CD-Review: Heathen - Empire Of The Blind

Besetzung

David R. White - Gesang
Lee Altus - Gitarre
Kragen Lum - Gitarre
Jason Mirza - Bass
Jim DeMaria - Schlagzeug

Tracklist

01. This Rotting Sphere
02. The Blight
03. Empire Of The Blind
04. Dead And Gone
05. Sun In My Hand
06. Blood To Be Let
07. In Black
08. Shrine Of Apathy
09. Devour
10. A Fine Red Mist
11. The Gods Divide
12. Monument To Ruin


Die kalifornischen Thrash-Metal-Veteranen HEATHEN lassen sich gerne Zeit. Zwischen ihrem Referenzwerk „Victims Of Deception“ und ihrer Comeback-Platte „The Evolution Of Chaos“ lagen nicht weniger als 19 Jahre und seither musste noch einmal ein Jahrzehnt vergehen, ehe mit „Empire Of The Blind“ endlich das nächste Album der Band in den Startlöchern steht. Nun brauchen Sänger David R. White und seine Mannschaft generell für die Dinge etwas länger und der Umstand, dass im Thrash Metal eh jeder jeden kennt, half da auch nicht weiter: Gitarrist Lee Altus ist auch bei Exodus aktiv. Weil deren Saitenakkrobat Gary Holt aber Doppelschichten bei Slayer schob, musste Heathen-Gitarrist Kragen Lum an seiner Stelle mit Exodus auf Tour. Blickt noch jeder durch? Nein? Macht nix. Jedenfalls steht mit „Empire Of The Blind“ nun endlich ein neues HEATHEN-Album kurz vor der Veröffentlichung und das ist alles, worauf es am Ende ankommt.

HEATHEN zählten schon immer zu den „intelligenteren“ Bands ihres Genres und auch „Empire Of The Blind“ zeigt wieder in aller Deutlichkeit, warum das so ist: Auf ihrer vierten Platte verbinden die Kalifornier erneut gekonnt thrashige Härte mit hymnischen Refrains und gar nicht mal so versteckten Melodien zu ebenjenem individuellen Sound, den es seit „Breaking The Silence“ nur bei ihnen gibt. Während ihre Kollegen Exodus oder Slayer mit ihren kompromisslosen Riff-Attacken auf Hochgeschwindigkeit also als eher „gewöhnliche“ Vertreter der Sparte angesehen werden können, bedienen HEATHEN – ähnlich wie etwa Death Angel – auch mit ihrer neuesten Platte wieder Fans von ausgefuchsteren Arrangements.

Das soll jedoch keinesfalls bedeuten, dass „Empire Of The Blind“ ein weichgespültes Album sei. Nach dem im Genre üblichen und bei HEATHEN obligatorischen Bombast-Intro „This Rotting Sphere“ eröffnet „The Blight“ sodann mit messerscharfem Riffing, das nicht zuletzt aufgrund der kantigen Produktion durch Soundmeister Chris „Zeuss“ Harris sofort an die Kollegen von Exodus denken lässt. Auch ansonsten wissen Gitarrist Lee Altus und Co. natürlich, dass sie keine Stadionrockband sind: In Nummern wie „In Black“, „Devour“ oder „The Gods Divide“ liefert die Truppe bilderbuchmäßigen Thrash Metal ab, der mit knackigen Riffs und knüppelnder Doublebass alles hat, was diese Musik braucht. Nicht nur aufgrund der bereits angesprochenen Produktion ist „Empire Of The Blind“ so ein deutlich härteres Album als sein Vorgänger geworden.

Doch HEATHEN können weitaus mehr als das. Auf „Empire Of The Blind“ gelingt es der Band wie keiner anderen, ein empfindliches Gleichgewicht aus Härte und Eingängigkeit aufrechtzuerhalten, das ihre Musik weitaus langlebiger als die ihrer vielen Mitstreiter macht. Oftmals wird die wuchtige Härte der Riffs von eindringlichen Melodien, großen Refrains und verspielten Arrangements kontrastiert, was für ein unwiderstehliches Spannungsverhältnis sorgt. Ist der Titeltrack hierfür bereits ein gutes Beispiel, erreicht diese Mixtur im beinahe schon progressiven „Sun In My Hand“ ihren Höhepunkt. Obendrein können HEATHEN auch ruhigere Töne anschlagen, wenn sie denn wollen und haben auch keine Scheu, das zum richtigen Zeitpunkt zu tun – gut so, denn sonst käme man kaum in den Genuss der Power-Ballade „Shrine Of Apathy“. Einzig das Instrumentalstück „Fine Red Mist“ hätte sich die Formation sparen können, denn hier handelt es sich schlussendlich um nicht mehr als einen „gewöhnlichen“ Song, dem die Gesangslinie fehlt.

Bei HEATHEN lohnt sich das Warten. Stolze zehn Jahre nach ihrem letzten Album präsentieren sich die Herren aus San Francisco als keinen Tag gealtert, aber bestens gereift. „Empire Of The Blind“ knüpft ziemlich genau dort an, wo „The Evolution Of Chaos“ vor einem Jahrzehnt aufgehört hat und schafft es gleichzeitig, seinen Vorgänger in fast jedem Punkt zu übertreffen: Superbes Songwriting trifft auf ungebremste Spielfreude und wird von einer in jeder Hinsicht gelungenen Produktion abgerundet. Das Resultat ist ein ebenso kraftvolles wie eingängiges und vor allem verdammt vielschichtiges Thrash-Metal-Album, das alle Erwartungen erfüllt und Fans der unterschiedlichsten Lager vereinen könnte. Hoffentlich lassen sich HEATHEN für den nächsten Streich nicht ganz so viel Zeit, aber wenn doch, hält „Empire Of The Blind“ bis dahin vor.

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Bewertung: 9 / 10

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