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Khôrada – Salt

So schmerzhaft der unvorhergesehene Verlust von Agalloch auch war, die meisten Fans konnten sich mit Pillorian, John Haughms neuem Black-Metal-Projekt, schon kurz darauf einigermaßen gut darüber hinwegtrösten. Als einige Zeit später auch die übrigen Mitglieder der einstigen Folk-Black-Metal-Institution zusammen mit Aaron John Gregory (ehem. Giant Squid) mit einer neuen Band erneut die Bildfläche betraten, fielen die ersten Reaktionen deutlich kontroverser aus. Schon ihr erstes Lebenszeichen, das beinahe zwölfminütige „Ossify“, stellte vorab in Aussicht, dass sich KHÔRADA auf ihrem Debüt „Salt“ um ein Vielfaches sperriger präsentieren würden als der andere Agalloch-Abkömmling, dessen Ursprung von Anfang an wesentlich offensichtlicher war.

Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man die Behauptung aufstellen, Pillorian hätten Agallochs Black-Metal-Wurzeln vollends ausgegraben und ins Zentrum ihrer Musik gestellt, wohingegen sich KHÔRADA schlicht auf die übrig gebliebenen Doom-Metal-Reste gestürzt hätten. Damit täte man jedoch vor allem letzteren gehörig unrecht. Im Gegensatz zu „Obsidian Arc“, mit dem Pillorian ein zwar echt starkes, aber alles andere als unkonventionelles Debüt vorlegten, fordert „Salt“ die Hörerschaft in mancherlei Hinsicht heraus. Einfach zu erschließende Hitsongs oder auf Anhieb beeindruckende Extreme-Metal-Tracks wird man hier nicht vorfinden, denn das Erstlingswerk der Amerikaner ist eine jener Veröffentlichungen, die als Ganzes gehört und verinnerlicht werden wollen.

Ganz so, wie das von Cedric Wentworth kreierte, bizarre Artwork den Betrachter ohne den lyrischen und klanglichen Kontext eher ratlos zurücklassen würde, laufen KHÔRADA auch in musikalischer Hinsicht erst durch das Zusammenspiel der jeweils für sich betrachtet unscheinbaren Stilmittel zu Höchstform auf. Anstatt sich ausschließlich auf schleppend-dröhnende, spröde Gitarrensounds, kauzige Post-Rock-Einsprengsel, unbändiges Tremolo-Picking und Blasting („Seasons Of Salt“) oder wutentbrannten Schreigesang zu konzentrieren, zeigt das Quartett den Mut, die unterschiedlichsten Schattierungen zwischen diesen Extremen abzubilden.

Dass KHÔRADA es bewerkstelligen, die gegensätzlichsten Metal-Stilmittel sowie schwermütige Streicher („Glacial Gold“) und Bläser („Wave State“) unter einen wie angegossen sitzenden Hut zu bringen, spricht Bände über das Können und die Kreativität der dahinterstehenden Musiker. Besonders hervorzuheben ist außerdem der etwas gewöhnungsbedürftige, wehklagende und facettenreiche Gesang, der die pessimistisch-realistischen Texte, die den Umgang des Menschen mit der Natur skizzieren, auf erschütternde Weise nachfühlbar werden lässt („Water Rights“).

In Zeiten, in denen die USA einem ohnehin schon mäßig effektiven Klimaschutzabkommen den Rücken kehren und ein CO2-Emissionsskandal den nächsten jagt, sind es gerade Kunstwerke wie „Salt“, die das Potential haben, die allzu gleichgültige Allgemeinheit in ihrem Treiben aufzurütteln und zu sensibilisieren – sofern man mit offenen Ohren zuhört. Doch selbst, wenn man die unbequeme Wahrheit, die KHÔRADA auf ihrem Debüt predigen, außer Acht lässt, beeindrucken die experimentierfreudigen Doom-Metaller mit ihrem Einstiegswerk in sämtlichen Belangen. „Salt“ ist aufgrund seiner ungewöhnlichen Klangmalerei, seiner mitleiderregenden Vocals und seiner elendigen Grundstimmung alles andere als leichte Kost, doch gerade dadurch gelingt es KHÔRADA, ihrem Textkonzept gerecht zu werden und sich als einzigartiges Musikprojekt zu profilieren.

Lurk – Fringe

Gleich zu Anfang ein kleines, fieses, tontechnisches Detail: Der Opener „Ostrakismus“ startet mit recht verhallten Drums und Gitarren ohne großartigen Bassanteil und man bekommt als Zuhörer kurzzeitig Angst, dass man es hier mit einer außergewöhnlich schlechten Produktion zu tun hat. Kreischend, scheppernd, plärrend: alles andere als eine ausgewogene Mischung, der neue LURK-Longplayer klingt eher nach altem Küchenradio. Nach ungefähr drei Minuten Spielzeit darf jedoch aufgeatmet werden, denn das Frequenzspektrum öffnet sich und wird merklich fetter. Glück gehabt?

„Fringe“ ist das dritte Album in LURKS zehnjähriger Bandgeschichte und bereits 2016 als Download erschienen. Nun, zwei Jahre später, bietet Transcending Obscurity Records die Platte erstmalig als limitiertes, goldenes LP-Set und ebenfalls limitierte CD-Box an. Musikalisch wurde das Rad nicht unbedingt neu erfunden: „Fringe“ kombiniert klassischen Doom mit vereinzelten Sludge-, Death- und Black-Metal-Versatzstücken. Diese Mixtur ist sicher nicht neu, aber die Finnen gehen dabei recht unterhaltsam und abwechslungsreich zu Werke, sodass das Album eine recht kurzweilige Angelegenheit geworden. Handwerklich kann man den vier Musikern dabei nichts vorwerfen, die Songs sind schön arrangiert und man hört, dass Frontmann Kimmo Koskinen und Konsorten schon ein Weilchen zusammen musizieren – die Bandmitglieder harmonieren gut miteinander. Die Produktion ist dabei entsprechend der Schublade, in der sich LURK herumdrücken, etwas Old School geraten: ein wenig flach und immer wieder an alte Doom- und Death-Metal-Platten aus den Neunzigerjahren erinnernd – das muss man schon auch mögen. So gibt es immer wieder Momente, in denen sich durchaus (musikalische) Parallelen zu den frühen Werken von My Dying Bride oder Paradise Lost anbieten, gerade wenn es weniger sludgig und mehr doomig wird. Gesanglich werden verschiedene Facetten geboten: Von bösartigem, Black-Metal-artigem Gekeife und –Geknurre über Death-Metal-Growls bis hin zu cleanen, gesungenen Vocals in „Elan“ (wobei hier allerdings Aleksi Laakso von der finnischen Stoner-Rock-Band „Deadneck“ singt) bietet „Fringe“ eine (für Doom-Verhältnisse) große stimmliche Bandbreite. Und auch wenn die Gesangspassagen größtenteils härter intoniert sind: Instrumental können LURK wie die Kollegen von Yob auch melodisch sein.

Wie gesagt, „Fringe“ hat wenig Neues zu bieten und klingt produktionstechnisch sicher nicht mehr ganz zeitgemäß, trotzdem läuft das Album gut durch und bietet abwechslungsreiche Songs. Wer ein Faible für schnörkellosen Doom mit melodischen und atmosphärischen Elementen hat, kann bedenkenlos zugreifen.

Alkymist – Alkymist

Im Grunde genommen sind Progressive Rock und Doom Metal ihrem Wesen nach zwei völlig unterschiedliche Stilrichtungen: Ersterer ist gekennzeichnet von flotten, leichtfüßigen und vertrackten Arrangements, während letzterer auf trägen, wuchtigen und einfach gestrickten Klängen basiert. Dennoch gibt es schon die eine oder andere Band, die dieses ungleiche Paar enger zusammenbringen wollte. Nach Pallbearer, die in dieser Hinsicht schon seit einiger Zeit von sich reden machen, haben sich nun auch die Dänen ALKYMIST daran gemacht, Prog und Doom miteinander zu verknüpfen. Das Ergebnis ist ihr dreiviertelstündiges, selbstbetiteltes Debütalbum, welches das Quartett auf ihre nur ein paar Monate zuvor erschienene Einstands-EP „Element“ folgen lässt.

Obwohl die 70er-Prog-Einflüsse, die sich ALKYMIST auf die Fahnen geschrieben haben, nicht zu unterschätzen sind, fällt die Gewichtung auf „Alkymist“ doch sehr eindeutig zugunsten ihrer Doom-Metal-Schlagseite aus. Die Einstiegsnummer „Ghost“ ermöglicht diesbezüglich einen guten Ausblick auf das Kommende: In den Strophen wird mit minimalistischen Clean-Gitarren und tiefem, lauerndem Gesang eine unheimliche Stimmung erzeugt, woraufhin im Refrain schwere Geschütze in Form von wuchtigem, schleppendem Gitarren- und Schlagzeugspiel sowie gepressten Screams aufgefahren werden.

Die daraus resultierende, stilistische Dualität offenbart die ausgezeichnete Arbeit, die hier hinsichtlich der Produktion geleistet wurde. So klingen die ruhigeren Abschnitte klar und ausgewogen, während die rohen Metal-Parts mit unglaublich viel Druck erschallen. Progressive Anwandlungen zeigen ALKYMIST in erster Linie in den Momenten, in welchen die Drums einen Zahn zulegen und die Saiteninstrumente verschrobenere Töne anschlagen („Djinn“), auch über das eine oder andere lässig-rockige Solo darf man sich freuen. Da es die Dänen jedoch an keiner Stelle mit der Komplexität übertreiben, warten die Tracks sogar mit einigen überaus eingängigen Hooks auf („Paradise“).

Trotz dieser überwiegend positiven Eindrücke gibt es aber auch ein paar Dinge, bezüglich derer ALKYMIST noch an sich arbeiten sollten. Zum einen wirken die Vocals über weite Strecken zu eintönig und ein wenig aufgesetzt und vereinzelt ziehen sich die Songs ein bisschen in die Länge. Dass das Album außerdem nahezu alle Tracks der EP und folglich nur drei neue Nummern, von denen eine lediglich ein kurzes Zwischenspiel ist, enthält, dürfte bei den Besitzern des Minialbums wohl einiges an Unmut auslösen.

Ihren Fans der ersten Stunde tun ALKYMIST mit ihrer Recycle-Aktion zwar nicht gerade einen Gefallen, doch angesichts ihres noch eher begrenzten Bekanntheitsgrads dürfte sich die Zahl der Enttäuschten in erträglichen Grenzen halten. Allzu große Wellen werden die Dänen mit ihrem doch recht stilgetreuen Doom-Metal-Debüt darüber hinaus jedoch vermutlich nicht schlagen. Nichtsdestotrotz lässt sich festhalten, dass ALKYMIST ihre Sache sehr gut machen, ohne dass man ihnen typische Newcomer-Fehler nachsehen müsste. Für Hörer mit einer Vorliebe für dröhnende Gitarrenwälle und dezente Prog-Spielereien dürfte es sich durchaus lohnen, das Quartett im Blick zu behalten.

Dark Buddha Rising – The Black Trilogy

Bevor DARK BUDDHA RISING bei Svart Records unterschrieben haben, veröffentlichten die Doomer bereits eine Demo und drei Alben über ihr eigenes Underground-Label Post-RBMM. Die Releases erschienen ausschließlich in kleinen Pressungen auf Vinyl und sind heute komplett vergriffen. 2017 entschieden sich die Band und Svart Records dazu, das Frühwerk von DARK BUDDHA RISING den Fans wieder zugänglich zu machen. Das Resultat dieser Bemühungen liegt nun in Gestalt der Compilation „The Black Trilogy“ vor. Darauf sind neben dem 2007er Demo auch die Alben „Ritual IX“ (2008), „Entheomorphosis“ (2009) und „Abyssolute Transfinite“ (2011) vertreten. Alle Songs wurden remastert und liegen nun in neuem Klanggewand vor.

Besonders die drei ersten Alben sind für neue und auch alte Fans von großem Interesse. Mit „Ritual IX“ begann die Reise der Finnen und machte von Anfang an klar, dass man es hier nicht mit leichter Kost zu tun hat. In etwas mehr als einer Stunde Spielzeit rumpelte man sich hier noch durch den tiefsten Doom-Underground. Die Riffs fließen zäh, träge und bleischwer aus den Boxen und haben mehr als genug Raum zur Entfaltung. Wirklich spannend ist aber das Drumming. Von straightem, rockigem Drumming über Offbeats bis hin zu wildem Geprügel ist alles vertreten und hält die 20-Minuten-Songs zusammen.

Auf dem nachfolgenden „Entheomorphosis“ beschritten DARK BUDDHA RISING ihren auf dem Debüt eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter, reichterten ihren Sound aber um noch etwas mehr Psychedelic und Kraut-Rock an. Immer noch haben die Finnen keine Lust auf einfache Strukturen und immer noch knacken die Nummern regelmäßig die 20-Minuten-Marke.

„Abyssolute Infinite“ ist der letzte Eigenrelease von DARK BUDDHA RISING und nur in Nuancen anders, als die vorherigen Scheiben. Hier kommen die Keyboards noch etwas mehr zur Geltung und auch der progressive Touch der ohnehin schon komplexen Musik wurde noch einmal etwas gesteigert. Besonders spannend ist auf diesem Album wohl der Song „Ashtraka I“. Er bündelt alle Komponenten des speziellen Sounds von DARK BUDDHA RISING und ist so ein guter Einstieg für neue Hörer.

Alles in allem ist „The Black Trilogy“ eine lohnende und angemessen remasterte Zusammenfassung der frühen Phase der finnischen Doomer. Wer die ersten DARK-BUDDHA-RISING-Alben noch nicht sein Eigen nennt oder neugierig geworden ist, sollte hier definitiv reinhören.

Messa – Feast For Water

Wie aus dem nichts tauchten die Italiener MESSA 2016 mit ihrem hervorragenden Debüt-Album „Belfry“ auf dem Doom-Metal-Radar auf und machten sich im Genre sogleich einen Namen. Anmutiger Frauengesang, schwere Riffs und atmosphärische Ambient-Nummern verhalfen der Gruppe mehr als verdient recht rasch zu einem gewissen Bekanntheitsgrad. Einige Live-Auftritte sowie eine Split-EP mit der deutschen Band Breit später stehen MESSA wieder auf der Matte und liefern mit „Feast For Water“ den Nachfolger zu „Belfry“.

Der auffallendste Unterschied zum Erstlingswerk: Der Ambient-Anteil wurde deutlich zurückgefahren, dafür bewegen sich die Italiener verstärkt in die Metal-Richtung. Lediglich das Intro „Naunet“ sowie der Rausschmeißer „Da Tariki Taquirat“ geben der Platte einen instrumental gehaltenen Rahmen, dazwischen finden sich ausschließlich vollwertige Songs. Und diese haben es erneut in sich: Auch ohne sonstige Ambient-Einlagen gelingt es MESSA erneut, die melancholische Atmosphäre, die bereits „Belfry“ geprägt hat, musikalisch zu manifestieren. Stilistisch bietet die Gruppe hierbei gewohnte Kost, an der sich jedoch niemand all zu schnell satt hören dürfte, gibt es in den zumeist über sieben bis acht Minuten langen Nummern Einiges zu entdecken. Das gedrosselte, melancholische Gitarrenspiel und der großartige Gesang spielen ähnlich makellos zusammen wie vor zwei Jahren und bescheren einen hochwertigen Song nach dem anderen.

Hie und da hat der Härtegrad im Vergleich zum Debüt merklich zugenommen, was sich insbesondere am für Doom Metal sehr rasant gespielten Opener „Snakeskin Drape“ oder dem nicht minder aggressiven und gar mit Screams durchsetzten „Tulsi“ erkennen lässt, dennoch büßen MESSA glücklicherweise nichts von der finster-melancholischen Atmosphäre ein, die das Debüt unter anderen Faktoren so großartig gemacht hatte. Wer sich hiervon überzeugen möchte, sollte es mit „She Knows“ und insbesondere „Leah“ versuchen, einem achtminütigen, düsteren Song-Ungetüm, welches Riffing-Ausbrüche und einfühlsame akustische Momente meisterlich alterniert und von Anfang bis Ende unter die Haut geht. Im Allgemeinen, und das stellt einen weiteren Unterschied zu „Belfry“ dar, sind die Songs ein gutes Stück länger, wobei sie ausnahmslos mit ausreichenden und ansprechenden Ideen ausgeschmückt sind und damit nie ins Langweilige oder Belanglose abdriften.

Es zeigt sich erneut, dass MESSA schlicht und ergreifend eine unfassbar talentierte Gruppe sind, die weiß, was sie tut. Wenn „Feast For Water“ einen Anlass zur Beanstandung gibt, dann höchstens dahingehend, dass der große „Wow“ – Effekt, den das Debüt hervorgebracht hatte, nicht mehr in genau derselben Intensität erzielt wird. Der Qualität des Werkes tut das jedoch keinen Abbruch, das einen mehr als nur würdigen Nachfolger darstellt und mit „Leah“ oder dem ebenfalls unfassbar einnehmenden „The Seer“ gar einige der bisher stärksten Songs der Gruppe bietet. Hut ab und wir freuen uns bereits jetzt auf das dritte Album!

Khemmis – Desolation

KHEMMIS’ zweites Album “Hunted” verschaffte der gerade erst 2012 gegründeten Band aus Denver, Colorado einen ziemlichen Senkrechtstart, sowohl unter Doom-Metal-Fans als auch in der Fachpresse, die das Album in den Himmel lobte. Mit “Desolation” ist nun, sogar beim Major-Label Nuclear Blast, der heiß ersehnte Nachfolger erschienen. Nachvollziehbar ist der Hype um die Formation, zumindest anhand dieses dritten Werkes, jedoch nicht.

Von den zahlreichen Spielarten des Doom Metal lässt sich die Variante der Band am ehesten als eine Art langsam gespielter, klassischer Heavy Metal beschreiben, wie ihn etwa auch Candlemass spielen. Die Riffs und Melodien sind fast durchgehend in simplen, der Pop-Musik entlehnten Dur-/Moll-Harmonien komponiert, was die Musik überwiegend vergleichsweise leicht zugänglich macht. So viel Tolles man mit diesen Grundvoraussetzungen auch anstellen kann – KHEMMIS‘ Sound erweist sich als größtenteils generisch und unspektakulär. Immer wieder versucht sich die Band an zweistimmigen Lead-Gitarren, erreicht dabei aber zu keinem Zeitpunkt filigrane Melodieführungen von Heavy-Metal-Bands wie beispielsweise Iron Maiden, die sich dieses Stilmittel ebenfalls zur Definition ihres eigenen Stils zunutze machten.

Wer seine Sache dagegen tatsächlich absolut herausragend macht, ist Sänger Phil Pendergast. Seine Stimme ist kraftvoll, kontrolliert und kommt ohne genreübliches, pathetisches Dauervibrato aus, was die ganze Angelegenheit wesentlich angenehmer gemacht. In den gelungeneren Songs des Albums, wie etwa „Isolation“ oder dem melancholischen „From Ruin“, beweist Pendergast mehr als einmal ein gutes Gespür für Melodik und Spannungsbögen in seinen Gesangslinien. Ihm allein ist es zu verdanken, dass „Desolation“ nicht im Meer der ermüdenden Doom-Metal-Bands untergeht, sondern sich zumindest über Wasser halten kann.

Nicht nur Klargesang, auch Growls werden von KHEMMIS passend eingesetzt. In Stücken wie „Flesh To Nothing“ gelingen den US-Amerikanern damit einige kontrastierte Momente, in denen das seichte Gedüdel in fettes, druckvolles Riffing übergeht. An fehlender Eingängigkeit leiden dagegen „The Seer“ und „Maw Of Time“, die zwar als entgegenkommende Abwechslung stellenweise etwas düsterer daherkommen, insgesamt verglichen mit den stärkeren Tracks der Platte aber etwas ziel- und planlos wirken.

Warum also KHEMMIS aktuell das nächste große Ding im Doom Metal sein sollen, lässt sich mit „Desolation“ nicht beantworten. Zwar machen die Musiker ihre Sache keineswegs schlecht, wirklich mehr als ganz solide sind ihre Riffs aber auch nicht. Sie wirken bestenfalls wie nette Dekoration für Pendergasts wundervollen Gesang, der dafür verantwortlich ist, dass man die Platte dann doch durchaus mal ab und zu nebenbei laufen lassen kann und sich gelegentlich beim Mitsummen erwischt. Exzellent ist an „Desolation“ aber – leider – ansonsten nichts.

Chrch – Light Will Consume Us All

Düster und bösartig, doch gefühlvoll zugleich wussten CHRCH schon mit ihrem Erstling „Unanswered Hymns“ zu begeistern. Nun legen die Doomer mit „Light Will Consume Us All“ nach – einem Werk, das den Status der Band als vielversprechende Newcomer nochmal dick unterstreicht.

Erneut belässt es die Truppe aus Kalifornien bei drei Tracks – die jedoch haben es in sich. Zum einen, was ihre Spieldauer angeht (20:40, 14:49 und 9:28 Minuten). Zum anderen jedoch, was die Atmosphäre anbelangt. So gehen CHRCH beim Songwriting mutig und subtil zugleich zu Werke: Bereits der Opener nimmt den Hörer mit seinem langsamen, aber kontinuierlichen Stimmungswandel gefangen.

Von schleppenden, schweren Doomriffs mit bösartigem Screaming geht die Reise bis hin zu düster-melancholischen Cleangitarren-Parts mit bezauberndem Klargesang – und zurück. Langeweile kommt so trotz der beachtlichen Länge des Stückes nicht auf – nicht zuletzt, weil die Kalifornier dem Gesang auf „Light Will Consume Us All“ deutlich mehr Platz einräumen als noch auf „Unanswered Hymns“.

Kaum anders verhält es sich beim insgesamt noch etwas düstereren „Portals“, das langsam aber unaufhaltsam auf ein ausschweifendes, getragenes Solo zusteuert, sowie dem zunächst etwas bedächtigeren „Aether“, an dessen Ende CHRCH jedoch nochmal voll aufdrehen und dem Album so ein furioses Ende bescheren. Wenngleich Evas Stimme in den ruhigen Parts auch nicht ganz so hell und glockenklar erklingt wie die von Caro Tanghe, ist – gerade was dieses Finale anbelangt – ein Vergleich mit Oathbreaker keinesfalls unangebracht. Zwar drücken die Niederländer insgesamt deutlich mehr aufs Gas. Durch den kontinuierlichen Wechsel zwischen schroffem Metal und ruhigen Parts, zwischen Screaming und Klargesang weist die Atmosphäre jedoch durchaus Parallelen auf.

Wer den Reiz einer Frauenstimme, die sowohl lieblich als auch harsch zu klingen vermag, erkannt hat, kommt an CHRCH ebenso wenig vorbei wie an Oathbreaker: Gerade in Kombination mit der eher doomigen Schlagrichtung der Band kommt so eine großartige Atmosphäre auf, die einen die Zeit vergessen lässt. Ein 20-Minuten-Opener? Ein Drei-Song-Album? Für CHRCH ist beides kein Problem. „Light Will Consume Us All“ ist der Beweis.

Dark Buddha Rising – II (EP)

Die neue EP von DARK BUDDHA RISING, „II“, ist keinesfalls die erst zweite Veröffentlichung der finnischen Doomer mit dem Hang zu fernöstlicher Mystik. „II“ soll an das schlicht mit „I“ betitelte Debüt der Band anknüpfen und so einen Kreis schließen. Außerdem ist die neue EP auch der Einstand beim neuen Label Neurot Records.

„II“ besteht dabei aus zwei Teilen, namentlich den Tracks „Mahathgata I“ und „Mahathgata II“, die eine Art Tour durch die Facetten von DARK BUDDHA RISING darstellen. Auf „Mahathgata I“ gibt sich die Band zu Beginn noch recht treibend und metallisch, driftet aber in der zweiten Hälfte ab in einen schleppenden, doomigen Sound. Die Drone-Elemente und der hallende Gesang verleihen der Nummer etwas entrücktes, fast schon meditatives.

Richtige meditativ wird es aber mit „Mahathgata II“. Drone, Ambient und kaum vorhandener beziehungsweise verständlicher Gesang heben den Song in andere Sphären. Man merkt, dass man es hier mit Meistern der Athmosphäre zu tun hat. Dennoch braucht es Zeit und Ruhe, um sich in die beiden doch recht sperrigen Stücke einzuarbeiten. Mit jeweils knapp 15 Minuten Spielzeit und einigen zäheren Passagen, braucht es schon die richtige Stimmung um „II“ richtig genießen und verstehen zu können.

Mit „II“ haben DARK BUDDHA RISING sicherlich keine einfach Kost am Start, aber das wollten die Finnen ja auch noch nie. Wer klassischen Doom sucht, wird hier definitiv nicht fündig. Fans der Truppe oder von athmosphärischer Musik an sich sollten hier aber auf jeden Fall reinhören.