CD-Review: Amoral - Show Your Colors

Besetzung

Ari Koivunen - Gesang
Otso Silakka - Gitarre
Ben Varon - Gitarre
Pekka Johansson - Bass
Juhana Karlsson - Schlagzeug

Tracklist

01. Random Words
02. Release
03. A Shade Of Grey
04. Year Of The Suckerpunch
05. Perfection Design
06. Sex n´ Satan
07. Song For The Stubborn
08. Vivid
09. Gave Up Easy
10. Last October
11. Exit


AMORAL legen mit „Show Your Colors“ eine stilistische 180°-Kehrtwende hin, wie schon die neue Besetzung andeutet: Kein Niko Kalliojärvi mehr, dafür ein gewisser Ari Koivunen am Gesang. An diesen erinnert man sich vielleicht noch als den Gewinner einer finnischen Talentshow, bei welcher er unter anderem Songs wie „Hunting High and Low“ von Stratovarius darbot. Stratovarius spielen bekanntlich Power Metal, und den finden AMORAL inzwischen wohl so cool, dass sie auf ihrem neuen Album über weite Strecken auf den altbekannten Melodic Death verzichten.

Die Umsetzung lässt einen erstmal etwas ratlos zurück: Da gibt es auf der einen Seite immer noch äußerst fieses Drumming, das für Power Metal eindeutig zu ruppig daherkommt und Ari Koivunen kann überraschenderweise durchaus auch ganz gut daherröhren, was zusammen eine relativ kompromisslose Atmosphäre schafft andererseits hat man aber durchaus auch mustergültige Weichspüler mit den derbsten Klischee-Refrains aufs Album gepackt. Songs wie „Year of the Suckerpunch“ oder „Vivid“ gehören zu zweiteren, typische Power Metal-Struktur, Mitgröhlrefrains und über weite Strecken fast schon penetrant melodische Gitarren. Von diesen sind es vielleicht drei oder vier. Diese Tracks, bei welchen der stilistische Wandel also am konsequentesten durchgezogen wurde, funktionieren, wie ich das nicht unbedingt erwartet hätte, mit Abstand am besten auf diesem Album. Die anderen, bei welchen man sich wohl nicht wirklich sicher war, ob man die brutale Melodic Death-Schiene, die man einst gefahren war, wirklich komplett abstreifen sollte, eher nicht so. In diesen Fällen kommen dann nämlich leider seltsame Hybride aus beiden Stilrichtungen heraus, die dementsprechend unentschlossen klingen und in Kombination mit den anderen Songs nicht zu überzeugen wissen. Leider sind die Tracks so ungeschickt angeordnet, dass die beiden Möglichkeiten sich quasi immer abwechseln und so weder ein einheitliches Bild noch eine durchgängige Stimmung auf „Show Your Colors“ aufkommt.
Instrumental kann man natürlich nicht meckern, hier sind schließlich immer noch die Musiker unterwegs, die Alben wie „Decrowning“ oder „Wound Creations“ eingespielt haben. Aber auch Herr Koivunen singt im Vergleich zu dem, was man von jemandem erwarten würde, der sich durch das relativ uninspirierte Trällern erwähnter Klassiker einen Namen machte, relativ überzeugend und variabel.

Ich bin wie gesagt etwas zwiegespalten beim Hören dieses Albums. Einerseits ist die Entscheidung, sich so radikal umzuorientieren irgendwie löblich, „Reptile Ride“ war schon sicher nicht mehr DAS Album vor dem Herrn und einige Songs (neben den erwähten „Year of the Suckerpunch“ und „Vivid“ noch die Ballade „Last October“) sind ja auch ganz nett geworden. Andererseits verzettelt man sich doch über weite Strecken, was die Konsequenz und Homogenität im Songwriting angeht, sodass es nicht gerade Spaß macht, die Scheibe durchzuhören.
Vielleicht brauchen AMORAL einfach dieses Album als Übergang, um sich dann auf dem Nachfolger wieder überzeugender, egal nun in welchem Genre, präsentieren zu können, aber „Show Your Colors“ ist weder für Fans von zünftigem Power Metal noch für Anhänger ebensolchen Melodic Deaths zu gebrauchen. Auf die Frage, ob der Power Metal AMORAL nötig hat, schweigen wir sowieso lieber mal. Das hier kann man sich jedenfalls sparen.

Bewertung: 3.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: