CD-Review: Das Scheit - So Far From God... So Close To You

  • Veröffentlichung: 2008
  • Label: Twilight
Besetzung

Clint - Gesang
Sascha - Gitarre, Bass, Keyboard, Programmierung
Casey - Gitarre
Linda - Schlagzeug

Gastmusiker:

Jape Perätalo - Gesang
Michelle Darkness - Gesang

Tracklist

01. Epilog
02. So Far From God
03. Come Undone
04. No One
05. Hollow
06. December Sky
07. Snow White Hell
08. Someone Will Listen
09. By The Way (I Think Of Suicide)
10. Sehnsucht
11. Because The Night
12. ...So Close To You
13. Prolog


Als Einheimischer kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass die Wälder im Gebiet rings um Frankfurt am Main nicht so sonderlich spannend sind. Im Endeffekt ist es ja doch alles grün in grün und hin und wieder mal ein Reh. Und so viele davon haben wir hier auch nicht, ganz zu schweigen davon, dass die Ausdehnungen derer, die wir haben, auch eher beschränkt sind. Also kann ich jedes Stück Gehölz, das die Schnauze voll vom ewigen Rumliegen im Laub hat, auch nur darin bekräftigen, wenn es loszieht, um sich eine neue Beschäftigung zu suchen. So wie auch dieses hier, dem das ewige Moos ansetzen und im Forst vergammeln zu dumm wurde, so erhob es sich aus seinem Laubbett und verließ den heimischen Wald mit einem klaren Ziel vor Augen: Rockstar werden.

Das durchschnittliche Stück Holz ist allerdings, wie der eine oder andere wissen mag, nicht ganz so sehr mit Kreativität gesegnet, also legte unser hölzerner Protagonist sich einen auf den ersten Blick etwas befremdlichen Künstlernamen zu, aber ja mei, passen tut er. DAS SCHEIT nämlich. Und unter diesem Pseudonym treibt er sich jetzt seit 1996 im Düster-Underground herum. In der Zeit kamen vier Alben auf den Markt, das neuste davon mit dem Namen „So Far From God… So Close To You“. Interessant, dann werfen wir doch mal ein Ohr auf die musizierenden Hölzer.

Vorweg, ich weiß nicht, inwiefern das schon bei den vorigen Alben (mit so klangvollen Namen wie „Superbitch“) vorlag, die hab ich nämlich nicht gehört. Aber auf dem neusten Output beweißt der Holzklotz in etwa so viel Innovation wie… äh… selbiger. Ja, auf seinem Weg vom Wald zum Rockstarhimmel büffelte DAS SCHEIT scheinbar fleißig andere Bands irgendwie bekannter Genres und begnügt sich jetzt damit, die 1:1 nachzuspielen. Der Kreis der üblichen Verdächtigen ließt sich da sehr Kurios. DAS SCHEIT bewegt sich nämlich irgendwo zwischen Paradise Lost, Ministry, Darkseed, Samael und (aufgepasst jetzt!) Linkin Park, ohne auch nur einen einzigen eigenen Akzent zu setzen.

Die Liste der Dinge, die hier alle nicht stimmen, ist verdammt lang. Angefangen von den schon tausendmal recycelten Riffs über die billigen Elektrospielereien, vorbei an den kraftlosen Vocals irgendwo zwischen Stefan Hertrich und Vorph, den unsagbar schlechten englischen Texten (kein wunder, es ist ja auch ein deutsches Holz, aber dann soll es doch bei deutsch bleiben, wenn es kein Englisch kann…), den dünnen Keyboardarrangements und dem holzigen Drumsound, sowie der Produktion, die wahrlich kein Brett ist (oh Gott, noch ein so ein Wortspiel und ich fange an mich selbst zu hassen) bis hin zu den billigen Coverversionen von „No One“ (im Original auf Deutsch von Moses Pelhams Rödelheim Hartholz… äh… sorry, Hartreim Projekt) und „Because The Night“ und den merkwürdigen Rap-Einlagen, die ersteres der beiden Lieder zu bieten hat, greift DAS SCHEIT wieder und immer wieder zielsicher durch den Donnerbalken.

Was um so ärgerlicher ist, denn hin und wieder beweist es wirklich beneidenswerte Kompetenz. Es passiert nicht oft, aber manchmal blitzt einfach so etwas auf, das man mit viel Fantasie „gute Momente“ nennen könnte. Dabei will ich jetzt keinen speziellen Track nennen, die meisten haben den ein oder anderen richtigen Ton zu bieten. Da passt auf einmal alles zusammen und die Chose macht echt viel Spaß. Hält aber immer nur für ein paar Sekunden, danach fällt das Soundbild wieder auseinander wie ein frisch gespaltener Holzklotz.

So folgt diesen Augenblicken der Euphorie, in denen man glauben mag, man hätte eine kompetente Band vor sich, wieder diese extreme Ernüchterung, als man zu erkennen beginnt, dass da ja doch nur DAS SCHEIT auf der Bühne herumliegt. Wenn diese tatsächlich hörbaren Augenblicke etwas größer aufgepumpt und auf die Lauflänge des ganzen Albums (das immerhin 49 quälende Minuten umfasst) erweitert worden wären, dann könnten wir bald tatsächlich den ersten hölzernen Gast im Goth/Industrial Rock/Metal-Olymp begrüßen. Aber wo gehobelt wird, da fallen Späne. Und so haben wir es bei „So Far From God… So Close To You“ (will noch jemand für den klischeehaftesten Gothic-Albentitel des Jahres abstimmen?) eigentlich kaum noch mit einem Scheit sondern mit einem großen Haufen solcher Späne zu tun. Schade drum. Aber man hätte es ja bei dem Namen schon vermuten sollen, dass DAS SCHEIT scheit-ert…

Bewertung: 2.5 / 10

Geschrieben am

1 Kommentar zu “Das Scheit – So Far From God… So Close To You”

  1. klaus laus

    Wundert mich das sich überhaupt jemand die Mühe macht solch eine häßliche Mucke zu kommentieren!Aber Gottseid ank hat sich diese band in die ewigen Jagdgründe verabschiedet

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