Agathodaimon w/ Odium, Discreation

  • Mainz, Kulturcafé
  • 20. Februar 2009

Eine bekannte Weisheit sagt ja, dass es erstens anders kommt und zweitens als man denkt. Gedacht hatte ich, dass ich am Freitag, den 21. Februar, einen eher geruhsamen Abend verbringen würde, aber dann durchforstete ich am vorigen Tag mal wieder die neusten Newsmeldungen auf unserer Homepage und entdeckte, dass die Mainzer Dark Metaller AGATHODAIMON wohl einen ersten Song von ihrem neuen Album auf ihre Myspace-Seite geladen hatten. AGATHODAIMON war für mich immer eine recht zwiespältige Angelegenheit, haben sie mit Songs wie „An Angel’s Funeral“, „The Ending Of Our Yesterday“ und „Tristetea Vehementa“ doch eindeutiges Gespür für großartige Musik bewiesen, ihre CDs ansonsten aber größtenteils mit eher durchschnittlichem, vergessenswertem Zeug vollgepackt. Egal, reinhören kostet nichts, dachte ich mir. Als ich aber so die Myspace-Seite der Knaben in Augenschein nahm bemerkte ich etwas sehr interessantes bei den Konzertdaten: „20. Februar – Kulturcafé Mainz“. Moment, DAS Kulturcafé? Das Q-Kaff auf dem Campus der Uni Mainz, das quasi direkt bei mir um die Ecke ist? Ein wenig Recherche bestätigte das, der Eintrittspreis von 3€ war auch recht verheißungsvoll (auch wenn es mich etwas wunderte, nicht nur der günstige Preis sondern allgemein der Auftritt an diesem Ort, ist die Band doch immerhin bei Nuclear Blast unter Vertrag…), jetzt musste ich nur noch eine Begleitung organisieren, da ich ungern allein auf Konzerte gehe. Das war leichter gesagt als getan, denn so kurzfristig konnte kaum jemand die Zeit aufbringen, letztendlich erklärte aber Kollege Schott (eigentlich auch kein so großer Freund der Band, der meinte, dass von „Serpent’s Embrace“ ein bis zwei Songs gut sind und der Rest auch nicht lange im Gedächtnis bleiben würde), der ja auch hier in der Gegend residiert, sich bereit mitzukommen (und nebenbei noch auf meinem Sofa zu nächtigen, umgeben von leeren Bierdosen, aber das ist eine andere Geschichte…).

Um 21 Uhr sollte der Spaß losgehen und im Internet fand man bezüglich der Besetzung des Konzertes neben AGATHODAIMON noch die Namen ODIUM (eine hessische Thrash Metal Band, die schon seit 1993 im Geschäft ist, bisher vier Alben herausbrachte, allerdings noch immer keinen Vertrag hat) und Skidbladnir (eine Band die ihren Stil selbst „Viking Roll“ nennt, aber die traten eh nicht auf, von daher…), also waren wir frohen Mutes, dass das doch kein gar so übler Konzertabend werden würde, als wir gegen zwanzig nach acht auf dem Campus vor dem Eingang des Kulturcafés standen und noch ein paar Bierdosen leerten und über Gott und die Welt palaverten. Die Location selbst war zwar nicht so sonderlich geräumig, aber ich schätze auch nicht, dass große Menschenmassen erwartet wurden, auch war sie nicht das, was ich persönlich „gut gefüllt“ nennen würde, als wir dann gegen neun unsere drei Euro löhnten und den Ort des Geschehens betraten…

ODIUM waren schon bei der Sache, schienen jedoch mit den eher überschaubaren Massen vor den Brettern die die Welt bedeuten nicht so ganz glücklich zu sein. Routiniert spielten sie ihre Mischung aus Thrash und Power Metal runter, bangten hier und da ein wenig, spielten ansonsten aber ohne wirklich exorbitante Begeisterung. Was aber gleich auffiel war die glasklare Abmischung, die der Sound der vier Jungs und der Bassistin vorweisen konnte. Hier wurde wirklich ganze Arbeit geleistet, das Material kam in einer akustischen Qualität durch die Boxen, die man normalerweise nur von Studioaufnahmen gewohnt ist.
Schließlich füllte der Saal sich während dem Auftritt der Band doch noch etwas (ich wage zwar zu behaupten, dass es nicht an der Musik des Fünfers lag, sondern daran, dass der Bierausschank direkt neben dran war, aber Publikum ist Publikum, nicht wahr?) und Sänger Ralf taute merklich auf, gab endlich auch ein paar Ansange zum Besten und machte von da an auch einen glücklicheren Eindruck auf der Bühne. Eine gute Stunde gaben sie ihre Songs zum Besten und hinterließen im Endeffekt doch einen sehr ordentlichen Eindruck bei uns, denn auch wenn die Musik nicht wirklich was besonderes war, so verbreitete der Auftritt doch eine ganz ordentliche Stimmung.

Nach einer kurzen Pause trat auch schon die nächste Band auf die Bühne. Vier langhaarige Kerle und ein Glatzkopf alles in allem, da wir den Aushängen am Veranstaltungsort keine große Beachtung geschenkt hatten, gingen wir davon aus, dass es sich um Skidbladnir handeln würde, tatsächlich stand da aber DISCREATION auf der Bühne, offiziell eine Death Metal Band aus Rodenbach. Da wir es nicht mit Skidbladnir zu tun hatten erübrigen sich eigentlich die Witzeleien über das Material der Jungs (im Sinne von „Wenn man sich die Haare wachsen lässt und ein Unleashed-Shirt anzieht wird aus Metalcore trotzdem noch kein Viking Metal“) eigentlich, aber sie treffen den Nagel ungefähr auf den Kopf.

Der Fünfer spielte nämlich – entgegen der Genrebeschreibung – ziemlich klassischen Metalcore mit ein paar Death Metal anleihen, inklusive nervigen cleanen Vocals und allem was sonst so dazugehört. Ein paar nette Nackenbrecher waren mit an Bord und Frontmann Kai Müller-Lenz schien sich selbst auch ziemlich gut zu gefallen, ging er doch so heftig ab, dass er sich irgendwann seines T-Shirts entledigen musste, Kollege Schott und mich konnte das aber nicht gerade umhauen. Ein paar Songs lang blieben wir noch in den hinteren Reihen stehen, dann zogen wir uns mit Bier in den Nebenraum zurück und suchten uns eine Sitzgelegenheit, denn obwohl die Musik von DISCREATION welche von der Sorte ist, die live eigentlich ganz gut Laune machen kann, der Funke wollte einfach nicht überspringen. Zu langatmig war das Geballer, so dass ich, als ich nach einem Lied, das mir mindestens wie ein epischer Siebenminüter vorgekommen war, auf die Uhr schaute, merkte, dass das Ding gerade mal drei Minuten gedauert hatte. Schnarch. Zu ihrer Ehrenrettung muss man wohl sagen, dass DISCREATION ein paar Leute in der vordersten Reihe tatsächlich mitreißen konnten und der Sound auch schwer in Ordnung ging, wenn er auch nicht ganz so gut war wie der von ODIUM, aber allgemein bleibt für mich nur das Fazit, dass die Band eine von der Sorte ist, die man absolut nicht gesehen haben braucht…

Dann kam aber schon der große Headliner des Abends, AGATHODAIMON, komplett mit neuem Album im Gepäck das da auf den Namen „Phoenix Rising“ hört. Den ersten Song davon, „Heliopolis“, hatte ich mir am vorigen Tag auf Myspace angehört und war doch etwas entsetzt über die neue Ausrichtung der Band, seit „Chapter III“ hatte ich nämlich nichts aktuelleres mehr von ihnen gehört (Kollege Schott versicherte mir, dass ungefähr diese Marschrichtung schon auf „Serpent’s Embrace“ vorherrschte). Irgendwie sehr Power Metal lastige Gitarrenarbeit, angereichert mit harschen Vocals und amtlich mit Keyboardteppichen zugekleistert… Wem’s gefällt. Vielleicht liegt es daran, dass von der Ur-Besetzung nur noch Gitarrist Martin Wickler mit an Bord ist, jedenfalls liefert ein nahezu vollständig neues Lineup, noch abgesehen von Keyboarder Felix Walzer, auf der Scheibe seinen Einstand.
Eben dieser Felix Walzer fehlte aber scheinbar an diesem Abend, entweder das oder ich hab ihn auf der Bühne nicht gesehen, die war aber nicht so exorbitant groß, dass man da leicht jemanden aus den Augen hätte verlieren können. So kamen die ganzen Arrangements eben vom Band und teilweise ging das ganz gut, teilweise hatte es aber fatale Auswirkungen. Mangels Kenntnis des Materials auf „Phoenix Rising“, „Higher Art of Rebellion“ und „Serpent’s Embrace“ kann ich jetzt nicht so viel zur Trackliste sagen, als vierten Song jedoch kündigte Sänger Chris ‚Ashtrael‘ Bonner (sorry, aber bei dem Pseudonym musste ich irgendwie kurz an „Ashtray“ denken) mit den Worten „Das nächste Lied widme ich einem vor zwei Wochen verstorbenen Freund“ den Gassenhauer „An Angel’s Funeral“ an. Auch Großtaten wie „Tongue of Thorns“, „Departure“, „Past Shadows“ und „Tristetea Vehementa“ wurden gespielt („The Ending of our Yesterday“ ärgerlicherweise nicht, Ashtrael erwähnte kurz auf der Bühne, dass irgend jemand es wohl gewünscht hätte, vielleicht hatte die Band es sich für die zweite Zugabe aufgespart, zu der es jedoch aus irgend welchen Gründen nicht kam), aber für jeden großartigen Song, den der Fünfer zum Besten gab wurden auch zwei halbärschige Tracks von den letzten beiden Alben gespielt und die konnten leider so überhaupt keine Stimmung vermitteln. Lahmes Powerchord-Geshredde mit groß aufgezogenen Arrangements aus der Konserve unterlegt, das ist an sich schon mal keine so spannende Angelegenheit und funktioniert dann noch mal eine ganze Ecke schlechter, wenn der Keyboarder fehlt. Denn so gut die Abmischung auch war, so klar der Sound rüberkam, die recht „organische“ Leistung der Musiker auf der Bühne stand im krassen Gegensatz zu den glattgebügelten Lead-Keyboards, die einfach „zu perfekt“ waren. Das hat bei all diesen Songs schon gut die Stimmung versaut, glücklicherweise zeigte die Band selbst sich von ihrer spielfreudigen Seite, Ashtrael leistete auf der Bühne recht großes und mit den gitarrenorientierten alten Songs konnten sie wieder Boden gut machen, allgemein lässt der Auftritt der Mainzer allerdings einen bitteren Nachgeschmack zurück.

Viertel nach eins war’s, als wir aus dem Kulturcafé rausfielen, uns einen Bus gen Heimat suchten (der auch noch quasi direkt nachdem wir die Bushaltestelle erreicht hatten dort aufkreuzte, das nenn ich Timing) und nebenbei noch ein paar böse Sprüche über AGATHODAIMON (die es eigentlich gar nicht so sehr verdient hatten) und DISCREATION (die es ohne Zweifel verdient hatten) rissen. Ja mei, drei Euro hat der Abend gekostet, die Bierpreise waren mit 2,80€ für einen halben Liter auch relativ moderat, wenn ich allerdings mehr dafür ausgegeben hätte, dann hätte ich mich doch irgendwo geärgert, der Auftritt von ODIUM, der besten Band des Abends, war aber doch ganz gut.


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