Schandmaul

  • Graz, Orpheum
  • 04. Mai 2007

Am Ende der bereits dritten Tour zum aktuellen Album „Mit Leib und Seele“ haben sich die Schandmäuler in Graz eingefunden, um dem österreichischen Publikum eine weitere Show zu bieten. Als Fan der Band, seitdem ich Gitarrenmusik höre, nahm ich gerne die knapp 400 Kilometer auf mich, begleitet von 3 Freunden, die ebenfalls große Anhänger der Band sind.
Das Grazer Orpheum bot einen überaus würdigen Veranstaltungsort, der gut gefüllt war, wobei ich nicht mit Sicherheit sagen kann, ob das Konzert wirklich ausverkauft war. Wodurch sich ein Schandmaul-Konzert von den meisten anderen Veranstaltungen unterscheidet, ist die Vielfältigkeit der Figuren im Publikum. Da stehen Männer in Kettenhemden neben, wie es aussah, Familien, Metalfans treffen auf Gothen und da wird auch schon mal ins Horn gestoßen. Zu den Klängen von „Neuland“, des Soloprojekts von Anna Kränzlein, füllt sich die Halle langsam, bis kurz vor halb Neun die Band lautstark begrüßt werden kann. Nach dem kurzen Instrumental „Das Mädchen und der Tod“, bei dem vor allem Geigerin Kränzlein und die „Speed-Elfe“ Birgit Muggenthaler auftrumpfen können, kommt Sänger Thomas Lindner und startet den Abend mit dem Song „Kein Weg Zu Weit“ aus dem neuen Album. Anna hatte sich in der Zwischenzeit ihres Mantels entledigt und war der Blickfang des Abend, auch weil die 26-jährige auf der Bühne eine positive Energie ausstrahlt, die einen einfach nicht kalt lassen kann. Dies gilt ebenso für die anderen Bandmitglieder: Birgit und Anna tanzen vor Martin „Ducky“ Duckstein und Matthias Richter, haben Spaß, lachen und hüpfen und kommen auf der Bühne sympathisch und natürlich rüber. Den Eindruck, den sie bei Interviews und auf ihren DVDs bis jetzt immer auf mich gemacht haben, täuscht also nicht. Thomas interagiert mit dem Publikum, erzählt amüsante Hintergrundgeschichten und ist stimmlich makellos. Einzig der zu laute, sich manchmal überschlagende Basssound trübt den Gesamteindruck und machte es oft schwer, den Sänger klar zu verstehen. Natürlich wurden an dem Abend viele Songs von „Mit Leib und Seele“ gespielt, das mich auf Konserve nur teilweise überzeugt hat, live aber gleich viel druckvoller und spannender klingt. So ist mir „Wolkenberge“ auf dem Album nie wirklich aufgefallen, nicht positiv, nicht negativ. Beim Konzert kam der Song mit dem harmonischen Dreigesang mit den Mädels sehr organisch und warm rüber.

Natürlich durften auch die Klassiker nicht fehlen. Sehr gefreut habe ich mich über den „Drachentöter“, da es der erste Song war, den ich jemals von der Band gehört habe. „Der Hofnarr“, dessen Überleitung von Thomas lustig gestaltet wurde, zog dann das erste Mal lautstarke Chöre aus dem Publikum mit sich, was aber, nachdem das Publikum aufgewärmt war, nicht das letzte Mal bleiben sollte. So ging es weiter im Programm mit abwechselnd neuen und älteren Liedern, die in ihrer Livepräsentation aber allesamt gleich frisch klangen. Nach knapp einer Stunde und Klassikern wie „Waldmär“, das sie nur in Österreich spielen dürfen, weil in Deutschland der Jugendschutz zu streng ist, wie Thomas ernst versicherte und „Vogelfrei“ beendeten sie das reguläre Set mit „Gebt Acht“.

Schandmaul ließ sich aber nicht lange bitten und kam nach kurzem aber lautem Jubel wieder auf die Bühne, um schwere Geschütze auf zu fahren. Diese musikalische Artillerie hört auf den Namen „Walpurgisnacht“ und abgefeuert, bringt es das Publikum zum Springen und Tanzen. Ein wahres Erlebnis, diesen Song endlich einmal live zu hören und mit hunderten Leuten im Chor zu singen. Die erste Zugabe war geprägt von Geschwindigkeit und mitsingbaren Refrains und wurde mit „Der Spion“ abgeschlossen, dessen Refrain vom Publikum alleine angestimmt wurde. Die zweite Zugabe bot danach ruhigere Kost und enthielt den Übersong „Dein Anblick“, der ähnliche Reaktionen erhielt wie „Walpurgisnacht“. Als Schluss hatten sich die Deutschen ein besonderes, selten gespieltes Schmankerl aufgehoben: „Der Wandersmann“. Mit einem kräftigen „…es fließt der Wein, es fließt das Bier…“ wurde das Konzert nach etwas mehr als eineinhalb Stunden absoluter Hingabe der Band beendet.

Leider hatten wir aufgrund der weiten Anreise, nicht mehr die Zeit auf die Band zu warten, die versprachen, nachdem sie sich umgezogen haben, zu den Fans zu kommen. Mit diesem Konzert wurde aber einiges sehr deutlich: Schandmaul sind bei allem Erfolg sympathisch und Fan-nahe geblieben und sie strahlen dadurch eine besondere Energie auf der Bühne aus. Außerdem ist nun klar, dass ich, wenn die Band wieder nach Österreich kommt, sicher dort sein werde. In diesem Sinne: „…es fließt der Wein, es fließt das Bier, hoch die Krüge, trinken wir!“ und vielen Dank an die Band für diesen Abend.

Setlist:
1. Das Mädchen und der Tod
2. Kein Weg zu weit
3. Das Tuch
4. Der Schatz
5. Der Drachentöter
6. Der Hofnarr
7. Leb!
8. Wolkenberge
9. Feuertanz
10. Die Flucht
11. Vogelfrei
12. Die Waldmär
13. Die Tür in Mir
14. Lichtblick
15. Mitgift
16. Gebt Acht
———-
17. Walpurgisnacht
18. Vor der Schlacht
19. Der Spion
———-
20. Das Duell
21. Dein Anblick
22. Der Wandersmann


Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: