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Messa – Feast For Water

Wie aus dem nichts tauchten die Italiener MESSA 2016 mit ihrem hervorragenden Debüt-Album „Belfry“ auf dem Doom-Metal-Radar auf und machten sich im Genre sogleich einen Namen. Anmutiger Frauengesang, schwere Riffs und atmosphärische Ambient-Nummern verhalfen der Gruppe mehr als verdient recht rasch zu einem gewissen Bekanntheitsgrad. Einige Live-Auftritte sowie eine Split-EP mit der deutschen Band Breit später stehen MESSA wieder auf der Matte und liefern mit „Feast For Water“ den Nachfolger zu „Belfry“.

Der auffallendste Unterschied zum Erstlingswerk: Der Ambient-Anteil wurde deutlich zurückgefahren, dafür bewegen sich die Italiener verstärkt in die Metal-Richtung. Lediglich das Intro „Naunet“ sowie der Rausschmeißer „Da Tariki Taquirat“ geben der Platte einen instrumental gehaltenen Rahmen, dazwischen finden sich ausschließlich vollwertige Songs. Und diese haben es erneut in sich: Auch ohne sonstige Ambient-Einlagen gelingt es MESSA erneut, die melancholische Atmosphäre, die bereits „Belfry“ geprägt hat, musikalisch zu manifestieren. Stilistisch bietet die Gruppe hierbei gewohnte Kost, an der sich jedoch niemand all zu schnell satt hören dürfte, gibt es in den zumeist über sieben bis acht Minuten langen Nummern Einiges zu entdecken. Das gedrosselte, melancholische Gitarrenspiel und der großartige Gesang spielen ähnlich makellos zusammen wie vor zwei Jahren und bescheren einen hochwertigen Song nach dem anderen.

Hie und da hat der Härtegrad im Vergleich zum Debüt merklich zugenommen, was sich insbesondere am für Doom Metal sehr rasant gespielten Opener „Snakeskin Drape“ oder dem nicht minder aggressiven und gar mit Screams durchsetzten „Tulsi“ erkennen lässt, dennoch büßen MESSA glücklicherweise nichts von der finster-melancholischen Atmosphäre ein, die das Debüt unter anderen Faktoren so großartig gemacht hatte. Wer sich hiervon überzeugen möchte, sollte es mit „She Knows“ und insbesondere „Leah“ versuchen, einem achtminütigen, düsteren Song-Ungetüm, welches Riffing-Ausbrüche und einfühlsame akustische Momente meisterlich alterniert und von Anfang bis Ende unter die Haut geht. Im Allgemeinen, und das stellt einen weiteren Unterschied zu „Belfry“ dar, sind die Songs ein gutes Stück länger, wobei sie ausnahmslos mit ausreichenden und ansprechenden Ideen ausgeschmückt sind und damit nie ins Langweilige oder Belanglose abdriften.

Es zeigt sich erneut, dass MESSA schlicht und ergreifend eine unfassbar talentierte Gruppe sind, die weiß, was sie tut. Wenn „Feast For Water“ einen Anlass zur Beanstandung gibt, dann höchstens dahingehend, dass der große „Wow“ – Effekt, den das Debüt hervorgebracht hatte, nicht mehr in genau derselben Intensität erzielt wird. Der Qualität des Werkes tut das jedoch keinen Abbruch, das einen mehr als nur würdigen Nachfolger darstellt und mit „Leah“ oder dem ebenfalls unfassbar einnehmenden „The Seer“ gar einige der bisher stärksten Songs der Gruppe bietet. Hut ab und wir freuen uns bereits jetzt auf das dritte Album!

Khemmis – Desolation

KHEMMIS’ zweites Album “Hunted” verschaffte der gerade erst 2012 gegründeten Band aus Denver, Colorado einen ziemlichen Senkrechtstart, sowohl unter Doom-Metal-Fans als auch in der Fachpresse, die das Album in den Himmel lobte. Mit “Desolation” ist nun, sogar beim Major-Label Nuclear Blast, der heiß ersehnte Nachfolger erschienen. Nachvollziehbar ist der Hype um die Formation, zumindest anhand dieses dritten Werkes, jedoch nicht.

Von den zahlreichen Spielarten des Doom Metal lässt sich die Variante der Band am ehesten als eine Art langsam gespielter, klassischer Heavy Metal beschreiben, wie ihn etwa auch Candlemass spielen. Die Riffs und Melodien sind fast durchgehend in simplen, der Pop-Musik entlehnten Dur-/Moll-Harmonien komponiert, was die Musik überwiegend vergleichsweise leicht zugänglich macht. So viel Tolles man mit diesen Grundvoraussetzungen auch anstellen kann – KHEMMIS‘ Sound erweist sich als größtenteils generisch und unspektakulär. Immer wieder versucht sich die Band an zweistimmigen Lead-Gitarren, erreicht dabei aber zu keinem Zeitpunkt filigrane Melodieführungen von Heavy-Metal-Bands wie beispielsweise Iron Maiden, die sich dieses Stilmittel ebenfalls zur Definition ihres eigenen Stils zunutze machten.

Wer seine Sache dagegen tatsächlich absolut herausragend macht, ist Sänger Phil Pendergast. Seine Stimme ist kraftvoll, kontrolliert und kommt ohne genreübliches, pathetisches Dauervibrato aus, was die ganze Angelegenheit wesentlich angenehmer gemacht. In den gelungeneren Songs des Albums, wie etwa „Isolation“ oder dem melancholischen „From Ruin“, beweist Pendergast mehr als einmal ein gutes Gespür für Melodik und Spannungsbögen in seinen Gesangslinien. Ihm allein ist es zu verdanken, dass „Desolation“ nicht im Meer der ermüdenden Doom-Metal-Bands untergeht, sondern sich zumindest über Wasser halten kann.

Nicht nur Klargesang, auch Growls werden von KHEMMIS passend eingesetzt. In Stücken wie „Flesh To Nothing“ gelingen den US-Amerikanern damit einige kontrastierte Momente, in denen das seichte Gedüdel in fettes, druckvolles Riffing übergeht. An fehlender Eingängigkeit leiden dagegen „The Seer“ und „Maw Of Time“, die zwar als entgegenkommende Abwechslung stellenweise etwas düsterer daherkommen, insgesamt verglichen mit den stärkeren Tracks der Platte aber etwas ziel- und planlos wirken.

Warum also KHEMMIS aktuell das nächste große Ding im Doom Metal sein sollen, lässt sich mit „Desolation“ nicht beantworten. Zwar machen die Musiker ihre Sache keineswegs schlecht, wirklich mehr als ganz solide sind ihre Riffs aber auch nicht. Sie wirken bestenfalls wie nette Dekoration für Pendergasts wundervollen Gesang, der dafür verantwortlich ist, dass man die Platte dann doch durchaus mal ab und zu nebenbei laufen lassen kann und sich gelegentlich beim Mitsummen erwischt. Exzellent ist an „Desolation“ aber – leider – ansonsten nichts.

Chrch – Light Will Consume Us All

Düster und bösartig, doch gefühlvoll zugleich wussten CHRCH schon mit ihrem Erstling „Unanswered Hymns“ zu begeistern. Nun legen die Doomer mit „Light Will Consume Us All“ nach – einem Werk, das den Status der Band als vielversprechende Newcomer nochmal dick unterstreicht.

Erneut belässt es die Truppe aus Kalifornien bei drei Tracks – die jedoch haben es in sich. Zum einen, was ihre Spieldauer angeht (20:40, 14:49 und 9:28 Minuten). Zum anderen jedoch, was die Atmosphäre anbelangt. So gehen CHRCH beim Songwriting mutig und subtil zugleich zu Werke: Bereits der Opener nimmt den Hörer mit seinem langsamen, aber kontinuierlichen Stimmungswandel gefangen.

Von schleppenden, schweren Doomriffs mit bösartigem Screaming geht die Reise bis hin zu düster-melancholischen Cleangitarren-Parts mit bezauberndem Klargesang – und zurück. Langeweile kommt so trotz der beachtlichen Länge des Stückes nicht auf – nicht zuletzt, weil die Kalifornier dem Gesang auf „Light Will Consume Us All“ deutlich mehr Platz einräumen als noch auf „Unanswered Hymns“.

Kaum anders verhält es sich beim insgesamt noch etwas düstereren „Portals“, das langsam aber unaufhaltsam auf ein ausschweifendes, getragenes Solo zusteuert, sowie dem zunächst etwas bedächtigeren „Aether“, an dessen Ende CHRCH jedoch nochmal voll aufdrehen und dem Album so ein furioses Ende bescheren. Wenngleich Evas Stimme in den ruhigen Parts auch nicht ganz so hell und glockenklar erklingt wie die von Caro Tanghe, ist – gerade was dieses Finale anbelangt – ein Vergleich mit Oathbreaker keinesfalls unangebracht. Zwar drücken die Niederländer insgesamt deutlich mehr aufs Gas. Durch den kontinuierlichen Wechsel zwischen schroffem Metal und ruhigen Parts, zwischen Screaming und Klargesang weist die Atmosphäre jedoch durchaus Parallelen auf.

Wer den Reiz einer Frauenstimme, die sowohl lieblich als auch harsch zu klingen vermag, erkannt hat, kommt an CHRCH ebenso wenig vorbei wie an Oathbreaker: Gerade in Kombination mit der eher doomigen Schlagrichtung der Band kommt so eine großartige Atmosphäre auf, die einen die Zeit vergessen lässt. Ein 20-Minuten-Opener? Ein Drei-Song-Album? Für CHRCH ist beides kein Problem. „Light Will Consume Us All“ ist der Beweis.

Dark Buddha Rising – II (EP)

Die neue EP von DARK BUDDHA RISING, „II“, ist keinesfalls die erst zweite Veröffentlichung der finnischen Doomer mit dem Hang zu fernöstlicher Mystik. „II“ soll an das schlicht mit „I“ betitelte Debüt der Band anknüpfen und so einen Kreis schließen. Außerdem ist die neue EP auch der Einstand beim neuen Label Neurot Records.

„II“ besteht dabei aus zwei Teilen, namentlich den Tracks „Mahathgata I“ und „Mahathgata II“, die eine Art Tour durch die Facetten von DARK BUDDHA RISING darstellen. Auf „Mahathgata I“ gibt sich die Band zu Beginn noch recht treibend und metallisch, driftet aber in der zweiten Hälfte ab in einen schleppenden, doomigen Sound. Die Drone-Elemente und der hallende Gesang verleihen der Nummer etwas entrücktes, fast schon meditatives.

Richtige meditativ wird es aber mit „Mahathgata II“. Drone, Ambient und kaum vorhandener beziehungsweise verständlicher Gesang heben den Song in andere Sphären. Man merkt, dass man es hier mit Meistern der Athmosphäre zu tun hat. Dennoch braucht es Zeit und Ruhe, um sich in die beiden doch recht sperrigen Stücke einzuarbeiten. Mit jeweils knapp 15 Minuten Spielzeit und einigen zäheren Passagen, braucht es schon die richtige Stimmung um „II“ richtig genießen und verstehen zu können.

Mit „II“ haben DARK BUDDHA RISING sicherlich keine einfach Kost am Start, aber das wollten die Finnen ja auch noch nie. Wer klassischen Doom sucht, wird hier definitiv nicht fündig. Fans der Truppe oder von athmosphärischer Musik an sich sollten hier aber auf jeden Fall reinhören.

Pink Cocoon – Alienation (EP)

Das kanadische Doom-Blues-Projekt PINK COCOON legt mit „Alienation“ eine erste EP vor und vermischt darauf verschiedene Einflüsse zu einem recht eigenständigen Sound. Hinter PINK COCOON steht Zolla Marc, der live von wechselnden Musikern unterstützt wird. Die Genrebezeichnung Doom-Blues wählte der Musiker selbst und führt dabei unter anderem Künstler wie Black Sabbath, Jimi Hendrix, Pentagram oder Nirvana als Einflüsse auf.

Und besonders letzere sind im Sound von PINK COCOON nahezu immer präsent. Bereits beim Opener „Help Me“ fühlt man sich ganz stark an die Grunge-Ikonen erinnert. Speziell der Gesang von Zolla Marc kommt in Sachen Rotzigkeit und dem heiseren Timbre recht nah an Kurt Cobain heran. Musikalisch gesehen fasst bereits dieser erste Song den musikalischen Kosmos der Band gut zusammen: Die kaputte Attitüde des Grunge trifft auf doomige Riffs, psychedelisch verspielte Soli und flottere groovende Parts. Diese Mixtur wird auch auf den restlichen Tracks der EP beibehalten und nur etwas in der Dosierung der einzelnen Zutaten variiert. So ist „No Control“ der wohl groovendste Song auf „Alienation“, während bei „Old Lady At The Window“ der Fokus eher auf den Doom gelegt wurde.

Am überzeugendsten sind PINK COCOON aber in den schnelleren, rotzigen Momenten. Die doomigen Passagen sind doch etwas zu generisch und unspektakulär geraten, besonders im Vergleich zu artverwandten Kollegen wie Motorowl. Außerdem ist für einen echten und schweren Doom-Sound zu wenig Bass in den einzelnen Nummern fassbar. Dies mag an der Qualität der Aufnahme liegen, wobei diese aber eigentlich als gut zu bezeichnen ist. Die Stilkombination als solche überzeugt aber durchaus und wirkt noch recht neu und unverbraucht, weshalb man auf weitere Veröffentlichungen von PINK COCOON gespannt sein darf.

Urfaust – The Constellatory Practice

Hatten sich URFAUST mit  „Empty Space Meidtation“ noch reichlich Zeit gelassen und die Fans seit ihrem letzten Studioalbum „Der freiwillige Bettler“ sechs Jahre lang nur mit diversen Splits, EPs und Singles vertröstet, ging es diesmal überraschend schnell: Nur zwei Jahre (und zwei Splits) nach besagtem Meisterwerk kommt das Duo mit dem neuen Full-Length um die Ecke: „The Constellatory Practice“.

Das Prinzip URFAUST bleibt im Grunde unangetastet – nicht jedoch ohne in ihrem Kosmos neue Grenzen auszuloten. Auch diesmal setzen die beiden Niederländer stilistisch voll auf die Ambient-Doom-Karte. Im 13-minütigen Opener „Doctrine Of Spirit Obsession“ ziehen die beiden dafür mit behäbigem Drumming, getragenen Gitarren und IX‘ charakteristisch vibratoreichem Gesang zunächst noch die bandtypischen Register. Gerade der für URFAUST so typische Gesang ist auf „The Constellatory Practice“ jedoch eher die Ausnahme als die Regel.

So rückt der Gesang – als harsches, stimmloses und gänzlich unartikluliertes Geschrei – bei Songs wie „Behind The Veil Of The Trance Sleep“ oder „False Sensorial Impressions“ weit in den Hintergrund und übernimmt dort, tief in den doomig-düsteren Songkonstrukten verankert, fast schon die Funktion eines weiteren Instrumentes, während bassige Trommeln wie Herzen behäbiger Monster stoisch schlagen.

Seinen ohne Frage größten Moment (nungut, bei 12:44 Minuten vielleicht eher „Zeitraum“) hat „The Constellatory Practice“ bei „Trail Of The Conscience Of The Dead“. Mit dem tonnenschweren Riffing und puristischen Drumming fast schon „sludgeig“, mit dem – seit dem Opener erstmalig wieder eingesetzten – unverkennbaren „URFAUST-Gesang“ bandtypisch und mit dem epischen Cello in der zweiten Songhälfte zugleich ungewohnt, neu und schlicht famos, weiß diese Nummer auf ganzer Linie zu überzeugen. Das immerhin auch noch fast zehnminütige „Eradication Through Hypnotic Suggestions“ wirkt im Anschluss an dieses für URFAUST-Verhältnisse vor Überraschungen nur so berstende Stück in seiner Ambient-Drone-Monotonie richtiggehend primitiv, rundet das spannende Album jedoch gerade dadurch perfekt ab.

Das Tempo, das URFAUST noch auf „Empty Space Meditation“ mitunter angeschlagen hatten, etwa im treibenden „Meditatum V“ oder dem vor Energie und Tatendrang nur so strotzenden „Meditatum II“, sucht man auf dem Nachfolger vergeblich: Dieser steht, vielleicht mehr als alle seine Vorgänger, im Zeichen absoluter Dunkelheit. Schroff, verstörend und einschüchternd, beklemmend, vereinnahmend und allumfassend – das sind Attribute, die auf URFAUST heute mehr denn je zutreffen. Mit anderen Worten: Einmal mehr ein Meisterwerk.

Obseqvies – The Hours Of My Wake

Als neuer Stern am Drone-Doom-Firmament wird die finnische Band OBSEQVIES vom Label angepriesen. Das Debüt „The Hours Of My Wake“ soll niederschmetternd und höchst emotional zugleich sein. Diese Emotionen fokussieren sich aber nicht auf zuckersüße Romanzen, sondern auf Trauer und das Entsetzen, auf sich allein gestellt dem Tod gegenüberzutreten. Somit kann man sich zumindest auf einen schweren Brocken einstellen, der mit diesem Longplayer auf einen zukommt.

Wie schwer dieser tatsächlich wiegt, kann man bereits bei einem Blick auf die Tracklist erahnen. Drei Songs, die simplerweise nur mit römischen Ziffern betitelt wurden, erstrecken sich über knapp eine Stunde Laufzeit. So ist es wenig verwunderlich, dass sich die einzelnen Parts im schleppenden Funeral-Doom-Tempo gerne deutlich in die Länge ziehen. Alleine das Intro des ersten Stückes dauert knappe vier Minuten, ehe der Gesang gurgelnd und dröhnend einsetzt. An der Geschwindigkeit wird hier nichts variiert, stattdessen lassen OBSEQVIES die Tristesse wirken. Im Hintergrund agieren im Kontrast fast feinfühlige Drone-/Ambient-Elemente und auch die Gitarren kreieren sehr klare und melodische Momente.

Die Vocals gehen vom dröhnenden Grundton gelegentlich auch in keifende Sequenzen über, die aber nur von sehr kurzer Dauer sind. Auch wehklagender Hintergrundgesang ist punktuell zu vernehmen. Entsprechend des Genres kann man die Texte nicht im Ansatz erahnen, sondern muss den Gesang ohne vorliegende Lyrics als weiteres Instrument hinnehmen. Vermuten lässt sich natürlich, dass hier nicht über Ponys oder Blumenwiesen philosophiert wird, sondern über Tod und Verderben. Die Schlagzeugarbeit, so simpel sie auch sein mag, gibt dem kompletten Album eine wuchtige Note mit. Abwechselnd sind Bassdrum und Hi-Hats zu hören. In fast maximal  entschleunigtem Tempo, versteht sich. Die vorliegende Produktion geht ob ihrer Differenziertheit für ein Underground-Release in Ordnung.

OBSEQVIES haben wirklich ein Werk geschaffen, das tonnenschwer auf das Gemüt des Hörers drückt. Im Grunde sind die drei Songs als ein langes Stück anzusehen, die mit ihrer Mischung aus Funeral Doom und klirrenden Drone-Elementen eine apokalyptische Atmosphäre beschwören. So gut es den Finnen auf „The Hours Of My Wake“ auch gelingt diese Verzweiflung zu transportieren, hätten doch ein paar Tempiwechsel zur Auflockerung sehr gut beigetragen. Vom Können der Musiker und der Qualität des Materials kann das Release dennoch getrost als gehobenes Mittelmaß durchgewunken werden. Allerdings muss man in der Stimmung für die gebotene Tonkunst sein, sonst wird es schnell langatmig und anstrengend.

Witch Mountain – Witch Mountain

Als Uta Plotkin ihren Ausstieg bei WITCH MOUNTAIN bekannt gab, bedeutete das für viele Fans auch das Ende der Band. Bildete doch der variable und einzigartige Gesang der Dame das Herzstück von WITCH MOUNTAIN. Doch nun knapp vier Jahre nach „Mobile Of Angels“ liegt mit „Witch Mountain“ tatsächlich eine neue Scheibe der Doom-Veteranen vor. Mit Kayla Dixon feiert dabei auch noch eine neue Sängerin ihren Albumeinstand. Und auch wenn Kayla nicht ganz an Utas Niveau heranreicht, liefert sie doch eine bemerkenswerte Performance ab.

Eigentlich definiert sich „Witch Mountain“ nahezu ausschließlich über die Stimme der neuen Sängerin. Vom Opener „Midnight“ bis zum abschließenden „Nighthawk“ steht Kayla im Mittelpunkt der Kompositionen, dominiert diese fast. Wobei das bei einer Stimme, die von bluesigem Klargesang bis zu derben Growls die gesamte Palette abdeckt auch kein Wunder ist. Allerdings muss man sich schon fragen, wo die Raffinesse und Magie im Songwriting von WITCH MOUNTAIN geblieben sind? „Midnight“ ist zwar ein solider erdiger Doom-Song und auch „Mechanical World“ ist mit seinem repetitivem Moment keine B-Ware, aber dennoch fehlt das gewisse Etwas in musikalischer Hinsicht. Im Ohr bleiben diese Songs vor allem wegen Kayla Dixons variabler, teilweiße spirituell anmutender Gesangsleistung.

Bei „Burn You Down“ hilft aber nicht mal mehr das. Diese Nummer plätschert nun wirklich inspirationslos vor sich hin und bietet keinen Höhepunkt, an dem sich der Hörer festhalten kann. Erst mit dem abschließenden „Nighthawk“ kriegen WITCH MOUNTAIN wieder die Kurve und präsentieren eine perfekte Mischung aus Doom, Psychedelic und Rock. Kayla singt, schreit und brüllt so emotional und überzeugend, dass der Rest der Band fast nebensächlich wird. Aber hier lohnt sich genauer hinhören, allein das groovige Gitarrenspiel zu Beginn des Songs ist eine Wucht. Wenn sich die ganze Band dann zum Schluss in einen psychedelischen Rausch spielt ist sie wieder da, diese spezielle WITCH-MOUNTAIN-Magie. Schade, dass die Band damit erst jetzt rausrückt.

An sich haben WITCH MOUNTAIN mit dem gleichnamigen Album nichts abgeliefert, was man nicht schon mal woanders gehört hat. Allein durch das Songwriting sticht die Band nicht aus dem Genre hervor, vom genialen „Nighthawk“ mal abgesehen. Die Rettung für das Album und damit wohl auch für die Band ist Kayla Dixon. Die Sängerin liefert ein gelungenes Debüt ab und hebt „Witch Mountain“ aus dem Mittelmaß hinaus. Dennoch vermisst man das großartige Songwriting von Alben wie „South Of Salem“ oder „Mobile Of Angels“. Bleibt zu hoffen, dass die Band ihrer neuen Sängerin nur eine passende Bühne zum Einstand geben wollte und auf den nächsten Scheiben wieder mehr aufdreht.