Interview mit Bernhard Weiß von Axxis (Teil 1)

Bernhard Weiß, seines Zeichens Sänger der deutschen Hard Rock Formation Axxis, stellte sich am Telefon sehr ausführlich und sympathisch den Fragen unseres Mitarbeiters Klemens (vandroiy). Aufgeteilt ist das sehr lange Interview in zwei Teile. Unser Dank geht an Bernhard Weiß von Axxis

Telefonisches Interview (1.Teil) mit Bernhard Weiß (Sänger, Songwriter und Produzent von AXXIS), vom 2.1.2004.

Am 26. Jänner veröffentlicht ihr euer 8. Studioalbum… Gibt es stilistische Veränderungen zu den Vorgängern?

Bernhard: Ja, kann man sagen. Wir haben ja auf allen Alben immer ein breites Spektrum gehabt, „Axxis II“ mal einen Raegge wie „Touch the Rainbow“ oder auch andere Stilelemente mal in unsere Musik eingebracht, und bei diesem Album haben wir uns einen anderen Ball zugespielt: Was uns sehr wichtig war waren diesmal die Chöre, das wir die Chöre ein bisschen featuren, die auf allen Platten da sind, auch in der Masse da sind, aber nie SO deutlich zur Geltung kamen. Da wollten wir schon verstärken, ebenso wie auch die Double Bass Drum, die wir auch auf allen Platten schon eingesetzt haben aber nie so geballt.

Da Hauptgrund dafür war das unser Soundmann Frank Traszkowski, der auch U.D.O managet und meinte: ihr könnt gut singen, macht immer so geile Chöre uns seid alle Queen Fans, warum featured ihr nicht mal mehr die Chöre. Und er hat uns eigentlich auch ein bisschen in die Richtung gestoßen.
Deswegen ist es jetzt stilistisch nicht ganz anders als die anderen Axxis Alben, hat aber Schwerpunkte auf der musikalischen Ebene.

Die Titel auf dem Album klingen auch etwas härter… ist da Absicht dahinter oder ist das so entstanden?

Bernhard: Das liegt natürlich auch an der Art wie wir arbeiten, ich kann z.B. nicht anfangen und sagen „ich schreib mal ein paar Songs“. Ich brauch irgendeinen Ball der ins Spiel gebracht wird.
Bei dem „Eyes of Darkness“ Album z.B. wollten wir etwas Atmosphärischer werden, ein bisschen mehr mit Keyboardflächen arbeiten, ein bisschen ruhiger auch.
Das ist natürlich wieder ganz anders als das „Back to the Kingdom“ Album, wo es uns einfach wichtig war eine gewisse Spritzigkeit zu präsentieren. Und wenn du die anderen Alben von Axxis kennst weiß du das es immer auch recht problematisch ist Axxis zu fassen, du hast einmal ein „Voodoo Vibes“ Album, das total anders ist als alles andere, oder ein „Matters of Survial“ das wieder ganz anders ist wenn man die mit „Kingdom of the night“ vergleicht.
Das ist auch das Problem das Axxis so ein bisschen hat, das wir nicht einfach zu handlen sind für die Leute, sondern wir immer ein bisschen variabel sein möchten, auch ein bisschen experimentieren mit der Musik. Das kann mal gut sein, kann aber auch mal in die Hose gehen. So ist das halt bei einem Experiment immer.
Beim neuen Album haben wir halt mehr Double Bass Drum, und automatisch wird’s auch ein bisschen härter und kräftiger, weil Double Bass Drum natürlich schon auch Power und Aggressivität ausdrückt.

Gibt es unter den Axxis Alben eines das du bevorzugst?

Bernhard: Das ist eine Frage die mir viele Leute stellen, und ich hab jedes mal das Problem das ich da unterschiedlich rangehen muss: Wenn du jetzt erfolgsmäßig, also das was bei den Fans gut ankam meinst, dann muss ich natürlich „Kingdom of the night“, „Big Thrill“ oder „Axxis II“ sagen, wenn ich musikalisch, im Sinne von „was hat mir viel Spaß gemacht zu machen“, oder „wo haben wir als Musiker viel gelernt“ würde ich ein Album wie „Voodoo Vibes“ herausstellen, was ja bei den Fans nicht soo gut angekommen ist, weil wir schon ein bisschen über die Grenzen des Heavy Metal hinweggegangen sind. Wir haben da Stilelemente wie Drum Loops oder „mechanische“ Elemente benutzt, die natürlich verpönt sind in der Rockmusik, und wir haben uns halt getraut das zu machen. Das kam natürlich bei den Die-Hard Fans nicht so gut an, weil das Publikum doch auch sehr Konservativ ist und doch sehr auch auf den Rock-Streifen bleibt.
Aber als Musiker wollen wir uns natürlich das recht vorbehalten doch mal so ein bisschen so frickeln und zu gucken wo unsere Grenzen sind.
Daher kann ich das sehr schwer beantworten was für mich jetzt ein „gutes“ Album war.

„Big Thrill“ z.B. war Amerika, das war natürlich schon traumhaft, ich war das erste mal in Amerika, ich durfte aufs World Trade Center hoch und wir haben da Songs geschrieben, das hat schon Spaß gemacht.
So gab’s bei jeder Platte Sachen die wichtig und auch toll waren.

Gibt es Sachen die du im Nachhinein bereust, wie z.B. „Voodoo Vibes“ oder siehst du das eher als Erfahrung?

Bernhard: Ohne „Voodoo Vibes“ wäre ein Album wie „Back to the Kingdom“ erst gar nicht entstanden…das war ein sehr wichtiges Album, einfach damit wir selber auch unsere Grenzen sehen.
Mach ’ne Band, du bist völlig jung und hast keine Ahnung, kriegst einen Plattenvertrag, auch noch einen MAJOR Plattenvertrag, und du wunderst dich das du auf einmal Platten verkaufst und das das auch noch ankommt was du die letzten Jahre gemacht hast. Aus dem Proberaum heraus, von einer Vorstadtkombo wirst du auf einmal eine „bekannte Band“, verkaufst mehr als viele andere in Deutschland, was du als Greenhorn ja gar nicht so realisierst weil du denkst das wär ja normal was da passiert weil es deine erste Platte ist.
Dann wächst du mit dieser Musik auf, bist eigentlich wie ein kleines Baby, musst erst mal gucken wo deine Grenzen sind, mal ein bisschen rumspielen.
Das merkst du dann schon rechtzeitig wo deine Grenze ist als Band, als Axxis eben auch, von daher waren alle Alben sehr wichtig, für mich war das alles eine Lehre. Eine Lehre für die Band wieweit man gehen kann.
Ich will da jetzt nicht anmaßend sein, aber ich vergleiche Axxis da mal mit Queen, die haben „We will Rock You“ gemacht, und die haben „Radio Gaga“ gemacht, das sind Lichtjahre dazwischen vom Musikstil her, die haben Sachen gemacht die voll abgefahren waren.Ich hab mir damals als junger Musiker gesagt, wenn du mal ’ne Band hast, dann nimmst du dir dieses Recht auch raus.
Nun sind wir natürlich nicht Queen, aber du merkst bei Axxis schon das die manchmal extreme in ihre Musik einbauen und insofern im Heavy Metal, in der Sparte in der wir arbeiten, auch oft anecken.

Aber es macht die Sache halt interessanter wenn ich nicht 8 mal das selbe Album mit einem anderen Titel rausbringe…

Bernhard: Das ist der Punkt, ich kann jetzt einen auf Dieter Bohlen machen und immer den selben Scheiß produzieren und auf Sicherheit gehen oder ich habe Spaß an der Sache, gehe natürlich auch das Risiko ein das man Album nicht gut läuft.
Aber ein Axxis Album ist nicht so wie ein Stück Fleisch, wo man weiß wies schmeckt, was man mal eben so kauft, da ist schon ne gewisse Überraschung auch dabei, die mal in die Hose geht, mal aber auch wieder richtig toll ist.
Wobei die Reaktion auf das „Time Machine“ Album im Moment bei den Fans total positiv ist, weil das hätten sie jetzt nicht erwartet. Da haben wir vielleicht auch ein bisschen den Nerv der Zeit getroffen.
Wir haben z.B. in der Ludwigsburger Rockfabrik Axxis gespielt ohne das der Name der Band gesagt wird, einfach die Platte schon mal auf der Tanzfläche ausprobieren und die Reaktionen waren hervorragend… und keiner weiß was für eine Band das ist.
Daran sieht man das du Musik die wir auf „Time Machine“ gemacht haben so funktioniert, aber auch das hätte in die Hose gehen können.
Ein Album ist wie ein Foto, wenn ich von dir jetzt ein Foto mache, so wie du guckst, mach ich 10 Stück, eins davon ist gut, die andern sind alle Scheiße. Das ist eine Momentaufnahme die man auf CD konserviert.

An den Drums war für Time Machine ja Kostas Zafirou von Pink Cream 69, wer wird das live übernehmen?

Bernhard: Live wird das der Andre Hilgers von Silent Force machen, die Band ist auch nicht mehr ganz unbekannt in Deutschland. Er ist ein klasse Trommler, macht ein bisschen Progressiv-Musik bei Silent Force, ist auch aus dem Ruhr Gebiet, was uns sehr wichtig war, das er nicht zu weit weg war, das es auch ein bisschen Family Business bleibt.
Ich hasse es wenn es zu professionell wird. Ich hasse es sich einmal im Jahr zu treffen, eine Tournee zu machen, Geld zu kassieren und dann nachhause zu fahren uns sich nie wieder zu sehen.
Für uns ist es sehr wichtig auch Freizeitmäßig und mit den Frauen untereinander klarzukommen, sodass wir eine kleine, verschworene Gemeinschaft sind. Und das war mit Andre natürlich Traumhaft und deswegen ist er auch ideal für uns.
Er bleibt aber auch bei Silent Force und das ist auch seine Hauptband.

Aber März geht’s dann mit Pink Cream 69 auf Tour, wer wird da den Abend beenden?

Bernhard: Ach, das machen wir abwechselnd. Am liebsten wäre mir ja das Pink Cream immer am Schluss spielen , weil ich hasse Headliner zu sein, aber wir handhaben das so das wir die Veranstalter entscheiden lassen, da war das dann beim letzten mal so das in Deutschland fast immer wir die Headliner waren weil wir hier doch bekannter sind und mehr Leute ziehen, im Ausland fast immer Pink Cream, weil wir da ja fast Underground sind.

Ich bin immer Happy wenn Pink Cream am Schluss spielt, da bin ich früher fertig und hab auch noch was vom Tag.

Mich freut es ja sehr das ihr diesmal auch wieder nach Österreich kommt, was ja länger nicht der Fall war.
Wie lange spielt ihr eigentlich pro Show?

Bernhard: Wir versuchen eigentlich immer anderthalb Stunden zu spielen pro Band, aber das ist auch immer ein bisschen abhängig vom Curfew der Veranstalter, in Deutschland gibt’s Konzerte wo wir um 11 schon Feierabend machen müssen, wieso auch immer. Da wird’s wahrscheinlich dann nicht so lange gehen.
Und das mit Österreich finde ich ne Schande, das muss ich ganz ehrlich sagen, weil Österreich ist mir persönlich sehr wichtig. Hört sich jetzt ein bisschen geschleimt an, ist aber gar nicht so gemeint: Ich hab ja eine sehr enge Affinität zu Österreich, bin ja fast in Österreich groß geworden und hab immer versucht Österreich Termine klarzumachen, aber in Wien im Rockhouse hat das irgendwie nie geklappt. Das war nach dieser Black Sabbath Tour und nach dieser Donau….oder Praterfestival oder wie hieß das noch mal? Riesiges Festival…

Donauinselfest?

Bernhard: Ja genau, danach war das irgendwie tot, stille, obwohl eigentlich ganz witzig war. Deswegen war Österreich nie auf dem Zettel für uns, was ich persönlich sehr schade fand, wie gesagt, ich bin in Terlitz, Niederösterreich fast aufgewachsen.

So, dass war’s erst mal. Im zweiten Teil erfahrt ihr was Bernhard Weiß zum spurlosen verschwinden ihres Drummers, zur Produktion des neuen Albums, zum Thema Ozzy Osbourne und zu vielem mehr zu sagen hat.

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