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Powerwolf – The Sacrament Of Sin

Bei der Diskussion über Bands, die ihren Stil nie großartig verändern und anstatt Innovation in regelmäßigem Turnus sozusagen immer mehr vom Gleichen veröffentlichen, dürfte vielen Metalheads schnell der Name POWERWOLF einfallen. Seit 2004 haben die deutschen Power-Metaller sieben Platten veröffentlicht, die sich stilistisch wenig voneinander unterscheiden. Das stets ähnlich geartete Sammelsurium aus eingängigen Riffs, markanten Refrains, glasklar vorgetragenen Texten auf Englisch, Latein und Deutsch sowie viel Orchester- und Chor-Bombast gab der Gruppe aber stets Recht, die Band dürfte bereits seit einigen zu den bekanntesten Vertretern des deutschen Power Metal zählen und eine qualitativ schwache Platte hat sich bislang nicht in ihre Diskographie eingeschlichen.

Mit „The Sacrament Of Sin“, dem aktuellen Langspieler der Gruppe, ändert sich weder an diesem Umstand, noch am typischen Klang der Band all zu viel. Anstatt zu überraschen, operieren POWERWOLF weiterhin in den Gefilden, in denen sie sich nun einmal am besten auskennen. Bereits die ersten, episch angelegten Töne des mitreißenden und überaus eingängigen Openers „Fire And Forgive“ legt selbst bei unbeabsichtigtem Hören nahe, bei welcher Band man ist. So fühlt sich der geneigte Fan sofort heimisch, die treibenden Riffs und der einmal mehr makellose Gesang Attila Dorns komplettieren das sehr überzeugende Paket zu einem rundum gelungenen Einstieg. So stark ist „The Sacrament Of Sin“ in den folgenden rund 40 Minuten jedoch leider nicht durchgehend. Bereits der nachfolgende Song „Demons Are A Girl’s Best Friend“, der seinerzeit als erste Single herhalten musste, ist vom Songwriting her ein deutlicher Rückschritt, der auch für POWERWOLF-Verhältnisse zu viel Kitsch und viel zu wenig Metal enthält.

Eher uninteressante Nummern wie diese bleiben auf „The Sacrament Of Sin“ aber zum Glück die Ausnahme. Auch wenn nicht jeder Song dauerhaft im Gedächtnis bleiben mag, ist die Platte durchaus nicht arm an Highlights. „Killers With The Cross“ etwa dürfte einen der bisher stärksten POWERWOLF-Refrains beinhalten. „Stossgebet“ ist mit deutliche Anleihen aus dem ewigen Band-Klassiker „Kreuzfeuer“ versehen, wirkt aber dennoch nicht zu sehr wie eine reine Kopie und birgt definitiv das Potenzial, ebenfalls Kultstatus zu erlangen. Und wer die metallische Seite der Bombast-Wölfe zwischendurch vermisst, dem sei „Nightside Of Siberia“ ganz dringend ans Herz gelegt, in dem sich Eingängigkeit und kraftvolles Riffing gekonnt vereinen – auch wenn das Hauptriff unverkennbar an einen berühmten Song einer gewissen schwedischen Melodic-Death-Band angelehnt ist, die irgendwas mit Wikingern am Hut hat. Mehr Hinweise gibt es an dieser Stelle aber nicht.

Ein paar frische Nuancen bietet „The Sacrament Of Sin“ darüber hinaus am Ende doch. In „Incense And Iron“ experimentiert man ein wenig mit mittelalterlich angehauchten Klängen. Viel bedeutender ist jedoch der Umstand, dass sich mit „Where The Wild Wolves Have Gone“ zum ersten Mal eine wirkliche Ballade auf einem POWERWOLF-Album einfindet, welche trotz viel Pathos durchaus einen sehr melancholischen Charakter hat und zu gefallen weiß. Ein gelungener Versuch!

Zum Stil der Band, der trotz dieser kleinen Facetten auch auf Album Nummer Sieben weitgehend unverändert bleibt, ist über die Jahre und Alben hinweg schon genug gesagt worden. Das ist POWERWOLF in Reinform, man mag es, oder eben nicht. So bleibt letztlich nur übrig, die Songs aneinander und mit denen der Vorgänger-Alben zu messen. In erstgenannter Hinsicht überwiegen ganz klar die gelungenen Nummern, schwächere oder austauschbar klingende Songs bleiben einmal mehr Mangelware. Dennoch kann „The Sacrament Of Sin“ mit den qualitativ wirklich herausragenden Alben der bisherigen Diskographie wie „Lupus Dei“ oder auch zuletzt „Blessed And Possessed“ aufs Ganze gesehen nicht vollständig mithalten. Ein tolles Album ohne große Schwächen oder Ermüdungserscheinungen ist den Wölfen dennoch einmal mehr gelungen, welches erneut kaum neue Fans generieren dürfte, diejenigen, die POWERWOLF zugetan sind, aber vollauf zufrieden stellen dürfte.

Powerwolf mit neuem Song

„Incense & Iron“ heißt das gute Stück und stammt von POWERWOLFs neuem am 20.07.2018 erscheinenden Album „The Sacrament Of Sin“.

Auch Primal Fear mit neuem Song

PRIMAL FEAR legen mit „Kingdom Of Madness“ einen neuen Song mit Video vor. Die Nummer stammt von ihrer am 10.08.2018 erscheinenden neuen Scheibe „Apocalypse“. Das Album markiert auch 20 Jahre PRIMAL FEAR.

Powerwolf mit neuem Song

Mit „Fire & Forgive“ schieben POWERWOLF einen weiteren neuen Song von ihrem kommenden Album „The Sacrament Of Sin“ nach. Natürlich haben sich die Wölfe nicht lumpen lassen und erneut ein Video zum Song produziert. Viel Spaß damit!

Battle Beast: Neue Scheibe kommt 2019

In einem Interview gab BATTLE BEAST-Frontfrau Noora Louhimo bekannt, dass ein neues Album der Band wohl Anfang 2019 erscheinen wird. Erstmal wolle man sich aber auf die anstehenden Festival-Shows konzentrieren.

„Wir haben am Album schon seit Anfang des Jahres gearbeitet. Aber momentan ist eine sehr geschäftige Zeit, weil wir die Festivals in Europa spielen und im Sommer auch aufnehmen und Songs schreiben. Aber wir werden das Album definitiv nächstes Jahr veröffentlichen.“

Kissin‘ Dynamite veröffentlichen neue Single „You’re Not Alone“

KISSIN‘ DYNAMITE veröffentlichen ihr neues Studioalbum „Ecstasy“ am 6. Juli über Metal Blade Records. Es ist der Nachfolger von „Generation Goodbye“ von 2016, welches Platz 14 der offiziellen deutschen Albumcharts erreicht hat.

„Ecstasy“ wurde von KISSIN‘-DYNAMITE-Sänger Hannes Braun produziert. Gleichzeitig bedeutet der Release eine Zäsur in der elfjährigen Bandgeschichte. Mit dem Labelwechsel steht im Herbst erstmals wieder eine Tour auf dem Programm: ab dem 26. Oktober begleiten KISSIN‘ DYNAMITE  Powerwolf bei sechzehn gemeinsamen Konzerten in ganz Europa.

Ihr könnt euch die neue Single „You’re Not Alone  hier anhören.

 

Primitai – The Calling

Es gibt da draußen so viele fleißige Bands, die regelmäßig Alben veröffentlichen, dass man auch in einem Musikmagazin nicht alle kennen kann. So erging es mir mit PRIMITAI aus England, die mit „The Calling“ immerhin schon ihr fünftes Album in 15 Jahren Bandgeschichte vorlegen.

Da ich völlig unbedarft und ohne Vorerfahrungen an die Sache ranging, warf ich zuerst einen Blick in den Promozettel. Zu meiner großen Überraschung schien der Promotionagentur zu der Band fast gar nichts einzufallen. Jegliche Hinweise auf das aktuelle Album oder den Stil von PRIMITAI fehlen, sieht man von der Einordnung in das extrem weitgefasste Genre des Melodic Metals mal ab.

Und ehrlich gesagt: Ein bisschen kann ich das verstehen. Auch nach vielfachem Hören fällt es schwer, etwas Substanzielles über „The Calling“ zu schreiben. Ja, das Album ist nicht wirklich schlecht. Ja, die musikalische Leistung ist nicht fehlerhaft. Aber leider auch ja: Es ist in jeder Hinsicht nichts Besonderes.

Selbst der Stil ist schwer zu fassen. Zwischen typischen Melodieführungen aus dem Handbuch des Melodic Metals gibt es auch ein paar wenige Passagen, die mit Rhythmuswechseln und etwas rauerem Gesang an Avenged Sevenfold erinnern („Demons Inside“) und ab und an lässt die Gitarrenarbeit aufhorchen („No Survivors“). Gerade diese Abschnitte gehören zu den besseren des Albums. Ansonsten wird überwiegend und etwas undifferenziert aufs Tempo gedrückt.

Am Ende bleibt ein Gefühl der Unentschlossenheit: Was genau habe ich gehört? Wo waren die Höhepunkte? PRIMITAI machen es uns nicht leicht. In dieser Form ist „The Calling“ jedenfalls eher etwas für Komplettisten.

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Coronatus – Secrets Of Nature

Wer eigentlich auf den Sound der alten Nightwish mit Tarja an den Vocals steht, aber dringend Abwechslung hierzu braucht, ist bei CORONATUS goldrichtig. Zwar gibt es die Band schon seit 2002, aber mit dem neuen Album „Secrets Of Nature“ haben sich die Musiker um Mats Kurth und Carmen R. Lorch hochkarätige Unterstützung geholt. Da wären zum einen Markus Stock (Empyrium, The Vision Bleak) als Gastmusiker an Gitarre und Bass und Teddy Möhrke am Gesang.  Zum anderen wäre da die wundervolle Gaby Koss (Cantus Lunaris, Diskelion, Ex-Haggard, uvm.) mit ihrer Sopran-Stimme. Manch einer wird sie als Gastsängerin von zahlreichen Intros und Outros auf den Alben von Equilibrium kennen. Den geschmackvollen CORONATUS-Sangesreigen rundet Mareike Makosch ab. Bleibt zu hoffen, dass Gaby und Mareike als feste Bandmitglieder erhalten bleiben, nachdem sie auf „Secrets Of Nature“ erfolgreich ihren Einstand gegeben haben.

Das Eröffnungsstück „Howling Wind“ ist wahrscheinlich das, was bei jedem Hörer zuerst einmal dem Vergleich mit Nightwish standhalten muss, weil er einfach nahe liegt. Denn genauso energetisch wie die Urgesteine eröffnen auch CORONATUS. Da wird die gesamte orchestrale Instrumentierung, die man sich vorstellen kann, furios in die Wagschale geworfen und Gaby darf sofort mit ihrer glasklaren Opern-Stimme brillieren. Schade, dass man im weiteren Verlauf des Albums eher weniger von ihr hört. Alles, was man als episch bezeichnen kann, wurde in diesen Track eingebaut. So geht es auch in den Texten um den heulenden Wind, der Erinnerungen an vergangene Zeiten, an Krieger, Ruinen, grüne Inseln, Sturmwolken mitbringt. Ja, jedes Klischee wird bedient, aber da es so mitreißend und abwechslungsreich komponiert ist, ist es sehr unterhaltsam. Dazu kommt noch, dass die anderen beiden Damen mit ihren Charakterstimmen dem Gesangspart eine neue Facette eröffnen. So kann man sich in jedem Song auf „Secrets Of Nature“ genau der passenden Stimme bedienen bzw. variieren, bis der Arzt kommt. Einfach herrlich, wie die drei Damen von CORONATUS abwechselnd oder zusammen jedem Gefühl in jedem Song perfekt Ausdruck verleihen können. Noch besser wird es, wenn auch noch männlicher Gesang hinzu kommt, im Chor (wie beispielsweise im Stück „Sleigh Ride To Asgard“) oder als kurzes Solo.

Ein Highlight des Albums ist sicherlich die Ballade „Die See“, eines von zwei auf deutsch gesungenen Liedern. Eine wunderbare, traurige Geigenmelodie eröffnet hier neben Klavierklängen, bevor wieder die volle Wucht der orchestralen Instrumentierung einsetzt. Diese wird zum Glück stellenweise etwas zurückgenommen, wenn der Gesangsteil mehr Fokus benötigt. Tragend, traurig, aber gleichermaßen energisch wird man durch das Stück getragen und hofft, dass die imaginäre Protagonistin sich am Ende vielleicht doch nicht in die Wellen stürzt. Aber große Gefühle verlangen natürlich nach Tragik.

Besonders rockig und brachial ist „The Little People Of Iceland“, bei welchem neben dem Operngesang nun auch stellenweise männlicher Gesang zum Einsatz kommt, der beinahe schon gegrowlt ist. Die Idee kennt man natürlich schon und alles ist stimmlich etwas gewöhnungsbedürftig umgesetzt, dafür überrascht der Song mit einigen folkigen Nebenmelodien, die dem Ganzen etwas Bizarres geben, bevor es mit dem leichter verdaulichen, aber nicht minder rockigen und jetzt auch tanzbaren „Dance Of The Satyr“ weitergeht.

CORONATUS lassen sich nicht lumpen und bieten mit „Tränen Des Himmels“ eine weitere deutschsprachige Komposition, die sehr mitreißend und eingängig ist und auch gut als feuriges Finale von „Secrets Of Nature“ geeignet wäre, wenn da nicht noch „Herr Mannelig“ wäre. Für Fans von Gaby Koss ist dies ein kleines Highlight, insbesondere im Hinblick darauf, dass sie den Song bereits für Haggard auf italienisch gesungen hat. Wer einen Abklatsch davon erwartet, liegt falsch. Die Damen haben allesamt den Text auf schwedisch eingesungen und die verschiedenen Gesangsarten wechseln sich ab und bieten ein unglaublich spannendes Vocal-Spektrum (wenngleich man Gaby leider viel zu wenig hört in dieser Version). Da wird manchmal fast geflüstert, dann wieder singt man es voll aus sich heraus mit dem Sopran. Die Instrumentierung ist hier anfangs dezent, wartet aber später mit einigen Überraschungen auf. So hat man kurzzeitig einen Klang, der an einen Dudelsack erinnert (allerdings nur mit dem Syntheziser nachgebildet). Das Schlagzeug klingt hier sehr viel echter und solide, und auch die männliche Lead-Stimme möchte noch kurz Teil der Komposition sein. Kurz und gut: Mit „Herr Mannelig“ haben CORONATUS für eine gelungene Überraschung gesorgt.

Mag sein, dass die Hauptideen der Kompositionen allesamt nicht neu sind, aber das Album lebt einfach von den drei Female-Frontstimmen, was auch den Hauptunterschied zwischen CORONATUS und Nightwish begründet. Warum sich immer für eine Stimmart entscheiden, wenn man doch drei haben kann!?

Eine besonders gute Produktion ist ebenfalls sofort hörbar. Lediglich einige getriggerte Schlagzeugmomente wollen sich nicht so richtig in die Klanggebilde einfügen, genauso wie manches Mal ein zu künstlich klingender Synthesizer-Klang. Aber das tut dem epischen, mitreißenden Gesamtcharakter von „Secrets Of Nature“ keinen Abbruch und der geneigte Hörer und Fan des Genres ist sicher froh, ein weiteres, so aufwühlendes Klangkunstwerk (mit übrigens kunstvoll gestaltetem Booklet) in seinem Schrank (oder von mir aus auch als Download) zu haben.