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Rockavaria 2018 (Sonntag)

Der „Rock-Tag“ des ROCKAVARIA 2018 stand bereits im Vorfeld unter keinem guten Stern: Aus gesundheitlichen Gründen mussten DIE TOTEN HOSEN ihre Headlinershow zwei Tage vor dem Event absagen. Doch mag es auch viele Gründe für Kritik an der Veranstaltung gegeben haben – das Kompensationsangebot für den Ausfall ist vorbildlich: Tagestickets können gegen Erstattung des vollen Preises zurückgegeben werden, wer mit Tagesticket trotzdem kommt, bekommt 30 € und zwei Getränkegutscheine. Zwei-Tages-Ticket-Besitzer können wahlweise daheim bleiben und sich 72,50 € retournieren lassen oder für 30 € Rabatt den um den Headliner beschnittenen Festival-Tag mitnehmen.

Von dem Rückgabeangebot scheinen nicht wenige Fans gebraucht gemacht zu haben – zum Glück, möchte man fast sagen. Sonst wäre das Chaos am Einlass wohl ähnlich fatal ausgefallen wie am Vortag.


>> Lies hier den Bericht von Tag 1 …


Denn während auf dem Gelände bei strahlendem Sonnenschein DRUNKEN SWALLOWS spielen, wird auf Seiten der Veranstalter ernsthaft diskutiert, ob das ROCKAVARIA wegen einer ominösen Unwetterwarnung abgebrochen werden muss. So weit kommt es dann natürlich nicht – die vollkommen überzogene Vorsicht sorgt allerdings einmal mehr für massiven Verzögerungen am Einlass: Eine gute Stunde lang werden nämlich keine Fans mehr auf das Gelände gelassen. (MG)

Eine halbe Stunde verspätet starten dann auch TURBOBIER ihren Auftritt. Die Wiener Punk-Rocker treffen mit mehr oder weniger elaborierten Texten wie „A Fuaßboiplotz ohne Bier, is wie a Heisl ohne Tia, Is wie a Schwimmbad ohne Wasser, Is wie a Nonne ohne Kloster“ (aus: „Fuaßboiplatz“) sicherlich nicht jedermanns Geschmack, bieten aber zumindest Feierpotential speziell für all diejenigen, die dem reichlichen Alkoholgenuss am frühen Sonntagnachmittag nicht abgeneigt sind. Songs wie „Verliebt in einen Kiwara“ oder „Der Albtraum jeder Schwiegermutter“ werden sicher nicht wegen ihrer Komplexität oder Tiefgründigkeit in die Analen eingehen, doch für ein bisschen Spaß zum Auftauen ist der charmant präsentierte Austro-Import für einige Festivalgäste durchaus geeignet. (SM)

THERAPY? auf der Greenstage starten ebenfalls mit einer guten halben Stunde Verspätung in ihr knapp einstündiges Set. Was die dennoch schon recht zahlreichen Fans hinter der Glyptothek geboten bekommen, ist allerdings eine Medaille mit zwei Seiten: Auf der einen sind da vier Herren in gesetzterem Alter, die mächtig Spaß daran haben, auf der Bühne zu stehen und dem Publikum einzuheizen. Auf der anderen Seite ist das musikalische Niveau (zum Sound der Greenstage braucht man wohl keine weiteren Worte verlieren), das THERAPY? zu bieten haben, offen gestanden mäßig. Vor allem Fronter Andy Cairns enttäuscht einmal mehr stimmlich auf ganzer Linie: Für so schiefen Gesang ist selbst diese Bühne noch zu groß. Ihrem Status werden die Nordiren heute jedenfalls trotz hohem Sympathiewert nicht gerecht. (MG)

Wenn die „Heavy Metal Marching Band“ BLAAS OF GLORY, die an beiden Tagen auf dem Gelände unterwegs ist, so etwas wie einen Status hat, dann bestenfalls den des Nervtöters: Was bei den Wacken Firefighters vor 18 Jahren noch witzig war, ist auf dem ROCKAVARIA spätestens beim fünften Durchlauf von Europes „Final Countdown“ in der Blaskapellen-Version nur noch peinlich.

Direkt vom Greenfield kommen DOG EAT DOG zum Rockavaria. Seit 1991 sind die US-amerikanischen Crossover-Musiker aus New Jersey mit ihrer Mischung aus Punk, Metal und Hip Hop unterwegs, mit aktuellen Veröffentlichungen halten sie sich aber seit vielen Jahren zurück. In Sachen stilübergreifende Arrangements zählen DOG EAT DOG sicherlich zu den Pionieren und auch in München geben sich die sechs Musiker große Mühe, mit Songs wie „ISMS“, „Rocky“ oder „No Front“ mehr als nur ihre Fans in den ersten Reihen zu begeistern. So richtig gelingen will das nicht, doch die Jungs sind lange genug im Geschäft, um sich davon nichts anmerken zu lassen. Insofern ziehen sie ihre Show bis zum Ende routiniert durch und lassen zumindest all jene, für die DOG EAT DOG ein Grund zum Ticketkauf gewesen ist, diese Entscheidung nicht bereuen. (SM)

Nichts weniger als eine Rock-Legende steht derweil auf der Greenstage: Seit 1976 sind ROSE TATTOO aktiv – und entsprechend ihrem Koryphäenstatus aus der Hard-Rock-Szene nicht wegzudenken. Im Mittelpunkt der Show steht – wie könnte es auch anders sein – Fronter und einziges verbliebenes Gründungsmitglied Gary „Angry“ Anderson, der mit seiner markanten, bluesigen Stimme, die so gar nicht zu dem zierlichen Männlein passen will, zu begeistern weiß. Zwar ist musikalisch nach zwei bis drei Songs alles gesagt – an hochwertiger Rockmusik hört man sich trotzdem nicht so schnell satt, so dass der Auftritt auch über eine Stunde hinweg unterhaltsam bleibt. Vor allem als Hintergrundmusik zu einer gediegenen Unterhaltung im Schatten eignet sich die Show bestens – was allerdings weniger an ROSE TATTOO denn an der für ein Festival immernoch lächerlich geringen Lautstärke liegt. (MG)

So etwas wie die Lokalmatadore des ROCKAVARIA 2018 sind die EMIL BULLS: Vor 23 Jahren in München gegründet, erfreuen sich die Alternative-Metaller nach wie vor großer Beliebtheit – nicht nur beim heimischen Publikum. Doch wie schon bei den anderen Shows des Tages zu beobachten, schlägt sich die merklich geringere Zuschauerzahl am heutigen, zweiten ROCKAVARIA-Tag auch auf das Interesse an der Show der BULLS nieder: Während sich die Fans direkt vor der Bühne über Hits wie „The Jaws Of Oblivion“ oder „The Age Of Revolution“ vom nach wie vor aktuellen Album „Sacrifice To Venus“ freuen und über die Ansagen von Fronter Christoph von Freydorf lachen können, herrscht hinter dem Wellenbrecher beim spärlich, vor allem in den Schattenzonen sitzenden Publikum eher Desinteresse am Auftritt des Quintetts vor. (MG)

Das kann bei ROYAL REPUBLIC hingegen wahrlich niemand behaupten. Im Gegensatz zu allen Bands auf der Hauptbühne nebenan erspielen sich die Schweden ihr Publikum: Durch erstklassige Songs gepaart mit viel Charisma gewinnen die ROYALS schließlich den gesamten Platz für sich. Was mit „When I See You Dance With Another“ oder auch „Underwear“ aus den Anfangsjahren verhältnismäßig unspektakulär beginnt, steigert sich spätestens nach dem ersten Drittel zu einer fulminanten Rockshow. Sänger und Sprachrohr Adam brilliert sowohl mit seiner wandelbaren Stimme als auch mit seinem Charme. Nur einmal erntet er kurze Buh-Rufe, als er von einem Freund berichtet, der ihm ein Rezept gegeben hat, um 3000 Münchner gegen sich aufzubringen, und anschließend kurz die FC-Bayern-Hymne „Stern des Südens“ anstimmt. Wie dick die Eier der ROYALS wirklich sind, beweisen sie wenig später mit einem erstklassigen Cover von Iron Maidens „Fear Of The Dark“ und einem Remake des The-Police-Klassikers „Roxanne“, gesungen von Schlagzeuger Per, mit Adam an der Gitarre und Gitarrist Hannes am Schlagzeug. Nach Metallicas „Battery“ wildern ROYAL REPUBLIC wieder in ihren eigenen Gefilden und krönen ihre Supershow mit „Full Steam Spacemachine“ sowie zwei lautstark eingeforderten Zugaben, nach denen Adam am Mikro noch einige warme Worte für das Publikum und Campino findet. Der Vorverkauf für die nächste Show der Schweden in München dürfte von diesem Auftritt spürbar profitieren. (SM)

Wie die Jungfrau zum Kinde kommen die DONOTS durch die Absage der Toten Hosen an den Slot des Co-Headliners des zweiten ROCKAVARIA-Tages. Am „Füllstand“ des Geländes hat sich nicht mehr viel geändert: Der Königsplatz (Fassungsvermögen: 22.000 Fans) ist bestenfalls zu einem Drittel gefüllt. Wie schon bei den Emil Bulls finden sich aktiv am Konzert teilnehmende Fans ausschließlich vor dem zweiten Wellenbrecher – dahinter wird höchstens halbherzig mit- oft aber auch im Schatten eingenickt. Das hindert die Alternative-Rocker aus Ibbenbüren allerdings nicht daran, vorne mächtig auf die Tube zu drücken: Da wird „Opelgang“ von den Hosen gecovert, der Twisted-Sisters-Klassiker „We’re not gonna take it“ spontan zur Anti-Nazi-Hymne umdeklariert und zu „Alles muss kaputt sein“ ein riesiger Circlepit um den ins Publikum hinabgestiegenen Sänger Ingo angezettelt, der im Tumult eines seiner In-Ears verliert. Nach fast anderthalb Stunden gibt es mit dem im Original mit Frank Turner aufgenommenen „So Long“ noch einen würdigen Abschluss. Zumindest Alternative-Rocker mit einem Herz für Punk kommen hier auf ihre Kosten – vielleicht ein kleiner Trost für den schmerzlichen Ausfall des Headliners. (MG)

Wie schmerzlich dieser vermisst wird, zeigt sich ab 21:30 Uhr, als LIMP BIZKIT in der ihnen zwangsläufig zugefallenen Funktion als Headliner des ROCKAVARIA 2018 die Bühne betreten. Was mit „Hot Dog“ und dem Klassiker „Rollin'“ nebst kollektiver Ekstase im ersten Wellenbrecher vielversprechend beginnt, verwandelt sich schnell in eine lieblos hingerotzte Cover-Party im Mash-Up-Mixtape-Style, für den die Jungs um Fred Durst bekannt sind und von ihren Hardcore-Fans auch immer noch gefeiert werden. Viele Nostalgiker müssen aber schnell erkennen, dass die großen Jahre der Band längst vorbei sind: Die Urväter des Nu Metal setzen bei der Songauswahl mehr auf Skits und Samples von DJ Lethal als auf vollständige Versionen ihrer eigenen Songs. Den Vogel schießen LIMP BIZKIT aber mit ihren Cover-Versionen von „Killing In The Name Of“ und „Smells Like Teen Spirit“ ab. Während ersteres – genau wie das eigene „Eat You Alive“ – beinahe unendlich gestreckt wird, ist die Hommage an Nirvana ein ganz böser Griff ins Klo. So dümpelt der Auftritt, bei dem Fred Durst mal die erste Reihe, mal seine riesige Entourage an Groupies am Bühnenrand besucht, irgendwann nur noch vor sich hin. Bei „Nookie“ überrascht Fred Durst noch einmal positiv, indem er Julia aus dem Publikum als Duettpartnerin auf die Bühne holt, und bei den verbliebenen Klassikern „Break Stuff“ und „Take A Look Around“ schalten LIMP BIZKIT tatsächlich noch einmal in den Eskalationsmodus der ersten Minuten hoch: Borland robbt sich in seinem schwarzen Anzug gitarrespielenderweise auf dem Rücken über die Bühne, ehe er das legendäre Riff des Mission-Impossible-Soundtracks anstimmt. Ohne weitere Zugabe endet der zweite Tag des ROCKAVARIA so mit einem unter dem Strich unwürdigen Headliner, der seine 80 Minuten Spielzeit nicht einmal zur Hälfte netto mit eigenem Material zu füllen vermochte. (SM)

Setlist LIMP BIZKIT

  1. Hot Dog
  2. Thieves (Ministry-Cover)
  3. Rollin‘ (Air Raid Vehicle)
  4. Faith (Georg-Michael-Cover)
  5. My Generation
  6. Livin‘ It Up
  7. Eat You Alive
  8. Smells Like Teen Spirit (Nirvana-Cover)
  9. My Way
  10. Re-Arranged
  11. Killing In The Name (Rage-Against-The-Machine-Cover)
  12. Nookie
  13. Break Stuff
  14. Take A Look Around


Auch sonst bleibt der Konzerttag blass: Sieht man von Royal Republic ab, die mit ihrer packenden Show klar den Tagessieg einfahren konnten, bekommen die Besucher auf dem zur Primetime bestenfalls zu einem Drittel gefüllten Königsplatz nur wenig Eindrucksvolles geboten. Zwar macht der unerwartete Ausfall des gebuchten Headliners eine faire Bewertung des zweiten ROCKAVARIA-Tages fast unmöglich – aber auch für die nach Abzug der Rückerstattung verbliebenen 60 € ist die Ausbeute an bleibenden Eindrücken mager. Addiert man die neuerlich mäßige Organisation, die vom Einlass bis zur Toilettensituation Probleme bereitet, kann am Ende auch Tag zwei nicht überzeugen. 

Das ROCKAVARIA 2018 geht damit als die definitiv schwächste seiner bislang drei Ausgaben in die Geschichte einschlicht und ergreifend, weil in diesem Jahr die Fans erstmals die Misswirtschaft der Veranstalter direkt zu spüren bekommen. Billing, Location, Organisation: 2018 wurde wo immer möglich brutal gespart. Die finanzielle Bilanz der Veranstaltung mag das für dieses Mal noch gerettet habenden Ruf des ROCKAVARIA sicher nicht.

Doch gerade bei den absolut loyalen Fans im Rock- und Metal könnte sich so wenig Respekt vor dem zahlenden Gast schneller rächen als jede rote Zahl in der Abrechnung. Man darf gespannt sein, wie es mit dem ROCKAVARIA weitergeht.


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Desert Mountain Tribe – Om Parvat Mystery

Zwei Jahre nach ihrem interessanten Debüt „Either That Or The Moon“ veröffentlicht das britische Trio DESERT MOUNTAIN TRIBE den zweiten Streich namens „Om Parvat Mystery“. Darin verarbeiten sie verschiedenste Einflüsse, die sie auf ihrer Tour um die Welt entdeckt haben. Für die Arbeiten am Longplayer haben sie sich für mehrere Wochen auf die Färöer-Inseln zurückgezogen. Das betreffende Haus ist auf dem Album-Cover vor einer Himalaya-Kulisse zu sehen. Als Produzent konnte James Aparicio gewonnen werden, der bereits mit Moby, Depeche Mode oder Frank Turner gearbeitet hat.

Ein Wechsel ergab sich während der Arbeiten am Schlagzeug: Felix Jahn ist auf allen Songs außer „World“ zu hören, der bereits vom mittlerweile festen Bandmitglied Frank van der Ploeg eingespielt wurde. Das macht aber nicht einen sonderlich großen Unterschied: Beide Schlagzeuger binden sich gut in das psychedelisch angehauchte Grundkonstrukt der Band ein. Vor allem am Gesang ist das festzumachen, der mit viel Hall ein sehr spaciges Gefühl vermittelt und sich positiv hervorhebt.

Aber auch Alternative Rock oder Indie-Elemente finden sich zuhauf in der Musik von DESERT MOUNTAIN TRIBE wieder. Gelegentlich kommt so ein Gefühl der 90er-Jahre an Truppen wie bspw. Fury In The Slaughterhouse auf („Wide Awake“) oder dezente Querverweise an isländischen Post-Rock werden in Szene gesetzt („World“). Das Highlight ist aber das weitgehend instrumentale „Himalaya“, dass ein sehr erdiger Rocker ist und mit dem klangmalerischen Gesang von Najma Akthar einen Buddha-Bar-verdächtigen Akzent setzt.

Entschleunigt und stets mit einem positiven Gefühl kommen die neuen Songs von DESERT MOUNTAIN TRIBE auf „Om Parvat Mystery“ daher. Ganz so mysteriös wie der Titel ist die Musik schlussendlich nicht geworden, aber die einsamen Tage auf den Färöer-Inseln haben dem Endprodukt hörbar Tiefgang verliehen. Auch die nordisch-unterkühlte Seite drängt sich dadurch weiter in den Vordergrund. Insgesamt gehen sie den Weg des Debüts weiter, konnten aber hier und da an Feinheiten Verbesserungen vornehmen und haben deshalb einen Schritt nach vorne in ihrem Schaffen erarbeitet. Zurücklehnen und genießen ist die Devise.

Madsen: Neues Video

Bevor im Juli ihr neues Album „Lichtjahre“ erscheint, versorgen MADSEN ihre Fans erstmal noch mit einem neuen Song inklusive Video.

Seht euch „Kapitän“ hier an:

Monster Truck mit neuem Album und neuem Song

Die kanadischen Rocker von MONSTER TRUCK werden am 14.09.2018 ihr neues Album „True Rockers“ veröffentlichen. Als prominenten Gast konnte die Band dafür niemand anderen als Dee Snider gewinnen.

Mit „Evolution“ gibt es auch schon den ersten Track aus der Scheibe zu hören:

Lizzy Borden: Neues Video zu „Long May They Haunt Us“

Der bei Metal Blade Records unter Vertrag stehende LIZZY BORDEN wird am 15.6. er nach elf Jahren wieder ein Album veröffentlichen. „My Midnight Things“ erscheint über Metal Blade Records, und die längere Sendepause scheint der Freude des Mannes am Rocken und Schocken nicht geschadet zu haben. „Wir waren ja die ganze Zeit über weltweit auf Tour, aber ich habe das Aufnehmen im Studio vermisst. Für mich ist die neue Scheibe ein Neubeginn, ich habe sozusagen die Reset-Taste meiner Karriere gedrückt„, sagt Borden.

Ab sofort gibt es ein Musik-Video zu „Long May They Haunt Us‘ zu sehen, das ihr euch unten ansehen könnt: 

Es handelt von all denjenigen, die nicht mehr unter uns weilen, an die wir aber täglich denken. Sie verfolgen uns mit mehr als nur Erinnerungen, aber wir hoffen dennoch, dass dieses Gefühl nie weggeht.“ Das Video wurde von David Brodsky gedreht.

 

 

The Sediment Club – Stucco Thieves

Eine Dekade nach der Gründung präsentieren THE SEDIMENT CLUB aus New York City ihr neues Album „Stucco Thieves“, dass mit insgesamt neun Songs bestückt wurde. Die Titel erzählen eine Reihe von menschlichen Pleiten-Geschichten aus der Post-Pax-Americana-Perspektive. Die Inhalte reichen von Grausamkeit bis hin zum Slapstick. Musikalisch siedelt sich die Band irgendwo zwischen Indie, Alternative Rock und Punk an.

Mit dem einleitenden Interlude „Half Fool Dub“ präsentiert die Band eine wirr anmutende Klangcollage, die mit stark britisch geprägtem Indie-Sprechgesang überlagert wird. Man fühlt sich auch an sperrigen Noise Rock erinnert, was im weiteren Verlauf wiederholt deutlich wird („BMP MAP“, „Stucco Thieves“). Starke Präsenz zeigt in jedem Song der Bass, der auch als melodiegebendes Instrument herhalten darf („Cobalt Ruin“). Wenn man denn von Melodie sprechen kann, denn „Stucco Thieves“ ist ein durch und durch verschrobener Longplayer geworden, der diverse Einschübe fernab des Mainstream miteinander verbindet. Neben dem bereits erwähnten Noise Rock sind Elemente des Punk, Indie Rock, aber auch Screamo und dezenter Reggae-Einfluss hörbar. Gelegentlich fühlt man sich an die Outputs des Schweizers Bonaparte alias Tobias Jundt erinnert, allerdings ohne den Wiedererkennungswert von Hits wie „Too Much“ oder „Anti Anti“ auch nur ansatzweise zu erreichen.

THE SEDIMENT CLUB haben mit „Stucco Thieves“ ein Album geschaffen, dass wirklich jegliche gängigen Musikgrenzen zu sprengen scheint und genau deshalb an dieselbigen stößt. Zu langatmig sind die knapp 20 Minuten gestaltet, zu sperrig die vielen wahllos aneinander gereihten Ideen verarbeitet. Der oftmals schräge Gesang erschwert das Hören der neun Titel dazu vehement. Diese Lebenszeit kann man definitiv besser und gehaltvoller verstreichen lassen.

Flat Earth mit erster Single

Nachdem Niclas Etelävuori im Frühjahr 2017 Amorphis verließ, gründete er kurz darauf die Band FLAT EARTH.

„Eigentlich wollte ich, nach zwanzig Jahren Band-Leben, den Musikkram hinter mir lassen. Aber dann fiel mir ein, dass auf meiner Festplatte immer noch ungenutzte Songs sind, und die wollte ich nicht einfach liegen lassen. Dann überkam es mich eben wieder.“

Nun veröffentlichen die Jungs mit „Blame“ ihre erste Single vom kommenden Album „Flat Earth“:

Spiral Skies – Blues For A Dying Planet

Nachdem zu Beginn der Retro-Rock-Welle gefühlt jede zweite Band schamlos den Sound der 70er kopiert hat und das Ganze dann als das nächste große Ding verkaufen wollte, hat sich in den letzten Jahren die Spreu vom Weizen getrennt. Bands wie Kadavar, Blues Pills oder Blood Ceremony konnten sich vollkommen zu Recht etablieren und legen seitdem ein starkes Album nach dem Anderen vor. Junge, frische und vor allem überzeugende neue Bands dieses Genres findet man dagegen immer seltener. Dies soll sich aber nun mit dem Debüt von SPIRAL SKIES ändern. Die Schweden veröffentlichen dieser Tage ihren Erstling „Blues For A Dying Planet“ via Art Of Propaganda Records und diese Scheibe ist eine wahre Offenbarung!

Wobei das Label Retro-Rock im Falle von SPIRAL SKIES zu kurz greift. Die Band verarbeitet Einflüsse aus den Bereichen Doom, Proto-Metal, Folk und Psychedelic und ist damit nicht nur für Fans der 70er interessant. Vor allem in Sachen Härte überrascht „Blues For A Dying Planet“ gleich mit dem ersten Song „Awakening“. Ein schweres Riff eröffnet den Track und lässt dadurch eher an das Album einer frühen Metalband denken. Auch das folgende „The Dark Side Of The Cross“ oder das mit einem spannenden Break versehene „Labyrinth Of The Mind“ wissen mit einer ordentlichen Portion Härte und knackiger Riffs zu überzeugen.

Doch SPIRAL SKIES können nicht nur hart, sondern auch episch und gefühlvoll. „Danse Macabre“ und „Shattered“ Hopes“ sind Paradebeispiele für packende und emotionale Rock-Songs. Neben der überzeugenden Instrumentalfraktion ist vor allem Sängerin Frida Eurenius für solch große Momente verantwortlich. Die Frontfrau ist eine Meisterin ihres Fachs und beherrscht sowohl kraftvollen als auch zerbrechlichen Gesang. Stellenweise erinnert ihre Darbietung in Kombination mit dem Musik gar an die okkulte Stimmung von The Devil’s Blood.

SPIRAL SKIES ist mit „Blues For A Dying Planet“ ein mehr als nur überzeugendes Debüt gelungen. Lediglich die letzten beiden Songs können nicht ganz das Niveau der restlichen Platte halten, wobei das Kritik auf höchstem Niveau ist. Ansonsten überzeugen sowohl das Songwriting, als auch die Performance und die Produktion der Platte. Fans von abwechslungsreichem und gerne auch mal etwas härteren Rock sollten hier definitiv zuschlagen.