Das Cover von "Endless Halls Of Golden Totem" von Blazon Rite

Review Blazon Rite – Endless Halls Of Golden Totem

  • Label: Gates Of Hell
  • Veröffentlicht: 2021
  • Spielart: Heavy Metal

Das haben sich BLAZON RITE wahrscheinlich anders vorgestellt: Erschien schon die Debüt-EP der Band aus Pennsylvania pünktlich zum Corona-Lockdown im März 2020, veröffentlichen sie nun auch ihr erstes volles Album „Endless Halls Of Golden Totem“, ehe der pandemiebedingte Stillstand vollständig beendet ist. Gemessen an den wenig günstigen Umständen legten BLAZON RITE jedoch einen ziemlich guten Start hin, denn ihre in Eigenregie vertriebene EP „Dulce Bellum Inexpertis“ avancierte in Underground-Kreisen schnell zum Geheimtipp. Da ihr Debütalbum über das etablierte Label Gates Of Hell Records erscheint, ist anzunehmen, dass sich die Formation nun ein breiteres Publikum erschließen kann.

BLAZON RITE erzeugen zunächst den Eindruck, als seien sie nicht mehr als eine weitere Retro-Band: Mit ihrem oftmals im Midtempo angesiedelten Ur-Metal in erdig-warmem Low-Fi-Sound orientiert sich die Band aus Philadelphia offenkundig an Genre-Vorreitern wie Cirith Ungol und Manilla Road. Damit rücken die Burschen automatisch in die Nähe von Kollegen wie Throne Of Iron oder Visigoth und man könnte meinen, es sei auf „Endless Halls Of Golden Totem“ die größte Leistung von BLAZON RITE gewesen, zu verstehen, wie dieser Proto-Metal funktioniert und dieses Wissen dann in die Tat umzusetzen. Tatsächlich ist dieses Verständnis der Truppe auch in jeder Note anzuhören, allerdings erweist sich ihr Debüt bereits beim ersten Durchlauf als weitaus vielschichtiger als eine bloße Tribute-Platte mit eigenen Songs.

Obschon BLAZON RITE nie verbergen (können), wo sie musikalisch herkommen, setzt die Formation die bekannten Elemente des Sounds ihrer Vorbilder zu überaus authentischen Eigenkreationen neu zusammen. Heraus kommen dabei neben gradlinigen Rockern wie „Executioner’s Woe“ vor allem groß angelegte Epen, in denen sich oftmals etliche Tempo- und Riffwechsel ergeben, was für einige Überraschungen sorgt. Beste Bespiele hierfür liefern „The Alchemists Brute“, „Into Shores Of Blood“ und vor allem der Titeltrack, der mit einem folkigen Mittelteil geradezu überrumpelt – wer den Songs die nötige Zeit zur Entfaltung gibt und „Endless Halls Of Golden Totem“ ein paar Durchläufe mehr erlaubt, wird jedoch feststellen, dass all diese unterschiedlichen Parts nie zusammenhanglos in Erscheinung treten.

Noch vor ihrem innovativen Songwriting sind jedoch ihre Songtexte die mit Abstand größte Stärke von BLAZON RITE. Nicht zuletzt im grandiosen „The Night Watchmen Of Starfall Tower“ erzählt die Band ebenso gut geschriebene wie vorgetragene Geschichten, die in ihrer Qualität weit über das übliche Dungeons-&-Dragons-Gehabe von guten 90 Prozent ihrer Mitstreiter hinausgehen. Nicht etwa, weil sie relevantere Themen behandeln würden, sondern weil ebenjene Fantasy-Stories hier mit lyrischem Feinsinn und schauspielerischer Inbrunst vorgetragen werden. In diesem Kontext ist es ein bisschen schade, dass ausgerechnet Sänger Johnny Halladay sich mit seiner temperierten Stimme oft schwer tut, gegen die Riffwände seiner Band anzusingen. Etwas mehr Durchsetzungskraft und „Dreck“ würden seiner Performance guttun, aber der Mann hat ja noch Zeit, sich zu entwickeln …

BLAZON RITE beweisen auf ihrem Erstlingswerk enormen kompositorischen Mut, was sich in ebenso abwechslungsreichen wie stimmigen Songs manifestiert. Somit ist „Endless Halls Of Golden Totem“ kein Album, das man mal eben so hören sollte, denn die acht Nummern auf dieser Platte haben es verdient, dass man sich voll und ganz auf sie einlässt. Wer das tut, wird mit einem unwahrscheinlich vielschichtigen Heavy-Metal-Album der ganz alten Schule überrascht, das sich zwar stets an den Gepflogenheiten des Genres orientiert, sich dabei aber nie an irgendeinen Trend anbiedert. Es bleibt zu hoffen, das BLAZON RITE noch viele weitere Platten aufnehmen werden, denn so viel Eigenständigkeit, wie dieses Viergespann hier an den Tag legt, hört man in diesem Genre nur sehr selten.

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Wertung: 8.5 / 10

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