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…And Oceans – Cosmic World Mother

…AND OCEANS haben, gelinde gesagt, eine bewegte Bandgeschichte. Bis zur Mitte der 2000er Jahre glich der Werdegang der Finnen jenem ihrer norwegischen Kollegen The Kovenant: Spielte die Band gegen Ende der Neunziger noch Black Metal der symphonischen Sorte, kam mit der Jahrtausendwende der abrupte Schwenk in Richtung Industrial Metal und die Gruppe wechselte ihren Namen. Während The Kovenant seit „SETI“ (2003) nichts Neues von sich hören lassen haben, waren die Finnen unter dem Namen Havoc Unit weiterhin aktiv. Vor diesem Hintergrund hat wohl niemand kommen sehen, dass …AND OCEANS mit „Cosmic World Mother“ wieder ein Album unter ihrem alten Namen und in ihrem einstigen Stil vorlegen und damit ein grandioses Comeback vollführen würden.

Dass manch ein Rezensent gar so weit geht, „Cosmic World Mother“ auf eine Stufe mit Dimmu Borgirs „Spiritual Black Dimensions“ (1999) zu stellen oder es zumindest zum besten Symphonic-Black-Metal-Album seit ebenjenem Meilenstein zu erklären, kommt nicht von ungefähr. Eine gute Dreiviertelstunde lang zeigen …AND OCEANS sich in nahezu sämtlichen Bereichen in Höchstform. Mathias Lillmåns, der kurz vor der Aufnahme der Platte Originalsänger Kena Strömsholm ersetzt hat, leistet mit seinen garstigen Screams noch den unspektakulärsten Beitrag zur Musik. In seiner Performance gibt sich der Finntroll-Fronter nichtsdestotrotz kräftig und flexibel genug, um den Songs seinen Stempel aufzudrücken.

Seine wahre Pracht entfaltet das fünfte Album des Sextetts jedoch eindeutig über die Instrumentierung. Die gesamte Platte ist zum Bersten voll mit übermächtigen, epischen Tremolo-Riffs, die …AND OCEANS hin und wieder mit bedeutungsschweren, tristen Gitarrenleads umspielen („Five Of Swords“), während Kauko Kuusisalo die Drums unermüdlich mit punktgenau platzierten, blitzschnellen Schlägen eindeckt.

Der unbestreitbare Star des Albums sitzt jedoch am Keyboard: Anstatt gekünstelt ein ganzes Orchester zu simulieren, verpasst Antti Simonen den Songs mit seinem Instrument einen kalten, außerweltlichen Klang, durch den „Cosmic World Mother“ eine fremdartige, überirdische Atmosphäre ausstrahlt. Zugleich nimmt Simonen gekonnt auf die Umtriebe der Band im Electronic-Bereich Bezug, indem er manche der Tracks mit synthetischen Sounds und Beats ausstattet („Apokatastasis“) und damit maßgeblich zur spacigen Ästhetik des Albums beiträgt. Besser hätten …AND OCEANS ihre künstlerische Entwicklung kaum kanalisieren können.

Seinen imposanten Titel trägt „Cosmic World Mother“ vollkommen zu Recht, klingt das Album doch wie die Vertonung einer mächtigen Wesenheit planetarischen Ausmaßes. Anstatt ihren alten Namen ohne die entsprechende Rückbesinnung wieder anzunehmen oder in einem Anflug verklärter Nostalgie ihre Erfahrungen als Havoc Unit über Bord zu werfen, haben …AND OCEANS das Beste aus ihrem kreativen Fundus herausgeholt. Das Ergebnis ist ein fantastisches Symphonic-Black-Metal-Album, das seinen geringfügigen Mangel an Eingängigkeit mit seinem stimmigen, homogenen Klangbild und seiner überwältigenden Ausstrahlung spielend wettmacht. Hiermit haben …AND OCEANS sich praktisch aus dem Nichts an die Spitze ihres Genres katapultiert.

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Carach Angren – Franckensteina Strataemontanus

Eigentlich konnte man CARACH ANGREN ja nie so recht ernstnehmen. Obwohl sich das Bandkonzept der niederländischen Symphonic-Black-Metaller seit jeher um die Vertonung morbider Schauermärchen dreht, war bislang doch keines ihrer Alben wirklich furchteinflößend. Als seichtes Grusel-Entertainment funktionierten die alles andere als subtilen, teils bewusst, teils unfreiwillig komischen Veröffentlichungen des Trios bis einschließlich „This Is No Fairytale“ (2015) jedoch ausgesprochen gut. Mit dem weniger ausgefeilten und thematisch inkonsistenteren „Dance And Laugh Amongst The Rotten“ (2017) haben CARACH ANGREN zuletzt jedoch viel von ihrem Unterhaltungswert eingebüßt. Der Nachfolger „Franckensteina Strataemontanus“ hat folglich einiges wettzumachen.

Das sechste Album der kurz vor dem Release auf ein Duo geschrumpften Band macht zu Beginn erneut skeptisch: Nach dem obligatorischen Intro, das mit seinem erzählerischen Spoken-Word und seiner sanften Orchestrierung eher wundersam als bedrohlich klingt, gehen CARACH ANGREN auf „Scourged Ghoul Undead“ wie zuletzt betont brachial und ohne ihr einstiges Fingerspitzengefühl zu Werke. Mehr denn je setzen die Niederländer auf gutturalen Gesang im tieferen Register und mit stumpfer Gewalt gespielte Gitarren und Drums, während Ardeks bombastische Symphonic-Keyboards zwar ständig mitlaufen, aber nur selten die Führung übernehmen. Anstatt auf diese Weise die Möglichkeiten eines extremeren Black-Metal-Sounds auszureizen, halten CARACH ANGREN sich hier abermals vermehrt mit gemäßigten Mid-Tempo-Nummern auf, die im Vergleich zu den dramatischeren Stücken oftmals ziemlich blass dastehen („Monster“).

Ausgeklügelte Melodien und Orchesterarrangements findet man bis zum abschließenden Achtminüter „Like A Conscious Parasite I Roam“ nur sporadisch und im besagten Stück klingen sie wiederum derart anmutig, dass der Bezug zu den schauderhaften Texten verloren geht. Dass manche der Songs inhaltlich nichts mit dem übergeordneten Textkonzept um Johann Konrad Dippel und seinem möglichen Bezug zur Figur des Dr. Frankenstein zu tun zu haben scheinen („Operation Compass“), ergibt zudem leider ein ebenso unstimmiges Bild wie die übertrieben sterile Produktion, die keinerlei Raum für das im Horror-Genre unerlässliche Gefühl der Ungewissheit lässt.

„Franckensteina Strataemontanus“ hat trotz allem aber auch sein Gutes: Im knackigen Titeltrack bestechen CARACH ANGREN mit bizarren Klaviertönen, das stampfende „The Necromancer“ gehört mit seinen gespenstischen Keyboards zu den düstereren Tracks der Platte und auf „Sewn For Solitude“ hebt die Band mit traurigem Geigenspiel und Klargesang den tragischen Aspekt des thematisierten Ungetüms hervor.

Nach dem alles andere als denkwürdigen „Dance And Laugh Amongst The Rotten“ stellt „Franckensteina Strataemontanus“ mit seiner Handvoll Highlights zumindest eine geringfügige Verbesserung dar. Dennoch ist es CARACH ANGREN abermals nicht gelungen, an die musikalische Raffinesse ihrer früheren Alben anzuknüpfen. In kompositorischer Hinsicht ist „Franckensteina Strataemontanus“ leider ebenso grobschlächtig wie Frontmann Seregors Texte es schon immer waren. Und da wir schon beim Thema Texte sind: Langsam sollten CARACH ANGREN wirklich einsehen, dass Sprechpassagen in holprigem Deutsch wie jene in „Der Vampir von Nürnberg“ nicht unheimlich, sondern einfach nur albern klingen.

Sojourner – Premonitions

SOJOURNER haben bisher durchaus einen steilen Aufstieg hingelegt – wurden die beiden Vorgängeralben „Empires Of Ash“ und „The Shadowed Road“ noch unter der Flagge von Avantgarde Music veröffentlicht, durfte beim neuesten Output mit Napalm Records gleich eines der größten Metal-Flaggschiffe „Premonitions“ der breiten Öffentlichkeit vorstellen. Laut Pressetext wird mit diesem Album der melodische Black Metal auf eine neue Ebene erhoben: Man darf also gespannt sein, ob die international aufgestellte Band um Ehepaar Mike Lamb und Chloe Bray diesen Vorschusslorbeeren gerecht wird – das bezaubernde Coverbild lässt zumindest auf einiges hoffen.

Doch Schritt für Schritt: Der Opener „The Monolith“ beginnt mit einem ruhigen Pianopart, kurz darauf setzt der zerbrechliche, aber behagliche Gesang von Chloe ein, bevor mit Emilio Crespos kraftvollem Screaming das gesangliche Gegenstück die Bühne betritt. Das von der Leadgitarre bestimmte Lied bleibt durchgehend im Midtempo und enthält im Hintergrund angenehme Flötenpassagen (Tin-Whistle). Die ein wenig repetitiven Passagen verbreiten durchaus Wohlbehagen, aber man macht sich zumindest Hoffnung auf ein wenig mehr Dynamik im Songaufbau.

Doch leider offenbart sich dann im weiteren Verlauf des Albums das Problem von SOJOURNER: Jedes Lied beginnt nach demselben Muster, durchläuft ständig dasselbe Schema und endet wie das Lied zuvor. Daran ist im Grunde nichts auszusetzen, aber dann muss die Musik spannend und fesselnd sein oder aber die Melodie setzt sich so wunderbar im Ohr fest, dass man sich diese Repetitivität geradezu herbeisehnt. Doch die anhaltend von der Leadgitarre durchsolierten Tracks bieten insgesamt einfach zu wenig Abwechslung, um Spannung zu erzeugen – dasselbe gilt auch für das an sich angenehme Flötenspiel, wenn es die Leadgitarre auf ihren Weg begleitet. Dieses Manko im Grundgerüst der einzelnen Songs können auch die starken Gesangsleistungen nicht vollends kaschieren.

SOJOURNER sind dann hörenswert, wenn sie aus dieser Schablone ausbrechen: „Talas“ bietet beispielsweise ein spannendes „Die Schöne und das Biest“-Duett, nachdem man es nach mehr als drei Minuten Spielzeit schon zu den Balladen zählen wollte. „Fatal Frame“ ist ohne Zweifel das Highlight des Albums, vor allem weil es sich im Vergleich zur ansonsten verträumt-romantischen Grundausrichtung eher düster-aggressiv gebärdet und auch ein wenig Uptempo inklusive dunklem Growling bereit hält. Der Rausschmeißer „Event Horizon“ wartet im Mittelteil mit einem wunderbaren Break und fantastischem Pianospiel auf, das in einen epischen Midtempo-Part mündet, in dem man sogar angenehm cleanen, männlichen Hintergrundgesang vernehmen kann.

Trotz der Unzulänglichkeiten kann man an „Premonitions“ seine Freude haben, solange man sich nicht an den repetitiven Aufbauten der Songs stört – denn technisch gesehen machen SOJOURNER so gut wie nichts verkehrt, ganz im Gegenteil: Starker und variabler Gesang, kernige Gitarren, kraftvolles Schlagzeugspiel, folkige Zwischenspiele und eine zeitgemäße Produktion, eigentlich ist alles dabei. Was fehlt, sind kreative Impulse, um den Melodien auf „Premonitions“ den letzten Kick zu geben, sich ins Langzeitgedächtnis einzubrennen. Fans von melodischem Black Metal können hier trotzdem zwei Ohren riskieren, denn hörenswerte Momente gibt es durchaus – das Genre revolutionieren SOJOURNER aber beileibe nicht.

Old Corpse Road – On Ghastly Shores Lays The Wreckage Of Our Lore

OLD CORPSE ROAD stammen aus dem englischen Darlington und spielen symphonischen, folkig angehauchten Black Metal der alten Schule. Ein erstes Augenmerk gilt der Besetzung – gleich drei Sänger bieten die Engländer auf, selbst eine Erzählstimme wird gesondert aufgeführt. Thematisch bedient man sich der Mythen und Sagen der Britischen Inseln – es ist also genug Stoff für eine düstere, musikalische Umsetzung vorhanden.

Los geht es mit dem instrumental gehaltenen Titeltrack und damit direkt mit einem der Schwachpunkte von „On Ghastly Shores Lays The Wreckage Of Our Lore“ – dem recht dünnwandigen 1990er-Gedächtnis-Sound, der dem gesamten Album qualitativ mindestens einen Zahn zieht. Musikalisch kredenzen OLD CORPSE ROAD hier ein atmosphärisches, im Midtempo gehaltenes Intro, das ganz nett, aber letztendlich ohne große Höhepunkte bleibt.

Im weiteren Verlauf des Albums wechselt sich gnadenloses Gebretter oft mit ruhigen, teilweise ambientartigen Passagen ab, die Übergänge wirken dabei stellenweise ein wenig holprig und uninspiriert. Es wird schnell klar, dass die Stärke der Briten eher bei den bedachteren Tönen liegt. Die streckenweise von einer (auch mal krächzigen) Erzählstimme begleiteten Zwischenspiele sind mehrheitlich schön anzuhören, werden fast durchgehend vom oft orgelähnlichen Keyboard dominiert und gehen ganz gut ins Ohr. Gänsehautmomente bleiben dabei allerdings die Ausnahme. Wenn OLD CORPSE ROAD jedoch aufs Gaspedal treten, geht die Musik komplett am Hörer vorbei – zu beliebig bleiben die Riffs, die größtenteils von hohem Gekreische im Stile der Landsleute von  (öffnet in neuem Tab)Cradle Of Filth begleitet werden.

Apropos Gesang: Tatsächlich ist dieser, wie vorab erwartet, sehr abwechslungsreich – neben den teilweise anstrengenden Screams und den häufig narrativ vorgetragenen Texten kommen hier und da ansprechende Growls zum Vorschein, die jedoch ein wenig zu sehr in den Hintergrund gemischt wurden. „Black Sea“ überrascht mit getragenem Klargesang, der gerne etwas öfter hätte eingesetzt werden dürfen. Auch der stellenweise auftretende mehrstimmige Gesang kann überzeugen, der mal hymnisch („Harbringers Of Death (Voices In The Tempest)“, „The Ghosts Of The Ruinous Dunstanburgh Castle“), mal rituell („Sea Fire“) in Erscheinung tritt.

Wenn dann das angenehme, akustische Outro „WaterLore“ inklusive schwebendem Frauengesang langsam ausklingt, ist man in erster Linie enttäuscht – denn leider bietet „On Ghastly Shores Lays The Wreckage Of Our Lore“ wenige positive Aha-Momente und krankt an zu vielen Stellen: Zu oft setzen OLD CORPSE ROAD auf oberflächliche Knüppelpassagen, die am Ohr vorbeirauschen, ohne Spuren zu hinterlassen. Am Songwriting muss also noch gefeilt werden und auch produktionstechnisch hat man den Sprung ins neue Jahrtausend, im Gegensatz zu den einheimischen Genrekollegen Hecate Enthroned mit ihrem neuesten Output „Embrace Of The Godless Aeon“, verpasst. Somit bleibt nur ein Album mit einigen positiven Ansätzen, aber ohne große Anziehungspunkte .

Dämmerfarben – Des Herbstes Trauerhymnen MMXX

Es ist durchaus ein sonderbares Ding, das DÄMMERFARBEN mit „Des Herbstes Trauerhymnen MMXX“ veröffentlichen. Hierbei handelt es sich nämlich um eine Kombination aus Neuversionen der drei Songs der bis auf die hinzugefügte Jahreszahl gleichnamigen Demo aus dem Jahr 2006, einem zuvor nie aufgenommenen Stück aus derselben Zeit und dem vormals nicht veröffentlichten Titeltrack des 2012 erschienenen zweiten Albums der Band, „Herbstpfad“. Doch nicht nur die Zusammensetzung ihres dritten Studioalbums, sondern auch die Musik, die die deutsch-amerikanischen Folk-/Melodic-Black-Metaller darauf spielen, trifft man in dieser Form nicht alle Tage an.

Die klangliche Eigenschaft, die auf „Des Herbstes Trauerhymnen MMXX“ am stärksten hervorsticht, ist die Melodieverliebtheit, die DÄMMERFARBEN offensichtlich tief im Leib sitzt. Anders als bei vielen Black-Metal-Platten wird hier keine einzige der gut 50 Minuten Spielzeit auf sinnlos-brutales Gebolze verschwendet. Von den zarten, wehmütigen Folk-Parts, in welchen das Trio mit elegantem Violoncello- und Klavierspiel einen spätsommerlichen Sonnenuntergang vertont, bis hin zu den immer wieder aufbrausenden Melo-Black-Stürmen mit ihren ausgelassenen Tremolo-Riffs und Blast-Beats achten DÄMMERFARBEN stets darauf, die richtigen Töne aneinanderzureihen.

Der naturverbundenen Ästhetik des Albums entsprechend liegt den Melodien eine fast schon romantische Stimmung zugrunde, wodurch die Band in den getrageneren Parts Erinnerungen an Empyriums „Songs Of Moors And Misty Fields“ wachruft. Besonders schön sind jedoch die träumerischen und doch nicht verschlafenen Clean-Gitarren-Arrangements, die die Songs einleiten und in Folge immer wieder durchgleiten („Des Herbstes Trauerlied“). In diesen Momenten geht von „Des Herbstes Trauerhymnen MMXX“ ein lieblicher Zauber aus, der sich kaum in Worte fassen lässt.

Leider hat das Album demgegenüber auch einige Wesenszüge, die alles andere als magisch sind. Die Beiträge von Austin Lunn (Panopticon) etwa, dessen Drumming mit seiner Hyperaktivität überhaupt nicht zur übrigen Musik passen will und mit seinem klobigen Sound dem leichtfüßigen Charakter der Lieder zuwiderläuft. Auch die Eintönigkeit der genretypischen, kernigen Screams und der übertrieben pathetische Klargesang in der ansonsten zutiefst herzergreifenden Akustikballade „Herbstpfad“ sind einem vollkommenen Eintauchen in die malerischen Klanglandschaften, die DÄMMERFARBEN mit ihren Melodien kreieren, eher hinderlich.

„Des Herbstes Trauerhymnen MMXX“ ist wie ein schöner Traum, aus dem man so manches Mal unsanft von irritierenden Störgeräuschen herausgerissen wird, den man jedoch nur zu gerne zu Ende träumen möchte. Dass DÄMMERFARBEN ihr in die Jahre gekommenes Songmaterial überarbeitet und neu veröffentlicht haben, ist an und für sich ein Segen, sind doch allein schon die unvergleichlich zauberhaften Clean-Gitarren-Passagen Grund genug, dem Album ein aufmerksames Ohr zu schenken. Aufgrund ihrer nicht unwesentlichen Schwächen in puncto Gesang und Rhythmik fehlt es der dritten LP der Band jedoch am nötigen Feinschliff, um DÄMMERFARBEN den Sprung an die Spitze des Folk Black Metal zu ermöglichen.

Dimmu Borgir/Firespawn

  • English Version

    Interviews are usually done during the promotional stage of an album or a tour – and then they centre around these topics. However, albums and shows wouldn’t exist if the interview partners weren’t such enthusiastic instrumentalists. In our series „Saitengespräche“ (pun: „string talks“/“side conversations“) we want to take this into account – with interviews that focus entirely on instruments, amplifiers, effects, and other tech stuff. From gear nerds for gear nerds – and for those who aspire to be.

    In this part of the series we talk to Victor Brandt – live bassist of DIMMU BORGIR, guitarist of FIRESPAWN and ex-bassist of ENTOMBED/ENTOMBED A.D.

    When did you start playing the bass guitar?
    I’m not exactly sure how old I was, but I think I was about twelve. I remember thinking to myself that “maybe I am too old to start learning an instrument if I really want to make it”, which feels crazy to think about now. But I remembered hearing that Morbid Angel’s Trey [Azagthoth] was in his teens when he started playing guitar, so that kind of reassured me that it could work. I’m from a small village with about 800 people living there, and of course no clubs that had shows or even local bands or anything like that. And this was before the internet. But I got really good support from my family, so they got me an instrument, and since there was no distractions, I spent countless hours practicing.

    What made you want to learn bass back then?
    Me and a friend of mine were hanging out and listening to our favorite metal albums, and we started talking about how cool it would be to play music ourselves, to learn guitar or bass. At first it seemed impossible but we could not stop thinking about it. When we got our instruments, we could not put them down and we were obsessed. Good times.

    Did you already learn (or have to learn) another instrument before?
    No, not really. There are really good opportunities for music schools and lessons in Sweden, which I think has a lot to do with why there are so many bands from Sweden.

    Do you remember which model was your first bass?
    Yes, it was a copy of a Fender jazz bass. I actually still have the body, which was quite alright, and I changed the neck to a fretless one and put flatwound strings on it.

    How many basses (and guitars) do you own?
    I’ve got nine basses and three guitars.

    Do the instruments have different uses for you, so do you have different ones for different bands or occasions, like studio, live gigs and holidays?
    Yes, absolutely. In DIMMU BORGIR we are using two different tunings (E & D), so then we need one bass (or guitar) in both tunings, so we can make quick changes live … plus backups for both. I usually use the same basses live as in the studio but I do have options for studio basses.

    What is particularly important to you from a technical point of view, which criteria must an instrument meet for you to be satisfied with it?
    From a technical point of view, good tone – what is “good” tone? Well, it depends on what you like, of course, but I like a bass tone that has good range in tonality, low, mids, and highs, that feels balanced and is of nice quality etc. Furthermore, playability – comfortable to play, balanced, no headstock dives for example; a straight neck, i. e. straight truss rod; and a good string setup and intonation, i. e. it feels good to play and it plays in tune all over the fretboard. Moreover, it has to be sturdy and be able to take the beatings during touring and still deliver all the time. It is extremely important that you trust your instrument when you walk out on stage, so you can focus on the show and not worry about your instrument.

    You often hear about musicians who seem to have a special connection to their instrument. Do you feel the same way? Do you have a favourite instrument?
    Yes, absolutely. I have my Sandberg signature model which is based on their “48 model”. It’s sort of a mix of Thunderbird, Explorer, and a Harley Davidson. Plus it ticks all of my boxes of quality, sound, playability etc. It’s the instrument of my dreams. We put a lot of time and effort into it and it really shows. Check out Sandberg! They are such a mindblowing company. Everything from their skill and experience to the people working there is so amazing. I can not recommend them enough.  Even if my bass is not for you, they have everything you could need and they can make, fix, and arrange anything and everything. Top notch!

    Did you make special modifications to it, or is it a custom model anyway? Can you tell us the technical details here?
    The neck is made of Canadian hardrock maple and bolted onto the body with six screws. The fretboard has 22 frets, is made of ebony, and the neck part is completely black. The scale is 34″. The body is made of alder and black with a special hardcore aged reserve finish. The hardware is by Sandberg. The pickups are a Sandberg blacklabel splitcoil and a Sandberg blacklabel T in special position. The preamp is a Sandberg 3-band black label (active/passive, passive tone control). Also, on my main one we rounded some of the edges of the body, and also Sandberg were supercool with another idea I had. They made the Jazz pickup into an inverted cross. Very cool.

    Is there a model, such as the instrument of a great role model, that you would like to play one day?
    I want to keep playing my signature bass forever.

    Amps are often leased for tours – is that okay with you or do you have your own amp with you? Which model do you play?
    I use Darkglass Electronics Microtubes 900v, 500 and their DG410N cabinets. Absolutely fantastic stuff from an absolutely amazing company. I have been using their pedals for many years and now I am using their amp, too. They make my work easy.

    Besides the instrument and the amplifier, sound effects play an important role in the sound. Do you rely on single pedal mines, a multi-effect board or a combination?
    I use the Darkglass B7K, Klotz DI (Check out Klotz cables, too! We only use Klotx cables in DIMMU BORGIR. Top Notch!), DSM Noisemaker CabSim, Darkglass Compressor, and the Fortin Zuul Noise Gate.

    Let’s go into detail: Please explain the elements of your effect loop. Which devices do you use, in which order and why?
    Wireless → Darkglass Compressor → Fortin Zuul noise gate → Klotz DI box* → Darkglass B7K* → DSM Noisemaker CabSim* → Darkglass Microtubes 900v amp. And a XLR cable for DI to Front of House on the * boxes.

    Mind game: You are only allowed to take one single (!) effect on stage – which one do you choose? Which effect pedal makes up your sound?
    I choose the Darkglass Electronics B7K. I have done tours with that pedal only and it works great. You will have to rely on the PA and monitors, but if they are good, you will be fine.

    Do you have an effect that you use in a completely different way than originally intended, or that you have perhaps even (re)built yourself?
    No, but  there are pedals I haven’t mentioned that you should check out: TC Electronic Eyemaster (HM2 style), Lone Wolf Audio – Left Hand Wrath, Abominable pedals Sunnbather, Magic pedals HM2, Black Arts Toneworks Coven.

    Why do you choose to use the Fortin Zuul Noise Gate?
    It is really, really good and also very light weight, which is very practical. If you like to use a lot of distortion, which I do, it can get a bit noisy sometimes depending on the power supply of the venue etc. It is a nice feeling if there is a noise on soundcheck and someone asks “Where’s that noise coming from?” Well, it’s not me (laughs).

    Is your effect board „finished“ or in constant change?
    The setup I have is very solid and I am super happy with it.

    Finally, do you have any advice for beginning musicians?
    Practice as much as possible, play as many gigs as possible, use earplugs, have fun, and be the sort of person you would like to work and hang out with yourself. Also I have not mentioned DR strings, Klotz Cables, Richter and DSL straps, JHAudio In Ear Monitors, In Tune Guitarpicks, Neural DSP-, Positive Grid and Softube software, and Soundbrenner metronomes. Top notch products and companies that I can not recommend enough! Check them out and keep practicing!

  • Deutsche Version

    Interviews werden in der Regel in der Promophase zu einem Album oder einer Tour geführt – und dann über diese Themen. Doch Alben und Shows gäbe es nicht, wären die Gesprächspartner nicht so begeisterte Instrumentalisten. In unserer Serie „Saitengespräche“ wollen wir dem Rechnung tragen – mit Interviews, die sich ganz um Instrumente, Verstärker, Effekte und andere Technik drehen. Von Gear-Nerds für Gear-Nerds – und solche, die es werden wollen.

    In Teil 2 der Serie unterhalten wir uns mit Victor Brandt – Live-Bassist von DIMMU BORGIR, Gitarrist bei FIRESPAWN und ex-Bassist von ENTOMBED/ENTOMBED A.D.

    Wann hast du angefangen, Bass zu spielen?
    Ich weiß nicht genau, wie alt ich war, aber ich glaube ungefähr zwölf. Ich weiß noch, dass ich damals dachte: „Vielleicht bin ich zu alt, um jetzt noch anzufangen, ein Instrument zu lernen, wenn ich es wirklich schaffen will“, was sich verrückt anfühlt, wenn ich jetzt darüber nachdenke. Aber dann erinnerte ich mich daran, dass ich mal gehört hatte, dass Trey von Morbid Angel auch schon ein Teenager war, als er angefangen hatte, Gitarre zu spielen. Das beruhigte mich irgendwie und zeigte mir, dass es funktionieren könnte. Ich komme aus einem kleinen Dorf mit etwa 800 Einwohnern und natürlich ohne Clubs, in denen es Konzerte, und sei es nur von lokalen Bands, gegeben hätte. Und das war vor dem Internet! Aber meine Familie unterstützte mich stark und besorgte mir ein Instrument. Und da es nichts gab, was mich abgelenkt hätte, verbrachte ich unzählige Stunden mit dem Üben.

    Was hat dich damals dazu gebracht, Bass lernen zu wollen?
    Ich hing damals mit einem Freund rum und wir hörten uns unsere Lieblings-Metal-Alben an. Da redeten wir dann darüber, wie cool es wäre, Gitarre oder Bass zu lernen und selbst Musik zu machen. Zunächst erschien uns das unerreichbar, aber wir bekamen das nicht mehr aus dem Kopf. Als wir unsere Instrumente bekamen, konnten wir sie nicht mehr weglegen … wir waren wie besessen. Das waren gute Zeiten!

    Hast du vorher schon ein anderes Instrument erlernt beziehungsweise erlernen müssen?
    Nein, eigentlich nicht. Es gab in Schweden damals aber wirklich gute Möglichkeiten, was Musikschulen und -unterricht angeht. Das hat meiner Meinung nach viel damit zu tun, dass Schweden so viele Bands hervorgebracht hat.

    Weißt du noch, welches Modell dein erster Bass war?
    Ja, es war eine Kopie des Jazz-Basses von Fender. Den Korpus habe ich tatsächlich noch, der war ganz in Ordnung. Den Hals habe ich gegen einen bundlosen ausgetauscht und Flatwound-Saiten draufgepackt.

    Wie viele Bässe besitzt du heute?
    Neun Bässe und drei Gitarren.

    Haben die Instrumente für dich unterschiedliche Einsatzbereiche, also hast du etwa verschiedene für verschiedene Bands oder Anlässe, etwa Studio, Liveauftritte und den Urlaub?
    Ja, absolut. Bei DIMMU BORGIR verwenden wir zwei verschiedene Stimmungen (E und D), also braucht jeder von uns einen Bass beziehungsweise eine Gitarre in beiden Stimmungen, damit wir live schnell wechseln können – und natürlich für beide jeweils ein Backup. Normalerweise benutze ich live die gleichen Bässe wie im Studio, aber fürs Studio habe ich noch ein paar Optionen.

    Worauf legst du aus technischer Sicht besonderen Wert, welche Kriterien muss ein Instrument für dich erfüllen, damit du damit zufrieden bist?
    Vom technischen Standpunkt aus gesehen: Er muss gut klingen. Was das genau bedeutet, „gut klingen“, hängt natürlich davon ab, was dir gefällt. Ich persönlich mag einen Basston, der einen guten Tonumfang über alle Bereiche hat, Tiefe, Mitten und Höhen, und der ausgewogen klingt. Dann geht es natürlich um die Spielbarkeit: Dass er gut ausbalanciert ist und sich bequem spielt, dass der Hals möglichst gerade ist, also der Halsstab wenig gebogen, dass die Saitenlage und Intonation gut sind, damit es sich gut anfühlt und das Instrument auf dem ganzen Griffbrett in der richtigen Stimmung ist. Und er muss stabil sein und aushalten, wenn er auf Tour auch mal was abbekommt … und eben trotzdem immer funktionieren. Es ist extrem wichtig, dass du deinem Instrument vertraust, wenn du auf die Bühne gehst, damit du dich auf die Show konzentrieren kannst und dir keine Sorgen um dein Instrument machen musst.

    Man hört ja oft von Musikern, die eine spezielle Verbindung zu ihrem Instrument zu haben scheinen. Empfindest du das auch so? Hast du ein Lieblingsinstrument?
    Ja, absolut. Ich habe mein Sandberg-Signature-Modell, das auf deren 48er-Modell basiert. Er ist eine Mischung aus Thunderbird, Explorer und einer Harley Davidson. Außerdem erfüllt er alle meine Ansprüche hinsichtlich Qualität, Klang, Spielbarkeit und so weiter. Er ist das Instrument meiner Träume. Wir haben viel Zeit und Mühe hineingesteckt, und das macht sich wirklich bemerkbar. Checkt Sandberg mal aus! Das ist so ein tolles Unternehmen. Alles dort, von ihrem Können und ihrer Erfahrung bis hin zu den Menschen, die für Sandberg arbeiten, ist einfach großartig. Ich kann sie nicht genug empfehlen. Selbst wenn mein Bass nichts für dich ist – die haben wirklich alles, was du dir wünschen kannst und können alles herstellen, reparieren und hinbekommen. Wirklich erstklassig!

    Kannst du uns die technischen Details zu deinem Custom-Modell nennen?
    Der Hals ist aus kanadischem Ahorn und verschraubt. Das Griffbrett ist aus Ebenholz, ohne Inlays, mit 22 Bünden und langer Mensur (34 Zoll). Der Korpus ist aus Erlenholz und schwarz, mit starkem Vintage-Finish. Dazu Hardware und Pickups von Sandberg: Einmal der Blacklabel Splitcoil und einmal der Blacklabel T ins spezieller Positionierung. Die Klangregelung am Bass erfolgt über das 3-Band-Black-Label-System von Sandberg. Außerdem haben wir einige der Kanten des Korpus abgerundet. Und die von Sandberg fanden eine Idee, die ich hatte, supercool: Sie haben aus dem Jazz-Tonabnehmer ein umgekehrtes Kreuz gemacht. Total cool!

    Gibt es ein Modell, etwa das Instrument eines großen Vorbilds, das du gerne einmal spielen würdest?
    Ich möchte einfach nur für immer meinen Signature-Bass spielen.

    Für Touren werden Verstärker ja oft geleast – ist das für dich in Ordnung oder hast du deinen eigenen Amp dabei? Welches Modell spielst du?
    Ich verwende Darkglass Electronics Microtubes 900v, 500 und ihr DG410N-Cabinet. Absolut fantastisches Zeug von einer wirklich großartigen Firma. Ich benutze schon viele Jahre ihre Fußschalter, jetzt spiele ich auch ihren Verstärker. Sie machen mir die Arbeit leichter.

    Neben dem Instrument und dem Verstärker haben Soundeffekte einen wichtigen Anteil am Klang. Setzt du auf einzelne Tretminen, ein Multieffektboard oder eine Kombination?
    Das Darkglass B7K und eine DI-Box von Klotz (schaut euch auch mal Klotz-Kabel an!). Bei DIMMU BORGIR verwenden wir ausschließlich Klotz-Kabel. Die sind wirklich erstklassig! Dazu einen DSM Noisemaker CabSim, einen Kompressor von Darkglass und das Fortin-Zuul-Noise-Gate.

    Lass uns ins Detail gehen: Erkläre uns doch bitte die Elemente deiner Effektschleife. Welche Geräte nutzt du, in welcher Reihenfolge geschaltet und warum?
    Wireless → Darkglass-Kompressor → Fortin-Zuul-Noise-Gate → Klotz DI-Box → Darkglass B7K → DSM Noisemaker CabSim → Darkglass-Microtubes 900v Amp. Und ein XLR-Kabel von der DI zum Front-of-House-Mischer.

    Gedankenspiel: Du darfst nur einen Einzel(!)effekt mit auf die Bühne nehmen – für welchen entscheidest du dich? Welches Effektpedal macht deinen Sound aus?
    Das Darkglass Electronics B7K. Ich habe ganze Tourneen nur mit diesem einen Pedal gespielt und es funktioniert großartig. Du wirst dich dann natürlich auf die PA und die Monitore verlassen müssen, aber wenn die gut sind, wirst du keine Probleme haben.

    Hast du einen Effekt, den du ganz anders nutzt als eigentlich vorgesehen oder den du vielleicht sogar selbst (um)gebaut hast?
    Nein, aber Pedale, die ich nicht erwähnt habe und die du dir ansehen solltest, sind: TC Electronics Eyemaster (HM2-Style), Lone Wolf Audio – Left Hand Wrath, Abominable Pedals Sunnbather, Magic Pedals HM2, Black Arts Toneworks Coven.

    Warum benutzt du ein Noise-Gate?
    Wenn man gerne viel Verzerrung verwendet, so wie ich, kann es manchmal Störgeräusche geben – je nach Stromversorgung der Location und so weiter. Es ist ein schönes Gefühl, wenn es beim Soundcheck ein solches Störgeräusch gibt und dann jemand fragt: „Woher kommt dieses Geräusch?“ Nun, ich bin es nicht (lacht). Ich nutze wie gesagt das Fortin Zuul, das ist wirklich sehr gut und leicht, was sehr praktisch ist.

    Ist dein Effektboard „fertig“ oder in stetem Wandel?
    Der Aufbau, den ich habe, ist sehr fix und ich bin super zufrieden damit.

    Hast du zum Abschluss noch einen Tipp für angehende Musiker?
    Übe so viel wie möglich, spiele so viele Auftritte wie möglich, benutze Ohrstöpsel, hab‘ Spaß und sei die Art von Person, mit der du selbst gerne arbeiten oder abhängen würdest. Außerdem habe ich DR-Saiten, Richter- und DSL-Gurte, JHAudio In-Ear-Monitor-System, InTune-Gitarrenplektren, Neural DSP-, Positive Grid und Softube-Software sowie Soundbrenner-Metronome noch nicht erwähnt. Das sind alles erstklassige Produkte und Firmen, die ich nicht genug empfehlen kann! Probiert sie mal aus und übt weiter!


    In Teil 3 der Serie kommt Nikita Kaprad (DER WEG EINER FREIHEIT) zu Wort!


    Alle Teile der Serie findest du hier:

Unreqvited – Empathica

Fast wähnt man sich inmitten eines Déjà-vus: Hat UNREQVITED nicht erst vor wenigen Monaten ein Album veröffentlicht? Und ist davor nicht schon einmal eine Platte des Post-Black-Metal-Soloprojekts über Northern Silence Productions erschienen? Beides ist korrekt und sogar miteinander verknüpft. Dass der Musiker hinter der Ein-Mann-Band – ein Kanadier mit dem Pseudonym 鬼 – wie ein Schmetterling von Label zu Label fliegt und zwei Jahre nach „Mosaic I: L’Amour Et L‘Ardeur“ (2018) erneut bei dem deutschen Underground-Label gelandet ist, liegt nämlich schlicht daran, dass UNREQVITED in einem derart aberwitzigen Tempo neue Musik kreiert, dass eine einzelne Plattform davon schnell übersättigt werden würde. Doch auch in stilistischer Hinsicht ergibt es durchaus Sinn, dass „Empathica“ über dasselbe Label erscheint wie das dritte Album des Senkrechtstarters.

Nach dem finsteren, experimentellen und dynamischen „Mosaic II: La Déteste Et La Détresse“ (2020) orientiert sich UNREQVITED auf „Empathica“ zwar wieder vermehrt an dem bombastisch-symphonischen Sound von „Stars Wept To The Sea“ (2018), flößt diesem allerdings eine beträchtliche Portion des träumerischen Post-Rocks von „Mosaic I“ ein. Eingeleitet wird das eine gute Dreiviertelstunde lange Album in „Heart Of The Spectral Mountains“, dem ersten Teil der Titeltrack-Trilogie, unter Einsatz von eindrucksvoller Keyboard-Orchestrierung, die mit ihren Streichern, Bläsern, Trommeln, Chören und Pianonoten problemlos als Soundtrack für einen Film über die auf dem Artwork abgebildete Gebirgskette herhalten könnte.

Schon im darauffolgenden „Everwinter“ setzen die vertrauten, schwebenden Clean-Gitarren ein und schließlich greift UNREQVITED auch wieder zu rauen Distortion-Gitarren und Blast-Beats, zwischen denen sich manchmal heisere, wortlose Screams hindurchkämpfen. Obwohl „Empathica“ im Wesentlichen von den gefühlvollen Leadmelodien und teils tragischen und opulenten, teils etwas zu schwülstigen Keyboards, die seit jeher den charakteristischen Stil des Projekts auszeichnen, getragen wird, begeistert die LP vor allem in den Momenten, in denen 鬼 sich an neue Klangformen heranwagt.

Dass der Einzelkünstler erstmals sanften, klaren Gesang einsetzt, passt hervorragend zu dem flächigen Naturell der Songs, mögen die Clean-Vocals auch einen recht unscheinbaren Eindruck machen. Richtig interessant wird es aber im eher kurzen Zwischenspiel „Snowspirits Of The Arcane“, in dem das unverzerrte Gitarrenspiel zu Beginn noch beunruhigend erscheint, in Kombination mit einer unbeschwert pfeifenden Stimme jedoch alsbald in luftige Höhen aufsteigt. Unglaublich schön sind überdies der sanftmütige Ausklang des anfänglich noch furios tobenden „Crystal Cascade“ und der behütende Closing-Track „Dreamer‘s Hideaway“, in dem UNREQVITED hauptsächlich zartes Piano und an ein Xylophon erinnernde Keyboards einsetzt.

Seine größte Schwäche – die Produktion – hat UNREQVITED hier zwar immer noch nicht überwunden, aber in seiner schieren emotionalen Aufrichtigkeit geht „Empathica“ mindestens genauso nahe wie die letzten beiden Platten des Kanadiers. Dass die Stücke, wie man es von 鬼 mittlerweile gewohnt ist, ein bisschen zu kantig und zugleich platt klingen, lässt sich dank der kreativen Kompositionen und der mitreißenden Dichotomie von bodenloser Verzweiflung und hoffnungsvollem Sehnen, die den Songs innewohnt, ohne viel Nachsicht verschmerzen. Letztlich hat UNREQVITED es mit seinem fünften Album ein weiteres Mal auf beeindruckende Weise geschafft, den schwierigen Balanceakt zwischen der Erhaltung der eigenen musikalischen Essenz und dem Streben nach neuen Formen des Ausdrucks zu meistern.

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Triptykon mit Video zu „Rex Irae“

TRIPTYKON veröffentlichen heute das Live-Paket „Requiem (Live At Roadburn 2019)“ und passend dazu gibt es einen Clip zu „Rex Irae“. Bandkopf Tom G. Warrior kommentiert das Album so:

„Dieses Album ist das Ergebnis von zwei Jahren leidenschaftlicher Arbeit und es markiert den Abschuss einer musikalischen Idee, die zum ersten Mal vor mehr als drei Jahrzehnten aufkam. Außerdem repräsentiert dieses „Requiem“ auch die erste Aufnahmen unseres Drummers Hannes Grossmann mit TRIPTYKON und wir sind sehr stolz, ihn in solch einem außergewöhnliche Kontext zu zeigen. Wir veröffentlichen dieses „Requiem“-Album in Gedenken an unsere Freunde und Kollaborateure Martin Eric Ain und HR Giger, die wir sehr vermissen.“

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