Interview mit Ville Friman und Niilo Sevänen von Insomnium (Song by Song)

Die beiden INSOMNIUM-Chefdenker Ville Friman (Gitarre) und Niilo Sevänen (Gesang) erzählen hier die Entstehungsgeschichte und Bedeutung eines jeden Songs des dritten Albums „Above The Weeping World“, das ab 29. September 2006 in Deutschland zu erwerben ist.

1. The Gale
Ville F: Wir verwenden als Intro traditionell softe Akustik- oder Pianoeinleitungen und wir haben auch bei diesem Album keine Ausnahme gemacht. Aber anstelle einer kurzen Einleitung haben wir das eröffnende Piano wachsen lassen und daraus ist dann ein richtiger Song mit allen Instrumenten enstanden. Das ganze Stück wurde in einer stürmischen Herbstnacht im Jahr 2005 geboren und meiner Meinung nach fängt es genau das Wesentliche dieses Wetters ein. Für mich hat das Lied auch eine persönlich Bedeutung, da ich während des Mixens des Stücks die Nachricht vom Tod meines Onkels erhalten habe.

2. Mortal Share
Ville F: Das ist der erste Song, den ich für das Album geschrieben habe, 2004 war das glaube ich. Nach der „Since The Day It All Came Down“ sehnte ich mich nach mehr Aggression und Geschwindigkeit und ging ein wenig mehr in die traditionelle „schwedische Melo-Death“-Richtung. Der 7/8-Takt bringt jedenfalls mehr Spannung als ein gewöhnlicher Thrash-Beat und die Einleitung hat ebenfalls schöne Rhyhtmen. Wir haben wohl etwa zwei Jahre an dem Song gearbeitet, schon ziemlich lange… Vor allem mag ich die Einfachkeit von ihm: Er hat nur drei verschiedene Akkorde, darauf wurden aber vier Minuten Musik aufgebaut. Viele Melodien und wildes Riffing, und dazu haben wir ja sogar einen Videoclip gedreht. Niilos Text basiert auf Hölderlins Gedicht „Hyperions Schicksalslied“.

3. Drawn to Black
Niilo: An diesem Song hab ich wirklich lange gearbeitet. Durch seine drei verschiedenen akustischen Parts ist es ein sehr schnelles und direktes Stück geworden. Es hat mitreißende Strophen, einen ultramelodischen Refrain, eine immer wiederkehrende Einleitung und ein Ende, das in einen prasselnden Sturm von Gitarren wächst. Im Studio haben wir uns ein paar sehr schöne Gesangslinien für das Ende ausgedacht. Die Lyris erzählen die tragische Geschichte einer schwer zu begreifenden Liebe, die unter keinem guten Stern steht. Insgesamt dürfte es einer der am einfachsten zu erfassenden Songs sein, wenn man das Album zum ersten mal hört.

4. Change of Heart
Ville F: Im Gegensatz zu unseren üblichen Schreibmethoden entstand die Grundidee zu diesem Song im Proberaum, auch wenn es damals einen anderen Takt hatte und etwa 40 bpm langsamer war. Es ist ein recht simpel gestrickter Song, der recht einfach und schnell entstanden ist. Aleksi Munter von Swallow The Sun hat wirklich tolle Gitarrenarrangements dafür gemacht und was mich richtig wurmt ist, dass sie im Mix höher hätten sein sollen. Von den Melodien her ist der Song sehr emotional und hat ein paar akustische Stellen, textlich bin ich also die Liebes-Schiene gegangen. Was für eine außergewöhnliche Wahl, ganz nebenbei. Ich denke, das dürfte der leichtverdaulichste Song zum Einsteigen sein.

5. At the Gates of Sleep
Niilo: Die schmerzhafte Entstehung dieses epischen Songs hat ganze vier Jahre gedauert! Wir haben ihn eigentlich für unser zweites Album aufgenommen, haben ihn aber beim Mastering wieder rausgeschmissen, weil das Album sonst zu lange geworden wäre. Und damals war das Lied auch einfach noch nicht gut genug. Danach haben wir fast alles verändert, um eine neue und bessere Version davon aufzunehmen. In der Einleitung gibt es auch einen Basslead, worüber ich natürlich sehr glücklich bin! Das Gitarrensolo und Aleksis Synthesizer am Ende sind ebenfalls unvergessliche Kunstwerke! Die Texte sind in der Art eines düsteren Wiegenliedes gehalten.

6. The Killjoy
Ville F: Das dürfte der zweitälteste Song sein, den ich für das Album geschrieben habe. Es hat ebenfalls Stellen mit 7/8-Takt und noch mehr schöne Rhyhtmen. Wir hatten Probleme, den passenden C-Part zu finden, aber schlußendlich hat es sich gelohnt und verdammt, ich habe sogar ein Solo dafür gemacht! Das Ende des Songs wächst aus dem Start mit dem C-Part und ich bin sehr zufrieden damit. Aleksi Munter hat uns auch hier wieder mit den Keyboards geholfen und kam mit einem wirklich ungewöhnlichen Arrangement rüber. Das Teil groovt!

7. Last Statement
Ville F: Dieses Lied ist definitiv eines der „Epen“ des Albums. Es hat einen ziemlich langen C-Part, bei dem wir E-Bow und viel akustische Gitarren verwendet haben. Ich mag es hier wieder, wie dieser Song mit wildem Anfang und harten Strophen direkt mit dem „soften“ und melodischen Refrain kollidiert. Das Ende des Songs ist sehr atmosphärisch und ich habe ganz ehrlich wochenlang überlegt und daran gearbeitet, bis mir die Idee kam. Dieses mal hat sich die harte Arbeit gelohnt. Textlich geht es hier um hassen und vergeben.

8. Devoid of Caring
Ville F: Das hier hat Riffing und Groove und sogar ein Drumintro! Die Entstehung war diesmal recht einfach und ich denke, es hat sich seit dem ersten Demo, das ich zuhause gemaht habe, stark verändert. Bei einer der letzten Proben haben wir völlig die Kontrolle über uns verloren und sogar einen kurzen Blastbeat einzubauen. Das Ende ist ziemlich lang und sehr doomig, mit einer leicht positiven Ausstrahlung, zumindest musikalisch. Mit den Gitarrenarrangements könnte man es fast Popmusik nennen, oder Heavy-Pop-Metal oder irgendwie sowas. Nun wist ihr zumindest, wen ihr dafür beschuldigen müsst.

9. In the Groves of Death
Niilo: Das epische Ende, das wir auf jedem Album haben wollen! Dieser Song hat viele verschiedene Parts, unterschiedliche atmosphärische Stimmungen und sich änderne Takte, das dürfte also das progressivste Stück des Albums sein. Ich denke aber trotzdem, dass es nicht zu kompliziert für den Hörer sein sollte. Jeder von uns, ausser markus, hat hier etwas beigesteuert, es steckt also richtige Teamarbeit dahinter. Das Ende wächst zu einem wilden Fest mit verrücktem Schlagzeug, Gitarrensolos und Hammondorgeln! Nach dem Höhepunkt beruhigt es sich alles wieder etwas, bis eine einsame Gitarre in den Klang von Regen dahinschwindet. Das Ende.

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