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All Hail The Yeti – All Hail The Yeti

(Southern Rock/Rock’n Roll/Hardcore) Es gibt Bands, die sind einem von der ersten Sekunde an sympathisch, egal, ob man schon mal einen Song von ihnen gehört hat oder nicht. ALL HAIL THE YETI gehören definitiv in diese Kategorie, alleine schon wegen ihres stylischen Bandnamens.

Natürlich ist aber ein Name höchstens ein Alleinstellungs-, kein Qualitätskriterium. Den Beweis, dass sie einiges auf dem Kasten haben, erbringen ALL HAIL THE YETI aber schneller, als man sich vor einem Schneeungetüm verneigen kann: Groovende Rock’n-Roll/Southern-Rock-Riffs treffen stets auf einprägsame Hooklines – nicht zu vergessen die unverkennbare Whiskey-Stimme von Connor Garritty, der wirklich klingt, als würde er sich jeden Tag eine Flasche Kentucky Straight Bourbon reinpfeifen, der aber zugleich neben dreckigen Shouts auch cleanen Gesang drauf hat.
Auf der einen Seite bieten ALL HAIL THE YETI abgehende Nummern wie das temporeiche „Suicide Woods“, das mit einer eingängigen Hookline eine Menge Drive entwickelt und den Opener „Deep Creek“ mit seinem coolem Refrain. Auf der anderen Seite finden sich auf der Platte Tracks wie „The Art Of Mourning“ (inklusive Outro mit Mandoline und Mundharmonika), in dem Drummer Feigel das Tempo zwischenzeitlich mal richtig anzieht, und das Highlight „I Am Wendigod“, in dem ALL HAIL THE YETI die Geschwindigkeit zwischendurch komplett drosseln und gegen Ende einen brachialen Moshpart parat halten.In „When The Sky Falls“ bietet Frontmann Garrity, immer im Wechselspiel mit Growls, besonders im Refrain einige coole Clean- und Sprechgesangs-Passagen – So auch in „After The Great Fire“, das generell eine ganze Ecke gemächlicher ist als der Rest des Albums; und trotzdem dank der druckvollen Downtempo-Riffs Power ohne Ende hat.

ALL HAIL THE YETI haben Stil, Sinn für Humor und definitiv eine Menge Talent. Dieses selbstbetitelte Debüt zumindest überzeugt von vorne bis hinten – Kritikpunkte findet man so schnell jedenfalls nicht. Reinhören und dem Whiskey verfallen ist angesagt.

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Various Artists – No Room for Rockstars (DVD)

Die Vans Warped Tour ist ein, wenn nicht das Schwergewicht unter den Touren. Seit 1994 machen sich jedes Jahr unzählige Bands und Extremsportler auf den Weg 25.000 Kilometer kreuz und quer durch Nordamerika, um eine knappe Million Zuschauer zu beglücken. Allein diese Zahlen machen deutlich, dass hier ein immenser logistischer Aufwand, ein gewaltiges kommerzielles Potential und eine große Chance für die beteiligten Bands in der Veranstaltung liegen. Nur konsequent also, dass sich Skate-Legende Stacy Peralta (Dogtown & Z-Boys) gemeinsam mit Parris Patton („Amazing Journey: The Story of the WHO“) und Agi Orsi an die Arbeit gemacht hat eine Dokumentation über dieses alljährliche Mammutprojekt zu drehen. Aus 300 Stunden Filmmaterial von der Tour 2010 wurden die handlichen 90 Minuten der vorliegenden DVD NO ROOM FOR ROCKSTARS – THE VANS WARPED TOUR herausgeschwitzt.

Schon allein die Auswahl der Hauptakteure der Dokumentation, die einen Schwerpunkt auf den Bereich hinter und neben der Bühne gelegt hat, zeigt die stilistische Breite der ganzen Veranstaltung. Neben der Deathcore Band SUICIDE SILENCE spielt der Pop-/Elektro-Musiker MIKE PORTNER eine wichtige Rolle. Außerdem – sozusagen als roter Faden – wird die aufstrebende Punk-Band NEVER SHOUT NEVER bei ihrem Versuch begleitet, einen Auftritt auf einer Nebenbühne zu ergattern. Natürlich mit Happy End…
Es sind gerade diese eher intimen Momente, die die in englischer Sprache (mit deutschem Untertitel) verfügbare Dokumentation interessant machen. Wer eine Live-DVD mit Bonusmaterial aus dem Backstagebereich erwartet wird hier enttäuscht. NO ROOM FOR ROCKSTARS, will zeigen wie viel harte Arbeit alle Beteiligten in dieses Projekt investieren und wie wenig glamourös das viel beschworene Leben „on the road“ ist. Durch unzählige Rückblicke und O-Töne beteiligter Musiker wird deutlich, warum Bands wie Sum 41 oder Blink 182 durch die Teilnahme an der Tour den entscheidenden Schritt zu Szenegrößen machen konnten. Aber auch vom Veranstalter bis zum Truck-Fahrer kommen alle neben der Bühne Beteiligten ausreichend zu Wort und runden den umfassenden Blick hinter die Kulisse ab.

Die DVD erscheint inklusive 90-minütigem Bonusmaterial sowie einem Bonus-CD-Sampler mit Bands, die ihre ersten Tour-Schritte im Rahmen der Vans Warped Tour absolviert haben.

Gojira – L’Enfant Sauvage

(Progressive / Melodic Death Metal) Kaum eine Band wusste im extremen Metal in den vergangenen Jahren derart durchzustarten wie die Franzosen GOJIRA, welche durch eindrucksvolle Live-Auftritte ebenso wie durch ihre mitreißenden Alben zu beeindrucken wussten und sich so eine beachtliche Fanschar erspielt haben. Unlängst erst erschien mit „The Flesh Alive“ die erste DVD der Band, welche deren beeindruckenden Bühnenfertigkeiten in die Wohnzimmer ihrer Fans brachte – nun steht mit „L’Enfant Sauvage“ das bereits fünfte Album in nur elf Jahren in den Regalen. In welches Regal das Album letztendlich gestellt wird, dürfte so manchen Musikladen-Angestellten vor eine quasi unlösbare Aufgabe stellen: Das Einordnen dieser Truppe in eine Schublade…

Untreu ist sich die Band nicht geworden, so viel kann man vorwegnehmen: Stilistisch klar als GOJIRA-Album zu erkennen, ist auch „L’Enfant Sauvage“ erneut ein mehr als mächtiger Groove-Metal-Angriff auf die zarten Ohren gewogenen Hörers, der irgendwo am Berührpunkt von Death und New Metal anzusiedeln ist. Zwischen catchy Riffing und technischen Spielereien, die die Fingerfertigkeit der Musiker mehr als deutlich hervorheben, schlängelt sich „L’Enfant Sauvage“ elegant hindurch, ohne zu einer Sekunde platt oder überambitioniert zu wirken.
Fazinierend dabei ist, dass sich die Genialität so mancher Melodie erst nach einigen Durchläufen offenbart – haben die Songs jedoch erst einmal gezündet, erscheint es absolut unnachvollziehbar, wie man deren Qualität beim ersten Durchgang überhören konnte. Gewiss, den ein oder anderen „Filler“ kann „L’Enfant Sauvage“ nicht verbergen, das verzeiht man GOJIRA jedoch gerne, ist zum einen der Qualitätsabfall im Vergleich zu den „Killern“ nicht so drastisch, dass es negativ auffallen würde, und sind diese, zum anderen, mitunter wirklich mit größter Liebe zum Detail ausgearbeitet.
Takt- und Dynamikwechsel sorgen in Begleitung kleinerer, technischer und rhythmischer Spielerein für höchsten Unterhaltungswert – überraschen GOJIRA hier doch nach jedem Riffwechsel erneut. Mitunter fühlt man sich dabei hinsichtlich der Atmopshäre an eine vertracktere Verison von In Flames erinnert – bevor diese sich in Richtung -core verabschiedet hatten… doch wirklich zu greifen bekommt man die Franzosen auch mit diesem Vergleich nicht, ist das Schaffen des Quartetts doch in der Tat an Eigenständigkeit kaum zu überbieten.

Mit „L’Enfant Sauvage“ legen GOJIRA ein weiteres Meisterwerk auf den Tisch, das nicht nur aufgrund seines Songmaterials unglaubliche Freude bereitet, sondern vor allem Lust darauf macht, die Truppe (mal wieder) live zu erleben – dürfte sich doch auch das neue Material glänzend eignen, auf die Bühne gebracht zu werden. Ein absoluter Pflichtkauf für Fans elaborierter Musik aus dem Extreme-Metal-Sektor!

Flexx Bronco – Flexx Bronco

(Hard Rock/Punk Rock/Rock’n’Roll)Hard-Punk-Rock’n’Roll steht da als Stilbezeichung im Promoschrieb zu FLEXX BRONCOs selbstbetiteltem Album. Damit wird schnell klar, welche Genres im Sound der Amerikaner eine Rolle spielen. Und das Ganze wird sogar recht gekonnt miteinander vermischt, so dass energiereiche und stimmungsvolle Songs das Endergebnis sind.

Die Stücke beinhalten die Eingängigkeit und den Rhythmus des klassischen Rock’n’Roll, die ungestüme Energie des Punk Rock und den kraftvollen Groove und das knackige Riffing des Hard Rock. Es gibt von Anfang an keine Eingewöhnungsschwierigkeiten mit der Musik von FLEXX BRONCO. Die Tracks gehen allesamt flott ins Ohr, lassen die Glieder sich fast automatisch bewegen und animieren zum Mitrocken. Man darf kompositorisch nicht gerade die ultimative Abwechslung erwarten, dafür sorgen die Songs und die gesamte Atmosphäre des Albums aber für gute Laune.
Ich will damit aber auch nicht sagen, dass sich alles gleich anhört. Im Rahmen ihres selbst gesteckten Stils versuchen FLEXX BRONCO durchaus zu variieren, was sich dann zum Beispiel auch mal in einem etwas getrageneren Blues-Rock-Song wie „Lauren Blues In A“ oder dem lässig swingenden „Johnny’s Saloon“ niederschlägt. Das Markenzeichen der Jungs aus San Francisco sind aber sicherlich die dynamischen, schnellen, geradlinigen Stücke, die live zweifellos die Hallen erbeben lassen, die Meute zum Schwitzen bringen und auch jede Bikerparty bestens beschallen. Bei diesen kann man sich wiederum kaum auf bestimmte Anspieltipps festlegen, da sie sich qualitativ auch kaum etwas schenken.
Meine Favoriten sind „The Song That Kills“, „A Lesson In Love“, „Go Fast“, „The American Heartbreak“, „Dead Man“ und „Northern Lights“, aber auch die beiden genannten Aus-dem-Rahmen-Faller finde ich cool. FLEXX BRONCO lassen Ausfälle und Schwächephasen von vornherein links liegen und komponieren durchgehend auf einem gutklassigen Niveau. Und auch handwerklich präsentieren sich die Amis äußerst souverain und hinterlassen einen professionellen Eindruck. Diese vier Kalifornier sind richtige Gute-Laune-Macher und es dürfte auch ein äußerst stimmungsvolles Erlebnis sein, die Band live zu sehen.

„Flexx Bronco“ ist ein Album, das richtig Spaß macht und dessen unbändiger Energie man sich kaum entziehen kann. Wer auf eine der genannten Spielarten steht, sollte es unbedingt mal antesten.

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Hasenscheiße – a-Moll

Zunächst machten HASENSCHEISSE es „Für eine Handvoll Köttel“, später dann „Für eine Handvoll Köttel mehr“. Was genau die Musiker für diese überschaubaren Tarife taten? Mittelalterliche Marktmusik mit witzigen Texten zelebrieren. Anno 2012 haben sich die Vorzeichen bei den Berlinern nach dreijähriger Abstinenz geändert. Die fröhlichen Marktrhythmen (selbst betitelt als „Acoustic-Guitar-Fantasy-Trash-Balladen“) sind größtenteils handfestem Pop mit anspruchsvollen wie witzigen Texten gewichen.

Berlin hat in jüngerer Vergangenheit mit Peter Fox, Silbermond und Tim Bendzko nicht eben wenige Künstler hervorgebracht, die sich deutschlandweit etablieren konnten. Ob HASENSCHEISSE diese Tradition fortsetzen? Unwahrscheinlich. Alleine der Bandname dürfte ein Erfolgshindernis sein. Allerdings sollte sich niemand ein vorschnelles Urteil über dieses Projekt bilden. Obwohl es der Name anderweitig impliziert, werden die Musiker eher an ihren anspruchsvollen Texten scheitern als durch plumpe Massentauglichkeit zu Ruhm & Ehre gelangen.
So widmen sich HASENSCHEISSE mit einer siebenminütigen Hymne an den populärsten aller Gitarrenakkorde: „a-Moll“. Mit viel Charme und Witz (Bamboleo…) nehmen sich die Ostdeutschen diesem Thema an, welches gleichermaßen dem neuesten Output seinen Namen gab. Eine weitere „Köttel“-Botschaft hätte zur neuerlichen Ausrichtung allerdings auch nicht gepasst.
So ist bereits die Single „Das unbedingte Ding“ musikalisch völlig anders ausgerichtet als beispielsweise „Die Waden eines Barden“ früherer Tage: Deutschsprachiger Rap trifft auf Spanisch vorgetragene Flamenco-Melodien und englisch gesungenen Irish Folk – in einem einzigen Song. Die einzige Parallele zu früheren „HASENSCHEISSE-Teufeleien“: Die Kompositionen versprühen durch ihre Lockerheit schlicht gute Laune. Spontane Assoziationen zu den Ohrbooten sind – nicht nur durch die regionale Nachbarschaft – naheliegend.

Doch HASENSCHEISSE können auch anders: In „Kein Bock und keine Zeit“ behandelt die Combo wieder einmal höchst ironisch das Thema Politik, während in „Feuerwasser“ erstmals eine E-Gitarre zum Einsatz kommt. Diese fügt sich allerdings sehr stimmig in diese Hommage an den Alkoholgenuss im Rock’n’Roll ein. Allgemein besitzen Texter Christian Näthe und seine Mitmusiker ein hervorragendes Gespür für ihre Arrangements und ihren Instrumenteneinsatz. So stößt man in fast jedem Song beinahe unbemerkt auf bekannte Melodien und Strukturen, die allerdings so neu verpackt und/oder anders verkauft werden, dass von schlichtem Diebstahl keine Rede sein kann. Der Anspruch in den Texten zieht sich auch durch die musikalische Ausgestaltung der Songs, welche gleichermaßen melancholisch wie skurril geraten.
So schießt in „Der Alte“ schließlich passend vertont der Nikolaus mit einer abgesägten Schrotflinte auf den Osternhasen. „Passend vertont“ bietet in diesem Kontext wohl 1000 und eine kreative Möglichkeit, doch es fällt schwer zu glauben, dass es eine passendere Lösung als die von HASENSCHEISSE gibt. „Finde deine Mitte“ gerät hingegen beinahe spirituell mit einem Hauch von Reggae und Lagerfeuerromantik – der zentrale Gitarrenakkord wiederholt sich im Refrain dabei so häufig, dass er sich automatisch im Gehörgang festsetzt. Trotz dieser Eingängigkeit verlieren HASENSCHEISSE nie ihren musikalischen Anspruch aus den Augen. So huldigen sie am Ende in „Hätte, hätte, hätte“ dem Konjunktiv (inklusive textlichem Seitenhieb auf das Haus am See von Peter Fox) und liefern zwischenzeitlich mit „Monika“ einen waschechten Punkrock-Song.

Insgesamt tat dem Projekt der stetige Zuwachs von neuen Musikern (wie auf „a-Moll“ mit Stephan Fuchs am Akkordeon) und der damit einhergehende Abwechlungsreichtum sehr gut. Zwar hat sich die Truppe von ihren Marktwurzeln ziemlich abgekapselt, doch ihre Experimentierfreudigkeit in Verbindung mit Anspruch und Humor dürfte auf diesem Level relativ einzigartig sein. So gibt es am Ende nur einen einzigen Aspekt an „a-Moll“, der eine höhere Wertung verhindert. Mit 40 Minuten und neun Liedern ist das Album einfach zu kurz, v.a. da den Musikern wohl kaum die Ideen für weiteres Material gefehlt haben dürften. Oder etwa doch?

Gojira – The Flesh Alive

(Progressive / Melodic Death Metal) Seit 1996 im Geschäft, gehören GOJIRA, wie sich die als Godzilla gegründete Band heute nennt, vielleicht noch nicht zu den ganz Großen im Geschäft, allemal aber zu den Aufsteigern der letzten Jahre. Und so wundert es auch wenig, dass die Franzosen mit „The Flesh Alive“ nun zum ersten Mal in der Bandgeschichte eine DVD zusammengestellt haben.

Hinter einem sehr gelungenen Artwork beziehungsweise Layout verbergen sich dabei in der limitierten Deluxe-Edition gleich drei Silberlinge – zwei DVDs sowie eine Audio-CD.
Die Qual der Wahl, mit welchem der Bild- beziehungsweise Tonträger man sich am besten als erstes befasst, wird durch die Tatsache gemildert, dass alle drei mit einer quasi identischen Tracklist aufwarten – was das wiederum für einen Sinn haben soll, erschließt sich mir jedoch nicht. Denn wo dies beim Audiomitschnitt, welcher ja für gewöhnlich lediglich eine Audio-Version des für die DVD mitgeschnittenen Konzertes ist, noch logisch erscheint, vermag ich nicht nachzuvollziehen, wo der Sinn darin liegen soll, zwei hinsichtlich der gespielten Setlist nahezu identische Konzerte auf DVD zu bannen – zumindest, wenn sich die eine Show nicht in irgendeinem Aspekt merklich von der anderen unterscheidet. Und in der Tat: Bis auf die Tatsache, dass die Show in Bordeaux (DVD2) in einer kleineren Location stattgefunden zu haben scheint, als dies in Garorock (DVD1) der Fall gewesen ist, gibt es keine großen Unterschiede festzustellen: Schlichtes Bühnenbild, eine sehr stimmige Videoinstallation, eine nicht sonderlich extravagante Bühnenshow sowie in beiden Fällen vorzüglicher Sound machen beide Shows gleichermaßen sehenswert – beide DVDs hintereinander anzusehen ist aus ebendiesen Gründen jedoch nicht sonderlich reizvoll.
Erfreulich ist das Feature des Dolby5.1-Sounds, welcher eine recht lebendige Atmosphäre zu vermitteln vermag, auch wenn die Gitarren in dieser Abmischung ein wenig „aufgesetzt“ und überpräsent wirken – nichts zu kritisieren gibt es unterdessen am Bild, welches gestochen scharf, gelungen geschnitten und durch dezent eingesetzte Effekte wie Farbfilter oder Animationen aufgelockert voll und ganz zu überzeugen vermag.
Auch Bonus-Material darf auf einem solchen Output natürlich nicht fehlen: DVD 1 wartet diesbezüglich mit drei weiteren Livevideos, mitgeschnitten in Les Vieelles Charrues, auf, von denen immerhin zwei Livedarbietungen zeigen, die nicht im Set der anderen Shows enthalten sind – die Offenbarung sind diese Stücke jedoch ohne den Kontext eines Konzertes nicht wirklich.
DVD 2 hingegen beinhaltet neben der Show die für DVD-Veröffentlichungen dieser Art quasi obligatorische Band-Dokumentation. Wie viel man mit derartigem Behind-The-Scenes-Material, Bootleg-Aufnahmen von Recording-Sessions und Live-Konzerten sowie Interviewschnipseln anzufangen weiß, ist dabei natürlich Geschmacksfrage – denn während Die-Hard-Fans derartige Schmankerl gewiss zu genießen vermögen, ist Material dieser Art für gemäßigte Fans doch nicht unbedingt allzu spannend.
Welche der beiden Shows es auf die CD geschafft hat, ist ohne weiteres nicht herauszufinden – tut aber, wie gesagt, auch wenig zur Sache. Fakt ist: Auch hier ist der Sound kraftvoll und weiß zu begeistern. Für Live-CD-Fans hat man es bei dieser Beilage definitiv mit einem gut gewählten Bonus zu tun.

Mit „The Flesh Alive“ legen die Extreme-Metaller GOJIRA ein Rundum-Sorglos-Packet vor, welches Fans der Band definitiv zufriedenstellen sollte: Neben zwei sehr professionell mitgeschnittenen Konzerten, ist nicht zuletzt die soundtechnisch mehr als gelungene Live-CD ein echter Selling-Point des hübschen Packages, welches im Übrigen auch als Blue-Ray+CD-Bundle auf den Markt kommt. Einziger Wermutstropfen ist, wie bereits angesprochen, die nahezu identische Setlist beider Videomitschnitte – dass GOJIRA auf der zweiten DVD mit einem Akustik-Gig oder einem ähnlichen Extrem aufwarten, hätte wohl niemand erwartet – zumindest eine leicht variierte Setlist wäre allerdings schon nicht ganz verkehrt gewesen, um etwas mehr Anreiz zu schaffen, sich beide DVDs komplett anzusehen.

Minor Utopia – Withering In The Concrete

(Heavy Metal / Thrash Metal) Seit 2007 im Underground unterwegs, veröffentlichen MINOR UTOPIA mit dem hier vorliegenden “Withering In The Concrete” nach zwei Demos ihr Debutalbum – und machen es dem Rezensenten definitiv nicht leicht, ein Urteil zu fällen. Das fängt schon beim Cover an: Als jemand, der eine CD gerne mal nach der Covergestaltung aussucht, auch ohne von der Band jemals etwas gehört zu haben, wäre ich schweigend an diesem Produkt vorbeigeschlichen. Genauso, und darum geht’s ja letztendlich, hätte ich mich sicher aus dem Plattenladen getrollt, wenn „Withering In The Concrete“ dort gelaufen wäre.

Dabei laufen so einige Faktoren zusammen, die den „Genuss“ dieses musikalischen Konstrukts ungenießbar machen. So geht man schon einmal mit der falschen Erwartungshaltung ran: Wird im Infozettel noch von Progressive Industrial Metal gesprochen, bekommt man über die gesamte Spiellänge eher eine seltsam unausgereifte Mischung aus Heavy Metal mit Thrash-Anleihen und Alternative-Geömmel mit wirklich, naja, ganz leichtem Progressive-Einschlag auf die Ohren. Sängerin Michelle trifft dabei nur selten den Ton – und so wirklich gewöhnen tut man sich da auch nicht dran, selbst dann nicht, wenn sie sich an Black Metal-typischem Gekeife versucht, wie es auf „Hole In The Sky“ der Fall zu sein scheint. Die Produktion tut dem Klangbild dann auch nichts Gutes: Wer auch immer hinter den Reglern saß, hat wohl das ständig übersteuerte Geknarze im Hintergrund überhört, welches das „Hörerlebnis“ in eine Zumutung für die Ohren verwandelt. Tja, und dann klingen die Lieder irgendwie auch alle gleich, es entsteht ein unentschlossener Genrebrei, bei dem man den angepriesenen Industrial durchgehend vermisst. An der Instrumentierung tut man sich mit den seltsamen Soli – oder was auch immer diese oft schrägen Intermezzi darstellen sollen – auch keinen Gefallen, das Riffing ist jetzt auch nicht wirklich einfallsreich und macht absolut nichts neu.

Und damit ist eigentlich schon alles gesagt: Komisches Cover, komische Produktion, komische Musik. Ich möchte nicht unbedingt davon abraten, mal reinzuhören, eine Empfehlung kann ich aber auch keineswegs aussprechen, dazu ist das Dargebotene einfach zu eintönig und schräg, zu einfallslos und zu uninspiriert. Sorry, aber „Withering In The Concrete“ ist halt schlicht und ergreifend ein Schuss in den Ofen.

Lakei – Konspirasjoner

(Doom / Black Metal / Post Hardcore) Man stellt sich den Begriff der Post-Apokalypse ja immer irgendwie so vor, wie er auch medial vermittelt wird: Meistens eine düstere, durch Atomwaffen oder andere Unglücke zerstörte, weitestgehend zur Einöde und Wüste verfallene Welt, rauchende, verkohlte Ruinen, einzelne, nur noch mit Lumpen bekleidete Gestalten mit ausgedünnten, grau geworden Haaren – nicht gerade die schönste Vorstellung. Dass damit einhergehend dem Chaos die Tür geöffnet wird und sich die letzten Überlebenden selbst dezimieren, in einem wahren Blutrausch alles niedermetzeln, was sich ihnen in den Weg stellt, ist die traurige Kehrseite der Auflösung jeder von Menschenhand geschaffenen Ordnung. Wie soll man ein derartiges Szenario am besten vertonen? Entweder durch bedrohlich wabernde Klänge – oder aber durch zerstörtes, aggressives, hasserfülltes und verzweifeltes Anbrüllen gegen das Ende der Welt. LAKEI aus Bergen in Norwegen haben sich für die zweite Variante entschieden.

Nach dem düsteren Einstieg, in welchem Sludge-Gitarren und ein schleppendes Schlagzeug die Urteile der Nürnberger Prozesse gegen die Nazi-Chefetage untermalen, schießt plötzlich eine heißere, gegrowlt-geschriene, an Death Metal erinnernde Stimme aus dem Nichts hervor, die alles und jeden niederbrüllt. Absolut verzerrte und restlos kaputte Gitarren und ein wild um sich prügelndes Schlagzeug untermalen diesen Musik gewordenen Hass und verdeutlichen die Grundstimmung des Albums perfekt. Die rohe Gewalt von „Sarkofag“ wird auf Albumlänge immer wieder unterbrochen, sei es durch eine von flächigen Gitarren erzeugte bedrohliche Atmosphäre wie in „Budbringer“, durch sich blutend durch die Wüste schleppende Doom-Brecher wie „Despot“, durch Black-Metal-Blastbeats und Riffs wie im Titeltrack oder durch Post-Hardcore/Crust-Punk-Ohrfeigen wie in „Ansikter“. Trotz der permanent negativen Grundstimmung und wenig Abwechslung im Gesang wird ein breites Spektrum angepisster und bedrohlicher Musik serviert, in einen rostigen Mixer geworfen und mit Rasierklingen und Spiritus angereichert, in ein zerbrochenes Glas geschüttet und auf Ex die Kehle hinuntergestürzt. Dieser Sound wird vom stimmigen Cover-Artwork von Santiago Armengod, seines Zeichens auch für Bands wie Kylesa oder Lamb Of God verantwortlich, stimmig unterstützt.

Trotz des breiten musikalischen Spektrums wirkt „Konspirasjoner“ über seine gesamte Spielzeit vor allem aufgrund der geringen Abwechslung im Gesang auf Dauer etwas zu eintönig. Die Songs selbst bewegen sich trotz kleiner Ausreißer weitestgehend auf Mid-Tempo-Level und verzichten weitestgehend auf Melodien. Die kaputten Gitarren untermalen die Musik zwar stimmig, klingen in manchen Momenten aber leider ein wenig zu drucklos. Prinzipiell machen LAKEI auf ihrem starken Debüt-Album vieles richtig, um restlos begeistern zu können, fehlt allerdings das gewisse Etwas. Falls die Welt am Ende des Jahres noch existieren sollte, können sich die vier Norweger weiter daran versuchen, ihre Endzeit-Visionen auszubreiten – vielleicht würde eine tatsächlich eingetretene post-apokalyptische Welt allerdings noch besser als Inspiration dienen. In welche Abgründe einen die bereits jetzt bis zum äußersten nihilistische Musik dann allerdings werfen würde, sollte man besser nicht genauer bedenken.