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The Ruins Of Beverast – Exuvia

Mit „Blood Vaults – The Blazing Gospel Of Heinrich Kramer legten THE RUINS OF BEVERAST 2013 ein wahres Meisterwerk vor: Zehn Jahre nach der Bandgründung gelang es Mastermind Alexander von Meilenwald auf seinem vierten Album unter dem Banner von THE RUINS OF BEVERAST, die auf den bisherigen Werken gezeigten Stärken mit spannenden Neuerungen zu einem einzigartigen, mitreißenden Stil zu kombinieren. Die Messlatte für den Nachfolger, der – wie könnte es anders sein – erneut über Ván Records erschienen ist – hätte höher also kaum liegen können. Wäre da nicht die wenig überzeugende „Tacitum Tootem!“-EP (2016) gewesen.

Ähnlich dem dort vorab veröffentlichten Stück „Takitum Tootem! (Wardance)“ beginnt (und endet) auch „Exuvia“ mit verschrobenem „Schamanengesang“ und mystischen Klängen. Mag dieser Einstieg auch etwas kauzig wirken, führt der ehemalige Nagelfar-Drummer den Hörer bald wieder auf gewohntes, sicheres Terrain: Vor allem „Surtur Barbaar Maritime“ weiß mit seinen schweren, bedrückenden Riffs, der melancholischen Cleangitarre und dezenten Chören im ersten, sowie dem daraus erwachsenden, rohen Geschrammel mit gurgelndem Growl-Gesang zu gefallen.

Mit den folgenden Nummern steigern THE RUINS OF BEVERAST den Härtegrad merklich, gerade „The Pythia’s Pale Wolves“ ist über weite Strecken – vom dumpf-doomigen Sound abgesehen – ein echtes Black-Metal-Monster. Wäre da nicht der weibliche Klargesang, der den 14-Minüter in der Mitte aufbricht und ihm so eine ganz neue Wendung gibt. Fast schon verspielt wirkt dagegen „Towards Malakia“ – allerdings nur, bis gegen Ende des Stücks der Schamane in seiner Trance wieder hereingeschneit kommt. Mag das (siehe Artwork) auch eng mit dem Konzept des Albums verwoben sein, ist dieser künstlerische Kniff leider die Schwachstelle des Werkes. Darunter leidet auch der etwas arg experimentelle Rausschmeißer „Takitum Tootem! (Trance)“, der das Album so schlüssig, aber nicht ganz überzeugend abschließt.

THE RUINS OF BEVERAST sind auch 2017 eine Ausnahme-Band, die mit unvergleichlichem Sound und einer dichten Atmosphäre zu überzeugen weiß. Der Schamanen-Trip, auf den sich von Meilenwald für dieses Album begeben hat, weiß allerdings in der grafischen Umsetzung (auf dem Cover) ebenso wenig zu überzeugen wie in der musikalischen. Sieht man von diesem im Vergleich zur vorangegangenen EP erfreulich weniger präsenten Detail ab, ist aber auch „Exuvia“ ein spannendes Doom-Metal-Album mit viel eigenem Charakter geworden.

Hooded Menace – Ossuarium Silhouettes Unhallowed

Wenn man HOODED MENACE eines nicht vorwerfen kann, so ist es Untätigkeit. Die Finnen feiern in diesem Jahr ihr 10-jähriges Bandbestehen und haben in dieser Zeit eigentlich in jedem Jahr etwas veröffentlicht. Seien es EPs, Compilations oder Splits und nicht zuletzt drei mächtige Alben, denen die Band nun mit „Ossuarium Silhouettes Unhallowed“ die vierte Platte folgen lässt.

Auf dieser macht bereits der Opener „Sempiternal Grotesqueries“ deutlich, dass sich auch anno 2018 die Fans von HOODED MENACE keine Sorgen machen brauchen. Experimente gibt es nur in einem eng gesteckten Rahmen, wie etwa auf der „Labyrinth of Carrion Breeze“-EP, als man sich etwas psychedelischer zeigte. Der Kern der Band ist aber nach wie vor dreckig-düsterer Death/ Doom mit Asphyx und Autopsy als primäre Referenzpunkte, was Schwere und Widerwärtigkeit angeht, soundtechnisch finden sich dazu die sägenden Gitarren im Sunlight-Stil. HOODED MENACE klingen auch auf „Ossuarium Silhouettes Unhallowed“ einfach wieder ganz wie sie selbst.
Dazu zählt auch, dass die tonnenschweren und langsam vorankriechenden Riffs immer wieder von schnelleren, stampfenden Passagen aufgebrochen werden, was Langeweile sehr effektiv vorbeugt. Allerdings hat die Band auch auf ihrem vierten Alben wieder an Details gearbeitet um ihren Sound leicht zu verändern. So bekommen die – früher bereits vorhandenen – Melodien auf „Ossuarium Silhouettes Unhallowed“ gelegentlich ein wenig mehr Raum zur Entfaltung. Das funktioniert besonders bei Tracks wie „In Eerie Deliverance“ (dem melodischsten Song der Scheibe) hervorragend und verleiht „Cascade Of Ashes“ einen ungeheuren Abwechslungsreichtum und „Carnal Reflections“ eine melancholische Schlagseite.
Dem gegenüber wirkt „Cathedral Of Labyrinthian Darkness“ ein wenig wie Standartware, was allerdings nicht an der mangelnder Qualität des Songs liegt, sondern an der Klasse der anderen Nummern auf „Ossuarium Silhouettes Unhallowed“. Ob man als letzten Song ein zweiminütiges Outro gebraucht hätte ist ebenso diskutabel, wie die mit 40 Minuten recht kurze Spielzeit – zumindest für eine Doom-Platte. Allerdings gilt auch hier der Grundsatz Qualität statt Quantität.

So zementieren HOODED MENACE mit ihrem vierten Album ihren Platz als eine der wichtigsten Death-Doom-Bands der Gegenwart. „Ossuarium Silhouettes Unhallowed“ ist düster und dreckig, es ist hart und erdrückend, auch wenn die Ausrichtung etwas melodischer und die Produktion sehr klar ist. Mächtige Platte, die Fans von Band, Genre und Referenzbands nicht fehlen sollte.

Affasia – Adrift In Remorse (EP)

Musik muss gewiss nicht unbedingt innovativ sein, um eine mitreißende Wirkung auf ihre Hörer zu haben. Dennoch kann man wohl kaum leugnen, dass es grundsätzlich aufregender ist, einer Band dabei zuzuhören, wie sie verschiedene Genres miteinander mischt oder sie revolutioniert, anstatt nur solide nach dem üblichen Muster zu spielen. Dass die amerikanischen Newcomer AFFASIA auf ihrer Debüt-EP „Adrift In Remorse“ Death/Doom, Shoegaze und klassische Musik in einen stimmigen Kontext setzen wollen, bringt ihnen also vorab definitiv schon mal ein paar Bonuspunkte in der Kreativitätsnote ein. Doch wie genau darf man sich den ungewöhnlichen Stilmix des Quintetts eigentlich vorstellen?

In welchen Aspekten sich AFFASIA bei welcher Musikrichtung stilistisch bedient haben, ist schnell entschlüsselt: Die kraftvollen, trübsinnigen Leadgitarren, die im Opener „Another Host“ einen leicht bluesigen Beigeschmack haben, und die tiefen Growls entstammen ganz eindeutig dem Death/Doom, während die gefühlvollen und eleganten Piano-Arrangements den Songs einen erhabenen Klassik-Touch verleihen („Dissolute“). Die Shoegaze-Einflüsse der Amerikaner machen sich hingegen in den gelegentlich durch Reverb-Effekte widerhallenden Gitarrennoten bemerkbar, durch die die ansonsten recht griffige Instrumentalisierung einen Hauch sphärischer Unnahbarkeit erlangt.

Auch vor melancholischem Klargesang, unaufdringlichen Backing-Keyboards, Sprach-Samples und ausgeflippten Soli („Brittle Sentiment“) machen AFFASIA keineswegs halt. An Abwechslung mangelt es der Kurzplatte also gewiss nicht und obgleich die verschiedenen musikalischen Puzzle-Stücke noch ein wenig stimmiger zusammengefügt werden könnten, warten AFFASIA auf ihrem Erstwerk mit einigen interessanten Ansätzen auf.

In der Umsetzung ist „Adrift In Remorse“ allerdings noch ein wenig unausgereift. Vor allem die Clean-Vocals hören sich oft unsicher an und kommen an manchen Stellen gefährlich nah an ihre Grenzen, während man sich produktionstechnisch einen genauer ausbalancierten Sound wünschen würde. Auch an ihrem Songwriting per se sollten AFFASIA noch weiter feilen, denn trotz der Vielfalt ihrer Stücke fehlt es diesen noch ein bisschen an denkwürdigen Momenten, die der EP einen Wiederhörwert geben, der über die bloße Grundidee der untypischen Mischung verschiedener Genres hinausgeht.

„Adrift In Remorse“ ist kein fehlerloser Einstand, so viel ist gewiss. AFFASIA haben noch einiges an Arbeit vor sich, wenn sie ihre Schwachstellen – insbesondere bezüglich des Gesangs, aber auch hinsichtlich Produktion und Komposition – hinter sich lassen wollen. Dennoch stehen diese kleinen Unzulänglichkeiten einem genussvollen Hörerlebnis gar nicht so sehr im Weg, wie man eingangs meinen könnte. Auf dem knapp halbstündigen Minialbum finden sich durchaus hörenswerte Passagen, die neugierig darauf machen, wie sich die Band in Zukunft noch entwickeln wird. Bleibt nur zu hoffen, dass das erste Full-Length dann erneut ein so gelungenes Artwork von Costin Chioreanu zieren wird.

Faal – Desolate Grief

2005 im Süden Hollands gegründet, konnten sich FAAL über die Jahre in der Szene einen ganz guten Ruf erarbeiten – zum echten Durchbruch hat es trotz zweier Studioalben und einer Split-Veröffentlichung mit Eye Of Solitude bis dato jedoch nicht gereicht. Mit Desolate Grief starten FAAL nun, sechs Jahre nach The Clouds Are Burning, einen neuen Anlauf, in ihrem Genre mehr Beachtung zu finden.

Auf ein stimmungsvolles Intro aus einer einsamen Pianomelodie lassen FAAL dafür vier Songs folgen, die alle – ganz gemäß den internationalen Doom-Anstandsregeln – um die zehn Minuten lang sind. Bereits mit dem ersten echten Stück, „Grief“, brechen tonnenschweres Riffing, gutturaler Gesang und eine simple, prägnante Leadgitarre über den Hörer herein.

Was folgt, lässt sich bereits erahnen: Auch die folgenden drei Stücke können durch den dreckig-crunchigen Gitarrensound, atmosphärisch-simple Gitarrenmelodien und gurgelnde Growls überzeugen und überzeugen als Ganzes dennoch nicht: Denn so sehr FAAL auch nach allen Regeln der Kunst vor sich hin doomen – der letzte Funke Genialität, um nicht zu sagen: der Anteil eigener Kreativität, der über Genrestandards hinausreicht, fehlt hier – anders als bei Bands wie Ahab, Hamferð, Colosseum oder Worship – nämlich völlig.

So verliert das Album zunehmend an Unterhaltungswert. Über weite Strecken klingt „Desolate Grief“ schlicht nach mittelmäßigem Funeral Doom aus dem Lehrbuch: gut gemacht, deswegen aber leider noch lange nicht „gut“. Spätestens wenn im generell ziemlich unausgegorenen „The Horizon“ dann noch so primitive wie anstrengend anzuhörende Leadgitarren auftauchen, verliert das Ganze seinen Reiz leider komplett. Kein sonderlich glücklicher Ausklang einer schon so nicht eben erleuchtenden 43-minütigen Reise durch die von anderen Bands nur allzu gut erkundeten Gefilde des (Funeral) Doom Metal.

FAAL haben in ihrer Musik alles, was man als Doom-Band eben so haben muss … schleppende Riffs, tiefe Growls und dazwischen die obligatorische, zur Auflockerung eingestreute Clean-Gitarre. Bei allen Bemühungen gelingt es den Niederländern jedoch auch diesmal nicht, etwas wirklich Einzigartiges zu schaffen: Wer auf Doom-Metal steht, wird auch bei „Desolate Grief“ gelegentlich mitnicken – alles andere wäre auch überraschend, so genrekonform wie FAAL hier agieren. Zu mehr dürfte es allerdings in den meisten Fällen nicht reichen.

Twilight’s Embrace – Penance (EP)

Nachdem Paradise Lost 2017 mit „Medusa“ erfolgreich ihre Death/Doom-Wurzeln wieder ausgegraben haben, meldet sich nun eine weitere britische Band dieser Musikgattung zu Wort. Mit erst einem vollwertigen Album gehören TWILIGHT’S EMBRACE noch zu den jüngeren Nacheiferern der Peaceville Three. Um jedoch zu beweisen, dass man trotz längerer Wartezeiten noch mehr von der Band erwarten darf, veröffentlicht das Quintett zur Überbrückung bis zum zweiten Album die EP „Penance“. Die drei neuen Songs sowie ein Paradise-Lost-Cover sollen die Fans demnach solange bei der Stange halten. Aber hat das Minialbum darüber hinaus auch einen Wert als eigenständige Veröffentlichung?

Wie nicht anders zu erwarten, wird der Death/Doom auf „Penance“ nicht revolutioniert, sondern stilgerecht wiedergegeben. Gramvolle Growls, gelegentlich ein paar Screams, niederdrückende Gitarren, die von trostlosen Leadmelodien überlagert werden, sowie schleppendes Schlagzeugspiel – TWILIGHT’S EMBRACE beherrschen alles, was in ihrem Genre zur Grundausstattung gehört. Auch der hin und wieder eingestreute, triste Klargesang und die melancholischen, unverzerrten Gitarren geben keinen Anlass zur Kritik.

Die kräftige Produktion kann sich ebenfalls hören lassen und dass TWILIGHT’S EMBRACE mit „It’s Too Late“ einen Song von Paradise Losts umstrittenem Synth-Pop-Album „Host“ gecovert haben, um ihn metallisch aufzuarbeiten, mag für den einen oder anderen Hörer sogar einer Verbesserung gegenüber dem Original gleichkommen. Gerade diese bedingungslose Hingabe zu der von ihnen gewählten Stilrichtung ist jedoch der Grund, aus dem TWILIGHT’S EMBRACE wohl nie den Status der Vorreiter des Death/Doom erreichen werden.

Während nämlich ehemalige (Anathema) wie auch aktuelle (My Dying Bride) Vorzeigegruppen der Spielart immer wieder ihre Fühler nach neuen Ideen ausstrecken und damit die Spannung in ihrem Songwriting hoch halten, folgen TWILIGHT’S EMBRACE viel zu mustergültig dem bereits in den 90ern begründeten Schema. Die Songs auf „Penance“ sind allesamt grundsolide, aber eben auch nicht mehr. Kaum eine Passage bleibt auf Dauer hängen, obwohl die EP gerade mal eine knappe halbe Stunde lang läuft und daher eigentlich leicht zu verinnerlichen sein sollte.

Natürlich können viele Projekte aus dem Metal-Untergrund von einer einwandfreien Produktion und Performance, wie sie TWILIGHT’S EMBRACE hier abliefern, nur träumen. Allerdings fehlt es der dritten EP der Briten schlicht an kompositorischer Signifikanz, sodass es eigentlich keinen Grund gibt, aus dem man sie sich eher anhören sollte als die Veröffentlichungen bekannterer Death/Doom-Interpreten. Zwar kann man, sofern man eine Affinität zu schleppendem Todesmetall hat, mit „Penance“ nicht viel falsch machen, aber für Begeisterung wird das Kurzalbum wohl nur bei den Wenigsten sorgen. Sollten TWILIGHT’S EMBRACE in Zukunft mehr Mut zur Eigenständigkeit entwickeln, könnte dabei jedoch noch etwas mehr als nur Solides herauskommen.

The Howling Void – The Darkness At The Edge Of Dawn

Wenngleich sich Musik-Genres oftmals gut dazu eigenen, das Schaffen einer Band bereits vor dem Hören in etwa einzuschätzen, sind es doch eher lose Definitionen, deren Grenzen nur allzu leicht verschwimmen. So haben etwa Falloch nicht zu leugnende Black-Metal-Anleihen, setzen den für diese Stilrichtung typischen Schreigesang jedoch nahezu gar nicht ein. Behält man dies im Hinterkopf, sollte es also nicht allzu sehr verwundern, dass Ryan Wilson mit seinem Soloprojekt THE HOWLING VOID Funeral Doom spielt, aber kein einziges Mal auf gutturalen Gesang zurückgreift. Mit „The Darkness At The Edge Of Dawn“ legt der Amerikaner bereits sein sechstes Album vor, gerade mal zehn Jahre nach der Gründung des Projekts.

In puncto Quantität kann sich Wilson also schon mal ohne falsche Bescheidenheit auf die eigene Schulter klopfen. Doch auch die Qualität stimmt bei THE HOWLING VOID. Die fünf neuen Songs, die es zusammen auf knappe 40 Minuten Laufzeit bringen, sind zwar merklich an den Eckpfeilern des Genres ausgerichtet, warten jedoch mit allerlei großen und kleinen Überraschungen auf, die sie zu etwas Besonderem machen. Wie es im Funeral Doom Brauch ist, spielt sich das meiste in den unteren Tempobereichen ab und auch die wuchtigen Rhythmusgitarren, die immer wieder wie meterhohe Wellen über die anderen Instrumente hereinbrechen, kennt man so bereits.

Auf „The Darkness At The Edge Of Dawn“ spielen sie jedoch nur eine unterstützende Rolle, denn noch viel bezeichnender für den Sound von THE HOWLING VOID sind die getragenen, melancholischen Leadmelodien und die ausgedehnten Clean-Gitarren-Arrangements. Letztere sind eindeutig der vielfältigste Aspekt der Platte, klingen sie doch mal verträumt oder schwermütig, dann wiederum trostlos oder mysteriös. Auf dem Titeltrack schlagen die unverzerrten Gitarren sogar lässige Blues-Töne an. Ebenso stimmungsvoll sind die mystischen Keyboardteppiche, die THE HOWLING VOID flächendeckend über seinen Kompositionen ausbreitet und damit ihren ätherischen Charakter unterstreicht.

Wie unschwer zu erkennen ist, hat es Wilson als Songwriter in erster Linie darauf abgesehen, eine möglichst vereinnahmende Atmosphäre zu erschaffen – nur eben eine etwas leichtfüßigere als die meisten seiner Genre-Kollegen. Das gelingt ihm auch weitgehend, allerdings ist sein allzu sanfter, bedächtiger Klargesang ein wenig zu einschläfernd und das Album eine Spur zu anschmiegsam produziert. Dass es dem Sound von THE HOWLING VOID etwas an Kraft mangelt, äußert sich letztlich darin, dass die Songs nicht ganz so mitreißend sind, wie sie es angesichts ihrer interessanten Stilistik sein könnten.

THE HOWLING VOID mag mit „The Darkness At The Edge Of Dawn“ nicht unbedingt das spannendste Funeral-Doom-Album der letzten Jahre kreiert haben, eine stimmige und erfrischende Platte ist es jedoch gewiss. Davon abgesehen, dass den Songs ein etwas stärkerer Klang gutgetan hätte, erfüllt die kristallklare Produktion nahezu alle an modernen, atmosphärischen Metal gestellten Ansprüche. Musikalisch vielleicht noch ein Tüpfelchen zu unspektakulär, aber nichtsdestoweniger sphärisch und berührend, ist „The Darkness At The Edge Of Dawn“ ein Album für alle, die sich gerne in geheimnisvollen Klangräumen und Traumwelten verlieren.

Monolithe – Nebula Septem

Bereits seit 15 Jahren treiben die französischen Doom-Metaller von MONOLITHE ihr Unwesen. Mit den Jahren haben sie sich von schwermütigem Funeral-Doom hin zu melodischerem Doom mit leichten Death-Metal-Anleihen entwickelt, wenngleich das neue Album „Nebula Septem“ wieder einen kleinen Schritt zurück zur Schwermut macht.

Das Album eröffnet sehr düster. Unter die leicht dissonant gespielten Eröffnungsriffs von „Anechoic Aberration“ mischt sich eine eingängige Synthesizer-Melodielinie, die das Ganze etwas weniger sperrig macht. Aber spätestens wenn der sehr tiefe Growl-Gesang von Rémi Brochard einsetzt, bekommt die Komposition Charakter. So eine tiefe Reibebrett-Stimme ist natürlich immer Geschmackssache, aber vor allem bei langgezogenen, röhrenden Screams trägt die Stimme besonders gut und wuchtig.

Man darf sich „Nebula Septem“ wie eine zusammenhängende Komposition vorstellen, die zum Ziel hat, den Hörer in die Untiefen von kosmischem Zerfall und in die Abgründe menschlichen Denkens zu versetzen. MONOLITHE setzen hierbei durchweg auf langsames, schleppendes Tempo. Akzente werden hier vornehmlich im variablen Gitarrenriffing im Hintergrund gesetzt. Die Keyboard-Sounds geben den Liedern einen durchgängigen, leicht psychedelischen Charakter.

Die Texte des Albums sind durchgängig in englischer Sprache verfasst, was ja nicht unbedingt Gang und Gäbe ist bei französischen Bands. Sie beschäftigen sich mit der Entstehung des Menschen, der Sinnhaftigkeit seiner Existenz sowie sonstigen Rätseln des Universums, dem Werden und Sein.

Im Track „Delta Scuti“ wird man mit dem bereits erwähnten death-lastigen Touch mancher Songs konfrontiert, der vorwiegend durch den E-Gitarrenklang zustande kommt. Doch alles in allem wird dieser immer wieder in den Hintergrund gedrängt und in jedem Song lassen MONOLITHE der Funeral-Doom-Stimmung letztendlich den Vortritt.

Wenngleich das Konzept von „Nebula Septem“ jederzeit klar erkennbar ist, ist es leider so, dass das Album bis auf Kleinigkeiten nicht allzu viel Überraschendes zu bieten hat, geschweige denn Momente, in denen der Hörer denken könnte, dass MONOLITHE hier neue Meilensteine setzen. Allein in Deutschland gibt es so viele Doom-Bands, die um Längen besser sind. Aber wer Abwechslung im Plattenschrank braucht und nicht auf ein weiteres Album voller Schwermut und Sinnsuche verzichten kann, ist bei MONOLITHE vielleicht richtig.

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Slow – V – Oceans

Ein Soloprojekt hat, einer Band gegenüber, viele Vor- wie auch Nachteile. Ein Vorteil ist, dass man – sprudelnde Kreativität vorausgesetzt – definitiv schneller arbeiten kann als in einem zu Gefüge aus vier bis fünf Mann, das erst einmal koordiniert werden will. Den Beweis dafür tritt Tausendsassa Déhà (u.a. God Eat God, Cult Of Erinyes, Maladie) mit seinem Projekt SLOW an: Ganz entgegen dem Bandnamen arbeitet der umtriebige Belgier nämlich überaus fix, so dass im zehnten Jahr des Projektes nun bereits das fünfte Studioalbum vorliegt.

Anders als das Arbeitstempo passt die Musik des Projektes perfekt zum Namen SLOW. Wuchtiger, düsterer und atmosphärischer Funeral Doom steht hier auf dem Programm – und das in absoluter Konsequenz. Keiner der fünf Songs unterschreitet die Zehn-Minuten-Marke, so dass „V – Oceans“ am Ende knapp eine Stunde füllt.

Düster und gewaltig wie das Artwork (das allerdings auch gut ohne die mäßig souverän via Photoshop eingefügten Hände ausgekommen wäre), ist auch der Sound. Bedrohliche Akkorde und auf das nötigste reduzierte Drums ruhen sanft auf einem meterdicken Fundament aus Synthesizer-Klängen, was direkt zu einem Vergleich mit den finnischen Colosseum verleitet. Weit schießt man damit an SLOW nicht vorbei, wenn die Skandinavier auch etwas mehr auf prägnante Melodien ausgerichtet waren, während SLOW ihren Fokus eher auf majestätische Riffs setzen.

Wie der Ozean selbst, lebt auch „V – Oceans“ von der erdrückenden Masse, seiner Monumentalität. So sticht im Albumverlauf auch keiner der Songs durch besondere Merkmale hervor – vielmehr versuchen SLOW, den Hörer über die fünf Stücke hinweg in einem langsamen, aber steten Sog mitzureißen.

SLOW machen auf ihrem fünften Album nichts Spezielles, was andere Funeral-Doomer nicht schon vor ihnen gemacht hätten – was jedoch die Leistung, die „V – Oceans“ darstellt, nicht schmälern soll. Denn wenn das Werk stellenweise auch etwas generisch nach „Funeral-Doom-Band“ klingt, weiß das Material doch ausnahmslos zu gefallen und meistert dabei ohne Frage die in dem Genre so essenzielle Anforderung, eine majestätische Atmosphäre zu entfalten. Für Genre-Fans sicher keine Erleuchtung, aber dennoch ein absolut hörenswertes Album.