CD-Review: Holy Mother - Face This Burn

Besetzung

Mike Tirelli - Gesang
Greg Giordano - Gitarre, Bass
James Harris - Schlagzeug

Tracklist

01. Face This Burn
02. Love Is Dead
03. Legends
04. No Death Reborn
05. The Truth
06. Prince Of The Garden
07. Wake Up America
08. Mesmerized By Hate
09. Today
10. The River
11. Superstar


Die U.S.-Metaller HOLY MOTHER begannen ihre Karriere Mitte der 90er, als traditioneller Stahl gerade alles andere als angesagt war. Dennoch hatte das Genre immer noch Fans, die nach neuen Platten gierten – ein Vakuum, das die Band um Sänger Mike Tirelli zu füllen wusste, denn in den Jahren von ’95 bis 2000 veröffentlichten die Herren stolze fünf Alben. Kurze Zeit später sollte es jedoch erst einmal still werden um die Truppe, was mit Sicherheit auch daran gelegen haben muss, dass ihr Frontmann sich bei Riot und Messiah’s Kiss austobte und seit „Agoraphobia“ keine Zeit für einen weiteren Longplayer hatte. So mussten fast zwei Jahrzehnte vergehen, ehe mit „Face This Burn“ endlich ein neues Album von HOLY MOTHER in den Regalen steht.

Anders als die übrigen Bands des Herrn Tirelli sind HOLY MOTHER allerdings keineswegs in den 80ern hängengeblieben: Auf „Face This Burn“ ist die Truppe hörbar bemüht, Heavy Metal voll am Puls der Zeit zu spielen. Das resultiert in einer ziemlich breitbeinigen, rifforientierten Platte, die sich nur ausgesprochen selten irgendwelcher Genre-Klischees bedient. So besteht die Musik der Mannschaft selten aus ausgedehnten Leadgitarren-Eskapaden und setzt vielmehr auf meterdicke Gitarrenwände und wuchtige Riffs. Die wurden produktionstechnisch in ein derart modernes Gewand gekleidet, dass Songs wie „Legends“ oder „No Death Reborn“ stellenweise gar mit Industrial-Sounds kokettieren. Weil darauf aber oft ein großer, offener Refrain folgt, ist das eine überaus spannende Symbiose mehrerer Stilrichtungen, die gerade unbedarfte Hörer unerwartet treffen dürfte.

Dank entsprechender Arrangements und Refrains klingen HOLY MOTHER stets ur-amerikanisch und erinnern mit Songs wie „Love Is Dead“ oder dem ziemlich gelungenen weil vielschichtigen „Prince Of The Garden“ nicht selten an eine aufgepumpte Version von Bands wie etwa Fozzy. Insgesamt funktioniert die Musik der Herren dann am besten, wenn es weniger sperrig und damit eher rockig-gradlinig wird, was sich an Nummern wie dem arschcool groovenden „Wake Up America“ zeigt, das in seinen Riffs unüberhörbar von Black Sabbath inspiriert ist – moderner Lava-Lampen-Groove trifft es am besten. Paradoxerweise ist das beste Argument für HOLY MOTHER, dass sie keine Angst davor haben, kompositorisch mit der Zeit zu gehen – und doch passiert im besten Song von „Face This Burn“ das genaue Gegenteil: „The River“ zeigt die Amis unerwartet rotzig und entfesselt, mit kernigen Old-School-Riffs und einem mitreißenden Refrain. Klingt wie jede U.S.-Metal-Band ca. 1988 und macht mehr Spaß als alle anderen Tracks auf diesem Album.

Das mag daran liegen, dass HOLY MOTHER zwar stets fett und modern klingen, in ihrem Songwriting aber gerade in diesen Tracks oft einen Haken zu viel schlagen: „Face This Burn“ klingt nicht nur dank der fetten Produktion, sondern auch aufgrund diverser eigenartiger Gesangs- und Synthie-Effekte stark überproduziert. Zudem vermitteln Mr. Tirelli und seine Mitstreiter nicht selten den Eindruck, sie wüssten nicht genau, wo sie mit ihren Songs hinwollen – schon im Opener folgt auf wuchtige Riffs ein vollkommen aus dem Zusammenhang gerissener Refrain und auch im weiteren Verlauf der Platte nimmt die Musik nicht selten Wendungen, die sich nur schwer erschließen. Zusammengehalten wird das Ganze jedoch vom bissigen und doch melodiösen Gesang des Frontmanns, der „Face This Burn“ einen roten Faden verleiht – von der abschließenden Power-Ballade „Superstar“ mal abgesehen.

„Face This Burn“ ist ein sehr modernes Hard-Rock- bzw. Heavy-Metal-Album geworden, auf dem HOLY MOTHER beweisen, dass traditionsbewusster Metal nicht immer altbacken klingen muss. In ihren besten Momenten wissen die New Yorker mit ihrem tonnenschweren Sound voll zu überzeugen, in ihren schwächsten kann man ihnen hingegen nicht ganz folgen. Weil Mike Tirelli aber ein hervorragender Sänger ist, dessen markante Stimme großartig zu den kantigen Riffs von „Face This Burn“ passt, ist keiner der enthaltenen Songs als Totalausfall anzusehen. Abgesehen von traditionsverpflichteten Old-School-Puristen sollte jeder Headbanger diese Platte zumindest mal antesten.

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Bewertung: 6.5 / 10

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