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Benighted – Necrobreed

Möchten Sie ihr Haus kostengünstig abreißen lassen? Wohnen Sie innerhalb Europas? Dann ist das neue BENIGHTED-Album „Necrobreed“ genau das Richtige für Sie: Dieses Rundumpaket kommt mit durchschnittlich 200 Beats pro Minute, apokalyptischen Gitarren, abgefahrenen Breakdowns und ohne störende Anwandlungen von Normalität aus. Auch die Vorgänger-Modelle „Carnivore Sublime“, „Asylum Cave“ und „Icon“ haben in diesen Kategorien bereits vollends überzeugt.

Seit Release des letzten Albums hat sich das Personalkarussell bei BENIGHTED ordentlich gedreht: So sind vom damaligen Line-Up nur Sänger Julien Truchan und Gitarrist Olivier Gabriel übrig geblieben. Gitarrist Adrien Guérin, Bassist Alexis Lieu und Schlagzeuger Kevin Foley haben die Band verlassen und wurden von Emmanuel Dalle, Pierre Arnoux und Romain Goulon ersetzt.

Geschadet hat das BENIGHTED jedoch in keinster Weise: So bietet „Necrobreed“ in gewohnter Band-Tradition ein Dutzend Abrissbirnen, von denen qualitativ keine nach unten, dafür einige nach oben ausbrechen: Folgend auf das Intro „Hush Little Baby“ blasten die Franzosen im genialen „Reptilian“ erstmal alles in Grund und Boden – mit seiner konstant hohen Geschwindigkeit, den coolen Hooks und den eingestreuten Midtempo-Grooves verfügt der Quasi-Opener über alle Qualitäten eines hochkarätigen BENIGHTED-Songs.

Die Franzosen haben es mit „Necrobreed“ erneut geschafft, ein vielfältiges, abwechslungsreiches und vollkommen unvorhersehbares Sound-Monster zu erschaffen. Dabei liegt der Fokus noch mehr als zuvor auf einer düsteren Grundstimmung, die BENIGHTED mit einer Mischung aus morbiden Gitarrenriffs, fiesen Breaks und krankem Geschrei erschaffen – insbesondere das „Triumvirat“ „Forgive Me Father“, „Leatherface“ und „Der Doppelgaenger“ ist hier hervorzuheben.

Während der Titelsong mit seinen weniger als zwei Minuten Spielzeit als sowas wie der „Spaß-Track” des Albums durchgeht, hauen BENIGHTED in Form von „Cum With Disgust“ noch eine fulminante Death’n’Roll-Nummer und mit „Versipellis“ alle verbliebenen Gehirnzellen raus – Letzterer ist ohne Zweifel der abgefahrenste aller „Necrobreed“-Tracks. Der Rausschmeißer „Mass Grave“ steht dem jedoch kaum nach: Das aberwitzige Finish aus fiesem Geschrei und düsteren Gitarrenriffs erinnert mit seiner Endzeit-Stimmung sehr an Anaal Nathrakh.

Tendenziell fehlen „Necrobreed“ ein wenig die Killer-Hooks der in Sachen Hitdichte unerreichten Alben der Band „Icon“ und „Asylum Cave“ – dennoch ist das neueste BENIGHTED-Album wieder ein Sammelstück voll cooler (Brutal-)Death-Metal-Songs, das man besser nicht verpassen sollte.

Brujera supporten Napalm Death

BRUJERA, Mexikos Death-Grind-Export Nr. 1, haben angekündigt, im April und Mai 2017 auf Tour durch Europa zu kommen. Während der Tour werden sie als Support von Napalm Death unterwegs sein und auch im deutschsprachigen Raum Halt machen. Die entsprechenden Daten sehen wie folgt aus:

BRUJERA
+ Napalm Death
+ Power Trip

28.04. D Flensburg – Roxy
29.04. D Magdeburg – Factory
01.05. D Köln – Underground
02.05. D Berlin – SO36
06.05. D Kassel – K19
07.05. D Saarbrücken – Garage
17.05. CH Genf – L’Usine
19.05. D Karlsruhe – NCO Club
20.05. D München – Backstage

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Benighted: Gründungsmitglied geht, Ersatz schon da

Die Deathgrind-Größen BENIGHTED haben heute bekannt gegeben, dass Gründungsmitglied Olivier Gabriel die Band freiwillig verlassen hat und gaben gleichzeitig bekannt, dass Fack (Carnival In Coal, Infected Society) als neuer Gitarrist an Bord ist. Wie es dazu kam, haben alle drei Parteien in kurzen Statements geäußert.

Julien Truchan: „I now have to face the most difficult episode of our BENIGHTED adventure as my brother Olivier decided to leave the band. He took his decision with all the love and respect that he is known for. I thank him for his limitless friendship and all the good times that we shared in BENIGHTED for 19 years. Olivier is and will continue to be my best friend and brother forever!
We are ready to welcome Fack (CARNIVAL IN COAL, INFECTED SOCIETY) with open arms as our new guitarist. He has already been involved with the band for a year and we cannot wait to present ‚Necrobreed‘ on tour. See you all in the pit and share the sickness with us!“

Olivier Gabriel: „Dear friends, I have made the hard decision to close my chapter of more than 18 years with BENIGHTED. Those were pure bliss. I have made friends for life, experienced unforgettable moments with past and present members of the BENIGHTED family, and last but never least with you, the fans, label teams, producers, promoters, bookers, reporters, photographers, and many more. Sadly, I can no longer muster the energy that it takes to keep up with the frantic rhythm of BENIGHTED. We have come a long way since our first rehearsals at the Chazelles sur Lyon youth cultural centre and the living room at the place of Julien’s father. We have also come a long way since our corpse paint black metal days, Bontempi keyboards, and Cradle of Filth style female vocals. It has been such a long road since Julien and I rehearsed at my parents‘ home with copy/pasted Cannibal Corpse lyrics and recorded demos on cassette tapes. All those years on the road gave me so much hysterical laughter, friendship, and love. As of today, all of this is over for me, but I will never forget and always be grateful. I love you all. I want to thank my family and friends for their patience, while I was away so often. These last 30 years, I have shared everything with my brother Julien, whose positive energy I admire. I wish you all the best with the band and our kickass new album! Long live BENIGHTED! See you all somewhere soon!“

Fack: „I am extremely glad and proud to have been asked to join the BENIGHTED family and thank all of them for their warm welcome. It was an honour to fill in for Gab on the ‚Abysmal European Tour‘ last year and I feel lucky to keep walking in his footsteps. I have nothing but respect and true friendship for him as a person and musician. Gab, I wish you all the best in the world, bro! See you all on the ‚Worship the Necrobreed Tour‘!“

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Schlachtung – Mahnmal

„Die Texte sind Wut, Ekel, Zorn und Verzweiflung, sie sind Gift und Galle, herausgespien in das dreckige Gesicht der Welt. Sie sind beißender Ausdruck dessen, was die Menschheit sich selbst, dem Planeten und besonders unseren Verwandten, den Tieren antut“. Dieses Promo-Sheet erweckt den Eindruck, dass man das deutsche Pendant zu Cattle Decapitation vor sich liegen hat, zumindest mit Blick auf die Lyrics. Mit ihrem äußert sympathischen Wahlspruch ‚Anti-Speziesismus, Anti-Rassismus, Anti-Sexismus!‘ fahren die Paderborner SCHLACHTUNG auf ihrer ersten Full-Length „Mahnmal“ die gesamte Bandbreite an den Themen auf, deren Vergegenwärtigung leider noch immer nicht der Standard bei all unseren Mitmenschen ist.

Mit einer explosiven Mischung aus der Schnelligkeit des Grindcore und der Bösartigkeit des Death Metal, versehen mit etwas Crust, klagen SCHLACHTUNG die Welt für all das Unrecht an, was sowohl im zwischenmenschlichen Bereich als auch in unserem Umgang mit den Tieren gehörig schief läuft. Wem bei diesem musikalischen Gemisch nicht nur Cattle Decapitation, sondern auch Anaal Nathrakh in den Sinn kommen, mag bei der prinzipiellen Marschroute des Quartetts nicht falsch liegen, SCHLACHTUNG gehen allerdings weit weniger technisch als die US-Amerikaner und viel roher als die Briten vor. Dank der Kombination verschiedener Genres entgehen die Paderborner der Monotonie, die ein reines Grindcore-Album mit sich bringen kann, und feuern stattdessen ebenso flink („269 / Aletheia“) wie beinahe schon gediegen („Ohne Würde“), also überraschend abwechslungsreich durch die elf Tracks.

Wer nicht nur Wert auf eine derbe Mischung Grindcore und Death Metal legt, sondern auch auf gesellschaftskritische Texte, dem sei „Mahnmal“ ohne Einwände zu empfehlen. Dank einer guten Studio-Arbeit bleibt die Platte nicht nur als dröhnender Brei mit tönendem Geschrei in Erinnerung, sondern schafft es, die Instrumentierung so zu akzentuieren, dass eben auch die Feinheiten erkennbar werden, die SCHLACHTUNG spielen – und davon sind auf „Mahnmal“ einige versteckt!

Solinaris – Deranged

„Deranged“ ist das Debüt der kanadischen Progressive-Death-Metal-Truppe SOLINARIS, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, frischen Wind in den Death Metal zu bringen. Die Musik des Sextetts zeichnet sich vor allem durch scharfe Gegensätze aus, textlich befassen sich die Kanadier auf diesem Album mit den letzten Gedanken eines Serienmörders. So weit, so gut, diese Vorab-Infos sollten potentielle Fans durchaus neugierig machen, doch leider gibt es bei der Umsetzung mehr als nur einen Haken, sodass auf eine etwaige anfängliche Begeisterung schon allzu bald enttäuschte Ernüchterung folgt. Doch woran liegt das?

Das Intro mit seinem tickenden Geräusch, der gestörten Nachrichtenübertragung und dem unheimlichen Piano macht sich gut als Wegbereiter des Textkonzepts, doch schon der darauffolgende Titeltrack krankt an all den Dingen, die auch den Rest der 50 Minuten Spielzeit zu einem anstrengenden Hörerlebnis werden lassen. Am einen Ende der Skala ist die Musik von SOLINARIS brutaler, chaotischer Death Metal, am anderen Ende stehen sanfte, aber doch unterschwellig wahnsinnige Akustikpassagen.
Makel finden sich unglücklicherweise bei beiden Extremen: Die todesmetallischen Ausbrüche („Blind“) sind völlig wirr und viel zu leise und gedämpft abgemischt, die ruhigen Momente hingegen zu schief eingesungen („Torture Chronicles“) oder schlichtweg unpassend, wie beispielsweise die Country-Elemente im Instrumental „Chloroform“, welches erst besser wird, als die Musik sich in Richtung Folk bewegt. „Field Of Trees“ zeigt dagegen, dass SOLINARIS beim Songwriting nicht ganz so schlimm auf den Kopf gefallen sind, wie es sonst den Anschein hat. Ebenjener Track ist mit seiner folkigen, Opeth-esquen Art – so seltsam das bei einer Tech-Death-Platte klingen mag – das unerwartete Highlight auf „Deranged“.
Apropos Opeth, in den melodischeren Metal-Phasen meint man einige Einflüsse der schwedischen Vorzeigeband herauszuhören, wodurch diese Momente mit zu den besseren des Albums gehören. An sich herrscht jedoch der Kontrast zwischen deathigen E-Gitarren und Akustikgitarren vor, was sich auch darin zeigt, dass für beide Formen des Saiteninstrumentes jeweils ein eigener Gitarrist zuständig ist. Zwischendurch bekommt man außerdem noch schräge Saxophon- und Fretless-Bass-Spielereien sowie dezente Symphonic-Keyboards zu hören.

Ungewöhnlich klingen SOLINARIS also allemal, dahingehend haben die Kanadier auf „Deranged“ ihr Ziel erreicht. Leider ist ihre Herangehensweise jedoch so unausgeglichen, dass sie damit eher enttäuschen als begeistern. Die geradezu schizophrenen Arrangements passen zugegebenermaßen zum Textkonzept, aber ansprechend ist das Ganze trotzdem nicht. Ein paar wenige Songs bzw. Passagen gibt es jedoch, die die Band von ihrer Schokoladenseite zeigen, darauf sollte man beim nächsten Mal aufbauen.

Nails – You Will Never Be One Of Us

Abgrundtiefer Hass, pure Verachtung, ungezügelte Aggression, Luft abschnürende Wut: alles Reaktionen, die auf die aktuelle weltpolitische Lage leider allzu vertraut erscheinen. In den letzten Jahren hat es kaum eine Band präziser geschafft, diese negativen Gefühle in Musik zu verwandeln als NAILS auf ihren ersten beiden Alben. Mit ihrer stets im roten Bereich pulsierenden Mischung aus Powerviolence, Hardcore, Death Metal, Thrash Metal, Sludge, Grindcore und Punk wurde – nicht zuletzt durch die umwerfende Livepräsenz der Band – auch Nuclear Blast auf NAILS aufmerksam. Die Folge: „You Will Never Be One Of Us“, das dritte Album der Band, erscheint nun beim Majorlabel, geht dabei allerdings keinerlei Kompromisse ein.

Mit knapp 22 Minuten Spielzeit ist „You Will Never Be One Us“ das bisher längste NAILS-Album, die durchschnittliche Songlänge bewegt sich dennoch wieder im 90-Sekunden-Bereich. Die einzigen Ausnahmen: Mit „Violence Is Forever“ schleicht sich ein mehr als dreiminütiger Song ein, während der Abschluss in Form von „They Come Crawling Back“ mit mehr als acht Minuten Spielzeit mehr als ein Drittel der gesamten Spielzeit einnimmt. Dabei ist es vollkommen egal, wie lange eine einzelne Nummer dauert: NAILS überzeugen sowohl auf der Kurzstrecke als auch über die Langdistanz. So gerät „You Will Never Be One Of Us“ als Titeltrack zum perfekten Opener für diesen musikalischen Kübel Hass, bringt er doch alle Trademarks von NAILS auf den Punkt: donnernde Blastbeats, markerschütternde Riffs, Todd Jones‘ wütendes, tiefes, kaum verständliches Gebrüll und trotz einer Songlänge von gerade einmal 90 Sekunden kaum Wiederholungen, sondern durchdachten, schlüssigen Songaufbau. Selbst im 45-sekündigen „Friends Of All“ packen NAILS eine schier unfassbare Menge an Ideen und Strukturen.
Auf der anderen Seite verdient „They Come Crawling Back“, der bisher längste Song in der NAILS-Geschichte, besondere Aufmerksamkeit: Über acht Minuten schleifen sich NAILS ausgehend von düsteren Klängen zu Beginn über eine bedrohliche Mischung aus Black und Thrash schließlich durch einen widerwärtigen, schlicht begeisternden Sludge-Song. Dass am Ende ein Fadeout steht, trübt den Gesamteindruck ein bisschen, würde ein großer Knall doch besser zu den Wutattacken auf „You Will Never Be One Of Us“ packen, als ein allmähliches Verschwinden.

In „Violence Is Forever“ sowie in „In Pain“ blitzen kurz leider nur bedingt überzeugende Thrash-Metal-Soli auf, die allerdings schnell wieder im Chaos verschwinden, während an anderen Stellen immer wieder heftige Breakdowns die ohnehin schon massiven Soundgebilde erschüttern und Feedbackrauschen für Verstörung sorgt. Die Produktion von Kurt Ballou passt perfekt zu „You Will Never Be One Of Us“, wobei besonders der Schlagzeugsound mit seiner tiefen Snaredrum, die jedes Mal wie ein Schlag in die Magengrube klingt, überzeugt.
„You Will Never Be One Of Us“ ist das bisher abwechslungsreichste, in sich schlüssigste und am stärksten produzierte NAILS-Album, an dem es kaum etwas auszusetzen gibt. Auch wenn es nur Nuancen sind, lotet der Dreier aus Kalifornien die Grenzen ihrer bewusst abstoßenden Musik immer wieder in neue Richtungen aus und scheut sich nicht, in den Dreck und die Verachtung auch minimale Eingängigkeiten einzustreuen.

Obscenity – Retaliation

Von einer Legende zu sprechen, wäre sicherlich übertrieben – ein Urgestein sind OBSCENITY aus Oldenburg in der hiesigen Death-Metal-Szene allerdings zweifelsohne: 1989 gegründet, kann das Quintett um die beiden verbliebenen Gründungsmitglieder Sascha Knust (Schlagzeug) und Hendrik Bruns (Gitarre) auf stolze 27 Jahre Bandgeschichte und acht Studioalben zurückblicken. Mit „Retaliation“ fügen OBSCENITY ihrer Diskographie nun einen weiteren Silberling hinzu.

Die Musik, die die Niedersachsen damit auf ihre Fans loslassen, ist mit dem großartigen Artwork bestens getroffen: Majestätisch, düster, kraftvoll und zerstörerisch wie das Untier aus der Feder des Italieners Paolo Girardi, der vor allem durch seine Arbeiten für die Black-Metaller Inquisition Bekanntheit erlangte, klingt „Retaliation“ schließlich auch.
Zwar steht bei OBSCENITY auch im Jahr 2016 ein kompromisslos abgefeuertes Riffgewitter im Mittelpunkt. Langweilig wird das aus vielen Gründen nicht: Zum einen sind die Riffs griffig und laden direkt zum Headbangen ein – zum anderen halten OBSCENITY ihre Kompositionen bei aller Brutalität stets gekonnt spannend: Breaks und Rhythmuswechsel sorgen für Abwechslung, während die immer wieder eingestreuten, technisch versierten Gitarrensoli von Mastermind Bruns dem Ganzen eine gewisse Lässigkeit verleihen.
Dagegen stehen das aggressive Schlagzeugspiel sowie das brutale Growling von Sängerneuzugang Tobias Müller als großes Plus auf der Härte-Seite. Verweichlichung braucht bei diesem Langspieler also niemand zu befürchten.

Mit „Retaliation“ legen OBSCENITY ein Brutal-Death-Album vor, das zu begeistern weiß: Technisch anspruchsvoll, musikalisch spannend und, was den Sound angeht, roh und differenziert zugleich, stellen OBSCENITY mit ihrem neunten Album klar, dass sie auch weiterhin eine gute Adresse für alle sind, die nach hartem Stoff aus heimischen Gefilden suchen.

Aborted – Retrogore

In meiner Review zum letzten ABORTED-Album „The Necrotic Manifesto“ wagte ich es die wenig mutige These aufzustellen, dass die Tech-Deather um Sven de Caluwé mit dem nachfolgenden Output erneut hohe Wellen der Begeisterung auslösen werden. Knapp zwei Jahre später gilt es nun dies zu beweisen, denn die Belgier haben mit „Retrogore“ ihre neunte Platte auf den Markt gebracht. Wenn der ABORTED-Motor einmal läuft, läuft er wie geschmiert und beglückt die Fans mit neuen Alben in einem Abstand von lediglich zwei Jahren. Hingegen das bei manchen Bands in einem Ausschlachten weniger Ideen endet, powern die Belgier durchweg auf hohem Niveau – und apropos Schlachten, ABORTED bleiben sich natürlich auch mit dem Inhalt ihrer besungenen Themen treu.

Wie bereits bei den letzten Scheiben „The Necrotic Manifesto“ und „Global Flatline“ wurde auch das Erscheinen von „Retrogore“ mit einer EP angekündigt, auf der sich unter anderem bereits der Albumtrack „Termination Redux“ befindet. Wem die zwölf neuen Songs auf „Retrogore“ nicht genügen, kann sich die Platte als Boxset inklusive der genannten EP kaufen – und bereits Vorfreude darüber entwickeln, dass ABORTED in zwei Jahren erneut eine druckfrische EP plus Full-Length auf den Markt bringen werden.

Böse Zungen werden behaupten, dass die Musik der Brutal-Tech-Deather ebenso vorhersehbar sein wird wie ihre Veröffentlichungszeiträume, wohlgesonnene Hörer hingegen könnten das erstaunliche Talent der Band hervorheben, ihrem Niveau mit jedem Output treu zu bleiben. Zu bedenken gilt es allerdings, dass sich ABORTED regelmäßig eine Erfrischungskur in Form eines neuen Bandmitgliedes gönnen, prinzipiell sehr gerne (und auch bei „Retrogore“ der Fall) betrifft dies die Verstärkung am Sechssaiter; der Mitte zwanzigjährige Jekelis, ehemals Abigail Williams und Abysmal Dawn, kann nur die Daumen drücken, dass er auch auf dem kommenden Silberling im Lineup Erwähnung finden wird.

Musikalisch liefern ABORTED mit „Retrogore“ erneut das Brett ab, welches sich die Fans erhofften, dennoch bedienen die Belgier nicht die Vorahnung der bösen Zungen, sondern dem Quintett gelang es tatsächlich, sich vom Vorgänger „The Necrotic Manifesto“ abzuheben; im Kontext einer ABORTED-Scheibe sind die folgenden Worte irritierend, aber „Retrogore“ überrascht mit einem vermehrten Augenmerk auf Melodik und Entschleunigung. Sei es beim regelrecht ins Ohr gehenden Titeltrack, dem getragenen Ausgang von „Coven Of Ignorance“ oder dem mit einem nahezu epischen Riff ausgestatteten „Forged For Decrepitude“, die Dichte an Variation begeistert und überrascht gleichermaßen! Somit schlagen die fünf Herren nicht nur den Kritikern ein Schnippchen, sondern sie beweisen einmal mehr, weswegen ABORTED nach wie vor eine feste Instanz auf ihrem Gebiet sind – nicht nur wegen der hohen Outputrate, sondern gerade wegen ihrer Qualität.