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Arch Enemy – Covered In Blood

Bei all den Negativschlagzeilen der letzten Wochen vergisst man fast, dass ARCH ENEMY ja auch Musik machen. Wobei es fraglich ist, ob „Covered In Blood“ überhaupt viele Schlagzeilen wert ist, handelt es sich doch dabei lediglich um eine Compilation mit allen Coversongs, die die Band jemals aufgenommen hat. Zwar waren einige davon bis dato nur auf Japan-Editionen zu finden, doch bleibt ein schaler Beigeschmack, wenn man dafür nun Geld ausgeben soll.

Mit 24 Songs ist die Scheibe aber gut bestückt und auch die musikalische Bandbreite der Cover ist ansehnlich. Von Iron Maiden, über Judas Priest hin zu Manowar und Discharge wildern ARCH ENEMY in den verschiedensten Genres. Dabei passt der melodische Death Metal der Truppe mal mehr und mal weniger zu den Stücken. Vor allem bei Iron Maidens „Aces High“ oder dem Tears For Fears-Song „Shout“ ist das brachiale Klanggewand doch etwas ungewohnt, was aber nicht heißen soll, dass die Band keinen guten Job macht. Besonders Spaß machen die zahlreichen D-Beat- und Grindcore-Cover, die ARCH ENEMY von einer ungewohnt dreckigen Seite zeigen und bei denen Alissa endgültig klar macht, dass sie eine mehr als würdige Nachfolgerin für Angela Gossow ist. Besagte ehemalige Frontfrau ist ebenfalls häufig auf „Covered In Blood“ vertreten und weckt nostalgische Erinnerungen.

Einen wirklichen Ausfall verzeichnet „Covered In Blood“ nicht, was aber auch daran liegen mag, dass ARCH ENEMY eine gute Songauswahl getroffen haben. Die Compilation macht also durchaus Spaß und zeigt die Wandlungsfähigkeit und die vielfältigen Einflüsse der Band, wobei man beim heutigen doch etwas glatten Sound der Truppe gar nicht glauben mag, dass Michael Amott auch auf derben Grindcore steht. Die-Hard-Fans von ARCH ENEMY dürften zwar die meisten dieser Songs bereits ihr Eigen nennen, werden aber bei „Covered In Blood“ wohl dennoch zuschlagen. Alle anderen müssen selbst entscheiden, ob sich die Anschaffung lohnt. Bock macht die Scheibe auf jeden Fall.

Draghkar – The Endless Howling Abyss

Mal im Ernst: Man betrachte Band-Name, EP-Titel sowie das zugehörige Cover. Viel mehr Klischee auf einmal geht eigentlich nicht mehr, oder? Wobei gerade das Artwork dann doch wiederum wertig aussieht und auf ansprechenden Inhalt hoffen lässt. Entsprechend soll sich zeigen, ob die kalifornischen Death-Metaller DRAGHKAR, die mit der EP „The Endless Howling Abyss“ nach einer Demo und zwei Splits ihre insgesamt vierte Veröffentlichung an den Start bringen, auch musikalisch überzeugen können.

Dass die Marschrichtung stramm in Richtung vollkommen unverfälschten Death Metal geht, dürfte niemanden überraschen. Dieser tönt bereits beim ersten der insgesamt vier Songs, „Traversing The Abyss“, wahrlich mächtig aus den Boxen und überrascht durchaus durch gewisse Black-Metal-Einflüsse in der Melodieführung, ein Stilelement übrigens, das sich über die gesamte EP hinweg fortsetzen soll. Trotz der vergleichsweise langen Laufzeit von knapp sechseinhalb Minuten wirkt der Song angenehm auf den Punkt gebracht und schafft es ohne Umschweife, den Hörer zu vereinnahmen. Sehr gut!

„Swallowed By The Dark“ dreht von Beginn an stärker an der Tempo-Schraube, überzeugt durch flotte, eingängige Riffs und steht abgesehen von der Länge dem tollen Opener in nichts nach. Selbiges lässt sich auch über die noch folgenden Nummern „Eternal Disintegration (Of The Body And The Mind)“ sowie „Fading Into Emptiness“ sagen. Einen Favoriten auszumachen, ist schwierig, tendenziell ließe sich hier „Swallowed By The Dark“ nennen, in erster Linie liefern DRAGHKAR mit diesen vier Songs aber ein starkes Gesamtpaket ohne Abstriche.

Der Sound ist zunächst gewohnungsbedürftig, weil etwas dunkel abgemischt, verleiht den Songs jedoch eine Menge Druck, was ihnen sehr gut zu Gesicht steht. Der einzige Negativaspekt lässt sich bei den Vocals finden, die in der Tat ein kleines Ärgernis darstellen – nicht etwa, weil sie schlecht klingen, im Gegenteil erheben sich die monströsen Growls in ansprechender Intensität, aber leider sind sie im Mix ein ganzes Stück zu leise. So bleibt den Vocals leider die Möglichkeit verwehrt, machtvoll über den Instrumenten zu thronen, wie sie es unter anderen Umständen sicher tun würden – ob dies ein gewollter Effekt ist, weiß die Band selbst vermutlich am besten, schade ist es jedoch allemal, denn hier wäre noch ein Quäntchen an Qualität herauszuholen gewesen.

Nichtsdestoweniger kann sich „The Endless Howling Abyss“ mehr als sehen bzw. hören lassen – DRAGHKAR bieten uns hier einen überzeugenden Eindruck ihres Könnens und wenn man bei einem eventuellen Album die Sache mit der Vocal-Abmischung besser in den Griff bekommt, kann da eine richtig gute Death-Metal-Platte auf uns zukommen. Wir sind gespannt!

Unleashed – The Hunt For White Christ

Wer Death Metal in seiner Reinform zu schätzen weiß, hat sicher schon mit den Schweden von UNLEASHED musikalisch zu tun gehabt, bietet die Gruppe doch bereits seit 1989 unverfälschten Todesmetall. Klassiker wie das Drittwerk „Across The Open Sea“ und neuere Outputs wie das sechs Jahre alte „Odalheim“ speisen sich in mal mehr, mal weniger hoher Qualität aus der Quintessenz des Genres. Relativ simple, aber sofort zugängliche Gitarrenläufe und nicht unbedingt herausstehende, aber zweckdienliche Growls wissen die Hörerschaft seit 12 Alben zu unterhalten. Mit „The Hunt For White Christ“ steht diese gestandene Gruppe schwedischen Todesbleis nun mit ihrer neuen und dreizehnten Platte vor des Headbangers Tür.

Bereits der kraftvolle Opener „Lead Us Into War“ bring kurz und prägnant auf den Punkt, wofür der Death Metal UNLEASHEDs auch nach knapp 30 Jahren noch steht. Er macht aber auch deutlich, dass die Schweden in dieser Zeit an songwriterischer Kompetenz dazugewonnen haben – klar, die Komplexität und die technische Versiertheit der Nummern überfordern den gemeinen Death-Metal-Hörer auch anno 2018 nicht, doch wurden die bei den Frühwerken stellenweise noch recht stumpfen Kanten des Soundgewandes definitiv aufpoliert. Das hat insbesondere bereits der Vorgänger „Dawn Of The Nine“ unter Beweis gestellt, „The Hunt For White Christ“ steht dem, wenn überhaupt, in nicht viel nach.
Großartige Experimente gibt es auf der Platte keine – und nein, glücklicherweise auch kein bis heute unverzeihbar schlechtes Judas-Priest-Cover wie auf „Across The Open Sea“. Stattdessen darf der Hörer eben den schnörkellosen Death Metal erwarten, den man von der Gruppe kennt und der sich in mächtigen Nummern wie „Stand Your Ground“ oder „They Rape The Land“ manifestiert, die ohne Umschweife auf die Zwölf gehen, mit temporeichen und mitreißenden Soli verziert sind und deren Riffs und Refrains sich als auf Anhieb griffig erweisen – gerade erstgenannter Song dürfte sich darüber hinaus gut als künftige Live-Hymne eignen. Und wenn die Schweden dann doch einmal, zumindest rudimentär, von ihrer Formel abweichen, wie etwa im orientalisch anmutenden Intro zu „You Will Fall“, tut das der Musik ebenfalls alles andere als einen Abbruch.

In der Summe ist das dreizehnte Album aus dem Hause UNLEASHED wenig überraschend oder innovativ, doch wer diese Erwartungshaltung je an die Gruppe entrichtet hat, ist vermutlich ohnehin schon vor einiger Zeit abgewandert. Stattdessen gibt es durchgehend überzeugende, direkte und eingängige Death-Metal-Songs, die Fans des Genres problemlos zufriedenstellen dürften. Qualitative Ausfälle oder gar Rohrkrepierer gibt es zudem keine, was in der Diskographie der Band nicht immer der Fall war, und wenn eine Gruppe wie UNLEASHED nach solch einer lang andauernden Schaffensphase noch immer auf beiden Beinen steht und hochwertige Outputs wie „The Hunt For White Christ“ auf den Metal-Markt bringt, so ist dem in jedem Fall Respekt zu zollen.

Bloodbath – The Arrow Of Satan Is Drawn

Das klassische, naturalistische Gemälde liegt voll im Trend. Während Kunsthändler über diese steile These bei der aktuellen Marktsituation vermutlich nur den Kopf schütteln können, dürften Death-Metal-Fans wissen, was gemeint ist: Statt auf generische Computercollagen setzen immer mehr Bands wieder auf das klassische Kunstwerk. Nach Behemoth mit „I Loved You At Your Darkest“ haben nun auch BLOODBATH für ihr neues Werk „The Arrow Of Satan Is Drawn“ ganz ähnlich gewählt.

Für das Layout muss direkt ein Lob nach Schweden gehen: Ganz, ohne explizit zu werden, legen BLOODBATH mit dem Bild des fliegenbelagerten Kinderbettchens das wohl morbideste Motiv des Jahres vor. Kein Vergleich zum optisch furchtbar missratenen „Grand Morbid Funeral”.

Auch personell hat sich bei BLOODBATH wieder etwas getan: Zwar bleibt der Sängerposten mit „Old Nick“ Holmes erstmalig in der Geschichte der Band über zwei Alben in Folge gleich besetzt. Neu dabei ist dafür Gitarrist Joakim Karlsson von Craft, der den 2017 ausgestiegenen Per „Sodomizer“ Eriksson ersetzt. Das Lineup bleibt damit mit Mitgliedern von Katatonia, Opeth, Paradise Lost und besagten Craft nach wie vor Supergroup-verdächtig. Die Frage ist: Können die Schweden nach dem vergleichsweise banalen „Grand Morbid Funeral” auch musikalisch wieder etwas anziehen?

Die Antwort lautet jein. Denn gerade indem BLOODBATH das Tempo etwas drosseln, um vermehrt auf Groove zu setzen, bekommt der Death Metal der Schweden zumindest wieder einen Hauch von Eigenständigkeit. Das macht sich direkt beim Opener „Fleischmann“ bemerkbar. Der Vorteil des etwas gemächlicheren Riffings: Erstmalig passt die ebenfalls eher behäbige Stimme von „Old Nick“ wirklich zu dem, was musikalisch um sie herum passiert. Dennoch ist Holmes‘ Gesang nach wie vor Geschmackssache: Gerade an die stimmliche Vielfalt eines Tägtgren, aber auch die Kraft eines Åkerfeldt kommt Nick Holmes leider nicht wirklich heran.

Das gilt so leider auch für die Musik, vergleicht man das Werk nicht mit dem Vorgänger, den es durchaus locker in die Tasche steckt, sondern mit den noch früheren Alben. Das Konzept „Schweres Riffing mit flinken Soli“ geht auf „The Arrow Of Satan Is Drawn“ zwar überraschend lange gut; das fast schon death-doomige „Levitator“ erinnert in seiner fatalistischen Schwere fast schon an Hail Of Bullets und Konsorten. Trotzdem stumpft man bei „The Arrow Of Satan Is Drawn“ schon weit vor Ablauf der gut 40 Minuten Spieldauer ab – bei einem Meisterwerk wie dem bitterbösen „Nightmares Made Flesh“ oder dem technisch-brutalen „The Fathomless Mastery“ unvorstellbar.

Positiv hingegen ist der Abstumpfungseffekt, was den Gitarrensound angeht: Einmal mehr haben BLOODBATH sich für ein extrem steriles, artifizielles Klangbild entschieden. Nach einiger Zeit fällt das zwar nicht mehr so auf, da die Songs im Zusammenspiel aller Instrumente kräftig schieben – wo immer Gitarren aus dem Gesamtsound ausbrechen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, klingt es leider, wie schon auf dem Vorgänger, ziemlich künstlich.

Am Ende ist „The Arrow Of Satan Is Drawn“ ein düsteres, grooviges Death-Metal-Album, das ohne Frage mehr zu bieten hat als der ideenlose Vorgänger, aber auch nicht voll zu überzeugen weiß. Das Spannendste an dem Album bleibt leider sein Cover – musikalisch hingegen beschreiten BLOODBATH konsequent ausgetretene Pfade und umgehen damit die Notwendigkeit, selbst kreativ zu werden. Die Idee, auf mehr Groove zu setzen, bleibt damit die einzige nennenswerte Errungenschaft dieser Veröffentlichung – und damit sind BLOODBATH im Death Metal nun wirklich keine Pioniere.

Chapel Of Disease – …And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye

Man spricht ja oft davon, dass eine Band mit einem neuen Album ihre Essenz gefunden hat. Selten hat diese Phrase aber so gut gepasst, wie beim neuen CHAPEL-OF-DISEASE-Album „…And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye“, auf dem die Kölner Band jeglichen Genre-Konventionen entflieht. Bereits auf ihrem Zweitwerk „The Mysterious Way Of Repetitive Art“ haben sich die Jungs mehr oder weniger von ihren Death-Metal-Wurzeln entfernt, doch auf der neuen Scheibe legt die Band diese eng gefasst Genrebezeichnung endgültig ab.

Das soll aber nicht heißen, dass es auf „…And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye“ keinen Death Metal mehr zu hören gibt, er geht vielmehr eine Symbiose mit Riffs und Melodien der 70er- und teilweise auch 80er-Jahre ein. Was auf den ersten Blick merkwürdig erscheint, offenbart bereits beim Opener „Void Of Words“ sein enormes Potenzial. CHAPEL OF DISEASE verteilen hier rockige 70er-Riffs und große Melodien auf einen wuchtigen Death-Metal-Unterbau und garnieren das Ganze mit den heiseren Vocals von Sänger Laurent T. Vor allem die rockigen, luftigen Elemente des Songs machen ihn so spannend und im positivsten Sinne des Wortes zu einem Ohrwurm. In absoluter Perfektion zelebrieren CHAPEL OF DISEASE ihre neue Sound-Mixtur im überragenden „Song Of The Gods“, das die Jungs definitiv live spielen müssen. Bei diesem Song scheint es, als ob Judas Priest gefallen an Old-School-Death-Metal gefunden hätten und diesen nun mit ihrem 80er-Jahre-Sound mischen.

Gekrönt wird „…And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye“ vom monumentalen „The Sound Of Shallow Grey“, bei dem auch die letzten Kritiker verstummen dürften. CHAPEL OF DISEASE entfernen sich mit dieser Nummer zwar sehr weit von ihren Wurzeln, zeigen dadurch aber auch erneut welch großes Potenzial in ihnen steckt. Das Grundriff von „The Sound Of Shallow Grey“ ist recht einfach, doch der Song erfährt durch die packende Melodie eine enorme Aufwertung und zieht den Hörer in seinen Bann. Statt eines langsamen, schleppenden Aufbaus gibt es ein geradliniges, fesselndes Stück Musik zu hören. Ganz großes Kino!

CHAPEL OF DISEASE beweisen mit ihrem dritten Album „…And As We Have Seen The Storm, We Have Embraced The Eye“, dass Weiterentwicklung nichts schlechtes ist. Selten hat eine Band aber ihren Sound so stimmig und eindrucksvoll erweitern können. Man darf gespannt sein, wohin die Reise für die Kölner Band als nächstes geht.

Gravewards – Ruinous Ensoulment

Quasi aus dem Nichts auf der Bildfläche aufgetaucht sind die Griechen von GRAVEWARDS. Nach einem auf nur 300 Exemplare limitierten Vier-Track-Tape namens „Subconscious Lobotomy“ im Jahr 2017 schickt das Trio nun bereits seine erste Full-Length-Platte ins Rennen. „Ruinous Ensoulment“ heißt die Scheibe und wurde nicht etwa, wie so oft bei Debüts üblich, mit Neueinspielungen der Demo auf Albumlänge gestreckt, sondern wartet mit sieben frisch komponierten Songs und einem Intro auf. Die Truppe sieht sich von Old School Death Metal sowie Tech Thrash beeinflusst und möchte neben einer Ehrerbietung an den Sound der 1990er-Jahre auch ihre eigene Todesblei-Interpretation an die Hörerschaft bringen.

Dabei fackeln GRAVEWARDS nicht allzu lange: Nach dem nur neunzehnsekündigen Intro – einem steigenden Pulsschlag und Alarmsignale – legen die Südeuropäer in „Sworn In Denial – Omega Syndrome“ direkt mit schleppender Doublebass-Walze und charakteristischem, sägendem Tremolo-Picking los. Die Produktion klingt fett, ohne in Hochglanz-Bombast zu gipfeln, die Songs drücken anständig aus den Boxen, wie es bei zeitgenössischem Death Metal mit Hommage an den Sound der alten Schule klingen sollte.

Auch die Vocals setzen schon im Opener recht unvermittelt ein – und offenbaren damit bereits eine der zentralen Schwächen von „Ruinous Ensoulment“. Zwar werden diese auch von Label-Seite originellerweise weniger als Growls, als vielmehr „die Schreie eines rasenden Dämons, der sich am Blut seiner Feinde verschluckt“ beschrieben (eigene Übersetzung). Doch lässt die Angabe außen vor, dass es sich bei Nikos‘ Darbietung am Mikrofon nicht nur um keinen typischen Death-Metal-Gesang handelt, sondern eher um halbgutturales, heiseres Hardcore-Shouting. Nun ist es auch in solch einem konservativen Genre und dem Stilkorsett, das sich GRAVEWARDS selbst angelegt haben, kein Unding, etwas Neues auszuprobieren und eine individuelle Note einzubringen. Allerdings ist die Performance per se durchwachsen: Nikos bellt die Lyrics stoisch den Hörern entgegen, brüllt sie in der immer gleichen Tonlage hinaus in den Äther, schafft es dabei aber selten, mehr als zwei Silben auf einmal über die Lippen zu bekommen und rappt des Öfteren regelrecht am Takt vorbei.

Diesem Mangel könnte man nun die Leistung an den Instrumenten entgegenstellen. So agieren die Instrumentalisten – zu denen Sänger Nikos als einziger Gitarrist selbst gehört – technisch äußerst präzise, tight und makellos aufeinander eingespielt. Dennoch machen sich GRAVEWARDS auch auf dieser Ebene mit ihrem ziellos wirkenden Songwriting selbst einen Strich durch die Rechnung. Zwar sorgen die Musiker mit Tempowechseln für Abwechslung. So alternieren sie Blastbeat-Passagen mit groovendem Midtempo, zähflüssige Doom-Parts mit Uptempo-Stürmen, vertrackte Rhythmen mit straight voranpreschenden Beats. Jedoch reihen sie diese Elemente aneinander wie Mosaiksteinchen, aus denen eine nachvollziehbare Struktur zu erkennen selbst Liebhabern technischeren Spielarten schwerfallen dürfte. Das Ergebnis: Die Songgrenzen der ohnehin schon größtenteils erschöpfend überlangen Tracks wirken willkürlich, die Lieder selbst untereinander austauschbar.

So bleibt am Ende ein Album, das – es mag paradox wirken – trotz handwerklich hoher Qualität an den Instrumenten und dem Mischpult stumpf klingt. Sei es das uninspiriert dargebotene Leadgitarren-Gedudel in ausnahmslos jedem Song, das schon zigmal gehörte Chugga-chugga-Riff hier oder die hundertste High-Speed-Attacke der Drums da – die 43 Minuten von „Ruinous Ensoulment“ gehen sprichwörtlich zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus. Ob GRAVEWARDS für die nächste Platte ihr Songwriting straffen und fokussierter gestalten sowie an den Vocals arbeiten, sei dahingestellt. Ihr Full-Length-Einstand ist in jedem Fall nur eingefleischten Genre-Fans zu empfehlen.

Soulfly – Ritual

Drei Jahre nach „Archangel“ steht mit „Ritual“ das nächste SOULFLY-Album ins Haus. Und wie schon bei „Archangel“ – damals absolut begründet, wie sich schnell herausstellte – tritt einem schon bei dem Blick aufs Cover der Angstschweiß auf die Stirn: Wird das Album (erneut) so bescheiden klingen wie das Artwork aussieht? Mitnichten.

Bereits der Titeltrack, der das Werk eröffnet, kommt erfreulich „oldschool“ daher: Ein paar Tribal-Sounds, eine Leadgitarre, die so dreist bei „Prophecy“ vom gleichnamigen Album geklaut ist, wie man es nur bei einem eigenen Song machen kann (aber trotzdem nicht sollte) und der klassische SOULFLY-Riff ergeben einen vielleicht nicht innovativen, aber zumindest stimmigen Opener. Auch einem weiteren Trademark bleiben SOULFLY treu: Gleich im folgenden „Dead Behind The Eyes“ bekommt man neben Mastermind Max Cavalera mit Randy Blythe (Lamb Of God) den ersten Gast zu hören. Später wird auch Ross Dolan (Immolation) noch ans Mikro gebeten („Under Rapture“).

Den eigenen Trademarks treu zu bleiben, scheint generell das erklärte Ziel bei „Ritual“ gewesen zu sein – erfreulicherweise allerdings nicht dem stumpfen Death-Thrash, den SOULFLY zuletzt auf „Archangel“ gepflegt hatten, sondern immhin ihrem in den Jahren zwischen „Dark Ages“ und „Savages“ etablierten Stil, der SOULFLY als Band unverkennbar, die einzelnen Songs untereinander jedoch alles andere als unverwechselbar macht: Spätestens ab der Hälfte der CD beginnen die Unterschiede zwischen einzelnen Riffs, Songs, ja, ganzen Alben zu verblassen. Am Ende hört man eben einmal mehr SOULFLY.

Eine Ausnahme stellt, neben der Motörhead-Hommage „Feedback!“ der Track „Blood On The Street“ dar: Durch die Zusammenarbeit mit Musikern des amerikanischen Ureinwohnerstamms der Navajo kommt der Song wie schon der Opener des Albums einer Zeitreise in die „Roots“-Tage von Sepultura gleich: Obwohl er sich in Sachen Riffing und Growls kaum vom Rest des Materials abhebt, klingt der Track mit Flöten sowie Tribal-Percussions und -Gesängen angereichert gleich merklich spannender als die Lieder davor.

Zwar präsentieren sich Max Cavalera und Konsorten auf „Ritual“ wieder etwas düsterer und merklich vielschichtiger als auf dem unsäglichen „Archangel“ sowie dessen vornehmlich sehr straighten, dabei aber auch mäßig spannenden Vorgängern „Savages“, „Enslaved“, „Omen“ oder „Conquer“. Von der energiegeladenen Dynamik der SOULFLY-Meisterwerke „Dark Ages“ oder „Prophecy“ einerseits und dem zur jeweiligen Zeit revolutionären Stilmix eines „Roots“ oder „Primitive“ andererseits ist „Ritual“ dennoch weit entfernt.

LIK – Carnage

Bloodbath als Idee einer Death-Metal-Supergroup war ein voller Erfolg für die Beteiligten. Doch Jonas Renkse und Anders Nyström schienen nicht die einzigen beiden in Katatonia zu sein, die Bock auf solch eine Death-Metal-Band haben. Auch Gitarrist Niklas „Nille“ Sandin gründete zusammen mit dem inzwischen bei Witchery Schlagzeug spielenden Chris Barkensjö und dem schon mit sowohl Katatonia als auch Bloodbath live aufgetretenen Gitarristen und Sänger Tomas Åkvik seine eigene Death-Metal-Band: LIK. Nach ihrem Debüt „Mass Funeral Evocation“ im Jahr 2015 hat die Formation nun ihr zweites Werk „Carnage“ veröffentlicht und macht genau da weiter, wo sie damals aufgehört hat.

Auch „Carnage“ wartet mit energiegeladenen Songs und wundervoll fiesen Death-Metal-Riffs auf. Die beiden Opener „To Kill“ und „Rid You Of Your Flesh“ legen direkt rasant los, bevor die folgenden Tracks den Hörer ins treibende Midtempo entführen. Tatsächlich aber stehen LIK vor allem die ganz schnellen Tracks, wie beispielsweise „Cannibalistic Infancy“ oder „Only Death Is Left Alive“, und die langsameren, stampfenden, wie „The Deranged“ oder der Abschlusssong „Embrace The End“, am besten. Hier kommt die Old-School-Power der Schweden am effektivsten zur Geltung.

Wie auch schon bei „Mass Funeral Evocation“, haben sich LIK bei der Produktion für den klassischen Schweden-Death-Metal-Sound mitsamt crunchy Gitarren entschieden. Dieser schallt hier sogar noch eine Spur roher, aber mindestens genauso kraftvoll aus den Boxen. Die ohnehin schon fetzigen und donnernden Stücke kommen dadurch noch einmal eine ganze Ecke brachialer daher als mit dem leider so oft üblichen dünnen, verrauschten Garagensound, den viele Bands auch heute noch für authentischen Death-Metal-Sound halten. Selbst in den wenigen melodischen Momenten, wie etwa wenn LIK in „Death Cult“ oder „Rid You Of Your Flesh“ klassische zweistimmige Gitarren einsetzen, harmoniert die Produktion bestens mit der Musik.

Einzig „Left To Die“ und „Dr Duschanka“ kann auch die Produktion nicht wirklich helfen. Hier fehlt der Musik einfach die Zugkraft, die die anderen Tracks auf dem Album besitzen. Auf einem Album mit zehn Songs ergibt das aber, selbst nach Abzug von zwei eher mäßig spannenden Liedern, immer noch acht absolut hervoragende Death-Metal-Stücke mit hohem Hit-Potential. Das bekommen auch Bloodbath nicht besser hin.

Neben Bloodbath mögen LIK bisher vielleicht noch wie der kleine Bruder, oder sogar eher wie der entfernte Cousin wirken. Spätestens mit „Carnage“ sollte aber klar sein, dass LIK qualitativ eine ernsthafte Konkurrenz darstellen. Schweden-Death wurde in den letzten Jahren selten besser gespielt als hier. Für Fans dieser Musik ein absoluter Pflichtkauf.