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August Burns Red – Phantom Anthem

Seit 2005 gab es in jedem ungeraden Kalenderjahr ein neues Album von AUGUST BURNS RED. 2017 ist das nicht anders. „Phantom Anthem“ heißt der neueste Sprössling der US-Amerikaner … und fräst sich einmal mehr mit einer Fantastillion abgefahrener Gitarrenleads bei wie immer durchschlagender Produktion in jede Gehirnwindung. Trotzdem legen AUGUST BURNS RED weiterhin viel Wert darauf, mit melodischen Interludes das Tempo zu drosseln oder Songs mit halbakustischen, nur leicht verzerrten oder mit dezenten Effekten versehenen Gitarren einzuleiten.

Am Stärksten sind die Amis immer noch, wenn sie bedingungsloses Drauflosprügeln mit hymnenhaften Refrains kombinieren und Spielereien aller Art zurückfahren: Am Besten funktioniert das in „Float“, das mit brachialen Gitarrenwänden, einem hymnischen Chorus und unendlich viel Ohrwurmpotenzial über den Hörer herfällt, und „Quake“, in dem eher temporeich losgelegt und erst nach 45 Sekunden zum ersten Breakdown angesetzt wird. „Coordinates“ hat seine größten Momente dagegen eher im Mittelteil, in dem sich die Gitarristen ein Geschwindigkeits-Duell mit Angeber-Leads liefern, die in einen heftigeren Part mit intensivem Drumming münden. Großartig sind dabei alle diese Tracks. Überzeugend ist auch der zweite Song des Albums, „Hero Of The Half-Truth“, mit seinem coolen Tremolo-Picking, der darüber hinaus auch durch melancholische Parts und unheimliche Variabilität besticht. Einzig das extrem hektische „Invisible Enemy“ und der Opener „King Of Sorrow“ mit erstaunlich inkonsequentem Songwriting schlagen als kleinere Schwächemomente zugute.

Wenn man etwas an „Phantom Anthem“ kritisieren wollte, könnte man anführen, dass AUGUST BURNS RED erneut wenig bis keine Veränderungen vorgenommen haben und – überspitzt gesagt – seit 2009 sechs Alben mit identischem Sound und lediglich unterschiedlichen Songs veröffentlicht haben. Da die Band jedoch auf einem außerordentlich hohen Niveau „stagniert“, und in dem vorgegebenen Rahmen trotz allem immer wieder nicht nur zu überraschen, sondern eine Masse an zündenden Momenten, Ohrwürmern und coolen Ideen beim Songwriting zu kreieren weiß, kann man diesen Kritikpunkt auch getrost beiseite lassen.

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Veil Of Maya – False Idol

Nach zwei Jahren erheben sich die Chicagoer VEIL OF MAYA mit ihrem sechsten Studioalbum „False Idol“, um ihren Deathcore mit Djent-Einflüssen erneut unters Volk zu mischen. Seit ihrer ersten Veröffentlichung steht die Band bei Sumerian Records unter Vertrag, das hat sich auch mit dem neuesten Output nicht verändert. „False Idol“ erzählt die düstere Geschichte aus der Sicht eines eher unangenehmen Charakters, den man umgangssprachlich wohl mit einigen unschönen Obszönitäten betiteln würde.

So wird bereits der Opener „Fracture“ dem technischen Deathcore-Djent-Gefrickel durchaus gerecht. Dann setzt unerwartend Klargesang ein, der dem vorher wuchtigen Klang fast vollständig den Wind aus den Segeln nimmt. Damit ist auch gleich ein deutlicher Schwachpunkt des Albums genannt: Diese klaren Gesangslinien klingen beliebig austauschbar und nach jeder x-beliebigen Post-Hardcore-Formation. Zudem machen sie die ansonsten düstere Atmosphäre fast vollständig zunichte. Denn gerade die wummernden Drums und die progressive Saitenfraktion mit ihren aberwitzigen Momenten bilden eigentlich ein höchst gelungenes Konstrukt für die ebenfalls vorhandenen Growls.

„Overthrow“ oder „Whistleblower“ spielen beispielsweise über weite Strecken die Stärken des Möglichen aus: Starke Stimmbandarbeit in Shout- und Growl-Form, ein Schlagzeug mit mannigfaltigen Taktwechseln und Gitarren, die sich ob ihrer Verrücktheit nicht verstecken müssen. Am besten funktioniert „Tyrant“, das zwar kurz und knackig ist, aber ohne jeglichen Klimbim auskommt. Leider sind diese Momente in den meisten Songs nur aufkeimendes Stückwerk, das von der deutliche kommerziellen Ausrichtung überlagert wird. Die schlimmsten Momente entstehen auf diese Weise im wehklagenden „Citadel“ und dem überflüssigen „Livestream“.

Die softe Herangehensweise gepaart mit der brachialen Seite möchte in diesem Fall nicht so recht zusammenpassen. Mit einem tieferen Eintauchen in die vertrackten Klangwelten des Djent und Progressive Metal in Kombination mit der rohen Deathcore-Seite hätten VEIL OF MAYA eine Chance nutzen können, die sie aber ungenutzt verstreichen lassen. Die cleanen Vocals sind zwar nicht immer schwülstig, sondern bisweilen auch kraftvoll – dennoch stören sie das Gesamtbild von „False Idol“ in massiver Weise. Bitte nächstes mal die Handbremse lösen und das kitschige Klischee-Gesäusel ablegen, dafür eine Schippe Aggression drauflegen.

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Nasty – Realigion

Meinen Kollegen Pascal Stieler konnten NASTY mit dem letzten Longplayer „Shokka“ durchaus zufrieden stellen. Er attestierte ihnen außerdem eine „coole Attitüde“ und „eigenständigen Sound“. Zwei Jahre später legt die belgische Band also den Nachfolger „Realigion“ vor, der auf einige Gastmusiker setzt und erst einmal in die recht großen Fußstapfen seines direkten Vorgängers treten muss. Vorhang auf für die sechste Runde Beatdown-Geballer des Quartetts aus Kelmis.

Allerdings muss vorweg gesagt werden, dass das Artwork einen ersten ernüchternden Eindruck entstehen lässt. Der Titel „Realigion“, inklusive stilisiertem Anarcho-Zeichen, hätte viel Raum für Kreativität gelassen. Zumindest mehr als vier mehr oder weniger cool posierende Musiker auf einem Sofa in einem ansonsten leeren Raum mit dekorativem Dielenboden.

Der zweite enttäuschende Faktor ist die Laufzeit von nur rund 28 Minuten. Daraus entstehen einige logischerweise kurze Titel um die zwei Minuten oder sogar darunter. „Rock Bottom“ ist ein namhaftes Beispiel dafür, dass diese Herangehensweise zwar nett ist – aber in diesem Fall auch nicht mehr. Der Titel endet abrupt dann, wenn er gerade im Begriff ist anständig Fahrt aufzunehmen. Neben den üblichen brutal-stumpfen Screams kommen auch Gangshouts zum Einsatz („Forgiveness“, „Realigion“).

NASTYs Musik funktioniert in den längeren Songs eindeutig besser, das beweist u.a. „At War With Love“ mit seinen wiederkehrenden Taktwechseln und ausreichend Platz für Breakdowns, die genug Raum für die pure Energie der Musiker bieten. Wiederholt werden auch schräg klingende Gitarrenmomente eingebunden, die das Gesamtbild aufwerten und einen positiven Earcatcher darstellen. Die Produktion offenbart ebenfalls dezente Schwachstellen: Stellenweise sind die Vocals auffällig nach hinten gerückt oder sie verschwimmen im Soundbrei massiver Gitarrenwände und kraftvollem Drumming.

Für den nächsten wilden Moshpit ist auch dieses Release von NASTY mehr als nur geeignet. Trotzdem ist „Realigion“ ein zweischneidiges Schwert, das zwar durch seine Taktwechsel und vor allem die Gitarrenarbeit überzeugen kann, dennoch wirken einige der kürzeren Titel wie unausgearbeitetes Stückwerk, dem der letzte Schliff zu fehlen scheint. Das ist deshalb schade, weil gerade die Songs über drei Minuten Spieldauer die Möglichkeiten des Quartetts umfangreicher auszuschöpfen scheinen.  NASTY sind auf „Realigion“ ebenso gesichtslos wie viele ihrer Genre-Kollegen und bieten größtenteils Beatdown-Ware von der Stange.

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Threat Signal – Disconnect

Groove Metal, Progressive Metal, Industrial Metal, Metalcore – es gibt wohl nur wenige Genres, an die sich THREAT SIGNAL im Lauf ihres musikalischen Werdegangs noch nicht herangetastet haben. Nachdem man geschlagene sechs Jahre auf den Nachfolger ihres selbstbetitelten Albums warten musste, was gewiss auch dem Weggang von Nuclear Blast und den Veränderungen im Line-Up geschuldet ist, verspricht „Disconnect“ nun jedoch, ihre bisher vielfältigste Platte zu werden. Anstatt sich ein bestimmtes Ziel zu setzen, haben die Kanadier nämlich einfach drauflosgeschrieben und ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Dabei sind zehn Nummern herausgekommen, die den markanten Stil des Quartetts fortführen, aber auch einige Überraschungen bereithalten.

Bereits der Opener „Elimination Process“ beginnt für die Band äußerst untypisch mit gefühlvollen Clean-Gitarren, die auch einige der Folgetracks verschönern, und Jon Howards trübsinnigem Klargesang, der immer noch eine verblüffende Ähnlichkeit zu Chester Bennington aufweist. Dann kommen THREAT SIGNAL jedoch bald wieder zu sich und legen richtig los. Gehetzte Gitarren, eine Wagenladung Breakdowns, ebenso rasantes Drumming und wütende, durchaus variable Screams zeigen, wo es lang geht. Auch packende Leadmelodien („Walking Alone“), gewitzte Soli und hintergründige Keyboards, die dem Material etwas mehr tiefe verleihen, sind eine feste Konstante im Verlauf von „Disconnect“.

In den Refrains der überwiegend treibenden Songs drosseln THREAT SIGNAL oft das Tempo, um in den getragenen Passagen die Cleans in den Vordergrund zu rücken („Falling Apart“). Ebenjene wirken in Verbindung mit den Texten bisweilen etwas zu pathetisch, sind aber in puncto Dynamik gelungen in Szene gesetzt. Insbesondere auf der überraschenden, trostlosen Akustikballade „Betrayal“ kann man den klagenden Vocals doch noch einiges abgewinnen. Dass sich THREAT SIGNAL öfters mit stumpfen, modernen Groove-Riffs und abgehackten Breakdowns begnügen, ist ebenfalls nach wie vor ein kleiner Störfaktor, der aber keineswegs in einem Mangel an Abwechslung resultiert.

Ganz im Gegenteil, bei dem vierten Full-Length der Groove-Metalcoreler handelt es sich nämlich sogar eindeutig um ihre bisher facettenreichste Veröffentlichung. Das zeigt sich allein schon an der umfangreicheren Struktur der Kompositionen. Der Rausschmeißer „Terminal Madness“ schafft es immerhin sogar auf zehn Minuten, steigert sich und ebbt immer wieder stimmig ab und endet mit einer sehr schönen Pianoeinlage. Obwohl THREAT SIGNAL demnach um einiges anspruchsvoller geworden sind, gehen die meisten Nummern recht schnell ins Ohr – wenn auch keine davon ein durchgängiger Überhit wie „Through My Eyes“ ist.

„Disconnect“ ist gewiss kein Album, das ohne Kritik davonkommt. Die Cleans klingen beispielsweise übertrieben jammernd und die Gitarrenarbeit ist oft unnötig grobschlächtig, gerade wenn man sich vor Augen führt, was die Band technisch eigentlich auf dem Kasten hätte. Dennoch ist die Entwicklung, die THREAT SIGNAL in den letzten Jahren offenbar durchlaufen haben, eine feine Sache. Davon abgesehen, dass die Keyboards ruhig eine Spur präsenter sein dürften, gibt es beim Songwriting nun viel mehr zu entdecken, ohne dass die Kanadier dabei an metallischem Biss verloren hätten. Die Fans sollten mit diesem knapp einstündigen, lange erwarteten Comeback auf alle Fälle gut versorgt sein. Hoffen wir, dass die Jungs auch in Zukunft weiter an sich arbeiten werden.

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Aversions Crown – Xenocide

Wer an Metal mit Alien-Thematik denkt, dem wird wahrscheinlich schnell die schwedische Death-Metal-Legende Hypocrisy einfallen. Doch auch Australien beherbergt mit AVERSIONS CROWN eine solche Band, die diese Vorliebe für dystopische Alieninvasionen teilt. Mit „Xenocide“ hat die Deathcore-Formation Anfang 2017 ihr drittes Album veröffentlicht.

Dass man es hier nicht mit gewöhnlichem Genre-Brei zu tun hat, wird bereits beim ersten Song „Prismatic Abyss“ deutlich. Mit dem Black Metal entlehnten Akkordkompositionen prügelt sich die Truppe meist auf sehr hohen Geschwindigkeiten durch elf Stücke, die mit etwas im Deathcore eher weniger üblichem arbeiten: Melodien! Zwischen typischem Core-Riffing und stampfenden Breakdowns nutzen die Musiker nämlich genau dieses Stilmittel, um eine fast schon betörende, bedrohliche Atmosphäre zu erschaffen. Das funktioniert auch überwiegend problemlos, auch wenn diese Melodien weniger eine Ohrwurm- als eine stimmungsformende Funktion erfüllen, weshalb sie teilweise auch schwer auseinanderzuhalten sind. Das verhilft der Scheibe einerseits ein konstant hohes Niveau zu halten, lässt andererseits dann aber stellenweise auch etwas Abwechslung vermissen, wenn man auch nach drei Durchläufen die Hälfte der Songs immer noch nicht auseinanderhalten kann.

Dennoch finden sich auf „Xenocide“ auch einige Songs mit starkem Hitpotential. Das eingängige „Erebus“ etwa feuert nach einem Noise-Intro das wohl beste und charakteristischste Riff des Albums auf den Hörer ab und punktet mit einem starken Refrain. Die fetzigen Salven in „Cynical Entity“ und dem Abschlusssong „Odium“ sind nicht minder beeindruckend in ihrer hochqualitativen Ausführung. Überhaupt ist die Musik immer dann am stärksten, wenn AVERSIONS CROWN markante, melodiöse Death-Metal-Riffs in Blastbeat-Gewittern auf den Hörer niederprasseln lassen und sie mit sphärischen, mystischen Melodien umspielen, die auch im Midtempo und ruhigeren Abschnitten ihre Wirkung entfalten.

Eher weniger gelungen sind dagegen die abgenutzten Klischeeelemente wie Breakdowns und monotone Riffs, bei denen sich seit Existenz des Deathcore-Genres der Irrtum fortpflanzt, das würde besonders hart und aggressiv klingen. Doch selbst die Breakdowns werden von den Australiern bisweilen mit geheimnisvollen Melodien und Riffs veredelt, sodass wirkliche Langeweile höchstens in übertrieben breitgetretenen Songs wie „Cycles Of Haruspex“ oder „Hybridization“ auftritt. Die für das Genre übliche, inzwischen für einen kommerziellen Erfolg fast schon essenzielle Überproduktion samt totgetriggerten Drums kann man dabei durchaus kritisieren, stört aber insgesamt gar nicht so sehr, wie man es erwarten würde.

Wer in der Wartezeit auf das nächste Born-Of-Osiris-Album endlich mal wieder einen richtig kreativen, eigenständigen Beitrag aus dem Deathcore-Sektor hören möchte, der nicht nur für eingefleischte Verehrer dieses Genres interessant ist, dem sei „Xenocide“ von AVERSIONS CROWN dringend ans Herz gelegt. Zwar schafft die Band es auch hier nicht, sämtliche Klischees zu umschiffen, die belanglosen Momente halten sich aber tatsächlich in Grenzen und lassen den gelungenen Ideen ausreichend Platz, damit diese die Platte letztlich überaus hörenswert machen können.

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Slaughter To Prevail – Misery Sermon

SLAUGHTER TO PREVAIL ist eine Deathcore-Band, die auch als Russian Hate Crew bekannt ist. Nach der EP „Chapters Of Misery“ im Gründungsjahr und der, mit dem Vertrag bei Sumerian Records verbundenen, Neuauflage inkl. abgeändertem Artwork und Bonus-Titel im Jahr 2016, legen die Musiker nun das Debüt „Misery Sermon“ vor. Als Haupteinflüsse gibt Frontmann Alex Suicide Silence, Bring Me The Horizon und Carnifex an.

Vorab sollte nicht unerwähnt bleiben, dass ebendieser sich im Jahr 2015 mit Vorwürfen konfrontiert sah, er würde sich im politisch rechten Spektrum bewegen. Als Gründe dafür wurden u.a. angeführt, dass er eine schwarze Sonne am Ellbogen tätowiert hat, er rechte Künstler aus Russland unterstützt habe und sich in Kleidung von Thor Steinar oder White Rex gezeigt habe. Die Band veröffentlichte in der Folge ein Statement ihres Fronters: „I want to make clear that neither me nor the band and our crew support and/or tolerate any type of Nazism, racism or fascism. Love music, fight racism.“ Zumindest die Texte betreffend finden sich keine Hinweise auf eine tatsächlich rechte Gesinnung, die SLAUGHTER TO PREVAIL mit ihrer Musik in die Welt tragen. Ob jetzt Unwissenheit oder Naivität die Grundlage für diese Vorwürfe war, sei einmal dahin gestellt. Fakt ist, dass besagte Artikel nicht mehr als vage Verdachtsmomente bieten, die für den Boykott einer aufstrebenden Band unserer Meinung nach nicht aussagekräftig genug waren.

Der eröffnende Titelsong bietet im Intro eine unterkühlte Black-Metal-Atmosphäre mit Doublebass-Einsatz, bevor der eigentliche Deathcore brutal durchschlägt. Zwischen die düster-brachialen Riffwände und todesmetall-lastigen Gesang mischen sich wiederholt melodische Gitarrensequenzen, Black-Metal-angehauchte Screams, Gangshouts und auch dezent aufblitzende Keyboard-Untermalung. Im weiteren Verlauf rumpeln sich SLAUGHTER TO PREVAIL in garstiger Weise durch die knapp 45 Minuten Musik, die „Misery Sermon“ in sich vereint. Auch die genre-typischen Breakdowns dürfen da natürlich nicht fehlen, werden aber glücklicherweise nicht überstrapaziert. Zwar verlaufen die Songs dadurch auch mit fortlaufender Spieldauer in einer Art Gleichförmigkeit, was für Deathcore-Bands aber auch nicht zwingend unüblich ist. Ein besonderes Merkmal der Titel ist, dass zwischen die vorrangig englischsprachigen Texte auch wiederholt russische Zeilen eingeworfen werden. Den Abschluss des Albums bilden das starke „Malice Of Rites“, das verspielte Instrumental „Below“ und das hasserfüllte „Cultural Ills“. Gerade diese drei Titel zeigen, welche Stärken in dieser noch jungen russischen Band schlummern, da sie auch einige neue Stilmittel einbinden und kleinere Experimente wagen.

Im Grunde ist SLAUGHTER TO PREVAIL mit „Misery Sermon“ ein lupenreines Deathcore-Album gelungen, dass nur minimal in die Richtung anderer Genres, beispielsweise Hardcore oder Black Metal, schielt. Zwar fehlt ihnen zu den Vorbildern (früherer) Suicide Silence etwas die Power und zu Bring Me The Horizon der Sinn für ausgeflippte Kompositionen, dennoch ist „Misery Sermon“ ein solides Debüt-Werk, das im Kreis der Deathcore-Jünger seine Anhänger finden wird. Beim nächsten Versuch dann bitte etwas mehr Mut zu schnelleren Passagen und eigenwilligeren Songaufbauten, dann kann es auch über den Genrerand für Metal-Fans richtig interessant werden.

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Obey The Brave: Tour mit Stray From The Path

Im Herbst werden OBEY THE BRAVE als Ersatz für Wolf Down mit Stray From The Path, Capsize und Renounced Teil der „Only Death Is Real“-Tour sein. Folgende deutsche Städte wird das Vierergespann rocken:

13.10.17 Stuttgart, Club Cann
14.10.17 Nürnberg, Hirsch
17.10.17 München, Feierwerk
21.10.17 Berlin, Cassiopeia
22.10.17 Hamburg, Logo
28.10.17 Hannover, Bei Chez Heinz
29.10.17 Oberhausen, Kulttempel

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Oceano – Revelation

Gerade im Deathcore-Sektor ist es nicht zwingend einfach, sich aus dem gebotenen Einheitsbrei abzuheben. Dies liegt zum einen daran, dass die Hochzeit des Genres bereits rund zehn Jahre zurückliegt. Andererseits haben sich Vorreiter wie Bring Me The Horizon oder Suicide Silence unlängst von dem typischen Klangbild abgewendet. OCEANO hingegen bleiben ihrem Stil auch im elften Karrierejahr treu und servieren so ihr fünftes Studioalbum „Revelation“.

Das macht schon mit dem Einstiegstitel „Dark Prophecy“ klar, wohin die Reise gehen soll: Gurgelndes Growling legt sich über massive Gitarrenklänge und wuchtige Drums. Das Grundkonzept ist klar, geht auch meistens auf, wenn man von einigen holprigen Stellen wie in „Lucid Reality“ absieht. Wirklich interessant wird die Musik von OCEANO aber erst durch den Einsatz von Elementen fernab des Metalcore und Death Metal. So verlangsamen die Musiker des Öfteren das Tempo, um intensive Doom-Metal-Riffs auf den Hörer abzufeuern. Außerdem setzen sie auf Synthesizer-Untermalung, die den Songs nicht nur einen leicht psychedelischen, sondern auch düsteren Touch verabreicht. Der Band aus Chicago hat das sowieso schon brachiale und finstere Klangbild wohl nicht ausgereicht. Adam Warrens Organ lässt dabei wenige Wünsche offen, denn er versteht es, sein Handwerk zwischen tiefen Growls und Screams ohne große Durchhänger abzuarbeiten.

Noch mehr Respekt verdient aber Schlagzeuger Andrew Holzbaur, der teilweise versteckt im aufgeblasenen Sound vertrackte Rhythmen und große Momente spielt, die einem nur beim genauen Hinhören wirklich auffallen, beispielsweise in „The Great Tribulation“. Die Musik von OCEANO ist aber nicht nur aufgepumpt, sondern auch technisch versiert. Die angegebenen Haupteinflüsse Behemoth und The Acacia Strain sind also durchaus treffend gewählt. Ein weiterer erfrischender Punkt ist, dass die US-Amerikaner nicht immer dem gängigen Strophe-Bridge-Refrain-Schema folgen und damit erreichen, dass man als Hörer nicht gelangweilt abschweift. Von Kritik bleibt „Revelation“ aber dennoch nicht verschont, denn auffälllig ist, dass sich vor allem in die Songs um drei Minuten Spieldauer teilweise Längen einschleichen, die gerade bei dieser Kürze mehr als nur unnötig erscheinen und vor allem durch die Gleichförmigkeit der Titel zu begründen sind.

„Revelation“ erfreut sicherlich die Fans von OCEANO, da sie gewohnte Kost geliefert bekommen. Die-Hard-Fans des Deathcore werden sowieso frohlocken, dass sie noch (fast) lupenreine Bands des Genres zu hören bekommen. Dennoch hat dieser fünfte Longplayer kleinere Schwächen, die sich vor allem in gleichbleibenden Strukturen äußern. Mit dem Einsatz von Synthesizer und dezenten Doom-Anleihen können die Musiker aber auch ein bisschen davon wieder gut machen. Kein schlechtes Album also, aber auch keine leichte Kost. Die klarere Trennung von elektronischen Elementen und der brutalen Core-Seite hätte dieses Release nochmal deutlich aufgewertet.

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