CD-Review: An Early Cascade - Versus

Besetzung

Maik Czymara - Gesang
Daniel Strohhaecker - Gitarre
Michael Schab - Gitarre
Martin Wehl - Bass
Daniel Wied - Schlagzeug

Tracklist

01. Mute Mode
02. Everything Is Wrong Everything is OK
03. Moth Eaten
04. Of War Is At War
05. Digital Me
06. In Between Mountains
07. Town Of Clocks
08. Lightning Speed
09. Dancing Upon The Moon
10. Cutty Sark
11. Dead In The Water
12. Versus


2008 veröffentlichten AN EARLY CASCADE mit „Your Hammer To My Enemy“ ihr Labeldebut bei Midsummer Records. Das Album hatte seine schönen Seiten aber auch etliche Schwächen und als es in den darauffolgenden Jahren immer ruhiger um die Jungs wurde, hatte ich das schwäbische Quintett schon abgeschrieben. Nun melden sich AN EARLY CASCADE aus Stuttgart mit ihrer neuen Platte „Versus“ zurück und überraschen nicht nur mit ihrer plötzlichen Rückkehr den geneigten Hörer.

Ein Album mit 20 Sekunden Stille zu beginnen ist ziemlich unkonventionell. Im Fall von AN EARLY CASCADE ist dies aber auch genau das Statement, welches immer wieder auf der Platte findet und wunderbar vom Cover in Szene gesetzt ist: Wir werfen alles über den Haufen! Fanden sich auf dem Vorgänger noch verrückt-chaotische Kompositionen mit hohem Härtegrad, eröffnet „Everything Is Wrong Everything Is OK“ mit leicht progressiven Tönen im Alternative-Gewand den bunten Reigen. Sänger Maik beweist eindrucksvoll, dass er noch viel mehr kann als heftige Shouts, auch wenn diese wieder ihren Platz auf dem Album gefunden haben. Mit Stücken wie „Moth Eaten“ oder „Of War Is At War“ zeigen AN EARLY CASCADE, dass sie sich ihrer Vergangenheit ganz und gar nicht schämen, sondern vielmehr erwachsen geworden sind und die Erfahrungen der „Band-Kindheit“ reflektiert um unzählige neue Eindrücke ergänzt haben. Hier trifft Muse auf Dillinger-Escape-Plan, Dredg auf The Fall Of Troy und dennoch klingt das Gesamtbild stimmig. Der Versuch von AN EARLY CASCADE ein genreübergreifendes Werk zu schaffen verlangt vom Hörer dennoch einiges. Wüste Gitarrenwände treffen auf elektronische Sprengsel, heftige Shouts auf süßes Gesäusel. In wieweit die alten Fans damit überfordert werden, wird sich zeigen, neue Hörerschaften lassen sich mit „Versus“ aber definitiv erschließen, wenn auch noch nicht unbedingt nach dem ersten Hördurchlauf. Dazu ist das Material zu unterschiedlich, fehlt der Blick auf das Gesamtwerk und wirkt das Album eher wie eine Collage statt wie eine Fotografie. Durch die unterschiedlichen Facetten findet das Album aber immer wieder seinen Weg in den Player und nach ein paar Rotationen erschließt sich einem die wilde Fahrt.

AN EARLY CASCADE sind erwachsen geworden und stellen dies mit „Versus“ unter Beweis. „Your Hammer To My Enemy“ war eine zerfahrene Metalcore Scheibe, die auch entsprechend zurückhaltend angenommen wurde. Die Stuttgarter haben dennoch keinen Schritt zurück gemacht und die Komplexität reduziert, sondern haben die Flucht nach vorne gewagt und ihrer Kreativität in einem wilden und nicht eingängigen aber dennoch schlüssigen Genremix Ausdruck verliehen. Dieser Mut muss belohnt werden, erst Recht wenn er so exotische Früchte trägt. Midsummer Records kredenzen das Album im schönen Digipack, dessen chaotisches Artwork für sich spricht. Ein gelungenes Gesamtpaket.

Bewertung: 9 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: