Review Admirabilis – Unbelievable

Gleich das Intro zum ersten Track „Senseless“ des Debüt-Albums „Unbelievable“ des Fünfers aus Münster macht klar: Puristen sollten hier sofort wieder abschalten. Denn hier gibt es neben einer amtlichen Portion Gothic Metal auch ordentlich Sampels zu hören. Wie eben im Intro zu angesprochenem „Senseless“. Dazu gesellt sich aber ziemlich schnell ein düsteres Riffing, das von einem lockeren Rythmus und, ebenfalls gesampelten, Keyboard-Einlagen flankiert wird. Die besondere Dynamik dieses Songs entsteht allerdings aus der Tatsache, dass mit Steffi und Anh bei ADMIRABILIS gleich zwei Frauen das Mikro in die Hand genommen haben. Und so gibt es hier packende Gesangsduelle zwischen Steffis Rockröhre und Anhs klassischem Gesang zu hören.

Dass das allerdings auch ganz anders geht, beweisen die beiden beim anschließenden „Angel Of Justice“. Dieser Track setzt vor allem auf süßlichen Gesang, der dieses Mal allerdings von beiden Damen gemeinsam vorgetragen wird. Zusammen mit dem fließenden Riffing ergibt sich so ein düsterer Klangteppich, der in einem eingängigen Chorus gipfelt. „Black Eyes“ hingegen setzt vor Allem wieder auf Dynamik. Diese entsteht allerdings durch den Gegensatz zwischen der ruhigen Strophe und dem rockigen Chorus. Dazu gesellen sich klassische Metal-Riffs und ein richtiges Solo, das sich durch seine erfrischende Kürze gut in die Struktur des Songs einpasst.

Mit „Of Angels And Demons“ wird es dann geheimnisvoll. Das wird zunächst einmal im gesampelten Intro klar. Die Key-Sampels bleiben dann auch erhalten und dazu gesellen sich abgehackte Riffs. Gemeinsam mit dem halb gesprochenen Gesang, den beide Vokalistinnen gemeinsam vortragen, baut das Quintett so eine ungeheure Spannung auf. Diese wird allerdings im Chorus dadurch gelöst, dass das gesamte Klangspektrum dichter wird. Sowohl das Riffing, als auch die Drums und sogar der Gesang weisen hier eine wesentlich höhere Dichte auf, als während der Strophen. Ein bedrückendes Lied.

Mit „Outside“ kriecht dann die erste Ballade an das Ohr des Hörers heran. Eine Akustik-Gitarre und ruhige Samples unterstützen den süßlichen Gesang, der wiederum von beiden Vokalistinnen vorgetragen wird. Lediglich im Chorus setzt ein zähes Riffing ein. Dieses Lied weckt Emotionen und spricht somit vor Allem für das „Gothic“ in der oben gemachten stilistischen Einordnung. Den Gegenpol dazu bildet dann das anschließende „Hear This“. Drum-Sampels und verzerrte Gitarren im Intro gehen seht schnell über in ein erdiges Riffing, das auf einem fetten Schlagzeug-Groove liegt. Eine sehr metallische Nummer, bei der Steffi ihre Rockröhre voll ausleben kann, während Anh sich eher auf den Backround beschränkt.

„Human Error“ beginnt dann abermals mit einem geheimnisvollen Sample-Intro. Daran schließen sich allerdings sehr schnell für ADMIRABILIS ungewöhnlich hohe Riffs und ein flottes Drumming an, das den Metal-Faktor deutlich nach oben hebt. Dieser Song zeichnet sich abermals durch die Gesangduelle zwischen Anhs fast schon elegisch vorgetragenen Strophen und dem dreckigen Chorus, der von Steffi dargeboten wird, aus. In der Bridge nehmen die Fünf den Fuß dann ein wenig vom Gas. Allerdings nur um danach noch einmal voll durchzustarten. Allerdings schießen sie meiner Meinung nach etwas über das Ziel hinaus. Denn Steffis Versuch zu growlen klingt doch sehr verunglückt. Ansonsten aber eine sehr rockige Nummer, die eindeutig für den metallischen Anteil von ADMIRABILIS steht.

Unbestreitbarer Höhepunkt von „Unbelievable“ ist allerdings der Titeltrack. War dies doch das Stück mit dem alles begann. Ursprünglich als Projekt geplant hatten die fünf Münsteraner diesen Song einst als Download zur Verfügung gestellt. Die Resonanz war allerdings so groß, dass sie sich dazu ermutigt fühlten ein ganzes Album aufzunehmen. Und das ist durchaus verständlich! Der Song beginnt mit einem Gitarren-Intro, zu dem sich dröhnende Drums gesellen. Elegische Gitarrenparts und ein lockeres Bass-Riffing runden den Eindruck des lockeren Rockers ab. Und während der leidende Gesang in den Strophen den Gothic-Faktor nach oben hebt, ist der aggressive Chorus fast schon „richtiger“ Metal. Auffällig ist auch der stetige Wechsel zwischen Hauptstimme und Backround im Gesang, so dass man eigentlich gar nicht zuordnen kann, welche der beiden Damen gerade welchen Part übernimmt. In der Bridge schraubt Anh ihre Stimme dann in atemberaubende Höhen, weshalb ADMIRABILIS von einem Kollegen den abfälligen Kommentar ernteten ein Nightwish-Klon zu sein. Für mich allerdings völlig unverständlich, geht das Stück doch anschließend sofort wieder in den aggressiven Chorus über.

Mit „Heartless“ wird es dann einmal mehr elektronisch. Eingeleitet wird dieser Track von einem Herzschlag artigen Sample und einem gesprochenen Intro. Dann gesellen sich Anhs hoher Gesang und kurze Gitarrenanschläge hinzu. Schließlich wird das Stück nach dem Einsatz von Drumming, Riffing und Steffis Rockgesang zu einer richtigen Rockröhre. Allerdings nur um das Ruder erneut rum zu reißen und wieder in den düsteren Part über zu schwenken. Ein Wechsel, der noch einige Male wiederholt wird und dem Stück eine fantastische Dynamik beschert. In der Bridge singen Anh und Steffi dann schließlich gemeinsam und nach einem Solo, das trotz seiner Kürze fast schon elegisch zu nennen ist, vermischen sich die beiden Teile endgültig und werden zu einer homogenen Einheit mit faszinierenden Gesangsstrukturen.Das Intro zum nächsten Track „Addiction“ wartet dann mit einer neuerlichen Überraschung auf. Hier klingt es schon verdächtig nach Industrial. Mit dem Einsatz des Riffings wird es dann allerdings richtig metallisch, fast schon thrashig, wozu die schnellen Stimmwechsel sicherlich ihren Beitrag leisten. Lediglich der Chorus fällt wegen der klareren Stimmführung etwas meldoischer aus. In der Bridge blitzt dann noch einmal der Industrial-Anteil durch: Kühle Samples und eingestreute Sprachbrocken sorgen für drückende Stimmung. Ein schwerer Banger, der so einigen Konzertbesuchern Nackenschmerzen bereiten dürfte. Der letzte Track „Dark Streets“ ist da allerdings völlig anders aufgebaut. Diese Ballade beginnt mit elegischen Keyboard-Samples, zu denen sich Anhs ruhiger Gesang gesellt. Den Chorus darf dann Steffi übernehmen, während Anh im Backround für die epische Note sorgt. Dann setzen nach und nach die anderen Instrumente ein. Leichte Drums in der zweiten Stophe und die Akustik im zweiten Chorus. In der Bridge setzen schließlich noch zähre Riffs ein und das Stück treibt langsam seinem Höhepunkt zu, um langsam auszuklingen.

Damit endet leider auch schon das ganze Album. Festzuhalten bleibt, dass ADMIRABILIS hier für eine Eigenproduktion einen amtlichen Sound hinbekommen haben. Wen wunderts auch. Hat Mike doch ein komplettes Studio zu Hause stehen. Ein weiterer Pluspunkt ist sicherlich auch die doppelte Besetzung im Mikro. So ensteht eine mitreißende Dynamik. Nur das growlen sollten die Mädels lieber sein lassen. Es klingt einfach nicht. Auf der anderen Seite stehen aber wieder die variablen und äußerst experimentellen Songstrukturen die „Unbelievable“ zu einem Erlebnis werden lassen. Allerdings fällt das Album auf der anderen Seite auch nicht wieder so vielschichtig aus, dass das Hören eine Qual würde. Die Mischung machts halt. Das einzige wirkliche Manko des Silberlings ist allerdings die Tatsache, dass die Spielzeit mit knapp 43 Minuten doch verdammt kurz ausgefallen ist. Deshalb auch nur sieben Punkte. Gelingt es ADMIRABILIS noch die angesprochenen kleineren Fehler aus dem Weg zu räumen, haben wir hier allerdings sicherlich eine der kommenden Größen aus dem düsteren und experimentellen Bereich des Metal vor uns.

Wertung: 7 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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