Interview mit Michael Kiske

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    wieso übernimmst du dann öfters Gast-Rollen bei Metal-Projekten (Masterplan

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    Ich freute mich sehr als mir vor einiger Zeit Michael Kiske (SupaRed, EX-Helloween) zusagte auf dem E-Mail Wege ein Interview mit ihm zu führen. Hier kriegt ihr nun die antworten die mir Kiske, der zweifellos einiges zu sagen hatte, am 16 März 2003 gegeben hat.

    Michael, der Stil deiner Solo-Alben hat immer zu vielen Diskussionen in der Szene geführt, ist „SupaRed“ jetzt die Musik wie du sie jetzt machen möchtest, oder musstest du noch irgendwelche Kompromisse eingehen?
    Michael Kiske: Bewusst lass ich mich sicher auf keine Kompromisse ein. Wir wissen aber alle, wie kompliziert und vielschichtig das Seelenleben eines Menschen ist. Unterwusst kämpft man als Musiker wohl immer mit vielen Barrieren. Das ist ein täglicher Kampf. Das letzte Album stellt die Musik dar, die mir kam zur Zeit ihrer Entstehung. Mittlerweile bin ich wieder woanders. Das nächste Album wird sicher akustischer, emotionaler und bestimmt auch popiger. Das letzte ist eher cool geworden. Cool finde ich aber musikalisch immer uninteressanter, weil es eigentlich bedeutet Emotionen zu verbergen. Das Gegenteil davon ist aber heute für mich interessante Musik. Es sind ja echte Emotionen drauf, aber noch nicht genug.
    Die Veröffentlichung von SupaRed wurde je des öfteren verschoben, wann wurde das Album eigentlich aufgenommen?
    Kiske: 2001

    Stimmt es das dir angeboten wurde den Gesangspart für Masterplan zu übernehmen?
    Kiske: Yup!

    Du sagst du hast mit dem \“traditionellen\“ Metal nix mehr am Hut, wieso übernimmst du dann öfters Gast-Rollen bei Metal-Projekten (Masterplan, Avantasia, Tolkki….)? Wegen der Musiker, der alten Zeiten oder doch ein bisschen wegen den Fans?
    Kiske:Beides. Mein Gedanke war folgender: Ich mache immer alles aus Überzeugung. Auch Helloween habe ich aus Begeisterung und Überzeugung gemacht. Ich wollte mit den Projekten zeigen, daß ich mich meiner Vergangeheit nicht schäme. Allerdings führt sowas doch eher zu falschen Erwartungen, wie ich gemerkt habe. Deshalb werde ich solche Sachen in Zukunft nicht mehr machen.

    Was hälst du vom Masterplan Debut?
    Kiske: Handwerklich sehr gut gemacht, der Geist trifft meinen Nerv allerdings nicht. Sonst hätte ich ja so ein Album gemacht.

    Zurück zu SupaRed: Weiß man schon etwas über den kommerziellen Erfolg, wie verkauft sich das Debut?
    Kiske: In manchen Ländern sehr gut, in anderen langsam. Ich habe noch keine Zahlen. Vermute aber eher schleppend. Bisher hat Noise eine reine Metal Promo gemacht, das ist aber nicht mehr meine Szene, wie ich immer mehr feststelle. Hat sich zu sehr verflacht seit den 80ern. Damals war sie noch lebendig, heute ist sie ein Leichnam. Ich setzte mich bald mit den Warner-Publishing Leuten zusammen, um eine Promotion zu planen, die neuen Boden erreichen soll. Wenn uns das nicht gelingt, wird das eher nichts werden, weil die Metalszene nur ihren Hintern geküsst haben will und Neues, oder zumindest Anderes als das Gewohnte fast grundsätzlich verreißt. Ist nicht wirklich die intelligenteste Szene. Interessiert mich deshalb auch nicht mehr wirklich. Ich mache das, was mir passt, und nicht was gewünscht ist. Ich stehe nicht auf Arschkriechermusik. Hat keine Seele.

    Ich würde dich liebend gerne mal live sehen (auch wenn das in Österreich wohl ein Traum bleiben wird *g*), ist eine Tour in Aussicht?
    Kiske: Nur wenn genug SupaRed Fans nachwachsen. Hab keine Lust ausschließlich vor alten Helloween Fans zu spielen, die gar nicht wirklich wegen uns da sind. Es wird dort SupaRed auf der Bühne stehen, und nicht Helloween. Hängt also vom Erfolg der CD ab. Wenn alle die CD wieder bloß downloaden oder kopieren, ist eh bald Schluss. Dann müssen alle in Zukunft mit Deutschland sucht den Pseudo-Star leben. Wenn Rockmusik sich selber vernichtet, hat sie eh keine Moral, also kann sie dann auch verrecken. Künstler die keine Millionen für Promotion hinter sich haben – und das sind meistens die ehrlichen – gehen an jeder kopierten CD immer weiter und mehr unter, bis alle pleite sind und verschwinden.

    Wird beim einem eventuellem zweiten SupaRed Album die Beteiligung der anderen Musiker am Songwriting steigen?
    Kiske: Das hängt von den Songs ab, die sie schreiben. Wenn’s gute sind, bin ich dankbar. Bisher ist alles immernoch bloß Kiske mit Hilfe. Eine echte Band entsteht erst wirklich auf Tour. Wenn es so weit nicht kommt, wird sich wohl nicht viel ändern. Eine Band ist ein lebendiger Organismus. Er wird geboren, wächst, oder stirbt, oder wird gar nicht erst wahr. Ist alles noch in der Schwebe.

    Was haben wir von SupaRed in der Zukunft noch zu erwarten?
    Kiske: Wenn die kunstfeindliche Metal-Pseudo-Presse alles im Keim gleich wieder erstickt, und wir keine neuen Leute, und keine andere Szene erreichen können, wird es schwer zu sagen sein. Wenn wir am Ende durch kommen, kann man ehrliche, kreative Alben erwarten, und eine hoffentlich stetige Steigerung.

    Dein Aufsatz „An meine Feinde, und alle Erzfeinde freier Musik“ auf supared.com ist nicht ohne Reaktionen geblieben, wolltest du mit der Form der Äußerungen auch etwas provozieren bzw. auf dich aufmerksam machen und welche Artikel im speziellen „verursachten“ den Aufsatz?
    Kiske: Provozieren ist Teil meines Jobs, so wie ich ihn verstehe. Aber vor allem war ich ziemlich sauer wegen ein paar dämlicher Kommentare einiger Metal-Prolls. Was interssiert mich ihr hohler Musikgeschmack! Ich habe den Aufsatz in geläuterter Form gerade wieder reingesetzt. Weil ich die Sache für sehr wichtig halte. Solltest du noch mal lesen. Der erklärt sich selbst. Sollte sich überhaupt jeder, den echte Musik interessiert mal durch lesen. Auch den über Individualismus und Popmusik. Ich nehme meine Arbeit nämlich durchaus ernst, und habe viel erfahren in den letzten 16 Jahren. Die heutigen Metal-Pseudo-Rebellen müssen in ihrer Dummheit und Arschkriechergesinnung voll durchschaut werden, wenn noch mal etwas passieren soll in der Szene. Was interessiert denn in Wahrheit aller heuchlerische Schein. Mich interessiert wahrhaftige Musik. Aber der Metal kapiert da leider nicht mehr viel von. Das liegt sicher unbedingt auch an dem kranken Satanismus in der Szene, der allen gesunden Geist austreibt, und die Seelen tötet. Am Ende ist dann wirklich alles tot und begraben. Das kann auch gar nicht anders sein. Wie soll da lebendige Musik überleben.

    Ich finde „SupaRed“ als Album hat sehr viel Mainsstream Potential, an und für sich würde ich es sogar als Radio-tauglich beschreiben. Beabsichtigt?
    Kiske: Diese Frage allein schon! Ich mache meine Musik nicht mit dem Kopf! Ich beabsichtige nur gute Songs, sonst nicht viel mehr. Und ich mag viele Musikrichtungen! Es gibt großartigen, ehrlichen Pop. Gerade dort geht heute wesentlich mehr Rock n Rol ab, als im öden Spießer-Metal. Die pubertären Metal-Definitionen von echt und falsch sind wirklich kompletter Blödsinn. Future World, Dr. Stein, I Want Out waren alles Popsongs, und im Radio und in den Charts. Das ist auch gar kein Problem. Ehrlich und kreativ muss es sein. Ich mag, und mochte immer schon eingängige Musik. Ist viel genialer einfach und originell zu sein, als das Gegenteil davon.

    Wirds noch ein Buch von Michael Kiske geben oder war „Kunst und Materialismus“ eine einmalige Aktion?
    Kiske: Ich bin ehrlichgesagt des Laberns etwas müde. Egal ob in Buch oder Interviewform. Aber vielleicht kommt irgendwann noch mal eins, wenn ich einen Sinn darin sehe. Aber selbst das erste Buch interessiert kaum einen. Die Leute mögen das Denken nicht.

    Was hältst du von den Musikern die Helloween und somit auch dich in den 90ern kopiert haben?
    Kiske: Sind halt Musiker die kopiert haben. Am Anfang ist es ja OK, da will man lernen, ist begeistert. So fangen alle an. Aber früher oder später sollte man sein eigenes Ding finden. Denn wenn man nur kopiert, macht man ja nichts wirklich Eigenes, nichts was es nicht schon gab. Wo liegt da der Sinn?

    Brainstorming: Was fällt dir spontan zu folgenden Wörtern ein:
    – George Bush jr.:Unehrlich seinem Land gegenüber, und Kriegsgeil. Kein wirklicher Mann des Friedens. Er glaubt wirklich Gott ist Nationalist und wohnt in Amerika. Das kann nur Unfrieden stiften. – Geld: Der Fluch der Menschheit. Versklavt uns alle. Ein gutes Konzept für die Wirtschaft, aber es beherrscht heute einfach alles. Die Kunst vernichtet es komplett.
    – Tour: Dringend notwendig.
    – True-Metal: Heute vielfach: False-Musik. Früher Rock ’n Roll und echt. Viel wahrer und besser ist: True-Musik

    Ich danke dir sehr herzlich für das Interview und das du dir generell für deine Fans im Internet mehr Zeit nimmst als viele andere Künstler!
    Möchtest du deinen Fans auf diesem Wege noch etwas mitteilen?
    Kiske: Als Priester einst und Mönche lehrten:
    Das Leben sei ein eitler Dunst,
    als Freude sie und Lust uns wehrten
    an menschlich froh lebend ger Kunst,
    da habt ihr Fürsten sie gehegt,
    mit Lieb und Wonne sie gepflegt,
    daß stolz sie nie sich beuge:
    die Wartburg ist des Zeuge!
    Ein schlimmer Gott hat sich gefunden,
    Merkur, der Herr der Krämerwelt,
    der hat die Kunst nun gar gebunden,
    sich zur gefäll gen Magd bestellt:
    Wollt eures Ruhms gedenk ihr sein,
    helft uns die Edle nun gefrein,
    daß frei sie Edles zeuge
    und keiner Macht sich beuge!
    (Richard Wagner, An die Fürsten. 1849)

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