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Onslaught kündigen neues Album „Generation Antichrist“ an

Die britischen Thrash Metaller ONSLAUGHT haben mit „Generation Antichrist“ den Titel ihres nächsten Albums bekannt gegeben. Es wird die erste Veröffentlichung mit ihrem neuen Sänger Dave Garnett sein, der unlängst die Nachfolge von Sy Keeler antrat. Das Album wird am 7. August über AFM Records erscheinen.

ONSLAUGHT-Gitarrist Nige Rockett kommentiert: „Wow, unser neues Album steht endlich in den Startlöchern! Im Lichte der jüngsten Ereingnisse auf der Welt war es eine riesige Herausforderung, alles fertigzubekommen. Wir mussten ein paar Regel verbiegen und unkonventionelle Wege gehen, aber wir haben es geschafft.“

01. Rise To Power
02. Strike Fast Strike Hard
03. Bow Down To The Clowns
04. Generation Antichrist
05. All Seeing Eye
06. Addicted To The Smell Of Death
07. Empires Fall
08. Religiousuicide
09. A Perfect Day To Die

Das Cover von "Generation Antichrist" von Onslaught

Trivium – What The Dead Men Say

TRIVIUM waren schon immer eine Band, die sich das Leben selbst schwer gemacht hat, indem auf brillante Alben leider oft mittelmäßige folgten. So blieb der Gruppe bisher der ganz große Durchbruch verwehrt, auch wenn man sich großen Respekt und riesige Sympathien in der Metalwelt sichern konnte. Dementsprechend groß war die Freude, als die Combo mit „The Sin And The Sentence“ 2017 eine absolute Granate vorlegte – für nicht wenige das beste Album ihrer Karriere. Genauso groß ist nun die Spannung: Können TRIVIUM mit „What The Dead Men Say“ eine ähnlich starke Platte nachlegen?

In diesem Zuge stellte sich zudem die Frage, in welche Richtung die Amerikaner auf ihrem neuen Album gehen würden. Würde man den schnellen, harten und aggressiven Stil des Vorgängers auf „What The Dead Men Say“ weiterverfolgen oder sich doch wieder an ruhigeren und zugleich massenkompatibleren Scheiben wie „Silence In The Snow“ orientieren?

Der als erste Single ausgekoppelte Titeltrack begeisterte mit jeder Menge unfassbar guter Riffs, die von tightem Drumming zusammengehalten werden und in einen starken Chorus münden. Die Härte ist da, die Melodien ebenso. Dem folgte mit „Catastrophist“ ein Song, der dieses Strickmuster fortsetzte, wobei hier die Härte zu Gunsten der Melodien und des Klargesangs ein wenig zurückgenommen wurde. Im ersten Moment bei weitem nicht so begeisternd wie der Titeltrack von „What The Dead Men Say“, jedoch ein Stück, das sich bei wiederholtem Hören immer mehr entfaltet.

Die anderen vorab veröffentlichten Songs markieren quasi die beiden Enden des Spektrums auf „What The Dead Men Say“. „Amongst The Shadows And The Stones“ ist eine lupenreine Abrissbirne, die auch auf „Ascendancy“ Platz gefunden hätte, allerdings weitaus komplexer arrangiert ist, als TRIVIUM es zu dieser Zeit gekonnt hätten. Hier lässt die Band der Nackenmuskulatur der Hörer keine Verschnaufpause – eines der Highlights der Scheibe. „Bleed Into Me“ wiederum ist die melodischste Nummer auf „What The Dead Men Say“. Hier setzen TRIVIUM auf Klargesang, große Melodien und sanftere Klänge, ohne jedoch die Härte komplett vermissen zu lassen. Dass „Amongst The Shadows And The Stones“ und „Bleed Into Me“ direkt aufeinanderfolgen, zeigt die unheimliche dynamische Reichweite, die das Quartett auf seinem neuen Album an den Tag legt.

Wenn man über TRIVIUM spricht, kommt man nie umhin, auf die Instrumentalarbeit einzugehen. Denn diese Band besteht aus unheimlich fähigen Musikern. Dass Heafy und Beaulieu fantastische Gitarristen sind, ist hinlänglich bekannt. Wie sie auf „What The Dead Men Say“ scheinbar telepathisch miteinander interagieren, muss man jedoch unterstreichen. Mal schiebt sich ein melodisches Lead über ein sattes Riff, mal drückt ein massives Riff ein filigranes Lead weg – die Gitarrenarbeit ist bei TRIVIUM einmal mehr überragend.

Mindestens ebenso wichtig ist jedoch Drummer Alex Bent. Der Mann legt auf seiner zweiten Platte mit der Combo einen grandiosen Job hin. Er kann jederzeit Akzente setzen und technisch filigrane Fills einstreuen, versteht es aber ebenso, sich zurückzuhalten und mit einem ordentlichen Groove den Gitarren Raum zur Entfaltung zu bieten. „What The Dead Men Say“ profitiert unheimlich von den technischen Fähigkeiten der Musiker, ohne sich in jenen zu verirren und Technik über Songwriting zu stellen – eine Falle, in die nicht wenige Bands tappen.

So ist TRIVIUM mit ihrem neunten Album der Versuch gelungen, alle Fanlager zu befrieden. Majestätische Melodien und tollen Klargesang findet man ebenso wie brachiales Riffing, monströse Grooves und Passagen, in denen die Truppe einfach alles wegknüppelt. „What The Dead Men Say“ ist eine Scheibe, die auch beim zehnten und fünfzehnten Durchlauf noch unbändige Freude im Hörer auslöst und zu ungezügeltem Headbanging animiert. TRIVIUM haben mit ihrem neuen Longplayer den Stil des Vorgängers fortgesetzt und verfeinert, sodass Härte und Melodien Hand in Hand gehen und „What The Dead Men Say“ wie aus einem Guss wirkt.

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Onslaught geben neuen Sänger bekannt

Die britischen Thrash-Metal-Veteranen ONSLAUGHT haben mit Dave Garnett einen neuen Sänger in ihre Reihen aufgenommen. Er tritt die Nachfolge von Sy Keeler an, der die Band vor Kurzem aus persönlichen Gründen verlassen hatte.

ONSLAUGHT-Gitarrist Nige Rockett kommentiert: „Natürlch war es ein schwerer Schlag für ONSLAUGHT, Sy zu verlieren. Aber mit Dave Garnett haben wir ein riesiges Talent entdeckt, der sowohl im Studio als auch auf der Bühne bereits viel Erfahrung sammeln konnte. Das neue ONSLAUGHT-Album ist zweifelsohne unsere bisher roheste und aggresivste Platte. Darauf sind unsere musikalischen Wurzeln sehr deutlich zu hören und Dave wurde der Aufgabe mehr als gerecht und hat rohe, harte Metal-Vocals abgeliefert!“

Warbringer – Weapons Of Tomorrow

Anfang des vergangenen Jahrzehnts sah es so aus, als wäre die steile Karriere der aufstrebenden Thrasher WARBRINGER jäh beendet: Ihr 2013er Album „IV: Empires Collapse“ bot statt gewohnt messerscharfem Thrash Metal nicht immer erfolgreiche stilistische Experimente und im Nachgang stand gar der Fortbestand der Band als solcher in Frage. Vier Jahre später gelang jedoch der Neustart und WARBRINGER kehrten mit „Woe To The Vaquished“ mit frischem Sound und neuen Musikern auf den Pfad der Tugend zurück. Das Besetzungskarussell dreht sich bei den Kaliforniern zwar nach wie vor munter weiter, allerdings nicht mehr ganz so schnell wie noch vor ein paar Jahren und sowohl die im Vorfeld veröffentlichten Songs ihrer neuen Platte „Weapons Of Tomorrow“ als auch das Artwork derselben legen nahe, dass WARBRINGER zur alten Beständigkeit zurückgefunden haben.

Und tatsächlich knüpft „Weapons Of Tomorrow“ nahtlos dort an, wo WARBRINGER 2017 mit „Woe To The Vanquished“ aufgehört haben. Damit ist der „Wow-Effekt“ natürlich nicht mehr ganz so groß wie angesichts der Entwicklung zwischen den vorigen beiden Alben. Da „Woe To The Vanquished“ aber das bist dato beste Album der Kalifornier ist, macht das rein gar nichts. Kompromisslose Nummern wie „Firepower Kills“, „The Black Hand Reaches Out“ oder „Unraveling“ zeigen, dass sich die Burschen 2020 erneut die meisten Genre-Experimente sparen. Damit steht die Truppe mit ihren neuen Album mit mindestens anderthalb Füßen im gradlinigen Thrash Metal der alten Schule und das ist auch gut so.

Auf „Weapons Of Tomorrow“ verbinden WARBRINGER einmal mehr die stilbildenden Elemente von Bands wie Metallica, Slayer oder Demolition Hammer zu ihrem eigenen Sound. Der halbe Fuß, den die Truppe nicht im Thrash Metal hat, sorgt hier für den nordischen Blastbeat und die schrammelnden Black-Metal-Riffs von „Heart Of Darkness“. Das haben die Herren auch in der Vergangenheit schon gerne gemacht und ja, es funktioniert, allerdings ist es kaum der stärkste Moment dieser Platte – da stehen die griffigen Präzisionsriffs der „echten“ Thrash-Nummern auf „Weapons Of Tomorrow“ der Band weit besser zu Gesicht. Zum Abwechslungsreichtum des Albums trägt es aber dennoch bei.

Alleinstellungsmerkmal Nummer eins von WARBRINGER sind jedoch ihre Texte, die oftmals ungleich durchdachter als bei der Konkurrenz ausfallen. Die werden hier von Frontmann John Kevill auf derart eindringliche, überzeugende und intime Art und Weise vorgetragen, dass man dem Mann über die gesamte Spielzeit von „Weapons Of Tomorrow“ unter Gänsehaut bei jedem Wort an den Lippen hängt – etwas, das es sonst nur bei Iron Maiden gibt. Bestes Beispiel hierfür ist sicher das abschließende Kriegsepos „Glorious End“, das in eine ähnliche Kerbe schlägt wie das vertonte Weltkriegsgedicht „When The Guns Fell Silent“ vom Vorgängeralbum und der beste Song dieser Platte ist.

Auch auf „Weapons Of Tomorrow“ erfinden WARBRINGER das Rad bzw. Genre sicherlich nicht neu. Trotzdem gelingt es ihnen einmal mehr, die stilbildenden Elemente des Thrash Metal zu einer spannenden Mischung zu verbinden, die es in dieser Form nur bei ihnen gibt. Im Zusammenspiel mit der auf dieser Platte zu hörenden technischen Finesse, dem routinierten Songwriting und den durchweg anspruchsvollen Texten ergibt das ein ebenso kurzweiliges wie vielseitiges Album, mit dem sich diese Band auch vor der etablierten Konkurrenz nicht verstecken muss. Die „großen Alten“ des Genres wie z.B. Testament mögen nach wie vor die Spitzenreiter sein, aber mit einer Platte wie „Weapons Of Tomorrow“ sind ihnen WARBRINGER dicht auf den Fersen.

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Warbringer – Woe To The Vanquished

Was war denn da los? Im Oktober 2013 brachten WARBRINGER mit „IV: Empires Collapse“ ein überaus mächtiges Album heraus, das zwar durch seine Abkehr vom bandtypischen Stil mittels Einfluss thrash-fremder Elemente unterm Strich kein Favorit von Genre- und Band-Anhängern wurde, aber trotz allem wieder zeigte, was für eine kraftvolle und nun auch vielseitige Combo der Fünfer aus Ventura ist. Doch schon ein gutes halbes Jahr später war das ohnehin nie für seine Beständigkeit bekannt gewesene Bandgefüge erneut zerrissen und Sänger John Kevill stand vor einem personellen Scherbenhaufen, den vermutlich nur er selbst als einziges durchgängig seit Anfang der Band aktives Mitglied noch rekonstruieren kann, ohne den Überblick zu verlieren. Immerhin Gitarrist und Gründungsmitglied Adam Carroll war nach zwischenzeitlichem Ausstieg wieder an Bord – dennoch: Die Zukunft schien ungewiss, in den folgenden Monaten drehte sich das Line-up-Karussell weiter und die Liste der Aushilfsmusiker auf der Bühne wuchs. Mit dem 2015 zurückgekehrten Drummer Carlos Cruz, dem bei Auditions als Sieger hervorgegangenen Gitarristen Chase Becker und dem Bonded-By-Blood-Bassisten Jessie Sanchez sowie einem neuen Label-Deal mit Napalm Records in der Tasche konnte die Truppe schließlich die fünfte Full-Length „Woe To The Vanquished“ vorlegen.

Der ist freilich nichts anzumerken von den Problemen der vorangegangenen Jahre. Als unbedarfter Hörer erlebt man WARBRINGER in Top-Form, mit allen Stärken und keinen bemerkbaren Schwächen. Wer die Bandkrise mitbekommen hatte, könnte höchstens in die brachiale Erbarmungslosigkeit, mit der das Quintett die erste Albumhälfte darbietet, hineininterpretieren, dass Kevill & Co. ihren angestauten Frust von der Seele spielen und shouten – und dabei all den Stress der Vergangenheit in positive Energie umwandeln. Energie, von der es auf „Woe To The Vanquished“ wahrlich mehr als genug zu spüren gibt: Der Opener „Silhouettes“ donnert nach einem kurzen Wind-Intro – der Ruhe vor dem Sturm – los, Cruz tobt sich an den Fellen aus, bietet alles vom typischen Thrash-Beat über Doublebass-Teppiche bis hin zu Blast-Parts, die Saitenfraktion agiert schlagkräftig wie eine Axt und doch präzise wie ein Seziermesser und Kevills Vocals aus dem Genre-Lehrbuch sorgen für den letzten Biss. Der Stürmer „Shellfire“ kann dabei als wahre Achterbahnfahrt durch Tempi, Rhythmen und Griffbrett-Variationen betrachtet werden.

Neben typischen Elementen wie an Slayer erinnernde Stampf-Parts mit Ride-Becken-Begleitung und Gitarrensolo-Duelle oder Gang-Shouts (etwa im Midtempo-Rocker „Remain Violent“) behalten WARBRINGER trotz Rückbesinnung auf ihr Kerngeschäft ein unüberhörbares Maß an stilistischer Offenheit bei – wenn sie zum Beispiel ihre Blast-Passagen, die nun fester Bestandteil des Bandsounds geworden zu sein scheinen, nicht nur mit frostigem Tremolo-Picking, sondern auch sanften Akustikgitarren begleiten („Woe To The Vanquished“) oder durch melodische Soli in Kombination mit diskreten Keyboards, Doublebass und 4/4-Takt die Herzen der Power-Metal-Fraktion höher schlagen lassen („Spectral Asylum“).

Es ist letzterer Track sowie vor allem der epische, elfminütige Rausschmeißer „When The Guns Fell Silent“, welche die zweite Albumhälfte düsterer und schwerer, jedoch nicht minder kraftvoll wirken lassen. WARBRINGER arbeiten hier mit heimsuchenden Riffs, gesprochenen Passagen, Breaks sowie einem stärkeren, doch weiterhin dezenten Einsatz von Akustik- und Clean-Gitarren. Damit stellen die Kalifornier Storytelling und Atmosphäre in den Vordergrund und verweisen die ungezügelte, rohe Kraft in die zweite Reihe – wo sie mit den ebenso wilden wie abwechslungsreichen Nummern „Descending Blade“ und „Divinity Of Flesh“ noch immer prominent vertreten ist.

Die Redewendung, dass in jeder Krise eine Chance stecke, ist längst zur Floskel verkommen. Nichtsdestoweniger haben WARBRINGER ihre Chance genutzt: Was für eine Rückmeldung, was für eine Wiederauferstehung nach einem absoluten Tiefpunkt „Woe To The Vanquished“ darstellt, kann man nicht genug betonen. Die fünfte Platte der US-Amerikaner stellt nicht nur in der bandeigenen Diskografie ein Highlight dar, sondern zeigt, dass man sich um die Zukunft des Thrash Metals keine Sorgen machen muss, solange es Gruppen wie WARBRINGER gibt, die den Spagat zwischen traditionellen Trademarks und innovativen Elementen nunmehr mit Bravour meistern.

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Metal1.info goes Spotify: Die Up-To-Date-Playlist

Streaming ist in der Zwischenzeit fast unumgänglich und dabei sowohl ein Fluch wie auch ein Segen. Wir von Metal1.info wollen uns nun einige der positiven Aspekte zu Nutze machen und euch unsere erste Playlist präsentieren: die Up-To-Date-Playlist. Hier werden ab sofort und mit regelmäßigen Updates die besten neuesten Songs der Metal-Szene zusammengestellt sowie Anspieltipps zu unseren aktuellsten Rezensionen gelistet. Egal ob Underground oder weltberühmt, ob Black Metal oder Punk – hier findet ihr alles auf einen Schlag. Um immer auf dem Laufenden gehalten zu werden, klickt einfach HIER und folgt der Playlist. Wir wünschen euch viel Spaß beim Anhören und hoffen, euch dadurch einen guten Überblick über das aktuelle Geschehen in unserer geliebten Musikrichtung sowie auf Metal1.info geben zu können!

 

Crisix – Sessions: #1 American Thrash

Fragt man in der Szene oder im musikaffinen Freundeskreis herum, ist es gut möglich, dass man den Eindruck gewinnt, eine Band könne mit der Veröffentlichung eines Cover-Albums nur verlieren: Orientiert sich eine Combo eng an den Originalen und spielt die Songs von anderen Gruppen minutiös nach, ist es den einen zu langweilig – „wo bleibt da die Individualität, die Kreativität?“; drückt eine Truppe jedoch den gecoverten Tracks tatsächlich ihren eigenen Stempel auf, beginnen die anderen zu mäkeln – „das klingt ja gar nicht wie die ursprüngliche Version! Frevel! Sakrileg!“. CRISIX aus Barcelona indes scheinen sich von diesem Dilemma nicht beeindrucken zu lassen: Die spanischen Thrasher haben eigenen Angaben nach so viel Spaß am Covern, dass sie gleich eine ganze Serie an Tribut-Alben angekündigt haben, die sich jeweils auf bestimmte Genres, Regionen oder Epochen konzentrieren sollen. Und was liegt für eine Thrash-Band näher, als sich mit der ersten Ausgabe dieser Serie, „Sessions: #1 American Thrash“, ebenjenem Stil zu widmen?

CRISIX geben in der Release-Info zu Protokoll, dass später immer noch Zeit dafür sei, Metallica, Slayer, Overkill oder Megadeth – also den zur internationalen Speerspitze des Genres gehörenden Größen – Tribut zu zollen. Mit Exodus, Anthrax und Testament haben sie aber dennoch Bands in die Tracklist aufgenommen, die man zweifelsohne zur Thrash-Weltklasse zählen kann. Demgegenüber stehen allerdings auch Kulttruppen wie Evildead oder Demolition Hammer, die es – trotz ihrer in der Szene beliebten Outputs – nie aus ihrer Nische heraus oder zu etwas geschafft haben, was man ansatzweise Durchbruch nennen könnte. Die Wahl kann man durchaus als schlaue Lösung betrachten; denn auch wenn man nicht über „American Thrash“ reden kann, ohne Hetfield, Mustaine, Araya und Co. zu erwähnen, gelingt nur dann ein einigermaßen repräsentativer Abriss, wenn man größere und kleinere Combos gleichermaßen berücksichtigt.

Auch was die Songauswahl angeht, findet man auf „Sessions: #1 American Thrash“ eine ausgewogene Mischung aus Band-Hits auf der einen und Liedern aus den eher hinteren Reihen auf der anderen Seite. So sind etwa „Chalice Of Blood“ und „Critical Mass“ wohl die phänotypischen Tracks ihrer Interpreten, während die Testament– und Anthrax-Nummern zwar von populären Alben stammen, aber sicherlich nicht zu den Top 10 der West- und Ostküsten-Thrasher gehören.
Was CRISIX unterm Strich aus den Songs gemacht haben, kann man wie folgt beschreiben: Nicht nur wegen der modernen Produktion kommen die Lieder mit deutlich mehr Druck aus den Lautsprechern. Die Spanier bieten sie auch eine ganze Spur heftiger dar – sei es durch leicht erhöhtes Tempo oder einzelne mit fettem Riffing und Schlagzeug gesetzte Akzente. Tatsächlich hat das Quintett auf dem gesamten Album hier und da die Drum-Patterns verändert, um den teils über dreißig Jahre alten Schinken seinen eigenen Anstrich und vermutlich zugleich eine modernere Note zu verpassen, für die der Fünfer mit seinem Stil letzten Endes auch steht. Das äußert sich teilweise in – wenn auch nur kurzen – Breakdowns oder Passagen, die nach corigem Groove Metal klingen. Ob das Thrash-Puristen, die mit einer solchen Tracklist schließlich eindeutig angesprochen werden, nicht die Fußnägel aufrollt, sei dahingestellt. Die Spielfreude von CRISIX, die ihre Leidenschaft fürs Covern ja ausdrücklich betont haben, hört man immerhin eindeutig heraus.

Darüber hinaus darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass Frontmann Julis hysterische Vocals der Sorte Aufgebrachtes Rumpelstilzchen eindeutig in die Kategorie Muss man mögen gehören. Ganz ehrlich, was der Schreihals mit seinen Stimmbändern anstellt, kann nicht gesund sein. Sein Organ hat dabei ein dermaßen hohes Reiz- und Störpotential, dass die ebenfalls polarisierende Singstimme von John Connelly, Shouter von Nuclear Assault (vgl. zweiter Track), wie eine wohlig-warme Umarmung der Trommelfelle anmutet. Nicht zuletzt deshalb bleibt festzustellen: Nicht jeder, der Thrash Metal und Cover-Alben mag, wird CRISIX mögen – und wie eingangs dargelegt wird nicht jeder, der CRISIX mag, auch deren Cover-Album mögen. Aber sollte man sich in der Schnittmenge der Hörer wiederfinden, die all dies mögen, kann man bei „Sessions: #1 American Thrash“ zugreifen.

Metal Church – From The Vault

Hurra, ein neues Album von METAL CHURCH! Na ja, nicht so ganz, aber in schweren Zeiten wie diesen muss man dankbar sein für alles, was man bekommt. Zwei Jahre nach ihrer letzten Platte „Damned If You Do“ haben die einstigen Speed-Metal-Pioniere zwar kein ausgewachsenes Album auf Lager, aber doch immerhin so tief in die Mottenkiste gegriffen, dass dabei allerhand bisher ungehörtes Material zum Vorschein kam. Damit ist „From The Vault“ so etwas wie eine „erweiterte EP“, denn die Platte enthält neben einigen komplett neuen Songs auch noch Überbleibsel aus den Sessions zu ihrem letzten Album sowie die für solcherlei Zusammenstellungen obligatorischen Cover-Versionen und B-Seiten. Damit beinhaltet „From The Vault“ bereits mehr Neues als vergleichbare Übergangs-Veröffentlichungen anderer Bands und kann durchaus eine ganz spannende Angelegenheit werden.

Den Anfang machen die seit „Damned If You Do“ neu geschriebenen Songs. Als erstes fällt auf, dass den Nummern ein weitaus fetterer, wuchtigerer Sound spendiert wurde. „Damned If You Do“ mag inhaltlich das gewohnt hohe Niveau von METAL CHURCH locker erreicht haben, aber der dünne, drucklose Klang der Platte trübte das Hörvergnügen enorm – dieser Lapsus wurde hiermit korrigiert und es steht der Band weit besser. Die Neukompositionen auf „From The Vault“ zeigen METAL CHURCH dabei von ihrer besten Seite: „Dead On The Vine“, „For No Reason“ und „Above The Madness“ entpuppen sich jeweils als treibende Uptempo-Nummern, in denen die Truppe wie immer gekonnt thrashige Bissigkeit mit rockiger Coolness verbindet. Mit „Conductor“ findet sich hier zudem eine von der aktuellen Besetzung neu eingespielte Version eines der besten METAL-CHURCH-Songs überhaupt. Die hat auch 17 Jahre nach Erstveröffentlichung nichts von ihrem Charme verloren, weil die Nummer aber auch damals schon gut klang und mit Mike Howe am Mikro aufgenommen wurde, war eine Neuauflage nicht unbedingt zwingend.

Etwas abwechslungsreicher wird es im „zweiten Teil“ von „From The Vault“, der sich aus übriggebliebenen Songs zu „Damned If You Do“ zusammensetzt. Hier gibt’s mit „Mind Thief“ eine ziemlich cool dahingroovende Midtempo-Hymne, die zu aller Überraschung einen unerwartet erhebenden Refrain und beeindruckende Twin-Gitarren auffährt. Mit „False Flag“ findet sich obendrein ein düsterer Stampfer und das progressiv angehauchte „Tell Lie Vision“ ist vermutlich die einzige Nummer auf „From The Vault“, die sich tatsächlich wie eine B-Seite anfühlt. Und METAL CHURCH wissen noch mehr zu überraschen, denn mit „Insta Mental“ und „432 Hz“ enthält die Scheibe auch noch zwei Instrumentalstücke, das erste heavy mit toller Gitarrenarbeit und das zweite ungewohnt perlend und anschmiegsam mit seichter Akustikgitarre – es ergibt durchaus Sinn, diese Titel zugunsten vollwertiger Songs nicht auf ein Album zu packen, hörenswert sind sie dennoch.

Für die Cover-Versionen tauchen METAL CHURCH sodann in die 70er ein und nehmen sich stilbildendes Material von Nazareth, Ram Jam und Sugarloaf vor. Das Higlight ist hier klar deren 1970er Hit „Green Eyed Lady“. Einerseit ist es immer cool, wenn Classic Rock mit moderner Wucht interpretiert wird, zudem passt das raue Organ von Mike Howe zu diesem Song wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Die Nazareth-Nummer „Please Don’t Judas Me“ ist musikalisch superb umgesetzt, allerdings passt Frontmann Howe hier trotz hörbarem Einsatz nicht wirklich zum Stil des Songs und „Black Betty“ wurde in den letzten 40 Jahren bereits totgecovert. Den Abschluss bilden einige B-Seiten, besonders erwähnenswert ist hier die ursprünglich auf „Classic Live“ enthaltene Neuaufnahme von „Fake Healer“ mit Queensryche-Frontmann Todd LaTorre am Gesang.

Bands mit weniger Selbstbewusstsein hätten „From The Vault“ als neues Album verkauft und das wäre gar nicht so falsch gewesen – unterm Strich finden sich hier zehn vollwertige bisher ungehörte Songs, was bereits locker reguläre Albumlänge erreicht. METAL CHURCH sind zu ihren Fans aber lieber ehrlich und bieten das Material als das an, was es ist: Eine Kombination aus Neuem und Übriggebliebenem. Die Studiosongs fallen dabei durch die Bank hochwertig aus, weshalb „From The Vault“ allein hier schon seine Daseinsberechtigung erhält. Hinzu kommen durchaus unterhaltsame, wenn auch nicht unbedingt originelle Cover-Nummern und ein paar B-Seiten und fertig ist eine ziemlich abwechslungsreiche Sammlung an hochwertigem METAL-CHURCH-Material. Ja, nicht alles daran ist wirklich neu, aber dieses Beinahe-Album ist mehr als geeignet, um die Wartezeit zur nächsten „echten“ neuen Studioplatte der Band zu überbrücken.

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