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Visigoth mit neuem Video

Bevor am 9. Februar das neue Album „Conquerer’s Oath“ erscheint, stellen VISIGOTH bereits jetzt einen neuen Song samt Video vor.

Das gute Stück hört auf den Namen „Warrior Queen“ und der Clip entstand unter der Regie von Brock Grossl.  Viel Spaß beim Ansehen!

Various Artists – We Wish You A Metal Xmas And A Headbanging New Year

Im Jahr 2008 erschien die Compilation „We Wish You Metal Xmas And A Headbanging New Year“ erstmals mit zwölf Songs in den USA und insgesamt 14 Titeln für den Rest der Welt. 2010 erschien eine Neuauflage des Samplers, die die zwölf ursprünglichen Songs im Rahmen der ersten CD beinhaltet. Die Bonus-Disc legt schließlich die zwei Titel der internationalen Version und zwei neue Stücke bei. Kann der geneigte Metalfan sein Weihnachten mit diesem Schaulaufen der zahlreichen Metal-Größen und -Legenden also musikalisch qualitativ untermalen?

Diese Frage ist mit einem nahezu eindeutigen Ja zu beantworten. Zwar haben sich die involvierten Musiker fast ausschließlich bekannten Weihnachtsklassikern angenommen – ihr Können und ihre Innovation geben diesen aber einen eigenständigen Sound mit auf den Weg, der sich nur an einigen Stellen zum Fremdschämen eignet. In der illustren Runde finden sich u.a. aktive und ehemalige Mitglieder von Deep Purple, Alice Cooper, Black Sabbath, Whitesnake, Foo Fighters, ZZ Top, Testament, Anthrax oder Motörhead wieder, um nur einen kleinen Auszug zu geben.

Bereits die groovenden und mit überragenden Solo-Momenten gesegneten Gitarren der Kulick-Brüder Bruce und Bob im Opener „We Wish You A Merry Christmas“ zaubern eine rockig-weihnachtliche Stimmung auf den Gabentisch. Allerdings geht Jeff Scott Soto leider etwas unter, da sein Gesang fast zu soft für das musikalische Grundgerüst geraten ist. Lemmy Kilmister macht seinen Job gemeinsam mit Billy F. Gibbons und Dave Grohl deutlich besser: Blues-Gitarren treffen in „Run Rudolph Run“ auf die Rock’n’Roll-Attitüde der legendären Motörhead. Einem Fußwippen kann sich hier sicherlich niemand entziehen. „Santa Claws Is Coming To Town“ bewegt sich durch Alice Cooper am Mikrofon und John 5 an der Gitarre im Schock-Rock-Bereich. Das Highlight des ersten Silberlings ist das schleppende „God Rest Ye Merry Gentlemen“, das Ronnie James Dio höchstpersönlich veredelt hat und dem Song damit einen erhabenen Anstrich verpasst.

Weiter erwähnenswert sind Steve Morse und Tim „Ripper“ Owens, die das erstmals 1957 von Elvis Presley veröffentlichte „Santa Claus Is Back In Town“ zu einem lupenreinen Heavy-Metal-Song umfunktioniert haben. „Silent Night“ präsentiert sich durch Chuck Billy und Scott Ian in rauem Thrash-Klang mit Death-Metal-Einschlag. Schlimme Momente sind das an Glam Rock angelehnte „Grandma Got Ran Over By A Reindeer“, gesungen von Stephen Pearcy (Ratt) oder das schwülstige „Happy Xmas (War Is Over)“ mit Tommy Shaw (Styx, Damn Yankees) und Steve Lukather (Toto). Doro Pesch und Michael Schenker liefern gemeinsam die Peinlichkeit des gesamten Samplers: „O‘ Christmas Tree“ ist selbst für Doro-Verhältnisse ein unterirdischer Titel, der an Kitsch nicht zu überbieten ist. Zum Abschluss groovt „Frosty The Snowman“ mit exzellenter Gitarrenarbeit von Bumblefoot, ehe Dez Fafara (Devildriver) Rudolf das rotnasige Rentier in rotziger Melodic-Death-Metal-Manier dem Hörer entgegen wirft.

Allein durch die Masse an hochkarätigen Musikern aus dem Metal- und Rock-Umfeld ist „We Wish You A Metal Xmas And A Headbanging New Year“ eine Compilation, deren Qualität sich an der langjährigen Erfahrung der Mitwirkenden messen lässt. Aber auch innovativ geht es mitunter zu, denn die weihnachtlichen Evergreens wurden in verschiedenste Facetten der Gitarrenmusik eingebettet. Auch wenn es an manchen Stellen leicht kitschig oder holprig wirkt, so sollte bei der Mischung aus Heavy Metal, Hard Rock, Blues und Thrash Metal eigentlich für jeden etwas Interessantes dabei sein.

Compressorhead – Party Machine

Keine Band ist wie COMPRESSORHEAD. Dass diese Behauptung keine leere Phrase ist, zeigt ein Blick auf die Mitglieder, der in Berlin gegründeten Gruppe. Allesamt sind sie Roboter, deren Anfänge zwischen 2007 und 2012 liegen. Vor kurzem wurden Sänger Mega-Wattson und Gitarristin Hellgå Tarr vorgestellt. Spielten COMPRESSORHEAD anfangs Songs von Motörhead oder Ramones nach, erscheint jetzt mit „Party Machine“ das erste offizielle Album, das über PledgeMusic finanziert wurde. Für Produktion und Komposition war der Kanadier John Wright (NoMeansNo, The Hanson Brothers) verantwortlich.

Die 15 Songs auf „Party Machine“ sollen allein schon deshalb einzigartig sein, da sie nur von den Robotern gespielt werden können. Auch in dieser Behauptung steckt mehr Wahrheit, als man auf den ersten Blick annehmen sollte. Gitarrist Fingers besitzt 78 ebendieser, während Schlagzeuger Stickboy sein Instrument mit gleich vier Armen bedient. Bereits mit „These Bots Are Made For Rocking“, im Original von Nancy Sinatra, wird dem Albumtitel alle Ehre gemacht. Tatsächlich machen auch die weiteren Songs zwischen Hard Rock, Heavy Metal und dezenten Punk-Verweisen viel Spaß.

Vor allem bei der Produktion scheint die Punk-Erfahrung von Produzent John Wright wiederholt durch, was sich in dem typisch erdigen Klangbild manifestiert. Der Gesang von Frontmann Mega-Wattson erinnert auch gelegentlich an den legendären Lemmy Kilmister („Compressorhead“, „Zombies vs. Robots“). Doch auch Gangshouts und Hintergrundchöre finden hier Verwendung, was der Abwechslung zuträglich ist.  Weitere musikalische Einflüsse findet man im Blues Rock („These People Like To Dance“), aber auch Anleihen an Mathcore („Fleisch“).

Tatsächlich beeindruckt das Debüt der Roboter-Gang COMPRESSORHEAD auf seine Weise. In 15 Titeln wird waschechter Heavy Metal abgeliefert, der mit Punk und Hard Rock gespickt wurde. Für eine Eigenproduktion ist die Soundqualität durchaus anständig, kleinere Mängel binden sich sehr gut ins Gesamtbild ein und scheinen so gewollt. Was anfangs mit einer Berliner Technik-Spielerei begann, hat sich zu einem interessanten Projekt gemausert, das weltweit einzigartig ist und musikalisch einige Freude bereitet. „Party Machine“ sollte man ohne große Vorurteile antesten, man wird überrascht sein.

Axemaster – Crawling Chaos

„Crawling Chaos“ – nolens volens haben die Traditionsmetaller von AXEMASTER mit diesem Titel ihr neues und mittlerweile viertes Album auch in programmatischer Hinsicht charakterisiert. Wobei man angesichts des Durchschnittstempos der CD statt von einem krabbelnden eher von einem kriechenden Chaos reden müsste. Was Kollege Ostendarp bereits vor zwei Jahren in seiner Rezension zum Vorgängerwerk „Overture To Madness“ moniert hatte, nämlich die beinahe vollständige Absenz kreativer Songaufbauten und eingängiger, spannungsgeladener Passagen, kennzeichnet auch die Gesamterscheinung von „Crawling Chaos“. Dem Hörer wird eine einzige große Sinfonie des Stillstands geboten.

Dabei beginnt das Album mit „10.000 Pound Hammer“ durchaus vielversprechend, vor allem der Refrain besitzt eine gewisse Coolness und Eingängigkeit. Grooviger, mit Doom-Anleihen ausgestatteter US-Metal trifft auf einen Sänger, der zwar einen sehr limitierten Stimmumfang, aber dafür eine charismatische Klangfarbe besitzt – so weit, so gut. Was „Crawling Chaos“ aber im Verlauf der Spielzeit das musikalische Genick bricht, zeichnet sich bereits im Opener ab. AXEMASTER bieten ein extrem reduziertes Riffing, das zumeist aus zwei, drei Elementen zusammengebastelt ist, zu häufig zu pointenlose Gitarren-Soli (man höre sich nur einmal das Geklimper auf „Aldar Rof“ an) und – anders als noch im Opener – Refrains, denen alle Eingängigkeit und Wiedererkennbarkeit abgeht. Das, was das Hören der CD auf Dauer geradezu zur Geduldsprobe werden lässt, ist der gravierende Mangel an Abwechslung. Das Tempo bleibt die gesamte Spielzeit über konstant langsam bis sehr langsam, Ausbrüche sucht man vergebens und die Gitarrenarbeit der einzelnen Songs ist so austauschbar wie die Strophenmelodien. Monotonie ist hier kein bewusst eingesetztes Stilmittel – sondern schlicht das Resultat ziel- und einfallsloser Kompositionen.

Zwar gibt es immer wieder kurze Lichtblicke, ein Lick, das sitzt, ein Riff, das nicht völlig am Hörer vorbei rauscht, eine Strophenpassage, die Spuren im Gedächtnis hinterlässt, aber all das zeigt nur: AXEMASTER sind immer nur in Momenten gut. Auf lange Sicht hin stirbt „Crawling Chaos“ den Kältetod – ein Bild, für das das Stück „Mystify The Dream Hypnotic“, ein vollständig überflüssiges Instrumental, das dem Album außer Spielzeit nichts hinzufügt, den perfekten Soundtrack abgibt. Die eher schwächliche Produktion tut ihr Übriges. Zwar gibt es noch die Neuaufnahme von „Death Before Dishonour“ vom gleichnamigen, 1990 erschienen Album, die zum Besten der CD gehört, aber diese Neuaufnahme dokumentiert zugleich eine mittlerweile 27-jährige Variationslosigkeit, die man zwar als Bekenntnis zur Tradition zu kaschieren versucht, aber wenig mehr als blanke Einfallslosigkeit ist. In Zeiten zahlloser Neuerscheinungen pro Jahr werden sich AXEMASTER nicht durchsetzen können – zu Recht.

Bruce Dickinson – Soloworks 1990 – 2005

Ozzy, Rob Halford, James Hetfield oder Dio – sobald man die Stimme eines dieser Herren vernimmt, sind sie sofort und eindeutig identifiziert. Sie sind sowohl Markenzeichen als auch wesentlicher Teil des Wiedererkennungswertes ihrer jeweiligen Bands. In dieser erlesenen Auswahl darf einer selbstverständlich nicht fehlen – BRUCE DICKINSON. Seit der Mann 1982 erstmal auf einer Platte von Iron Maiden – der legendären “Number Of The Beast” – zu hören war, ging es mit seiner Karriere ebenso rasant voran, wie mit der der NWOBHM-Legende. Zwischen 1993 und 1999 jedoch, war der auch unter seinem Spitznamen “air raid siren” bekannte DICKINSON Solo unterwegs und veröffentlichte in dieser Zeit schier unglaubliche fünf Alben. Diese, zusammen mit seinem letzten Soloalbum aus dem Jahr 2005, erscheinen nun, von Andy Pearce remastert und auf 180g-Vinyl gepresst, als großartige Box mit dem Titel “Soloworks 1990 – 2005”.

Tattooed Millionaire (1990)

Das erste Solowerk von BRUCE DICKINSON dürfte für viele Maiden-Fans eine überraschende Angelegenheit gewesen sein. Anders als erwartet, war „Tattooed Millionaire“ stark reduziert und deutlich Hard-Rock-Schlagseite versehen. Auch das Songwriting präsentiere sich viel lockerer und freier, als man es bisher von Dickinson gewohnt war. Dies dürfte zu nicht geringem Maß an Janick Gers liegen, der hier erstmals mit Bruce zusammenarbeitete. Dass sich diese Partnerschaft auch erhalten sollte, nachdem der Maestro wieder zu Iron Maiden gefunden hatte, spricht für das starke Band zwischen den beiden Musikern. Neben dem unheimlich ansteckenden Refrain des Titeltracks und der schillernden Radio-Rock-Nummer „Born In ‘58“ bis zu den dreckig-rockigen Nummern „Dive! Dive! Dive!“ und „Lickin‘ The Gun“ drängt sich dem Hörer der Eindurck auf, dass Bruce hier einfach loslassen, simpler Songs schreiben und seinen musikalischen Interessen nachgehen konnte. „So Of A Gun“ und „No Lies“ hingegen deuten hingegen bereits an, dass in Zukunft noch mit deutlich abenteuerlicher und herausfordernderer Musik von BRUCE DICKINSON zu rechnen sein würde.

Balls To Picasso (1994)

Der vielleicht entscheidende Schlüsselmoment in. Solokarriere des BRUCE DICKINSON ereignete sich nach dessen Ausstieg bei Iron Maiden im Jahre 1993. Denn für sein zweites Soloalbum tat er sich mit dem Gitarristen und Produzenten Roy Z zusammen, um „Balls To Picasso“ aufzunehmen. Roy Z brachte zudem seine Latino-Rock-Crew Tribe Of Gypsies mit, die auf dieser Platte als Backingband agierten. Mit deutlich ausgefeilteren Kompositionen ausgestattet und einen härteren Sound versehen, näherte sich Dickinson wieder spürbar dem Metal an (auch wenn die anlegende besagt, dass das Label auf einen radiotauglicheren Sound drängte). Bester Beleg dafür ist starken  „Cyclops“, „1000 Points Of Light“ und das begeisternde „Laughing In The Hiding Bush“. Highlight des Albums ist jedoch unzweifelhaft „Tears Of The Dragon“, ein mächtiger und prog-angehauchter, irgendwie schräger aber unbestreitbar berührender Tribut an Bruce’s Gefühlswelt, nachdem er Maiden verlassen hatte, um allein einen neuen Weg einzuschlagen.

Skunkworks (1996)

Mittlerweile als Solomusiker etabliert, hätte es sich BRUCE DICKINSON bequem machen und alle paar Jahre eine ordentliche Hard-Rock-Platte veröffentlichen können. Stattdessen wandte er sich auf seinem dritten Album dem Alt-Rock-Sound zu, Mitte der 90er unheimlich edgy war, was in dem düsteren und draufgängerischen Album „Skunkworks“ resultierte. Dies sollte eigentlich der Name seiner neuen Band werden, doch das Label befürchtete eine deutlich eingeschränkte Reichweite und Möglichkeiten für das neue Projekt, ob der Abwesenheit des berühmten Namens. Von Jack Endino produziert, hat sich „Skunkworks“ über die Jahre als großartige Platte entpuppt, bei der die weniger üblichen Motive der Metal-Selt ebenso erfolgreiche genutzt Wurm, wie die unbändige Energie von Bruce’s jungen Mitstreitern. Diese wurde mit diversen Sci-Fi-Sprinklern kombiniert und resultierte in tollen Tracks wie „Space Race“, „Back From The Edge“ und „Inside The Machine“.

Accident Of Birth (1997)

Kaum ein Jahr später erschien mit „Accident Of Birth“ bereits das vierte Soloalbum des Briten. Auf der Agenda stand diesmal wieder klassischer Heavy Metal und zwar in seiner bombastischsten Form. Erneut arbeitete Dickinson mit Roy Z zusammen und hat nur selten besser und kräftiger geklungen als auf dieser Platte, auch wenn dieses Juwel der 90er oft vergessen wird. Integraler Teil des Albums war zudem ein gewisser Adrian Smith, heute unersetzlicher Bestandteil von Iron Maiden. „Acciden Of Birth“ feiert den Heavy Metal mit einem Sound, der so hart und frisch war, dass viele junge Bands kaum mitzuhalten vermochten. Auch die einzelnen Songs versprühten wieder die majestätische Zeitlosigkeit, die seine Fans mit der Stimme von BRUDE DICKINSON assoziieren. Vom rifflastigen Opener „Freak“ über das melodramatische „Taking The Queen“ hin zu den irre eingängigen Twin-Lead-Gitarren auf „Road To Hell“ oder das vertrackte „Omega“, ebenso wie das geradlinige „Starchildren“ zeigt „Accident Of Birth“ sämtliche Facetten des Protagonisten, der sich mit dieser Scheibe seinen Thron zurückeroberte.

The Chemical Wedding (1998)

Erneut dauerte es kaum ein Jahr, ehe Dickinson mit einer neuen Scheibe beglückte, diesmal mit dem monumentalen „The Chemical Wedding“, mit welchem er erneut einen Gang hochschaltete. Auf dem Album ist mit den Gitarristen Adrian Smith und Roy Z sowie Eddie Casillas (Bass) und Dave Ingraham (Schlagzeug) das gleiche Line Up zu hören, wie auf dessen Vorgänger. Diese Kontinuität resultierte in noch besserem Songwriting, sodass jene Kritiker, die der Dickinson-Generation vorwarfen keine Ahnung von modernen harter Musik zu haben, sich beschämt zurückziehen mussten. Denn „The Chemical Wedding“ ist das wohl härteste Album, das BRUCE DICKINSON je aufgenommen hat und enthält zugleich einige der besten Songs seiner glänzenden Karriere.  Das Album erhielt großartige Kritiken und wurde praktischen von allen Fans geliebt, seien es Anhänger seiner Solokarriere oder auch Maiden-Fans. Der gebotene Heavy Metal ist modern und im Kern doch traditionell, zugleich aber härter, smarter und lebendiger, als man erwarten konnte. Zudem brachten Bruce’s Texte und das Konzept des Albums eine Tiefe mit, die die weit verbreitete Behauptung, dass Metal als Genre von eher überschaubarer Intelligenz beseelt ist, ad absurdum führte. Inspiriert vom Leben und Schaffen William Blake’s (dessen eigenen Worte Teile des epischen „Jerusalems“ bilden), den ruchlosen Zielen der Alchemisten des 19. Jahrhunderts und einer Menge persönlicher Emotionen, wurde „The Chemical Wedding“ als Meisterwerk gefeiert. Angesichts von Songs wie „The Tower“, „Book Of Thel“, „Killing Floor“ und dem Titeltrack sicher eine absolut zutreffende Würdigung.

A Tyranny Of Souls (2005)

Nachdem BRUCE DIKINSON am Ende des 20. Jahrhunderts zu Iron Maiden zurückgekehrt war und das gemeinsame Comeback eines der spektakulärsten der Heavy-Metal-Geschichte war, endetet die Pause im Solowerk des Künstlers 2005 mit dem sechsten Kapitel dieser Geschichte. Doch auch während Iron Maiden sich wieder auf den Thron ihres Genres setzten, war Dickinson’s eigene Muse so ruhelos wie ehedem. Sieben Jahre nachdem „The Chemical Wedding“ den Boden mit der Konkurrenz gewischt hatte, folgte der nächste Teil der Solokarriere des Mannes – „A Tyranny Of Souls“. Abwechslungsreicher und introspektiver als sein Vorgänger, enthält die Platte knallharte Hard-Rock-Nummern („Devil On A Hog“), state-of-the-art Heavy Metal („Abduction“)  und prog-getriebene psychedelic Songs, wie das exquisite „Navigate The Seas Of The Sun“. Letzterer wurde von der Theorie des Kultautors Erich von Däniken inspiriert, laut der es in der in ferner Vergangenheit extraterrestrisches Leben auf der Erde gab. Der Albumtitel und Titelsong wiederum beziehen sich auf Shakespeare’s „Macbeth“, mit all dem tiefschwarzen Melodrama, welche dieses Werk transportiert und „Kill Devil Hill“ huldigt den Luftfahrtpionieren der Gebüder Wright und deren triumphalen Flug 1903. Diese kaleidoskopischen Einflüsse resultierten in dem vielschichtigen Album der langen Solokarriere des BRUCE DICKINSON.

Sechs Alben unterschiedlichster Natur, im Kern jedoch immer unverkennbar zusammengehörig und verbunden durch das begnadete Organ eines der profilreichsten Sänger des Heavy Metal aller Zeiten – BRUCE DICKINSON. „Soloworks 1990 – 2005“ bietet diese Juwelen des Metal gebündelt, in höchster Tonqualität und endlich auch auf Vinyl – für Fans des Genres und des Protagonisten kann es hier eigentlich kein Zögern geben. Allerdings kommen die neuen Platten mit einem Preis nördlich der 100€-Grenze daher…

Jag Panzer – The Deviant Chord

01Es sah eine ganze Weile düster aus für die US-Metaller von JAG PANZER. Zwar hatte man sich nach dem Abgang von Ausnahmegitarrist Chris Broderick im Jahre 2008 (der bis 2014 bei Megadeth die Saiten bediente) wieder gut gefangen und veröffentlichte 2011 mit „The Scourge Of The Light“ auch noch einmal ein Album, aber irgendwie schien die Luft raus zu sein. Nur kurz darauf löste sich Band offiziell auf – nur um knapp zwei Jahre später wieder reanimiert zu werden. Sah es zunächst so aus, als ob man dabei auf das Aushängeschild der Band schlechthin, Sänger Harry Conklin, verzichten und sich einen neuen Frontman suchen müsste, so wurde 2015 verkündet, dass The Tyrant doch wieder in den Ring steigt. Die Band, bei der sich inzwischen auch wieder Joey Tafolla eingefundet hat, der bereits das kultige Erstwerk „Ample Destruction“ einspielte, scheint durch all das Auf und Ab der vergangenen Jahre aber keinen Schaden genommen zu haben. Denn: Das neue Album „The Deviant Chord“ schlägt in puncto Songwriting und Hit-Dichte einen Bogen zurück zu Klassikern wie „The Fourth Judgement“ oder dem genialen „Thane To The Throne“.

Mag das Cover des mittlerweile zehnten Albums auch zu eher mitleidigen Äußerungen Anlass geben (wirklich gute Covers hatten JAG PANZER eigentlich nie), so zeigt der Opener „Born On The Flame“ innerhalb weniger Augenblicke das überbordende Potential, das in dieser Band steckt. Der Song ist zwar eine eher simple Nummer, bietet aber alles, wofür man JAG PANZER lieben sollte. Sattes Power-Metal-Riffing, Lead-Gitarren, die – bei einem Musiker wie Tafolla wenig verwunderlich – immer an der Grenze zum Wahnsinn kratzen und über allem die unverkennbare Stimme von Harry Conklin, der keinen Tag gealtert zu sein scheint, so kraftvoll und voluminös klingt seine Stimme. Sein Gespür für feine Phrasierungen und Melodiebögen wirkt ebenso unverbraucht; jedenfalls gelingen ihm bei „Far Beyong All Fear“, dem groovigen und äußerst eingängigen Titelstück oder dem balladesken (und mit einer Lasur Kitsch versehenem) „Long Awaited Kiss“ teils grandiose Gesangslinien.
Dass man sich hier und da an frühere Songs der Amerikaner erinnert fühlt und ein Song wie „Black List“ genau so beispielsweise auf „The Fourth Judgement“ hätte stehen können – geschenkt. Diese Parallelen sind ohnehin eher Trademarks als Selbstplagiate und zudem auf einem so hohen Niveau, dass man Fragen nach Originalität gerne gering schätzt und in seligen Reminiszenzen schwelgt. Zu diesen Anleihen an frühere Tage gehören auch die für das Klangbild der Band typischen dezenten Chöre, die großen Anteil an der Eingägigkeit der Platte haben und Stücken wie „Divine Intervention“ oder „Salacious Behavior“ ihre charakteristische Eigenheit verleihen.

Dass bei JAG PANZER anno 2017 die Zeichen auf Sturm stehen, signalisiert die Band nicht nur in Zeilen wie „stronger now than ever before“ (aus „Born On The Flame“), die man ohne Weiteres als Selbstkommentierung verstehen darf, auch die Entscheidung der Band, eine Cover-Version des irishen Folk-Songs „Foggy Dew“ aufzunehmen, schlägt in diese Kerbe. Als musikalischer call to arms ist diese Nummer nur als Statement zu verstehen: Wir sind noch da! Der Song, dessen irische Klangsignaturen einen deutlichen Kontrapunkt zum geradlinigen Metal der übrigen Stücke bilden, bietet zudem erneut die Gelegenheit, den gesamten Stimmumfang von Conklin in Szene zu setzen. Und nachdem mit „Dare“, das noch einmal alle Register zieht und dessen Refrain zum besten des Albums gehört, die CD ausgeklungen ist, steht fest: So stark wie auf „The Deviant Chord“ waren JAG PANZER schon seit Jahren nicht mehr! Reinhören!!

 

Ram veröffentlichen Video-Clip zu „On Wings Of No Return“

Die schwedischen RAM bringen am 3. November ihr neues Album „Rod“ heraus. Als kleinen Vorgeschmack haben sie bereits jetzt das Video zum Song „On Wings Of No Return“ veröffentlicht. Viel Spaß damit.

Stallion – From The Dead

STALLION? STALLION? Da war doch mal was. Achja, Bill und Ted und Ihre Band Wyld Stallyns. Tatsächlich haben der Film und die Jungs aus Baden-Württemberg eines gemein, nämlich den (potenziellen) Kultstatus. Bereits mit „Rise And Ride“ hat das Quintett mächtig Staub aufgewirbelt und nun muss sich zeigen, ob man mit „From The Dead“ dort anknüpfen kann.

Die Eröffnung durch „Underground Society“ ist auf jeden Fall sehr vielversprechend und ohne Umschweife feuern STALLION dem Hörer satte Riffs um die Ohren, welche sich in einer Schnittmenge aus Heavy- Speed- und Thrash Metal bewegen. Der extrem eingängige Refrain tut sein Übriges, um den Einstieg in das Album vollends abzurunden. Aber nicht nur der Opener funktioniert nach diesem Prinzip, sondern grundsätzlich scheinen STALLION sehr viel Wert auf ihre eigene Interpretation des Begriffs Heavy Metal zu legen. Egal, ob pfeilschnell, melodisch oder satt groovend, die fünf Jungs verstehen es für Abwechslung zu sorgen. Natürlich heißt dies nicht, dass hier das Rad neu erfunden wurde, aber man bewegt sich eben innerhalb von sehr weitgefächerten Grenzen.

„Hold The Line“ ist beispielsweise ein deutlich groovigerer Song und wird vor allem durch großartiges Schlagzeugspiel und eine sehr eingängige Bassline getragen, während „Waiting For A Sign“ mit seiner lässigen Attitüde und dem lockeren Riffing fast schon an Mötley Crüe und die kalifornische Glam-Szene erinnert. Zwar weniger ein musikalisches Highlight, aber auf jeden Fall ein Ausrufezeichen auf „From The Dead“ stellt das kurze „Kill Fascists“ dar, weil die Nummer ziemlich deutlich macht, dass Stallion eine klare politische Meinung haben und diese auch nicht verheimlichen.

Nach diesem Zwischenspiel machen STALLION dann da weiter, wo sie aufgehört haben und präsentieren mit Songs wie „Lord Of The Trenches“ „Blackbox“ oder „Step Aside“ weiterhin Heavy Metal vom allerfeinsten. Besonders das rockige „Blackbox“ macht nochmals richtig Spaß und versetzt den Hörer in eine Position zwischen Motörhead, The Wild und Accept. Das abschließende „Awaken The Night“ fast letztendlich das gesamte Album nochmals zusammen und überzeugt durch melodische Zwischenspiele genauso wie durch messerscharfe Riffs.

Am Ende der gut 44 Minuten Spielzeit bleibt festzuhalten, dass man sich keine Sorgen um den deutschen Heavy Metal machen muss und das Accept definitiv nicht die einzige Band ist, die es noch versteht auch mal eine härtere Gangart einzulegen. STALLION machen ihrem Namen alle Ehre und galoppieren fröhlich in Richtung Spitze, um sich dazuzugesellen. Dabei ist es nicht allein die Gitarrenarbeit, die hier den Ausschlag gibt, sondern vor allem sorgt Sänger Pauly mit seiner kräftigen, hohen Stimme für richtig Feuer unter dem Dach. Jede Strophe wird mit völliger Inbrunst gesungen und geht dank der hohen Intensität sofort ins Ohr, wo sie sich bei jedem weiteren Hören immer tiefer festsetzt.

Das abschließende Fazit lautet daher ganz klar: Kultstatus dürften STALLION auf jeden Fall erreichen, wenn sie so weitermachen: „From The Dead“ gehört in jedem Fall zu den Heavy-Metal-Alben des Jahres.

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