Archives

Moscow Death Brigade – Bad Accent Anthems

(Hip-Hop / Hardcore Punk / Elektro) Da sind sie wieder, die Erfinder des „Circle Pit Hip Hop“ – MOSCOW DEATH BRIGADE. Nach wie vor maskiert, mit dem Finger in den gesellschaftlichen Wunden und ohne sich selbst ganz ernst zu nehmen –  wie bereits der Titel ihrer dritten Platte „Bad Accent Anthems“ deutlich macht -, schicken sich die Russen an, Bühnen und Herzen zu erobern.

Dabei muss zunächst angemerkt werden, dass sich die Mitglieder von MOSCOW DEATH BRIGADE nicht nur aus Spaß an der Freude hinter Sturm- und Krokodilsmasken verstecken, sondern auch um ihre Identität zu schützen. Denn mit ihren sozial- und gesellschaftskritischen Texten spielt die Band in ihrer Heimat durchaus mit ihrer Freiheit.
MOSCOW DEATH BRIGADE bieten auch auf ihrem dritten Album einen wilden Stilmix, der sich immer hart an der Grenze zum Trash bewegt – mal auf der einen, mal auf der anderen Seite. So wird auf „Bad Accent Anthems“ vornehmlich Hardcore und Hip Hop der Neunziger miteinander vermischt, wobei auch Elektro-Elemente nicht zu kurz kommen. Zusätzlich gib es immer wieder Einflüsse aus Drum and Bass (im Stile von Pendulums „In Silico“), trashigem Neunziger-EDM („Feed The Crocodiles“, „Never Walk Alone“), Trance und jeder Menge Punk-Attitüde.
Attitüde ist dabei auf „Bad Accent Anthems“ das absolute Stichwort: Hier wird Musik geboten, die zum Fühlen gemacht wurde. Hier soll nicht groß analysiert werden, hier soll die Eskalation gefördert werden. So kann man sich problemlos vorstellen, wie zu Songs wie „Out The Basement“, „Whack-A-Mole“ oder „Break The Mold“ Menschen in kleinen verschwitzten Clubs ausrasten.
Denn die Mischung aus rebellischer Haltung, roher Power, Testosteron, Aggression und Adrenalin sorgt sicher nicht für musikalische Finesse und innovatives Songwriting. Allerdings zwingen die Songs auf „Bad Accent Anthems“ einen zum Headbangen, Tanzen und Die-Faust-in-die-Luft-Recken – was will man mit ausgeschaltetem Hirn mehr? Exemplarisch zeigen sich die Stärken von MOSCOW DEATH BRIGADE dabei auf „Shy Kidz 2020“: ein simpler Song, punkige Attitüde, treibender Elektro-Beat und tighter Flow, wobei die Vocals immer wieder an Hardcore-Shouting erinnern – einfach aber effektiv.

Mit ihrem dritten Album bleiben MOSCOW DEATH BRIGADE sich treu und veröffentlichen erneut eine wilde Mischung aus Hardcore, Hip Hop und Elektro. Diese treibt ohne Ende, animiert zur Bewegung und macht schlicht und ergreifend Spaß. Dabei nimmt sich die Truppe auf „Bad Accent Anthems“ selbst nicht zu ernst und versprüht ganz nebenbei ein unheimlich sympathisches Osteuropa-Flair, das Fans dieses Teils der Erde zusätzliche Freude bereiten dürfte. Hirn aus, Musik an und dann wird eskaliert.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Zeal & Ardor: Neue EP und zwei neue Songs

Das schweizer Black Metal/Gospel-Projekt ZEAL & ARDOR um Manuel Gagneux hat zwei neue Songs veröffentlicht und eine sechs Songs starke EP namens „Wake Of A Nation“ angekündigt. Thematisch dreht sich der Release um die Black-Lives-Matter-Bewegung und die Polizeigewalt in den USA. In einem Statement erklärt Gagneux den Hintergrund der EP:

„Frederik Pohl sagte einmal:
„Es ist und bleibt meine Überzeugung, dass eine Geschichte für sich selbst sprechen muss und dass alle Worte, die ein Schriftsteller ihr hinzufügt, nachdem er sie zu Ende erzählt hat, eine Ausrede, eine Lüge oder ein Fehler sind.“

Ich stimme zwar zu, fühle mich aber gezwungen, für dieses EP eine Ausnahme zu machen.

Die Absicht und der Kontext von „Wake Of A Nation“ sollten offensichtlich sein. Ich lasse in meiner Musik gerne Unklarheiten und Interpretationsspielräumen. Dies ist hier nicht der Fall. Diese 6 Lieder sind eine Kurzschlussreaktion auf das, was meinen Mitmenschen in den letzten Monaten passiert ist. Ursprünglich wollte ich ein Album aufnehmen, das nächstes Jahr erscheinen sollte. Da diese Lieder aufgrund der schrecklichen Ereignisse, die sie hervorgebracht haben, geschrieben wurden, beschloss ich, sie so bald wie möglich zu veröffentlichen. Da ich das reiche Erbe und die Kultur als Teil meiner musikalischen Identität benutzte, fühlte es sich wie Feigheit an, tatenlos zuzusehen und meiner Routine nachzugehen als wäre nichts passiert.

Diese Platte ist für Michael Brown, Eric Garner, George Floyd und die zahllosen unsäglichen und namenlosen Toten.
Sie ist für die tapferen Seelen, die bereit sind, Stellung zu beziehen und ihr eigenes Wohlergehen zu riskieren, damit das Wohlergehen anderer intakt bleibt.

Alle Einnahmen aus dem Verkauf und dem Streaming von „I Can’t Breathe“ werden gespendet.

Bleibt wachsam; bleibt laut“

Den Song „Vigil“ könnt ihr euch hier anhören. Eine zweite Single namens „I Can’t Breathe“ ist ebenfalls auf allen gängigen Streamingdiensten verfügbar.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

 

Slægt auf Tour mit Demon Head

Die dänischen Heavy-Black-Metaller von SLÆGT haben angekündigt, dass sie im Frühjahr 2021 gemeinsam mit Demon Head auf Tour gehen werden. Die gemeinsame Reise wird unter dem Banner „Nine Black Torches“ in der Zeit vom 01.04.2021 bis 18.04.2021 stattfinden.

In einem gemeinsamen Statement heißt es: „Friends of capacity and dark interests: We of Demon Head and Slægt have now agreed on the dates for a European tour next spring. This is something we have talked about for a long while, and with Demon Head releasing a new record next year, it seems the time is ripe… Interested parties get in touch. We can’t wait to meet old and new friends again. FOREVER FORWARD!“

Metallica – S&M 2

Es begab sich also zu der Zeit, dass die größte Metalband der Welt auszog, um etwas Neues zu versuchen. Mit einem Orchester wollte man spielen, rund 100 großartige Instrumentalisten und eine Band, die in ihren jungen Jahren als „Alcoholica“ berühmt-berüchtigt waren. Das in Zusammenarbeit mit Komponist Michael Kamen erarbeitete Werk „S&M“ – Abkürzung für „Symphony & Metallica“ – paarte einige der größten METALLICA-Hits mit orchestralen Arrangements und begeisterte nicht nur die eingefleischten Jünger der Band.

20 Jahre später schickte sich die Geschichte nun an, sich zu wiederholen. Als feierliche Eröffnung des Chase Centers in San Francisco kamen das San Francisco Symphony Orchestra und METALLICA erneut zusammen, um die Lieder der Band darzubieten. Quasi ein Best-of mit Orchesterbegleitung zum Geburtstag des Originals – sinnvollerweise „S&M 2“ betitelt.

Doch in den zwei Dekaden zwischen den beiden Megaevents hat sich einiges verändert. Der Vater der Idee, Michael Kamen, erlag bereits 2003 einem Herzinfarkt und konnte somit leider nicht mehr Teil des Ganzen sein. Ebenso wenig konnte dies Jason Newsted, der METALLICA 2001 verließ und 2003 durch Robert Trujillo ersetzt wurde.
Zudem veröffentlichten METALLICA in der Zeit seit „S&M“ mit „St. Anger“, „Death Magnetic“ und „Hardwired…To Self-Destruct“ drei Alben, die bei der Neuauflage der Verschmelzung von Klassik und (Thrash) Metal berücksichtigt werden mussten.
Die daraus resultierende Setlist enthält neben den beiden als Intro fungierenden Instrumentals „The Ecstasy Of Gold“ sowie „The Call Of Ktulu“ und dem sogleich folgenden epischen Klassiker „For Whom The Bell Tolls“ noch acht weitere der ursprünglich auf „S&M“ enthaltenen Tracks. Fünf davon stehen – gemäß dem weit verbreiteten Konzert-Motto „Das Beste kommt zum Schluss“ – ganz am Ende der Setlist. Kein Wunder, denn „Wherever I May Roam“, „One“, „Master Of Puppets“, „Nothing Else Matters“ und „Enter Sandman“ gehören schlicht zu den größten Tracks, die METALLICA je geschrieben haben. Mitten im Set berücksichtigt das Quartett mit „The Memory Remains“ und „The Outlaw Torn“ auch ihre „Load“/“ReLoad“-Schaffensphase und führt mit „No Leaf Clover“ zudem ein Stück auf, das für das erste Orchesteralbum geschrieben wurde.

Letzten Endes wartet „S&M 2“ (abzüglich der beiden Intros auf den Positionen 13 und 15 und der dazwischen liegenden, nur vom Orchester gespielten Skythischen Suite) mit acht Tracks auf, bei denen das Zusammenspiel zwischen METALLICA und dem Symphonieorchester neu ist und auch dementsprechend neu geschaffen bzw. geschrieben werden musste. Und hier zeigt sich auch der größte Unterschied von „S&M 2“ zu seinem Vorgänger. Denn wo bei der ersten Auflage das Orchester primär unterstützend und um die Band herum agierte, sind die beiden Parteien hier vielmehr ein großes Ganzes und agieren miteinander, ergänzen sich und geben sich gegenseitig Raum. Zudem wurden diesmal Songs ausgewählt, die sich für eine Ergänzung bzw. Erweiterung durch das Orchester organisch anbieten – etwas, wofür „S&M“ zu Recht kritisiert worden war.

Darüber hinaus gibt es einige Momente, die von wirklich erhabener Qualität sind und zeigen, dass METALLICA eben doch mehr sind als „nur“ eine Metalband – auch wenn sie gerade für diesen Anspruch von vielen Menschen aus der Metalszene verachtet werden. Doch wer „(Anesthesia) Pulling Teeth“ – das Tribut für Cliff Burton, das Scott Pingel (Bassist des Orchesters) mit elektrischem Bass und Effekten spielt – ohne Gefühlsregung übersteht, dem fehlt einfach ein Stück Menschlichkeit. Das gilt auch für „The Unforgiven III“, das James Hetfield nur mit Orchesterbegeleitung und allein auf der Bühne sitzend vortägt. Zudem ist das, was der gute Mann abliefert, nicht nur ein wundervolles Tribut, sondern auch große Kunst. Das gilt ebenso für die zwei klassischen Stücke, bei denen METALLICA diejenigen sind, die etwas zum Orchester beisteuern. „Scythian Suite, Opus 20 II: The Enemy God And The Dance Of The Dark Spirits“ und „Intro To The Iron Foundry“ sind fantastische Werke, die sich mit ihren Dissonanzen und vertrackten Arrangements hervorragend für eine Verbindung von Klassik und Metal anbieten.

Die Aufzeichnung des Konzerts besticht durch einen tollen Sound, bei dem vor allem der Bass immer wieder punktuell mit richtig viel Kraft pumpt. Zudem ist es gelungen, den Sound zwar kraftvoll zu gestalten, dabei aber nicht auf Differenziertheit zu verzichten, sodass sowohl Orchester als auch METALLICA sauber zu hören sind und auch die Feinheiten der Lieder zur Geltung kommen.

So ist „S&M 2“ letztlich genau das geworden, was es zu sein verspricht. Es ist eine organische Kollaboration zwischen der unbestreitbar größten Metalband aller Zeiten (egal, was man von ihrer Musik hält) und einem Symphonieorchester, die besser nicht hätte gestaltet und gespielt werden können. Bild und Ton sind bestechend, die Fans sind aufgepeitscht und das überträgt sich auf sämtliche Akteure auf der Bühne, wie das breite Grinsen auf den Gesichtern der Orchestermusiker unterstreicht. So ist METALLICA einmal mehr eine Veröffentlichung gelungen, die nicht nur Metalfans ansprechen dürfte und die erneut die Messlatte für die Kooperation mit einem Orchester ganz hoch legt. Großartig.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

The Devil’s Trade – The Call Of The Iron Peak

(Singer/Songwriter, Post-Metal) Erst 2018 hatte der ungarische Singer/Songwriter Dávid Makó mit seinem Projekt THE DEVIL’S TRADE über das kleine, aber exquisite Label Golden Antenna Records einen Fuß in die Tür des internationalen Marktes gebracht – und schon geht es Schlag auf Schlag: Season Of Mist nahm den krähenbegeisterten Künstler unter seine Fittiche, das Roadburn hätte den Solokünstler mit seinem Banjo 2020 gerne aufspielen lassen und auch eine Tour war geplant. Während die Livepläne von der Corona-Pandemie durchkreuzt wurden, hat zumindest ein Plan Bestand: der Releaseplan von Season Of Mist. Für den 28. August dieses krisengeschüttelten Jahres hält dieser ein neues Album von THE DEVIL’S TRADE bereit: „The Call Of The Iron Peak“.

War der Vorgänger „What Happened To The Little Blind Crow“ in Sachen Sound etwas kantiger, ist der Sound das Erste, was an Dávid Makós neuem Werk auffällt: Alles wirkt etwas besser aufeinander abgestimmt. Allerdings verliert das Banjo bei generell reduziertem Spielanteil auch seine Prägnanz: Der scheppernde, blecherne Klang, der das letzte Album ausgemacht hat, ist einem weichen, dichteren und vor allem von Gitarre und Bassgitarre geprägten Gesamtsound gewichen. Auch das andere Extrem – die doomigen Riffs – und die sich aus der Kombination ergebenden Kontraste finden sich auf „The Call Of The Iron Peak“ so nicht mehr: Zwar unterstützen auch noch gelegentlich Overdrive-Gitarren das Gesamtklangbild („Eyes In The Fire“), jedoch zu keiner Zeit als prägendes Element.

Hat man die Überraschung über diesen Wandel erst überwunden, findet man auf „The Call Of The Iron Peak“ nach wie vor viele Trademarks von THE DEVIL’S TRADE wieder – gedankenverloren wirkende Zupfmuster, den so kraftvollen wie melancholischen Gesang von Makó und natürlich auch das Banjo –, jedoch mehr auf stimmiges Zusammenwirken getrimmt: Von drei Interludes abgesehen, die sich recht unauffällig, aber angenehm „entzerrend“ in den Albumfluss einfügen, unterscheidet sich der Charakter der einzelnen Songs nicht mehr so deutlich. Einzelne Momente stechen dadurch seltener heraus, das große Ganze wirkt hingegen umso schlüssiger.

Wie schon „What Happened To The Little Blind Crow“ ist auch „The Call Of The Iron Peak“ ein Album zum Seele-baumeln- und Gedanken-schweifen-lassen. Das funktioniert umso besser, als das Werk klanglich wie musikalisch kohärenter und runder klingt als der Vorgänger. Kritisch gesehen ist die Musik von THE DEVIL’S TRADE durch diesen Feinschliff aber auch etwas alltäglicher geworden. Wenngleich definitiv beide Alben ihren Platz im Schrank verdient haben, war der Vorgänger mit all seinen Ecken und Kanten fraglos das vielseitigere Album.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Völur / Amber Asylum – Breaker Of Ringer / Blood Witch (Split)

(Experimental / Folk / Doom Metal) Als Release-Format führt die Split bedauerlicherweise ein tristes Schattendasein. Dabei ist sie an sich ein interessantes Mittel, um die stilistischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zweier oder mehrerer Bands zu ergründen. VÖLUR und AMBER ASYLUM verbindet beispielsweise ihr Hang zu unkonventionellen Arrangements und eines ihrer Kerninstrumente – die Geige. Davon abgesehen liegen die beiden Folk-Projekte klanglich jedoch weit auseinander. Während VÖLUR im Wesentlichen Doom Metal ohne E-Gitarren spielen, ist der Ansatz, den AMBER ASYLUM verfolgen, eher neoklassischer Natur. Ihre gemeinsame Veröffentlichung „Breaker Of Rings / Blood Witch“ macht vor diesem Hintergrund schon vorweg neugierig.

Den Anfang machen VÖLUR mit dem viergeteilten Track „Breaker Of Rings“, der ursprünglich bereits für ihr letztes Album „Ancestors“ (2017) geschrieben wurde. Dass die Kanadier das Stück, das inhaltlich von der Niflung-Saga der Edda inspiriert wurde, zerlegt haben, ergibt durchaus Sinn. Obwohl die vier Nummern kompositorisch wie aus einem Guss sind, erscheinen sie fast wie einzelne Kapitel einer zusammenhängenden Erzählung.

Nach einem recht minimalistischen, bedrückenden Intro kommen auf „Breaker Of Rings II“ nach und nach beschwörende Gesänge und stampfende Drums hinzu, während die Geige einen greifbareren und zugleich mysteriöseren Ton annimmt. Der beunruhigende dritte Teil geht schließlich in das zehnminütige „Breaker Of Rings IV“ über. In diesem verknüpfen VÖLUR unheimlich gehauchte Growls mit verhängnisvollen Geigen-Leads und sich mühsam dahinschleppenden Rhythmen, ehe der Song in einer verstörenden Noise-Kakophonie sein Ende findet.

Im Anschluss erzählen AMBER ASYLUM auf ihrem Teil der Split die schaurige Geschichte eines Dahinsiechenden, der nach dem Stich eines Moskitos – der metaphorischen „Bluthexe“ – dem Delirium verfällt. Dieses makabre Textkonzept vertont das amerikanische Ensemble in Form von vier experimentellen Musikstücken, die mitunter das bis dato eindringlichste Material der Band beinhalten.

Über beängstigend scharrende Streicher, auf subtilem Wege durch die Songs geisternde Synthesizer („Séance“) und beunruhigende Geräusch-Samples („Swarm Interlude“) beschwören AMBER ASYLUM eine geradezu unwirklich verzerrte Atmosphäre herauf, die die Thematik kaum besser einfangen könnte. Lediglich im elf Minuten langen Kernstück „Blood Witch“ fasst Mastermind Kris Force die Geschichte in Worte und singt immer und immer wieder dieselbe gefährlich verlockende Melodie, während die langgezogenen, schiefen Streicher den perfekten Soundtrack zu einem grauenvollen Fiebertraum abgeben.

Auf „Breaker Of Rings / Blood Witch“ haben VÖLUR und AMBER ASYLUM die Möglichkeiten, die sich einem durch das Split-Format eröffnen, auf die bestmögliche Weise genutzt. Zwischen dem archaischen Stil von VÖLUR und den obskuren Klangcollagen von AMBER ASYLUM bestehen gerade so viele Schnittpunkte und Unterschiede, dass das Zusammenwirken der beiden Projekte weder allzu vorhersehbar noch völlig abwegig wirkt. Indem die beiden Bands für den gemeinsamen Release nicht einfach nur zweitklassiges Bonusmaterial zusammengekratzt, sondern ihre Kreativität vollkommen ausgereizt haben, ist ihnen ein fantastisches Album gelungen, auf das kein Bewunderer von bahnbrechender Folk-Musik verzichten sollte.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Mosaic mit neuem Video

Das deutsche Ambient-/Folk-/Black-Metal-Projekt MOSAIC hat einen neuen Clip zum Song „Birken, Tannen, Löwenzahn“ veröffentlicht. Das Stück stammt von der Split „Songs Of Origin And Spirit“, die MOSAIC zusammen mit Fellwarden, Osi And The Jupiter und By The Spirits digital herausgebracht hat.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Ofdrykkja – Gryningsvisor

(Black Metal / Folk) Es steckt eine bedauerliche Ironie in dem Titel, den OFDRYKKJA für ihr 2017 veröffentlichtes, zweites Album gewählt haben. „Irrfärd“ („Irrfahrt“) war nämlich nicht bloß eine musikalische Aufarbeitung einiger tragischer Erlebnisse der Bandmitglieder, sondern auch ein enttäuschend zielloses, unnötig langgezogenes Depressive-Black-Metal-Album. Auf jede noch so finstere Nacht folgt jedoch bekanntlich ein neuer Tag und OFDRYKKJA scheinen ihrer einstigen Dämonen in der Zwischenzeit endlich Herr geworden zu seien. „Gryningsvisor“ („Balladen bei Morgenröte“) markiert für das schwedische Trio folglich einen bedeutsamen Neuanfang. Bleibt also nur noch zu hoffen, dass sich die Band auf Album Nummer drei auch in künstlerischer Hinsicht selbst gefunden hat.

Dass emotionale Wunden nicht einfach spurlos verschwinden, sondern Narben hinterlassen, schlägt sich auch auf „Gryningsvisor“ nieder. OFDRYKKJA drücken hier zwar nicht mehr die verzweifelte Ausweglosigkeit ihrer Frühwerke, wohl aber eine tiefsitzende Melancholie aus. Hierfür haben die Schweden ihren Fokus von DSBM in Richtung Folk verschoben. Beschränkten sich die Akustik-Elemente auf „Irrfärd“ noch auf ein paar kurze Einsprengsel, so sind sie hier zu einem Kernmerkmal der Musik herangewachsen.

Anstatt das Album mit überlangen, erdrückenden Black-Metal-Nummern zuzupflastern, teilen OFDRYKKJA sich vermehrt über kurze, wehmütige und naturromantische Lieder mit und erinnern dabei hin und wieder an Empyrium („Ensam“). Gerade in diesen Momenten der Sanftmut gelingt es OFDRYKKJA am besten, ihre Hörer emotional für sich zu gewinnen – insbesondere mit ihrer bescheiden arrangierten, von Gastsängerin Miranda Samuelsson mit zarter Stimme vorgetragenen Version des schwedischen Volkslieds „Herr Mannelig“. Auch die gemäßigteren Metal-Anteile ergeben in diesem Kontext ein stimmiges Bild. Die eher gehauchten Screams passen zu dem andächtigen Grundton der Platte und auf „The Swan“ erschaffen OFDRYKKJA mit trüben, verschwommenen Gitarrenleads eine eindrückliche Atmosphäre.

Um die Überbleibsel ihrer schwarzmetallischen Vergangenheit ist es hingegen weitaus schlechter bestellt. Die stark verzerrten Riffs und das geradlinige, überwiegend in getragenem Tempo gespielte Schlagzeug sind selbst in den wenigen schwungvolleren Passagen derart kraftlos produziert, dass sie praktisch keinerlei Zweck erfüllen („Wither“). Zweifellos hätten OFDRYKKJA besser daran getan, schlichtweg komplett auf derlei Stilmittel zu verzichten, anstatt dem Album damit einen unfertigen, kleinlauten Charakter aufzuzwingen. Dass die Platte nicht ganz so bewegend ist, wie sie sein könnte, liegt allerdings auch an Ahlströms schiefen und ausdruckslosen Clean-Vocals, die neben Samuelssons ruhigem, aber solidem Gesang keine gute Figur machen.

Zumindest in kompositorischer Hinsicht haben OFDRYKKJA mit „Gryningsvisor“ endlich einen sicheren Pfad durch das Dickicht ihrer Kreativität gefunden. Das dritte Album der Schweden geht mit seinem schwermütigen, aber doch hoffnungsvollen Folk-Black-Metal-Sound an einigen Stellen auf eine Weise ans Herz, wie es die Band zuvor noch nicht geschafft hatte. Aufgrund seines unsäglich schwächlichen Klangs und der teilweise zu laschen Performance des Trios bekommt man hier jedoch leider nicht den Befreiungsschlag zu hören, den man sich nach „Irrfärd“ von OFDRYKKJA erhofft hatte. Ihre persönliche Irrfahrt mag inzwischen ein Ende gefunden haben, als Künstler haben Drabbad, Pessimisten und Ahlström hingegen offenbar noch einen langen Weg vor sich.