Faun akustisch

  • Freiheiz
  • 18. April 2010

Es gibt mittelalterliche Bands, deren Musik wie gemacht für ruhige bestuhlte Konzertabende in gediegenem Ambiente ist: dazu zählt in erster Linie FAUN. Während bei anderen Folkcombos wie Schandmaul, In Extremo und Subway to Sally das Akustikprogramm einen Kontrast zu den krachenden Dudelsackrhythmen darstellt, wirken die auf das musikalische Minimum reduzierten Stücke bei den Paganfolk-Vertretern wie eine stimmige Ergänzung bzw. eine konsequente Weiterentwicklung.Am Sonntag, den 18. April 2010, gastierten Oliver Sa Tyr, Sandra Elflein, Fiona Rüggeberg-Kühn und Rüdiger Maul im Münchner Freiheiz – einem alten Backsteingebäude, welches früher der Deutschen Bahn gehörte und jetzt als Konzertlocation dient. Niel Mitra (zuständig für die elektronischen Klänge und demnach ohne Verwendung) war indes während des gesamten Konzertes gut gelaunt am Merchandise-Stand oder im Publikum anzutreffen.

Natürlich stand der gut 2,5-stündige Abend (mit 30 Minuten Pause) ganz im Zeichen der ruhigen Klänge und erinnerte dabei an die dunkelromantischen Herbstabende von ASP im Jahr 2008. Allerdings erwies sich das bunt gemischte Münchner Publikum an diesem Abend als deutlich weniger feier- und tanzwütig.
So lauschte die fast komplett gefüllte Halle beinahe andächtig den Balladen aus dem neuesten Faun-Album, die größtenteils die Nibelungensaga um Siegfried bzw. Sigurd und Brynhild thematisierten. Zwischen den einzelnen Songs lockerte Oliver die Atmosphäre immer wieder durch unterhaltsame Anekdoten und Hintergrundinfos auf, die u.a. von männlichen Problemlösungen im 11. Jahrhundert handelten.Abseits der Nibelungen mischten Faun Griechisches mit osteuropäischem Liedgut, erfreuten sich über einige der 405 GEMA-freien traditionellen Stücke und präsentierten mit ihrer Version von „Loibere Risen“ das absolute Highlight der ersten Konzerthälfte. Im zweiten Teil hinterließ wiederum Oli an der Harfe mit dem Solostück „Vom Truge“ den bleibendsten Eindruck.
Das neueste Bandmitglied Sandra Elflein konnte dabei nicht nur bei dem eben erwähnten „Loibere Risen“ auf ganzer Linie überzeugen, sondern wirkte besonders durch ihre instrumentale Vielseitigkeit und den bezaubernden Gesang wie eine bessere Alternative zu ihrer Vorgängerin Lisa Pawelke. Zwar war sie besonders gegen Ende sichtbar angeschlagen, doch kämpfte sie sich meisterlich durch den Abend, was sowohl von ihren Bandkollegen als auch von den Zuhörern durch Extra-Applaus gewürdigt wurde.
Vor dem letzten Stück kündigte Oliver an, dass die Band bei entsprechenden Publikumsreaktionen vielleicht noch einmal wieder käme, so dass die nun folgenden Zugaben obligatorisch waren. Als die Faune die Bühne ein weiteres Mal verließen, kehrten sie nach anhaltendem Applaus allerdings noch einmal zurück, wobei Herr Sa Tyr sehr angetan davor war, dass das Publikum auch ohne vorherige Hinweise weiter applaudierte, um weitere Stücke zu hören.So schlossen die vier Musiker den Abend schließlich passenderweise mit „Fort“ und entließen ihre Gäste wieder in den Münchner Großstadtwahnsinn.

Natürlich war die Band gezeichnet von der langen Tour quer durch Deutschland, doch trotz der betont ruhigen Grundstimmung kam über den gesamten Abend nie das Gefühl von Eintönigkeit auf. Dazu trug besonders Oliver Sa Tyr mit seinem trockenen Humor und seinem großen Improvisationstalent bei. Leider habe ich die Band musikalisch in den letzten Jahren etwas aus den Augen verloren, so dass mir der Vergleich zwischen der CD und den Live-Versionen fehlt, doch nach diesem Abend gibt es unzählige Gründe, um sich dem Paganfolk in Zukunft wieder mehr zu widmen.

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