Review Uncle Acid & The Deadbeats – Shapes Of Midnight

Wieso sind UNCLE ACID & THE DEADBEATS eigentlich nicht schon längst viel größer und erfolgreicher? Seit gut 20 Jahren zelebrieren Kevin Starrs und seine Mitmusiker Retro-Rock, Horror, Psychedelic und Proto Metal wie kaum eine andere Band aus dem Vintage-Bereich und liefern konstant Alben von hoher Qualität ab. Zugegeben, die Briten können sehr kauzig und eklektisch klingen, haben dadurch aber auch einen unverkennbaren Sound entwickelt. Eine Ausnahme bildete das letzte Album „Nell’Ora Blu“, das den Soundtrack eines fiktiven Giallo-Films darstellen sollte. Mehr Hörspiel und Filmmusik als Rock, stellte es doch einen deutlichen Ausreißer im Œuvre der Band dar. Mit „Shapes Of Midnight“ kehren UNCLE ACID & THE DEADBEATS aber nun zu ihrem Trademark-Sound zurück.

Eine gewisse morbide Catchyness ist man von den Briten ja schon gewohnt, „Shapes Of Midnight“ strotzt aber nur so vor Hooks, Hooks, Hooks. Schon der Opener „House By The Grave“ frisst sich mit seinen Gesangslinien direkt ins Hirn, baut im Mittelteil einen großartigen Spannungsbogen auf und entlädt sich am Schluss in einer wilden Jam-Session. „Don’t Let It Control You“ könnte auch von den bösen Zwillingen der HELLACOPTERS stammen, denn hier treffen High-Energy-Rock und Gothic-Attitüde aufeinander, und erneut bleibt der Refrain sofort im Ohr. Noch mehr Hitpotenzial hat wohl nur „Psycho On The Loose“ mit MAIDEN-Gitarren, Synthies und Disco-Groove, was ihn fast schon tanzbar macht.

UNCLE ACID & THE DEADBEATS haben sich natürlich trotz aller Eingängigkeit auch ihre Vielschichtigkeit bewahrt. „Sleep No More“ etwa schleppt sich bleischwer aus den Boxen. Doom trifft auf Blues-Riffs, und zum Schluss kippt der Song in Richtung Trance inklusive ritualistischem Kanong-Gesang. Den Titeltrack wiederum könnte man als Bastard aus Glam-Rock und Proto-Metal bezeichnen, wobei hier nicht Glitter, sondern eher Tod und Verderben in der Luft liegen.

Wie schon die vorherigen Alben lebt auch „Shapes Of Midnight“ neben dem starken Songwriting von der ganz speziellen Produktion. In den legendären Abbey Road Studios mit Retro-Equipment live auf Band aufgenommen, klingt die Produktion herrlich retro und morbide. Stellenweise vielleicht etwas zu verwaschen und fuzzy, ergibt sich insgesamt ein Klang, der perfekt zur Welt von UNCLE ACID & THE DEADBEATS passt.

Nach „Nell’Ora Blu“ hatte man vielleicht kurz Sorge, dass Kevin Starrs zu sehr Gefallen an Filmmusik, Hörspielen und Co. finden könnte, doch „Shapes Of Midnight“ klingt zum Glück wieder zu 100 Prozent nach UNCLE ACID & THE DEADBEATS. Nach wie vor bildet düsterer Doom das Fundament, doch das Quintett zeigt sich so eingängig wie noch nie. Durch den nach wie vor speziellen Gesang von Starrs, der Produktion und der allgemeinen Düsternis des Albums besteht aber keine Gefahr, dass sich UNCLE ACID & THE DEADBEATS an den Mainstream anbiedern wollen. Vielmehr ist ihnen mit „Shapes Of Midnight“ ein kurzweiliges, vielschichtiges und morbides Werk gelungen.

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Wertung: 9 / 10

Juan Esteban

Publiziert am von

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