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The Howling Void – The Darkness At The Edge Of Dawn

Wenngleich sich Musik-Genres oftmals gut dazu eigenen, das Schaffen einer Band bereits vor dem Hören in etwa einzuschätzen, sind es doch eher lose Definitionen, deren Grenzen nur allzu leicht verschwimmen. So haben etwa Falloch nicht zu leugnende Black-Metal-Anleihen, setzen den für diese Stilrichtung typischen Schreigesang jedoch nahezu gar nicht ein. Behält man dies im Hinterkopf, sollte es also nicht allzu sehr verwundern, dass Ryan Wilson mit seinem Soloprojekt THE HOWLING VOID Funeral Doom spielt, aber kein einziges Mal auf gutturalen Gesang zurückgreift. Mit „The Darkness At The Edge Of Dawn“ legt der Amerikaner bereits sein sechstes Album vor, gerade mal zehn Jahre nach der Gründung des Projekts.

In puncto Quantität kann sich Wilson also schon mal ohne falsche Bescheidenheit auf die eigene Schulter klopfen. Doch auch die Qualität stimmt bei THE HOWLING VOID. Die fünf neuen Songs, die es zusammen auf knappe 40 Minuten Laufzeit bringen, sind zwar merklich an den Eckpfeilern des Genres ausgerichtet, warten jedoch mit allerlei großen und kleinen Überraschungen auf, die sie zu etwas Besonderem machen. Wie es im Funeral Doom Brauch ist, spielt sich das meiste in den unteren Tempobereichen ab und auch die wuchtigen Rhythmusgitarren, die immer wieder wie meterhohe Wellen über die anderen Instrumente hereinbrechen, kennt man so bereits.

Auf „The Darkness At The Edge Of Dawn“ spielen sie jedoch nur eine unterstützende Rolle, denn noch viel bezeichnender für den Sound von THE HOWLING VOID sind die getragenen, melancholischen Leadmelodien und die ausgedehnten Clean-Gitarren-Arrangements. Letztere sind eindeutig der vielfältigste Aspekt der Platte, klingen sie doch mal verträumt oder schwermütig, dann wiederum trostlos oder mysteriös. Auf dem Titeltrack schlagen die unverzerrten Gitarren sogar lässige Blues-Töne an. Ebenso stimmungsvoll sind die mystischen Keyboardteppiche, die THE HOWLING VOID flächendeckend über seinen Kompositionen ausbreitet und damit ihren ätherischen Charakter unterstreicht.

Wie unschwer zu erkennen ist, hat es Wilson als Songwriter in erster Linie darauf abgesehen, eine möglichst vereinnahmende Atmosphäre zu erschaffen – nur eben eine etwas leichtfüßigere als die meisten seiner Genre-Kollegen. Das gelingt ihm auch weitgehend, allerdings ist sein allzu sanfter, bedächtiger Klargesang ein wenig zu einschläfernd und das Album eine Spur zu anschmiegsam produziert. Dass es dem Sound von THE HOWLING VOID etwas an Kraft mangelt, äußert sich letztlich darin, dass die Songs nicht ganz so mitreißend sind, wie sie es angesichts ihrer interessanten Stilistik sein könnten.

THE HOWLING VOID mag mit „The Darkness At The Edge Of Dawn“ nicht unbedingt das spannendste Funeral-Doom-Album der letzten Jahre kreiert haben, eine stimmige und erfrischende Platte ist es jedoch gewiss. Davon abgesehen, dass den Songs ein etwas stärkerer Klang gutgetan hätte, erfüllt die kristallklare Produktion nahezu alle an modernen, atmosphärischen Metal gestellten Ansprüche. Musikalisch vielleicht noch ein Tüpfelchen zu unspektakulär, aber nichtsdestoweniger sphärisch und berührend, ist „The Darkness At The Edge Of Dawn“ ein Album für alle, die sich gerne in geheimnisvollen Klangräumen und Traumwelten verlieren.

Monolithe – Nebula Septem

Bereits seit 15 Jahren treiben die französischen Doom-Metaller von MONOLITHE ihr Unwesen. Mit den Jahren haben sie sich von schwermütigem Funeral-Doom hin zu melodischerem Doom mit leichten Death-Metal-Anleihen entwickelt, wenngleich das neue Album „Nebula Septem“ wieder einen kleinen Schritt zurück zur Schwermut macht.

Das Album eröffnet sehr düster. Unter die leicht dissonant gespielten Eröffnungsriffs von „Anechoic Aberration“ mischt sich eine eingängige Synthesizer-Melodielinie, die das Ganze etwas weniger sperrig macht. Aber spätestens wenn der sehr tiefe Growl-Gesang von Rémi Brochard einsetzt, bekommt die Komposition Charakter. So eine tiefe Reibebrett-Stimme ist natürlich immer Geschmackssache, aber vor allem bei langgezogenen, röhrenden Screams trägt die Stimme besonders gut und wuchtig.

Man darf sich „Nebula Septem“ wie eine zusammenhängende Komposition vorstellen, die zum Ziel hat, den Hörer in die Untiefen von kosmischem Zerfall und in die Abgründe menschlichen Denkens zu versetzen. MONOLITHE setzen hierbei durchweg auf langsames, schleppendes Tempo. Akzente werden hier vornehmlich im variablen Gitarrenriffing im Hintergrund gesetzt. Die Keyboard-Sounds geben den Liedern einen durchgängigen, leicht psychedelischen Charakter.

Die Texte des Albums sind durchgängig in englischer Sprache verfasst, was ja nicht unbedingt Gang und Gäbe ist bei französischen Bands. Sie beschäftigen sich mit der Entstehung des Menschen, der Sinnhaftigkeit seiner Existenz sowie sonstigen Rätseln des Universums, dem Werden und Sein.

Im Track „Delta Scuti“ wird man mit dem bereits erwähnten death-lastigen Touch mancher Songs konfrontiert, der vorwiegend durch den E-Gitarrenklang zustande kommt. Doch alles in allem wird dieser immer wieder in den Hintergrund gedrängt und in jedem Song lassen MONOLITHE der Funeral-Doom-Stimmung letztendlich den Vortritt.

Wenngleich das Konzept von „Nebula Septem“ jederzeit klar erkennbar ist, ist es leider so, dass das Album bis auf Kleinigkeiten nicht allzu viel Überraschendes zu bieten hat, geschweige denn Momente, in denen der Hörer denken könnte, dass MONOLITHE hier neue Meilensteine setzen. Allein in Deutschland gibt es so viele Doom-Bands, die um Längen besser sind. Aber wer Abwechslung im Plattenschrank braucht und nicht auf ein weiteres Album voller Schwermut und Sinnsuche verzichten kann, ist bei MONOLITHE vielleicht richtig.

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Slow – V – Oceans

Ein Soloprojekt hat, einer Band gegenüber, viele Vor- wie auch Nachteile. Ein Vorteil ist, dass man – sprudelnde Kreativität vorausgesetzt – definitiv schneller arbeiten kann als in einem zu Gefüge aus vier bis fünf Mann, das erst einmal koordiniert werden will. Den Beweis dafür tritt Tausendsassa Déhà (u.a. God Eat God, Cult Of Erinyes, Maladie) mit seinem Projekt SLOW an: Ganz entgegen dem Bandnamen arbeitet der umtriebige Belgier nämlich überaus fix, so dass im zehnten Jahr des Projektes nun bereits das fünfte Studioalbum vorliegt.

Anders als das Arbeitstempo passt die Musik des Projektes perfekt zum Namen SLOW. Wuchtiger, düsterer und atmosphärischer Funeral Doom steht hier auf dem Programm – und das in absoluter Konsequenz. Keiner der fünf Songs unterschreitet die Zehn-Minuten-Marke, so dass „V – Oceans“ am Ende knapp eine Stunde füllt.

Düster und gewaltig wie das Artwork (das allerdings auch gut ohne die mäßig souverän via Photoshop eingefügten Hände ausgekommen wäre), ist auch der Sound. Bedrohliche Akkorde und auf das nötigste reduzierte Drums ruhen sanft auf einem meterdicken Fundament aus Synthesizer-Klängen, was direkt zu einem Vergleich mit den finnischen Colosseum verleitet. Weit schießt man damit an SLOW nicht vorbei, wenn die Skandinavier auch etwas mehr auf prägnante Melodien ausgerichtet waren, während SLOW ihren Fokus eher auf majestätische Riffs setzen.

Wie der Ozean selbst, lebt auch „V – Oceans“ von der erdrückenden Masse, seiner Monumentalität. So sticht im Albumverlauf auch keiner der Songs durch besondere Merkmale hervor – vielmehr versuchen SLOW, den Hörer über die fünf Stücke hinweg in einem langsamen, aber steten Sog mitzureißen.

SLOW machen auf ihrem fünften Album nichts Spezielles, was andere Funeral-Doomer nicht schon vor ihnen gemacht hätten – was jedoch die Leistung, die „V – Oceans“ darstellt, nicht schmälern soll. Denn wenn das Werk stellenweise auch etwas generisch nach „Funeral-Doom-Band“ klingt, weiß das Material doch ausnahmslos zu gefallen und meistert dabei ohne Frage die in dem Genre so essenzielle Anforderung, eine majestätische Atmosphäre zu entfalten. Für Genre-Fans sicher keine Erleuchtung, aber dennoch ein absolut hörenswertes Album.

Hamferð – Támsins Likam

Nachdem sie mit ihrer ersten EP „Vilst Er Siðsta Fet“ nur ein kleines Publikum erreichen konnten, brachten ersten Touren der Band bereits einen sehr guten Ruf ein. Dass sie mit ihrem ersten Album „Evst“ jedoch dermaßen Wellen in der Doom-Szene schlagen würden, hat sicher auch HAMFERÐ selbst überrascht. Nun sind sie nach vier langen Jahren endlich zurück und beschließen mit „Támsins Likam“ eine Trilogie, die in umgekehrter Reihenfolge veröffentlicht wurde.

Denn die neue Platte stellt den inhaltlichen Anfang der Geschichte dar, die die Mannen von den Färöer Inseln im Laufe ihrer ersten drei Veröffentlichungen erzählten. Es geht um einen Mann, der einen seiner Söhne verliert, woraufhin er und seine Frau sich voneinander entfremden. Umrahmt wird das Ganze von einem mystischen Hintergrund – denn da gibt es noch ein nicht näher definiertes Wesen, das man hinter dichten Nebelbänken oder in dunklen Nächten vermutet. Färöische Folklore drängt sich dem Doom förmlich auf.

Der Opener „Fylgisflog“ bietet jedoch zunächst nichts von den donnernden Drums oder den tonnenschweren Riffs des Vorgängers. Vielmehr wird ganz langsam und behutsam eine tieftraurige Stimmung aufgebaut, ehe nach knapp vier Minuten schier der Himmel einstürzt, als HAMFERÐ ein monströses Riff entfesseln und Sänger Jón Aldará das erste Mal seine abgrundtiefen Growls hören lässt.

Diese Spannung zieht sich im Folgenden auch konsequent durch „Támsins Likam“. Zu gleichen Teilen wunderschön und erdrückend, zerbrechlich und knüppelhart, besticht der Sound von HAMFERÐ auf deren zweitem Album vor allem darin, sich die Zeit zu nehmen, um sich zu entwickeln und somit seine atemberaubende Dynamik zu entfalten. Dazu zählt auch, dass es auf „Hon Syndrast“ auf einmal Blast-Beats zu hören gibt, was das in der Musik transportierte Gefühl der Furcht auf ein neues Level hebt. Es gibt nicht mehr nur Kälte und Einsamkeit, die einem gefährlich werden, es gibt nun auch nackte Brutalität.

Der vielleicht beste Song auf „Támsins Likam“ ist jedoch das bereits vorab ausgekoppelte „Frosthvarv“, ein hochemotionaler Track, der laut Band zu gleichen Teilen Klage- und Liebeslied ist. Mit einem angespannten und doch stillem Ton entfaltet sich hier auf über neun Minuten eine absolute Doom-Perle. Besonders der Kontrast zwischen dem wunderschönen, sonoren Bariton und den höllischen Growls von Jón Aldará macht diesen Song zu etwas ganz Besonderem. Hinzu kommt, dass die Clean-Gitarren in Verbindung mit dem Klargesang eine unheimlich packende Atmosphäre erschaffen.

Mit „Vápn í Anda“ steht die längste Nummer auf „Támsins Likam“ am Ende der Scheibe, doch gelingt es der Band anscheinend spielend, die fast elf Minuten wie im Fluge vergehen zu lassen. Erneut loten HAMFERÐ hier gekonnt beide Enden ihres Klangspektrums aus, indem sie Licht und Schatten aufeinanderprallen lassen. Dabei kollidieren die cleanen und verzerrten Passagen jedoch nicht nur miteinander, sondern gehen auch ineinander über und ergänzen sich, sodass sich der Track unweigerlich in das Hirn des Hörers eingräbt.

Vier lange Jahre musste man darben, doch das hat sich gelohnt – mehr als man sich hätte träumen lassen. Denn „Támsins Likam“ ist nichts weniger als ein Meisterwerk. Sicher, es erschließt sich nicht so schnell wie sein Vorgänger, doch bietet es im Gegenzug dem Hörer auch viel mehr, wenn man seinen Kern ergründet. HAMFERÐ haben sich auf ihrem zweiten Album in allen Bereichen gesteigert und eine Platte geschrieben, die schlicht und ergreifend brillant ist. Besser geht (Doom) Metal nicht.

Abysmal Grief – Blasphema Secta

Zuletzt haben die Italiener ABYSMAL GRIEF mit „Strange Rites Of Evil“ ein abgründiges Doom-Metal-Ritual abgehalten, das seinem Namen alle Ehre gemacht hat. Derart gelungen war dieses Musterbeispiel morbider Tonkunst, dass man kaum davon ausgehen konnte, dass das Quartett zu noch größerem im Stande war. Zwei Jahre später gilt es nun, dieses Vorurteil zu revidieren, denn mit „Blasphema Secta“ wagen sich die italienischen Okkultisten in noch tiefere, schwärzere Sphären vor. Stilistisch markant erneuert, aber dennoch auf ihre alten Stärken setzend, entführen uns ABYSMAL GRIEF ein weiteres Mal in die staubbedeckten Gänge eines modrigen Mausoleums, in denen uns so manch schauriges Ungetüm begierig erwartet.

Schon zu Beginn fällt auf, dass „Blasphema Secta“ als Album noch besser funktioniert als sein Vorgänger. Anstatt den Hörer schlicht mit einem herkömmlichen Song ins Getümmel zu werfen, locken ABYSMAL GRIEF ihn mit einem unheimlichen Keyboard- und Orgel-Intro langsam in ihre lichtlose Gruft, ehe ihm die ersten Töne von „Behold The Corpse Revived“ verraten, dass es von dort kein Entkommen mehr gibt. Eine einstimmige, unfassbar finstere Geigenmelodie nimmt das dort auf ihn lauernde Grauen vorweg, das die Doom-Metaller später in Form von diabolischem Gesang, kräftig stampfenden Gitarren und Drums sowie pechschwarzem Orgelspiel vertonen.

Nun macht sich der dezente stilistische Wandel bemerkbar, den ABYSMAL GRIEF sich erlaubt haben. Der Klargesang klingt diesmal sogar noch eine Spur teuflischer und wird nicht länger im Vibrato-Stil vorgetragen, die Übergänge zu den boshaften Screams sind erneut wunderbar fließend. Letztere tun sich vor allem auf „Witchlord“ als besonders vielfältig und unsagbar dämonisch hervor. An der Gitarre halten sich ABYSMAL GRIEF ein wenig mehr zurück, sodass die Keyboardarrangements, die zumeist Orgeln und Cembalos überzeugend imitieren, eine tragendere Rolle spielen – sehr zugunsten der okkulten Atmosphäre. An Kraft mangelt es den neuen Liedern dennoch keineswegs, wie vor allem der schwungvolle Abschlusstrack „Ruthless Profaners“ unter Beweis stellt.

Dass „Blasphema Secta“ mehr als nur eine Ansammlung von starken Tracks, sondern ein schlüssiges Werk mit rituellem Charakter ist, liegt natürlich nicht nur am eingangs erwähnten Intro, sondern etwa auch daran, dass ABYSMAL GRIEF die einzelnen Songs stets durch das Geräusch eines knisternden Feuers ineinander übergehen lassen. Weitere passend eingeflochtene Details wie das beklemmende Interlude „When Darkness Prevails“, in dem unheilige Gebete gemurmelt und mit finsteren Keyboards unterlegt werden, vertiefen die Grundstimmung des Albums sogar noch weiter.

Was das groteske, an Batushkas „Litourgiya“ erinnernde Artwork bereits visuell prophezeit, setzen ABYSMAL GRIEF auf „Blasphema Secta“ musikalisch wirklich in die Tat um: ein verflucht gutes Occult-Doom-Album, den perfekten Soundtrack zu jedweder schwarzen Messe, Séance oder sonstigen Gruselaktivität. War der Vorgänger in dieser Hinsicht bereits erstklassig, so haben sich die Italiener mit ihrer fünften Platte wortwörtlich selbst übertroffen. „Blasphema Secta“ ist ein wahres Meisterwerk, das all jene, die eine Faszination für das Makabre und das Teuflische hegen, mit Begeisterung aus ihren Särgen hervorkriechen lassen sollte.

Sinistro – Sangue Cássia

Wem schon einmal das Glück zuteil wurde, SINISTRO live zu sehen, wird wissen, dass es sich dabei zweifellos um eine der interessantesten und vielversprechendsten Bands handelt, die die ansonsten eher unauffällige Metal-Szene in Portugal in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Dass Season Of Mist bald auf die experimentierfreudigen Doom-/Post-Metaller mit ihrer charismatischen Frontfrau aufmerksam wurden und 2016 ihr Zweitwerk „Semente“ herausbrachten, war also beiderseits ein wahrer Glücksgriff. Mit „Sangue Cássia“ meldet sich die fünfköpfige Truppe nun zurück, um die Hörerschaft ein weiteres Mal in ihren Bann zu ziehen. Doch können die nun merklich längeren Songs auch ohne die Intensität einer Live-Darbietung dieselbe einnehmende Wirkung entfalten?

Seinem Titel und Genre entsprechend schlägt der elfminütige Opener „Cosmos Controle“ mit seinen wuchtigen Gitarren und schleppenden Drums ein wie ein Meteor. Der Doom Metal kommt bei SINISTRO also auch diesmal nicht zu kurz. Wie ein Moloch von planetarischer Größe schleifen sich die verhängnisvollen Songs durch die Gehörgänge und lassen so manches Mal in einen gähnenden Abgrund blicken („Abismo“). Die schiere Monstrosität der Gitarrenwälle, die von Patricia Andrades gespenstischem, zerbrechlichem und doch auch eindringlichem Gesang kontrastiert werden, ist gewiss beeindruckend.

Allerdings hätten SINISTRO ihr Saitenspiel in den härteren Tonlagen ein wenig vielfältiger arrangieren sollen, denn manche Passagen sind dadurch etwas monoton geraten. Ein wenig Abhilfe verschaffen die unheilverkündenden Tremolo-Gewitter, die von Zeit zu Zeit die Stimmung noch weiter verdüstern. Interessant werden die Songs jedoch vor allem dann, wenn sich SINISTRO in die Gefilde des Post-Rock/Metal vorwagen. Die reduzierten, melancholischen Clean-Gitarren machen nämlich einen viel mysteriöseren Eindruck, befeuern somit die Neugier und geben den Blick auf einige stimmige Melodien frei („Lótus“).

Darüber hinaus rücken das lässige, bisweilen sogar ziemlich einfallsreiche Drumming und die meist hintergründigen Keyboards in den ruhigeren Passagen mehr ins Zentrum des Geschehens. Vor allem im zurückgelehnten „Vento Sul“, in dem die Backing-Keyboards wie sanfte Lichtstrahlen den Raum zwischen unverzerrten Gitarren durchfluten, zeigt sich die großartige Dynamik im Wechselspiel der Instrumente. Kompositorisch haben SINISTRO demnach doch noch so einiges auf dem Kasten und auch die druckvolle Produktion sollte die meisten Hörer zufriedenstellen, wenngleich das Schlagzeug eher dumpf abgemischt ist.

Dass SINISTRO auf der Bühne insgesamt doch etwas mehr faszinieren als auf „Sangue Cássia“, liegt leider nicht nur daran, dass Patricia bei den Auftritten wie von Sinnen gestikuliert und damit alle Augen auf sich zieht, sondern auch an dem etwas platten Sound der Drums und den allzu eintönigen Doom-Gitarren, die der einstündigen Platte ein Stück ihres Potentials rauben. Nichtstrotz ist das dritte Album der Portugiesen eine interessante Zusammenstellung von Songs, die die Experimentierfreude, mit der SINISTRO zu Werke gehen, eindeutig zum Ausdruck bringt. Die Enttäuschung hält sich also in sehr engen Grenzen, sodass „Sangue Cássia“ in der außergewöhnlichen Diskographie des Quintetts alles in allem eine gute Figur macht.

Hamferð veröffentlichen Video zu „Frosthvarv“

Die Faröer Doom-Band Hamferð von den Faröer Inseln wird ihr neues Album „Támsins likam“ am 12. Januar über Metal Blade Records veröffentlichen.

Die Band hat jetzt ein Video zur zweiten Single „Frosthvarv“ veröffentlicht, welches ihr euch hier ansehen könnt.

Ixion – Return

Auf „Enfant De La Nuit“ haben uns die französischen Atmospheric-Doom-Metaller IXION zuletzt auf eine fantastische Reise durch das Weltall mitgekommen, die sich wie ein Traum anfühlte. Mit dem passend betitelten „Return“ meldet sich das Trio nun zurück und schon die helle, himmlische Bildsprache verrät, dass das Album zwar ebenfalls voll und ganz auf den Aufbau von Atmosphäre ausgelegt ist, allerdings eine andere als die des Vorgängers. Ihren charakteristischen Stil haben IXION zwar auch auf ihrer nunmehr dritten Platte beibehalten, dennoch ist eine stilistische Neuausrichtung eindeutig herauszuhören, die Gutes, aber leider auch Schlechtes nach sich zieht.

Der mit knapp sechs Minuten längste Track und Album-Opener „Out Of The Dark“ setzt zu Beginn noch nahtlos bei „Enfant De La Nuit“ an: melancholische, getragene Leadgitarren treffen auf schleppende Drums und spacige Keyboards und Electro-Klänge. Schon bald macht sich jedoch die erste Schraube bemerkbar, an der IXION gedreht haben: Der verschlafene Klargesang, der sich auf dem letzten Album noch in einem ausgeglichenen Verhältnis mit den tiefen, fast schon flüsternden Growls abgewechselt hatte, übernimmt auf „Return“ die Führung.

Sowohl der gutturale Gesang als auch die kräftigen Doom-Gitarren spielen hier nur noch eine Nebenrolle. Dementsprechend ist auch die Produktion um einiges seichter ausgefallen, was zwar durchaus zu der ruhigeren Instrumentalisierung passt, die Musik aber leider auch kraftloser erscheinen lässt. In Verbindung mit den leider recht uninteressant arrangierten, verträumten Cleans nimmt der allzu kleinlaute Sound den Kompositionen unglücklicherweise viel von ihrer potentiellen Spannung.

Dabei haben IXION als Songwriter eigentlich nichts verlernt. Die neu hinzugetretenen Clean- und Akustikgitarren verleihen den Songs zum Teil eine wunderbar friedliche Grundstimmung („World Of Silence“) und für das bisweilen klassisch angehauchte Piano haben sich die Franzosen so manche elegante, gefühlvolle Melodie einfallen lassen („The Ocean“). Auch der erhöhte Einsatz der träumerischen Keyboard-Flächen ist grundsätzlich eine vielversprechende Neuerung. Auf das erschaffen von Atmosphäre verstehen sich IXION also nach wie vor und ihre Bereitschaft, Neues auszuprobieren, sollte natürlich nicht ungewürdigt bleiben. Im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger fällt „Return“ letztlich jedoch etwas enttäuschend aus.

Dass sich IXION auf ihrer dritten Scheibe ausgehend von der geheimnisvollen und auch ein wenig düsteren Stimmung von „Enfant De La Nuit“ einem eher leichteren, sonnigeren Klang zuwenden, ist für sich genommen keineswegs ein Fehler. Sofern die drei Franzosen ihren Atmospheric Doom Metal noch ein wenig besser auf diese neue Wegrichtung abstimmen, können dabei in Zukunft noch ein paar außergewöhnliche Alben herauskommen. „Return“ ist hingegen aufgrund seines schwachen Sounds, seiner schläfrigen Vocals und einiger Filler-Nummern jedoch leider noch ein eher zwiespältiges Vergnügen. Ein bisschen mehr Power hätte den schwebenden Melodiebögen sicherlich nicht geschadet.