Subway To Sally w/ Nachtgeschrei

  • Hamburg, Docks
  • 26. Oktober 2011

Nachdem die Potsdamer nach einem sehr mäßigen 2009er Album dieses Jahr mit „Schwarz in Schwarz“ zumindest wieder ein Ausrufezeichen setzen konnten, ist es keine Frage, dass auch die dazugehörige Tour besucht wird. Diese macht leider mal wieder im ungeliebten Hamburger Docks halt, immerhin kann man es sich auf der Empore „gemütlich“ machen, um sich wie so oft über die völlig überzogenen Bierpreise (3,20 € für das kleine Pils) oder die unsägliche Garderobe zu ärgern.

Als Vorgruppe hat man sich NACHTGESCHREI ausgesucht, die mir schon auf dem ein oder anderen Hörnerfest begegnet sind, wobei mir aber stets das Nebenprojekt „The Pints“ besser gefiel. Die Hessen machen ihr Ding zwar solide, können mich aber mit ihrem recht schwerfällig-melancholischen Folk Rock nicht packen. Einzig „Der Meister“ hat seine Momente, wenn etwas beschwingter Backbeat die Musik auflockert. Besonders Sänger Hotti – ein Poser und Schwätzer vor dem Herrn – enttäuscht, weil er seine eigentlich schöne Stimme so kraftlos und dilettantisch einsetzt. Seinem Ausstieg im April wird hier jedenfalls keine Träne nachgeweint. Ob dem Rest im Docks NACHTGESCHREI als Anheizer gefallen, ist nicht ganz klar. Von oben sieht man kaum Bewegung, zu hören gibt es außer Applaus wenig. Nun denn, es gilt sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Setlist Nachtgeschrei:
Ad astra
Herz aus Stein
Räuber der Nacht
Niob
Glut in euren Augen
Herzschlag
Der Meister
An mein Ende
Fernweh
Windstill

SUBWAY TO SALLY lassen nicht lange auf sich warten. Bereits kurz nach neun hüllt sich die Bühne ins Dunkel, und mit zwei der schwächeren Songs des neuen Albums geht’s los. Der Siebener ist jedoch optisch mal wieder in Höchstform, neben eleganter Bekleidung und routiniert starker Bühnenbeleuchtung brennen die Subways buchstäblich ein Feuerwerk ab, und so schwant mir bereits, dass heute jemand noch Opfer der fulminanten Pyrotechnik werden dürfte. Zum Glück soll ich Unrecht behalten.
Die Reaktionen auf das unsägliche Album „Kreuzfeuer“ scheinen Spuren bei der Band hinterlassen zu haben: Nicht nur, dass man sich auf einen Song aus dieser Schaffensperiode beschränkt, auch gibt sich Sänger Eric Fish ungewohnt demütig, lässt das Publikum vielfach wissen, wie glücklich er mit diesem ist und scheint eine ganze Menge seiner einstigen Arroganz abgelegt zu haben. Ob das eine eilig bemühte, kalkulierte Kehrtwende ist, vermag ich nicht zu sagen, aber auf diese Art gefallen mir SUBWAY TO SALLY schon einmal sehr viel besser als noch vor zweieinhalb Jahren, als ich sie das letzte mal sah.

Die Songauswahl hält wenig Überraschungen bereit, sieht man mal von der angenehm knappen Berücksichtigung der vorletzten Songs ab. Mit „Tag der Rache“ schafft es eine Nummer ins Set, die man bislang nicht gerade oft gehört hat, und eine Akustikversion von „Feuerkind“ als Ruhepause ist mir auch ein Novum. Dass die Band zu „Besser du rennst“ zum Circle Pit auffordert, hinterlässt ein schmunzelndes Kopfschütteln, aber so geht eben jede Musikgruppe mit der Zeit. Weiterhin muss man natürlich bei jeder neuen Tour verkraften, dass eine Reihe eigentlich unverzichtbarer Songs aus dem Programm fällt. Dass „Julia und die Räuber“ NICHT dazu gehört, ist allerdings jedem Fan klar. Und so wird zum Ende des regulären Sets bereits frenetisch „Raub und Überfall“ gefordert, worauf Eric entgegnet, dass man unbesorgt sein soll, sie könnten ja gar nicht anders. Vorher gibt es allerdings noch ein gelungenes Medley, dass jedem der drei Songs genügend Platz lässt. Die Stimmung bei den Hamburgern ist spätestens bei „Ohne Liebe“ auf einem Höhepunkt, gesanglich wird es allenfalls von „Kleid aus Rosen“ getoppt.
Nach fast zwei Stunden verabschieden sich die Potsdamer aus Hamburg, nicht ohne mehrfach zu beteuern, dass der Abend so unvergesslich bleiben würde. Das ist zwar Topos, ändert aber nichts daran, dass es tatsächlich ein ziemlich gelungenes Wiedersehen mit SUBWAY TO SALLY geworden ist.

Setlist Subway To Sally:
Kämpfen wir!
Schlagt die Glocken
Tag der Rache
Unsterblich
Mephisto
Die Trommel
Das schwarze Meer
Wo Rosen blüh’n
Eisblumen
Lacrimae ’74
Feuerkind (Akustisch)
Mir allein
Böses Erwachen
Wenn Engel hassen
Nichts ist für immer
Besser du rennst
Tanz auf dem Vulkan
Kleid aus Rosen
MMXII
————
Medley: Sieben, Ohne Liebe, Veitstanz
————
Falscher Heiland
Julia und die Räuber

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