother Olivier decided to leave the band. He took his decision with all the love and respect that he is known for. I thank him for his limitless friendship and all the good times that we shared in BENIGHTED for 19 years. Olivier is and will continue to be my best friend and brother forever!
We are ready to welcome Fack (CARNIVAL IN COAL, INFECTED SOCIETY) with open arms as our new guitarist. He has already been involved with the band for a year and we cannot wait to present ‚Necrobreed‘ on tour. See you all in the pit and share the sickness with us!“

Olivier Gabriel: „Dear friends, I have made the hard decision to close my chapter of more than 18 years with BENIGHTED. Those were pure bliss. I have made friends for life, experienced unforgettable moments with past and present members of the BENIGHTED family, and last but never least with you, the fans, label teams, producers, promoters, bookers, reporters, photographers, and many more. Sadly, I can no longer muster the energy that it takes to keep up with the frantic rhythm of BENIGHTED. We have come a long way since our first rehearsals at the Chazelles sur Lyon youth cultural centre and the living room at the place of Julien’s father. We have also come a long way since our corpse paint black metal days, Bontempi keyboards, and Cradle of Filth style female vocals. It has been such a long road since Julien and I rehearsed at my parents‘ home with copy/pasted Cannibal Corpse lyrics and recorded demos on cassette tapes. All those years on the road gave me so much hysterical laughter, friendship, and love. As of today, all of this is over for me, but I will never forget and always be grateful. I love you all. I want to thank my family and friends for their patience, while I was away so often. These last 30 years, I have shared everything with my brother Julien, whose positive energy I admire. I wish you all the best with the band and our kickass new album! Long live BENIGHTED! See you all somewhere soon!“

Fack: „I am extremely glad and proud to have been asked to join the BENIGHTED family and thank all of them for their warm welcome. It was an honour to fill in for Gab on the ‚Abysmal European Tour‘ last year and I feel lucky to keep walking in his footsteps. I have nothing but respect and true friendship for him as a person and musician. Gab, I wish you all the best in the world, bro! See you all on the ‚Worship the Necrobreed Tour‘!“

Schlachtung – Mahnmal

„Die Texte sind Wut, Ekel, Zorn und Verzweiflung, sie sind Gift und Galle, herausgespien in das dreckige Gesicht der Welt. Sie sind beißender Ausdruck dessen, was die Menschheit sich selbst, dem Planeten und besonders unseren Verwandten, den Tieren antut“. Dieses Promo-Sheet erweckt den Eindruck, dass man das deutsche Pendant zu Cattle Decapitation vor sich liegen hat, zumindest mit Blick auf die Lyrics. Mit ihrem äußert sympathischen Wahlspruch ‚Anti-Speziesismus, Anti-Rassismus, Anti-Sexismus!‘ fahren die Paderborner SCHLACHTUNG auf ihrer ersten Full-Length „Mahnmal“ die gesamte Bandbreite an den Themen auf, deren Vergegenwärtigung leider noch immer nicht der Standard bei all unseren Mitmenschen ist.

Mit einer explosiven Mischung aus der Schnelligkeit des Grindcore und der Bösartigkeit des Death Metal, versehen mit etwas Crust, klagen SCHLACHTUNG die Welt für all das Unrecht an, was sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch in unserem Umgang mit den Tieren gehörig schief läuft. Wem bei diesem musikalischen Gemisch nicht nur Cattle Decapitation, sondern auch Anaal Nathrakh in den Sinn kommen, mag bei der prinzipiellen Marschroute des Quartetts nicht falsch liegen, SCHLACHTUNG gehen allerdings weit weniger technisch als die US-Amerikaner und viel roher als die Briten vor. Dank der Kombination verschiedener Genres entgehen die Paderborner der Monotonie, die ein reines Grindcore-Album mit sich bringen kann, und feuern stattdessen ebenso flink („269 / Aletheia“) wie beinahe schon gediegen („Ohne Würde“), also überraschend abwechslungsreich durch die elf Tracks.

Wer nicht nur Wert auf eine derbe Mischung Grindcore und Death Metal legt, sondern auch auf gesellschaftskritische Texte, dem sei „Mahnmal“ ohne Einwände zu empfehlen. Dank einer guten Studio-Arbeit bleibt die Platte nicht nur als dröhnender Brei mit tönendem Geschrei in Erinnerung, sondern schafft es, die Instrumentierung so zu akzentuieren, dass eben auch die Feinheiten erkennbar werden, die SCHLACHTUNG spielen – und davon sind auf „Mahnmal“ einige versteckt!

Solinaris – Deranged

„Deranged“ ist das Debüt der kanadischen Progressive-Death-Metal-Truppe SOLINARIS, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, frischen Wind in den Death Metal zu bringen. Die Musik des Sextetts zeichnet sich vor allem durch scharfe Gegensätze aus, textlich befassen sich die Kanadier auf diesem Album mit den letzten Gedanken eines Serienmörders. So weit, so gut, diese Vorab-Infos sollten potentielle Fans durchaus neugierig machen, doch leider gibt es bei der Umsetzung mehr als nur einen Haken, sodass auf eine etwaige anfängliche Begeisterung schon allzu bald enttäuschte Ernüchterung folgt. Doch woran liegt das?

Das Intro mit seinem tickenden Geräusch, der gestörten Nachrichtenübertragung und dem unheimlichen Piano macht sich gut als Wegbereiter des Textkonzepts, doch schon der darauffolgende Titeltrack krankt an all den Dingen, die auch den Rest der 50 Minuten Spielzeit zu einem anstrengenden Hörerlebnis werden lassen. Am einen Ende der Skala ist die Musik von SOLINARIS brutaler, chaotischer Death Metal, am anderen Ende stehen sanfte, aber doch unterschwellig wahnsinnige Akustikpassagen.
Makel finden sich unglücklicherweise bei beiden Extremen: Die todesmetallischen Ausbrüche („Blind“) sind völlig wirr und viel zu leise und gedämpft abgemischt, die ruhigen Momente hingegen zu schief eingesungen („Torture Chronicles“) oder schlichtweg unpassend, wie beispielsweise die Country-Elemente im Instrumental „Chloroform“, welches erst besser wird, als die Musik sich in Richtung Folk bewegt. „Field Of Trees“ zeigt dagegen, dass SOLINARIS beim Songwriting nicht ganz so schlimm auf den Kopf gefallen sind, wie es sonst den Anschein hat. Ebenjener Track ist mit seiner folkigen, Opeth-esquen Art – so seltsam das bei einer Tech-Death-Platte klingen mag – das unerwartete Highlight auf „Deranged“.
Apropos Opeth, in den melodischeren Metal-Phasen meint man einige Einflüsse der schwedischen Vorzeigeband herauszuhören, wodurch diese Momente mit zu den besseren des Albums gehören. An sich herrscht jedoch der Kontrast zwischen deathigen E-Gitarren und Akustikgitarren vor, was sich auch darin zeigt, dass für beide Formen des Saiteninstrumentes jeweils ein eigener Gitarrist zuständig ist. Zwischendurch bekommt man außerdem noch schräge Saxophon- und Fretless-Bass-Spielereien sowie dezente Symphonic-Keyboards zu hören.

Ungewöhnlich klingen SOLINARIS also allemal, dahingehend haben die Kanadier auf „Deranged“ ihr Ziel erreicht. Leider ist ihre Herangehensweise jedoch so unausgeglichen, dass sie damit eher enttäuschen als begeistern. Die geradezu schizophrenen Arrangements passen zugegebenermaßen zum Textkonzept, aber ansprechend ist das Ganze trotzdem nicht. Ein paar wenige Songs bzw. Passagen gibt es jedoch, die die Band von ihrer Schokoladenseite zeigen, darauf sollte man beim nächsten Mal aufbauen.