Archives

Fit For An Autopsy – The Sea Of Tragic Beasts

God is a lie and man is a failure.“

Mit dieser kurzen wie prägnanten Zeile verdeutlichten FIT FOR AN AUTOPSY anno 2015 im Song „Saltwound“ ihren pessimistischen Blick auf die Welt. Vier Jahre und zwei Alben später hat sich die Gesellschaft leider nicht zum positiven entwickelt und doch könnte man an dieser Zeile zweifeln. Denn was die sechs Kerle aus New Jersey auf ihrem vierten Album „The Great Collapse“ im Jahre 2017 präsentierten, ließ einen beinahe an einen Deathcore-Gott glauben. Nun steht mit „The Sea Of Tragic Beasts“ das fünfte Album auf dem Plan, wozu sich zwei Fragen herauskristallisieren: Erstens, ist es überhaupt möglich den Vorgänger zu übertrumpfen und zweitens, wenn ja, wie?

Bereits im Mai hatte uns die Band in einem Interview erklärt, dass es auf ihrem bevorstehenden Album einige Überraschungen zu entdecken gebe, man dabei allerdings immer nach sich selbst klingen werde. Ein Versprechen, das heutzutage viele Bands abgeben, einige allerdings nicht halten können. Die Truppe um Star-Produzent Will Putney lässt jedoch auf Worte Taten folgen – hier darf niemand eine Art „The Great Collapse Teil 2“ erwarten, jedoch die volle Dröhnung FIT FOR AN AUTOPSY. Dass die Band dabei weiß, wie Weiterentwicklung funktioniert, haben sie zudem mit jedem ihrer Alben unter Beweis stellen können. Nun aber Schluss mit dem Geschwafel und auf „Play“ gedrückt.

Bevor man sich versieht, dröhnen schon die Gitarren des Titeltracks aus den Boxen. Wenn man nicht wüsste, dass es sich hier um FIT FOR AN AUTOPSY handelt, könnte man das Intro glatt mit Gojira verwechseln. Klingt der Start des Openers den Franzosen dabei erschreckend ähnlich, gelingt es der Band noch auf dem selben Song, einen Platz in ihrer ganz eigenen Nische zu finden. Diese befindet sich noch etwas weiter weg vom Deathcore als auf dem Vorgänger „The Great Collapse“ und noch stärker zwischen progressivem und melodischem Death Metal. Dabei geht es der Band nie darum, technische Fähigkeiten zu demonstrieren, besonders hart zu klingen oder auf Gedeih und Verderb im Gedächtnis bleiben zu wollen. Viel mehr setzt das Sextett von Minute eins an auf eine beklemmende Atmosphäre, die sich einerseits in wüster Aggression, andererseits als verzweifeltes Klagen manifestiert. Als bestes Beispiel hierfür dient die erste Single „Mirrors“: Der ruhige, gesungene Start erweckt bereits ein mulmiges Gefühl, bevor Joe Badolato mit seinen markanten Growls einem erst in die Magengrube und anschließend auf den gekrümmten Rücken schlägt.

In Kombination mit den abermals famosen sozial- und gesellschaftskritischen Lyrics kreieren FIT FOR AN AUTOPSY auch auf „The Sea Of Tragic Beasts“ wieder ein musikalisches Konstrukt, das den Hörer verschlingt und ihm die Abgründe der Menschheit aufzeigt. Sei dies mit zermürbenden und eingängigen Refrains („No Man Is Without Fear“, „Mourn“) oder mit eher klassisch schwedischem Death Metal („Shepherd“), der Band gelingt es auf abwechslungsreiche Art und Weise, die düstere Grundstimmung über 45 Minuten aufrecht zu erhalten. Die clever eingestreuten ruhigen Parts bieten dem Hörer die einzigen kurzen Verschnaufpausen – denn auf jedes Highlight folgt gleich das nächste. „Warfare“ scheint als reiner Brecher daherzukommen, überrascht dann jedoch mit Josean Ortas fast schon entspannendem Drumming. Das anschließende „Birds Of Prey“ sorgt mit seinen schnellen Riffs, dem stampfenden Refrain und dem konträr zu den Strophen sehr schleppenden Breakdown für den absoluten Höhepunkt der Platte. Garniert wird das Ganze dazu mit einem tollen Solo.

Neben der Leistung der Instrumentalfraktion muss man unbedingt auch Badolatos Entwicklung hervorheben: Seine Vocals klingen vielseitiger und kräftiger denn je. So überrascht er mehrfach mit fiesen hohen Screams, wie auch mit gefühlvoller Clean-Stimme. Um bei allem Lob auch Kritikpunkte zu „The Sea Of Tragic Beasts“ anzubringen, muss man also sehr tief graben. So könnte man einerseits bemängeln, dass es trotz vermehrt eingesetztem Klargesang weniger zugänglich ist als seine Vorgänger und einige Durchgänge benötigt, um sich voll zu entfalten – andererseits macht es großen Spaß, nach und nach die Vielseitigkeit der Platte zu erkunden und bei jedem Durchgang neue Facetten zu entdecken. Ein tatsächlicher Kritikpunkt ist allerdings, dass sich auf FIT FOR AN AUTOPSYs fünftem Album kein Überhit wie „Black Mammoth“ von „The Great Collapse“ findet. Zudem wirkt die Produktion stellenweise etwas unausgeglichen. Bei dem äußerst hohen Niveau aller zehn Songs verzeiht man allerdings auch das gerne.

Insofern man die Jungs von der amerikanischen Ostküste noch als Deathcore einordnen mag, muss man anerkennen, dass sie in diesem Genre das Maß aller Dinge sind. Lyrisch wie musikalisch kann man FIT FOR AN AUTOPSY auch auf „The Sea Of Tragic Beasts“ zu einer herausragenden Leistung gratulieren. Ob das Album auf lange Sicht besser als „The Great Collapse“ ist, wird die Zeit zeigen. Dass es in den kommenden Wochen die Musik im iPod und der Anlage dominieren wird, steht jedoch außer Frage. So kann man zum Abschluss zwei Dinge festhalten: FIT FOR AN AUTOPSY sind ein Synonym für Qualität und die Menschheit ist genauso Scheiße wie vor vier Jahren – zumindest wenn es nach Joe Badolato in „Shepherd“ geht:

Man is the cancer. We call for death and it answers.“

Rockharz 2020 mit weiteren Bestätigungen

Das Rockharz Open Air legt für die nächstjährige Ausgabe mit weiteren Ankündigungen nach. Neben unter anderem AT THE GATES und ATTIC werden auch die deutschen Death-Metaller DESERTED FEAR und die Kanadier von KATAKLYSM wieder auf dem Festival gastieren. Außerdem werden noch TWILIGHT FORCE und erstmals UNLEASH THE ARCHERS in Ballenstedt auftreten.

Das bisherige Billing:

ACCEPT
ASENBLUT
ASP
AT THE GATES
ATTIC
DARK FUNERAL
DARK TRANQUILLITY
DESTRUCTION
DESERTED FEAR
EKTOMORF
ELUVEITIE
ENSIFERUM
EVIL INVADERS
GERNOTSHAGEN
JINJER
KAMBRIUM
KATAKLYSM
KNORKATOR
LORD OF THE LOST
MOONSORROW
OST + FRONT
PADDY AND THE RATS
RUNNING WILD
SEPULTURA
SUBWAY TO SALLY
TANKARD
THUNDERMOTHER
TWILIGHT FORCE
UNLEASHED
UNLEASH THE ARCHERS

Misery Index

Mit „Rituals Of Power“ haben MISERY INDEX ein gewohnt politisches Album veröffentlicht. Wir haben Jason Netherton zum Interview gebeten und mit ihm über die neue Platte, aber auch über Rassismus, Politik und Einwanderung gesprochen.

Hallo Jason! „Rituals Of Power“ wurde vor kurzem veröffentlicht. Wie ist es bisher in den Medien und auf Tour angekommen?
Besser als jedes Album zuvor: Es ist der Wahnsinn, die Musik scheint bei vielen Leuten Anklang zu finden, und das auf verschiedene Art und Weise. Klar gibt es immer welche, die sagen „Nur die alten Sachen sind gut“, aber das lässt sich nicht vermeiden. Die Touren bisher waren super und die neuen Songs kommen stets sehr gut an.

“Rituals Of Power“ fühlt sich an wie die logische Fortsetzung von “Heirs To Thievery“, besonders hinsichtlich des Aufbaus einiger der schnelleren Songs (“New Salem“, “Decline And Fall“ und “Naysayer“ auf “Rituals Of Power“, “You Lose“, “Plague Of Objects“ und “Embracing Extinction“ auf “Heirs To Thievery“) und dass “The Killing Gods“ ein bisschen „the odd one out“ ist. War “The Killing Gods“ eher ein Experiment für euch?
Ja, war es: Die erste Hälfte des Albums (das „Faust“-Stück, das die ersten fünf Songs ausmachte) hatte Mark ursprünglich als einzelnes zusammenhängendes Stück geschrieben, deswegen hatte es einen eigenen Vibe. Darüber hinaus bestand das Album zur Hälfte aus Riffs, die Mark schon vor Ewigkeiten geschrieben, aber nie wirklich benutzt hatte. “The Killing Gods“ ist daher so etwas wie eine EP, wobei die zweite Hälfte vielleicht eher einen klassischen MISERY-INDEX-Sound hat.

Lass uns über die Texte auf „Rituals Of Power“ sprechen: Ihr vermittelt darin ein extrem pessimistisches Weltbild – quasi jeder Song dreht sich um den Untergang der Menschheit. Ist das tatsächlich, wie ihr die Welt seht?
Ich richte mich da nach dem Motto eines alten sozialistischen Schriftstellers. Es lautet: „Pessimism of the intellect, optimism of the will”. Das fasst es für mich ganz gut zusammen. Du musst kritisch sein und durch das Oberflächliche und Fassadenhafte der Gesellschaft sehen, besonders die Dinge, die als „alternativlos“ gelten: Unser Wirtschaftssystem und die Art, nach der unser Leben in der modernen Gesellschaft organisiert ist. Ebenso werden unsere Medien extrem von Ideologien beeinflusst – daher ist eine kritische, skeptische und pessimistische Sichtweise notwendig, um sich in dieser hypermediatisierten Welt zurechtzufinden. Andererseits sind die Motive und Ziele dieser Kritik positiv: Es geht darum, einen Ausblick auf eine bessere Welt inklusive einer nachhaltigeren Lebensweise darzustellen. Wir hoffen darauf, und deswegen handelt es sich bei den Texten nicht um eine Utopie: Kritik ist ein Bestandteil des täglichen Lebens und notwendig, um kulturelle und intellektuelle Stagnation zu Gunsten progressiven, ganzheitlichen Denkens zu fördern. Wir befolgen mit unseren Texten diese Methode, indem wir die „Rituals Of Power“ der Geschichte untersuchen und kommentieren.

In “New Salem” singt ihr über „sozial verhexte “fascionistas“ (ein Neologismus aus fashionista“ und fascist“, Anm. d. Red.), die „die Sprache unterdrücken“ (“suppress speech“, „Bücher verbrennen“ und „die Echokammer befeuern“ (“feed the echo chamber“). Geht es euch dabei um liberale Amerikaner, die die Ansicht vertreten, dass Worte Gewalt darstellen und dass „Hate Speech“ verboten werden sollte? Inwieweit widersprecht ihr Letzterem, und warum? Ist eine Einschränkung des First Amendment (der erste Verfassungszusatz, der in den USA unter Anderem die Meinungsfreiheit garantiert, Anm. d. Red.) in euren Augen ein Schritt in Richtung Faschismus?
Ich denke, Mark wollte mit diesem Text ein bisschen Ausgleich in den oft sehr binären politischen Diskurs in Sachen Kultur bringen: Das Problem ist das Ausmaß, in welchem kulturelles Schaffen von Leuten „überwacht“ und eingeschränkt (policed) wird, die für sich in Anspruch nehmen, im öffentlichen Interesse oder im Namen eines progressiven Weltbildes zu handeln. Um es klarzustellen: Wir sind überzeugte Antifaschisten; aber es ist unproduktiv, so viel Zeit und Energie aufzubringen, um die Aussagen rechter Idioten zu überwachen und zu regulieren. Es führt dazu, dass es immer weiter in einer „Echokammer“ hin und her geht beim Versuch, sich gegenseitig zum Verstummen zu bringen. Ich denke, es bringt nichts, „Speech Suppression“ zu benutzen, um die Meinung von Leuten zu verändern: Selbst wenn deren Meinungen dumm und idiotisch sind, macht das Aussprechen dieser Meinungen die Idioten lediglich idiotischer. Es gibt taktisch klügere und viel effektivere Wege, um Faschismus zu bekämpfen.

Was wäre denn in euren Augen ein angemessener Schritt, um rassistische (Waffen-)Gewalt zu bekämpfen?
Diese Themen hängen mit anderen, viel größeren Problemen zusammen: Wir müssen beispielsweise gesellschaftliche Missstände mit besseren Gesetzen bekämpfen. Mit der Waffenproblematik im Besonderen ist es jedoch so, dass es eine lange Tradition von privatem Waffenbesitz gibt, die hunderte Jahre zurück reicht: Deswegen gibt es eine Menge Widerstand (gegen strengere Waffengesetze) von Menschen, die das als Grundrecht und Teil ihrer Identität sehen, vor allem in ländlichen Gegenden. Rassismus hingegen ist etwas, das gelernt und beigebracht wird. Ihm kann man also durch bessere Ideen und Bildung begegnen, mehr Zuhören (anstatt Schreien) und mehr Mitgefühl. Rassismus hat seine Wurzeln jedoch auch in ökonomischer Ungleichheit, und wirkt sich auf den Arbeitsmarkt, den Zugang zu Wohnraum, einer Krankenversicherung und ausreichender Schulbildung aus – hängt also auch wieder mit komplexen politischen Fragestellungen zusammen.

Habt ihr von Fans oder Medien negatives Feedback wegen „New Salem“ bekommen, etwa weil euch Leute vorgeworfen haben, damit Rassismus Vorschub zu leisten?
Nein, überhaupt nicht. Ich denke, die Leute wissen, dass wir uns für eine progressive, Menschenrechts-orientierte und sozial inklusive Politik einsetzen und dass wir, in diesem Fall, vor allem die Strategie anstatt des Ziels, das da wäre, Mitgefühl über Ignoranz zu stellen, kritisieren.

Auf “Heirs To Thievery” habt ihr das Thema des amerikanischen Völkermordes an der Bevölkerung der Native Americans im 19. Jahrhundert thematisiert. Ist das ein Thema, das in irgendeiner Weise im öffentlichen Diskurs präsent ist?
Nein, es kommt im Mainstream-Diskurs quasi nicht vor. Manchen Leuten ist klar, was passierte, es wird in den Schulen bis zu einem gewissen Grad gelehrt, aber wir sind weit entfernt davon, regelmäßig darüber zu diskutieren. Manchmal kommt es im Zusammenhang mit speziellen Themen hoch, wie neulich mit dem Keystone-Pipeline-Protest (eine Öl-Pipeline von Kanada in die USA, die über das Land von Native Americans verlaufen sollte, die in den letzten Jahren zu großen Protesten wegen der ökologischen Gefahren geführt hat).

Eure Texte drehen sich einerseits oft um Kapitalismus und soziale Probleme – andererseits trefft ihr diese Art von Aussagen nicht über Rassismus. Sind die beiden Themen eurer Meinung nach ohnehin untrennbar verbunden, sodass das eine das andere beinhaltet, oder ist euch die Reform / die Abschaffung des Kapitalismus wichtiger?
Ich denke schon, dass es sehr miteinander zusammenhängt: Die Zugehörigkeit zu einer Klasse hängt sehr eng mit der „Rasse“ zusammen. Armut befördert alle möglichen Arten von Teilung und befeuert diese in der Gesellschaft – die Rasse ist ein Marker für alles, was im gesellschaftlichen Sinne „anders“ ist: Besonders wenn die Städte de facto segregiert sind, also weiße Betreiber der Gentrifizierung in einem Teil, arme schwarze und Latino-Bewohner im anderen Teil der Stadt wohnen, treten die Parallelen sehr deutlich zu Tage. Vor diesem Hintergrund geht es in Songs, welche Fragen der Klassenzugehörigkeit behandeln, immer auch um Fragen von “race” und Rassismus. Was Lieder anbelangt, in denen es explizit um Rassismus geht – da kann ich dir „Angst isst die Seele auf“ von “Retaliate“ nennen.

Ihr vergleicht Menschen in euren Texten oft mit Ungeziefer, bezeichnet sie als Dreck oder Abschaum, zum Beispiel in “The Choir Invisible“ und “They Always Come Back“. Ich gehe davon aus, dass es in Letzterem um Flüchtlinge geht, die aus ihren Heimatländern fliehen müssen. Würdest du sagen, dass Flüchtlinge in anderen Teilen der Welt so wahrgenommen werden?
Ich benutze gerne solche Metaphern: Sie vermitteln eine starke Bildsprache und verleihen den Texten Rauheit, die gut zu der Härte der Musik passt. In „The Choir Invisible“ nimmt das lyrische Ich die Perspektive derjenigen ein, die Flüchtlingen nicht helfen würden, die diese Begriffe und die Sprache nutzen würden, um sie zu dehumanisieren. Diese Kritiker, die Flüchtlingen keine Hilfe leisten, und die keinerlei Mitgefühl haben, gebrauchen diese Sprache, um ein gegensätzliches Narrativ und nativistische Gefühle zu erzeugen. Das ist bei  „They Always Come Back“ anders: Es ist eher eine fiktionale, post-apokalyptische Erzählung von der Menschheit, die sie durch ihre eigenen, zu cleveren Technologien zerstört hat – mehr oder weniger wie Ungeziefer, das am unteren Ende der evolutionären Nahrungskette steht.

Inwieweit ist die Situation an der mexikanischen Grenze die logische Folge des Verhaltes aller Parteien in Bezug auf dieses Problem? Denkst du, dass die Politik irgendwann in der Lage sein wird, die Stellung der Flüchtlinge in den nächsten Jahren besser zu regeln  – möglicherweise, wenn ein Demokrat zum Präsidenten gewählt wird?
Ich denke, das Grenzthema ist ein Werkzeug für die Rechten in der USA; hier spielen erneut die Furcht vor Migranten und die Furcht vor dem Fremden ‒ als Ablenkung vor echten Problemen ‒ eine Rolle. Das erlaubt es ihnen, andere, dringendere Themen an den Rand der Berichterstattung zu drängen. Das größte Problem ist, dass die Grenz- und Migrationsbehörden extrem unterfinanziert sind – darüber hinaus sollte es humanere Optionen und Prozesse für Menschen geben, um Asyl zu beantragen und ins Land zu kommen, um Arbeitsvisa zu bekommen und so zur Gesellschaft beizutragen.

Das Album-Cover zeigt eine Schiffflotte mit Schiffen, die aus Skeletten bestehen – wer steuert diese Schiffe und wohin fahren sie?
Das Album-Cover soll das bedeuten, was du oder irgendwer anders sich darunter vorstellt…wir freuen uns, dass es vage genug ist, verschiedenen Interpretationen Raum zu bieten; für uns stellt es primär das Konzept des „Todes der Wahrheit“ (death of truth) dar. Das ist das lose Thema das Albums (darum das „Veritas“, das auf der Steintafel steht, die eines der Skelette an der Spitze einer der Steinsäulen auf dem Cover umklammert). Es ist das Motto unserer Zeit, und das letzte Kapitel der “Rituals Of Power“.

In euren Texten benutzt ihr oft Metaphern aus der griechischen Mythologie ‒ „Cronus eats the young“, „the spear of Osiris“ oder „Diolysian days“, um nur ein paar zu nennen: Kannst du erklären, woher diese Vorliebe stammt und was du damit ausdrücken möchtest?
Ich bin ein großer Fan der Metaphern und Allegorien klassischer Literatur und ich nutze diese oft, wenn ich Inspirationen suche oder Themen historisch grundieren möchte. Die Arbeiten der klassischen Mythologie sind der grundlegende Kanon großartiger Geschichten. Von da aus gibt es viel, was wir nutzen können, um die ethischen Herausforderungen, die vielen unserer aktuellen Probleme zugrunde liegen, zu interpretieren und zu reflektieren.

Ihr habt auf einer Reihe von Shows in Deutschland dieses Jahr Songs von praktisch allen Alben gespielt, bis zurück zu “Discordia” und “Retaliate”: Legt ihr Wert auf eine ausgewogene Setlist? Vielleicht auch weil ihr noch „Fans“ der alten Songs seid?
Ja, es ist immer gut, ein paar ältere Songs im Set zu haben; es geht nicht immer nur um das „Neueste“. Wir haben inzwischen fast 100 Songs zur Auswahl, deswegen wird es immer schwieriger. Aber wir denken stets, wir haben ein paar von jedem Album, die wir spielen müssen. Sie sind entweder gute Live-Songs oder Songs, die Teil unserer „Live-Identität“ geworden sind (wie bei jeder Band, die ihre Go-To-, Band-definierenden Live-Songs hat. Ich persönlich mag die alten Lieder immer noch; sie stellen gleichzeitig eine Verbindung sowohl zum Publikum als auch zur Bandgeschichte dar.

Jason, du absolvierst gerade ein PhD-Programm in Media Studies an der Western University of Canada – ist das etwas, das du neben deiner Karriere bei MISERY INDEX verfolgst? Wie integrierst du das in den Tour-Plan?
Ja, ich bin jetzt schon einige Jahre dran. Es ist schwierig miteinander zu vereinbaren. Wir waren jedoch in den letzten Jahren nicht mehr so viel auf Tour, es wird also besser. Ich hoffe, ich werde bald damit fertig.

Mark hat kürzlich in einem Artikel über die Notwendigkeit gesprochen, sich vor „nicht-konsensuellen Kräften, die versuchen, deine Individualität zu unterdrücken, indem sie eine konformistische Agenda der Massenkontrolle“ verfolgen, zu schützen – kannst du erklären, was damit gemeint ist?
Ich denke, die größte Gefahr sind unsere Medien selbst, die von sich individualisierenden Ideologien abhängen und diese fördern. Eine Plattform wie Facebook, um ein offensichtliches Beispiel zu nennen, funktioniert nach der operativen Logik der Profitmaximierung, wofür jeder Nutzer individualisiert wird (um Daten zu extrahieren). Danach wird jedem eine algorhythmisch bestimmte Masse an Informationen geboten, die am besten zu ihm „passt“, um seine Aufmerksamkeit auf der Plattform zu halten (und sie an Werbeunternehmen zu verkaufen). Diese Plattformen neigen immer zu Medien, welche Leute bei der Stange halten, indem sie ihre Vorurteile und ihr Weltbild bestätigen und damit verstärken. Wir leben somit alle auf unserem eigenen Plateau der Ansichten und Erfahrungen und interagieren kaum mit der der anderen. So wird das soziale Gefüge der Gesellschaft auseinander genommen.

Ich würde das Gespräch gerne mit einem kleinen Brainstorming beenden: Was kommt dir bei folgenden Begriffen in den Sinn?
Rammstein: Richtig gute Live-Show. Sie gebrauchen auf eine clevere Art und Weise Sprache, Bilder und Überzeugung, um Konventionen zu erschüttern.
Donald Trump: Das Schlimmste, das der Welt in der jüngeren Geschichte passiert ist.
Klimawandel: Das dringendste Problem, mit dem die Menschheit konfrontiert ist
Dein momentanes Lieblingsalbum: Chapel of Disease – And As We Have Seen the Storm
MISERY INDEX in 10 Jahren: Wahrscheinlich machen wir dasselbe wie jetzt: Songs schreiben, aufnehmen und gelegentlich auf Tour gehen. Wieso nicht?

Jason, danke für das Gespräch.
Danke für den Support. Fight the good fight!

 

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

Geschrieben am

Graveyard (ESP) – Hold Back The Dawn

Erst 2018 hatten die Death Metaller GRAVEYARD aus Barcelona zur Feier ihres zehnjährigen Bandjubiläums die EP „Back To The Mausoleum“ vorgelegt, zudem eine Vinyl-Split mit Morbid Flesh. Nun geht es wieder auf die volle Distanz: „Hold Back The Dawn“ lautet der Titel des nunmehr vierten Albums der erst 2007 gegründeten Band. Wer die bisherigen Werke der Katalanen kennt, weiß natürlich auch diesmal, wohin die Reise geht: Gerade Bands aus dem Bereich des Old School Death Metal bleiben sich schließlich gerne treu, genau darin liegt schließlich der Witz des Genres.

Der Sound ist einmal mehr leicht verwaschen und etwas undifferenziert. Zwar übertreiben GRAVEYARD es damit (zum Glcük) nicht – tatsächlich klingt das Album sogar einen Ticken schärfer als sein Vorgänger. Aber der Effekt ist nach wie vor gegeben: So klingt die Musik zwar nicht gerade knackig, verschmilzt dafür gerade in den aggressiven Passagen mit viel Beckeneinsatz zu einer Einheit und zieht daraus ihre Kraft. Auf Interludes, wie sie auf dem Vorgänger „… For Thine Is The Darkness“ eingestreut waren, verzichten GRAVEYARD diesmal hingegen: Acht Songs, 46 Minuten Death Metal lautet das Angebot der Katalanen diesmal, mit den entsprechenden Folgen.

Während der Vorgänger durch die irgendwie befremdlichen, aber doch auch charakteristischen Interludes etwas eigenständiger wirkte, geht es musikalisch diesmal vornehmlich furios zu: Uptempo-Riffing, zu dem auf dem Schlagzeuger Gusi so viel Wirbel wie möglich macht, bildet die Basis. Ergänzt um den harschen Gesang von Basser Julkarn gibt das ein ziemlich rohes Fundament. Durch zahlreiche Soli (etwa in „Of Extant Cults And Living Terrors“) und immer wieder die eine oder andere Melodie verhindern GRAVEYARD jedoch, all zu schroff zu klingen.

Und selbst ein gewisses Maß an Abwechslungsreichtum kann „Hold Bach The Dawn“ attestiert werden: Wenn etwa im Achtminüter „Hurled Unto Damnation“ nicht nur das Tempo herausgenommen wird, sondern kurz gar ein (gar nicht mal so klischeehaft arrangierter) Chor auftaucht. Oder wenn im abschließenden „Madre De La Noche“ fast schon ein Quäntchen Melodic-Black-Metal eingestreut wird.

So ist „Hold Back The Dawn“ vielleicht nicht so puristisch, wie man es von manch anderer Band des Genres her kennt – und doch puristisch genug, um Fans von Oldschool Death Metal glücklich zu machen. Ob das ausreicht, um neben etablierten Acts bestehen zu können und diese aus dem heimischen CD-Player (bzw. der Playlist) zu vertreiben, muss jeder selbst entscheiden. Eine Chance haben sich GRAVEYARD zumindest verdient.

Beheaded – Only Death Can Save You

Ein kurzes Intro und schon beginnt das Blast-Gewitter: BEHEADED aus Malta halten sich nicht mit unnötigen Spielereien auf, sondern geben einem Death-Metal Fan direkt das, was er braucht. Die Band wurde schon 1991 gegründet und veröffentlicht nun ihr sechstes Studioalbum – betitelt mit dem nicht gerade einfallsreichen Namen „Only Death Can Save You“. Natürlich erfinden BEHEADED das Genre nicht neu – als soundtechnische Orientierung könnte man amerikanische Bands wie Possessed oder Morbid Angel nennen. Ein wenig Schweden-Death der 90er, lässt sich hier und da  auch heraushören.

Das Ergebnis verspricht also kein schonendes Paket für den Nacken. Experimente darf man allerdings nicht erwarten. Größtenteils setzt die Band auf Highspeed-Passagen, gespickt mit einigen schleppenden Parts. Dies zieht sich über die gesamten 39 Minuten Spielzeit, verteilt auf neun Songs. Ist der Opener noch ein kompromissloses Death-Metal-Monster, so fügt die Band dem nächsten Track „Evil Be To Him Who Evil Seeks“ noch ordentliche Thrash-Trademarks hinzu. Im Mittelteil wird dann der große Bolt-Thrower-Break ausgepackt und die Doublebass bis zum äußersten strapaziert. Die Riffs der beiden Saitenhexer versuchen dementsprechend mitzuhalten. BEHEADED setzen den Fokus auf Brutalität und kompromisslose Kompositionen. „Unholy Man“ weist dagegen einen großen Gegensatz zu den restlichen Songs auf: Die rotzigen Vocals von Frank Calleja sorgen hier für einen gewissen Hardcore-Einschlag, der eine gute Abwechslung zum typischen Bandsound darstellt.

„The Papist Devil“ wiederum erhöht den Groove-Faktor nochmals deutlich, inklusive schöner Rythmusvariationen. Ein  kurzes Interlude sorgt dann doch für die nötige Verschnaufpause von diesem Gewalttrip. Die Malteser befinden sich spielerisch auf hohem Niveau und die teilweise bewusst dreckige, aber auch wuchtige Produktion ist ein deutlicher Pluspunkt im Gesamtbild. Gemastert wurde die Scheibe in den Hertz Studios, bei denen unter anderem schon Behemoth und Vader aufgenommen haben. Allerdings brillieren ein paar Tracks nicht gerade mit großem Einfallsreichtum oder spannendem Songaufbau. Viele Riffs bleiben nicht lange im Gedächtnis haften und hat man so schon tausendfach von anderen Genre-Verwandten gehört. Der Titeltrack schleppt sich beispielsweise etwas dahin. Besondere Alleinstellungsmerkmale im Vergleich zu anderen Bands dieses Genres fehlen BEHEADED absolut, auch bei den Lyrics. Insgesamt konzentrieren sie sich aber auf ihre Stärken und lassen sich von ihrem eingeschlagenen Weg nicht abbringen.

Nachdem man also diesen Gewittersturm überlebt hat, bleibt direkt das hohe Aggressionslevel im Gedächtnis. Doch außer den genannten Punkten lässt sich bei „Only Death Can Save You“ wiederum nicht viel kritisieren. BEHEADED liefern also einen ordentlichen Wutausbruch in Audioformat ab. Die Fans werden sicher nicht enttäuscht sein von Maltas größtem Metal-Export.

 

 

Revel In Flesh mit Details zum neuen Album

Die deutschen Death Metaller REVEL IN FLESH werden im Dezember diesen Jahres ihr neues Album via War Anthem Records veröffentlichen. Das Album wird den Titel „The Hour Of The Avenger“ tragen und insgesamt 11 Songs beinhalten.
Für Mix und Mastering war niemand geringeres als Dan Swanö verantwortlich.

Tracklist „The Hour Of The Avenger“:
1. The Hour Of The Avenger
2. My Trial
3. Blood Oath
4. The Nihilistic Nothingness
5. Sky Burial
6. Deathblow
7. Pervitin Speed Kill
8. The Wayfarer
9. Skull Sacrifice
10. The Nightbreed
11. Rock Out (Motörhead Cover)

Hell Over Hammaburg: Neue Band bestätigt

Das Hell Over Hammaburg 2020 legt weiter nach und hat die nächste Band für die kommende Ausgabe bestätigt. SIJJIN werden die Bühne der Markthalle Hamburg mit ihrer Mischung aus Death und Thrash Metal zum beben bringen.
Das Hell Over Hammaburg wird am 06.03.2019 und 07.03.2019 stattfinden. Das bisherige Line UP liest sich wie folgt:

ARGUS
BELLROPE
BÜTCHER
(DOLCH)
HAUNT
HORNS OF DOMINATION
IMHA TARIKAT
JOSEPH THOLL
MIDNIGHT DICE
MYTHIC SUNSHIP
NIFELHEIM
SIJJIN
THE GATES OF SLUMBER
TRAVELER
ULTRA SILVAM
VEMOD
VISIGOTH

Graveyard (ESP) mit weiterem Video und Tourdaten

Die spanischen Death Metaller GRAVEYARD haben ein weiteres Video veröffentlicht, dieses Mal zum Song „Winds Like Daggers“, welcher ebenfalls vom kommenden Album „Hold Back The Dawn“ stammt. Das neue Album wird am 20.09.2019 erscheinen.Außerdem hat die Band erste Tourdaten für den Oktober diesen Jahres bekannt gegeben.

Tourdaten GRAVEYARD:
04.10.19 Ways of Darkness Festival – Lichtenfels
05.10.19 Magnetofon – Łódź (PL)
06.10.19 D.K. Luksus – Wrocław (PL)
07.10.19 Underdogs – Prag (CZ)
08.10.19 TBA
09.10.19 Klub Močvara – Zagreb (HR)
10.10.19 Supersonic – Blue Hell & KVLT – Budapest (HUN)
11.10.19 Flying Circus Cluj – Cluj-Napoca (RO)
12.10.19 Old Grave Festival – Bukarest (RO)