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Dolorangst – Катастрофа Внутри (EP)

Das Schöne am Durchstöbern der Peripherie der Musiklandschaft ist die Möglichkeit, dabei auf spannende neue Bands zu stoßen, die womöglich noch ein wenig holprig auf den Beinen sind, aber mit ihrem Einfallsreichtum bereits Lust auf zukünftige, ausgereiftere Veröffentlichungen machen. Ein solches potentialträchtiges Projekt ist beispielsweise die 2019 von Roman Yelozin ins Leben gerufene Ein-Mann-Band DOLORANGST. Mit „Катастрофа Внутри“ („Eine innere Katastrophe“) legte der Depressive-Black-/Dark-Metal-Künstler Ende desselben Jahres seine erste EP vor, welche nun wenige Monate später in physischer Form unter Einbezug eines Bonustracks wiederveröffentlicht wurde.

Seitens des Labels wird das ungefähr 25 Minuten lange Minialbum unter anderem Fans von Tiamat, Katatonia und Woods Of Desolation nahelegt – und das durchaus nicht zu Unrecht. Zwar hat „Катастрофа Внутри“ einige nicht zu leugnende Macken – etwa die seltsam unscharf und hintergründig abgemischten Distortion-Gitarren und den fast schon leblosen Sound der schroff in Szene gesetzten Drums, bei deren Spiel DOLORANGST nahezu vollkommen auf genretypisches Blasting verzichtet. Dennoch hört man dem russischen Einzelmusiker bereits ein gewisses Talent, was den Aufbau einer bedrückenden Stimmung angeht, an.

So werden die fünf Songs – abgesehen von dem trübsinnigen Akustik-Outro „Этот Дождь Когда-Нибудь Закончится…“ – weitgehend von verwaschenen, einlullenden Clean-Gitarren getragen, die an Katatonias „Day“ („Brave Murder Day“) zurückdenken lassen, wohingegen die trostlosen Gitarrenleads den Grundton der metallischeren Stücke desselben Albums aufgreifen. Die hin und wieder eingeworfenen, schemenhaften Screams und eigentlich geradezu lachhaft simplen Piano-Einlagen werden sicherlich niemanden mit ihrer Raffinesse vom Hocker hauen, tragen aber doch recht effektiv zur hoffnungslosen Atmosphäre des Kurzalbums bei.

Vereinzelt verpasst DOLORANGST den Tracks mithilfe der Keyboards sogar einen leicht spacigen Touch („Эшафот“). Es handelt sich demnach keineswegs um eine völlig beliebige Underground-EP mit entsprechend abgründiger Tonqualität, sondern um eine durchaus stimmungsvolle Angelegenheit. Die zu erhoffende technische Entwicklung ist auf dem neu hinzugefügten Bonustrack „Надежда“ zwar noch nicht zu beobachten, da dieser allenfalls aufzeigt, dass DOLORANGST auch mit etwas mehr Schwung aufzutreten vermag, doch an sich ist die EP schon ausreichend niveauvoll, um eine Empfehlung wert zu sein.

Wie mit den meisten Newcomern muss man auch mit DOLORANGST ein wenig nachsichtig sein, um die Vorzüge seines Einstandswerks anerkennen zu können. Es wäre nicht vermessen, „Катастрофа Внутри“ eine gewisse klangliche Kraftlosigkeit und kompositorische Grobheit anzulasten. Der niedergeschlagene, träumerische Charakter der Musik dürfte jedoch sicherlich für den einen oder anderen Liebhaber von depressivem Black Metal und sogar Gothic Rock eine ansprechende Vertrautheit ausstrahlen, deretwegen man über die Anfängerfehler des noch jungen Projekts hinwegsehen und auf zukünftige Releases von DOLORANGST gespannt sein kann.

Eisregen – Leblos

Darüber, dass andere Bands für ihre Alben zwei, drei oder vier Jahre brauchen, können EISREGEN wohl nur lachen: Anderthalb Jahre pro CD sind der stramme Takt, den M. Roth und Yantit seit drei Alben vorgeben. Doch während in den Songs nach wie vor am Fließband gemeuchelt und gemordet wird, klingt die Musik des Duos auch nach einem Vierteljahrhundert nicht nach stumpfer Serienproduktion. Im Gegenteil: Das 14. EISREGEN-Album wartet einmal mehr mit einigen Überraschungen auf – und dazu zählen nicht nur die DIE RÄUDIGEN RENNSTEIGREBELLEN.

Überraschten „Fleischfilm“ (2017) durch den konzeptionell bedingten Bruch mit dem bekannten Stil der Band und „Fegefeuer“ (2018) durch seine teils beachtliche (musikalische) Härte, reichen EISREGEN ihren Fans zur Feier des 25. Bandjubiläums mit überraschend vertrauten Klängen die Hand: Nach dem tatsächlich sehr sanften Opener „Ruhet sanft“ punkten EISREGEN stilistisch mit allem, was die Band in den frühen Nuller-Jahren ausgemacht hat – mit zarten Geigen und verspielten Pianos, harschem Riffing und barschen Texten.

Zwischen packende Stücke wie „Pechschwarz“, „1000 Jahre Nacht“ oder „Mein Leichenwerk“ haben sich zwar auch ein paar allzu typische EISREGEN-Nummern eingeschlichen – „Schlachtraum“ etwa, mit Rammstein-Gedächtnis-Keyboard (vgl. „Spiel mit mir“) oder „Mutter schneidet“. Auf der anderen Seite sorgen stilistische Ausflüge in ganz verschiedene Richtungen für Vielfalt: Das rabiate „Erstschlag“ etwa, das melancholische „Atme Asche“, das bethlehemeske „Drauß‘ vom Häuten komm‘ ich her“ oder der fast schon kitschige Titeltrack mit seiner fröhlich-paganen Geigenmelodie zu einem fiesen Foltertext.

Vielfältig ist auch das Textwerk: Ob Massenmörder („Schlachtraum“) oder Gewalt im häuslichen Kontext („Mutter schneidet“), Nekrophilie („Wangenrot“) oder das klassische Dr.-Frankenstein-Motiv („Mein Leichenwerk“) – M. Roth macht seinem Ruf als Deutschlands größtem Splatter- und Snuff-Texter einmal mehr alle Ehre. Dass er weit mehr als bloß unverhohlen makaber kann, zeigt „1000 Jahre Nacht“: Der subtile Abgesang auf unstillbare Gier, verbildlicht durch einen von moralischen Zweifeln in den Freitod getriebenen Vampir, gehört fraglos zu den stärksten Texten aus 25 Jahren EISREGEN. Als Sänger bleibt die „Blutkehle“ zumindest in einem Punkt streitbar: Während der fies gegurgelte Gesang einmal mehr so unverkennbar wie stimmungsvoll geraten ist, ist der Klargesang in „Wangenrot“ von eher zweifelhafter Qualität.

Seine Stärken hat „Leblos“ dennoch in den melodischen Passagen – wenn etwa „Mein Leichenwerk“ oder „Atme Asche“ mit anrührenden Piano- beziehungsweise Geigenmelodien aufwarten, die erst im krassen Kontrast zum rohen Riffing und den makabren Texten richtig zur Geltung kommen. Reine „Filler“ finden sich diesmal hingegen keine: Dass nicht jeder der elf Songs musikalisch und textlich restlos zu überzeugen weiß, wird durch die Vielseitigkeit des Songmaterials locker kompensiert. So vereinen EISREGEN auf „Leblos“ tatsächlich die stärksten Elemente aus 25 Jahren Bandgeschichte, und das in bester Soundqualität. Was will man mehr von einem Jubiläumsalbum?

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… und DIE RÄUDIGEN RENNSTEIGREBELLEN?

Unter diesem Projektnamen leben EISREGEN diesmal ihre humorige Seite aus. „Wem die Songs nicht gefallen, der schmeißt die Bonus-CD einfach weg“, erklärt M. Roth das Konzept. Die hier versammelten Stücke zu separieren erweist sich tatsächlich als gute Entscheidung. Nicht nur, weil EISREGEN auf ihren Alben spürbar ernster geworden sind, sondern auch, weil die vier Tracks leider nicht auf die gewohnte Art unterhaltsam sind. Zu fast schon schlagerhaften Klängen huldigen DIE RÄUDIGEN RENNSTEIGREBELLEN Alkohol und Suff. M. Roths Klargesang bleibt dabei so schwach wie das Textwerk selbst, das in seiner platten Stumpfsinnigkeit Onkel Tom und Tankard gleichermaßen vor Neid ernüchtern lassen dürfte. Das Prädikat hörenswert verdient hier allenfalls der auch nicht unbedingt geistreich, aber immerhin konsequent umgedichtete „Leichenlager“-Klassiker „Zeit zu spielen“ (jetzt: „Zeit zu saufen“).

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Antimatter – Lights Out

Fast klammheimlich hatte Duncan Patterson nach seinem Ausstieg bei der Düsterlegende Anathema sein neues Projekt ANTIMATTER etabliert. 2004, ein Jahr nach der Veröffentlichung von „Lights Out“, verließ er die Combo wieder, und man würde Co-Gründungsmitglied Mick Moss zudem nicht gerecht, wenn man ANTIMATTER alleine auf Patterson beziehen würde – auch wenn sein Name sicher nicht hinderlich gewesen sein dürfte.

Noch weniger hinderlich war und ist allerdings die exzellente musikalische Arbeit der Briten, wobei das vorliegende Zweitwerk nicht nur den Durchbruch bedeutete, sondern aus heutiger Sicht vielleicht auch noch die beste Platte der Band ist. Dabei unterscheidet sie sich deutlich von den späteren Outputs, wie man überhaupt das Schaffen der Band in zwei Teile aufteilen kann: Bis zum dritten Longplayer „Planetary Confinement“ (also die Alben, an denen Patterson noch beteiligt war) war die Musik extrem relaxt, mit Elementen aus Trip Hop und Lounge, die folgenden „Leaving Eden“ und „Fear Of A Unique Identity“ sind insgesamt etwas härter im Dark Rock angesiedelt.

Auch nach dem x-ten Durchlauf überrascht „Lights Out“ immer noch. Die zahlreichen Nuancen hat man zwar irgendwann alle entdeckt, aber die erstaunliche Wandlungsfähigkeit trotz einer ausgesprochen limitierten Geschwindigkeit ist immer wieder spannend. Dazu kommt, dass ANTIMATTER fast nur auf akustische Elemente setzen. Natürlich erzeugen sie dabei praktisch keine Härte, womit sie sich beispielsweise klar von der Intention von Opeths „Damnation“ abheben. Die Combo erzeugt Emotionen im hochmelancholischen Bereich, textlich wie musikalisch lotet sie Abgründe von Sein und Seele aus, immer wieder stellen sie die Frage nach dem Zusammenhalt aller Dinge und der Position des Individuums im Chaos der Zeitalter.

Trotz allen Schwermuts ist die Leichtfüßigkeit bemerkenswert, mit der ANTIMATTER einerseits kurze, griffige Songs schreiben und andererseits epische Nummern im achtminütigen Bereich erschaffen, die  keine Sekunde langweilig werden. Diese Stücke – namentlich „Terminal“, „Expire“ und vor allem „In Stone“ mit einem genialen Zwischenteil und einer großartigen Vordergründigkeit des Basses – gehören zu den besten des Albums. Das absolute Highlight ist allerdings „Reality Clash“, das zwar als einziges Lied einen etwas kitschigen Titel trägt, dafür aber sonst auf ganzer Linie überzeugt. Das gesprochene Intro mit zarten Streichern mündet dabei in ein, tja, Riff kann man es wohl nicht nennen. Es ist kaum eine richtige Gitarrenmelodie, sondern ein Effekt, der einfach nach Liebe klingt – oder nach Schmerz, das kommt vielleicht auf die emotionale Verfassung des Hörers an. Auch in diesem Song nimmt der Bass wieder eine herausragende Stellung ein und zeigt, dass seine stiefmütterliche Behandlung im Metal eigentlich genau das Falsche ist.

Aufgrund der musikalischen Klasse macht „Lights Out“ rein instrumental schon eine Menge her. Trotzdem ist es gerade der Gesang, der die Platte erst so richtig veredelt, obwohl sich insgesamt vier verschiedene Sängerinnen und Sänger die Ehre geben. Da gibt es zum einen die ruhigen Stimmen der Protagonisten, wobei Mick Moss die eindeutig höheren Gesangsanteile hat. Zum anderen kommen die von einer zarten Erotik umwehten Stimmen von Hayley Windsor und vor allem Michelle Richfield hinzu, die es einem noch schwerer machen, zwischen bittersüßer Heiterkeit und rotweinschwangerer Schwere zu unterscheiden.

„Lights Out“ ist eine Platte, die trotz ihrer nicht vorhandenen Härte in jede Sammlung des geneigten Metallers gehört. Hier paaren sich Anspruch, Leidenschaft, Qualität und Vision auf allerhöchstem Niveau. Dieses Album hat schon früh in der Bandgeschichte von ANTIMATTER alles weitere in den Schatten gestellt, obwohl jede Scheibe der Gruppe allerhöchste Klasse aufweist. Definitiv eines der besten akustischen Alben überhaupt.

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Secrets Of The Moon – Black House

Das vertrackte Meisterwerk „Antithesis“ (2006), das zeitlose Artworkkonzept zu „Privilegivm“ (2009), das musikalische Freischwimmen von jeder (Black-Metal-)Konvention mit „Sun“ (2015) – ein ums andere Mal waren SECRETS OF THE MOON mit ihrem Schaffen visionär. Nun steht mit „Black House“ Album Nummer sieben ins Haus und zeigt vor allem eines: Die musikalische Reise von SECRETS OF THE MOON ist noch lange nicht zu Ende.

Wie schon bei „Privilegivm“ vertrauen SECRETS OF THE MOON die Optik betreffend erneut auf den französischen Künstler Metastazis, diesmal in Zusammenarbeit mit Dehn Sora. Das Ergebnis ist – wie nicht anders zu erwarten – finster, modern, puristisch und vor allem: düster, aber nicht auf Black Metal festgelegt.

Dieser Aspekt ist insofern essenziell, als die Rückkehr von Bassist und Gründungsmitglied Lars Plegge (als Daevas bis 2007 aktiv) mitnichten eine Rückkehr zum Black Metal bedeutet. Im Gegenteil: „Black Metal“ im eigentlichen Sinne ist an „Black House“ gar nichts mehr und wer schon „Sun“ zu soft und das SOTM-Nebenprojekt Crone sowieso ganz furchtbar findet, der kann an dieser Stelle aufhören zu lesen und sich einem anderen Album widmen.

Müsste man eine Schublade für „Black House“ finden, stünde darauf wohl „Dark Rock“ oder „Gothic Rock“. Denn auch „Metal“ im eigentlichen Sinne haben SECRETS OF THE MOON nicht mehr im Programm. Als konkreter Anhaltspunkt könnten tatsächlich besagte Crone dienen, bei denen sG schon seit 2011 seine Liebe zur düsteren Rockmusik zelebriert. Aber auch Bands wie Katatonia, Alice In Chains oder Tiamat können als Eckpfeiler dienen, die das Territorium abstecken, in dem sich SECRETS OF THE MOON 2020 bewegen.

Für diesen neuen Stil hat sich der SOTM-Mastermind, der, zum neuen Rockband-Image passend, nicht mehr als Shammash Golden respektive sG sondern als Phil in Erscheinung tritt, namhafte Verstärkung geholt: Jules Näveri (Enemy Of The Sun) und Jarboe (ex-Swans), Alexander von Meilenwald (The Ruins Of Beverast), Thomas Helm (Empyrium/Noekk) sowie die Band (Dolch) haben an „Black House“ mitgewirkt. Von „Veronica’s Room“ abgesehen wartet jede der neun Nummern mit einem Gast auf und viele der Stücke – als Beispiel sei nur „He Is Here“ mit Jules Näveri genannt – profitieren davon tatsächlich sehr.

Denn – und hier kommt das große „aber“ – Phil Jonas ist nunmal kein Johan Edlund (Tiamat) oder Jonas Renkse (Katatonia). Die gelegentlichen Ausflüge in den melodischen Gesang auf „Sun“ hatten ihren Charme. Als Hauptgesangsstimme hingegen kann sein nasaler Klargesang („Veronica’s Room“) leider nicht im Ansatz so überzeugen wie sein angerauter Black-Metal-Gesang von früher. Ein Problem, das sich in gewisser Weise auch auf die Songs übertragen lässt: War der Vorgänger noch ein vielseitiges Gesamtkunstwerk, das seine Kraft vor allem aus dem Kontrast aus sanft und expulsiv zu ziehen vermochte, ist „Black House“ ein  sehr einheitliches Dark-Rock-Album. Fraglos gut gemacht – aber als solches eben auch nicht durchweg spektakulär. Zumindest, wenn man den Background der Band außer Acht lässt und es nicht in den Himmel hebt, weil die Musiker dahinter aus dem Black Metal kommen.

Am stärksten ist auch „Black House“, wenn es die Kontraste lebt, die in der Band schlummern: Wenn „Cotard“ sogar den Rock noch ins letzte Drittel drängt und davor einfach nur „dark“ ist – oder „Earth Hour“ als furioser Rock-Song losmarschiert und das „dark“ einfach mal stehen lässt.

„Black House“ ist eines dieser Alben, bei denen es so spannend ist wie es schwer fällt, Kunst und Künstler zu trennen: Für SECRETS OF THE MOON ist „Black House“ ein großer, konsequenter und mutiger Schritt, ein Album, mit dem noch nach „Seven Bells“ (2012) niemand gerechnet hätte. Für sich genommen und rein musikalisch betrachtet ist „Black House“ jedoch leider nur ein gutes, aber längst nicht weltbewegendes Dark-Rock-Album. Die Parabel mit dem Schuster wäre an dieser Stelle vermessen – aber das Genre zu wechseln macht ein Album noch nicht zum Meisterwerk.

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Katatonia – City Burials

So richtig gut klang das alles nicht, als KATATONIA vor drei Jahren überraschend wegen „aktueller Probleme und Verletzungen“ eine kurzfristige Pause ankündigten, um „neu zu bewerten, was die Zukunft für die Band bereithält“. Die restlichen noch ausstehenden Shows wurden abgesagt und von jetzt auf gleich war es still um die schwedische Szenegröße, die über die Jahre von Doom Metal bis zum Dark Prog verschiedenste Genres geprägt hat. Nach nun fast drei Jahren melden sich die Schweden zurück – und zwar tatsächlich, wie es so oft floskelhaft heißt, in alter Stärke.

„City Burials“ lautet der düstere Titel zum düsteren Artwork, das ein Album ziert, das auch musikalisch wieder deutlich düsterer ist als sein eher progressiver, verhaltener Vorgänger, „Fall Of Hearts“. Doch „City Burials“ ist nicht nur düsterer, sondern tatsächlich (zumindest partiell) auch wieder etwas härter. Und dennoch nicht weniger progressiv. Das macht sich schon im Opener „Heart Set To Divide“ bemerkbar: Spannende Harmonien in der Gitarrenarbeit treffen auf Jonas Renkses unverkennbar zarten, kristallklaren Gesang.

Mal etwas rockiger („Behind The Blood“, „City Glaciers“), mal etwas ruhiger („Lacquer“), mal mit richtig Power („Rein“), dann wieder fast poppig („Vanishers“), zum Abschluss mit ausgedehnten Gitarrensoli richtiggehend lebensfroh („Untrodden“): KATATONIA scheinen nicht nur zur Freude am Experiment, an stilistischer Vielfalt zurückgefunden zu haben, sondern verbinden darin elegant die Trademarks ihrer Post-2000er-Alben mit der Progressivität, die zuletzt noch – ganz entgegen der Wortbedeutung – etwas starr in den sehr gleichförmigen Songs der Schweden verankert war.

Wie die Musik ist auch der Sound ein gelungener Mix aus kraftvoll und filigran: KATATONIA erlauben ihren Gitarren auf Album Nummer zwölf wieder die Wucht früherer Alben, ohne jedoch das zarte Element, das sich über das Akustik-Projekt „Dethroned & Uncrowned“ etabliert hatte, aufzugeben. So unterstützen, umschließen sie Renskes grandiosen Gesang und lassen „City Burials“ so lebendig wie kompakt klingen.

Manchmal sind angekündigte Bandpausen der Anfang vom Ende, manchmal wirkt es danach, als wäre die Band nie weggewesen. Bei KATATONIA trifft beides ganz und gar nicht zu. Vielmehr klingt „City Burials“ als sei die Zeit des Innehaltens, der Neubewertung und der -ausrichtung das Beste gewesen, was KATATONIA hätte passieren können.

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Dool – Summerland

Selbst in der heutigen Zeit, in der ein schier unendliches Meer an Informationen bloß einen Klick entfernt ist, findet man im Netz nicht allzu viel zu „Sommerland“, dem sonnenbeschienenen, jenseitigen Zwischenstopp der Seelen auf ihrer Reise durch den Zyklus der Wiedergeburt im Wicca-Glauben. Über DOOL, die ihr zweites Album nach diesem paradiesischen Ort benannt haben, lässt sich hingegen sehr schnell sehr viel herausfinden. Etwa, dass die niederländischen Dark-Rocker um die charismatische Frontfrau Ryanne Van Dorst mit ihrem 2017 veröffentlichten Debüt „Here Now, There Then“ Fachpresse und Fans in Verzückung versetzten und dass die rohe Energie ihrer Live-Shows selbst die der extremsten Metal-Bands in den Schatten stellte. Die Erwartungen an DOOL könnten demnach kaum höher sein – und doch gelingt es dem Quintett auf „Summerland“, diesen in jedweder Hinsicht gerecht zu werden.

Anstatt sich von dem Druck der auf sie gerichteten Aufmerksamkeit ins Handwerk pfuschen zu lassen, strotzen DOOL auf ihrer zweiten Platte nur so vor Selbstbewusstsein. Weder der groovig dahinschlendernde Opener „Sulphur & Starlight“ noch das teils mysteriöse, teils kraftvoll emporsteigende „Wolf Moon“ erwecken den Anschein, als versuchten die Niederländer, ihren Fans damit irgendetwas zu beweisen. Protzige Klanggewaltexzesse oder wahllos eingeworfene Experimente zum Selbstzweck hatten DOOL dank ihrer stimmigen Mischung aus Doom Metal, Gothic, Psychedelic und Post-Rock schließlich noch nie nötig und daran hat sich auch auf „Summerland“ nichts geändert.

So kommt es, dass die Band den Hörer gerade über die auf den ersten Blick unscheinbaren, geradlinigen Stücke wie die ergreifend sehnsuchtsvolle Alternative-Rock-Nummer „Ode To The Future“, welche inhaltlich die Brücke zwischen „Here Now, There Then“ und „Summerland“ schlägt, auf die unmittelbarste Weise für sich gewinnt. Alles, was DOOL hierfür brauchen, sind ein paar unaufgeregte (Akustik-)Gitarrenriffs und (mitunter leicht bluesig angehauchte) Soli, eine schlichte, zum Kopfwippen anregende Rhythmusfraktion und selbstverständlich Ryanne Van Dorsts markige, an den passenden Stellen aber auch sanft den Ohren schmeichelnde Stimme.

Und doch wird man als Fan des Debüts auf „Summerland“ das eine oder andere Mal überrascht – etwa von dem geheimnisvoll drängenden „God Particle“ mit seinem improvisiert wirkenden, orientalischen Sitar-Intro und seinen obskuren Tremolo-Riffs oder von dem von Per Wiberg (ehem. Opeth) eingespielten, flippigen Hammondorgelsolo im gemächlich galoppierenden „Be Your Sins“. Mit dem achteinhalbminütigen Titeltrack haben DOOL zudem ein ausgesprochen stimmungsvolles Goth-Opus im Herz der Platte platziert, durch dessen verschwommene Clean-Gitarren und zarten Gesänge man sich tatsächlich auf die titelgebende Seinsebene versetzt fühlt.

Dass sich nach Jahrzehnten der Rock-Musikgeschichte immer noch Bands wie DOOL hervortun, die die Leute mit nichts als leidenschaftlicher Musik und ganz ohne avantgardistische Allüren, verstaubte Retro-Aufgüsse oder vergebliche Versuche, neue Maßstäbe in Sachen Härte zu setzen, mitzureißen vermögen, ist ein ermutigender Gedanke für jeden Fan zünftiger Gitarrenmusik. Zwar ist der Hype um DOOL wie bei so vielen Bands, die gefühlt aus dem Nichts erscheinen und Begeisterungsstürme auslösen, insofern schon ein bisschen übertrieben, als es auf „Summerland“ wie bereits auf „Here Now, There Then“ vereinzelt auch weniger starke Songs („A Glass Forest“) gibt. Dennoch profilieren sich die Niederländer mit ihrem zweiten Album einmal mehr als eine der spannendsten Bands, die der düstere Musiksektor aktuell zu bieten hat.

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Me And That Man mit weiterem Song

Genau eine Woche vor Release des neuen Album „New Man, New Songs, Same Shit, Vol. 1“ veröffentlichen ME AND THAT MAN einen weiteren Song. Das Stück heißt „Confession“ und wartet mit Niklas Kvarforth als Gastsänger auf. Mastermind Nergal kommentiert den Song so:

„“Confession“ – eine Ode an Gunslinger und Saloon-Sänger! Das Ende wird alle überraschen, die meine andere Hälfte nicht kennen und ich hoffe, es wird ein Lächeln auf die Gesichter derer zaubern, die das tun. Ein Statement, ME AND THAT MAN sind grenzenlos und zu allem fähig.“

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Paradise Lost kündigen „Obsidian“-Album an

Die britischen Doom- und Death Metaller PARADISE LOST haben ein neues Album mit dem Titel „Obsidian“ angekündigt. Die Platte wird am 15. Mai über das Donzdorfer Label Nuclear Blast in den Handel kommen.

PARADISE-LOST-Sänger Nick Holmes dazu: „Eines der vielseitigsten Alben, welches wir je gemacht haben: Es gibt trübsinnige Songs, traurige Songs, langsame Songs und schnellere Songs. Habe ich schon trübsinnig erwähnt?“

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01. Darker Thoughts
02. Fall From Grace
03. Ghosts
04. The Devil Embraced
05. Forsaken
06. Serenity
07. Ending Days
08. Hope Dies Young
09. Ravenghast

Das Cover von "Obsidian" von Paradise Lost