Terror Fest (Excrementory Grindfuckers w/ Mortal Agony, Conspiracy)

  • Hollfeld, Stadthalle
  • 17. Juni 2006

Am 17. Juni 2006 sollte die Stadthalle Hollfeld Austragungsort für das erste Terror-Fest, welches von Conspiracy-Sänger Roman organisiert wurde, sein. Endlich konnte man sich wieder einmal auf „richtige“ Musik in der Stadthalle freuen, denn seit dem Ragnarök 2 (im Übrigen fungierte „Ragnarök-Wotan“ Ivo als Stagemanager) spielten hier fast nur Punkcoverbands, die man an einer Hand abzählen kann oder es fanden Faschingsprunksitzungen statt. Die Vorfreude war als groß, denn als Headliner konnte niemand geringeres als die Fungrinder THE EXCREMENTORY GRINDFUCKERS aus Hannover gewonnen werden und außerdem freute ich mich darauf Melly, Stefan und Seimen wieder zu sehen. Nachdem COLLABORATION- und CONSPIRACY-Bassist Markus mich mit ein paar Kerwas-Liedern (= Lieder die man zur Kirchweih singt; für alle „nicht-Bayern“) beim Soundcheck nach draußen verscheucht hatte traf auch bald die Delegation aus Immenreuth ein und wir machten es und erstmal auf einer Bank vor der Stadthalle gemütlich um uns mit allerlei Prominenz (Damor Hagal, der Rest von Conspiracy, Ivo, etc.) ablichten zu lassen oder den Grindfuckers beim Dösen und Fußballspielen in der Sonne vorm Hallenbad der benachbarten Hollfelder Gesamtschule zuzusehen. Der erhoffte Besucheransturm beim Einlass um 19 Uhr wollte sich irgendwie noch nicht so wirklich einstellen, aber die Stimmung ließen wir uns davon nicht vermießen. (n)

Pünktlich um 20:15 enterte mit COLLABORATION die erste Band des Abends die Bühne, vor der sich leider nur wenige Gestalten tummelten. Dies hinderte jedoch die beiden einzigen COLLABORATION-Hardcore-Fans die Band ordentlich abzufeiern. Natürlich litt die Band ziemlich darunter, dass sie auf Grund von GEMA-Bestimmungen am Terror-Fest nicht covern durften und somit auf ihr noch nicht allzu üppiges eigenes Liedgut zurückgreifen mussten, aber das Gebotene war zwar nicht schlecht, jedoch kann man nicht von einem gelungenen Auftritt sprechen. Bei ihrem Hardcore-Thrash-Metal war zudem der Sound noch nicht besonders gut, so dass der Bass das Ganze ziemlich übertönte und das Wechselspiel zwischen normalen und cleanen Vocals gefiel mir bei einem Song ganz und garnicht. Nach sechs Songs war der Auftritt dann auch schon zu Ende und man muss trotzdem sagen, dass sie sich als Opener ganz gut aus der Affäre gezogen haben. (n)

„Ganz gut“ ist noch schmeichelheft, aber wollen wir dieses Kapitel ruhen lassen. Als nächstes standen nach einer längern Umbaupause wegen dem linkshändigen Drummer OBSTINACY auf der Bühne, die sich im fränlischen Bereich inzwischen durch zahlreiche Auftritte schon einen Namen machen konnten. Immerhin ein paar Leute mehr waren nun vor der Bühne, trotzdem war es weiterhin vor allem auf den Bänken recht vollbesetzt. Ein zwischendurch eingestreutes „Jetzt spielen gleich Six Feet Under“ konnten wir uns natürlich nicht verkneifen, doch auch wenn die Eigenständigkeit weiterhin nicht in allzu hohem Maße vorhanden ist, kann die Band einiges an ihren Instrumenten und wirkt inzwischen wirklich professionell. Da man aber auch bei nur fünf Bands mal eine Pause braucht und wir OBSTINACY schon mehrere male mit gelungenen Auftritter voller überzeugendem amerikanisch geprägtem Death Metal sehen konnten, entschieden wir uns dafür, nach ein paar Liedern zum essentiellen Schmaus zu begeben. (s)

Gestärkt durch saftiges Kinderschnitzel waren als nächstes CONSPIRACY an der Reihe, die ich zwar vorher schon zweimal sehen konnte, nun aber zum ersten mal in der neuen Besetzung mit Roman als Sänger. Die guten 40 Minuten Spielzeit konnten trotz bisher nur einer 5-Song-EP („Mirror Of Aggressions“) gut gefüllt werden, schließlich steht neben unveröffentlichtem bereits einiges an neuem Material an. Im Vergleich zu den bisher erlebten CONSPIRACY-Konzerten von 2004 und 2005 ist hier eine deutliche Steigerung erfolgt, trotz der Umstellungen im Line-Up hat bei dem Auftritt alles wunderbar gepasst, einzig der klare Gesang von Roman war etwas zu leise. Gut war am Sound, dass der Bass vom Schreyer diesmal nicht so laut war, der legte hier auch mehr Spielfreude an den Tag als noch kurz vorher bei Collaboration. Der neue Gitarrist Emanuel wirkte noch etwas deplaziert und schüchtern, dafür sah Damor Hagal an der anderen Gitarre mit seiner Glatze aus wie Galder von Dimmu Borgir und war damit voll evil. Musikalisch lief alles wunderbar, das Gemisch aus Death Metal, Hardcore, Grind und Melodie hat einen gewissen Grad an Eigenständigkeit und man kann einfach herrlich dazu abh…gehen. Anfangs gabs vor allem altbekannte Stücke wie „G.W.B. is gay“, „Fuck The Mainstream“ oder den „Blues Of Terror“, bei „Bomb The USA“ hatte gar Ex-Sänger Marco einen Gastauftritt. Die EP-Stücke „Flesh Ripping Desires“ und „Mirror Of Aggressions“ scheinen beim Publikum am besten angekommen zu sein, aber auch und vor allem die neuen Lieder wie „Unanswered Questions“, das sehr melodische „Where Have You Gone“ oder das hart ballernde „Rising Rage“ waren sehr überzeugend und lassen die Freude auf ein erstes, vollständiges Album steigen. Schönes Ding, CONSPIRACY können überzeugen und beweisen instrumentale und songschreiberische Qualitäten. (s)

Obwohl MORTAL AGONY vor allem in letzter Zeit in und um Bayreuth recht viele Auftritte spielten, kam ich leider vorher noch nicht in den Genuss sie live zu sehen. Ihr technischer Grindcore mit zwei Sängern konnte mich von der ersten Minute an begeistern. Zwar blieb kaum einer der sehr intensiven Songs hängen, jedoch fräste jeder einzelne ein paar zusätzliche Rillen in die Gehirnrinde. Auch sonst hatten sie eine sehr energiegeladene Show, mit großer Bühnenpräsenz, die mir richtig Spaß machte. Dabei machte die gesamte Band einen überaus sympathischen Eindruck und legte eine große Spielfreude an den Tag. Auch bei der Songauswahl bewies man ein gutes Händchen und gab mit „Day of Terror“ ein Stück zum besten, welches natürlich bestens zum Terror-Fest passte. Zudem bezog man das Publikum, das sich zwar größtenteils immer noch auf den Bänken sitzend verschanzte und nicht wirklich in die Gänge kommen wollte, gut ein. Jeder durfte mal seinen Alltagsfrust ins Mikro schreien und mit der Band anstoßen. Als Zugabe gab’s dann noch „Girls Like Grind“, ehe sich Mortal Agony artig nach ihrem Auftritt bedankten und die Bühne für den Headliner THE EXCREMENTORY GRINDFUCKERS frei machten. (n)Erwähnenswert wäre bei der Liveshow ausserdem noch, dass fast die gesamte Band ihre Wut spaßig ausgelebt haben. Die beiden Sänger waren dauernd am schubsen und treten und wenn der Gitarrist mal nicht gerade auf einem Bein stehend und umherkickend seine Gitarre noch immer perfekt spielte, blickte er hasserfüllt auf sein Saiteninstrument. Nicht nur wegen dem „Ich liebe Norma“-Shirt des einen Sängers war der Auftritt also sehenswert und durchaus spaßig. (s)

Pünktlich gegen halb eins konnten dann die sich auf „Franken-Tournee“ (Sufferinglife-Festival, Queens of Metal und Terrorfest) befindlichen EXCREMENTORY GRINDFUCKERS aus Hannover die Bühne entern. Der größte Kritikpunkt gilt hier nicht der Band, sondern dem lahmen Publikum in der Stadthalle. Damit sind nicht die Leute vor der Bühne gemeint, die die Band trotz nicht gerade großer Zahl gebührend abfeierten, sondern über die Hälfte der sich in der Halle befindlichen Besucher. Sich auch noch beim Headliner lethargisch an seinem Tischplatz zu langweilen stößt bei mir einfach auf pures Unverständnis. Denjenigen, die sich vor der Bühne versammelt hatten war es egal und den GRINDFUCKERS selbst konnte man nichts anmerken. Schon nach den ersten beiden Songs wurde der wohl bekannteste Hit der Hannoveraner „Wann spielt ihr endlich wieder Grindcore“ angestimmt, aber mit einem Zwinkern wurde verkündet, dass dieser Song heute angeblich nicht mehr gespielt werden würde. Der Stimmung tat dies natürlich keinen Abbruch und mit „Im Graben vor mir“ wurde dem Publikum erstmal ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht. Die Mischung aus bekannten Schlager- / Popsongs und Grindcore zündet live einfach wie eine Bombe. Klar, dieser nicht ganz ernste Anspruch ist charakteristisch für Fungrindbands, aber THE EXCREMENTORY GRINDFUCKERS spielen in einer anderen Liga, beherrschen ihre Instrumente perfekt und perfektionieren den Wahnsinn. Dass sie hier nichtmal für 100 Leute vor der Bühne spielten ließen sie sich zu keinen Moment anmerken – im Gegenteil: Sie verausgabten sich richtig und konnten sich auch wie die anderen Bands über die Unterstützung von den Gastmusikern Greimi und Co. an der (Luft-)Gitarre freuen. Zwischen Partymachern wie „Vater Morgana“, „Looking For Grindcore“ und einem kleinen „Picknick im Zenit metaphysischen Wiederscheins der astralen Kuhglocke“ pries Gründungsmitglied Rob dann das neue ultratrve einzig wahre Heavy-Metal-Getränk „Spezi“ mehrmals an (Spezi ist nicht nur das einzig wahre Rocker-Pils, sondern auch noch Bacardi-Pils. Vielseitig, das neue Kultgetränk der Metalszene! Anm. von. Stefan). Trotz des Ausstiegs von Frontmann Him lieferten sie eine runde Show ab, auch wenn Rouven einmal geholfen werden musste welcher Song nun als nächstes kommen sollte. Glücklicherweise konnte man die Setlist aus der ersten Reihe sehr gut einsehen. Für die Hilfe bedankte er sich auch artig mit „Wie, du kannst lesen? Freak! Was machst du hier eigentlich?“. Natürlich durfte auch nach dem DJ Ötzi-Verschnitt „Grindcore Out Of Hell“ eine Zugabe nicht fehlen, die lautstark gefordert Wurde. Nach Mexicore und dem von mir nur mit „Hawaii“ etwas falsch angekündigten „Es gibt kein Grind auf Hawaii“ kam dann auch das Lied auf das viele gewartet hatten. Nachdem Rob noch schnell Rouven erklärte, dass man bei einem Druck auf die „drei“ Akustik- und bei einem Druck auf die „eins“ verzerrten Sound erhält konnte es auch schon losgehen mit der alles entscheidenden Frage „Wann spielt ihr endlich wieder Grindcore?“. Nochmal wurde deutlich, dass es wohl kaum genialere Partybands gibt als die GRINDFUCKERS, ehe sie sich unter den ihnen gebührenden Applaus verabschiedeten. (n)

Etwas schade, dass nur knapp über 100 Besucher in der Stadthalle waren und von denen die meiste Zeit über auch noch der Großteil auf den Bänken oder im hinteren Teil des Raumes verweilten. Das war etwas schade für die Bands, die allesamt ihr bestes gegeben haben, vor allem die Grinduckers konnten mit ihrer Spielfreude absolut überzeugen, war einfach mehr als erfreulich, dass sie sich – trotz Auftritten mit den Apokalyptischen Reitern oder auf dem Party.San – nun nicht in anderen Größenordnungen bewegen und weiterhin dem Underground nicht den Rücken kehren und sich auch auf kleinen Konzerten voll verausgaben. Es bleibt trotz des besuchstechnischen nicht unbedingt als Erfolg zu wertendem Ergebnis zu hoffen, dass es ein zweites Terror Fest geben wird. (s)


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