Green Day w/ New Found Glory

  • Berlin, Arena-Treptow
  • 11. Januar 2005

Seit der Wahl-Propaganda und dem Wirbel um den „American Idiot“ George W. Bush flimmert das Punkrock-Trio Green Day wieder über die üppigen Fernsehbildschirme und kann auch wieder die hiesigen Bühnen beanspruchen. Angekündigt waren sie im Vorfeld in der Columbiahalle, in der sie auch Jahre zuvor gespielt hatten und die Halle für 1500 Seelen nicht mal halbvoll war. Aufgrund der großen Nachfrage wurde der Gig prompt in die Treptower Arena an der Spree verlegt, was größeren Fanansturm bedeuten würde. Schließlich bietet das alte Gemäuer Überdachung für nicht weniger als 8000 Menschen. Es sollten aber nicht mal annährend so viele werden…

New Found Glory sollte man eigentlich kennen. Sie wurden zwar lediglich als „Support“ angekündigt, hätten meiner Meinung nach aber eine Stellung als „Special Guest“ redlich verdient. Doch die Herren murrten nicht, spielten ihr Set mehr oder weniger gekonnt runter und durften als erste den grausamen Sound der Arena spüren. Recht haben sie, der Sound stank zum Himmel und war durchaus dazu fähig, diesen Abend zu zerstören. Aber die Menge jubelte, klatschte und feierte den Anheizer, als gäb es keinen Morgen mehr, und schon an diesem Punkt fing ich an, mich unwohl zu fühlen. Was würde passieren wenn Green Day die Stage unter ihren Nagel reißen?

Diese Frage sollte noch eine Weile unbeantwortet bleiben, denn ein paar Kasper, verkleidet im Duracell-Hasen Outfit, versuchten die Menge ein wenig zum feiern anzustacheln. Leider schlug dieser (meinetwegen gutgemeinte) Versuch kläglich fehl und am ehesten hätte man die Häßchen gar noch gesteinigt. Völlig verschwitzt verließen sie die Bühne rasch und in meinen Kreisen breitete sich eine Konversation aus, die gezielt ihre Hasstiraden gegen jene Hasen richteten, untermalt mit Musik von Nofx. Wo darf ich unterschreiben?

Mit tosendem Applaus wurden Green Day empfangen und spielten direkt ein überlanges Stück aus ihrem aktuellen Album. Ungewohnt, aber interessant. Erste Crowdsurfer bahnten sich ihren Weg vom hinteren Ende der Halle bis zum Bühnengraben, wo sie einbrachen. Die alte Leier eben. Die Rocker ließ das allerdings eher kalt. Sie spielten professionell ihre Setlist herunter und ließen sich ordentlich feiern. Alte Songs aus dem „Dookie“ -Zeitalter ließen zum Schwelgen anregen, „Basket Case“ erfüllte so manchem Teenie-Girl den größten Wunsch ihres Lebens und die Welt war voll in Ordnung. Aber so einseitig war es nun auch wieder nicht. Die waschechten Green Day Fans (es gab tatsächlich Leute, die sich von oben bis unten grün angemalt hatten, getreu dem Bandnamen) waren unverkennbar und sangen jede Zeile mit, dicht bedrängt von der albernen Bravofraktion, die wiederholt hiflos die Welt zu verstehen versuchte. „American Idiot“ war wohl das Highlight des Abends, wenn auch nicht wirklich für mich. Hinterher war auch Mtv Live vor Ort und unterzog die völlig verschwitzten Konzertgänger einer Frage/Antwort Prozedur. Eigentlich dumm, wenn das Mädchen, das während des Konzertes neben mir stand und jede Zeile lautstark mitsang, plötzlich antwortet „Absoluter Kommerzscheiß, eine Schande!“.

Aber in Ordnung, Poser gibt es hier und da – und eben auch bei Green Day, warum auch nicht. Der Abend war trotzdem ein Erlebnis.


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