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Pink Cocoon – Alienation (EP)

Das kanadische Doom-Blues-Projekt PINK COCOON legt mit „Alienation“ eine erste EP vor und vermischt darauf verschiedene Einflüsse zu einem recht eigenständigen Sound. Hinter PINK COCOON steht Zolla Marc, der live von wechselnden Musikern unterstützt wird. Die Genrebezeichnung Doom-Blues wählte der Musiker selbst und führt dabei unter anderem Künstler wie Black Sabbath, Jimi Hendrix, Pentagram oder Nirvana als Einflüsse auf.

Und besonders letzere sind im Sound von PINK COCOON nahezu immer präsent. Bereits beim Opener „Help Me“ fühlt man sich ganz stark an die Grunge-Ikonen erinnert. Speziell der Gesang von Zolla Marc kommt in Sachen Rotzigkeit und dem heiseren Timbre recht nah an Kurt Cobain heran. Musikalisch gesehen fasst bereits dieser erste Song den musikalischen Kosmos der Band gut zusammen: Die kaputte Attitüde des Grunge trifft auf doomige Riffs, psychedelisch verspielte Soli und flottere groovende Parts. Diese Mixtur wird auch auf den restlichen Tracks der EP beibehalten und nur etwas in der Dosierung der einzelnen Zutaten variiert. So ist „No Control“ der wohl groovendste Song auf „Alienation“, während bei „Old Lady At The Window“ der Fokus eher auf den Doom gelegt wurde.

Am überzeugendsten sind PINK COCOON aber in den schnelleren, rotzigen Momenten. Die doomigen Passagen sind doch etwas zu generisch und unspektakulär geraten, besonders im Vergleich zu artverwandten Kollegen wie Motorowl. Außerdem ist für einen echten und schweren Doom-Sound zu wenig Bass in den einzelnen Nummern fassbar. Dies mag an der Qualität der Aufnahme liegen, wobei diese aber eigentlich als gut zu bezeichnen ist. Die Stilkombination als solche überzeugt aber durchaus und wirkt noch recht neu und unverbraucht, weshalb man auf weitere Veröffentlichungen von PINK COCOON gespannt sein darf.

Urfaust – The Constellatory Practice

Hatten sich URFAUST mit  „Empty Space Meidtation“ noch reichlich Zeit gelassen und die Fans seit ihrem letzten Studioalbum „Der freiwillige Bettler“ sechs Jahre lang nur mit diversen Splits, EPs und Singles vertröstet, ging es diesmal überraschend schnell: Nur zwei Jahre (und zwei Splits) nach besagtem Meisterwerk kommt das Duo mit dem neuen Full-Length um die Ecke: „The Constellatory Practice“.

Das Prinzip URFAUST bleibt im Grunde unangetastet – nicht jedoch ohne in ihrem Kosmos neue Grenzen auszuloten. Auch diesmal setzen die beiden Niederländer stilistisch voll auf die Ambient-Doom-Karte. Im 13-minütigen Opener „Doctrine Of Spirit Obsession“ ziehen die beiden dafür mit behäbigem Drumming, getragenen Gitarren und IX‘ charakteristisch vibratoreichem Gesang zunächst noch die bandtypischen Register. Gerade der für URFAUST so typische Gesang ist auf „The Constellatory Practice“ jedoch eher die Ausnahme als die Regel.

So rückt der Gesang – als harsches, stimmloses und gänzlich unartikluliertes Geschrei – bei Songs wie „Behind The Veil Of The Trance Sleep“ oder „False Sensorial Impressions“ weit in den Hintergrund und übernimmt dort, tief in den doomig-düsteren Songkonstrukten verankert, fast schon die Funktion eines weiteren Instrumentes, während bassige Trommeln wie Herzen behäbiger Monster stoisch schlagen.

Seinen ohne Frage größten Moment (nungut, bei 12:44 Minuten vielleicht eher „Zeitraum“) hat „The Constellatory Practice“ bei „Trail Of The Conscience Of The Dead“. Mit dem tonnenschweren Riffing und puristischen Drumming fast schon „sludgeig“, mit dem – seit dem Opener erstmalig wieder eingesetzten – unverkennbaren „URFAUST-Gesang“ bandtypisch und mit dem epischen Cello in der zweiten Songhälfte zugleich ungewohnt, neu und schlicht famos, weiß diese Nummer auf ganzer Linie zu überzeugen. Das immerhin auch noch fast zehnminütige „Eradication Through Hypnotic Suggestions“ wirkt im Anschluss an dieses für URFAUST-Verhältnisse vor Überraschungen nur so berstende Stück in seiner Ambient-Drone-Monotonie richtiggehend primitiv, rundet das spannende Album jedoch gerade dadurch perfekt ab.

Das Tempo, das URFAUST noch auf „Empty Space Meditation“ mitunter angeschlagen hatten, etwa im treibenden „Meditatum V“ oder dem vor Energie und Tatendrang nur so strotzenden „Meditatum II“, sucht man auf dem Nachfolger vergeblich: Dieser steht, vielleicht mehr als alle seine Vorgänger, im Zeichen absoluter Dunkelheit. Schroff, verstörend und einschüchternd, beklemmend, vereinnahmend und allumfassend – das sind Attribute, die auf URFAUST heute mehr denn je zutreffen. Mit anderen Worten: Einmal mehr ein Meisterwerk.

Obseqvies – The Hours Of My Wake

Als neuer Stern am Drone-Doom-Firmament wird die finnische Band OBSEQVIES vom Label angepriesen. Das Debüt „The Hours Of My Wake“ soll niederschmetternd und höchst emotional zugleich sein. Diese Emotionen fokussieren sich aber nicht auf zuckersüße Romanzen, sondern auf Trauer und das Entsetzen, auf sich allein gestellt dem Tod gegenüberzutreten. Somit kann man sich zumindest auf einen schweren Brocken einstellen, der mit diesem Longplayer auf einen zukommt.

Wie schwer dieser tatsächlich wiegt, kann man bereits bei einem Blick auf die Tracklist erahnen. Drei Songs, die simplerweise nur mit römischen Ziffern betitelt wurden, erstrecken sich über knapp eine Stunde Laufzeit. So ist es wenig verwunderlich, dass sich die einzelnen Parts im schleppenden Funeral-Doom-Tempo gerne deutlich in die Länge ziehen. Alleine das Intro des ersten Stückes dauert knappe vier Minuten, ehe der Gesang gurgelnd und dröhnend einsetzt. An der Geschwindigkeit wird hier nichts variiert, stattdessen lassen OBSEQVIES die Tristesse wirken. Im Hintergrund agieren im Kontrast fast feinfühlige Drone-/Ambient-Elemente und auch die Gitarren kreieren sehr klare und melodische Momente.

Die Vocals gehen vom dröhnenden Grundton gelegentlich auch in keifende Sequenzen über, die aber nur von sehr kurzer Dauer sind. Auch wehklagender Hintergrundgesang ist punktuell zu vernehmen. Entsprechend des Genres kann man die Texte nicht im Ansatz erahnen, sondern muss den Gesang ohne vorliegende Lyrics als weiteres Instrument hinnehmen. Vermuten lässt sich natürlich, dass hier nicht über Ponys oder Blumenwiesen philosophiert wird, sondern über Tod und Verderben. Die Schlagzeugarbeit, so simpel sie auch sein mag, gibt dem kompletten Album eine wuchtige Note mit. Abwechselnd sind Bassdrum und Hi-Hats zu hören. In fast maximal  entschleunigtem Tempo, versteht sich. Die vorliegende Produktion geht ob ihrer Differenziertheit für ein Underground-Release in Ordnung.

OBSEQVIES haben wirklich ein Werk geschaffen, das tonnenschwer auf das Gemüt des Hörers drückt. Im Grunde sind die drei Songs als ein langes Stück anzusehen, die mit ihrer Mischung aus Funeral Doom und klirrenden Drone-Elementen eine apokalyptische Atmosphäre beschwören. So gut es den Finnen auf „The Hours Of My Wake“ auch gelingt diese Verzweiflung zu transportieren, hätten doch ein paar Tempiwechsel zur Auflockerung sehr gut beigetragen. Vom Können der Musiker und der Qualität des Materials kann das Release dennoch getrost als gehobenes Mittelmaß durchgewunken werden. Allerdings muss man in der Stimmung für die gebotene Tonkunst sein, sonst wird es schnell langatmig und anstrengend.

Witch Mountain – Witch Mountain

Als Uta Plotkin ihren Ausstieg bei WITCH MOUNTAIN bekannt gab, bedeutete das für viele Fans auch das Ende der Band. Bildete doch der variable und einzigartige Gesang der Dame das Herzstück von WITCH MOUNTAIN. Doch nun knapp vier Jahre nach „Mobile Of Angels“ liegt mit „Witch Mountain“ tatsächlich eine neue Scheibe der Doom-Veteranen vor. Mit Kayla Dixon feiert dabei auch noch eine neue Sängerin ihren Albumeinstand. Und auch wenn Kayla nicht ganz an Utas Niveau heranreicht, liefert sie doch eine bemerkenswerte Performance ab.

Eigentlich definiert sich „Witch Mountain“ nahezu ausschließlich über die Stimme der neuen Sängerin. Vom Opener „Midnight“ bis zum abschließenden „Nighthawk“ steht Kayla im Mittelpunkt der Kompositionen, dominiert diese fast. Wobei das bei einer Stimme, die von bluesigem Klargesang bis zu derben Growls die gesamte Palette abdeckt auch kein Wunder ist. Allerdings muss man sich schon fragen, wo die Raffinesse und Magie im Songwriting von WITCH MOUNTAIN geblieben sind? „Midnight“ ist zwar ein solider erdiger Doom-Song und auch „Mechanical World“ ist mit seinem repetitivem Moment keine B-Ware, aber dennoch fehlt das gewisse Etwas in musikalischer Hinsicht. Im Ohr bleiben diese Songs vor allem wegen Kayla Dixons variabler, teilweiße spirituell anmutender Gesangsleistung.

Bei „Burn You Down“ hilft aber nicht mal mehr das. Diese Nummer plätschert nun wirklich inspirationslos vor sich hin und bietet keinen Höhepunkt, an dem sich der Hörer festhalten kann. Erst mit dem abschließenden „Nighthawk“ kriegen WITCH MOUNTAIN wieder die Kurve und präsentieren eine perfekte Mischung aus Doom, Psychedelic und Rock. Kayla singt, schreit und brüllt so emotional und überzeugend, dass der Rest der Band fast nebensächlich wird. Aber hier lohnt sich genauer hinhören, allein das groovige Gitarrenspiel zu Beginn des Songs ist eine Wucht. Wenn sich die ganze Band dann zum Schluss in einen psychedelischen Rausch spielt ist sie wieder da, diese spezielle WITCH-MOUNTAIN-Magie. Schade, dass die Band damit erst jetzt rausrückt.

An sich haben WITCH MOUNTAIN mit dem gleichnamigen Album nichts abgeliefert, was man nicht schon mal woanders gehört hat. Allein durch das Songwriting sticht die Band nicht aus dem Genre hervor, vom genialen „Nighthawk“ mal abgesehen. Die Rettung für das Album und damit wohl auch für die Band ist Kayla Dixon. Die Sängerin liefert ein gelungenes Debüt ab und hebt „Witch Mountain“ aus dem Mittelmaß hinaus. Dennoch vermisst man das großartige Songwriting von Alben wie „South Of Salem“ oder „Mobile Of Angels“. Bleibt zu hoffen, dass die Band ihrer neuen Sängerin nur eine passende Bühne zum Einstand geben wollte und auf den nächsten Scheiben wieder mehr aufdreht.

 

Death-Metal-Band Siege Of Power heuert bei Metal Blade an

Die Death-Metal-Band SIEGE OF POWER mit aktuellen und ehemaligen Mitgliedern von Asphyx, Hail Of Bullets und Grand Supreme Blood Court hat einen Plattenvertrag bei Metal Blade Records unterschrieben. Die Band wurde 2013 gegründet und ist nach einer längeren Pause seit 2017 wieder aktiv.

SIEGE OF POWER sind:
Chris Reifert – Gesang (Autopsy, Violation Wound, Abscess, Painted Doll)
Paul Baayens – Gitarre (Asphyx, ex-Hail of Bullets, Thanatos)
Theo van Eekelen – Bass (ex-Hail of Bullets, ex-Houwitser, ex-Grand Supreme Blood Court)
Bob Bagchus – Drums (ex-Asphyx, Soulburn, ex-Grand Supreme Blood Court)

Chris Reifert zum Metal Blade Signing: „Nun, das ist natürlich schon verdammt cool. Metal Blade ist eines der ersten Metallabels, welches ich als junger Teenager entdeckt habe, als ich auf der Suche nach immer härterem Stoff war. Ich habe Tonnen an Bands durch ihre Album- und EP Veröffentlichungen entdeckt, natürlich auch durch die Metal Massacre Serie, welche zahlreiche Leute beeinflusst hat. Meine Geschichte mit Metal Blade ist tief verwurzelt, auch wenn sie das bislang vermutlich nicht gewusst haben. Aber jetzt arbeiten wir ja miteinander. Hell yeah!

Bob Bagchus: „Der Name Metal Blade ist wie Metal Magie für mich. Das ist immer schon so gewesen, seit meiner frühesten Pubertät. Namen wie Metallica, Slayer, Trouble, Hallows Eve sind eng verbunden mit Metal Blade wie auch mit meiner Kindheit, als ich dieser Musik verfallen bin. Es fühlt sich großartig an, mit Siege Of Power bei ihnen unter Vertrag zu sein, vielleicht das sogar die Krönung meiner musikalischen Karriere!

Das Debütalbum „Warning Blast“ erscheint im September, mehr Informationen dazu wird es in Kürze geben.

Mist – Free Me Of The Sun

Um es gleich vorneweg zu nehmen: Ja, MIST bestehen zu 4/5 aus Frauen und ja, die Band stammt aus Slovenien und hat durch diese beiden Aspekte durchaus einen gewissen Exotenstatus inne. Aber auch mit dem größten Exotenstatus muss eine Band auch musikalisch überzeugen können. Gut für die Slovenen, dass sie das auf ihrem Debut durchaus schaffen. MIST spielen auf „Free Me Of The Sun“ eine Mischung aus klassischem Doom und Psychedelic-Elementen und lassen sich dadurch wohl am Besten mit dem Begriff Okkult-Doom beschreiben. Die Band hat bereits 2013 und 2015 Demos veröffentlicht und war bereits mit Szenegrößen wie Jex Thoth oder Uncle Acid & The Deabeats auf Tour.

Aushängeschild der Band ist mit Sicherheit Sängerin Nina Spruk, die durchweg eine starke Performance abliefert und stellenweiße an Jennie Ann-Smith von Avatarium erinnert. Wo der Opener „The Ghoul“ musikalisch noch etwas durchschnittlich daherkommt, rettet Spruk den Song durch eine starke Gesangsleistung. Die wahre Bandbreite ihrer Stimme offenbart sie aber erst bei dem intensiven und packenden „White Torch“. Kontrastiert wird diese kraftvolle Seite ihrer Stimme durch die emotionalen und gefühlvollen Momente in Songs wie „December“ oder „Free Me Of The Sun“. Aber auch der Rest der Band weiß durchaus zu glänzen. Die Saitenfraktion kann sowohl wuchtig und groovend („The Offering“, „Disembody Me“) als auch zurückhaltend und melodisch („Free Me Of The Sun“). Und besonders der Titelsong zeigt, zu welchen Glanzleistungen MIST fähig sind. Die Nummer vereint sowohl emotionale und sphärische Momente, als auch einen an Black Sabbath erinnernden stampfenden Part.

Aber mit letzerem ist man irgendwie auch schon auf ein Problem des Debuts gestoßen. MIST werden im Laufe des Albums einfach etwas zu vorhersehbar. Remineszenzen an Bands wie Black Sabbath oder Pentagram sind in gesunden Dosen durchaus in Ordnung und Teil von vielen Alben des Genres, aber auf Dauer einfach zu unspektakulär. Schade ist auch, dass MIST keinen Song haben der über sechs Minuten dauert. Klar muss man nicht jeden Song totreiten, aber etwas mehr Raum für die Riffs wäre durchaus wünschenswert gewesen.

Man darf aber nicht außer acht lassen, dass es sich bei „Free Me Of The Sun“ um das Debut von MIST handelt. Und dafür ist die Scheibe wirklich stark geworden. Sowohl die eigenständigeren Riffs von Blaž Tanšek als auch der starke Gesang von Nina Spruk machen Spaß und bleiben im Ohr. Die kleinen Unstimmigkeiten im Songwriting lassen sich bis zum nächsten Werk der Slovenen mit Sicherheit noch verbessern und bis dahin ist „Free Me Of The Sun“ mit Sicherheit eine Empfehlung für Genrefans und solche die es werden wollen.

Auch Motorowl mit neuem Album und neuem Song

Die deutschen Psychedelic-Doomer von MOTOROWL hauen am 27.07.2018 ihren neuen Langspieler „Atlas“ via Century Media raus. Nun hat die Band ein Video zum Titeltrack veröffentlicht:

„‚Atlas‘ basiert auf dem Mythos des griechischen Titanen, der dazu verurteilt war, die Erde auf seinen Schultern zu tragen. Wenn du weg bist, um irgendetwas zu erledigen, wird es immer jemanden geben, der dich vermisst. Darüber haben wir einen Song geschrieben. Mit sehr vielen heavy Riffs. Die Kunst unseres Freundes Costin Chioreanu vereint den Text aus der Sicht von Atlas‘ Mutter Asia und die mythologische Geschichte in einem Meisterwerk von einem Musikvideo.“

Necros Christos – Domedon Doxomedon

Wer Interview-Aussagen von Mors Dalos Ra, dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied von NECROS CHRISTOS, aufmerksam verfolgt hat, wusste bereits vor Ankündigung von „Domedon Doxomedon“, dass dies nicht nur das neue, sondern auch finale Album der Berliner Doom/ Death-Metal-Formation sein wird.

Bereits von Beginn an plante der Kopf hinter NECROS CHRISTOS lediglich drei Alben für die Band ein, was Mors Dalos Ra mit der für ihn wichtigen Bedeutung der Zahlen 3 und 9 erklärte; nicht zufällig befinden sich auf den drei Alben somit jeweils neun reine Metal-Tracks. Eingebettet in eine Art religiösen Mystizismus, ein vordergründig nicht sofort greifbares Konzept aus verschiedenen Glaubensaspekten, gestaltete sich eine NECROS-CHRISTOS-Platte seit jeher nicht als simple Ballerei aus den Boxen. Vielmehr sind jene neun harten Tracks verwoben mit einer Vielzahl instrumentaler Stücke, die schon bereits „Trivne Impvrity Rites“ (2007) sowie „Doom Of The Occult“ (2011) zu einer einnehmenden Wirkung verhalfen.

Dieses Konzept hat sich auf dem finalen Album „Domedon Doxomedon“ nicht geändert, NECROS CHRISTOS schienen allerdings ab einem gewissen Punkt gemerkt zu haben, dass die Ideen doch noch für mehr Platten gereicht hätten – und somit umfasst ihr Drittwerk in Summe drei Alben mit jeweils neun Tracks und einer Spielzeit von 30 bis 40 Minuten, kurzum: NECROS CHRISTOS verabschieden sich nicht nur angemessen in puncto der angestammten 3- und 9-Vorliebe, sondern auch mit knapp zwei Stunden Spielzeit.

Musikalisch füllen die Berliner diese mit einer Mischung aus Celtic Frost, Candlemass und einem Spritzer Morbid Angel, wobei die typisch drückende Doom-Schwere jedem der Songs inne wohnt. Vordergründig schleppend und tiefenlastig, ziehen NECROS CHRISTOS aber auch oft genug das Tempo an und verändern das Motiv, sodass Hörer, die bei einer zweistündigen Doom-Spielzeit die Langeweile ins Gesicht geschrieben steht, mit „Domedon Doxomedon“ dennoch Überraschungen ausfindig machen dürften. Besonders in den instrumentalen Tracks zeigt das Quartett, dass Akustikgitarren und Klavier ebenfalls in das Repertoire einer Doom/ Death-Metal-Band passen können.

Nüchtern betrachtet, bietet „Domedon Doxomedon“ eine Zweiteilung in starke Metaltracks und atmosphärische, instrumentale Interludes. Beide Pfeiler des NECROS-CHRISTOS-Universums sind dabei nicht nur formal auf der Trackliste voneinander getrennt, sondern stehen auch musikalisch für sich allein. Die Eigenheiten der Interludes finden sich somit nicht in den Metaltracks und umgedreht; demnach muss „Domedon Doxomedon“ ebenso wie die beiden Vorgänger als ein Album anstatt eine Ansammlung von Songs betrachtet werden, um die Wirkung zu verstehen. Zwar können die Songs, auch die Longtracks, dank vieler abwechslungsreicher Momente gut unterhalten, aber erst in Kombination mit den Interludes entsteht das Beschwörerische, was NECROS CHRISTOS auszeichnet.

Trotz dieser Unterteilung in instrumentale „Gate“- und „Temple“-Songs sowie den Metaltracks verliert sich „Domedon Doxomedon“ nicht auf verschiedenen Abzweigungen, sondern klingt dennoch homogen, was dem zweistündigen Eintauchen in die mystische Welt Mors Dalos Ras Lyrics sehr förderlich ist. Somit gehen die Berliner mit einem guten Album von der Bühne, was zum Einen für respektables Kopfnicken führt, zum Anderen aber auch zu traurigen Kopfschütteln darüber, dass NECROS CHRISTOS dieser Platte keinen Nachfolger mehr schenken werden.